2019 – Millésime exceptionel: Dominique Belluard, Gilles Berlioz, Domaines des Ardoisières, Arretxea, Dupasquier, Giachino sowie vom Mont Ventoux, noch einmal ausnahmsweise DIENSTAG, 2. Juni von 17 bis 21 Uhr

Weinjahrgänge

Die mehr oder weniger regelmäßige Abfolge von guten und weniger guten Weinjahrgängen beschäftigt den Rudl seit er ungefähr im Alter von 23 Jahren auf eine Jahrgangstabelle von Josef Jamek gestoßen ist. Ganz unregelmäßig dürfte das Ganze nicht sein, regelmäßig freilich auch nicht. Dem Rudl scheint, als ob selten einmal drei wirklich gute oder schlechte Weinjahrgänge aufeinander folgen würden. Selten. In Pupillin (Jura) etwa hat es in den Jahren 1930, 1931, 1932 und 1933 gar keine Ernte gegeben. 1934 wäre dann sogar ein sehr guter Jahrgang gewesen. Nur ist vielen Weinbauern der Wein zwischen den Fassdauben ausgeronnen, weil letztere über die Jahre davor ausgetrocknet waren.

So oder so, nach den affenheißen Jahrgängen 2017 und 2018 hat sich für das Empfinden vom Rudl 2019 in Sachen Hitze zurückgehalten. Womöglich wäre es als Weinjahrgang heute legendär, wenn die Temperaturen 2020 nicht erneut auf relativ moderatem Kurs unterwegs gewesen wäre. Und dann ist der präsumtive Jahrhundertjahrgang 2021 gekommen, wobei man vorsichtig sein sollte. Ob ein Jahrgang insgesamt als Jahrgang wirklich grandios ist, kann man halbwegs seriös vermutlich frühestens zehn Jahre nach seinem Verlauf beurteilen. Aber zumindest im Baskenland und im Kremstal wird der Einundzwanzigerjahrgang wohl in äußerst positiver Hinsicht in die Annalen eingehen. Danach war 2022, ein in fast jeder Hinsicht Un-Jahr, neben dem jeder Folgejahrgang zwangsläufig gut ausschauen muss. In weiterer Folge ist der Rudl vor allem auf die Entwicklung der Weine des Jahrgangs 2025 neugierig. Das könnte sehr interessant werden.

2019 – Résitance à la Klimakrise

In der Sprache der Oenologinnen und Oenologen gibt es den Terminus des „warmen Jahrgangs“. Wenn Sie den Rudl fragen, dann handelt es sich dabei zunehmend um einen Pleonasmus. Seit mindestens zwanzig Jahren ist ein Jahrgang ein warmer Jahrgang und es ist ein Jahrgang ein Jahrgang mit existenzgefährdenden meteorologischen Ereignissen. Wenn Sie, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, das Wort „existenzgefährdend“ in diesem Zusammenhang als überzogen erachten, dann empfiehlt Ihnen der Rudl einen Blick auf landwirtschaftsspezifische Suizid-Statistiken. Was zwar gebetsmühlenartig diagnostiziert wird, aber in der Regel ohne Konsequenzen bleibt, ist der Umstand, dass diese Klimakrise rabiat eskaliert, solange weiter zubetoniert und ein steigender Benzinpreis als größtes anzunehmendes Unglück erachtet wird.

Vergleichbar einem trotzigen Teenager, der revoltiert, aber genau weiß, dass er gegen die Übermacht der angeblich vernünftigen Erwachsenen nicht ankommt, scheint es Weinjahrgänge zu geben, die, zumindest was die Affenhitze während der Vegetationsphase betrifft, noch das eine oder andere Anzeichen von Resistenz zeigen. Viele sind es nicht. Mehr werden es auch nicht. Aber 2019 war ganz sicher so ein Jahrgang. Damit folgt Caviste Rudolf nicht dem Trend, Jahrgänge auf Neun kategorisch als besonders grandios hochzujubeln. Die Lobeshymnen auf 2009 etwa kann der Rudl zum Beispiel überhaupt nicht nachvollziehen. Da erscheinen ihm 2008 und 2010 als viel anmutigere Weinjahrgänge. Aber 2019 könnte sich wirklich als ein ganz extraordinairer Jahrgang im einundzwanzigsten Jahrhundert herausstellen.

2019 aus heutiger Sicht

Frischer Start in die Vegetationsphase, warmer Sommer, aber keine Affenhitze. Das hat bei gelungenen Rotweinen die Reifung der Tannine begünstigt. Weißweine aus 2019 geben sich oft durch frische, aber, im Fall einer erfolgreich absolvierten Malo, harmonische Säure in Kombination mit aromatischem Reichtum zu erkennen. Beide Weinfarben bestechen im Jahrgang 2019 durch remarquables Reifepotential. Das ansatzweise empirisch nachvollziehbar zu machen ist auch Sinn der gegenständlichen Lehrveranstaltung.

Bereits 2023 hat Caviste Rudolf Polifka zweimal auf das seines Erachtens hohe Niveau des Jahrgangs 2019 hingewiesen. Vier Jahre später sind diese Weine jetzt sieben Jahre alt, ein biblisches Alter und dem Rudl ein ausreichendes Motiv, 2019 erneut vor den oenologischen Vorhang zu bitten. Allerdings wird 2019 dieses Mal von anderen Weinen repräsentiert als vor drei Jahren.

  • 2019 Les Perles du Mont Blanc brut zéro, Dominique Belluard, Ayze, Haute-Savoie (6,50/10)

Schaumwein eines ganz großen savoyardischen Weinbauern, ohne Dosage

  • 2019 Chardonnay, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOC Vin de Savoie (3/5)

Wenn der Rudl Weißwein von Dupasquier kredenzt, handelt es sich fast immer um Jacquère oder Altesse. Fast.

  • 2019 Quartz, Domaine des Ardoisières, Cevins, IGP Vin des Allobroges (12/18)

Die Terrassen in Cevins hätten keinen kühlen Jahrgang notwendig. Aber in einem solchen weisen die Weine von dort noch mehr Zug auf.

  • 2019 Prieuré Saint Christophe rouge, Domaine Giachino, Fréterive, AOC Vin de Savoie (7/11)

Diese Mondeuse schmeckt umso weniger südlich.

  • 2019 Côtes du Ventoux Rouge, Domaine de Fondrèche, Mazan, Rhône sud (3/5)
  • 2019 Dolia, Domaine Arretxea, AOC Irouléguy, Sud Ouest (7/11)

Mehr oder weniger der gleiche Wein wir Rouge tradition, nur dass der Ausbau etwas kürzer und in baskischen Tonamphoren stattfindet. Diese sind von Michel Riouspeyrous, dem Bergeracer Weinbauern Luc de Conti (Château Tour des Gendres) und dem Töpfermeister Goicoechea entwickelt worden. Letzterer ist nicht zu verwechseln mit dem „Schlächter von Bilbao“, Andoni Goikoetxea. Mit diesem hat seinerzeit auch ein gewisser Goleador das fragwürdige Vergnügen gehabt, wenn sich Goikoetxea auch nachdrücklicher bei Bernd Schuster und Diego Maradona in Erinnerung gebracht haben dürfte. Was weiß man, vielleicht schreibt sich der Töpfermeister aus Osses deshalb anders, weil er nicht mit dem Raubein vom Fußballplatz verwechselt werden möchte. Der Wein ist jetzt am Höhepunkt seiner Entwicklung. Milde Piments und eine Filigrance, die man Tannat nicht zutraut.

DIENSTAG, 2. Juni von 17 bis 21 Uhr

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils

Reindorfgasse 22

Am 27. Jänner 1945 sind die Überlebenden aus dem Konzentrationslager Auschwitz befreit worden. Was spricht dagegen, den 27. Jänner deshalb endlich zu einem gesamteuropäischen Feiertag zu erklären? Gar nichts!

Ostbahn lebt!

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Arretxea v Ilarria. Von der rechten auf die linke Straßenseite des Chemin  de Pikatoreko und wieder retour, ausnahmsweise DIENSTAG, 26. Mai von 17 bis 21 Uhr

Dienstag

In den kommenden beiden Wochen wird der Rudl jeweils am Dienstag (26. Mai und 2. Juni) aufsperren. An den nächsten beiden Donnerstagen (28. Mai und 4. Juni) wird deshalb geschlossen sein. Danach geht es wieder donnerstags dem Zeugnis entgegen. Streng mahnt Weinschulmeister Rudolf zu gewissenhafter Anwesenheit im Unterricht.

Baskenland

Es gibt viele Gegenden, die Caviste Rudolf Polifka für ihre interessanten Weingartenterroirs schätzt. Und es gibt das Baskenland, genauer genommen geht es um Irouléguy, die Appellation im nördlichen Teil des Baskenlandes, die zwar nur mit gut zweihundert Hektar Weingärten aufwarten kann, aber in ihrer Vielfalt an geologischen Gegebenheiten auf engstem Raum einen regelrechten Fleckerlteppich darstellt. Keines der Fleckerl erscheint dem Rudl uninterressant. Und gerade so wie die Steine alle paar Meter andere sind, kann man kaum dreimal umfallen, ohne dass man sich auf dem Weingarten eines anderen Weinbauern befindet. Viele von ihnen machen noch nicht lange selber Wein und von diesen wiederum haben die meisten ihre Trauben früher an die Genossenschaft oder an andere Weinbauern geliefert. Für eine Genossenschaft ist nicht einmal der Cave d’Irouléguy groß. Und für unabhängige Winzer sind vor allem die vielen neuen äußerst klein, was die Rebfläche betrifft, in den meisten Fällen zwischen einem und fünf Hektar. Michel Riouspeyrous und Peio Espil gehören nicht zu diesen neuen. Ihre Weingärten erstrecken sich auf zwölf, beziehungsweise zehn Hektar. Im nicht-baskischen Teil der Welt gilt man damit als kleiner Betrieb. Genau genommen sind Peio Espil und Michel Riouspeyrous inzwischen Rentner und nicht Winzer, aber wer die Leidenschaft der beiden für ihre Appellation kennt, wird nicht ernsthaft annehmen, dass sie im Liegestuhl auf der Terrasse sitzen und Zeitung lesen.      

  • 2021 Irouléguy rouge tradition, Domaine Arretxea, Irouléguy, Sud Ouest (4,50/7)

Roter Sandstein, viel Eisen im Boden, zwei Drittel Tannat und eines Cabernets, das Ganze wird ein Jahr im Betonei ausgebaut und ist vermutlich inzwischen so etwas wie der Archetyp eines roten Irouléguys. Der Archetyp eines Irouléguys war bis vor eineinhalb Jahrzehnten ein roter Irouléguy. Jetzt sind die teuersten Irouléguys Weißweine. Rouge tradition conveniert ganz besonders Lamm und Ente, ein Auftrag für die Karaffe, sofern man den Wein nicht ein paar Tage vorher geöffnet hat.

  • 2018 Irouléguy rouge, Domaine Ilarria, Irouléguy, Sud Ouest (5/8)

Den Jahrgang in die Flasche bringen, das ist das Leitmotiv zu diesem Wein. Er wird etwas länger ausgebaut als Rouge tradition von Arretxea. Fünfzehn Monate darf der Wein im gebrauchten Holz atmen. Darum sind seine Tannine rund und relativ früh zugänglich. Empfohlen wird er vor allem zu Gegrilltem.

  • 2019 Dolia, Domaine Arrexea, Irouléguy, Sud Ouest (7/11)

Mehr oder weniger der gleiche Wein wir Rouge tradition, nur dass der Ausbau etwas kürzer und in baskischen Tonamphoren stattfindet. Diese sind von Michel Riouspeyrous, dem Bergeracer Weinbauern Luc de Conti (Château Tour des Gendres) und dem Töpfermeister Goicoechea entwickelt worden. Letzterer ist nicht zu verwechseln mit dem „Schlächter von Bilbao“, Andoni Goikoetxea. Mit diesem hat seinerzeit auch ein gewisser Goleador das fragwürdige Vergnügen gehabt, wenn sich Goikoetxea auch nachdrücklicher bei Bernd Schuster und Diego Maradona in Erinnerung gebracht haben dürfte. Was weiß man, vielleicht schreibt sich der Töpfermeister aus Osses deshalb anders, weil er nicht mit dem Raubein vom Fußballplatz verwechselt werden möchte. Der Wein ist jetzt am Höhepunkt seiner Entwicklung. Milde Piments und eine Filigrance, die man Tannat nicht zutraut.

  • 2017 Irouléguy rouge sans sulfites ajoutés, Domaine Ilarria (6,50/10)

2008 hat Peio Espil begonnen, einen Wein ganz ohne Schwefelzugabe zu vinifizieren. Der Rudl kennt in Irouléguy keinen zweiten Weinbauern, der das macht.

  • 2020 Burdin Harria, Domaine Arretxea, Irouléguy, Sud Ouest (8/12)

Die rote Entsprechung zu Schistes und Grès, lediglich sechzig Percent Tannat, dafür vulkanischer Ophite als Grundlage. Vier Wochen Maischestandzeit, achtzehn Monate in gebrauchtem Holz, ausdrucksstark, dicht und frisch. Brombeere und schwarze Kirsche. Begleitet besonders gerne Fleisch von Tieren, die nicht in der Fabrik turbogezüchtet, sondern auf der Weide aufgewachsen sind, und deren Fleisch deshalb nach einem längeren Schmorvorgang schreit. Unbedingt karaffieren.   

DIENSTAG, 26. Mai von 17 bis 21 Uhr

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils

Reindorfgasse 22

Am 27. Jänner 1945 sind die Überlebenden aus dem Konzentrationslager Auschwitz befreit worden. Was spricht dagegen, den 27. Jänner deshalb endlich zu einem gesamteuropäischen Feiertag zu erklären? Gar nichts!

Ongi etorri!

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Sgaminegg, Maria und Sepp Muster & Welschriesling vom Opok, Sternat-Lenz: vertikal zwischen 2006 und 2024, Donnerstag, 21. Mai von 17 bis 21 Uhr

Weil Sie sagen „mineralisch“ …

… ein Wort, das in den Ausführungen des Rudls nicht oft genug vorkommt, um als Wortwolke weiß Gott wie fett ausgedruckt zu werden. Auf Basis etablierter Hochglanzpublikationen würde das vermutlich ganz anders ausschauen. So oder so, wissenschaftliche Evidenz für Spuren von Steinen im Wein scheint bisher keine vorzuliegen. Das hindert den Rudl aber nicht, eine solche für möglich zu halten. Die positivistische Beschränkung auf Nachweisbares erscheint dem Rudl sowieso etwas problematisch, wenngleich der Nachweis natürlich gesucht werden will. Schließlich ist die Forschung „unser höchstes Gut“, wie Monsieur F., ein vom Rudl überaus geschätzter Denker, vor fünfunddreißig Jahren festgestellt hat. Gelingt es einmal, Mineralität im Wein nachzuweisen, bezweifelt der Rudl, dass dies bei sehr vielen Weinen in nennenswerter Quantität der Fall sein wird. Beim Sgaminegg von Maria und Sepp Muster hält er derlei für möglich, nicht nur weil der Name auf eine slawische Bezeichnung für steinigen Boden verweist. Auf einem solchen, noch dazu ziemlich kargen stehen die Reben für diesen Wein, ganz oben am Hang. Dort sind sie in besonderem Maß den kühlen Winden von der Koralpe ausgesetzt. Das begünstigt die Bildung von sehr kleinen Beeren mit konzentrierter, vielschichtiger Aromatik. Dass die Rebstöcke alt sind, ist auch kein Schaden. Sauvignon blanc und Morillon.

Zeit für eine Vertikale

Es gibt nicht so viele Weine, die der Rudl seit dem Aufsperren seiner Weinidee vor vierzehn Jahren mehr oder weniger ohne absichtliche Unterbrechung in seinem Sortiment führt. Sgaminegg ist auch keiner davon, denn begonnen hat die Geschichte vom Rudl mit dem Weingut Muster mit dem Sauvignon vom Opok, der seinerzeit noch Sauvignon blanc geheißen hat. Sgaminegg ist dem Rudl damals noch ein bissl „zu viel“ gewesen. Den Zugang zu diesem Wein hat sich Caviste Rudolf Polifka erarbeitet. Dann hat der Wein sehr schnell seinen Weg ins Sortiment gefunden. Und jetzt ist es Zeit für eine kleine Vertikale, wenn Sie den Rudl fragen.

  • 2006 Sgaminegg, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Südsteiermark (12/18)
  • 2020 Welschriesling vom Opok, Sternat-Lenz, Remschnigg, Südsteiermark (6/9)
  • 2021 Welschriesling vom Opok, Sternat-Lenz, Remschnigg, Südsteiermark (6/9)
  • 2022 Sgaminegg, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Südsteier-mark (9/14)
  • 2023 Sgaminegg, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Südsteiermark (9/14)
  • 2024 Welschriesling vom Opok, Sternat-Lenz, Remschnigg, Südsteiermark (5/8)

Donnerstag, 21. Mai von 17 bis 21 Uhr

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils

Reindorfgasse 22

Am 27. Jänner 1945 sind die Überlebenden aus dem Konzentrationslager Auschwitz befreit worden. Was spricht dagegen, den 27. Jänner deshalb endlich zu einem gesamteuropäischen Feiertag zu erklären? Gar nichts!

Windig, steinig & herzlich grüßt Rudolf Polifka!

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Ausnahmsweise wieder DIENSTAG, 12. Mai von 17 bis 21 Uhr: Marestel – vertikal: von der Herklotzgasse zum Dent du Chat und retour in die Reindorfgasse

Do woa sei Leischtung!

Wenn Sie, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, so wollen, handelt es sich beim Cru Marestel von Dupasquier um die Verbindung der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils in der Reindorfgasse zum Altwienerhof von Monsieur Rudolf Kellner in der Herklotzgasse, seinerzeit dem ersten Haus der Stadt, das es leider nicht mehr gibt. Nicht dem Namen, sondern der Profession nach Kellner war Claude Mareste, Kellner und Berater am Château den Lucy, gleich am Fuß der Montagne du Chat. Im sechzehnten Jahrhundert ist das gewesen. Dieser Kellner hat seinem Grafen einen oenologischen Rat von Tragweite gegeben: Weinstöcke in die bis zu fünfundsechzig Percent steilen, felsigen Hänge über dem Château zu pflanzen, was in diesem Fall wohl präziser mit „hauen“ zu bezeichnen ist. Als Dank für diese Leistung ist der entsprechende Cru heute nach dem Berater und Kellner Claude Mareste benannt: Marestel

Diesen Wein anbieten zu können ist für Caviste Rudolf Polifka eine ganz besondere Freude und auch Ehre. Der Cru Marestel schaut quasi zum Dent du Chat hinauf. Der ist ungefähr genau so zackig, wie sein Name nahelegt. Eine ausgesprochen gute Konditorei in Aix-les-Bains bietet ihn als Schokoladekonfekt an.

So oder so, wächst der Cru Marestel auf den westlichsten Weingärten der Weinbauregion Savoyen. Unten rinnt dann gleich einmal die Rhône vorbei. Da ist es dann mit Savoyen vorbei. Am anderen Rhône-Ufer befindet man sich bereits im Bugey.

Domaine Dupasquier

Angefangen hat alles knapp vor der Reblauskatastrophe. Antoine Dupasquier und dann sein Sohn Eugène, mit Mais, Hasen, Hendln, Kühen und Wein für die Gastronomie des Thermalkurortes Aix-les-Bains. Heute führen David und seine Schwester Véronique den Hof in fünfter Generation. Viele Weingüter gibt es wahrscheinlich nicht, in denen sich in fünf Generationen so wenig geändert hat. Die Eltern von Véronique und David, Marie Jeanne und Noël haben bei ihrer Betriebsübernahme Anfang der Siebzigerjahre die gemischte Landwirtschaft auf ein reines Weingut umgestellt. Mit der Flaschenabfüllung hat das Weingut auch zu dieser Zeit begonnen. Markanteste Innovation und bis heute ein Alleinstellungsmerkmal in Savoyen ist jedoch ganz sicher die Verlängerung des Ausbaus der Weine auf das bis zu Fünffache dessen, was ortsüblich ist, selbst bei Spitzenwinzern.

Die Weingärten weisen im Durschnitt ein Alter von fünfundfünfzig Jahren auf. Handarbeit wird großgeschrieben. Vor allem in den Marestel-Lagen wäre etwas anderes sowieso nicht möglich. Die Frage nach synthetischer oder mechanischer Vernichtung des sogenannten Unkrauts stellt sich nicht, weil zwischen den mehr oder weniger großen Felsklumpen sowieso praktisch nichts anderes als Vitis vinifera einen Auftrag hat. Im Keller beschränken sich Interventionen auf das Notwendige. Ziel sind möglichst natürliche, präzise Weine. Faune und Flora der ausgesetzten Lagen gelten den Dupasquiers nicht nur als Werkzeuge, sondern auch als Erbe, für das man Verantwortung trägt. Heiße Sommer und frische Nächte gewährleisten ein bemerkenswertes Gleichgewicht zwischen Reife, Frische und kristalliner Präzision. Das Weingut empfiehlt seinen Cru Marestel zu Geflügel, Jacobsmuscheln, Foie gras und vor allem zu asiatischer Küche.

  • 2022 Altesse „aVé“, Côteaux des Girondales, Villaz, Vin de France (5/8)

Altesse, wie sie auch schmecken kann, allerdings in einem fast diametral entgegengesetzten Stil zum Marestel. Dieser Stil schmeckt dem Rudl aber auch exceptionell gut.

  • 2020 Marestel, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOC Roussette de Savoie (5/8)

Altesse, wie sie eigentlich nur aus der Lage Marestel schmecken kann, aus den Dupasquier-Weingärten von Marestel. Leider scheint es nach 2013 keine systematischen Jahrgangsbeschreibungen für Savoyen mehr zu geben. Darum kann Ihnen der Rudl nur seine persönlichen Wahrnehmungen mitteilen. Diese beschränken sich stets auf den Juli und beim Jahrgang 2020 nicht einmal auf diesen, denn 2020, 2013 sowie 2025 waren die drei Jahre, in denen der Rudl seit 2008 nicht in Savoyen war. 2020 war kein kühler Jahrgang, aber so heiß wie 2022 war er nicht.

  • 2017 Marestel, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOC Roussette de Savoie (5/8)

warmer Jahrgang

  • 2016 Marestel, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOC Roussette de Savoie (6/9)

äußerst kühler Jahrgang, der zweitkühlste nach 2014 in den letzten fünfzehn Jahren

  • 2015 Marestel, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOC Roussette de Savoie (6/9)

heißer Jahrgang mit so wenig Oidium- und Peronosporadruck wie wenig andere

  • 2012 Marestel, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOC Roussette de Savoie (6,50/10)

warmer Jahrgang

DIENSTAG, 12. Mai von 17 bis 21 Uhr

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils

Reindorfgasse 22

Am 27. Jänner 1945 sind die Überlebenden aus dem Konzentrationslager Auschwitz befreit worden. Was spricht dagegen, den 27. Jänner deshalb endlich zu einem gesamteuropäischen Feiertag zu erklären? Gar nichts!

Auf sinnvolle und konstruktive Leistungen!

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien