Ausnahmsweise am Dienstag
Aufgrund des langen Wochenendes erlaubt sich Caviste Rudolf Polifka kommende Woche am Dienstag aufzusperren. Am Donnerstag ist geschlossen.
Die Rebsorte
Was für Südfrankreich Grenache ist für Savoyen Jacquère, nur halt in Weiß. Wenn Sie, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, im Süden irgendwo ganz alte, knorrige Rebstöcke, vielleicht in Stockkultur, auf einem fast zur Gänze erdfreien Schieferboden stehen sehen, dann handelt es sich dabei nicht selten um Grenache. Vergleichbares in Savoyen auf Kalkgeröll mit nicht mehr Erdauflage ist es so gut wie sicher Jacquère.
Jacquère reift sehr spät. Abgesehe von ganz, ganz wenigen Ausnahmen scheint Jacquère kalkversessen z als Kalk interessiert sie nicht. Dicke Beerenschalen erlauben die späte Reife und schützen die engbeerigen Trauben vor Oidium und Peronospora. Den bisweilen nicht ganz so guten Ruf verdankt Jacquère ihrer Fruchtbarkeit. Ohne Ertragskontrolle hängen an so einem Stock, sofern er unter hundert Jahre alt ist oder auf einem nicht ganz so kargen Boden steht, gleich einmal ein paar Kilo Trauben. Das konveniert den Lieferanten vieler Skistationen. Weinbauern mit höheren Ambitionen stellt es jedoch vor Herausforderungen. Wer sich als diesen gewachsen erweist, produziert dann aber oft ausgesprochen feuersteinige und präzise Weine, die an Alpenkräuter, Ingwer, Grapefruit und Bergamotten erinnern. Niedrige Alkoholwerte um elf Percent, frische, jedoch aufgrund von biologischem Säureabbau bekömmliche Säure und Assoziationen an Gebirgsquellwasser – das ist es, was der Rudl an seriösen Weinen aus dieser Rebsorte so schätzt. Allerdings realisiert sich dieser Stil nur in kargen Terroirs bei alten Rebstöcken, die nährstoffmäßig kurz gehalten werden und das mit tiefen Wurzeln ausgleichen müssen. Das Reifepotential solcher Jacquères kann ganz extraordinaire sein. Das hat der Rudl vor ein paar Jahren einmal an einer Jacquère von Jean-Claude Masson aus dem Jahr 1996 und mit einer aus 2009 von den Giachinos erforscht.
… als Schaumwein:
- 2023 Giach’ Bulles. Pétillant naturel, Domaine Giachino, Chapareillan, Vin de France, Savoyen (4,50/7)
Pétnat aus Jacquère, vor allem aber ein Wein
- 2020 Don Giachino. Méthode traditionelle, Domaine Giachino, Chapareillan, Vin de France, Savoyen (5/8)
Ob der alte Dom Perignon streng war, entzieht sich der Kenntnis vom Rudl. Dieser nach seiner Methode hergestellte Schaumwein ist es auf alle Fälle. Darum erinnert er den Rudl auch an den Schaumwein der Domaine H. Aber das ist nicht so erstaunlich, denn die Domaine H befindet sich keine zehn Kilometer von den Giachinos.
… relativ jung:
- 2023 Jacquère Cru Chignin, Domaine H, Torméry, AOC Vin de Savoie (4,50/7)
Das ist quasi das stille Pendant zum Crémant de Savoie von Sukhwan Ha. Sehr viel rebsortentypischer als diese Jacquère geht es vielleicht gar nicht mehr.
- 2023 Silice blanc, Maison des Ardoisières, Fréterive, Vin de France (4/6)
Chignin und Apremont, das war früher wie Simmering und Kapfenberg. Heute wachsen die Trauben für diesen Wein in Apremont, jene der Domaine H im Gebiet des Cru Chignin. Aber die Domaine des Ardoisières und die Domaine H scheinen besser miteinander auszukommen als die beiden Ortschaften in der Vergangenheit. Und wahrscheinlich schmeckt man das auch.
… relativ gereift:
- 2020 Jacquère, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOC Vin de Savoie (3/5)
Caviste Rudolf Polifka kennt kein Weingut, dass der Rebsorte Jacquère im Ausbau so viel Zeit genehmigt, nicht einmal eines, das dies annähernd tut. Frische, Steinigkeit und vor allem Harmonie.
- 2020 Genesis, Domaine de l’Aitonnement, Aiton, IGP Vin des Allobroges, Savoyen (6,50/10)
Am Anspruch scheitert es bei Maxime Dancoine ganz bestimmt nicht, an der Kompetenz noch viel weniger. Andernfalls würde er nicht so viele savoyardische Bioweinbäuerinnen und Bioweinbauern beraten. Das Klima macht ihm zunehmend dicke Striche durch die Rechnungen, was ganz bestimmt auch mit der exponierten Lage am Berg oben in Aiton zu tun hat. Aber wenn dann einmal weder Spätfrost noch Hagel die steilen Schieferterroirs verwüsten, macht Maxime Weine wie nur ganz wenig andere. Der Rudl freut sich schon gewaltig, heuer im Sommer dort oben eine Woche auf Lokalaugenschein verbringen zu dürfen.
DIENSTAG, 28. April von 17 bis 21 Uhr
Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils
Reindorfgasse 22
Am 27. Jänner 1945 sind die Überlebenden aus dem Konzentrationslager Auschwitz befreit worden. Was spricht dagegen, den 27. Jänner deshalb endlich zu einem gesamteuropäischen Feiertag zu erklären? Gar nichts!
Schäumend, reif und ungestüm grüßt Caviste Rudolf Polifka!
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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien