Dienstag
Jetzt haben es die Kicker so gewollt, dass der Rudl noch einmal am Dienstag aufsperrt.
Tour de France
Eine alte Tradition der Weinhandlung Rudolf Polifka et fils besteht darin, dem
größten Radrennens der Welt im Vorfeld die Reverenz zu erweisen. Die Tour gilt als die drittgrößte Sportveranstaltung der Welt. Darum wird der Rudl auch dieses Jahr ein paar Tage vor dem Grand Départ Weine, die mehr oder weniger entlang der Strecke gewachsen sind, glasweise kredenzen. Es ist die letzte Lehrveranstaltung vor der Sommerpause.
4. Etappe, 7. Juli: Carcassonne – Foix
Nach dem Start im spanischen Teil von Katalonien radeln sie am 6. Juli über die Grenze nach Frankreich. Einen Tag später geht es dann von Carcassonne zuerst in Richtung Süden. Dort befindet sich die Appellation Corbières, in der vergangenes Jahr ziemlich viele Weingärten abgebrannt sind, die von Maxime Magnon zum Glück nicht, weil der vor Höhenlagen mit sehr alten Weingärten bewirtschaftet, vor allem jedoch das Glück gehabt hat, etwas weiter südlich von den verheerenden Bränden zuhause zu sein.
- 2021 Campagnès, Maxime Magnon, Durban-les-Corbières, AOC Corbières, Languedoc (7/11)
Reinsortiger Carignan. Das ist selten geworden. Früher war das anders. Aber dann ist in Südfrankreich etwas passiert, was in Österreich ähnlich mit Rotburger geschehen ist, nur dass es in Südfrankreich Syrah war. „Mochma liawa vü!“ wie Herr K. gerne sagt. Den Syrah hat zwar nicht Friedrich Zweigelt gezüchtet, aber die beiden Motive für seine Auspflanzung waren vergleichbar: Menge und Gefälligkeit. Carignan kann weder mit dem einen noch mit dem anderen aufwarten, ist dafür aber der Trockenheit um einiges besser gewachsen als Syrah. Carignan hat Ecken und Kanten, die im Lauf der Zeit beginnen, sich in Feinheit, Dichte und Würze umzubauen. Die Höhenlage bringt Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht mit sich, dazu der kühle Jahrgang 2021, Schiefer und Kalk, beachtliche Frische. Zu Gebratenem und Gegrilltem ganz bestimmt kein Fehler.
6. Etappe, 9. Juli: Pau – Garvanie-Gèdre
Das ist die Etappe hinauf auf den Tourmalet. Der ist nicht im Baskenland, aber weit weg ist dieses nicht. Und Baskenland heißt in der oenologischen Sprache Irouléguy.
- 2022 Irouléguy Rosé, Domaine Ilarria, AOC Irouléguy, Sud Ouest (4/6)
10. Etappe, 14. Juli: Aurillac – Le Lioran
Weinadministrativ sind die Rennfahrer immer noch in der Region Sud Ouest, quasi am nord-östlichsten Eck des Südwestens. Landschaftlich gibt es ja vieles, was den Rudl an Frankreich schwer fasziniert. Aber die Appellation Entraygues – Le Fel im Aveyron ist noch einmal etwas Besonders. Zuerst fährt man vom Lot hinauf, auf einer ziemlich kleinen, steilen Straße durch ausgesetzte Terrassen nach Le Fel. Die Straßenbreite ist ein Indiz dafür, dass die selbsternannten Weinexperten auf Instagr*m diese Appellation nicht kennen. Aber auch die einschlägigen Reiseplattformen scheinen den Ort Le Fel noch nicht den selfieverliebten Hirnederln in den algorithmischen Kanal gespült zu haben. Es gibt dort oben auch nicht viel. In der Auberge du Fel kann man sehr gut essen. Der Chef ist begnadigt, wie der Herr Kurt sagt, dürfte aber von Kleinstportionen nicht so viel halten. Ein paar Monate im Voraus reserviert, bekommt man unter Umständen eines der fünf Zimmer, die nach den lokalen Rebsorten benannt sind. Der Blick auf das Tal des Lot, die Weingärten und die Hügel, wo die Weinbauregionen Sud Ouest und Auvergne, beziehungsweise die Départements Aveyron und Cantal aneinander stoßen, ist unbeschreiblich.
- 2020 Rouge Tradition, Domaine Mousset, AOC Entraygues-Le Fel, Sud Ouest (4/6)
Achtzig Percent Fer Servadou, zwanzig Cabernet franc auf Schiefer. Im Auge Purpur, am Gaumen Harmonie von reifen Tanninen, kleinen Walbeeren und Würze. Wenn Sie sich dazu eine baskische Kirschleberterrine machen, was gar nicht so schwierig ist, machen Sie, geneigte Oenologin, gewogener Oenogloge, ganz bestimmt keinen Fehler.
15. Etappe, 19. Juli: Champagnole – Plateau de Solaison
Die Radlfahrer kommen in das Jura, fahren dabei aber zum ersten Mal, zumindest soweit sich der Rudl erinnern kann, nicht über den Kreisverkehr vor der berühmten Konditorei in Arbois.
- 2022 Ploussard « Vivre d’amour et de Plouplou », Domaine Bornard, Pupillin, Vin de France (6/9)
Niemand Geringerer als Pierre Overnoy war es, der nach einer nachbarschaftlichen Besprechung den alten Bornard dazu überredet hat, seinen Wein selber abzufüllen. Inzwischen hat der junge Bornard übernommen, emblematische Rebsorte von Pupillin.
17. Etappe, 22. Juli: Chambéry – Voiron
Die überwiegende Mehrzahl der savoyardischen Weine, die Caviste Rudolf Polifka anbietet, wachsen in der Nähe von Chambéry, der Heimatstadt von Decathlon AG2R. Lediglich Schiste und Quartz von der Domaine des Ardoisières sind näher bei Albertville daheim.
- 2024 Monfarina, Domaine Giachino, Chapareillan, AOC Vin de Savoie (4,50/7)
- 2023 Silice Blanc, Maison des Ardoisières, Apremont, Vin de France (4/6)
- 2020 Jacquère, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOC Vin de Savoie (3/5)
- 2023 Argile Blanc, Domaine des Ardoisières, Saint Pierre de Soucy, IGP Vin des Allobroges (6/9)
Dienstag, 30. Juni von 17 bis 21 Uhr
Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils
Reindorfgasse 22
Am 27. Jänner 1945 sind die Überlebenden aus dem Konzentrationslager Auschwitz befreit worden. Was spricht dagegen, den 27. Jänner deshalb endlich zu einem gesamteuropäischen Feiertag zu erklären? Gar nichts!
Un-smart wie nur was grüßt Monsieur Rudolf!
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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien