Kleine Weinproduzenten
Rudolf Polifka versucht sich selbst als Weinmacher. Jedes Jahr vinifiziert er circa zehn Flascherl. Da kann er mit den Weinbaumeistern, deren Weine der Rudl verkauft, nicht mithalten, quantitativ nicht und qualitativ natürlich sowieso nicht. Das ist auch nicht sein Anspruch. Das Weinmachen ist eine Spielerei, das Weingeschäft ist das stete Bemühen, die besten heimischen Weine, sowie die besten Weine aus den französischen Alpen und Pyrenäen im Sortiment offerieren zu können; keine möglichst vielen gefälligen Weine, keine sogenannten „Geheimstipps“, die es im Zeitalter der anti-sozialen Medien nicht geben kann, und schon gar keine Weine mit einem „Preis-Leistungs-Verhältnis“. Dem Rudl seine Weine leisten nix. Die besten Weine aus den oben genannten drei Gegenden! Wenn Sie, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, es mit Karl Popper halten, dann vom Rudl aus halt die Weine, die er für die besten von dort hält. Ist der Rudl einmal von einem Wein überzeugt, dann lässt er sich am Weg zu diesem Wein nicht so leicht entmutigen. Und wenn die Tür zu so einem Wein dann nach dem soundsovielten Versuch auch nur einen kleinen Spalt offen ist, freut sich Caviste Polifka über jede noch so kleine Zuteilung. Nach dem Preis fragt er nicht.
Appellation Irouléguy Contrôlée
Die Appellation Irouléguy ist mit etwa zweihundert Hektar Weingärten bestockt. Der große Großteil davon wird von einer Genossenschaft verarbeitet, der weniger große Großteil vom einzigen wirklich größeren privaten Weingut. Viel Rebfläche bleibt da für die anderen nicht mehr. Aber es bleiben sehr oft die besonders interessanten kleinen Parzellen, nicht zu selten mühsam in der Bewirtschaftung und gering im Ertrag. Die beiden Weingüter, mit denen der Rudl vor fast zwanzig Jahren diese Appellation für sich entdeckt hat, – Arretxea und Ilarria – bewirtschaften ungefähr zehn Hektar, die später dazu gekommenen deutlich weniger. Dieser Umstand prädestiniert sie für eine Zusammenarbeit mit einem so kleinen Weingeschäft, wie der Weinhandlung Rudolf Polifka et fils. Der Vollständigkeit halber erlaubt sich der Rudl die Binsenweisheit, dass ein kleines Weingut nicht per se gute Weine machen muss. Darum hat Caviste Rudolf Polifka im vergangenen Sommer zehn Tage lang – abgesehen von Kaffee, Tee, Wasser und Bier – ausschließlich Weißweine aus Irouléguy getrunken und sich auf diese Art einen Überblick über die Produktion der vielen neuen Weingüter verschafft. Eines davon ist ihm dabei so positiv aufgefallen, dass er dessen Wein (!) unbedingt in sein Sortiment aufnehmen wollte. Bereits im Sommer 2022 war der Rudl bei einem Kollegen in Saint Jean de Luz auf die Domaine Espila aufmerksam geworden. Es war damals auch bereits ein Termin zum Weinkauf vereinbart. Nur ist aus dem dann blöderweise nichts geworden. Zwei Jahre später hat es der Rudl wieder probiert. Da war ausverkauft. Im dritten Anlauf ist er heuer in den Keller von Monsieur Carricaburu vorgedrungen. Gelegentlich erntet der Rudl Kopfschütteln für seine Beharrlichkeit, die ihm manche als Mangel an Stolz auslegen, wenn er erzählt, dass er diesen oder jenen Wein erst im vierten oder fünften Anlauf bekommen hat. Egal. Mit Begriffen wie „Stolz“ oder „Ehre“ hat der Rudl sowieso nie viel anfangen können. Da gefallen ihm Demut und Dezenz viel besser. Aber freilich kann man auch stolz sein. Dann muss man sich halt mit marktschreierischem Blabla begnügen. Erklärungen wie jene von Monsieur Carricaburu über die Kämpfe zwischen Klerikern und Laizisten bekommt man dann keine. Und die sechs Flaschen Espilako Xuria 2025 auch nicht. Für den Rudl wird das nie eine Option sein.
Domaine Espila
2004 hat sich Paul Carricaburu im elterlichen Haus aus dem Jahre 1763 niedergelassen. Eineinhalb Hektar bewirtschaftet Monsieur Carricaburu. 2016 hat Paul Carricaburu begonnen, seine kleinen Parzellen auf biologische Landwirtschaft umzustellen und zwei Jahre später den ersten Wein herausgebracht. Mit dem Jahrgang 2021 ist der Rudl auf dieses Weingut aufmerksam geworden. Vier Parzellen auf drei Terroirs: roter Sandstein, Kalk und vulkanischer Ophite; 2500 Stöcke Petit Manseng, 3100 Gros Manseng und 1300 Petit Courbu; ein Wein …
… Espilako Xuria:
Der einzige Wein, den Paul Carricaburu macht, nennt sich lapidar „Espilako Xuria“. Der baskische Name heißt übersetzt „Weißer vom Haus mit dem zerbrochenen Stein“. Die Geschichte über diese Namensgebung hat einen guten Teil der Erklärungen Pauls ausgemacht, inclusive Einsichtnahme in sehr alte Zeitungen. Es ist um einen zerbrochenen Stein gegangen. Dieser zerbrochene Stein ziert heute nicht nur das Eingangsportal, sondern auch das Etikett des Weinguts. Zerbrochen ist der Stein während eines Krieges zwischen klerikalen und laizistischen Truppen. An diesen Kämpfen haben Vorfahren des Winzers auf unterschiedlichen Seiten teilgenommen, eine komplexe Angelegenheit. Paul betrachtet sich als Personifizierung dieser verwandtschaftlichen Gespaltenheit, sitzt quasi zwischen allen Sesseln. Und genau das ist es, was den Rudl an diesem Gespräch zu Mittag am Sonntag, den 19. Juli 2026 so beeindruckt hat. Der Wein von Paul Carricaburu hatte das schon vier Jahre vorher getan.
- 2025 Welschriesling, Weinbau Mittl, Bildein, Eisenberg (2,50/4)
- 2024 Welschriesling Klassik, Weingut Jalits, Badersdorf, Eisenberg (3/5)
Der eisenhältige Boden verbindet diese beiden Weine mit Irouléguy: Schiefer in den Rieden Paigl und Szapary am Eisenberg, Grünschiefer und Dolomit am Königsberg; Kräuter, frisches Heu und Wiesenblumen
- 2022 Irouléguy rosé, Domaine Ilarria, AOC Irouléguy, Sud Ouest (4/6)
- 2025 Espilako Xuria, Domaine Espila, AOC Irouléguy, Sud Ouest (8/12)
- 2020 Ardan Harri, Domaine Xubialdea, Lasse, AOC Irouléguy, Sud Ouest (8/12)
- 2013 Eztia, Domaine Améztia, Saint Etienne de Baigorri, AOC Irouléguy (6/9)
- 2021 Irouléguy Rouge Tradition, Domaine Arretxea, AOC Irouléguy, Sud Ouest (4,50/7)
- 2021 Méthode Naturelle, Domaine Ilarria, Irouléguy, Vin de France (6/9)
Donnerstag, 1. Oktober von 17 bis 21 Uhr
in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils,
Reindorfgasse 22
Im Übrigen ist der Rudl der Meinung, dass der 27. Jänner, der Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Konzentrationslager Auschwitz, zu einem gesamteuropäischen Feiertag erklärt werden muss.
Un-smart grüßt Monsieur Rudolf!
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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien