Rhône
Die zweitmeisten Neuzugänge während der Sommerpause kommen aus den Rhônen. Der Bach bildet ja quasi zwei Weinbauregionen: Rhône nord und Rhône sud. Und da ist alles, was flussaufwärts von der Côte-Rôtie wächst, noch gar nicht includiert: Manche Weingärten des Bugey, die savoyardischen Weine aus Jongieux, wo die Dupasquiers zuhause sind, aber auch das Schweizer Nordufer und des französische Südufer des Genfer Sees, das Wallis sowieso … alles an der Rhône, aber nicht in den Weinbauregionen Rhône. Und justament mit dem, was man in der Oenologie klassischerweise unter Rhône versteht, hat sich der Rudl nie ganz leicht getan. Lange Zeit hat er diese Weinbauregionen links liegen gelassen, manchmal hat er Reisen auch so geplant, dass er in diesen Gegenden nachts unterwegs war, weil ihn Weine von dort sowieso nicht interessiert haben. Früher oder später stellt einem so eine Ignoranz eine Rechnung aus, entweder in Form eines schlechten Gewissens oder als ein etwas verstohlen wahrgenommenes Interesse. Dazu kommt, dass der Rudl aus dem Sechsundneunzigerjahr äußerst positive Erinnerungen an und auch noch ein Flascherl aus Gigondas hat. Nur waren damals, vor dreißig Jahren, die durchschnittlichen Sommertemperaturen an der südlichen Rhône und die Alkoholwerte der Weine signifikant niedriger, wenn auch im Vergleich zu anderen Weinbauregionen damals schon hoch. So oder so, wenn Oenologiekommilitone Rudolf Polifka über Weine von der Rhône liest, dann wird er von irgendeinem mysteriösen Faszinosum gepackt. Wie an dieser Stelle schon einmal ausgeführt, gilt Château Rayas aus der Appellation Châteauneuf-du-Pape als Inbegriff von Feinheit, Raffinesse und Eleganz. Nur schreibt der Rudl da gewissermaßen wie der Blinde von der Farbe, denn er hat noch nie einen Château Rayas getrunken. Einen Forschungsauftrag leitet er daraus ab. Und diesem ist er in den letzten Wochen gefolgt.
Jean-François Malsert, Domaine de l’Iserand, Sécheras, Rhône nord
Jean-François verbietet sich jedes Euzerl von Schwere in seinen Weinen. In Anbetracht seiner schwierig zu bearbeitenden Höhenlagen auf Gneiss ist das ganz bestimmt leichter zu realisieren als weiter unten am fruchtbaren Fluss.
- 2025 Chasselas, Domaine de l‘Iserand, Sécheras, Vin de France (4,50/7)
Über Chasselas kann man viel sagen und es wird über Chasselas auch viel gesagt. Positiv ist das meistens davon eher nicht. Und das wiederum sehr oft nicht ganz zu Unrecht. Wer manch überladenen Rebstock an den Ufern des Genfer Sees gesehen hat, wird sich darüber auch nicht wundern. Nur ist es andererseits auch so, dass zum Beispiel in der Gegen um Saint Joseph Chasselas immer angebaut worden ist, nicht nur angebaut, sondern auch vinifiziert. Dieser Tradition hat sich Jean-François besonnen und einen Wein gemacht, den man dort ziemlich sicher nicht vermuten würde, auch wenn es ihn früher dort gar nicht selten gegeben hat. „Désaltérant“ nennt der Weinbauer das. Man kann diesen Wein gegen den Durst trinken.
- 2024 Saint Joseph rouge « Les Sabots de Coppi », Domaine de l’Iserand, Sécheras, Rhône nord (8/12)
das Gegenteil von Marmelade und das Gegenteil von Holzscheitl, in der Tonamphore ausgebaut, schwarze Früchte, frische Bergamotten, ein Pfefferl im Glas statt auf dem Werbefolder, wobei das diminutive Suffix angebracht erscheint und man nicht den Eindruck hat, in ein Pfefferkörndl zu beißen; floral und würzig, wie man es vielleicht eher an der südlichen Rhône erwarten würde, alles ohne dick aufzutragen und vor allem … vibrierend.
Domaine Gramenon, Montbrison-sur-Lez, Rhône sud
Oenoadministrativ liegt die Domaine Gramenon in der Weinbauregion Rhône sud, wenn auch in deren nordöstlichstem Eck. Aber viel haben ihre Weine mit jenen der umliegenden Weingüter nicht gemeinsam. Die Höhenlage über den anderen Weingärten und ein massiver, alpiner Kalkriegel hat ein Plateau in 550 Metern Seehöhe gebildet. Geologisch ist das Terroir südalpin. Nur sind die Südalpen keine Appellation. Die Appellation Clairette de Die ist zwar nicht weit weg, aber etwas ganz anders, darum Côtes du Rhône. In dieser Gegend sind die Grenaches die Patrone. Hoch oben in den Weingärten der Domaine Gramenon bringen sie Weine von Eleganz und Frische, die man von dieser Rebsorte nicht alle Tage bekommt. Dass diese Grenache-Reben zwischen fünfzig und hundertzwanzig Jahre alt sind, wird auch eine Rolle spielen, alle aus Sélection massale. Biologisch wird das Weingut schon seit 1978 geführt. Die ersten Exzesse der Klimakrise haben Anfang der Zweitausenderjahre nahegelegt, die Weingärten durch biodynamische Bewirtschaftung zu stärken. Die Böden haben sich sofort durch mehr Lebendigkeit, die Reben durch eine erhöhte Widerstandskraft ausgezeichnet. Wie Jean-François Malsert etwas weiter nördlich erachtet man auch hier die Treffsicherheit beim Erkennen der Reife als entscheidenden Faktor. Dass die absolute „Pureté“ eine unerreichbare Utopie darstellt, wissen die Laurents. Möglichst nahe an sie heranzukommen bleibt das Ziel. Viel fehlt nicht, wenn Sie den Rudl fragen.
- 2025 Pétillant naturel « Tout en bulles », Domaine Gramenon, Montbrison-sur-Lez, Vin de France (4,50/7)
Clairette rose und Clairette blanche auf einer Bank aus Sandstein, die das Urmeer vor zwölf Millionen Jahren gebildet hat; vierzig Hektoliter am Hektar, was für einen Pétillant naturel äußerst wenig ist und vielleicht erklärt, warum dieser Pet nat nicht wie ein mit Alkohol und Kohlensäure versetzter Traubensaft schmeckt. Acht Monate hat er gären dürfen.
- 2025 La Vie on Y est, Domaine Gramenon, Montbrison-sur-Lez, AOC Côtes du Rhône blanc, Rhône sud (5/8)
dreißig Percent Viognier, fünfundzwanzig Clairette, zwanzig Bourboulenc und fünfundzwanzig Grenache blanc auf Kalk, Ton und Sand; fünfunddreißig Hektoliter am Hektar
Elodie Balme, Rasteau
Grenache auf Kalk, Syrah und Mourvèdre auf Sandstein, Grenache und Mourvèdre gerebelt, Syrah nur zum Teil. Die Vinifizierung erfolgt im Beton. Daraus resultiert eine äußerst seltene Kombination aus Kraft, Eleganz, Vielschichtigkeit und Frische.
- 2020 Rasteau, Elodie Balme, AOC Rasteau, Rhône sud (4/6)
Domaine Fondrèche
als Reverenz an das spannende Frauenradlrennen der letzten Woche
- 2019 Côtes du Ventoux Rouge, Domaine de Fondrèche, Mazan, Rhône Sud (3/5)
DONNERSTAG, 13. August von 17 bis 21 Uhr
Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils
Reindorfgasse 22
Am 27. Jänner 1945 sind die Überlebenden aus dem Konzentrationslager Auschwitz befreit worden. Was spricht dagegen, den 27. Jänner deshalb endlich zu einem gesamteuropäischen Feiertag zu erklären? Gar nichts!
Un-smart wie nur was grüßt Monsieur Rudolf!
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Weinhandlung Rudolf Polifka et fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien