Vom Jura bis an die Loire, Dienstag, 18. Juni, 16 bis 20 Uhr

Prolog

Der Rudl freut sich ja schon wie ein kleiner Bub. In zwei Wochen radeln sie wieder durch Frankreich. Das tun sie natürlich auch zu anderen Zeiten, etwa beim Critérium du Dauphiné. Aber die Tour de France ist für den Rudl dann noch einmal etwas anderes. Etwas ganz anderes, auch, aber nicht nur weil da die Ferien anfangen.

Monsieur Polifka freut sich dermaßen, dass er jetzt einmal oenologisch eine längere Flachetappe zurücklegen wird, vom Jura an die Loire in der Nähe von Blois, dann womöglich im Gegenwind nach Saumur und weiter in die Gegend um Nantes, nach Gorges ins Muscadet.

Overnoy

… ist der Name des ziemlich sicher emblematischsten Weinbauern aus dem Jura. Der heißt Pierre und der Rudl hat schon zweimal zu ihm Bonjour! sagen dürfen. Die in Buchform veröffentlichten Gespräche mit Pierre Overnoy und Emmanuel Houillon, der das Weingut vor gut zwanzig Jahren übernommen hat, aber immer noch im respektvollen und intensiven Austausch mit Monsieur Overnoy führt, hat Caviste Rudolf Polifka dreimal gelesen und beim dritten Mal immer noch hochinteressant gefunden. Wein von den beiden zu kaufen, ist weniger einfach, als ihre Worte zu lesen. Vor zehn Jahren war es schwierig. Heute ist es unmöglich. Aber man kann nicht alles haben.

Guillaume Overnoy ist der Sohn des Neffen von Pierre Overnoy und wohnt im südlichen Jura. Sein Vater hat in den achtziger Jahren sein Weingut sehr stark an der Entwicklung des Weingutes seines Onkels Pierre orientiert. Der Sohn setzt diesen Weg erfolgreich mit sauberen, lebendigen Weinen fort.

Henry Marionnet. Eine Wiederholung

1967 hat Henry Marionnet an der Loire zwanzig Hektar Weingarten mit hybriden Reben geerbt und gleich gerodet. Uhudler wächst wo anders ein besserer. Der silexhaltige Ton mit Sand und Kieselsteinen hat Henry Marionnet vielmehr auf die Idee gebracht, auszuprobieren, ob man nicht vielleicht die Reblaus austricksen, unveredelte Edelweinrebsorten pflanzen und so den Geschmack europäischer Weine vor der Reblauskatastrophe ergründen könne. Ein paar Weine von diesen nicht veredelten Weingärten hat der Rudl schon kredenzt. Kommende Woche wird er gleich zwei solche Rote ausschenken.

  • Savagnin ouillé 2020, Guillaume Overnoy, Orbagna, AOC Côtes du Jura (8/12)

Savagnin nicht oxidativ ausgebaut

  • Cépages oubliés Gamay de Bouze 2022, Domaine de la Charmoise, Soings, IGP du Val de Loire (4,50/7)

Spielart des Gamay, die quasi verschwunden ist. Gamay mit rotem Saft. Aus dem können Sie zwar einen gleichgepressten Wein machen, aber das wird kein weißgepresster werden. Der Saft rinnt rot aus der Presse. Henry Marionnet hat diese Rebsorte nicht nur neu ausgepflanzt, sondern das auch noch unveredelt, also wurzelecht gemacht. Dicht, aber nicht schwer, rauchig und im Gleichgewicht von Bitternoten und Tanninen.

  • Vinifera Côt 2016, Domaine de la Charmoise, Soings, AOC Touraine (5/8)

Auch dieser Wein stammt von nicht veredelten Reben. Côt, zu dem sie in Cahors „Malbec“ sagen. Sehr reife Brombeeren, schwarze Kirschen, Heidelbeeren und Cassis. Ein Wein, der ein paar Jahre braucht, um seine Energie und Steinigkeit zum Ausdruck zu bringen.

  • Les Coudraies 2019, Domaine des Closiers, AOC Saumur-Champigny, Loire (7/11)

momentan der einzige Wein von der Loire im Sortiment der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils; Beraten von Nady Foucault von Clos Rougeard hat Anatole de la Brosse 2018 dieses Weingut übernommen. Cabernet franc – ein Monat Macération, ein Jahr im Fass, ein Jahr in der Flasche – erst dann kommt der Wein in den Verkauf

  • Terre de Gabbro 2021, Vincent Caillé, Monnières, AOC Muscadet Sèvre et Maine, Loire (7/11)

Melon de Bourgogne vom Cru Gorges, Selection ganz alter Reben, vergoren und neun Monate sur lie im Betonei ausgabaut

  • … und vom G’mischten Satz Obere Schos 2022 von Peter Uhler (4,50/7), sowie von ein paar Weißburgundern ist auch noch etwas da.

Dienstag, den 18. Juni von 16 bis 20 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils,

Reindorfgasse 22

 

Im Übrigen ist der Rudl der Meinung, dass der 27. Jänner, der Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Konzentrationslager Auschwitz, zu einem gesamteuropäischen Feiertag erklärt werden muss.

 

Unveredelt grüßt Caviste Rudolf Polifka!

 

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Weiße Burgunder und glasweise der erste Wiener Wein im Sortiment, Dienstag, 11. Juni, 16 bis 20 Uhr

Eine Sprachverwirrung als Seismograph

Wenn Sie, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, jemandem erzählen, dass Sie weiße Burgunder getrunken haben, dann kann diese Frage quasi als Seismograph für frankophile Weinaffinität Ihres Gegenübers erachtet werden. Ist diese stark ausgeprägt, dann wird Ihr Gegenüber annehmen, dass Sie Chardonnays getrunken haben und unter Umständen nach Chablis, Meursaults oder Montrachets fragen. Hat Ihre Gesprächspartnerin, respektive Ihr Gesprächspartner weniger für französische Weinkultur übrig, dann wird er oder sie annehmen, dass die Weine der Rebsorte Weißburgunder zu sich genommen haben.

 

Weißburgunder. Eine Prestigeleerstelle

Heute gilt er als so etwas wie der Inbegriff von grauer Maus unter den Rebsorten. Anders als Welschriesling, der als Rebsorte wenigstens unterschätzt wird und schon allein deshalb eine Renaissance als Reaktion auslöst, wird Weißburgunder nicht einmal unterschätzt. Weißburgunder wird einfach ignoriert. „Unter dem Radar“ wie man heute sagt. Grund für die Rudl, seine Radarpistole auf die Weißburgunder in seinem Sortiment zu richten.

  • Dankbarkeit Weiß, Dankbarkeit, Podersdorf, Neusiedler See (3/5)
  • Weißburgunder 2021, Sternat-Lenz, Remschnigg, Südsteiermark (3/5)
  • Weißburgunder Alte Reben 2021, Herist, Rechnitz, Südburgenland (4/6)
  • Weißburgunder Hofstudien 2020, Geyerhof, Oberfucha, Kremstal (5/8)
  • G’mischter Satz Obere Schos 2022, Weingärtnerei Peter Uhler, Grinzing, Wien (4,50/7)
  • … und ein reifer Weißburgunder aus den siebziger-, achtziger- oder neunziger Jahren wird auch dabei sein.

Dienstag, den 11. Juni von 16 bis 20 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils,

Reindorfgasse 22

 

Im Übrigen ist der Rudl der Meinung, dass der 27. Jänner, der Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Konzentrationslager Auschwitz, zu einem gesamteuropäischen Feiertag erklärt werden muss.

 

Über dem Radar grüßt Caviste Rudolf Polifka!

 

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Europa, nix aber … Sauvignons von Andreas Tscheppe und aus fast halb Europa, Dienstag, 4. Juni, 16 bis 20 Uhr

Nix aber! Die Erste

Vorigen Dienstag hat der Rudl fünf Jahrgänge Hégoxuri von der Domaine Arretxea glasweise kredenzt. Wenn Sie, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, den Rudl fragen, werden Sie bei ihm keine viel bessere Serie als diese trinken. Und über dem Niveau des 2009ers wird oenologisch sowieso nicht mehr viel stattfinden können, ganz sicher nicht in den Kategorien Struktur, Frische und Vielschichtigkeit. Wäre Caviste Rudolf Polifka mit Marketingwassern gewaschen, dann würde er jetzt weiterschreiben: „ABER der Rudl wird sich auch weiterhin bemühen, Ihnen die besten Weine …“ Nix aber. Über die Hégoxuri-Serie wird nicht viel gehen. Vielleicht gibt es wieder einmal eine, mit anderen Jahrgängen.

Nix aber! Die Zweite

Citoyen Rudolf Polifka hält sich für einen glühenden Westeuropäer, allerdings nicht für einen mit Blindheit geschlagenen Euphoriker. Er hat quasi als junger Bub am 12. Juni 1994 gegen den Beitritt Österreichs zu EU gestimmt, war damals in Salzburg sogar in der einen oder anderen Form öffentlichkeitswirksam unterwegs, aber nicht weil er gegen eine Mitgliedschaft Österreichs in der EU, respektive damals EG war. Damals hat die EU Österreich als Mitglied mindestens so gebraucht wie Österreich eine Mitgliedschaft in der EU. Heute schaut die Geschichte bedauerlicherweise anders aus.

Wenn es 1994 nach dem Rudl gegangen wäre, hätte Österreich vor einem Beitritt von der EU zweierlei verlangen müssen: ein Ende der Förderungen von Agrarindustriebetrieben und ein Parlament mit legislativer Kompetenz, die über Budgetagenden hinaus geht. Letzteres hat sich zum Glück erübrigt. Das EU-Parlament ist heute viel mehr Parlament als 1994. Damals war der nicht direkt wählbare Rat die gesetzgebende Körperschaft, was für einen Citoyen nur ein Affront sein konnte. An der irregeleiteten Landwirtschaftspolitik hat sich bedauerlicherweise weniger geändert.

Jetzt ist Österreich Mitglied in der Europäischen Union. Und so wie sich diese und jenes entwickelt haben, sollte Österreich froh darüber sein. Sehr froh sogar und nix aber!

 

Seltsam

Keine Frage, der Rudl hat schon weniger seltsame Lehrveranstaltungsthemen als dieses formuliert. Es sind ein paar Faktoren zusammen gekommen. Erstens hat Caviste Rudolf Polifka vor einigen Wochen wie erwähnt seine Zuteilung des neuen Jahrgangs von Elisabeth und Andreas Tscheppe abgeholt und beschlossen, alle Weine zuerst einmal etappenweise im Geschäft anzubieten, ehe sie auf seine Homepage zu stellen und dann der Post und sich selber unnötig Arbeit zu bereiten. Dann ist ihm aufgefallen, dass er von dieser Rebsorte studierenswerte Exemplare aus halb Europa hat. Diese sind noch dazu so derartig verschieden zubereitet und reif, dass damit – ausgenommen Sauvignons aus der Fabrik, wie sie leider immer noch subventioniert werden – eine ziemliche Bandbreite von Stilen dieser Rebsorte repräsentiert ist. Und dann hat der Rudl noch ein Buch gelesen. Neuauflage der Publikationen von Jules Chauvet, seines Zeichens Physiknobelpreisaspirant, Weinhändler, Weinbauer, Pate, Erforscher und Verfechter von Biowein. Monsieur Chauvet hat vor allem an Fragen der Weinbereitung, Verkostung und Glasentwicklung geforscht. In den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts hatte Jules Chauvet Versuche angestellt, wie man ohne Schwefelzusatz Wein produzieren kann. Später hat er sein Wissen nicht nur bei seinen eigenen Weinen angewandt, sondern auch Weinmeister wie Marcel Lapierre, Jean Foillard, Jean-Claude Chanudet oder Jean-Paul Thévenet im Beaujolais und Pierre Overnoy im Jura dabei unterstützt, auf das Schwefeln zu verzichten und trotzdem blitzsaubere Weine zu machen. Geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, verstehen Sie den Rudl bitte nicht falsch! Er hat kein grundsätzliches Problem mit Schwefel bei der Weinproduktion, zumal es sich dabei um eine natürliche Substanz handelt. Aber zu viel Schwefel ist der Lebendigkeit eines Weines nicht zuträglich. Das kann man ziemlich leicht erforschen. Zu viel Schwefel macht den Wein aber auch unverträglich und kann Kopfweh verursachen. Das muss man nicht unbedingt im Selbstversuch erforschen. Wein von Jules Chauvet wird es nicht mehr geben, zumindest nicht zu erwerben. Beim Lesen eines Interviews von Hans-Ulrich Kesselring mit Jules Chauvet aus dem Jahr 1981 hat der Rudl aber die Idee gehabt, sich nach dem Interviewenden zu fragen und dann noch ihm zu forschen. Wenn Herr Kesselring in den achtziger Jahren oenologische Gespräche mit Professeur Chauvet geführt und dabei über seinen eigenen Wein gesprochen hat, könnte es einen Sinn haben, diesen Weinen auf den Grund zu gehen.

Hans-Ulrich Kesselring. Wegbegleiter von Jules Chauvet

Weinmeister auf Schloss Bachtobel im Schweizer Thurgau. Hans-Ulrich Kesselring war ein gebildeter, bescheidener Mann, in Sachen Wein kompromisslos, hat viel nachgedacht und dabei offensichtlich die richtige Gesellschaft gehabt, Jules Chauvet zum Beispiel. Heute führt sein Neffe das Weingut. Der Rudl verdankt diesem, den ersten und bis jetzt einzigen vielschichtigen Müller-Thurgau seines Lebens getrunken zu haben.

  • Sauvignon blanc 2023, Schloss Bachtobel, AOC Thurgau, Schweiz (6/9)
  • Sauvignon blanc 2023, Sternat-Lenz, Remschnigg, Südsteiermark (3/5)
  • Sauvignon blanc « Grüne Libelle » plus 2022, Elisabeth und Andreas Tscheppe, Glanz an der Weinstraße (8/12)
  • Néphèle 2020, Laroque d’Antan, Laroque des Arcs, Cahors, IGP Côte du Lot, Sud Ouest (8/12)

Sauvignon blanc, Sauvignon gris, Verdanelle, Mauzac vert und Mauzac rose in Sélection massale aus fast ganz Frankreich, ein altes Terroir nache Cahors, das 140 Jahre brach gelegen ist und die vielleicht namhafteste Bodenforscherfamilie Frankreichs, Lydia und Claude Bourguignon samt Fils, als Weinbäuerin und Weinbauern.

  • Hirschkäfer 2022, Elisabeth und Andreas Tscheppe, Glanz an der Weinstraße (9/14)

60 bis 70 % Sauvignon blanc etwa drei Wochen auf der Maische mit Kämmen und Stielen von einem Terroir „hors norme“

  • Erde 2017, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Opok (8/12)
  • Sauvignon blanc 2005, Cotar, Komen, Kras, Slowenien (9/14)

Dienstag, den 4. Juni von 16 bis 20 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils,

Reindorfgasse 22

Im Übrigen ist der Rudl der Meinung, dass der 27. Jänner, der Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Konzentrationslager Auschwitz, zu einem gesamteuropäischen Feiertag erklärt werden muss.

 

Europäisch und aberfrei grüßt Citoyen Rudolf Polifka!

 

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

 

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien