Graf Sauvignon von Maria und Sepp Muster, 2008 – 2017 – 2021 – 2022 – 2023, Donnerstag, 19. März von 17 bis 21 Uhr

Relation Text – Wein

Geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, Caviste Rudolf Polifka trachtet, sich immer wieder neue Lehrveranstaltungsthemen auszudenken. Auch das ist die Forschung und auch das unterscheidet den Menschen von Ka I, dem „Blechtrottel“, wie man früher weniger ideologisch, aber dafür doppelt so treffsicher gesagt hat.

Manche Themen kehren aber wieder, weil sie wichtig sind, weil sie zu einer bestimmten Zeit des Studienjahres genau passen oder aus anderen Gründen. Das Thema der kommenden Lehrveranstaltung hat es bereits gegeben, die dazugehörigen Jahrgänge aber mehrheitlich noch nicht. Darum erlaubt sich Weinlehrer Rudolf, Ihnen den Text des vergangenen Jahres zur Graf Sauvignon Vertikale von Maria und Sepp Muster noch einmal zu schicken, vor allem weil der ihm selber so gut gefällt und auch weil er ihm gar nicht so unaktuell erscheint. Von den Graf-Jahrgängen finden sich dafür nur 2017 und 2021 aus der Serie des vergangenen Jahres. Alle anderen hat Ihnen Caviste Rudolf Polifka noch nicht glasweise angeboten.

Einleitender Exkurs zum alttestamentlicher Auftrag, Leben zu schützen: כָּבַשׁ kabash

Maria und Sepp Muster bewirtschaften ihre Weingärten auf den Opokböden so, dass die Lebendigkeit nicht nur in Kauf genommen, sondern geschützt wird. Das wieder müssen Sie nirgends nachlesen, das können Sie in jedem Glasl Wein von diesem Weingut schmecken.

Dem Alten Testament mag man nachsagen, da oder dort nicht so einfach verständlich zu sein. In einem Punkt ist es straight forward: wenn es um das Leben geht: Alles, was das Leben fördert, ist heilig, alles was ihm schadet, sündig. Aus, Schluss, basta. Die hebräische Originalfassung des Alte Testaments kennt für das Schützen dieser Lebendigkeit übrigens das Wort כָּבַשׁ, kabash (Gen 1,28). Die deutsche Einheitsübersetzung gibt es völlig irreführend, um nicht zu schreiben pervertierend, mit „unterwerfen“ wieder. Aus alten Darstellungen lässt sich gut rekonstruieren, was die alte Orientalin und der alte Orientale seinerzeit unter kabash verstanden haben. Kabash war es demnach, wenn sich der Hirte schützend über sein Lamm beugt, um es vor einem Raubtier zu schützen. Gottes Auftrag an den Menschen ist also nichts Geringeres, als das sozial-darwinistische Recht des Stärkeren zu brechen, wenn das Leben in Gefahr ist. Neutestamentlich manifestiert sich dieser göttliche Auftrag zum Schutz von Leben und Lebendigkeit im unbewaffneten Widerstand der Machtlosen gegen das Imperium Romanum samt sadduzäischem Priestergeldadel auf dem Trittbrett.

Heute kann man sich die Frage stellen, wo man aufgerufen ist, das Leben gegen das Recht des Lauteren, Stärkeren und Dreisteren zu schützen: gegen Techfaschisten, Neofeudalisten, Beton- und Asphaltfetischisten, bezahlten Algorithmus, … to be continued …

Graf

Der Rudl ist ein Citoyen. Dass er keinerlei Schwäche für den Adel und noch einmal mindestens 50 % weniger davon für den Geldadel hat, das hat er Ihnen, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, vielleicht schon einmal erzählt. Aber im Fall des Graf Sauvignons von Maria und Sepp Muster schaut es anders aus. Der heißt Graf, ist jedoch hundertpercentig frei von feudalistischen oder neu-feudalistischen Allüren. Der Hofname von Muster heißt halt Graf und hat das auch immer schon getan. Oenologisch ergiebiger ist vielleicht, dass die Reben für den Graf Sauvignon ziemlich alt sind und auf kargen Opok-Böden mitten am Hang stehen. Opok ist ein lokaler Ausdruck für tonig schluffiges Sedimentsgestein mit kalkhaltigem Untergrund. Das erfahren Sie auf der Homepage des Weinguts.

Schlossberg

Klimatisch findet man dort illyrisches Klima, warme Sommer, kalte, wenn auch nicht eiskalte Winter. Wind von der Koralpe sorgt im Sommer für Nachtabkühlung. Diese wiederum begünstigt eine vielschichtige Bildung von Aromen. Die Rebstockerziehung ist am natürlichen Wuchs der Urrebe orientiert. Nicht zuletzt diese Orientierung resultiert in kleinbeerigen und hocharomatischen Früchten als Basis für lebendige Weine. Kabash halt, nicht mehr, zum Glück aber auch nicht weniger. Dass man am Graf Hof einerseits die Weine sich nicht selbst überlässt, andererseits die menschliche Intervention sich aber auch nicht zu wichtig macht, ist ganz im Sinne eines anderen alttestamentlichen Prinzips: Freiheit, eine Freiheit, die man der Natur zugesteht, eine mit dieser Freiheit Händchen haltende Unsicherheit, die man aushält und eine Lebendigkeit im Wein, die aus beidem resultiert. Im Keller manifestiert sich diese Freiheit in Geduld und Gespür für den richtigen Zeitpunkt, Kairos, wie der alte Grieche sagt, auch das ein alttestamentliches Motiv aus dem Buch Kohelet. Schonung, Zeit und Begleitung sind die Leitmotive der Kellerarbeit. Und damit ist auch klar, dass die Weine vom Graf Hof nicht Ergebnisse eines willkürlichen Anything goes, sondern Ausdruck höchster Zivilisation sind. Das waren sie übrigens schon beim alten Noah. Das Erste, was der seinerzeit nach dem Sauwetter gemacht hat, war, einen Weingarten zu pflanzen, um mit Wein der Welt einen zivilisatorischen Stempel aufzudrücken.

  • 2024 Sauvignon blanc, Kåarriegel, Sankt Andrä Höch, Sausal, Südsteiermark (6,50/10)
  • 2023 Graf Sauvignon, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Südsteiermark (7/11)
  • 2022 Graf Sauvignon, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Südsteiermark (7/11)
  • 2021 Graf Sauvignon, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Südsteiermark (7/11)
  • 2017 Graf Sauvignon, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Südsteiermark (7/11)
  • 2008 Graf Sauvignon, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Südsteiermark (8/12) aus der Magnum

DONNERSTAG, 19. März von 17 bis 21 Uhr

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils

Reindorfgasse 22

Am 27. Jänner 1945 sind die Überlebenden aus dem Konzentrationslager Auschwitz befreit worden. Was spricht dagegen, den 27. Jänner deshalb endlich zu einem gesamteuropäischen Feiertag zu erklären? Gar nichts!

Vive le sol!

Von Silex 1994 über den Grassnitzberg 1993 bis zu Silice 2023. Pioniere und Frühlingsboten. Vielfältig, vielfältiger, am … Donnerstag, den 12. März von 17 bis 21 Uhr

Unterschiede

Allzu homogene Forschungsthemen sind sowieso nicht dem Rudl seine Sache. Aber meistens werden die Weine durch ein mehr oder weniger erkennbares Kriterium, etwa durch die Rebsorte, den Boden oder den Jahrgang zusammengehalten. Diesmal ist das auch so. Aber das verbindende Kriterium ist auf den ersten Blick eher weniger als mehr erkennbar. Wenn Sie, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, so wollen, liegt bei der kommenden Lehrveranstaltung das Verbindende in der Tatsache, dass man die Weinbaumeister der angebotenen Weine ohne gröbere Bedenken als Pioniere bezeichnen kann. Außerdem handelt es sich bei Sauvignon blanc und Jacquère um Rebsorten, die sich dem Rudl im Frühling noch stärker als sonst aufdrängen. Aber das ist eine subjektive Angelegenheit. Damit hat es sich, wenn es um allfällige rote Fäden durch dieses Thema geht. Ausgangspunkt war für Caviste Rudolf Polifka die Idee, einmal ganz extraordinaire Sauvignons abseits seines Sortiments zu öffnen. National führt da kein Weg an Klaus Prünte vorbei, international wenige an Didier Dagueneau … und an Klaus Prünte, wenn Sie den Rudl fragen.

  •  2023 Silice blanc, Maison des Ardoisières, Apremont, Vin de France (4/6)

Was Michel Grisard gestartet hat und Brice Omont jetzt weiterführt, ist für Savoyen mehr als Pionierarbeit.

  • 2023 Apremont, Domaine Giachino, Chapareillan, AOC Vin de Savoie (4,50/7)

Wenn es um den Erhalt alter savoyardischer Rebsorten geht, gibt es einen Namen: Giachino

  • 2020 Jacquère, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOC Vin de Savoie (3/5)

Viele Weinmodewellen sind an die Domaine Dupasquier unter dem Dent du Chat herangeschwappt. Kaum ein Tropferl von diesen Modewellen hat es durch das Hoftor der Dupasquiers hinein geschafft.

  • 1994 Silex, Didier Dagueneau, Saint Andelain, AOC Pouilly Fumé, Loire (16/24)

Würde Ihnen der Rudl da jetzt Lehrreiches über den Gründer der Rue Ernesto Che Guevara in Saint Andelain bei Pouilly-sur-Loire erzählen, täten Sie sich zu Recht verknofelt vorkommen. Darum lässt er es auch bleiben.

  • 1993 Sauvignon Grassnitzberg, Klaus Prünte, vlg. Schneckenkogler, Spielfeld, Südsteiermark (16/24)

Klaus Prünte hat seine Weine überhaupt nicht teuer verkauft. Da man bei ihm aber leider keinen Wein mehr kaufen kann, hat der Rudl diesen Grassnitzberg 1993 im Altweinhandel erworben. Darum ist der Glaspreis sehr hoch.

Der Rudl kann sich leider nicht als ehemaliger Stammkunde von Klaus Prünte bezeichnen. Dreimal hat er bei ihm Wein gekauft, genauso oft wie bei der Domaine Didier Dagueneau. Aber das Ende des Weinguts Prünte geht dem Rudl immer noch nahe.

… und ein paar andere Weine …

am DONNERSTAG, 12. März von 17 bis 21 Uhr

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils

Reindorfgasse 22

Am 27. Jänner 1945 sind die Überlebenden aus dem Konzentrationslager Auschwitz befreit worden. Was spricht dagegen, den 27. Jänner deshalb endlich zu einem gesamteuropäischen Feiertag zu erklären? Nichts!

Leise grüßt Herr Rudolf.

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

„Allez, les filles!“ – „oiso zahts an“, wie der Herr Kurt sagt. Roussanne zum internationalen Frauentag und für eine jede Dame ein Achtel, Donnerstag, 5. März von 17 bis 21 Uhr

Auf den 8. März geht‘s zu

„Einstimmung“ ist in diesem Zusammenhang vielleicht ein blödes Wort. Die Tatsache, dass so ein Tag nötig ist, muss man nicht als lustig oder ausreichendes Motiv zum Feiern erachten. Nichtsdestotrotz erlaubt sich der Rudl, jeder Frau ein Achtel ihrer Wahl aus dem aktuellen Forschungsthema „auf Haus“ zu kredenzen, quasi als Zeichen, mehr ist es leider nicht.

Zu diesem Tag hat der Rudl immer wieder kleinere oder größere Vertikalen des Chignin-Bergeron Les Filles von Gilles Berlioz aufgemacht. Dieser Wein drängt sich dem Rudl zu so einem Tag vom Namen und vom Etikett her förmlich auf. Es wird ihn auch heuer glasweise geben, allerdings nicht vertikal. Hat sich dem Rudl sein Angebot in Sachen Roussanne früher im Les Filles erschöpft, so blickt er heute auf eine Vielzahl an Weinen dieser Rebsorte. Das wundert ihn insofern selber ein bissl, als er nie ein großer Freund von Roussanne gewesen ist. Vor allem an der nördlichen Rhône zuhause, verkörpert sie für den Rudl Weine mit einem unverhältnismäßig hohen Alkoholgehalt, dem sehr oft sehr vergeblich mit einem sehr übermäßigen Holzeinsatz zu Leibe gerückt wird.

Du sollst Dir kein Bild machen!

Geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, erlauben Sie dem Rudl bitte ein paar grundsätzliche Überlegungen. Gerade wenn sich das Bild von etwas oder von jemandem derart verfestigt hat, kann es manchmal sinnvoll sein, dieses Etwas, respektive diese Person genauer im Blick zu behalten. Bei der Roussanne ist es der Cru Chignin-Bergeron aus Savoyen. Von dem aus hat sich nach anfänglicher Skepsis dem Rudl sein Zugang zu Roussanne verändert. Nicht dass ihm ganz viele Altesses und etliche Jacquères nicht lieber wären, aber auf ein paar wirklich extraordinaire Repräsentantinnen von Roussanne ist Caviste Rudolf Polifka in den letzten Jahren schon gestoßen. Die Septembersonne ist es, die bei der Rebsorte Roussanne für die charakteristische Kombination von aromatischer Konzentration und lebendiger Säure erforderlich ist. Indigene Hefen, wenig Intervention und zehn Monate Ausbau. Das sind die Roussannes von Gilles Berlioz. Sie erinnern an karamellisierte Marillen, Zesten von Zitrusfrüchten, Birnen, Ananas, Haselnüsse und Kastanien, bei zunehmender Reife an nasse Steine und Waldboden. Präzision, Frische, Ausgewogenheit und Spannung – Gilles Berlioz gibt maßgebliche Analysewerte am Rückenetikett an.

Roussanne als solche

In der mehr als berühmten Appellation Hermitage ist Roussanne neben Marsanne die einzige zugelassene Rebsorte. Im Schweizer Valais gibt es Weine aus Roussanne, die sie dort deshalb Hermitage nennen. An der südlichen Rhône, im Languedoc und im Roussillon wächst Roussanne auch, aber dort halt neben fast hunderttausend anderen Rebsorten.

2019 Chignin-Bergeron « Les Filles », Gilles Berlioz, Chignin, AOC Vin de Savoie (7/11)

  • 2017 Chignin-Bergeron « Les Fripons », Gilles Berlioz, Chignin, AOC Vin de Savoie (7/11)
  • 2023 Chignin-Bergeron « Echalas », Domaine H, Torméry, AOC Vin de Savoie (6/9)

Stockkultur. Das weckt bei manchen Oenologinnen und Oenologen Assoziationen an sehr, sehr teure Weine. Ist aber kein Naturgesetz. Möglicherweise einer der spektakulärsten Neuzugänge im Sortiment vom Rudl seit einem Zeitl.

  • 2023 Aigue Marine, Domaine des Ardoisières, Arbin, IGP Vin des Allobroges (8/12)

Roussanne mit einem ganz kleinen Altesseanteil

  • 2023 Schiste, Domaine des Ardoisières, Cevins, IGP Vin des Allobroges

Dreißig Prozent Roussanne, den Rest bestreiten Jacquère, Pinot gris und Mondeuse blanche, kann von daher schon nicht so fett sein.

  • Abgesehen vom Persan ist von den seltenen Rebsorten Savoyens am Beginn der kommenden Lehrveranstaltung noch etwas da.

DONNERSTAG, 5. März von 17 bis 21 Uhr

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils

Reindorfgasse 22

Am 27. Jänner 1945 sind die Überlebenden aus dem Konzentrationslager Auschwitz befreit worden. Was spricht dagegen, den 27. Jänner deshalb endlich zu einem gesamteuropäischen Feiertag zu erklären? Nichts!

S’isch Zeit!

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Exklusiv bei uns!!! So schmecken die ultimativsten Rebsorten Savoyens: Douce noir, Persan, Gringet, Verdesse und Mondeuse blanche, am Donnerstag, den 26. Februar von 17 bis 21 Uhr

Sprach- und Medienethik

Geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, Sie haben natürlich sofort bemerkt, dass das nicht dem Rudl sein Ernst sein kann. Mindestens in dreifacher Hinsicht: Der Polifka-Rudl hat eine angeborene Aversion gegen den Superlativ. Wir- und Uns-Formulierungen sind ihm suspekt, noch viel suspekter in der „Wir“-für-„Dich“-Anbiederung und das Rufzeichen gehört sowieso nicht zu seinen Lieblingstasten auf dem Blechtrottel.

Im Ernst: außergewöhnlich ist relativ.

Die Weinbauregion Savoyen ist klein und besteht weitgehend aus autochthonen, tendenziell unbekannteren Rebsorten. Mondeuse, Altesse, vor allem aber Jacquère. Wenn man nicht sehr regelmäßig die Weinhandlung Rudolf Polifka et fils frequentiert, müssen einer oder einem diese Namen nicht viel sagen. Es handelt sich um etwa 1600 Hektar, die mit diesen Rebsorten bestockt sind, global betrachtet. Das ist ein kleines Äutzerl mehr als nix. In Savoyen machen diese 1600 Hektar aber gut achtzig Percent der Rebfläche aus. Pinot noir, Gamay, Chardonnay, Roussanne und Chasselas gibt es dort zwar auch. Sie kommen zusammen aber nicht einmal auf ein Fünftel der Appellation, genießen dort also ihrerseits eher den Status von Kuriositäten, während sie außerhalb davon oenologische Gassenhauer sind. Und dann gibt es in Savoyen, wenn Sie so wollen, eine dritte Kategorie von Rebsorten. Präziser, gibt es diese fast nicht mehr und noch präziser, gäbe es diese nicht mehr, wenn sie von den Grisard-Brüdern und der Familie Giachinos nicht am Verschwinden gehindert worden wären. Justament diese in Savoyen fast ausgestorbenen savoyardischen Rebsorten kredenzt Caviste Rudolf Polifka am kommenden Donnerstag.

Ampelographische Vorbemerkungen

Bei der Auseinandersetzung mit seltenen Rebsorten, aber auch mit Savagnin und Petit Manseng fällt dem Rudl auf, dass diese Rebsorten fast durchwegs mit wenig Ertrag aufwarten können. Möglicherweise sind sie deshalb selten. Sie weisen frische Säure auf, sind kleinbeerig, dickschalig und reifen spät. Weine aus diesen Rebsorten bleiben in Sachen Lagerfähigkeit sehr oft nicht viel schuldig. Ausreichende Motive, ihnen ein eigenes Forschungsthema zu widmen.  

  • 2019 Les Perles du Mont Blanc brut zéro, Dominique Belluard und Domaine du Gringet, Ayse, AOC Vin de Savoie (6/9)

Zwanzig Hektar Gringet gibt es weltweit. Ziemlich wahrscheinlich ist das die dritt- oder viertrarste Rebsorte im Sortiment der Weinhandlung Rudolf Polifka et fils.

  • 2023 Verdesse, Domaine H, Torméry, Vin de France (5/8)

Cousine des Savagnin und reinsortig so gut wie gar nicht mehr vinifiziert, auch Sukhwan Ha hätte sie fast schon herausgerissen. Wie der Cousin ist Verdesse dann natürlich auch eine sehr alte Rebsorte. Ziemlich sicher stammt sie aus dem Departement Isère.

2024 Monfarina, Domaine Giachino, Chapareillan, AOC Vin de Savoie (4,50/7)

Jacquère, aber mit einem Anteil an Verdesse und Mondeuse blanche, gleich zwei sehr seltenen Rebsorten

  • 2023 Argile Blanc, Domaine des Ardoisières, Saint Pierre de Soucy, IGP Vin des Allobroges (6/9)

Mondeuse blanche zu zwanzig Percent, assistiert von vierzig Chardonnay und vierzig Jacquère

  • 2023 Schiste, Domaine des Ardoisières, Cevins, IGP Vin des Allobroges (8,50/13)

Mondeuse blanche zu zehn Percent, vierzig Jacquère, dreißig Roussane und zwanzig Pinot gris

  • 2020 Persan, Domaine Giachino, Chapareillan, AOC Vin de Savoie (5/8) – das letzte Flascherl

Aus dem Tal der Maurienne. Saint Jean de Maurienne ist neben Pau vermutlich der Ort, den die Tour de France am öftesten frequentiert. Aber das ist eine ganz andere Geschichte. Vor der Reblaus ist Persan als Rebsorte ziemlich erfolgreich gewesen, dann ganz lange nicht mehr. Jetzt wächst die mit Persan bestockte Rebfläche wieder langsam, dank der Grisard-Brüder. Die Trauben sind violett bis schwarz, nicht besonders saftig und im Aroma eher neutral. Bei knappem Ertrag sind eigenständige Weine mit kräftigen Tanninen das Ergebnis. Zu früh sollte man sie nicht trinken.

  • 2020 Nebula, Domaine de l’Aitonnement, Aiton, IGP Vin des Allobroges (6,50/10)

Douce noir von den Anhöhen Aitons.

DONNERSTAG, 26. Februar von 17 bis 21 Uhr

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils

Reindorfgasse 22

Im Übrigen ist der Rudl auch im neuen Jahr der Meinung, dass der 27. Jänner, der Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Konzentrationslager Auschwitz, zu einem gesamteuropäischen Feiertag erklärt werden muss.

Allez, les extraordinaires!

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Radikal europäisch! Ein wurzelechter Sauvignon und andere Sauvignons, Donnerstag, 19. Februar, 17 bis 21 Uhr 

Wurzelecht, europäisch und resistent

Der Rudl erlaubt sich die Hoffnung, dass Demokratie, Menschenwürde und menschliche Intelligenz jetzt den umgekehrten Weg der Reblaus, nämlich von Europa nach Nordamerika, nehmen und nicht das Schoiteltum in die Fußstapfen der Reblaus treten lassen. Voraussetzung dafür ist eine ausgeprägte demokratische, humanistische und aufgeklärte Resistenz des Abendlandes. Als Symbol für diese Resistenz gefallen dem Rudl wurzelechte Weingärten, denen die aus Nordamerika eingeschleppte Reblaus bis heute nichts anhaben kann. Davon gibt es mehr als Sie, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, vielleicht denken. Es gibt sogar eine Association Francs de Pied. Das ist dann im wahrsten Sinn des Wortes radikal authentisch, old school und vor allem europäisch. Selbstverständlich hat es nicht überall einen Sinn, wurzelechte Rebstöcke zu pflanzen, aber sandige Böden – und davon gibt es in Österreich den einen oder anderen – wären ein Terroir für vielversprechende Versuche. Die wenigen Weine von wurzelechten Edelweinreben, die der Rudl bis jetzt getrunken hat, sind ihm auf alle Fälle besonders positiv durch Frische und Vielschichtigkeit aufgefallen. Eine aufgeklärt-wachsame Öffentlichkeit mit vergleichbarer Frische und Vielfalt ist nicht die allerschlechteste Resistenz gegenüber dem Schoiteltum. Der reblausresistente Vinifera Sauvignon von Henry Marionnet kann als Beispiel dienen. Europäische Edelweinreben ohne amerikanische Unterlagsreben und trotzdem kein Auftrag für Phylloxera. Ein würdiger Wein, auf europäische Resistenz anzustoßen.

  • 2024 Vinifera Sauvignon, Henry Marionnet, Blois, AOC Tourraine, Loire (8/12)
  • 2023 Sauvignon vom Opok, Roland Tauss, Leutschach, Südsteiermark (5/8)
  • 2023 Sauvignon vom Opok, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Südsteiermark (5/8)
  • 2023 Sauvignon vom Opok, Sternat-Lenz, Remschnigg, Südsteiermark (5/8)
  • 2021 Sauvignon vom Opok, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Südsteiermark (5/8)
  • 2020 Sauvignon blanc flint, Weingut Schnabl, Gamlitz, Südsteiermark (4/6)
  • 2020 Néphèle, Laroque d’Antan, Laroque des Arcs, IGP Côtes du Lot, Sud Ouest (10/15)

Der Weiße vom Bodenforscherpaar Claude und Lydia Bourguignon. Sauvignon blanc, Sauvignon gris, Mauzac rose und Mauzac vert, sowie Verdanelle – nicht wurzelecht, aber quasi aus ganz Frankreich zusammen selektioniert, auf Rupestris du Lot gepfropft und in einem 140 Jahre brachgelegenen Terroir in der Nähe von Cahors ausgepflanzt 

DONNERSTAG, 19. Februar von 17 bis 21 Uhr

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils

Reindorfgasse 22

Am 27. Jänner 1945 sind die Überlebenden aus dem Konzentrationslager Auschwitz befreit worden. Was spricht dagegen, den 27. Jänner deshalb endlich zu einem gesamteuropäischen Feiertag zu erklären? Nichts!

Aux Racines, les Oenologues!

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Petit Manseng ohne Hegoxuri zum Höhepunkt des oenologischen Faschings, Donnerstag, 12. Februar, 17 bis 21 Uhr

Die Appellation Irouléguy hat, zumindest wenn Sie den Rudl fragen, ein Synonym: Hegoxuri. Über diesen Wein hat Ihnen Caviste Rudolf Polifka bereits das eine oder andere erzählt. Wenn es so etwas gibt, ist Hegoxuri vielleicht der Lieblingswein vom Rudl. Und beim Erstkontakt von Rudolf Polifka mit Hegoxuri in einer Biarritzer Weinbar vor siebzehn Jahren hat der Kellner dem Rudl diesen Wein als besten Weißwein der Weinbauregion Sudwestfrankreich vorgestellt. Selten, dass ein Superlativ knapper an die Wirklichkeit herangekommen ist, wenn Sie den Rudl fragen. Am 13. November vergangenen Jahres hat Caviste Rudolf Polifka eine Vertikale dieses Weins glasweise kredenzt und Ihnen als Unterrichtsvorbereitung mitgeteilt, was diesen Wein dem Rudl so besonders macht. Und trotzdem folgt jetzt keine Stundenwiederholung des Unterrichts vom 13. November. Im Gegenteil.

Fasching

Im Fasching hat sich der Rudl stets sehr gerne verkleidet. Das ist ungefähr ein halbes Jahrhundert her. In seinem Geschäft hat er noch kein Gschnas veranstaltet. Vielmehr hat er versucht, der närrischen Zeit, wie man so sagt, durch extravagante Lehrveranstaltungsthemen die Reverenz zu erweisen. Wie aussichtsreich so ein Ansinnen ist, wenn der Sortimentsschwerpunkt eines Weingeschäfts aus savoyardischen und baskischen Bioweinen besteht, das müssen Sie nicht den Rudl fragen, sondern das dürfen gerne Sie, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, beurteilen. Dieses Jahr öffnet der Rudl zum Fasching Weine mit der emblematischen baskischen Weißweinrebsorte Petit Manseng. Hegoxuri wird keiner dabei sein. Viel verrückter geht es dann wirklich nimmer mehr.

  • 2022 Irouléguy blanc, Domaine Ilarria, AOC Irouléguy, Sud Ouest (6/9)

siebzig Percent Petit Manseng, dreißig Petit Courbu, kein Gros Manseng; Kalk

  • 2022 Espilako Xuria, Domaine Espila, AOC Irouléguy, Sud Ouest (6/9)

2004 hat sich Paul Carricaburu am elterlichen Hof niedergelassen, ab 2008 Weingärten gepflanzt, 2016 die Biozertifikation erhalten und 2018 seinen ersten Jahrgang vinifiziert – einer von vielen Neuzugängen im Syndicat des vins d’Irouléguy.

  • 2021 Malda, Domaine Goienetxea, AOC Irouléguy, Sud Ouest (8/12)

Erster Jahrgang von Bixente Indart, auch wieder so einem Schüler von Michel Riouspeyrous. Diesem hat Bixentes Vater Pantxo von 2009 bis 2014 auch die Trauben für den Weißen vom Vulkanboden verkauft. Jetzt macht der Junior selber Wein.    

  • 2021 Irouléguy blanc, Domaine Xubialdea, Lasse, AOC Irouléguy, Sud Ouest (6,50/10)

der einzige Weinbauer in Irouléguy mit einem Terroir aus schwarzem Schiefer

  • 2018 Irouléguy blanc, Domaine Ilarria, AOC Irouléguy, Sud Ouest (6,50/10)
  • 2016 PM, Andert, Pamhagen, Neusiedler See (6/9)

wahrscheinlich der einzige Wein dieser Lehrveranstaltung, der nicht mit Michel Riouspeyrous in Verbindung zu bringen ist

  • 2006 Ravaillac, Les Jardins de Babylone, Aubertin, AOC Jurançon, Sud Ouest (16/24)

Dass eben Didier Dagueneau wenige Kilometer entfernt von den Riouspeyrous mit Guy Pautrat ein zweites Weingut, die Jardins de Babylone, gegründet hat, wissen oenologisch Interessierte. Dass er dort früher einen Wein namens „Ravaillac“ gemacht hat, wissen vielleicht weniger. Den Wein gibt es lange nicht mehr. Rudolf Polifka kredenzt ihn zum ersten Mal in seinem Geschäft und bietet zwei Flaschen zum Verkauf an.

Donnerstag, den 12. Februar von 17 bis 21 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils,

Reindorfgasse 22

Im Übrigen ist der Rudl der Meinung, dass der 27. Jänner, der Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Konzentrationslager Auschwitz, zu einem gesamteuropäischen Feiertag erklärt werden muss.

Auf Michel Riouspeyrous!

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Domaine H, Jahrgang 2023, Donnerstag, 29. Jänner von 17 bis 21 Uhr

Im Juli 2024 hat Caviste Rudolf Polifka von einem neuen Weingut in Savoyen Wind bekommen. Jetzt ist es nicht so, dass Caviste Rudolf Polifka jedem Wind von einem neuen biologisch arbeitenden Weingut in Savoyen nachgehen kann. Nicht mehr. Vor fünfzehn Jahren war das anders. Da hat der Rudl jedes Mitglied der Pétavins mehr oder weniger, aber jedenfalls persönlich gekannt. Louis Magnin hat er nicht so gut gekannt, nicht weil der keine großartigen Weine gemacht hätte, sondern weil mit diesem das unerreichbare Vorbild vom Bacherplatz zusammengearbeitet hat. Heute bewirtschaftet übrigens die Domaine des Ardoisières Weingärten von Louis Magnin. Der Aigue Marine Blanc wächst auf einem davon, ganz in der Nähe der Weingärten von Sukhwan Ha. Der hat mit 2023 seinen ersten Stillweinjahrgang herausgebracht. Und auf den sein Weingut ist der Rudl in der Welthauptstadt des Ploussard, Pupillin, aufmerksam gemacht worden. Darum haben wenige Tage später ein paar Cavisten in Chambéry und Aix-les-Bains blöd geschaut, als sich der Rudl bei ihnen nach Weinen von Sukhwan erkundigt hat. Manchmal hat es Sinn, hartnäckig zu sein. Und weil der Rudl das ist, hat er im April 2025 gemeinsam mit dem Herrn Grafen das erste Flascherl Roussanne von der Domaine H getrunken, ganz ohne sich dafür mittels Aéorplans zu einem Naturweinevent deplaciert zu haben. Manchmal genügen duckduckgo.com und das Vertrauen in Menschen, die sich auskennen und wenig reden.

Sukhwan Ha – Domaine H

Bei diesem oder jenem Thema hat der Rudl schon den einen oder anderen Wein von Sukhwan glasweise kredenzt. Deshalb wird er Ihnen, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, das eine oder andere schon verraten haben. Aber gebündelt haben es die Weine der Domaine H bis jetzt noch nicht ins Glas geschafft. Darum hier noch einmal Näheres zu diesem neuen Weingut – auf die Gefahr hin, dass Ihnen vielleicht manches bekannt vorkommt.  

2023 Jacquère Cru Chignin, Domaine H, Torméry, AOC Vin de Savoie (4,50/7)

Die allermeisten Jacquères, die Ihnen der Rudl bis jetzt kredenzt hat, waren aus Jongieux oder Apremont. Der von Sukhwan ist ein Cru Chignin, wächst also gegenüber von Apremont, auf der anderen Seite des Grabens, der mehr oder weniger das Gros der Weinbauflächen Savoyens darstellt. Anders als die Rivalen aus Apremont leiden Chignins weniger unter dem Ruf des Fondueweins für die Skistationen, weil in Chignin die Rebosorte Roussanne dominiert. Der Chignin von der Domaine H ist frisch, aber nicht dünn, wächst auf kargem Boden und ist beim Rebschnitt quantitativ begrenzt, sodass der Feuerstein in der Nase auch wirklich erkennbar wird.

  • 2023 Verdesse, Domaine H, Torméry, Vin de France (5/8)

In Savoyen gilt Altesse als die edle Autochthone. Verdesse ist zwar eine Cousine des Savagnin. Das hat ihr aber nicht viel genützt. Im benachbarten, aber appellationsfreien Raum rund um Grenoble gibt es sie noch. In Savoyen wäre sie vielleicht ganz ausgestorben, gäbe es nicht diese Familie Giachino. Fred Giachino hat es sich zum Ziel gesetzt, das alte ampelographische Erbe der Region vor dem Verschwinden zu bewahren. Persan, Douce noire, Mondeuse blanche … und Verdesse. Sogar Sukhwan wollte ursprünglich seinen mit Verdesse bestockten Weingarten auf Altesse umpfropfen. Dazu hat er nicht gleich Zeit gehabt und darum den Dreiundzwanziger vinifiziert. Das Ergebnis war dann so interessant, dass er beschlossen hat, die Verdesse stehen zu lassen und stattdessen einen Teil der Roussanne auf Altesse zu metamorphisieren. Eine brillante Entscheidung, wenn Sie den Rudl fragen.

  • 2023 Chignin-Bergeron « Échalas », Domaine H, Torméry, AOC Vin de Savoie (6/9)

Échalas bedeutet Pfahl. Alte Stockkultur und jener Wein, der den geschmacklichen Kontakt zwischen Caviste Rudolf Polifka und diesem Weingut hergestellt hat. Glasweispremiere beim Rudl.

  • 2023 Mondeuse, Domaine H, Torméry, AOC Vin de Savoie (6/9)

Glasweispremiere beim Rudl

  • 2023 Pinot noir, Domaine H, Torméry, AOC Vin de Savoie (6/9)

DONNERSTAG, 29. Jänner von 17 bis 21 Uhr

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils

Reindorfgasse 22

Im Übrigen ist der Rudl auch im neuen Jahr der Meinung, dass der 27. Jänner, der Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Konzentrationslager Auschwitz, zu einem gesamteuropäischen Feiertag erklärt werden muss.

Rudolf Polifka hat die Ehre!

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Jahrgang 2013 – vom Baskenland über Savoyen in den Kras, weiter nach Podersdorf und Frauenkirchen. Happy Birthday, Bruno! Donnerstag, 22. Jänner, 17 bis 21 Uhr

Vorsätze. Keine Hinführung zum Lehrveranstaltungsthema

Der Rudl nimmt sich gerne etwas vor und sehr oft zieht er das dann durch, auch wenn sich andere an den Kopf greifen. So ist sein Weingeschäft entstanden. „Weit weg von betriebswirtschaftlicher Sinnhaftigkeit“, hat der Rudl einen Berater noch im Ohr. Auch dem Rudl seine Überzeugung, die anti-sozialen Medien auszulassen, lässt sich in diese, manchmal zugegebenermaßen nicht ganz undogmatische Grundsätzlichkeit einordnen. Und dann ist 22. Jänner, Geburtstag von Bruno.

Dr. Bruno Kreisky

Am 22. Jänner würde Bundeskanzler Bruno Kreisky 115 Jahre alt. Das ist Citoyen Rudolf Polifka Grund genug, sich zu erinnern. An eine Zeit, in der Bildung Grundvoraussetzung für einen Staatsmann und nicht Hindernis, ein solcher zu werden, war. An eine Zeit, in der sich Helmut Qualtinger über Zeitgenossen, denen die Geschwindigkeit wichtiger als das Ziel war, noch lustig machen konnte. Im einundzwanzigsten Jahrhundert gilt speed kills. Keine Zeit für Fragen. Und je exzessiver der Faktor Zeit in kitschige Traditionsschwärmerei verbannt wird, desto weniger bemerken die Menschen, dass ihnen die Zeit geraubt wird.

Ob dem Rudl der Ossau-Iraty oder der Weißwein vom Schäfer und Weinbauer Jean Louis Costera besser schmeckt, kann er beim besten Willen nicht sagen.

  • 2013 Les Grandes Jorasses, Dominique Belluard, Ayse, AOC Roussette de Savoie (9/14)

Die letzte Einzelflasche, aber der Jahrgang 2020 ist noch im Verkauf.

  • 2013 Mondeuse, Domaine de Vens-le-Haut, Seyssel, AOC Vin de Savoie (5/8)
  • 2013 Mondeuse, Jacques Maillet, Serrières-en-Chautagne, AOC Vin de Savoie (6,50/10)

Wahnsinnig viele Gelegenheiten, Wein von Jacques Maillet glasweise angeboten zu bekommen, gibt es nicht mehr. Auch in Savoyen sieht man gelegentlich eine leere Flasche in einer Vinothek stehen, mehr nicht. Auch im Privatkeller vom Rudl lichten sich die Kartons. 2015 ist der letzte Jahrgang, den Jacques abgefüllt hat. Seither genießt er seine Rente. Dieser Genuss manifestiert sich vor allem in Sanierungsarbeiten in seinem und um sein Haus.

  • 2013 Vitovska grganja, Branko und Vasja Čotar, Komen, Kras, Slowenien (6,50/10)
  • 2013 Beerenauslese, Josef Lentsch. Dankbarkeit, Podersdorf, Neusiedler See (6,50/-)
  • 2013 Pinot gris, Josef Umathum, Frauenkirchen, Neusiedler See (6,50/10)

DONNERSTAG, 22. Jänner von 17 bis 21 Uhr

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils

Reindorfgasse 22

Am 27. Jänner 1945 sind die Überlebenden aus dem Konzentrationslager Auschwitz befreit worden. Was spricht dagegen, den 27. Jänner deshalb endlich zu einem gesamteuropäischen Feiertag zu erklären? Nichts!

Lernen wir Geschichte!

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Grüner Veltliner Steinleithn vom Geyerhof – lückenlos vertikal. Quasi eine Fortsetzung der letzten Lehrveranstaltung vor dem ersten Lockdown, Donnerstag, 15. Jänner, 17 bis 21 Uhr

Geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, wissen Sie, was das letzte Forschungsthema in der Weinhandlung Rudolf Polifka et fils vor der ersten kollektiven langen Sperrstunde im März 2020 gewesen ist? Es waren zwei Kurzvertikalen, Grüner Veltliner Spiegel vom Mantlerhof und Grüner Veltliner Steinleithn vom Geyerhof – ziemlich sicher über die Jahre hinweg die beiden Lieblingsveltliner vom Rudl. Jahrgangstechnisch ist es damals im März des Zwanzigerjahres um den Zeitraum zwischen 2008 und 2017 gegangen, mit der einen oder anderen Lücke. Die Stimmung an diesem 12. März 2020 ist sonderbar gewesen. Der Lockdown für 16. März war verlautbart, eine Mischung aus „Machen, was geht, solange noch etwas offen ist“ und „Warten, bis endlich alles geschlossen und man selber zuhause in Sicherheit ist“. Dass das alles länger als zwei oder drei Wochen dauern würde, hätte sich der Rudl damals nicht gedacht. Dass ein paar Ewiggestrige Covid heute noch als politisches Thema strapazieren, noch viel weniger. Inzwischen ist viel Wein die Forscherinnen- und Forscherkehlen hinunter geronnen. Und Caviste Rudolf Polifka verspürt das Bedürfnis, an die kleine luckerte Steinleithn-Vertikale von seinerzeit anzuknüpfen. Oenoparadoxerweise muss er das mit einer Lücke machen. Denn seine letzte Bouteille Steinleithn 2018 hat sich dislociert. Dafür geht es von 2019 bis 2023 dann lückenlos dahin. Für repetitiv veranlagte Oenologinnen und Oenologen, wie der Rudl selbst einer ist, erlaubt sich dieser, ein paar Zeilen über diesen für ihn ganz besonderen Grünen Veltliner einzubauen. Er hat diese seinerzeit, etwa zehn Jahre ist es her, geschrieben. Gelten tun sie noch immer.

Grüner Veltliner Steinleithn Geyerhof. Eine Stundenwiederholung

Es muss Ende Jänner neunundneunzig gewesen sein. Der Rudl hat es sich in den Kopf gesetzt, in Oberfucha den Geyerhof zu besuchen. Mit Zügen und zu Fuß. Der Hügel, den man dabei von Palt hinauf nach Oberfucha zu überwinden hat, ist verschneit gewesen. Es war kalt und dunkel, weil doch schon eher gegen Ende einer längeren Exkursion. Droben am Geyerhof angekommen hat Monsieur Polifka einmal an allen Türen, die er gesehen hat, geklopft. Und als er seine Mission gedanklich bereits beendet gehabt hat, ist eine der zahlreichen Türen aufgegangen. Eine ältere Dame ist heraus gekommen. Der hat Rudolf Polifka sein Ansinnen unterbreitet. Das schien die Dame nicht sonderlich beeindruckt zu haben. „Wir haben keinen Wein mehr“, war ihre knappe, aber wenigstens an Eindeutigkeit nichts zu wünschen übrig lassende Erwiderung. Der Rudl wollte sich verabschieden, da hat die Frau gemeint: „Einen Karton Grünen Veltliner Steinleithn haben wir noch. Der ist nicht abgeholt worden.“ Nicht ganz bequem, aber ausgesprochen zufrieden ist Monsieur Polifka daraufhin mit seinem Karton Grüner Veltliner Steinleithn 1997 zur Bahnstation Furth-Palt hinunter gegangen. Er hat dann im Lauf der Jahre immer wieder eine Flasche aufgemacht und ist jedes Mal begeistert gewesen. Die letzte hat er lange Zeit nicht aufgemacht, bis irgendwann einmal, 2008 oder 2009, ein paar Forscherkollegen die Idee gehabt haben, den einen oder anderen Grünen Veltliner aus dem hochgejubelten Jahr 1997 gegeneinander antreten zu lassen.

Neben dem Steinleithn vom Geyerhof haben die namhaften Grünen Veltiner alt ausgeschaut.

Lage Steinleithn

Steinleithn ist karg, nach Osten ausgerichtet und besteht aus den fast genauso kargen Resten des geologischen Schulwissens vom Rudl: Feldspat, Quarz und Glimmer – geschiefert. Fette Weine wachsen auf anderen Böden.

Den 2023er Grünen Veltliner Steinleithn vom Geyerhof gibt es ab sofort beim Rudl. Von etlichen anderen Jahrgängen der aktuellen Vertikale ist noch die eine oder andere Restflasche verfügbar.

Den Jahrgang 1997 von einem anderen Lieblingsvertreter dieser Rebsorte hat der Rudl leider verschlafen. Nicht ganz, eine Einzelflasche Grünen Veltliner Spiegel 1997 vom Mantlerhof hat er damals noch bekommen. Es ist eine von den Flaschen, die man wie seinen Augapfel hütet und auf eine würdige Gelegenheit zur Öffnung wartet. Aber zurück ans rechte Donauufer:

Dass der Rudl, wie oben erwähnt, den Jahrhundertjahrgang 1997 vom Grünen Veltliner Spiegel versäumt hat, ist ihm eine Lehre gewesen. Was ihm da beim letzten Jahrhundertjahrgang des zwanzigsten Jahrhunderts passiert ist, hat sich beim ersten Jahrhundertjahrgang des einundzwanzigsten nicht wiederholt. Zum Glück. Denn was ein großer Wein ist, kann und will der Rudl nicht beurteilen. Aber dass er ohne irgendein Bedenken eine Flasche Spiegel 2021 neben den Steinleithn 2021 auf den Küchentisch von Pierre Overnoy gestellt hat, verschweigt er nicht. Josef Mantler jun. bezeichnet 2021 als ersten Jahrhundertjahrgang.

  • 2020 Grüner Veltliner Steinleithn, Geyerhof, Oberfucha, Kremstal – rechtes Donauufer (6,50/10)
  • 2019 Grüner Veltliner Steinleithn, Geyerhof, Oberfucha, Kremstal – rechtes Donauufer (6,50/10)

DONNERSTAG, 15. Jänner von 17 bis 21 Uhr

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils

Reindorfgasse 22

Am 27. Jänner 1945 sind die Überlebenden aus dem Konzentrationslager Auschwitz befreit worden. Was spricht dagegen, den 27. Jänner deshalb endlich zu einem gesamteuropäischen Feiertag zu erklären? Nichts!

Per Spiegel ad Steinleithn!

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