Dienstag
In den kommenden beiden Wochen wird der Rudl jeweils am Dienstag (26. Mai und 2. Juni) aufsperren. An den nächsten beiden Donnerstagen (28. Mai und 4. Juni) wird deshalb geschlossen sein. Danach geht es wieder donnerstags dem Zeugnis entgegen. Streng mahnt Weinschulmeister Rudolf zu gewissenhafter Anwesenheit im Unterricht.
Baskenland
Es gibt viele Gegenden, die Caviste Rudolf Polifka für ihre interessanten Weingartenterroirs schätzt. Und es gibt das Baskenland, genauer genommen geht es um Irouléguy, die Appellation im nördlichen Teil des Baskenlandes, die zwar nur mit gut zweihundert Hektar Weingärten aufwarten kann, aber in ihrer Vielfalt an geologischen Gegebenheiten auf engstem Raum einen regelrechten Fleckerlteppich darstellt. Keines der Fleckerl erscheint dem Rudl uninterressant. Und gerade so wie die Steine alle paar Meter andere sind, kann man kaum dreimal umfallen, ohne dass man sich auf dem Weingarten eines anderen Weinbauern befindet. Viele von ihnen machen noch nicht lange selber Wein und von diesen wiederum haben die meisten ihre Trauben früher an die Genossenschaft oder an andere Weinbauern geliefert. Für eine Genossenschaft ist nicht einmal der Cave d’Irouléguy groß. Und für unabhängige Winzer sind vor allem die vielen neuen äußerst klein, was die Rebfläche betrifft, in den meisten Fällen zwischen einem und fünf Hektar. Michel Riouspeyrous und Peio Espil gehören nicht zu diesen neuen. Ihre Weingärten erstrecken sich auf zwölf, beziehungsweise zehn Hektar. Im nicht-baskischen Teil der Welt gilt man damit als kleiner Betrieb. Genau genommen sind Peio Espil und Michel Riouspeyrous inzwischen Rentner und nicht Winzer, aber wer die Leidenschaft der beiden für ihre Appellation kennt, wird nicht ernsthaft annehmen, dass sie im Liegestuhl auf der Terrasse sitzen und Zeitung lesen.
- 2021 Irouléguy rouge tradition, Domaine Arretxea, Irouléguy, Sud Ouest (4,50/7)
Roter Sandstein, viel Eisen im Boden, zwei Drittel Tannat und eines Cabernets, das Ganze wird ein Jahr im Betonei ausgebaut und ist vermutlich inzwischen so etwas wie der Archetyp eines roten Irouléguys. Der Archetyp eines Irouléguys war bis vor eineinhalb Jahrzehnten ein roter Irouléguy. Jetzt sind die teuersten Irouléguys Weißweine. Rouge tradition conveniert ganz besonders Lamm und Ente, ein Auftrag für die Karaffe, sofern man den Wein nicht ein paar Tage vorher geöffnet hat.
- 2018 Irouléguy rouge, Domaine Ilarria, Irouléguy, Sud Ouest (5/8)
Den Jahrgang in die Flasche bringen, das ist das Leitmotiv zu diesem Wein. Er wird etwas länger ausgebaut als Rouge tradition von Arretxea. Fünfzehn Monate darf der Wein im gebrauchten Holz atmen. Darum sind seine Tannine rund und relativ früh zugänglich. Empfohlen wird er vor allem zu Gegrilltem.
- 2019 Dolia, Domaine Arrexea, Irouléguy, Sud Ouest (7/11)
Mehr oder weniger der gleiche Wein wir Rouge tradition, nur dass der Ausbau etwas kürzer und in baskischen Tonamphoren stattfindet. Diese sind von Michel Riouspeyrous, dem Bergeracer Weinbauern Luc de Conti (Château Tour des Gendres) und dem Töpfermeister Goicoechea entwickelt worden. Letzterer ist nicht zu verwechseln mit dem „Schlächter von Bilbao“, Andoni Goikoetxea. Mit diesem hat seinerzeit auch ein gewisser Goleador das fragwürdige Vergnügen gehabt, wenn sich Goikoetxea auch nachdrücklicher bei Bernd Schuster und Diego Maradona in Erinnerung gebracht haben dürfte. Was weiß man, vielleicht schreibt sich der Töpfermeister aus Osses deshalb anders, weil er nicht mit dem Raubein vom Fußballplatz verwechselt werden möchte. Der Wein ist jetzt am Höhepunkt seiner Entwicklung. Milde Piments und eine Filigrance, die man Tannat nicht zutraut.
- 2017 Irouléguy rouge sans sulfites ajoutés, Domaine Ilarria (6,50/10)
2008 hat Peio Espil begonnen, einen Wein ganz ohne Schwefelzugabe zu vinifizieren. Der Rudl kennt in Irouléguy keinen zweiten Weinbauern, der das macht.
- 2020 Burdin Harria, Domaine Arretxea, Irouléguy, Sud Ouest (8/12)
Die rote Entsprechung zu Schistes und Grès, lediglich sechzig Percent Tannat, dafür vulkanischer Ophite als Grundlage. Vier Wochen Maischestandzeit, achtzehn Monate in gebrauchtem Holz, ausdrucksstark, dicht und frisch. Brombeere und schwarze Kirsche. Begleitet besonders gerne Fleisch von Tieren, die nicht in der Fabrik turbogezüchtet, sondern auf der Weide aufgewachsen sind, und deren Fleisch deshalb nach einem längeren Schmorvorgang schreit. Unbedingt karaffieren.
DIENSTAG, 26. Mai von 17 bis 21 Uhr
Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils
Reindorfgasse 22
Am 27. Jänner 1945 sind die Überlebenden aus dem Konzentrationslager Auschwitz befreit worden. Was spricht dagegen, den 27. Jänner deshalb endlich zu einem gesamteuropäischen Feiertag zu erklären? Gar nichts!
Ongi etorri!
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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien