Ausnahmsweise wieder DIENSTAG, 12. Mai von 17 bis 21 Uhr: Marestel – vertikal: von der Herklotzgasse zum Dent du Chat und retour in die Reindorfgasse

Do woa sei Leischtung!

Wenn Sie, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, so wollen, handelt es sich beim Cru Marestel von Dupasquier um die Verbindung der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils in der Reindorfgasse zum Altwienerhof von Monsieur Rudolf Kellner in der Herklotzgasse, seinerzeit dem ersten Haus der Stadt, das es leider nicht mehr gibt. Nicht dem Namen, sondern der Profession nach Kellner war Claude Mareste, Kellner und Berater am Château den Lucy, gleich am Fuß der Montagne du Chat. Im sechzehnten Jahrhundert ist das gewesen. Dieser Kellner hat seinem Grafen einen oenologischen Rat von Tragweite gegeben: Weinstöcke in die bis zu fünfundsechzig Percent steilen, felsigen Hänge über dem Château zu pflanzen, was in diesem Fall wohl präziser mit „hauen“ zu bezeichnen ist. Als Dank für diese Leistung ist der entsprechende Cru heute nach dem Berater und Kellner Claude Mareste benannt: Marestel

Diesen Wein anbieten zu können ist für Caviste Rudolf Polifka eine ganz besondere Freude und auch Ehre. Der Cru Marestel schaut quasi zum Dent du Chat hinauf. Der ist ungefähr genau so zackig, wie sein Name nahelegt. Eine ausgesprochen gute Konditorei in Aix-les-Bains bietet ihn als Schokoladekonfekt an.

So oder so, wächst der Cru Marestel auf den westlichsten Weingärten der Weinbauregion Savoyen. Unten rinnt dann gleich einmal die Rhône vorbei. Da ist es dann mit Savoyen vorbei. Am anderen Rhône-Ufer befindet man sich bereits im Bugey.

Domaine Dupasquier

Angefangen hat alles knapp vor der Reblauskatastrophe. Antoine Dupasquier und dann sein Sohn Eugène, mit Mais, Hasen, Hendln, Kühen und Wein für die Gastronomie des Thermalkurortes Aix-les-Bains. Heute führen David und seine Schwester Véronique den Hof in fünfter Generation. Viele Weingüter gibt es wahrscheinlich nicht, in denen sich in fünf Generationen so wenig geändert hat. Die Eltern von Véronique und David, Marie Jeanne und Noël haben bei ihrer Betriebsübernahme Anfang der Siebzigerjahre die gemischte Landwirtschaft auf ein reines Weingut umgestellt. Mit der Flaschenabfüllung hat das Weingut auch zu dieser Zeit begonnen. Markanteste Innovation und bis heute ein Alleinstellungsmerkmal in Savoyen ist jedoch ganz sicher die Verlängerung des Ausbaus der Weine auf das bis zu Fünffache dessen, was ortsüblich ist, selbst bei Spitzenwinzern.

Die Weingärten weisen im Durschnitt ein Alter von fünfundfünfzig Jahren auf. Handarbeit wird großgeschrieben. Vor allem in den Marestel-Lagen wäre etwas anderes sowieso nicht möglich. Die Frage nach synthetischer oder mechanischer Vernichtung des sogenannten Unkrauts stellt sich nicht, weil zwischen den mehr oder weniger großen Felsklumpen sowieso praktisch nichts anderes als Vitis vinifera einen Auftrag hat. Im Keller beschränken sich Interventionen auf das Notwendige. Ziel sind möglichst natürliche, präzise Weine. Faune und Flora der ausgesetzten Lagen gelten den Dupasquiers nicht nur als Werkzeuge, sondern auch als Erbe, für das man Verantwortung trägt. Heiße Sommer und frische Nächte gewährleisten ein bemerkenswertes Gleichgewicht zwischen Reife, Frische und kristalliner Präzision. Das Weingut empfiehlt seinen Cru Marestel zu Geflügel, Jacobsmuscheln, Foie gras und vor allem zu asiatischer Küche.

  • 2022 Altesse „aVé“, Côteaux des Girondales, Villaz, Vin de France (5/8)

Altesse, wie sie auch schmecken kann, allerdings in einem fast diametral entgegengesetzten Stil zum Marestel. Dieser Stil schmeckt dem Rudl aber auch exceptionell gut.

  • 2020 Marestel, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOC Roussette de Savoie (5/8)

Altesse, wie sie eigentlich nur aus der Lage Marestel schmecken kann, aus den Dupasquier-Weingärten von Marestel. Leider scheint es nach 2013 keine systematischen Jahrgangsbeschreibungen für Savoyen mehr zu geben. Darum kann Ihnen der Rudl nur seine persönlichen Wahrnehmungen mitteilen. Diese beschränken sich stets auf den Juli und beim Jahrgang 2020 nicht einmal auf diesen, denn 2020, 2013 sowie 2025 waren die drei Jahre, in denen der Rudl seit 2008 nicht in Savoyen war. 2020 war kein kühler Jahrgang, aber so heiß wie 2022 war er nicht.

  • 2017 Marestel, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOC Roussette de Savoie (5/8)

warmer Jahrgang

  • 2016 Marestel, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOC Roussette de Savoie (6/9)

äußerst kühler Jahrgang, der zweitkühlste nach 2014 in den letzten fünfzehn Jahren

  • 2015 Marestel, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOC Roussette de Savoie (6/9)

heißer Jahrgang mit so wenig Oidium- und Peronosporadruck wie wenig andere

  • 2012 Marestel, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOC Roussette de Savoie (6,50/10)

warmer Jahrgang

DIENSTAG, 12. Mai von 17 bis 21 Uhr

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils

Reindorfgasse 22

Am 27. Jänner 1945 sind die Überlebenden aus dem Konzentrationslager Auschwitz befreit worden. Was spricht dagegen, den 27. Jänner deshalb endlich zu einem gesamteuropäischen Feiertag zu erklären? Gar nichts!

Auf sinnvolle und konstruktive Leistungen!

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien