Biopioniere im Weinbau, energieferienbedingt viel Text, immer noch neue Öffnungszeiten am Dienstag und am Donnerstag von 16 bis 22 Uhr und auch noch drei Vins Jaunes

Der Rudl hat nie behauptet, keine schwache Seite für einen Kalauer zu haben. Da legt sich ein Lehrveranstaltungsthema „Biopioniere“ mehr oder weniger quasi von selber auf.

Dazu kommt eine beim Rudl sich im Alter offenbar nicht unbedingt abmildernde Skepsis gegenüber Modewellen.

Grunsätzliche Klarstellungen zu Semesterbeginn

Klarstellung eins

Rudolf Polifka schreibt keinen Blog. Er kennt nicht einmal die Kriterien der Textsorte Blog. Und er weiß auch nicht, woher das Wort kommt. Vermutlich irgendwie von logos, aber vielleicht halt b-, quasi ein Logos der zweiten Wahl.

Der Rudl schreibt gerne etwas und jemandem, vielleicht gerade weil er in seiner Kindheit und Jugend nicht gerne etwas geschrieben hat. Der Rudl interessiert sich für Wein. Und der Rudl verbreitet gerne Ideen, von denen er glaubt, dass sie gut sind. Aus.

Klarstellung zwei

Rudolf Polifka, da Bua, ist selbstverständlich kein Influencer, in seiner Weinhandlung nicht und in der Schule noch viel weniger. Darum beschreibt er lieber als er empfiehlt. Und er freut sich, wenn er etwas dazu beitragen kann, dass eine oder einer eine verantwortungsbewusste, eigenständige Entscheidung trifft, gegebenenfalls selbst dann, wenn dem Rudl die betreffende Entscheidung gar nicht einmal so gut gefällt. Auf die Gefahr hin unbescheiden zu sein, sieht sich der Rudl da, jetzt nur was die Vorgangsweise betrifft, in der Tradition eines gewissen Bauarbeiters aus Nazareth. Der hat auch niemandem eine Entscheidung abgenommen, lieber Gleichnisse erzählt. Gerne würde der Rudl so geniale Gleichnisse erfinden können, aber das spielt es halt nicht. Darum beschreibt er lieber und schwadroniert ein bissl.

In die Zeit im Bild zwei wird es der Rudl so nicht schaffen. Dazu muss man schon eine Influencerin sein. Vor ein paar Tagen ist dort eine geschäftstüchtige Japanerin vorgestellt worden. Die hat die orientierungslosen Menschen endlich darüber aufklärt, wie man seinen Kasten ausmistet und ein T-Shirt zusammenlegt, wenn man heute angesagt sein will. Einen Patzen Gerstel wird sie damit auch verdient haben. Genauso wie der Konzern, bei dem die Leute dann die neue Fetzen kaufen. Ein Win-win-Situation, wie man sagt, nur halt nicht für die Arbeiterinnen und Arbeiter in der Fetzenfabrik. Aber man kann schließlich nicht an alles denken, wenn man angesagt influencen will.

Angesagte Aufklärer

Ansagen sind bekanntlich Diktate, nicht nur in der Schule. Und bei Diktat kann man an den Dictatus Papae von Gregor VII. denken. Das ist ganz bequem so. Da kann man sich in historisch ausgepolsterter Empörung suhlen und muss nicht überlegen, ob man nicht heute da oder dort ein bisserl am Gängelband von irgendwelchen Ansagerinnen oder Ansagern hängt. Mit Mündigkeit, Eigenverantwortung und Aufrichtigkeit scheinen diese ansagenden Influencerinnen und Influencer nicht viel anfangen zu können. Aber aus Mündigkeit, Eigenverantwortung und Aufrichtigkeit lässt sich vermutlich auch schwer ein Geschäftsmodell basteln.

Da schicken sie lieber hasspredigende Pseudosäkularisierer über die Lande, um den Menschen gebetsmühlenartig vorzuleiern, dass immer noch irgendein alter Mann oder eine obskure Verschwörung im Vatikan die Menschen an der Befreiung aus ihrer Unmündigkeit hindere. Und dann influencen sie weiter, streng säkularisiert, und lassen sich dafür bezahlen.

So unangesagt kann der Rudl gar nicht sein, dass er das unkommentiert lassen könnte. Da geht Monsieur Rudolf lieber einen Schritt weiter und bekennt sich zu seinem altmodischen Konzept der Weinhandlung als moralischer Anstalt, retrostes achtzehntes Jahrhundert.

Wenn Sie, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, jetzt einwenden, dass das en bissl selbstgerecht ist, dann kann es schon sein, dass sie Recht haben.

Klarstellung drei

Manche natürlichen Lebensmittel sind teurer als im Plastik erstickte und mit dem Chemiekasten geschmacklich zur Unkenntlichkeit gebrachte.

Sehr oft liegt der Unterschied aber im Aufwand der Beschaffung. Und da kann man, auch ohne ein Mathematikgenie zu sein, ganz leicht ausrechnen, dass der Kaffee, wenn man ihn aus Wassonstkapseln trinkt, doppelt so viel kostet, wie ein wirklich sauguter aus fairem Handel. An dieser Stelle kommt dann ganz gerne das Argument von Raum und Zeit. Jetzt ist der Rudl natürlich im Hauptberuf Angehöriger einer Berufsgruppe, deren Wochenarbeitspensum bis Dienstag Abend erledigt sein sollte, und er übt diesen Beruf in der Stadt aus, in der immer weniger Erwachsene in der Früh aufstehen. Vielleicht stehen auch nur die falschen auf, aber das lässt Monsieur Rudolf einmal dahingestellt. Subjektiv fühlt sich der Rudl weder der Gruppe der Unterbeschäftigten, noch jener der Superreichen zugehörig, ja nicht einmal zur Gruppe derjenigen, die mit der Karre einkaufen fahren, gehört er. Sehr wohl hält sich Herr Rudolf für einen, der danach trachtet, den kategorischen Imperativ von diesem gewissen Kant zum Kriterium seines Handelns zu machen und das auch anderen Menschen gerne nahe legt. Für ihn ist es plausibel, dass die Welt ein bissl besser ist, wenn jeder so lebt, dass es sich gut ausgeht, wenn alle so leben, dass man also nicht im Wissen um die Probleme auf der Welt aus Frust gleich ganz auf alles pfeift, nur weil sich das Paradies auf dieser Welt nicht vor der nächsten Werbepause umsetzen lässt. In der nächsten Werbepause erfährt man dann, dass das individuelle Paradies – und nur um das geht es in der Werbepause, denn wenn jeder für sich selber sorgt, ist für alle gesorgt – schon geht.

Der Rudl hält diesem Vollholler den etwas sperrigen Terminus „eschatologische Differenz“ entgegen; sich einzusetzen für eine gerechtere Welt; es auszuhalten, dass die totale Gerechtigkeit in der Immanenz nicht so einfach umzusetzen ist; sich von Letzterem aber auch nicht entmutigen zu lassen und darauf zu hoffen, dass diese Welt nicht das letzte Wort ist, ohne diese Hoffnung als Vertröstung zu missbrauchen sich im diesseitigen Bestreben um das Gute bremsen zu lassen.

Bioweinbaupioniere

An wen sollte man in diesem Zusammenhang eher denken als an die Biowinzer, die zu einer Zeit biologisch gearbeitet haben, als das nicht nur weder angesagt gewesen, sondern ein willkommenes Motiv für Geringschätzung und Witze gewesen ist.

Die Domaine Pierre Frick

ist schon 1970 biologisch konvertiert. Direkt typisch ist das nicht für den Elsass, aber weniger atypisch als es das für Bordeaux wäre.

Typisch für den Elsass ist die geologische Vielfalt, mit der es Jean-Pierre Frick, Femme et Fils zu tun haben. Demeterzertifiziert seit 1986. Das erspart Ihnen und dem Rudl jetzt etliche Zeilen und dem Wein mehr oder weniger alle Erungenschaften der modernen Oenologie. Alte Eichenfässer erspart sie ihm nicht. Es geht um den Boden und den Jahrgang. Davon hängt auch ab, ob ganz minimal oder gar nicht geschwefelt wird.

Jean-Pierre Frick hat beobachtet, dass seine Weintrauben viel resistenter gegenüber Fäulnis und Würmern sind. Auch den Boden bringen sie klarer zum Ausdruck.

Für Frick endet Biodynamie nicht am Zaun seines Weingartens und bei der Kellertür. Darum wird er auch nicht müde, darauf hinzuweisen, dass die konventionelle Landwirtschaft durch ihren unverschämten Einsatz an Wasser, Energie und anderen Ressourcen zu einer Spaltung der Welt führt. Der Rudl ergänzt ganz gerne, dass das auch für jene Modernisierungsgewinnler, die Wochenendstädteflüge zum Preis von einer Wurstsemmel und alle zwei Jahre ein neues mobiles Endgerät für Grundrechte halten, gilt. Rudolf Polifka findet die Hinweise auf den Tschickpackerln in Ordnung, erlaubt sich aber, darauf hinzuweisen, dass Zigaretten in allererste Linie den Konsumenten und die Konsumentin selber schädigen. Könnte man auf mobilen Endgeräten, Flugtickets und Tankstellenrechnungen nicht auch groß und deutlich anmerken, in welcher Form und in welchem Ausmaß Menschen in afrikanischen Edelmetallminen, von der Klimatkatastrophe ruinierten Gegenden oder in vielen erdölexportierenden Ländern Leid zugefügt wird?

Zurück in den Elsass

Jean-Pierre Frick hält nichts von schnellem Wachstum. Darum kommt ihm auch nicht zu viel Kompost in den Weingarten. Den Rebschnitt beschränkt er auf ein Minimum. Vor der Blüte Knospen zu schneiden hält er für eine „Häresie“.

Die Lese erfolgt in etlichen Durchgängen von Mitte September bis Mitte Oktober, manchmal auch später. Ganztraubenpressung. Spontangärung ist für Jean-Pierre Frick eine Selbstverständlichkeit. Trotzdem macht er nicht in erster Linie Reinzuchthefen, sondern unreife Trauben, einen Mangel an Hygiene und die Ungeduld in Form des Jungweinkultes für die Mittelmäßigkeit vieler Weine verantwortlich. Diese Mängel hält Monsieur Frick für die Ursachen der sich immer mehr auch an den Genen der Hefen vergreifenden Hexenmeisterinnen und Hexenmeister in den Laboren.

Auch wird bei der Gärerei im Keller von Frick nicht gehudelt. Eine Wandlung braucht Zeit. Was aus Menschen wird, die im Kindergarten schon Kurse machen, anstatt zu spielen und in der Pubertät Slim Fit Wursthäute oder Kostüme tragen, das setzt der Rudl als bekannt voraus.

Jean-Pierre Frick amüsiert sich auch über die gegenwärtig stattfindende Hundertachtziggradchristler der Weinbehörden in Sachen Filtration. Die längste Zeit hat man die Spitzenweine zu einer Filtration im Dezember nach der Lese gezwungen. Jetzt weht der Wind aus der anderen Richtung und Bâtonnage bis in den Frühling ist angesagt. Frick pfeift auf beides, erlaubt den Weinen fünf bis neun Monate Ruhe in alten Dreitausendlitereichenfässern, ohne Bâtonnage. Er hält das für den Schlüssel zum Terroir Alsace. Die Fässer sind größtenteils hundert Jahre alt. Für Frick sind sie die pflanzliche Haut seiner Weine. Zwei Stunden vor der Füllung wird mit Zelluloseschichten dezent filtriert und aus.

Barriques können ihm gerade so wie Inoxtanks gestohlen bleiben.

Viele halten Pierre Frick quasi für den Herrn Ohneschwefel. Und auf seiner Karte finden sich seit 1999 jeden Jahrgang zwei oder drei ungeschwefelte Weine. Trotzdem weist Frick darauf hin, dass Schwefel keine Wunder wirkt, aber seit dem Mittelalter im Weinkeller verwendet wird, um frühzeitige Reifung zu verhindern und den Wein vor allzu gravierenden Temperaturstürzen oder -steigungen zu schützen. Daran ist auch nichts auszusetzen, solange mit dem Schwefel nicht geurasst wird.

Inspiriert von der Champagne verschließt Jean-Pierre Frick seine Flascherl mit einer Inox-Chromkapsel, auch die Grand Crus. Der Rudl kennt sonst keinen namhaften Weinbaumeister, der das macht.

  • Riesling Grand Cru Steinert 2012, Domaine Pierre Frick, Pfaffenheim, Alsace

Nicolas Joly. La Coulée de Serrant

Weniger als andere Mittel und andere Maßnahmen interessiert sich Nicolas Joly für ein anderes Denken, vor allem was die Ursachen des Lebens betrifft. Das macht ihn für vielen Naturwissenschaftlern suspekt.

Es interessiert ihn auch nicht, Wein zu machen, der dem Mister X oder der Madame Y gefällt. Nicolas Joly interessiert sich für das Leben, auch im Wein, und für Originalität. In den Dreißiger Jahren ist in einem Geniestreich das Konzept der Appellation entstanden. In einer ganz präzisen Gegend soll aus einem bestimmten Jahrgang aus bestimmten Trauben ein unverwechselbarer Geschmack der Konsumentin und dem Konsumenten garantiert werden. Siebzig Jahre später meint Nicolas Joly, davon nicht mehr sehr viel erkennen zu können. Das führt er auf das Wirken der Agrarberater in den Fünfziger und Siebziger Jahren zurück. Die haben Arbeitserleichterung via Chemiekasten propagiert. Dabei ist die Originalität des Geschmacks verloren gegangen. Aber wie es gar nicht so selten der Fall zu sein scheint, haben sich die Verursacher des Problems bald lautstark als Lösung desselben aufgespielt, mit mehr als dreihundert Aromaheferln in ihren Koffern.

Das ist Nicolas Joly ein ausreichendes Motiv zur Gründung der Renaissance des Appellations gewesen. Der Geyerhof aus dem Kremstal ist Mitglied, Michel Grisard aus Savoyen ein Mitbegründer. Dazu später mehr.

  • Coulée de Serrant 2008, Coulée de Serrant (Nicolas Joly), AOC Coulée de Serrant, Loire

Michel Grisard

Über den hat der Rudl im Zusammenhang mit der Domaine des Ardoisières geschrieben. Letztere gäbe es ohne Michel Grisard nicht. Der ist Anfang der Neunziger Jahre schon kein Jungwinzer mehr gewesen, hat aber trotzdem die Initiative ergriffen und den aufgelassenen Weinberg von Cevins zuerst terrassiert, dann rekultiviert. Kulturwein der Weltklasse! Brice Omont, damals noch kein Jungwinzer, ist auch dabei gewesen und hat das Weingut dann an die Spitze geführt.

Es ist die Domaine des Ardoisières aber nicht das erste Weingut gewesen, das Michel Grisard quasi aus dem Nichts in die Höhe gebracht hat.

1978 übernimmt er das, was heute Domaine Prieuré Saint Christophe heißt und seit dem Jahrgang 2015 von den Giachinos bewirtschaftet wird. Vier Jahre später, es ist das Jahr, in dem Didier Dagueneau seinen ersten Jahrgang keltert, verlässt Michel Grisard dann ganz das Weingut von seinem Vater und seinem Bruder, um sich ausschließlich auf seine inzwischen reaktivierte Prieuré Saint Christophe zu konzentrieren, mit dem Anspruch, dort den Nachweis zu erbringen, dass die Rebsorte Mondeuse zu einem großen Wein fähig ist. Dass dieser Anspruch heute nicht mehr so verrückt klingt wie vor fünfunddreißig Jahren, dafür ist Michel Grisard nicht ganz unwesentlich verantwortlich. Damals hat man Mondeuse lieber ausgerissen als ausgepflanzt.

Ein bissl Altesse hat er auch gemacht. Der hat immer wieder die Grenzen dessen, was man als typisch für die Appellation Vin de Savoie Controllée erachtet hat, gesprengt und ist von Michel Grisard dann als Altesse de refus etikettiert worden.

 

  • Prieuré Saint Christophe Blanc 2016 (Domaine Giachino) AOP Roussette de Savoie (6/9)

Dominique Belluard. Terroir du Mont Blanc. Eine Wiederholung

 

1988 hat er den Betrieb übernommen. Seine Ausbildung dürfte eher nicht das, was man heute wenig treffsicher als „kompetenzorientiert“ bezeichnet, gewesen sein. Darum hat sich Dominique Belluard nicht gleich einmal das Maul darüber zerrissen, was er alles darauf hat, sondern sich demütig ein paar Fragen gestellt. Das gefällt Fils Rudolf ausgesprochen gut. Denn er ist ein Kind der Achtziger Jahre, damals als bio und öko noch zusammen gehört haben.

 

  • Mondeuse 2016, Dominique Belluard, Ayze, AOP Vin de Savoie, Haute Savoie

Österreichs erstes anerkanntes Bioweingut. Weingut Weinsteindl, Purbach, Neusidlersee Hügelland

Es wird im Frühjahr 1992 gewesen sein. Und es wird in Sankt Veit an der Glan gewesen sein. Da hat der Rudl im Schaufenster von einem Bioladen eine deutlich als Biowein erkennbar gemachte Flasche vom Weingut Weinsteindl in Purbach gesehen. Das Geschäft ist zu diesem Zeitpunkt geschlossen gewesen. Gemerkt hat sich der Rudl Bub das mit dem Biowein aber schon. Sein Interesse für Landwirtschaft ist damals gerade im Entstehen gewesen, obwohl er Zeit seines damaligen Lebens in einem Ort gelebt hatte, in dem es außer Landwirtschaft so gut wie nichts gegeben hat. Es war die Zeit, in der Österreich darüber diskutiert hat, ob es der EG beitreten solle. Rudolf Fils war ein glühender Gegner so eines Beitritts, den er damals „Anschluss“ genannt hat.

Zuerst einmal hat Herr Rudolf auf Distanz zur Bundesrepublik Deutschland Wert gelegt. Diesbezüglich stellt sich dem Rudl die Situation heute doch deutlich anders dar, zumal sich das Deutschland von Kohl und Strauß in der Wahrnehmung vom Rudl der postkreiskyanischen Republik Österreich diametral entgegengesetzt entwickelt hat.

Zweitens sind dem Rudl damals die EG-Subventionen für landwirtschaftliche Massenproduktion und vor allem für den Export derselben via Straße säuerlichst aufgestoßen und tun das jetzt noch, wobei man sicher unterschiedlicher Meinung sein kann, was damals in Verhandlungen möglich gewesen wäre. Dass vor allem Deutschland und Italien großes Interesse an einem EG-Mitglied Österreich gehabt haben, scheint hierzulande heute noch ganz gerne weniger beachtet zu werden als Bedenken seitens Frankreich.

Drittens hat es dem Rudl damals bei der Vorstellung, Bürger eines politischen Gebildes zu sein, dessen Gesetze nicht von einer unmittelbar von ihm gewählten Legislative ausgehen, die republikanischen Zehennägel eingerollt. Und auf die Gefahr hin, jetzt als rechthaberisch dazustehen, fühlt sich der Rudl in dieser Skepsis aber schon so etwas von bestätigt. Würden die für Europa relevanten Gesetze von einem kompetenten Europäischen Parlament gemacht, dann wäre der Schaden, den verhaltensauffällige Zeitgenossen aus England, Oberkärnten oder dem „ehemaligen Osten“ (© Lukas Resetarits) anrichten können, nicht halb so groß.

Der Rudl hat seinerzeit sogar eine Podiumsdiskussion mit dem damaligen Landeshauptmann von Salzburg, Hans Katschthaler organisisert. Teil der Veranstaltung war ein Buffet von Biobauern, die gegen die Pyhrnautobahn Widerstand geleistet haben. Die Gespräche mit diesen Bauern sind dem Rudl Fils vor allem als wohltuender Kontrast zum geistigen Klima in seinem Heimatdorf in Erinnerung.

Die Familie Steindl hat auf alle Fälle schon 1980 umgestellt. Damit ist es laut ihrer Homepage das allererste anerkannte Bioweingut Österreichs gewesen, fast gemeinsam mit Rudolf Beilschmidt aus Rust, dessen Weine Caviste Rudolf die Ehre gehabt hat, in seinem Sortiment zu führen, als es das Weingut noch gegeben hat. Das bedeutet freilich nicht, dass nicht andere Weinbäuerinnen und Weinbauern vielleicht sogar schon vorher biologisch gewirtschaftet haben.

Das Weingut Weinsteindl gibt es zum Glück noch. Sechs Hektar, klare Handschrift, klare Frucht, ohne Schnickschnack, weder aus dem Gummibärensackerl, noch aus dem Nagellackentfernerflascherl.

  • Welschriesling 2016, Weinsteindl, Purbach, Neusidelersee Hügelland

Religionslehrer Erwin Binder, Platt

  • Grüner Veltliner Landwein 1993, Platt, Westliches Weinviertel

Weingut Dieter Dorner, Mureck. Auch eine Wiederholung

 

Das Wohnhaus der Familie Dorner ist eines der geschmackvollsten in Mureck. Die Weingartenhütte hat die Adresse Novi Vrh 4. Dazwischen rinnt der größte Fluss des Lungaus, als Staatsgrenze. Von 1918 bis 1989 konnten dort Menschen wie die Familie Dorner das erfahren, was heute wieder immer mehr verhaltensoriginelle Staatsmänner als probaten Ersatz für Mut und Visionen in der Politik propagieren, Grenzerfahrungen. Grenzerfahrungen, die die Konflikte nicht weniger und Gehässigkeiten und Angst auf beiden Seiten noch nie kleiner gemacht haben.

Nachdem dann in den letzten Jahren des Zweiten Weltkrieges auch noch die Murecker Brücke zerstört worden war, durfte die Mutter von Dieter Dorner mit dem Radl einen Umweg von vierzig Kilometern über Bad Radkersburg strampeln.

1953 regelte dann das Gleichenberger Abkommen wenigstens, dass Betriebsmittel und Ernte mit Grenzübertrittsscheinen zollfrei über die Grenze gebracht werden durften.

Dieter Dorner hat schon sehr früh im Weingarten mitgearbeitet. Und er hat sich schon früh mit spirituellen Grundlagen des Lebens beschäftigt. Dabei hat auch das Verhältnis des Menschen zur Natur eine Rolle gespielt. Die zunehmende Intensivierung und Industrialisierung in der Landwirtschaft hat er vor anderen als Holzweg erkannt und ab 1976 biologisch gearbeitet. Von anfänglichen Misserfolgen hat er sich nicht den Mut nehmen lassen. Zu groß war seine Gewissheit, dass es auch anders gehen muss. Damit ist Dieter Dorner ein Pionier des steirischen Bioweinbaus, am Bild vor seinem Weingartenhaus:

Heute führt Jakob Dorner das Weingut, unterstützt von seinem Bruder Elias und der Mutter Helene, einer praktischen Ärztin, Parallelen zu einem anderen Pionier des biologischen Weinbaus. Kurzatmigen Trends verweigert man sich, dem familiären und kulturellen Erbe bleibt man treu. Das Resultat sind klassisch schöne Bioweine.

  • Blauer Burgunder 2015, Weingut Dieter Dorner, Mureck, respektive Novi Vrh

Friedrich Kuczera, Gumpoldskirchen

Dem Rudl seine ganz persönliche Wiederentdeckung des Jahres 2014. Low-Tech Zierfandler aus dem großen Holzfass, so steht es auf der Homepage von Freidrich Kuczersa und so schmeckt er auch, niedrig im Alkohol, elegant in der Aromatik und – das ist gerade Gegenstand der Rudl’schen Forschung – vermutlich auch ziemlich langlebig, weil lebendig. Mineralisch und bekömmlich im wirklichen Sinn der beiden Wörter. Seit sozusagen allerweil schon biologisch und gewachsen auf dem Kreidekalk der Ausläufer des Wiener Waldes.

  • Zierfandler 2016, Friedrich Kuczera, Gumpoldskirchen, Thermenregion

 

 

Weingut Geyerhof, Oberfucha, Kremtal. Trotzdem keine reine Wiederholung

Usprünglich hat man am Geyerhof nicht nur Landwirtschaft betrieben, sondern auch Ziegel produziert. Maria Theresia muss von diesen Ziegeln etwas gehalten haben, sonst hätte sie nicht erlaubt, dass sie auf der Donau verschifft werden. 1988, als Ilse Maier das Weingut Geyerhof biologisch umgestellt hat, ist die Ziegelfabrik schon stillgelegt gewesen. Ihr Sohn Josef Maier hat den Betrieb jetzt wieder um Vieh- und Bienenzucht erweitert. Wer weiß, wie die nächste Generation am Geyerhof über Ziegelfabrikation denkt?

Lage Steinleithn

Steinleithn ist karg, nach Osten ausgerichtet und besteht aus den fast genauso kargen Resten des geologischen Schulwissens vom Rudl: Feldspat, Quarz und Glimmer – geschiefert. Fette Weine wachsen auf anderen Böden.

Keller

Der Wein wird Ende Oktober gelesen, Ganztraubenpressung, natürliche Vorklärung, langsame Vergärung im Stahltank, auf der Hefe bis Ende Juli und Füllung Ende August. Der Wein ist steinig, elegant, schmeckt nach Äpfeln, Birnen und vor allem nach den Wiesenkräutern.

  • Grüner Veltliner Steinleithn 2016, Kremstal

 

Nikolaihof, Mautern

Erstens hat der Rudl jetzt eh schon viel geschrieben und zweitens ist es auch gar nicht notwendig, über den Nikolaihof viel zu schreiben.

  • Grüner Veltliner Federspielt Im Weingebirge 2010, Nikolaihof, Mautern, Wachau
  • Welschriesling 2016, Weinsteindl, Purbach, Neusidelersee Hügelland (2/3)
  • Zierfandler 2016, Friedrich Kuczera, Gumpoldskirchen, Thermenregion (2/3)
  • Grüner Veltliner Landwein 1993, Platt, Westliches Weinviertel (leider mit einem Presskork verschlossen, darum das Gegenteil vom Preis der Erzeugnisse der Wiener Edelfedern: gratis, aber nicht umsonst)
  • Grüner Veltliner Steinleithn 2016, Kremstal (4,50/7)
  • Grüner Veltliner Federspiel Im Weingebirge 2010, Nikolaihof, Mautern, Wachau (4/6)
  • Riesling Grand Cru Steinert 2012, Domaine Pierre Frick, Pfaffenheim, Alsace (4,50/7)
  • Prieuré Saint Christophe Blanc 2016 (Domaine Giachino) AOP Roussette de Savoie (6/9)
  • Coulée de Serrant 2008, Coulée de Serrant (Nicolas Joly), AOC Coulée de Serrant, Loire (12/18, ohne Probieren en avance)
  • Blauer Burgunder 2015, Weingut Dieter Dorner, Mureck, respektive Novi Vrh (3/5)
  • Mondeuse 2016, Dominique Belluard, Ayze, AOP Vin de Savoie, Haute Savoie (6/9)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

nicht nur diese Weine, sondern auch noch ein paar Vins Jaunes gibt es glasweise

diese Woche am Dienstag, den 12. Februar und am Donnerstag, den 14. Februar

von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man statt über den Karfreitag lieber über den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz als einen europäischen Feiertag nachdenken sollte!

Herr Rudolf grüßt ohne Influenz!

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57

Wiener Energieferien (1. Februar bis 11. Februar) geschlossen … und was de wüde Hilde will respektive nicht will

Linguistisch betrachtet

 

handelt es sich bei den Energieferien um ein Kompositum, ein zusammengesetztes Wort aus Energie und Ferien. Letztere sind einmal geschäftsfreie Zeiten zum Zwecke religiöser Handlungen gewesen. Dass da einiges durcheinander gerät, wenn das Geschäftemachen zu einer religiösen Handlung wird, das kann man sich denken.

 

Volkswirtschaftlich betrachtet

 

ist die Einführung der Energieferien eine Maßnahme gegen die Ölpreiskrise 1973 und 1974 gewesen. Aber unter der kann man sich heute auch nur sehr schwer etwas vorstellen. An die Endverbraucher ist der reale Ölpreis damals schon nicht weitergegeben worden, zumindest nicht in vollem Umfang und nicht an der Zapfsäule, sondern über den Steuerumweg. Heute ist der Benzinpreis nicht zu hoch, sondern viel zu niedrig und politische Entscheidungsträger zerbrechen sich den Kopf darüber, welche Maßnahmen zum Klimaschutz sie der Bevölkerung leisten wollen und welche zu teuer seien, ob man gegebenenfalls vielleicht doch auch bei Rot ein bissl über eine Kreuzung oder auf der Autobahn über 140 fahren dürfen soll.

Dem Rudl sein Lieblingskanzler Bruno Kreisky hat vor fünfundvierzig Jahren während der Ölpreiskrise vorgeschlagen, man möge sich nicht elektrisch, sondern nass rasieren. Und für kurze Zeit hat man sogar von fast jedem Kraxenbesitzer verlangt, einen Tag in der Woche auf seine private motorisierte Grundversorgung zu verzichten. Worauf der Herr Kurt das eigenartige Verhältnis vor allem vieler männlicher Zeitgenossen zu ihrem stinkenden Fortbewegungsmittel zurückführt, das setzt der Polifka-Rudl eigentlich voraus. Sie können es im Intro von Wos wü de wüde Hilde? auf dem Tonträger Saft & Kraft nachhören.

Heute würde auf alle Fälle ziemlich sicher eher über irgendeine Routenschließung palavert, als von den Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern ein Minimum an Bequemlichkeitsverzicht zu verlangen.

Herr Rudolf nützt in diesem Zusammenhang die Gelegenheit der Bundesregierung auszurichten, dass er schon seit fast dreißig Jahren auf die Schließung der Katschbergroute zwischen Sankt Michael im Lungau und dem Maltatal wartet. Auch die Route zwischen Simmering und Favoriten über Gudrun- und Geiselbergstraße hält er für schließungswürdig. Und ob die Aufhebung der Demarkationslinie in Enns wirklich der Weisheit letzter Schluss gewesen ist, darüber kann man auch diskutieren. Schließlich darf es keine Tabus geben, wenn es um Ablenkungsmanöver oder den Schrebergarten geht.

 

Betriebswirtschaftlich betrachtet

 

handelt es sich beim Rudl seinen Energieferien auch um eine Gelegenheit, endlich wieder ein paar österreichische Weine, die seit längerer Zeit nicht verfügbar sind, zu beschaffen, zum Beispiel jene von Monsieur Weber vom Eisenberg, die seit empörenden drei Jahren, der Welschriesling noch viel länger, „aus“ sind.

 

Vorschau auf die Lehrveranstaltung vom 12. und 14. Februar

 

ziemlich sicher die Biopioniere im Weinbau

 

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass in Sachen gesamteuropäischer Feiertag der Menschenwürde am 27. Jänner, dem Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz, viel zu wenig weiter geht.

 

Herr Rudolf wünscht Ihnen viel verbrennungsmotorfreie und der wüden Hilde nicht gefällige Energie, ob Sie Ferien haben oder nicht!

 

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

 

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57

GEÄNDERTE ÖFFNUNGSZEITEN und 4ème Percée du Vin Jaune à Reindorf

Aus schulorganisatorischen oder ideologischen Gründen, so genau weiß das der Rudl selber nicht, sieht er sich jedenfalls gezwungen, die Öffnungszeiten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils auf

Dienstag und Donnerstag, jeweils von 16 bis 22 Uhr

zu ändern.

Vin Jaune. Eine kurze Wiederholung am Stundenanfang

Reinsortiger Savagnin, viel Mergel, ziemlich reif gelesen, trotzdem nicht platt. Gepresst, vergoren, nicht zu früh geklärt, malolaktischer Säureabbau, sechs Jahre und etwa drei Monate im alten kleinen Fass ohne Nachfüllen des verdunsteten Schwundes von etwa einem Drittel des Fasses.

Percée du Vin Jaune

Wie in den vergangenen Jahren lässt es sich der Rudl nicht nehmen, diesen wichtigen Feiertag im Jura, an dem der gelbe Zweitausendzwölfer unter seiner Hefeflorschicht hervor darf und das Licht der Öffentlichkeit erblickt, zu würdigen.

Jetzt ist Vin Jaune natürlich ein treffliches Motiv, um über das Warten nachzudenken. Nur hat Sie, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, der Rudl damit im Vorfeld des letzten Advents ausführlich konfrontiert.

Darum gestattet er sich an dieser Stelle lieber ein paar Worte zu einer beeindruckenden Winzerpersönlichkeit, die einmal im Jahr besuchen zu dürfen, Monsieur Rudolf als ganz großes Privileg betrachtet.

Investiturstreit zwischen Marquis und Papst

Nach dem Rentenantritt von Jacques Puffeney ist es zwischen ihm und dem renommierten Marquis d’Angerville aus Burgund, der das Weingut von Puffeney übernommen hat, zu einer gröberen Meinungsverschiedenheit über die Arbeit im Keller gekommen. Nicht dass der Rudl in so einem Fall Bedenkzeit brauchen würde, um sich darüber im Klaren zu sein, auf wessen Seite er steht. Wenn auf dieser Welt einer unfehlbar ist, dann Jacques Puffeney, der Papst von Arbois, gerade weil er sein oenologisches Handeln immer wieder in Frage stellt. Und ein Glasl Savagnin vom Marquis hat für den Rudl den Streit zwischen weltlicher Macht aus Burgund und geistlicher Macht aus dem Jura eindeutig entschieden.

Menschen und Weine

Dass man vom Wein und nicht durch den Einfluss von Wein viel über Menschen lernen kann, das glaubt der Rudl schon länger.

Wenn der Rudl zu einem Wein keinen Zugang findet, trachtet er danach, diesen Umstand nicht gleich in ein Werturteil über den Wein zu übersetzen. Es kann ja auch am Rudl liegen. Bei Menschen und sogar Schulklassen soll das auch vorkommen.

Aber wiederum

scheint dem Herrn Rudolf eine solide Menschenkenntnis schon auch ein bissl eine Basis für das eine oder andere oenologische Urteil zu sein.

Aber wiederum

muss sich der Rudl bei so einer Äußerung doppelt überwinden. Ersten hält er Menschenkenntnis für etwas äußerst Problematisches, zumindest Illusorisches, weil sie die Begegnung mit Menschen auf gar keinen Fall lebendiger macht. Diesbezüglich hält es der Rudl eher mit dem Orient, wo man mit der Bildermacherei viel vorsichtiger gewesen ist als im seinerzeit ziemlich kollektiv analphabetischen und bildungsfernen Westen.

Zum anderen betrachtet der Herr Rudolf den Beurteilungszwang als etwas leicht Lächerliches.

Aber wiederum à propos Bewertungen

Das Ergebnis des Concours um den besten Wein der Weinbauregion Savoie:

Wein Bewertung
Apremont 2017, Domaine Giachino, Chapareillan, AOP Vin de Savoie 14,1
Un Matin face au Lac 2017, Les Vignes de Paradis, Ballaison, Haute Savoie, IGP Vin des Allobroges 14,25
Apremont „La Centennaire“ 2016, Jean-Claude Masson et Fils, Apremont, AOP Vin de Savoie 15,83
Chignin Bergeron „Les Filles“ 2017, Gilles Berlioz, Chignin, AOP Vin de Savoie 16,08
Marignan 1515 2016, Les Vignes de Paradis, Haute Savoie, IGP Vin des Allobroges 16,2
La Belle Romaine 2013, Château de Merande, Arbin, AOP Vin de Savoie 16,5
Solar 2016, Domaine de l’Aitonnement, Aiton, IGP Vin des Allobroges 16,6
Mondeuse 2015, Jacques Maillet, Motz, Serrières-en-Chautagne, AOP Vin de Savoie 17
Marestel 2011, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOP Roussette de Savoie 17,17
Le Feu 2016, Domainique Belluard, Ayze, AOP Vin de Savoie 17,5
Schiste 2016, Domaine des Ardoisières, Cevins, IGP Vin des Allobroges 18,17
Mondeuse Confidentiel 2015, Les Fils de Charles Trosset, Arbin, AOP Vin de Savoie 18,17

Beurteilt nach der Leistungsbeurteilungsverordnung vom 9.1.2019 (RGBl. §57)

0 – 11: durchschnittlicher Wein, sei es aus Mangel an Konzentration, Reife oder Gleichgewicht

11,5 bis 13: korrekter Wein ohne besonders hervorstechende ungute Eigenschaft. Und da erlaubt sich Herr Rudolf anzumerken, dass demnach seines Geschmacks etliche Weine, die heute auf der Naturweinschiene daher kommen und aber wirklich gelungene Bioweine in Misskredit bringen, keine 11,5 bekommen.

13,5 bis 15: guter Wein. Spaßbremse Rudl wird sich dafür hüten, in diesem Zusammenhang die Wendung „der Spaß macht“ zu verwenden. Gediegene Vinifizierung, passable Korrelation zwischen Herkunft und Rebsorte. Ansprechender Jahrgang

15,5 bis 17: großer Wein. Genau genommen auch kein Terminus aus dem aktiven Weinsprachschatz vom Rudl. Ideales Zusammenspiel von Boden, Rebsorte, Vinifizierung, Jahrgang und Weinbaumeister

17,5 bis 19,5: außerordentliche Weinpersönlichkeit. Elegant. Differenziert. Kraft im qualitativen, nicht im quantitativen Sinn.

20: Ein Wein, der singt wie der Herr Kurt beim Wirt und Winzer des Vertrauens vom Rudl. Ein Wein, der der Zeit ihre Grenzen aufzeigt.

Jacques Puffeney. Le pâpe d’Arbois

1962 hat Jacques Puffeney noch bei seinen Eltern gewohnt und seinen ersten Jahrgang gekeltert. 2014 ist er nach zweinundfünfzig weiteren in die Rente gegangen.

Ganz aufgehört hat er nicht. Zum einen reposieren die Vin Jaune Jahrgänge 2012, 2013 und 2014 noch in den Fässern, zum anderen hat er sich einen kleinen Hausweingarten behalten.

Wie viele andere Weinbauern in und außerhalb von Frankreich in den Sechziger Jahren hat Puffeney damals eine gemischte Landwirtschaft übernommen. Das ist seinerzeit die Agrarphilosophie gewesen. Heute würde man es Diversifizierung nennen. Sehr begeistert ist der Rudl mit diesem Begriff, der seine etymologischen Wurzeln in der militärischen Sprache hat, nicht. Zu sehr stellt er dem Rudl das Gegeneinander (dis-) und Aufeinanderlos (versus) in den Vordergrund und scheint ihm daher auch als Terminus zur Bezeichnung des konstruktiven Miteinanders von unterschiedlichen Kulturen und Religionen keine ganz glückliche Wahl zu sein. In der Betriebswirtschaft kommt er auch vor, fällt dort aber vielleicht neben der Unzahl anderer militärischer Vokabel nicht so auf.

So oder so, Jacques Puffeneys Einwände dürften weniger linguistischer Natur als agrarischer gewesen sein. Die Rindviecher und Körndln haben ihn nicht so interessiert wie der Wein. 1962 hat Puffeney mit bescheidenen Mitteln begonnen. Viel wird da auch in Arbois nicht da gewesen sein. Seine grundsätzliche Methode, Wein zu machen, hat er seither kaum verändert und darauf geachtet, wenig Chemie und mehr Fragen einzusetzen. Puffeney begibt sich aber nicht der Möglichkeit, auch chemisch zu intervenieren, wenn es wirklich gar nicht anders geht.

Auf jede Ideologisierung von Prinzipien oder Methoden verzichtet er. Dass ihm für den Vin Jaune zeit seines Lebens keine Reinzuchthefen ins Haus gekommen sind, ist für Puffeney weder Mode noch Weltanschauung, sondern selbstverständich.

Ähnlich der anderen Gallionsfigur von Arbois, Pierre Overnoy, mag Jacques Puffeney nicht den Anschein eines akademischen Oenologen erwecken. Trotzdem gibt es nicht schnell einen reflektierteren Weinbauern als die beiden.

  • Vin Jaune 2007, Jacques Puffeney, Montigny-les-Arsures (12/18)
  • Vin Jaune 2011, Cave de la Reine Jeanne, AOC Arbois (6,50/10)
  • Château-Chalon 2008, Domaine de la Pinte, AOC Château-Chalon, Jura (9/14)
  • Vin Jaune 2009, Domaine Pignier AOC Côtes du Jura (9/14)

Fast schon traditionell fehlt an dieser Stelle ein Exemplar der vierten vinjaunefähigen Appellation „L’Étoile“. Monsieur Rudolf gelobt diesbezüglich Besserung. Probiert hätte er es auch für dieses Jahr, nur hat er in ganz Arbois keinen Vin Jaune aus L’Étoile bekommen, im Fachhandel nicht und in Supermärkten auch nicht. Anstelle eines L’Étoile öffnet der Rudl einen oxidativen Wein mit wirtschaftspolitischer Geschichte.

  • Sherry Fino (nv) Sandemann (tba)

Können Sie sich noch erinnern? Dem Rudl ist es, wie wenn es gestern gewesen wäre. Überschlagsmäßig nachgerechnet muss es im Dreiundneunziger- oder Vierundneunzigerjahr gewesen sein. Da ist dem Rudl seine Lieblingssupermarktkette, der Konsum, ruiniert.

Der Restbestand von Konsum, Coop und KGM ist dann auf alle Fälle abverkauft worden. Zuerst hat der Rudl eine Beteiligung an diesem Abverkauf als geschmacklose Leichenflederei betrachtet. Dann ist er aber doch schwach geworden und hat sich ein paar Flaschen Sherry sowie zwei oder drei Bordeaux gekauft. In eine von diesen Sherryflaschen wird er diese Woche hinein schauen.

  • Zierfandler 2017, Friedrich Kuczera, Gumpoldskirchen, Südbahn (2/3)

Bergwein des Gumpoldskirchner Jungwinzers, der nicht aus dem System der Appellation, sondern aus dem der Prüfnummern ausgestiegen ist und dessen Etikett am meisten an das von Jacques Puffeney erinnert.

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

nicht nur diese Weine gibt es glasweise

am Dienstag, den 29. Jänner und am Donnerstag, den 31. Jänner

von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Das Ein-€i-Ei

Der Pawlow’sche Hund wird Ihnen auf Vin Jaune vermutlich Comté und Coq au Vin Jaune mit Morcheln als Weinbegleitung bellen.

Vielleicht musiziert der gelbe Wein aber auch ganz gerne mit einem weichen Ei vom Ursteirerhof. Der Rudl delegiert dabei alle Entscheidungen beim Zubereiten an Sie, übernimmt dabei null Verantwortung, führt die Zubereitung aber selber durch.

Energieferien

In den Wiener Energieferien bleibt die Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils geschlossen.

Im Übrigen ist Rudolf Polifka diese Woche noch mehr der Meinung, dass man statt über den Karfreitag lieber über den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz als einen europäischen Feiertag nachdenken sollte!

Herr Rudolf hat die Ehre!

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Mittwoch und Freitag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57

108-87-75-06. Keine Telefonnummer, sondern Geburtstag

Major Kottan, 87 Jahre

Die Frage, ob er zu seinem Geburtstagsfest ausschließlich Kollegen eingeladen habe, erwidert Major Kottan mit dem Hinweis darauf, dass Bundeskanzler Kreisky abgesagt habe.

Bruno Kreisky, 108 Jahre

Dabei wird nicht ganz klar, ob Major Kottan den Regierungschef als Kollegen betrachtet oder nicht. Insofern, als Polizeibeamter und Bundeskanzler Repräsentanten der exekutiven Staatsgewalt sind, wäre es angebracht, von Kollegenschaft zu sprechen.

Insgesamt achtet der Rudl Bruno Kreisky heute noch eine Spur mehr, als er das auch früher schon getan hat. Irgendwie scheint der Rudl Fils die Wendung „Bundeskanzler Bruno Kreisky“ verinnerlicht zu haben und sich zu weigern, einen anderen als Kreisky als Bundeskanzler zu akzeptieren. Und je mehr der Rudl darüber nachdenkt, desto vernünftiger hält er das.

Politik auf der Basis von Haltung und Überzeugung, nicht auf der von Meinungsumfragen und SpindoktorInnen

Rudolf Polifka sieht diese Art von Politikerin oder Politiker heute kaum. Frau Rössler, früher Landeshauptmannstellvertreterin in Salzburg, ist seines Erachtens so eine. Ihr Schicksal ist bekannt, innerparteilich wie landespolitisch. Das Staatsoberhaupt als Lichtblick ist auch einer. Alles Gute und vor allem danke!

Staatsoberhaupt, 75 Jahre. Ein denkender Aufrechtgeher © Otto Grünmandl

Herr Rudolf fragt sich auch, wie eine selbstgefällige Parteibasis jedweder Couleur heute mit einem slimfitfreien Selbstdenker mit Rückgrat wie Bruno Kreisky verfahren würde.

Wenn eine Partei nicht gerade aus dem Parlament geflogen ist, scheint der Posten einer Spitzenkandidatin oder eines Spitzenkandidaten exclusiv Blendaxdauergrinsern, Slimfitwürschteln und Kostümträgerinnen vorbehalten zu sein. Eine Persönlichkeit wie Kreisky hätte heute ja schon aus Gründen der Statur innerparteilich nirgends einen Auftrag.

Wie wäre ein noch nicht erfolgreicher Bruno Kreisky auf den Titelseiten der Wiener Edelfedern abgebildet worden? Und vor allem wie lange?

Umso mehr ist es dem Rudl ein Anliegen, die Geburtstage dieser Tage mit würdigen Weinen zu feiern.

  • Perles d’Aimavigne, Domaine Dupasquier, Aimavigne, Savoie (3/5)

zweitliebster Spielzeugtraktor vom Fils

  • Neuburger Hommage 2017, Mantlerhof, Kremstal (3/5)Genau überlegt, gibt es kein erfreuliches Weinthema, bei dem ein Wein vom Mantlerhof fehlen darf.
  • Schilcher 2013, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Steirerland (3/5)

Schilcher vom Mann mit den großen Händen

  • Chignin-Bergeron „Symphonie d’Automne“ 2015, Les Fils de Charles Trosset, Arbin, AOP Vin de Savoie (4,50/7)

2015 hat der Rudl das Weingut Les Fils de Charles Trosset physisch gesucht und trotz Kenntnis der postalischen Adresse nicht gefunden.

2016 hat der Rudl zuerst per E-Mail versucht, mit einem Sohn von Charles Trosset zwecks Vereinbarung eines Weinkauftermins Kontakt aufzunehmen. Das ist vergeblich gewesen. Daraufhin hat er bei einem Besuch in Arbin erneut versucht, auf die Klopf- und Läuttour ein paar Flascherl zu erwerben. Für die Haare, wie der Herr Kurt zu sagen pflegt.

2017 hat der Rudl wieder zuerst den elektronischen Weg beschritten. Und eine Antwort samt Besuchstermin bekommen. Zu diesem Termin ist der Rudl mit Femme et Fils angetanzt. Es ist ein Vormittag gewesen. Monsieur Trosset hat eine savoyardische Käseplatte vorbereitet, als hätte er den Teilnehmerinnen und Teilnehmern einer Busreise die Unterlage für eine fünfstündige Weinverkostung gewährleisten wollen.

Der Fils muss ein anderes Konzept von diesem Tag gehabt haben. Unmut, der via Weigerung in Gebrüll übergehen und in einem Tobsuchtsanfall enden sollte. Jetzt ist dem Rudl nicht so schnell etwas unangenehm, wenn es um den Fils geht. Aber es wäre auch gelogen, wenn er behaupten würde, in dieser Situation entspannt das Sortiment des Weinguts Les Fils de Charles Trosset verkostet zu haben. Das gehört aber auch dazu.

  • Pur Jus 100 % 2016, Dominique Belluard, Ayze, AOP Vin de Savoie(6,50/10)

Im selben Urlaub, gerade das Gegenteil vom Besuch bei Monsieur Trosset. Während der Rudl mit Monsieur Belluard Fassproben von den Sechzehnern und einen unvergesslichen Le Feu 2007 kosten dürfen hat, haben sich der Belluard Fils und der Rudl Fils die Zeit mit Karteln vertrieben.

  • Hégoxuri 2010, Domaine Arretxea, AOC Irouléguy (6/9)
  • Gamay 2015, Jacques Maillet, Motz, AOP Vin de Savoie (4/6)

Lieblingsspielzeugtraktor vom Fils

  • Sacha (nv), Jacques Puffeney, AOC Arbois, Jura (4/6)

Savagnin 2012 und Chardonnay 2015

Den midfoan!“ war das Resumée des Fils nach seinem ersten Besuch bei Jacques Puffeney. Dabei ist zu ergänzen, dass der Keller von Monsieur Puffeney einem Kinderspielplatz so wenig ähnelt wie Jacques Puffeney einem Träger von Slimfitanzügen. Das nur zum pseudowissenschaftlichen Geschwafel, dass angeblich evolutionsbedingt bereits Babys ihre Umwelt nach den Kriterien der Uniformierungsindustrie beurteilen.

Auch zum Anstoßen auf den Geburtstag des Staatsoberhauptes erscheint dem Rudl dieser Wein als nicht ganz ungeeignet.

  • Trockenbeerenauslese „Schrammel“ 2015, Josef Lentsch. Dankbarkeit, Neusiedlersee (6,50/-)

Lieblingsweingarten vom Wirt und Winzer des Vertrauens

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

nicht nur diese Weine gibt es glasweise

am Mittwoch, 23. Jänner und am Freitag, den 25. Jänner

von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Ein-€i-Ei

Das gibt es auch wieder. Der Rudl delegiert alle Entscheidungen beim Zubereiten des weichen Eis an Sie, führt die Zubereitung aber selber durch. Wenn Sie den Rudl fragen, die besten Eier der Welt, vom www.ursteirerhof.at .

Im Übrigen ist Rudolf Polifka diese Woche noch mehr der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag erklären sollte!

Alles Gute! Rudolf Polifka

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Mittwoch und Freitag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57

NBC Nothing else But Chardonnay und ein Haufen anderer Weine

Chardonnay einst

Rudolf der Fils hat in den frühen Neunziger Jahren begonnen, sich ernsthaft mit Wein auseinanderzusetzen. Heute stellt auf vielen Preislisten von Weingütern ein Amphorenwein zumindest in preislicher Hinsicht den Höhepunkt des Sortiments dar. Damals, in den frühen Neunziger Jahren, als Herr Rudolf le Fils begonnen hat, sich ernsthaft mit Wein auseinanderzusetzen, war der teuerste Wein auf der Preisliste eines Weingutes nicht selten ein Chardonnay. Wenn dann noch „Barrique“ dabei gestanden ist, dann war das ein Hinweis auf etwas ganz Besonderes.

Chardonnay jetzt

Heute schaut es anders aus. In der Vorbereitung auf diese Lehrveranstaltung ist der Rudl seine privaten Weinbestände durchgegangen, auf der Suche nach Chardonnays, die sich für so ein Thema anbieten. Gefunden hat er unter ungefähr sechshundert Flascherln drei bis vier Chardonnays, der da in Frage kommen. Mit Pinot Gris aus seinem privaten Keller könnte Herr Rudolf zwei Monate lang Weinthemen bestreiten. Vor zwanzig Jahren hätte sich das ziemlich sicher anders dargestellt, wobei der Rudl den Pinot Gris auch damals schon überaus geschätzt hat.

Odysseen im Seewinkel

Der Rudl kann sich aber noch gut erinnern, wie er, und das ist schon eher gegen Ende der Neunziger Jahre gewesen, dreimal mit dem Fahrrad zum Weingut Velich gefahren ist, um einen Tiglat 1997 zu erstehen. Beim ersten Mal hat ihm Velich Senior nur die Auskunft, dass der Wein ausverkauft sei, mit dem leicht tröstlichen Hintertürl, dass man es eventuell in ein paar Monaten noch einmal probieren könne. Dann würde man wissen, ob jemand seine Reservierung nicht abgeholt hätte. Der Rudl hat daraufhin ein Zeitl verstreichen lassen, ist erneut zum damals durch nichts als Weingut gekennzeichneten Haus des Herrn Velich gefahren. Aber auch dieses Mal hat der Rudl mit seinem Radl ohne zusätzliche Last von Apetlon zum Bahnhof in Sankt Andrä am Zicksee zurück fahren können. Von einem dritten Anlauf ist der Rudl dann mit je zwei Flaschen Darscho, Vitezfeld und Tiglat nach Hause gekommen und hat sich ein bissl wie im Olymp gefühlt.

Olymp oder Sisyphus?

Der Art der Weine, der der Rudl immer wieder als zu seinem ultimativen Glück unabdingbar erachtet, hat sich verändert. Das ganz kurzzeitige Gefühl, jetzt alles Glück dieser Welt und noch mehr als das im Keller zu haben, hat sich nicht verändert, die kurze Dauer der Erfüllung bis zum abermaligen Hinunterrollen des Steins auch nicht. Dann beginnt das Spiel von vorne, das nächste Flascherl der Begierde betritt die Bühne und macht sich auf den Weg zum Olymp. Stein und Wein der anderen Art.

Chardonnay als solcher

Das Prestige der weltweit zweitverbreitetsten Rebsorte Chardonnay hat sich auch verändert. Chablis, Montrachet, Champagne und Franciacorta sind immer noch gut angeschrieben und werden das aller Voraussicht nach auch bleiben. Abgesehen davon duellieren sich andere Rebsorten und Weinstile um die Spitzenpositionen auf den Weinpreislisten.

Frankreich und die andere Weinwelt

Stammen tut Chardonnay wie so viel Erfreuliches im Zusammenhang mit der nachantiken Weingeschichte aus Frankreich. Vielleicht ist gerade deshalb die Verlockung außerhalb von Frankreich so groß und auch verständlich, nachweisen zu wollen, dass man es „auch so gut“ oder sogar besser könne.

DNA-Analysen deuten darauf hin, dass es sich bei Chardonnay um eine Kreuzung aus Pinot Noir und no-na Heunisch handelt. Es gibt auch einen Haufen anderer Meinungen.

Chardonnay mag Kalk, ganz besonders aus der Zeit des Kimmeridge (Chablis Grand Crus, Dupasquier), treibt aber relativ früh aus und ist deshalb anfällig für Spätfrost. Das erklärt, warum er in Savoyen für Appellationswein zugelassen, aber trotzdem nicht sehr weit verbreitet ist.

Reifen tut er relativ früh. Nicht nur Jacques Puffeney sieht darin vor dem Hintergrund der Klimakatastrophe ein Problem. Das ist nicht ganz egal. Eines der Synonyme von Chardonnay heißt „Arboisier“. Und wenn der in Arbois keine geeigneten Bedingungen mehr vorfindet, muss sich fast etwas verändert haben.

Stilistisch kann Chardonnay fast alles sein. Dass als Pole des Stilspektrums immer wieder einerseits Finesse und Frische von Chablis, andererseits die neue Eichenholz- und Tropenwelt genannt werden, erklärt dem Rudl, warum er gerade an manchen Chablis so einen Narren gefressen hat. Erstere lassen den malolaktischen Säureabbau ganz gerne angelehnt und die Eichenwälder aller Länder müssen vor Chablis auch weit weniger Angst haben als vor Meursault, Chassagne und Montrachet. Nicht alles, was an charakteristischen Eigenschaften von Weinen häufig genannt wird, kann der Rudl nachvollziehen, die nassen Steine, nach denen Chablis schmecken sollen, aber schon. Und da freut sich Herr Rudolf regelmäßig, wenn er einen blind eingeschenkten Chablis daran identifiziert. In der Kategorie klassischer Weißwein gelten gelungene Chablis aufgrund ihrer frischen Säure als Referenz in Sachen Haltbarkeit. Auch noch. Der Rudl hofft, dass diesbezüglich der Chabliser Wirt die Rechnung nicht ohne die Klimakatastrophe gemacht hat. Erfahrungen, die der Rudl vor kurzem mit einem Chablis Premier Cru La Forest 2009 von seinem Lieblingschablisbaumeister Vincent Dauvissat gemacht hat, lassen bedauerlicherweise anderes befürchten. Da ist von Frische nicht viel zu schmecken gewesen. Umso mehr hat sich der Rudl über den Chardonnay Khéops von Dominique Lucas Vignes de Paradis aus dem Jahr 2017 gefreut. Das ist ja auch nicht unbedingt ein Jahr gewesen, in dem sich frische Weine von selber gemacht haben. Der Chardonnay von Monsieur Lucas, ausgebaut in einer Betonpyramide, verbindet auf ziemlich uncomparable Weise Schießpulveraroma, wie man es von Meursaults kennt, mit herzhafter Frische. Naturgemäß ohne integriertes Vanillekipferl.

 

Minnesang

 

Auch das vom Herrn Rudolf gerne so bezeichnete Minnesangsyndrom dürfte im Spiel sein. Ähnlich einem Minnesänger, dem die Besungene durch ihre Unerreichbarkeit an Bedeutung gewinnt, scheinen es dem Rudl Weine, an die man nicht so mirnixdirnix gelangt, angetan haben. Da sind manche Chablis, etwa jene von Dauvissat, ein gefundenes Fressen, zumindest im platonischen Sinn. Andererseits hätten sich Weine wie Le Feu oder Hégoxuri kaum in die das Sortiment der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils verirrt, ohne diesen Hang vom Rudl.

Chardonnay und Weißburgunder

 

Aufgrund etlicher gemeinsamer Synonyme sowie ein paar Ähnlichkeiten von Blättern, Beeren und Weinstock sind die lange Zeit für ein und dieselbe Rebsorte gehalten worden. Bei genauerem Hinschauen gibt es aber doch Unterschiede: Die Beeren des Chardonnay bekommen mit der Reife eher grüngoldenen Schalen. Auch die Haare an den Trieben sind bei Chardonnay und Pinot blanc nicht gleich lang. Die Blattadern unterscheiden sich detto.

In Norditalien sind Chardonnay und Weißburgunder bis 1978 unerkannt durcheinander in den Weingärten gestanden. In Frankreich haben schon ein gutes Jahrhundert früher Ampelographen den Unterschied zwischen den beiden Rebsorten herausgearbeitet, was in Chablis und an der Côte d’Or zur Rodung der Pinot Blanc Stöcke geführt hat.

 

Savoyen bester Wein

 

Fast alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Concours um den besten Wein der Weinbauregion Savoyen sind in mehr oder weniger großen Restbeständen noch vorhanden. Darum verlängert Caviste Rudolf diesen Wettbewerb inclusive die Zurverfügungstellung der gedruckten Leistungsbeurteilungsverordnung. Solange der Vorrat in den geöffneten Flaschen reicht. Wer

will.

 

  • Chardonnay 2017, Weingut Roland Minkowitsch, Mannersdorf, Weinviertel (2,50/4) Löss
  • Chardonnay 2013, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOC Vin de Savoie (2,50/4) Kimmeridge Kalk
  • Chardonnay „Le Jardin de Mathilde N°1“ 2016, Xavier Jacqueline, Aix-les-Bains, AOP Vin de Savoie (4/6) am gegenüberliegenden Seeufer von Dupasquier aus
  • Chardonnay 2014, Leo Uibel, Ziersdorf, Retzer Land (4,50/7) kalk vom Ziersdorfer Köhlberg
  • Chardonnay „Khéops“ 2017, Les Vignes de Paradis, Ballaison, Haute-Savoie, IGP Vin des Allobroges (6,50/10) Kalkgeröll
  • Chardonnay 2014, Miani, Buttrio, Friaul, Italien (8/12) Minnesang, nicht am Weingut erstanden – dort hat der Rudl in seinem ganzen Leben erst sechs Flascherl acquiriert.
  • Chablis Premier Cru Les Vaillons 2007, Domaine Bègue, AOC Chablis Premier Cru (5/8) Kimmerdige Kalk
  • Morillon 1986, Siegfried Dreisiebner, Berghausen, Südsteiermark (4/6)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

nicht nur diese Weine gibt es glasweise

am Mittwoch, 16. Jänner und am Freitag, den 18. Jänner

von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag erklären sollte!

 

Nothing else but die Ehre! Rudolf Polifka

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Mittwoch und Freitag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57

Ermittlung des besten Weins der Weinbauregion Savoyen. Allerdings ausnahmsweise am Mittwoch und DONNERSTAG

Eh nicht mehr und nicht weniger

 

Monsieur Rudolf will es wissen. Seines Wissens gibt es weder in Savoyen noch im Rest von Frankreich ein Veranstaltung, die den besten Wein Savoyens ermittelt.

Und vor einem Auftrag hat sich der Rudl noch nie gedrückt.

 

Raclette und Hundstrümmerl

 

Das Raclette pickt an ihrer Haut. So leitet die Ausgabe 128 vom Rudl seiner Lieblingsweinzeitschrift LeRouge&leBlanc im Frühling 2018 eine Titelgeschichte über junge savoyardische Winzerinnen und Winzer ein. Der Herr Kurt hat in seinen jungen Jahren für dieses Syndrom ganz gerne das weniger appetitliche Bild mit dem Hundstrümmerl im Profil eines Goiserers verwendet.

Savoyardischer Wein scheint den Ruf des viel zu jung getrunkenen Begleiters von Raclette und Fondue nicht und nicht loszuwerden. Eine Region, die drei Viertel ihrer Produktion zuhause, vor allem in den Skistationen verkauft, steht nicht gerade unter Hochdruck, sich qualitativ besonders ins Zeug zu legen.

Einen Narren gefressen

Herr Rudolf hat ein gewisses Faible für die Weinbauregion Savoie. Das könnte in seinen wöchentlichen Betrachtungen da oder dort zum Ausdruck gekommen sein. Systematisch hat er Sie, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, bis jetzt allerdings nicht mit Daten über diese Weinbauregion überschüttet.

Eine Kür des besten Weins aus dieser Region setzt aber eine gewissenhafte Offenlegung der Informationen über Steine, Klimata, Rebsorten, Hektar sowie Hektoliter voraus. Angaben zum letzten Mosaikstein im Terroir, den Akteuren, hält Monsieur Rudolf diese Woche knapp. Davon erzählt er immer wieder.

Geographie

Die Weinbauregion Savoie erstreckt sich auf vier politische Departements. Savoie, Haute-Savoie, Isère und Ain. Es sind ungefähr zweitausendzweihundert Hektar, nicht einmal das Vierfache der Weinbaufläche von Wien.

Geschichte

Die versteinerten Traubenkerne, die man in Savoyen gefunden hat, stammen aus der Jungsteinzeit, sind an die dreizehneinhalbtausend Jahre alt. Zeugen von Vinifikation reichen in römische Zeiten zurück. Irgendwann im Laufe des ersten nachchristlichen Jahrhunderts haben diese Allobroger, das waren Kelten und damals die autochthone Bevölkerung am Westende der Alpen, eine Rebsorte selektioniert, die den klimatischen Besonderheiten dort gewachsen war, die vitis allobrogica. Plinius der Ältere hat den daraus gewonnen Weinen ein literarisches Denkmal gesetzt. Ampelographen und Historiker streiten darüber, ob es sich dabei um Mondeuse gehandelt hat.

Die Verdienste von Klöstern und Mönchen um Fortschritte im Weinbau schätzt Herr Rudolf nicht gering. Nur lesen sich diese Geschichten für ihn mehr oder weniger sehr ähnlich. Der Rudl lässt diesen Abschnitt hier aus, nicht ohne die Klöster an ihre richtungsweisenden Beiträge zur Kultivierung des Weinbaus zu erinnern. Vielleicht kann man diese Traditionen fortsetzen.

Vom sechzehnten bis zum achtzehnten Jahrhundert hat die Ausdehnung der Rebflächen dann ihren Höhepunkt erreicht. Waren bis dahin besonders begünstigte Hanglagen die Standorte der Weingärten, so wanderten die Reben immer mehr in die Ebenen hinunter. Das war ein gefundenes Fressen für Spätfröste, was wiederum die Erziehung der Reben auf eineinhalb bis zwei Meter in die Höhe und die Qualität in die entgegengesetzte Richtung befördert hat.

Vor allem am Südufer des Genfer Sees, wo heute remarkable Chasselas von Dominique Lucas wachsen, hat man die Weinreben gerne auf abgestorbene Kastanienbäume hinauf erzogen, mit einem Hektarertrag von achtzig bis hundertzwanzig Hektoliter am Hektar. Der Arzt Jules Guyot hat im neunzehnten Jahrhundert festgehalten, dass die Einwohner von Evian ihr berühmtes Wasser stehen lassen und lieber den an den Kastanienbäumen hinauf erzogenen Chasselas trinken.

Dominique Lucas ist von den seinerzeitigen Hektarerträgen weit entfernt. Die herumstehenden abgestorbenen Bäume sind jeweils von nach der Lese herumrennenden lebendigen Schafen abgelöst worden. Von anderen Unterschieden in der Arbeitsweise von Dominique Lucas zu konventionell arbeitenden Betrieben am Genfer See wird demnächst immer wieder etwas hier zu lesen und in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils zu kaufen und trinken sein.

Die Reblaus hat der Gigantomanie dann, wenn Sie so wollen, das Wilde herunter geräumt, in Savoyen, in Hoch-Savoyen und auch in vielen anderen Weinbaugebieten.

Steine

Geologisch ist Savoyen sehr kurz oder sehr, sehr detailliert abgehandelt. Caviste Rudolf entscheidet sich hier für Ersteres. Kalk in unterschiedlichen Varianten. Unbedingt erwähnenswert der hohe Eisenanteil im Kalkgeröll der Lage Le Feu von Dominique Belluard, der Schiefer in den Terrassen der Domaine des Ardoisières in Cevins und der Sandstein in der Chautagne, wo Jacques Maillet zuhause ist.

Abgesehen davon halt reiner Felsen (Dupasquier), Moränen, Geröll und Ufer von Flussbetten.

Klima

Es kann bis zu hundert Tage im Jahr Frost geben. Das erklärt die große Bedeutung von autochthonen Rebsorten, die der Kälte resistieren.

Es gibt auch Flecken mit mediterraner Vegetation, vor allem am Ostufer des Lac du Bourget und etwas weiter nördlich in der Chautagne.

Trockenheit ist selten ein Problem, Hagelschlag viel öfter.

Rebsorten

Dreiundzwanzig appellationskompatible Rebsorten, davon sieben die mehr oder weniger ausschließlich in Savoyen vorkommen:

Altesse (ein paar Stöcke stehen in Wien Hasenleiten, to be extended), Gringet, Jacquère (ein paar Stöcke stehen irgendwo in Amerika), Molette, Mondeuse Blanche, Mondeuse Noire und Persan.

Appellationen

Im Juni 2014 hat das Institut national de l’origine et de la qualité (INAO) die Appellation Crémant de Savoie genehmigt.

Daneben gibt es eine Rebsortenappellation für reinsortige Altesse von besonderen Standorten, AOP Roussette de Savoie. Die Appellation der Region heißt AOP Vin de Savoie. Daneben gibt es aus dem Rudl eher schwer nachvollziehbaren Gründen die Ortsappellation AOP Seyssel (Dreidepartementseck von Savoie, Haute-Savoie und Ain). Noch kurioser erscheint dem Rudl die Appellation Crépy am westlichen Südufer des Genfer Sees. Sie existiert seit 1948. Die mit Abstand interessantesten Weine, die Monsieur Rudolf dort getrunken hat, sind jene von Dominique Lucac, der seine Weine wie die Domaine des Ardoisières ohne Appellation als IGP Vin des Allobroges abfüllt.

Dominique Belluard. Terroir du Mont Blanc

1988 hat er den Betrieb übernommen. Seine Ausbildung dürfte eher nicht das, was man heute wenig treffsicher als „kompetenzorientiert“ bezeichnet, gewesen sein. Darum hat sich Dominique Belluard nicht gleich einmal das Maul darüber zerrissen, was er alles darauf hat, sondern sich demütig ein paar Fragen gestellt. Das gefällt Fils Rudolf ausgesprochen gut. Denn er ist ein Kind der Achtziger Jahre, damals als bio und öko noch zusammen gehört haben. Heute scheinen sich die Popularitätswerte der beiden Präfixe diametral entgegengesetzt zu entwickeln. Das eine zeigt, dass man sich auskennt und trinkt, was angesagt ist. Der andere riecht nach Spaßbremse, Verzicht und Kritik am postmodernen Dowhatyouwant.

Rudolf Polifka sieht sich selbstverständlich als uncooler Öko, Dominique Belluard möglicherweise auch.

Le Feu

Dabei ist Eisen vermutlich das Charakteristischste an den Weinen von Dominique Belluard, zumindest an seinem berühmtesten Wein. Der wächst in der Steillage Le Feu und die heißt so, weil dort der Eisenanteil im Boden so hoch ist, dass der ganz rot wird. Da trifft sich etwas. Zum Beispiel mit den Weinen von Michel Riouspeyrous aus Irouléguy, der von Belluards Weinen schwärmt wie der Rudl. Und wenn Herr Rudolf irgendwann endlich wieder einmal wenigstens einen kurzen Abstecher zu Monsieur Alfred vom Eisenberg schafft, dann wird es eh bald einmal mehr zum Thema Fe geben.

Gilles Berlioz. Domaine Partagé

Christine und Gilles Berlioz haben 1990 mit achtzig Ar begonnen und gleich einmal auf biologische Bewirtschaftung umgestellt. Bis heute haben sie die Fläche auf sechs Hektar ausgeweitet.

Gefragt nach dem Entscheidenden beim Weinmachen nennt Gilles Berlioz, sich immer wieder in Frage zu stellen und sich mit den richtigen Menschen zu umgeben. Der Rudl möchte dringend hinzufügen, dass ihm beides auch für andere Berufe und Lebensbereiche als passables Rezept erscheint.

Auswahl der Weine

In Vorbereitung dieser Ermittlung hat Caviste Rudolf etliche Weinbauern aus Savoyen gefragt, welchen Wein sie für den besten ihrer Region halten. Den Großteil der für so ein Unterfangen passablen Weine hat der Rudl selber ausgesucht. Bei allem Hang zum Understatement erachtet Herr Rudolf seine auf wochenlangen Studienreisen und in jahrelangen Fernstudien erworbenen Kenntnisse als solide Basis für das Treffen so einer Auswahl.

Premiere

Rudolf Polifka geht die Rankingerei und das ewige Kundtun seiner Meinung zu allem und jedem an und für sich ganz ordentlich auf den Zeiger. In vielen tagespolitischen Belangen hält er es sogar für demokratiegefährdend, weil oft mehr von Stimmungen als von selbständigen Überlegungen geleitet, ganz besonders dann, wenn es im virtuellen Bereich stattfindet.

Nichts liegt dem Rudl ferner, als irgendeine Savoies-next-top-Dodelei abzuführen. Aber die Weine Verschiedenheit der extraordinairen Weine Savoyens schreit förmlich nach einem Vergleich. Wunschresultat für den Rudl:

Zwölf Savoyarden ex aequo auf dem ersten Platz

Weil es der Rudl in diesem Fall wirklich wissen will und das Ergebnis bei nächster Gelegenheit auch vor Ort kundtun möchte, wird er sich erlauben, Ihnen einen Zettel auszuhändigen, auf dem Sie die gekosteten Weine nach der folgenden in Frankreich gebräuchlichen Leistungsbeurteilungsverordnung bewerten können. Freiwillig, eh kloa. Und hundert Percent analog, ohne Mentimeter, Maxi Meter und Co., auf einem Zettel und mit einem Kuli, anonym.

0 – 11: durchschnittlicher Wein, sei es aus Mangel an Konzentration, Reife oder Gleichgewicht

11,5 bis 13: korrekter Wein ohne besonders hervorstechende ungute Eigenschaft. Und da erlaubt sich Herr Rudolf anzumerken, dass demnach seines Geschmacks etliche Weine, die heute auf der Naturweinschiene daher kommen und aber wirklich gelungene Bioweine in Misskredit bringen, keine 11,5 bekommen.

13,5 bis 15: guter Wein. Spaßbremse Rudl wird sich dafür hüten, in diesem Zusammenhang die Wendung „der Spaß macht“ zu verwenden. Gediegene Vinifizierung, passable Korrelation zwischen Herkunft und Rebsorte. Ansprechender Jahrgang

15,5 bis 17: großer Wein. Genau genommen auch kein Terminus aus dem aktiven Weinsprachschatz vom Rudl. Ideales Zusammenspiel von Boden, Rebsorte, Vinifizierung, Jahrgang und Weinbaumeister

17,5 bis 19,5: außerordentliche Weinpersönlichkeit. Elegant. Differenziert. Kraft im qualitativen, nicht im quantitativen Sinn.

20: Ein Wein, der singt wie der Herr Kurt beim Wirt und Winzer des Vertrauens vom Rudl. Ein Wein, der der Zeit ihre Grenzen aufzeigt.

Als Vorbereitung rekommandiert der Rudl André Combaz „Les Vins des Terroirs de Savoie“, erschienen 1992.

  • Un Matin face au Lac 2017, Les Vignes de Paradis, Ballaison, Haute Savoie, IGP Vin des Allobroges (nominiert von Dominique Belluard) (5/8)
  • Marignan 1515 2016, Les Vignes de Paradis, Haute Savoie, IGP Vin des Allobroges (nominiert von Dominique Belluard) (5/8)
  • Apremont 2017, Domaine Giachino, Chapareillan, AOP Vin de Savoie (3/5)
  • Apremont „La Centennaire“ 2016, Jean-Claude Masson et Fils, Apremont, AOP Vin de Savoie (nominiert von Rudolf Polifka) (6/9)
  • Chignin Bergeron „Les Fripons“ 2016, Gilles Berlioz, Chignin, AOP Vin de Savoie (nominiert von Dominique Belluard) (6/9)
  • Solar 2016, Domaine de l’Aitonnement, Aiton, IGP Vin (nominiert von Rudolf Polifka) (6/9)
  • Schiste 2016, Domaine des Ardoisières, Cevins, IGP Vin des Allobroges (nominiert von Dominique Belluard und Rudolf Polifka) (7/11)

An dieser Stelle können Sie den Rudl fragen, ob der deutlich teurere Quartz (hundert Percent Altesse) vom selben Weingut nicht mit mehr Chancen in ein Rennen um den Titel des besten Weins aus Savoyen gehen würde. Vielleicht. Schiste Fünfzehn hat Herr Rudolf einmal gegen Quartz Fünfzehn antreten lassen und sich zwei Flaschen lang nicht entscheiden können. Einer aber auch nicht viel mehr als Arbeitshypothese zufolge kann sich der Rudl vorstellen, dass der Schiste in den ersten Jahren Vorteile hat, der Quartz dann aber spätestens mit zehn Jahren Reife noch besser schmeckt. Monsieur Rudolf hat zwar von beiden Weinen einen Achter im Keller, nur wäre so ein Vergleich nicht definitiv aussagekräftig, weil diese Weine vor zehn Jahren auch schon sehr gut, aber lange nicht so ausgezeichnet gemacht worden sind wie heute.

  • Le Feu 2016, Dominique Belluard, Ayse, Haute Savoie, AOP Vin de Savoie Ayze (nominiert von Caviste Rudolf Polifka) (6,50/10)
  • Marestel 2011, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOP Roussette de Savoie (nominiert von Dupasquier und Rudolf Polifka) (4/6)
  • La Belle Romaine 2013, Château de Merande, Arbin, AOP Vin de Savoie (nominiert vom Weingut) (4/6)
  • Mondeuse Confidentiel 2015, Les Fils de Charles Trosset, Arbin, AOP Vin de Savoie (nominiert vom Rudl) (4,50/7)
  • Mondeuse 2015, Jacques Maillet, Motz, Serrières-en-Chautagne, AOP Vin de Savoie (6/9)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

glasweise

am Mittwoch, den 9. und AUSNAHMSWEISE am DONNERSTAG, den 10. Jänner

von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag erklären sollte!

Ein gutes neues Jahr!

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Mittwoch und Freitag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57

Frohe Weihnachten! Bis inclusive 8. Jänner geschlossen

Herr Rudolf bedankt sich herzlich, wünscht frohe Weihnachten und einen guten Rosh!

Bis 8. Jänner bleibt seine Weinhandlung geschlossen.

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Mittwoch und Freitag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57 Euro

Heute, Goldener Sonntag 23. Dezember 14 bis 18 Uhr, geöffnet. Keine besinnlichen Worte

Wien X, an einem Samstag Mittag im Advent 1976

Die Szene ist zu schön, als dass sie ein Jahr an dieser Stelle unerwähnt bleiben könnte. Edmund Sackbauer vergleicht am vorweihnachtlichen Mittagstisch sein Verhältnis zu den Eltern seiner zukünftigen Schwiegertochter mit jenem zu His Excellency, President for Life, Field Marshal Al Hadji Doctor Dada, Victoria Cross, Distinguished Service Order, Military Cross, Lord of All the Beasts of the Earth and Fishes of the Seas and Conqueror of the British Empire in Africa in General and Uganda in Particular Idi Amin.

Die Stimmung ist kritisch. Als deeskalierende Maßnahme versucht Herr Sackbauer auf das Essen am Heiligen Abend auszuweichen. Sohn Karl Sackbauer hält diesen Beschwichtigungsversuch für unredlich und mit dieser Meinung auch nicht hinter dem Berg. Daraufhin erinnert Mundl mit dem Satz „Goidana Samstag iiiiiis!“ seinen Sohn an das gemeinsame Ansinnen, die Einzelhandelsumsätze am letzten Samstag vor dem Heiligen Abend steigern zu helfen.

In den Siebziger Jahren hat es die vier langen Einkaufssamstage im Advent schon gegeben. Sie hatten irgendwann in den Fünfziger Jahren zwei wirklich kuriose, aber an der Zahl halt nur zwei Sonntage mit offenen Geschäften abgelöst und einen Wesenszug des Kapitalismus zum Ausdruck gebracht: das Besondere durch Steigerung der Quantität zu banalisieren. In Zeiten materieller Not mag das eine große Stärke dieser Ideologie sein. Dass die Märkte nach erfolgreich erledigter Arbeit ihre Multiplizierei nicht einstellen, sondern dazu tendieren, destruktiv und unmenschlich zu werden, wertet der Rudl als Beweis dafür, dass Märkte weder Hirn noch Gewissen haben, sondern quasi mit demokratisch-rechtsstaatlicher Regulierung zu ihrem eigenen Glück und Überleben gezwungen werden müssen.

Werden sie es nicht streng genug, scheinen sie sich früher oder später gegen den Menschen zu wenden und in weiterer Folge gegen sich selber.

 

Wien XV, am letzten Adventsonntagnachmittag 2018

 

Als vor allem kohlensäureunterstützte, oenologische Vorbereitung auf den Heiligen Abend und als Reverenz an die Fünfziger Jahre sperrt der Rudl heute Nachmittag um zwei Uhr noch ein letzten Mal in diesem Kalenderjahr sein Geschäft auf, ohne übertriebene Besinnlichkeit, aber auch ohne volkswirtschaftliche Doziererei.

 

Vorschau auf die Lehrveranstaltung vom 9. und 11. Jänner

vermutlich die Wahl zum besten Wein aus der Weinbauregion Savoyen

 

Im Übrigen erwartet Rudolf Polifka, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag erklärt.

 

Herr Rudolf wünscht ein schönes Restwochenende!

 

Kohlensäure, ein nationaler Schulterschluss über alle weltanschaulichen Grenzen hinweg und ein vorweihnachtlicher Rundumschlag

Radikalisierung

 

Ausgangssperre? Wer würde die bemerken? Rudolf Polifka sieht da deutlich mehr Sinn in einer Sperre des Internetzugangs. Für wen wäre zu überlegen. Im Übrigen ist sich der Rudl nicht so sicher, ob hinausgehen zu dürfen, heute noch von sehr vielen als Grundrecht betrachtet wird. Er fürchtet eher, dass ein Großteil der Zeitgenossinnen und Zeitgenossen unter Grundrechten gratis W-LAN, Kaffee in Alukapseln, Städteflüge um einen Nasenrammel und das Recht, jede Wegstrecke mit einem motorisierten Individualverkehrsmittel zurücklegen zu dürfen, sieht.

 

Was zu tun wäre, wird auch jetzt konsequent nicht gemacht (Finanzmärkte! Welche Charakteristika eines Marktes im klassischen Sinn treffen auf die Aktivitäten der Finanzindustrie eigentlich zu?). Der Rudl hält das für Finanzideologie oder Kapitalklerikalismus.

 

Etwas verknappt: Es scheint einen nationalen Schulterschluss über Weltanschauungen hinweg zu geben:

Steuerliche Entlastung für Kohlenmonoxid, steuerliche Belastung für Kohlensäure

Schaumwein

Darum kredenzt Herr Rudolf in staatsbürgerlichem und volkswirtschaftlichem Verantwortungsbewusstsein diese Woche auch Schaumweine.

  • Zierfandler Frizzante, Friedrich Kuczera, Gumpoldskirchen, Südbahn (2,50/4)
  • Rosa Pearls, Leo Uibel, Ziersdorf, Retzer Land (2,50/4)
  • Riesling Sekt, Weingut Roland Minkowitsch, March (4,50/7)
  • Don Giachino méthode traditionelle 2015, David et Fred Giachino, Chapareillan, AOP Cremant de Savoie (4,50/7)
  • Perles d’Aimavigne, Domaine Dupasquier, Aimavigne, Savoie (3/5)
  • Les Perles du Mont Blanc, Dominique Belluard, Ayze, Haute-
    Savoie (4,50/7)
  • Mont Blanc Brut Zéro, Dominique Belluard, Ayze, Haute-Savoie (6,50/10)
  • Bela, Branko und Vasja Čotar, Komen, Kras, Slowenien (5/8)
  • Črna, Branko und Vasja Čotar, Komen, Kras, Slowenien (5/8)

(in Klammern zuerst der Preis für das Sechzehntel, dann der für das Achtel)

Diese Weine, aber nicht ausschließlich Schaumweine gibt es diese Woche glasweise

am Mittwoch, den 19. Dezember und am Freitag, den 21. Dezember jeweils von 16 bis 22 Uhr

und darüber hinaus am Goldenen Sonntag, den 23. Dezember

von 14 bis 18 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Neues aus dem Flaschensortiment

Ein ganzer Haufen Weine von Dominique Belluard und
Dominique Lucas (Les Vignes de Paradis) sind ab sofort erhältlich. Die Preise finden Sie hoffentlich ab morgen auf der Homepage. Der Rudl ersucht um Nachsicht.

Vorschau auf die Lehrveranstaltung vom 9. und 11. Jänner

vermutlich die Wahl zum besten Wein aus der Weinbauregion Savoyen

Im Übrigen erwartet Rudolf Polifka, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag erklärt.

Herr Rudolf grüßt radikal!

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Mittwoch und Freitag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57 Euro

Silberner Sonntag, 16. Dezember 14 bis 18 Uhr geöffnet

Der Rudl schätzt das Weihnachtsfest überaus. Das rituelle Geklage über den allgemeinen Geschenkerummel als solchen vermag er nicht zu teilen. Seine Meinung über den Geschenkerummel als Marketingstrategie im Besonderen hat Ihnen Herr Rudolf in seinem letzten Schreiben auseinandergesetzt.

Was Monsieur Rudolf vor Weihnachten aber großräumig umfährt wie der Teufel, an dessen personifizierte Existenz er eh nicht glaubt, das Weihwasser, das sind die Einkaufssamstage. Und selbst diesen vermag der Rudl in seiner unermesslichen Midlifemilde etwas Positives abzugewinnen.

Die tumultartigen Szenen in den diversen analogen und virtuellen Einkaufskathedralen scheinen unweigerlich dazu zu führen, dass wo anders weniger Wirbel ist, beim Heurigen zum Beispiel. Darum ist der Dezember auch die Lieblingsheurigenzeit vom Rudl.

Darum pfeift der Rudl am Samstag im Advent noch mehr auf seine To-do-Liste in Gestalt eines Postitpickerls und genießt es, in Ruhe das eine oder andere Achtel trinken können, beim Heurigen von Frau und Herrn K in Gumpoldskirchen zum Beispiel.

Aber die Einkauferei am Samstag Nachmittag hat es nicht immer schon gegeben. Nicht einmal am Samstag Nachmittag im Advent ist immer schon offen gewesen. James Cagney hatte gerade „Shake Hands with the Devil“ gedreht. Da haben die Geschäfte bei uns am Adventsamstag noch um zwölf Uhr Mittag zugesperrt. Dafür war am Silbernen Sonntag Gaudete, das ist der mit der rosanen Kerze am Adventskranz, und am vierten Adventsonntag, dem Goldenen Sonntag, die Geschäfte offen.

Monsieur Rudolf knüpft an diese Tradition an und

 

sperrt morgen, am Silbernen Sonntag, von 14 bis 18 Uhr seine Weinhandlung auf.

 

Ein agreables Wochenende!

 

Im Übrigen erwartet Rudolf Polifka, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag erklärt.

 

Herr Rudolf grüßt Gold, Silber und die anderen Musiker des Vertrauens vom Herrn Kurt!

 

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Mittwoch und Freitag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57 Euro