Eine der spanischesten Rebsorten und zwei spanische Weine als Einstimmung auf die Vuelta a Espaňa 2026, DONNERSTAG, 20. August von 17 bis 21 Uhr

Die Vuelta 2026 und das aktuelle Oenologiethema

Die Radlrennfahrer beginnen heuer beim Berg eines begnadigten Gitarristen aus Stockerau, wie der Herr Kurt vielleicht sagen würde: in Monte Carlo. Dort wird es vielleicht auch Weinbau geben, Appellation haben sie keine. Die nächste wäre vermutlich Bellet an den Stadträndern im Norden von Nizza. Dort hat der Rudl vor zwanzig Jahren einmal oenologisch geforscht. Die Resultate waren überschaubar. Darum begibt er sich etwas weiter der Radrennstrecke entlang auf die Spur einer ur-spanischen Rebsorte, if ever there was one, quasi: Garnacha, Garnatxa auf Baskisch und Catalan oder Grenache, wie sie in Frankreich geheißen wird. Es gibt sie in mehr als drei Mutationen: Die bekanntesten sind vermutlich Grenache noir, Grenache gris und Grenache blanc. Alle drei spielen auf der 3. Etappe eine herausragende Rolle. Aber zuerst ein bissl Ampelographie.

Grenache

Die Formel „Region Savoyen – Appellation Irouléguy – Weinbauer Michel A. Brégeon“ ist am Beginn der Weinhandlung Rudolf Polifka et fils gestanden. Sie gilt mehr denn je. Vielleicht könnte es sein, dass der Rudl die Appellation Irouléguy quasi auf den für diese Appellation konstitutiven Gebirgszug Pyrenäen einmal ausweitert. Ein kleines bissl hat er das ja bereits getan. Am nördlichen Piemont der Pyrenäen gibt es nämlich ganz gewaltig gute Weine, nicht nur im westlichen Teil davon. Aber dazu vielleicht ein anderes Mal.

Grenaches

Was am nordwestlichen Ende der Pyrenäen die Mansengs sind, stellen am nordöstlichen Ende die Grenaches dar, ein bissl auch die Carignans. Ihren Ursprung haben die Grenaches in Aragon. Von dort sind sie nach Katalanien hinüber und haben sich im Mittelalter über das Roussillon, das seinerzeit noch zu Spanien gehört hat, und die Provence bis zur südlichen Rhône und in den gesamten Mittelmeerraum ausgebreitet. Heute gibt es sie auf der ganzen Welt. Theorien, wonach Grenache aus Sardinien stammen soll, gibt es auch. Dieser Tage nicht unerwähnt sollte die außerordentliche Resistenz der spätreifenden Grenaches gegenüber Hitze, Trockenheit und Wind bleiben. Viele Weinbauern, die in den Achtziger- und Neunzigerjahren Grenache gerodet und durch Syrah ersetzt haben, halten das heute für keine so großartige Idee mehr.

Baskenland süd

Seit Jahren, um nicht zu schreiben „Jahrzehnten“ nimmt sich der Rudl vor, dem südlichen Teil des Baskenlandes mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Sprachlich stellt das eine Herausforderung dar. Trotzdem studiert Caviste Rudolf Polifka seit vier Jahren baskische Weine aus Navarra. Den klassischen Txakoli lässt er dabei aus. Das ist ganz lustig, und in einer Tapas-Bar probiert der Rudl natürlich auch ein Achtel des berühmten aus der Höhe eingeschenkten Weines aus der Rebsorte Hondarribi Zuri. Aber in professionellen Belangen hat sich der Rudl von Kollegen in Saint Jean de Luz und Hendaye beraten lassen:  

  • 2024 Marko. Gure Arbasoak, Oxer Wines. Jatorri Deltura, Bizkaiko Txakolina DOC, Navarra (6/9)
  • 2024 Garnacha Blancha « Parcela 333 », Victor Ausejo, Alberite, Rioja DOC (7/11)

Die anderen Weine sind nicht in Spanien gewachsen, zumindest nicht auf dem heutigen Staatsgebiet Spaniens, aber aus der ur-spanischen Rebsorte Grenache vinifiziert worden. Einer seiner zahlreichen Spitznamen ist Uva di Spagna.

  • 2021 Côtes du Ventoux blanc, Domaine Fondrèche, Rhône sud (3/5)

25 % Genache blanc, 25 % Roussanne, 25 % Rolle und 25 % Clairette auf Kalk in einer Höhenlage des Nationalparks Mont Ventoux

  • 2019 Côtes du Ventoux rouge, Domaine Fondrèche, Rhône sud (3/5)

60 % Grenache noir, 35 % Syrah, 5 % Mourvèdre auf Kalk, Sand und Ton

  • 2020 Rasteau, Elodie Balme, AOC Rasteau, Rhône sud (4/6)

Grenache noir, Carignan, Syrah und Mourvèder zu 90 % im Betonei, zu 10 % im gebrauchten Holz ausgebaut – Struktur und Gleichgewicht durch Grenache und Syrah, Unterholzanklänge von Mourvèdre, sowie Farbe und Alterungspotential vom Carignan – der Einserwein von Elodie Balme

  • 1977 Château de Canterrane, Trouillas, AOC Côtes du Roussillon (5/8)

DONNERSTAG, 20. August von 17 bis 21 Uhr

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils

Reindorfgasse 22

Am 27. Jänner 1945 sind die Überlebenden aus dem Konzentrationslager Auschwitz befreit worden. Was spricht dagegen, den 27. Jänner deshalb endlich zu einem gesamteuropäischen Feiertag zu erklären? Gar nichts!

Un-smart wie nur was grüßt Monsieur Rudolf!

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Weinhandlung Rudolf Polifka et fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Ein Frühstückswein, ein Pét nat, ein Wein zu Ehren eines großen Radrennfahrers und andere Weine von der Rhône, DONNERSTAG, 13. August von 17 bis 21 Uhr

Rhône

Die zweitmeisten Neuzugänge während der Sommerpause kommen aus den Rhônen. Der Bach bildet ja quasi zwei Weinbauregionen: Rhône nord und Rhône sud. Und da ist alles, was flussaufwärts von der Côte-Rôtie wächst, noch gar nicht includiert: Manche Weingärten des Bugey, die savoyardischen Weine aus Jongieux, wo die Dupasquiers zuhause sind, aber auch das Schweizer Nordufer und des französische Südufer des Genfer Sees, das Wallis sowieso … alles an der Rhône, aber nicht in den Weinbauregionen Rhône. Und justament mit dem, was man in der Oenologie klassischerweise unter Rhône versteht, hat sich der Rudl nie ganz leicht getan. Lange Zeit hat er diese Weinbauregionen links liegen gelassen, manchmal hat er Reisen auch so geplant, dass er in diesen Gegenden nachts unterwegs war, weil ihn Weine von dort sowieso nicht interessiert haben. Früher oder später stellt einem so eine Ignoranz eine Rechnung aus, entweder in Form eines schlechten Gewissens oder als ein etwas verstohlen wahrgenommenes Interesse. Dazu kommt, dass der Rudl aus dem Sechsundneunzigerjahr äußerst positive Erinnerungen an und auch noch ein Flascherl aus Gigondas hat. Nur waren damals, vor dreißig Jahren, die durchschnittlichen Sommertemperaturen an der südlichen Rhône und die Alkoholwerte der Weine signifikant niedriger, wenn auch im Vergleich zu anderen Weinbauregionen damals schon hoch. So oder so, wenn Oenologiekommilitone Rudolf Polifka über Weine von der Rhône liest, dann wird er von irgendeinem mysteriösen Faszinosum gepackt. Wie an dieser Stelle schon einmal ausgeführt, gilt Château Rayas aus der Appellation Châteauneuf-du-Pape als Inbegriff von Feinheit, Raffinesse und Eleganz. Nur schreibt der Rudl da gewissermaßen wie der Blinde von der Farbe, denn er hat noch nie einen Château Rayas getrunken. Einen Forschungsauftrag leitet er daraus ab. Und diesem ist er in den letzten Wochen gefolgt.

Jean-François Malsert, Domaine de l’Iserand, Sécheras, Rhône nord

Jean-François verbietet sich jedes Euzerl von Schwere in seinen Weinen. In Anbetracht seiner schwierig zu bearbeitenden Höhenlagen auf Gneiss ist das ganz bestimmt leichter zu realisieren als weiter unten am fruchtbaren Fluss.

  • 2025 Chasselas, Domaine de l‘Iserand, Sécheras, Vin de France (4,50/7)

Über Chasselas kann man viel sagen und es wird über Chasselas auch viel gesagt. Positiv ist das meistens davon eher nicht. Und das wiederum sehr oft nicht ganz zu Unrecht. Wer manch überladenen Rebstock an den Ufern des Genfer Sees gesehen hat, wird sich darüber auch nicht wundern. Nur ist es andererseits auch so, dass zum Beispiel in der Gegen um Saint Joseph Chasselas immer angebaut worden ist, nicht nur angebaut, sondern auch vinifiziert. Dieser Tradition hat sich Jean-François besonnen und einen Wein gemacht, den man dort ziemlich sicher nicht vermuten würde, auch wenn es ihn früher dort gar nicht selten gegeben hat. „Désaltérant“ nennt der Weinbauer das. Man kann diesen Wein gegen den Durst trinken.

  • 2024 Saint Joseph rouge « Les Sabots de Coppi », Domaine de l’Iserand, Sécheras, Rhône nord (8/12)

das Gegenteil von Marmelade und das Gegenteil von Holzscheitl, in der Tonamphore ausgebaut, schwarze Früchte, frische Bergamotten, ein Pfefferl im Glas statt auf dem Werbefolder, wobei das diminutive Suffix angebracht erscheint und man nicht den Eindruck hat, in ein Pfefferkörndl zu beißen; floral und würzig, wie man es vielleicht eher an der südlichen Rhône erwarten würde, alles ohne dick aufzutragen und vor allem … vibrierend.

Domaine Gramenon, Montbrison-sur-Lez, Rhône sud

Oenoadministrativ liegt die Domaine Gramenon in der Weinbauregion Rhône sud, wenn auch in deren nordöstlichstem Eck. Aber viel haben ihre Weine mit jenen der umliegenden Weingüter nicht gemeinsam. Die Höhenlage über den anderen Weingärten und ein massiver, alpiner Kalkriegel hat ein Plateau in 550 Metern Seehöhe gebildet. Geologisch ist das Terroir südalpin. Nur sind die Südalpen keine Appellation. Die Appellation Clairette de Die ist zwar nicht weit weg, aber etwas ganz anders, darum Côtes du Rhône. In dieser Gegend sind die Grenaches die Patrone. Hoch oben in den Weingärten der Domaine Gramenon bringen sie Weine von Eleganz und Frische, die man von dieser Rebsorte nicht alle Tage bekommt. Dass diese Grenache-Reben zwischen fünfzig und hundertzwanzig Jahre alt sind, wird auch eine Rolle spielen, alle aus Sélection massale. Biologisch wird das Weingut schon seit 1978 geführt. Die ersten Exzesse der Klimakrise haben Anfang der Zweitausenderjahre nahegelegt, die Weingärten durch biodynamische Bewirtschaftung zu stärken. Die Böden haben sich sofort durch mehr Lebendigkeit, die Reben durch eine erhöhte Widerstandskraft ausgezeichnet. Wie Jean-François Malsert etwas weiter nördlich erachtet man auch hier die Treffsicherheit beim Erkennen der Reife als entscheidenden Faktor. Dass die absolute „Pureté“ eine unerreichbare Utopie darstellt, wissen die Laurents. Möglichst nahe an sie heranzukommen bleibt das Ziel. Viel fehlt nicht, wenn Sie den Rudl fragen.

  • 2025 Pétillant naturel « Tout en bulles », Domaine Gramenon, Montbrison-sur-Lez, Vin de France (4,50/7)

Clairette rose und Clairette blanche auf einer Bank aus Sandstein, die das Urmeer vor zwölf Millionen Jahren gebildet hat; vierzig Hektoliter am Hektar, was für einen Pétillant naturel äußerst wenig ist und vielleicht erklärt, warum dieser Pet nat nicht wie ein mit Alkohol und Kohlensäure versetzter Traubensaft schmeckt. Acht Monate hat er gären dürfen.

  • 2025 La Vie on Y est, Domaine Gramenon, Montbrison-sur-Lez, AOC Côtes du Rhône blanc, Rhône sud (5/8)

dreißig Percent Viognier, fünfundzwanzig Clairette, zwanzig Bourboulenc und fünfundzwanzig Grenache blanc auf Kalk, Ton und Sand; fünfunddreißig Hektoliter am Hektar

Elodie Balme, Rasteau

Grenache auf Kalk, Syrah und Mourvèdre auf Sandstein, Grenache und Mourvèdre gerebelt, Syrah nur zum Teil. Die Vinifizierung erfolgt im Beton. Daraus resultiert eine äußerst seltene Kombination aus Kraft, Eleganz, Vielschichtigkeit und Frische.

  • 2020 Rasteau, Elodie Balme, AOC Rasteau, Rhône sud (4/6)

Domaine Fondrèche

als Reverenz an das spannende Frauenradlrennen der letzten Woche

  • 2019 Côtes du Ventoux Rouge, Domaine de Fondrèche, Mazan, Rhône Sud (3/5)

DONNERSTAG, 13. August von 17 bis 21 Uhr

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils

Reindorfgasse 22

Am 27. Jänner 1945 sind die Überlebenden aus dem Konzentrationslager Auschwitz befreit worden. Was spricht dagegen, den 27. Jänner deshalb endlich zu einem gesamteuropäischen Feiertag zu erklären? Gar nichts!

Un-smart wie nur was grüßt Monsieur Rudolf!

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Weinhandlung Rudolf Polifka et fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Sommerschule: Sud Ouest – von Irouléguy über den Jakobsweg in das Périgord und weiter zu Claude und Lydia Bourguignon nach Cahors, MITTWOCH, 5. August von 17 bis 21 Uhr

Der Rudl hofft, dass Sie, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, den Sommer trotz der einen oder anderen Affenhitzewelle bis jetzt gut verbracht haben. Retour von seiner Studienreise, die ihn vom Jura über die südliche Rhône, den Tourmalet, das Baskenland, Périgord, Aveyron, die nördliche Rhône bis nach Savoyen geführt hat, drängt es den Rudl, neue Erkenntnisse mitzuteilen. Dazu öffnet er die Pforten seiner Sommerschule. Mit Abstand am meisten Zeit hat Caviste Rudolf Polifka in der Weinregion Sud Ouest verbracht. Die meisten Neuzugänge im Sortiment der Weinhandlung Rudolf Polifka et fils stammen deshalb auch aus dieser Gegend, aber nur knapp die meisten.

Les Pentes de Barène, Pimbo, AOC Tursan

Den Zweiundzwanziger hat der Rudl einmal glasweise ausgeschenkt. Dabei hat es sich um ein Einzelflascherl, das er in einem Weingeschäft erstanden hatte, gehandelt. Da der Rudl ziemlich angetan war von diesem Wein, war es nicht ganz abwegig, sich um diesen weißen Tursan aus der äußerst raren Rebsorte Baroque zu bemühen. Vor mehr als zwanzig Jahren war dort, wo jetzt die Weine von Pentes de Barène wachsen, nichts, fast nichts. Ein Stall, Prairie und vor allem eine ausgeprägte Hangneigung in Richtung Süden zu den Pyrenäen hin. Kein Keller, kein Weingarten, kein Nix. Dann dürfte Gaëlle und Daniel Vergnes der Ort Pimbo ähnlich gut gefallen haben wie dem Rudl und einer Handvoll Unentwegter, die dort jetzt eine Épicerie samt Kleinstgastronomie oder eine Frühstückspension. Letztere versorgt vorwiegend Pilger am Jakobsweg mit fast allem, was in der Umgebung an kultivierten Lebensmitteln erzeugt wird und deshalb seinen Weg ganz bestimmt nicht in den sogenannten Supermarkt findet. Mme. und M. Vergnes haben beschlossen, dort ein Weingut zu gründen, eines in einer Dimension, die man als Familie zwölf Monate im Jahr händisch bewältigen kann. Daraus resultiert das heute kleinste Weingut der Appellation, eineinhalb Hektar klein. Aus dem Stall haben sie einen Keller gemacht. Die Gstättn in einen Weingarten zu transformieren hat sich aufgrund einer Hangneigung von bis zu sechzig Percent schwieriger gestaltet. Darum haben sie 2003 Terrassen angelegt. Heute ist ihr Weingarten nicht nur die einzige Terrassenlage der Appellation Tursan, sondern des gesamtes Weinbaugebietes Les Landes. Ausrichtung nach Süden, als Auflage Ton und Kalkgeröll, Unterboden: Kalk. Das kommt der dort ursprünglich ansässigen Rebsorte Baroque entgegen, dazu Gros Manseng, Petit Manseng und Sauvignon blanc. Keine chemischen Herbicide. Höchstes Augenmerk auf Biodiversität als einziger hauptberuflichen Mitarbeiterin der Familie. Sie produzieren lediglich einen Weißwein sowie einen Süßwein.

  • 2025 Les Pentes de Barène, Pimbo, AOC Tursan, Sud Ouest (4,50/7)

Julien Auroux, Boisse – am Weg von Bergerac über Monbazillac nach Monpazier

Der Herr Graf kann sich zwar selber nicht mehr daran erinnern, aber vor ein paar Jahren hat er dem Rudl einen Weißwein von Julien Auroux zum Studium vorgesetzt. 2014 hatte dieser auf einem kleinen Hügel am südöstlichsten Zipfel der Appellation Bergerac, eher schon am Eingang zu Cahors eine seit Generationen betriebene gemischte Landwirtschaft übernommen.

  • 2023 Sans bois ni loi blanc sec, Julien Auroux, Boisse, Vin de France, Sud Ouest (4,50/7)

Siebzig Prozent Sauvignon blanc, dreißig Sauvignon gris, Kalk, Ton, indigene Hefen und zehn Monate Ausbau.

Claude und Lydia Bourguignon, Laroque-des-Arcs

Lydia und Claude Bourguignon haben ihr Leben der wissenschaftlichen Erforschung von Weingartenböden gewidmet. Das hat sie auf der ganzen Welt bis in den burgenländischen Seewinkel hinunter zu gefragten Experten gemacht. Wenn es um die Wahl der geeignetsten Weinreben und Praktiken in einem bestimmten Weingarten geht, sind sie die erste Adresse. Irgendwann haben Lydia und Claude Bourguignon dann das tiefe Bedürfnis verspürt, dieses Wissen selber zu Wein zu machen und sich in der Nähe von Cahors sechs Hektar Wald gekauft, gerodet und rekultiviert. Hundertvierzig Jahre vorher war das schon einmal ein Weingarten. Dieser Umstand und sicher auch der hohe Kalkgehalt, für die Bourguignons stellt der eine unabdingbare Voraussetzung für wirklich große Weinterroirs dar, haben wahrscheinlich keine unbedeutende Rolle bei der Auswahl gespielt. Danach hat sich das Bodenforscherehepaar zu renommierten Weingütern begeben und dort von den besten Rebstöcken Edelreiser abgezwickt: die Foucault-Brüder in Saumur, François Cotat in Sancerre, Elian Da Ros in Cocumont in den Côtes du Marmandais, die Plageoles in Gaillac, La Grange Tiphaine, Château Plaisance, Corbin-Michotte. Sauvignon blanc und gris, Mauzac rose und vert, Verdanelle, Malbec, Cabernet Franc, Négrette, Prunelard, Cot à Pied Rouge. Die haben sie auf die Unterlagsrebe Rupestris du Lot aufgepfropft und ausgepflanzt. Das Resultat waren längere Zeit jedes Jahr zwei Weine, ein roter und ein weißer, in deren Zusammenhang das Wort Terroir so angebracht erscheint wie bei wenig anderen Weinen. Vom Jahrgang 2017 wurde von der besonders kalkhaltigen Lage Al Chai mit einer Pflanzdichte von 9615 Stöcken am Hektar ein zweiter Rotwein in ganz kleiner Menge nach sechs Jahren Flaschenreife herausgebracht. Das war 2023. Caviste Rudolf Polifka, der dieses Weingut ziemlich konsequent verfolgt, hat damals etwas davon reserviert. Jetzt hat er die sechs Flascherl abgeholt: erstaunliche Harmonie von eingelegten roten Früchten, Veilchen und tertiären Trüffelaromen. 

  • 2017 Al Chai, Laroque d‘Antan, Laroque-des-Arcs, IGP Côtes du Lot, Sud Ouest (8/12)
  • 2022 Néphèle, Laroque d’Antan, Laroque-des-Arcs, IGP Côtes du Lot, Sud Ouest (10/15)

Die Jahrgänge 2019 und 2020 von diesem Wein hat der Rudl im Sortiment (gehabt). Jetzt gibt es von den Jahrgängen 2022 und 2024 sechs Flaschen.

  • 2022 Irouléguy blanc, Domaine Ilarria, AOC Irouléguy, Sud Ouest (6,50/10)

Weißer Irouléguy aus einem Jahrgang, der jetzt genau passt. Das hat der Rudl heuer dort unten quasi in einem zehntägigen Irouléguy-Trainingslager gewissenhaft ermittelt.

  • 2017 Haitza, Domaine Arretxea, AOC Irouléguy, Sud Ouest (8/12)

baskische Tannine gebändigt in großen Waldviertler Eichenfässern, sehr lange nicht glasweise kredenzt

MITTWOCH, 5. August von 17 bis 21 Uhr

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils

Reindorfgasse 22

Am 27. Jänner 1945 sind die Überlebenden aus dem Konzentrationslager Auschwitz befreit worden. Was spricht dagegen, den 27. Jänner deshalb endlich zu einem gesamteuropäischen Feiertag zu erklären? Gar nichts!

Un-smart wie nur was grüßt Monsieur Rudolf!

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Weinhandlung Rudolf Polifka et fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien