La Grande Boucle 2017 – Aux vélos, les citoyEns! Weine von der diesjährigen Tour de France und letzte Geschäftswoche vor der Sommerpause

Die ersten Sporttelevisionserlebnisse vom Rudl müssen Übertragungen von Schispringen gewesen sein. Und das muss deutlich vor der Winterolympiade in Innsbruck 1976 gewesen sein. Hans-Jörg Aschenwald, Willi Pürstel und Edi Federer sind Namen, an die der Rudl zumindest meint, sich in diesem Zusammenhang erinnern zu können. Im Sechsundsiebziger Jahr war dann die erwähnte Olympiade. Die wird in Österreich gerne mit Franz Klammer assoziiert. An den kann sich der Rudl natürlich auch erinnern. Noch besser aber an das Springen, wo Toni Innauer grantig wie ein Wiener Kellner am Podest gestanden ist. Er war hinter Karl Schnabel nur zweiter Sieger geworden. Dann ist irgendwann einmal das erste Rennen von Niki Lauda nach seinem Unfall gekommen und Professor Prohaskas Spitz von Izmir. Ab der Fußballweltmeisterschaft in Argentinien hat der Rudl dann nahezu alle mehrheitsfähigen Sportübertragungen auf FS1 und FS2 angeschaut. Darüber hinaus auch die nicht besonders umfangreichen Berichte über die Österreichradrundfahrt. Rudi Mitteregger hat 1977 seine dritte Österreichradrundfahrt gewonnen. Aber während man sich über Niki Lauda, Hans Krankl und Franz Klammer mit Gleichaltrigen unterhalten können hat, haben Namen wie Rudi Mitteregger, Herbert Spindler, Leo Karner oder Wolfgang Steinmayr im Umfeld vom Rudl nur seinem Papa etwas gesagt. Und Fachgespräche mit Eltern ware halt auch schon in den Siebziger Jahren nicht ganz so cool wie solche mit Gleichaltrigen. Diesbezüglich hat es der Rudl seinerzeit nicht anders gehalten, als es der Fils jetzt hält.

Retour

Nachdem der Rudl dann die folgenden vier Jahrzehnte einen gar nicht so kleinen Teil seiner Zeit bei Fußball-, Ski- und Motorsportübertragungen vor dem Fernsehempfangsgerät verplempert hat, reduziert sich sein Interesse an Passivsport heute auf die Tour de France. Keinem anderen Sportereignis fiebert er mit annähernd vergleichbarer Freude entgegen. Und wenn Sie ihm jetzt mit der Sauberkeit kommen, dann erwidert Ihnen der Rudl, dass er derlei selbstverständlich nicht gut heißt, weil er Regelverstöße, wenn sie nicht aus Gewissensgründen erfolgen, immer für daneben hält. Trotzdem hat Herr Rudolf vor einem gedopten Radlfahrer immer noch hundertmal mehr Respekt als vor allen Imageberatern und Kommunikationscoaches von Christiano Ronaldo, David Beckham und José Mourinho zusammen.

Wegfahren tun sie heuer in Düsseldorf. Einen Wein von dort kennt der Rudl nicht. Aber …

7. Etappe, 7. Juli: Troyes – Nuits-Saint-Georges

Héritage de mes Ancêtres Rouge 2015, Les Vignes de Paradis, Pommard, Vin de France

Dominique Lucas praktiziert das, auf dessen Unmöglichkeit Herr Rudolf im Laufe seiner Erziehung gerne aufmerksam gemacht worden ist. Er tanzt quasi mit einem Allerwertesten auf zwei Kirtagen. Wenn ein Weinbauer sich schon den Tschoch antut, Weingärten in der Burgund und in Hochsavoyen zu bewirtschaften, dann könnte man schlussfolgern, dass er dem Terroir in Hochsavoyen einiges zutraut. Andernfalls könnte er ja gleich „droben bleiben“, in Pommard. Wenn er jetzt aber überlegt, seine Weingärten in Pommard aufzugeben, kann man ermessen, wie inferior das Wetter die letzten Saisonen an der Côte d’Or gewesen sein muss.

8. Etappe, 8. Juli: Dole – Station des Rousses

Sélection 1998, André et Mireille Tissot, AOC Arbois, Jura

Weißer Arbois von einem der drei Leitwinzer im Jura. Rebsorten stehen keine am Etikett. In Anbetracht des Encepagements im Jura und dem lokalen Brauch, bei reinsortigem Wein, abgesehen von Vin Jaune, die Rebsorte drauf zu schreiben, kann es sich eigentlich nur um eine Cuvée aus Savagnin und Chardonnay handeln.

9. Etappe, 9. Juli: Nantua – Chambéry – für den Rudl die Königsetappe der diesjährigen Tour

Vertikale Marestel 2004 – 2006 – 2007 – 2008 – 2010 – 2011 – 2012, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOC Vin de Savoie

Der Rudl hat schon zur Kenntnis genommen, dass es in Österreich heute nicht als Ausbund von Männlichkeit gilt, halbtrockenen Wein zu trinken. Aber wenn jemand den Marestel nur deswegen nicht trinkt, entgeht ihm schon etwas ganz Besonders, und ihr natürlich auch.

Marestel. Der Boden

Es muss seinerzeit gewesen sein, ungefähr damals, als eine Flugreise nach London noch teurer als ein Sack Erdäpfel, die auch nach Erdäpfel schmecken, gewesen ist. Da ist man als Halbwüchsiger gerne mit dem Interrailticket nach London gefahren. Weil damals auch kein Chunnel noch nicht war, ist man in Calais vom Zug auf ein Schiff umgestiegen und hat von diesem aus bald einmal die Kreidefelsen von Dover gesehen. Für viele war das die erste Begegnung mit Kreide, von der Tafel in der Schule einmal abgesehen.

In Dover wächst nicht so viel Wein, in Sancerre und Chablis aber schon. Und das ist der nämliche Boden. Und noch ein Weinberg steht auf dem gleichen Stein. Der von Jongieux in Savoyen. Dort, genauer gesagt in einem kleinen Dorf mit dem vielversprechenden Namen Aimavigne, befindet sich das Weingut von der Familie Dupasquier. Ganz hoch droben, schon fast am Dent du Chat, wachsen auf einem steilen, weißen Felsen, der dort eher Gämsen als Wein vermuten lassen würde, und auf quasi keiner Humusauflage Altesse Rebstöcke, die dem Cru Marestel vorbehalten sind.

Monsieur Polifka kennt von den fremden Landen sicher keines so gut wie Frankreich. Diese paar Hektar zwischen Montagne du Chat und Rhône haben es ihm beim ersten Mal angetan. Noch im vergangenen Jahr hat er nach dem Besuch bei der Domaine Dupasquier phantasiert, ob die Tour de France einmal durch den Tunnel du Chat fahren würde. Ziemlich sicher hat das keiner der Verantwortlichen gehört. Im Oktober haben sie trotzden eine Etappe von Nantua nach Chambéry, über Aimavigne annonciert. Die wird am Sonntag, den

9. Juli gefahren. Da rät Ihnen der Rudl schon, vielleicht so zwischen drei und fünfe am Nachmittag den Televiseur einzuschalten, denn da fliegen die Hubschrauber über die Weingärten, in denen der Marestel wächst, und machen schöne Bilder für diese ganzen Fernsehanstalten.

Marestel. Der Name

Über Umstände und Gründe, die zur Benennung des Cru Marestel geführt haben, kann man fast alles lesen. Dem Rudl gefällt die Erklärung, dass er nach dem Kellner Claude Marestel benannt ist, am besten. Dieser hat seinerzeit im sechzehnten Jahrhundert dem Baron Emmanuel Philibert vom nahegelegenen Château de Lucy kompetent serviert und geraten, rund um das Château Altesse Reben zu pflanzen. Das sollte sich als ganz vernünftige Idee erweisen und später mit der Übertragung des Namens auf den Cru bedankt werden.

Marestel. Der Wein

Ausschließlich Altesse darf dafür verwendet werden. Der Marestel von Dupasquier wird im großen Holzfass ausgebaut und kommt vier Jahre nach der Lese in den Verkauf, immer mit ein paar Gramm Restzucker. Bis zum Jahrgang 1988 zurück hat der Rudl den Wein schon verkostet. Bei keinem hat er den Eindruck gehabt, dass das Aufhaben dieses Weines eine schlechte Idee gewesen ist.

Die Ertragsbegrenzung auf fünfundzwanzig Hektoliter am Hektar erfolgt ganz ohne Zutun des Weinbaumeisters. Auf dem Felsen dort oben gibt ein Rebstock sowieso nicht mehr her.

Der Grand Atlas des Vignobles de France nennt den Cru Marestel einen Wein „à forte personnalité“. Der Ausdruck gefällt dem Rudl. Honig-, Lindenblüten- und Mandelaromen gibt der Marestel schon in seiner Jugend frei, was die Trüffelaromen betrifft, erweist er sich als ein bissl zugeknöpft. Da wartet er gut zehn bis zwanzig Jahre.

11. Etappe, 12. Juli: Eymet – Pau:

Pie Colette Blanc 2013, Domaine Mouthes Le Bihan, AOC Côtes de Duras, Sud Ouest

Zu erwerben beim Cavistencollegen Monsieur Klonfar in der Vinothek La Cave am Bacherplatz. Von dort hat ihn auch der Rudl.

12. Etappe, 13. Juli: Pau – Peyragudes

13. Etappe, 14. Juli: Saint Girons – Foix

Irouléguy Rosé 2014, Domaine Arretxea, AOC Irouléguy, Sud Ouest

Rosé muss nicht nach Himbeerkracherl schmecken.

Irouléguy Blanc 2013, Domaine Ilarria, AOC Irouléguy, Sud Ouest

Petit Manseng und Courbu vom Kalk und vom Nachbarn der Riouspeyrous

Haitza 2012, Domaine Arretxea, AOC Irouléguy, Sud Ouest

75 % Tannat, 25 % Cabernet Sauvignon, drei Wochen auf der Maische, spontanvergoren sowieso, Manhartsberger Eiche von Stockinger zu vierhundert und sechshundert Litern, ungefiltert, Zedernholz und feine Tannine

14. Etappe, 15. Juli: Blagnac – Rodez:

Ondenc 2011, Robert et Bernard Plageoles, AOC Gaillac, Sud Ouest

Bernard und Robert Plageoles ist es vor allem auch zu danken, dass in Gaillac auch noch etwas anderes als Chardonnay und angepflanzt wird. Mit großer Leidenschaft haben sie sich der Pflege traditioneller Rebsorten von Gaillac verchrieben. Ondenc ist so eine.

17. Etappe, 19. Juli: La Mure – Serre Chevalier

18. Etappe, 20. Juli: Briançon – Izoard

Schiste 2014, Domaine des Ardoisières, Cevins

Von Brice Omont und Michel Grisard hat Ihnen der Rudl vor ein paar Wochen schon einiges erzahlt. Damals ist Argile Blanc, der Basiswein des Weinguts, im Mittelpunkt gestanden. Schiste ist der mittlere. Er besteht aus vierzig Percent Jacquère, dreißig Roussanne, zwanzig Malvoisie und zehn Mondeuse Blanche. Wachsen tut er auf den Terrassen von Cevins, einige Kilometer weiter flussaufwärts vom Argile Blanc. Eine Vertikale wird es auch von diesem Wein einmal geben.

Schiste 2014, Domaine des Ardoisières, Cevins, Vin des Allobroges (6,50/11)

Ondenc 2011, Robert et Bernard Plageoles, AOC Gaillac, Sud Ouest (4/6)

Haitza 2012, Domaine Arretxea, AOC Irouléguy (5/8)

Irouléguy Blanc 2013, Domaine Ilarria, AOC Irouléguy (5/8)

Irouléguy Rosé 2014, Domaine Arretxea, AOC Irouléguy (3/5)

Pie Colette Blanc 2013, Domaine Mouthes le Bihan, AOC Côtes de Duras (3/5)

Marestel 2012, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOC Roussette de Savoie (4/6)

Marestel 2011, (4/6)

Marestel 2010, (4/6)

Marestel 2008, (4,50/7)

Marestel 2007 (4,50/7)

Marestel 2006 (5/8)

Marestel 2004 (5/8)

Sélection 1998, André et Mireille Tissot, AOC Arbois (5/8)

Héritage des mes Ancêtres Rouge 2015, Les Vignes des Paradis, Pommard, Vin de France (5/8)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

aber selbstverständlich nicht ausschließlich diese Weine kredenzt der Rudl glasweise

am Mittwoch, den 28. Juni und am Freitag, den 30. Juni

jeweils von 16 bis 22 Uhr

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag erklären sollte!

Vorschau

Über die Schulferien ist die Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils dann wieder geschlossen. Wenn der Rudl in Wien ist, stellt er gerne zu.

Herr Rudolf grüßt die Reben und die Räder!

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Mittwoch und Freitag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57 Euro

Sommerwein? Sommerwein. Mittwoch, 21. Juni erst ab 19 Uhr geöffnet

Jetzt fliegen sie einem wieder um die Ohren, die Sondernummern der Druckwerke, die bei hohen Temperaturen zu konsumierende Speisen und Getränke beweihräuchern. Rosé aus der Provence, Molkegetränke, Radler, …

Zusammen mit dem jeweiligen mehr oder weniger Nahrungs- , respektive Genussmittel erwerberte man gleich auch Lebensgefühl, wenn nicht gar gleich Lebenssinn.

Jetzt ist Weinprediger Rudolf sowieso keiner, der Befehle oder Fernsteuerungen für transzendente Erfüllung hält. Und wenn ihm dann noch wer mit den metaphysischen Aspekten von Topfenaufstrich oder Kracherl kommt, geht ihm das Geimpfte auf.

Dass man in einer angeblich säkularisierten Welt mit einem derartigen Ausmaß an Mystifizierung von Banalitäten und an pseudotranszendental verankerten Direktiven durchkommt, wird er nie ganz verstehen.

 

Jetzt aber nicht mehr ganz so zornig

 

Eine Vorliebe möchte Ihnen, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, der Rudl aber nicht verschweigen. Er trinkt im Sommer über die Maßen gerne Monfarina und Sicheldorfer Mineralwasser. Letzteres gibt es bedauerlicherweise immer noch nicht mehr. Darum wird Ihnen Monsieur Rudolf jetzt darüber auch nicht des Langen und Breiten daher schwärmen, sondern sich auf ein paar Anmerkungen zur Cuvée Monfarina von David und Fred Giachino beschränken. Freilich soll das nicht bedeuten, dass der Rudl es für ratsam hält, Monfarina im Ausmaß von Mineralwasser zu konsumieren, geschweige denn zu jedem Zeitpunkt des Konsums von Mineralwasser. Aber können täte man es wahrscheinlich schon. Zumindest kommt das dem Rudl so vor.

 

Monfarina, Domaine Giachino

 

Seinen Namen hat Monfarina von einem piemontesischen Tanz, was für einen leidenschaftlichen Nichttänzer wie den Rudl kein ausreichendes Motiv darstellt. Die Assemblage von fünfundachzig Percent Jacquère, zehn Verdesse und fünf Mondeuse Blanche schon viel, viel mehr. Bis zum Dreizehner Jahr war Monfarina fest unter der alleinigen Fuchtel der Jacquère. Jetzt haben sich die Gebrüder Giachino vor ein paar Jahren die Rettung von zu Unrecht vergessenen savoyardischen Rebsorten zum ambitionierten Ziel gesetzt. Verdesse und Mondeuse Blanche sind die Nutznießerinnen davon. Bei den Herrschaften der Weinadministration macht man sich mit so etwas in Frankreich aber auch nicht besonders viele Freundinnen und Freunde.

 

Stein

 

Größere und kleinere Kalkblöcke, dazwischen Mergel.

 

Trauben und Saft

 

Die Trauben werden selbstverständlich manuell geerntet, ausgelesen und langsam uneingemaischt gepresst. Vier Tage Vorklärung bei zehn Grad. Dann vergärt der Saft drei bis zwölf Wochen bei sechzehn Grad, um in weiterer Folge zu malolaktieren. Das machen sowieso alles die Hefen aus dem Weingarten. Keine Reinzuchthefen. Es folgen zehn bis vierzehn Wochen auf der Feinhefe.

 

Wein

 

Resultieren tut das alles in nicht einmal elf Percent Alkohol und einer erstaunlichen Vielschichtigkeit. Blasses Gelb und Erinnerungen an Passionsfrucht, Litschi, Zitrusaromen, schwarze Ribisel und Ingwer. Vielleicht ist es ja Letzteres, was den Rudl an der Monfarina so verzückt. Seinerzeit als kleiner Mensch hätte Herr Rudolf so wahnsinnig gerne das englische Kracherl mit Ingwer und Chinin getrunken. Aber das haben sie ihn fast nie gelassen. Zu ungesund. Der Kurtl hat ja einmal gemeint, es sei nie zu spät für eine glückliche Kindheit. Vielleicht holt Monsieur Rudolf den Genuss des einst verwehrten Objekts der Begierde jetzt mit dem Monfarina ja nach.

Das mit der Haltbarkeit von zehn Jahren hat der Rudl im Ausmaß von achtzig Percent empirisch getestet. Dem Zweitausendneuner hat man im Februar seine acht Jahre nicht angemerkt.

Damit wäre Caviste Rudolf jetzt bei den Empfehlungen, was man dazu essen kann. Der Rudl wäre kein Schulmeister der alten Schule, wenn er keinen Gefallen an Schul- und Hausübungen fände. Darum hängt er diese Hackn jetzt Ihnen, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, um. Wenn sie diese Woche ein Glasl Monfarina trinken, ob zuhause oder in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, dann fallen Ihnen auf der Stelle mindestens drei bis sieben Papperln ein, die da dazupasserten. Fast jede Wette.

 

Folgende Monfarinas gibt es diese Woche beim Rudl glasweise

 

  • Monfarina 2015, Giachino, AOP Vin de Savoie (2,50/4)

 

  • Monfarina 2013, Giachino AOC Vin de Savoie (2,50/4)

 

  • Monfarina 2011, Giachino, AOC Vin de Savoie (3/5)

 

  • Monfarina 2009, Giachino, AOC Vin de Savoie (4/6)

 

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

 

aber selbstverständlich nicht ausschließlich diese Weine

 

am Mittwoch, den 21. Juni von 19(!) bis 22 Uhr

und am Freitag, den 23. Juni von 16 bis 22 Uhr

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

 

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag erklären sollte!

 

Vorschau auf die Lehrveranstaltungen vom 28. und 30. Juni:

Le Tour de France 2017: Jura, Pommard, Marestel, Perigord, Pyrenäen und Schiefer aus den Alpen

 

Herr Rudolf grüßt Sicheldorf und den Rest der Welt!

 

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

 

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Mittwoch und Freitag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57 Euro

 

Sauvignon Blanc gegen Jacquère – das ist Brutalität. Ein Rebsortenvergleich mit Maillet, Muster, Lucas, Dagueneau und Giachino

Fast überall und fast nirgends

 

Es gibt Rebsorten, die pflanzen sie fast überall an. Dass die meisten der aus diesen Pflanzereien hervorgehenden Weine dem Rudl nicht convenieren, ändert nichts an der Popularität der betreffenden Rebsorten. Den Rudl wundert das zwar, ändern tut dieser Umstand aber nichts. Sauvignon Blanc ist so eine fast global gut angeschriebene Rebsorte. Der veritable Hype um den Sauvignon hat vor etwa zehn Jahren stattgefunden, dürfte heute aber vorbei sein. Direkt schlecht angeschrieben ist diese Rebsorte freilich auch heute nicht.

Es gibt auch Rebsorten, die erfreuen sich in einer bestimmten Gegend fast kolossaler Beliebtheit. Abseits dieser Weingärten pflanzt sie aber niemand aus. So eine Rebsorte ist die in letzter Zeit immer mehr zur Lieblingsrebsorte vom Rudl avancierende Jacquère. Wäre Savoyen die Welt, dann wäre Jacquère quasi Chardonnay, beziehungsweise fast noch mehr. Denn auf die halbe Rebfläche des Planeten bringt es nicht einmal Chardonnay, Jacquère aber sehr wohl auf die halbe Savoyens.

 

Die global doch deutlich ungleiche Verbreitung von Sauvignon Blanc und Jacquère ist für Caviste Rudolf nicht der unwesentlichste Grund, Weine dieser beiden Rebsorten einem systematischen Vergleich zu unterziehen. Das häufig beschriebene Geschmacksprofil der beiden ein anderer.

 

Jacquère

 

Jacquère hat wenig Alkohol, schmeckt im gelungenen Fall nach Zitrusfrüchten, Almblumen, Ingwer oder, respektive und nach Feuerstein. Die dicken Beerenschalen erlauben eine für die steinigen und kalkreichen Weingärten am Fuß der Alpen späte Reife und schützen die engbeerigen Trauben vor Oïdium und Meltau. Mit der Bachforelle ist sie auf Du und Du wie der Cagney mit seinem „gfährlichn Lochn“ oder der Rudl mit dem „Retourgang“ und dem „Milchglos“. Aufgrund ihrer Frische schient die Jacquère Caviste Rudolf sowieso eine ziemlich kompetente, ja geradezu inspirierende Speisenbegleiterin zu sein. Darum nützt der Rudl wieder einmal die Gelegenheit, Sie daran zu erinnern, dass es ausdrücklich erwünscht ist, wenn Sie sich selber etwas zum Essen in die Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils mitbringen. Gerne stellt Ihnen Herr Rudolf bei Bedarf auch seine elektrische Herdplatte und ein kleines Reindl zur Verfeinerung oder Aggregatszustandsänderung Ihres Papperls zur Verfügung.

 

Sauvignon Blanc

 

Da müsste man jetzt nicht so viel schreiben. Ein paar Details scheinen dem Rudl aber trotzdem bemerkenswert.

Eine der zum Saufüttern zahlreichen Namensvarianten für den Sauvignon lautet Uva Pelegrina – die Pilgertraube. Wäre die weite Verbreitung dieser Rebsorte mit einem Hang zu religiös motivierter Reisetätigkeit des Sauvignon zu erklären? Von den angeblich weißen Trauben ist nur Chardonnay verbreiteter als Sauvignon Blanc. Dass seine Anbauflächen erst in den zehn Jahren zwischen 2000 und 2010 um siebzig Percent auf über hundertzehntausend Hektar zugenommen haben, lässt den Erklärungsversuch mit dem Pilgern wieder eher unwahrscheinen. In dieser Dekade hat die Popularität des Pilgerns ihren Höhepunkt doch schon um ein Zeitl überschritten gehabt.

Methoxypyrazinen heißt man die Objekte, die für das traditionell dem Sauvignon zugeschriebene Geschmacksbild verantwortlich zu machen sind. Dass auf Weinetiketten und –karten sauvignonbetreffend wie bei sonst kaum einer anderen Rebsorte regelmäßig dieselben drei Nomen strapaziert werden, findet der Rudl armselig und vor allem ungerecht. Es drängt ihm zudem die Vermutung auf, dass da dann nicht immer nur die Weinbeerln, sondern manchmal mehr die Heferln im Spiel sind. Auch davon scheint kaum eine andere Rebsorte derart uniformiert und phantasielos traktiert zu werden wie Sauvignon Blanc.

Angeblich gelten Loire als Heimat und Traminer sowie Chenin Blanc als Eltern des Sauvignon. Das erscheint dem Rudl insofern bemerkenswert, als eine seinerzeitige Bezeichnung dieser Rebsorte in Österreich Muskat Sylvaner lautet. Am Beginn des vorigen Jahrhunderts haben sie rund um Pouilly-sur-Loire und Sancerre eine im Vergleich mit heute fast atemberaubende Rebsortendiversität aufgegeben, um alles mit dem gut drei Wochen früher reifenden Chasselas vollzupflanzen – Tafeltrauben für die Metropole. Die Pariser haben ihre Weintrauben dann aber bald lieber aus Italien und Spanien gekauft und das Weinbaugebiet Centre Loire hat sich mit Haut und Haar dem Sauvignon verschrieben. Didier Dagueneau war der erste, der die Trauben seiner Parzellen separat vinifiziert hat.

Hinsichtliche Reifezeitpunkt und dicker Haut sind Sauvignon und Jacquère einander nicht unähnlich, hinsichtlich Frost- und Pilzempfindlichkeit aber umso mehr.

Caviste Rudolf erachtet es als unseriös, die beiden Rebsorten ohne Reglement einfach zu vergleich. Zu viele unterschiedlich Weinstile und Interpretationen gibt es. Drum legt der Rudl das Duell in drei Kategorien an: Jungwein, eher reiferer Wein und maischevergorener Wein. Auf zwei gewonnene Duelle. Das heißt, es muss eine Siegerin, respektive einen Sieger geben.

Auf Wunsch kredenzt Caviste Rudolf die Weine verdeckt und löst das Rätsel nach dem Vergleich auf.

 

Jacques Maillet …

 

… ist ein Original. Um das zu bemerken, muss man ihm nicht besonders lange zuhören. Ein Schnurrbart als Lebenshaltung. Wenn Passionierte vom Weinforum La Passion du Vin Recht haben, kann man der Jacquère von Jacques Maillet Pouilly-Fumés von Dagueneau an die Seite stellen, ohne dass erstere schlecht dasteht.

Seine Art, Wein zu machen, nennt Jacques Maillet Ni-Ni-Ni. Das ist kein Zitat aus einem genialen Film der Monty Pythons über die Artussage, sondern heißt vielmehr „Weder-noch-und schon gar nicht“. Gemeint ist, dass Jacques seine Weine in keiner Weise anreichert, nicht filtriert und auch nicht schönt, wenn irgendwie möglich auch nicht oder nur ganz minimalistisch schwefelt.

Am übereifrigen Ertrag müssen die Jacquère-Reben von Jacques Maillet nicht gehindert werden. Dazu sind sie zu alt und zu konsequent selektioniert.

Jacquère, Mondeuse und Altesse stehen im Weingarten „Cellier des Pauvres“. Der ist süd-westlich ausgerichtet und weist eine Steigung von zwanzig bis fünfzig Percent auf. Er schaut aus mehr oder weniger dreihundert Metern Meereshöhe auf die Rhône hinunter. Wein aus dem Rhônetal, aber nicht aus der Weinbauregion Rhône, dazu ist das noch zu weit am Oberlauf des gleichnamigen Baches.

Der pickelharte Sandstein und das Geröll aus Ton und Kalk sind charakteristisch für die Chautagne, eine Rotweinenklave in der Weinbauregion Savoyen. Mittlerweile quittiert Monsieur Jacques es mit einem milden Lächeln, wenn der Rudl in privater Mission bei ihm trotzdem immer Weißwein kauft. Und der Rudl hat es inzwischen auch kapiert, dass die Mondeuse von Jacques Maillet ein beachtenswerter Wein ist.

Die Chautagen, aber das hat Monsieur Polifka auch schon mitgeteilt, wird „Provence de Savoie“ genannt. Olivenbäume und ein paar andere Pflanzerl deuten darauf hin, dass es sich dabei nicht um Angeberei des örtlichen Tourismusverbandes handelt.

 

Les Vignes des Paradis. Ein Sonderling

 

Dominique Lucas ist nicht nur einer der wenigen Weinbauern, die ein Weingut in Hoch Savoyen und eines in der Burgund besitzt. Er hat in Hoch Savoyen auch Sauvignon Blanc ausgepflanzt. Für die Appellation Vin de Savoie Protegée ist das nicht vorgesehen. Deshalb muss Monsieur Lucas seinen Sauvignon als IGP Vin des Allobroges etikettieren. Sauvignon Blanc, der auf den Genfer See schaut und inmitten einer Chasselas Übermacht aufwächst.

 

Sauvignon Blanc 2015, Les Vignes des Paradis, Dominique Lucas, Ballaison, IGP Vin des Allobroges

v

Jacquère 2015, Jacques Maillet, Serrières-en-Chautagne, AOP Vin de Savoie

 

David und Fréd Giachino

 

Jacquèrerebstöcke an den Ufern des Lac de Saint André. Dort liegen Felsblöcke von einem Felssturz im Jahr 1248 herum. Dazwischen wächst der Apremont von Giachino.

 

Domaine Didier Dagueneau

 

Wagemutig. Nonkonformistisch. Perfektionistisch. Damit ist alles geschrieben über Didier Dagueneau.

Noch einmal trotzdem. Ob man einen Weinbauern, der das Wegerl, in dem sich sein Hof befindet, Rue Ernesto Che Guevara nennt, Sauvignon-Papst nennen soll, überlässt der Rudl wem immer Sie möchten. Andererseits hat sich der Meister ja gern einen Sport daraus gemacht, kreativ auf das Schreiben und Treiben von Weinjournalisten zu reagieren. Da hat das renommierte Duo Michel Bettane und Thierry Desseauve seinen Buisson Menard irrtümlich „Buisson Renard“ genannt, für Didier Dagueneau ein Anlass, seinen Wein fürderhin „Buisson Renard“ zu  nennen. Tatsache ist, dass es ohne das Werk von Didier Dagueneau mit dem Sauvignon und Pouilly Fumé doch um einiges schlechter ausschauen würde. 1982 hat er als Winzer begonnen. Um alles anders zu machen. Nicht die allerschlechteste Motivation, wenn es nach dem Rudl geht. Leider lebt Didier Dagueneau nicht mehr und viele sind es nicht gewesen, die es seinem Sohn zugetraut haben, die Weine auf dem Niveau jener seines Vaters zu halten.

Doch Monsieur Rudolf hat nicht erst einmal gelesen, dass die Weine von Louis-Benjamin Dagueneau die seines Vaters an Präzision noch übertreffen.

Ein ideales Gleichgewicht von aromatischer und physiologischer Reife ist das Kennzeichen der Weine von der Domaine Didier Dagueneau. Darum sucht man viele der klassischen Sauvignonaromen in ihnen umsonst. Feigen, Marillen, Grapefruits, schwarze Ribisel und Mango sucht man in ihnen nicht umsonst.

Den  Blanc Fumé de Pouilly hat Didier Dagueneau nach der früheren Bezeichnung für die Appellation benannt. Ausgebaut wird er genau so wie Silex, Pur Sang und Buisson Renard.

Apremont 2010, Domaine Giachino, Chapareillan, AOC Vin de Savoie

v

Blanc Fumé de Pouilly 2010, Domaine Didier Dagueneau, AOC Blanc Fumé de Pouilly, Loire

 

 

Gräfin 2015, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Steiermark

 

Sauvignon Blanc ungefähr von der Mitte des Hanges. Zwei bis vier Wochen auf der Maische vergoren.

 

Marius et Simone 2015, David und Fred Giachino, Chapareillan

Zwanzig Tage auf der Maische. Der Herr Oberlehrer hat den Rudl darauf aufmerksam gemacht, dass ihn dieser Wein an die Gräfin erinnert. Motiv genug, dem empirisch auf den Grund zu gehen.

 

Die folgenden Weine …

orange

  • Marius et Simone 2015, David und Fred Giachino, Chapareillan (4/6)
  • Gräfin 2015, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Steiermark (5/8)

ein bissl reif

  • Blanc Fumé de Pouilly 2010, Domaine Didier Dagueneau, AOC Blanc Fumé de Pouilly, Loire (9/14)
  • Apremont 2010, Domaine Giachino, Chapareillan, AOC Vin de Savoie (4/6)

jung

  • Sauvignon Blanc 2015, Les Vignes des Paradis, Dominique Lucas, Ballaison, IGP Vin des Allobroges (5/8)
  • Jacquère 2015, Jacques Maillet, Serrières-en-Chautagne, AOP Vin de Savoie (4/6)

 

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

 

… aber selbstverständlich nicht ausschließlich diese Weine kredenzt der Rudl glasweise

 

am Mittwoch, den 14. Juni und am Freitag, den 16. Juni

jeweils von 16 bis 22 Uhr

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

 

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag erklären sollte!

 

Vorschau auf die Lehrveranstaltungen vom 21. und 23. Juni:

ziemlich sicher Monfarina von Giachino 2009, 2011, 2013 und 2015

 

Herr Rudolf grüßt global und lokal!

Mondeuse aus der Chautagne. Wo die Reblaus selber waach wird …

Der Rote in der purpurenen Panier

 

Der Rudl hat Ihnen, gewogene Oenologin, geneigter Oenologe, schon das eine oder andere Mal von Jacques Maillet, dem Weinmeister mit dem Schnurrbart erzählt. Oft ist es dabei um Jacquère oder Altesse gegangen. Das hat viel damit zu tun gehabt, dass Herr Rudolf diese beiden Weine selber ganz besonders gerne trinkt. Meister Jacques selber hält seine Roten und da ganz besonders die Mondeuse für seine Stärke.

Das hat wiederum viel damit zu tun, dass die Chautagne neben Arbin und Cruet ein Rotweinterroir, um nicht zu schreiben eine „Rotweininsel“, im weißweindominierten Savoyen ist. Es hat auch damit zu tun, dass

Jacques Maillet selber lieber Rotwein trinkt und also macht. Am meisten hat es aber damit zu tun, dass die Weingärten von Monsieur Jacques eine Besonderheit aufweisen, nämlich einen Fleck mit mit über hundert Jahre alten, wurzelechten Stöcken der Mondeuse. Jetzt ist die Chautagne von pickelhartem Sandstein geprägt. Und an dem beißt sich sogar die Reblaus die Zahnderl aus. Viel gewogener kann einem Weinbaumeister ein Weingarten nicht sein. Dazu kommt, dass diese Stöcke sehr wenige, was für das Alter dieser Rebstöcke nicht so außergewöhnlich ist, aber auch äußerst locker- und kleinbeerige Früchte tragen. Das alles zusammen ganz passable Voraussetzungen für einen extraordinairen Wein.

 

Mondeuse

 

Im ersten Jahrhundert nach Christus schwärmt Plinius der Ältere über eine Rebsorte namens „Allobrogicae“. Ziemlich sicher hat er damit Mondeuse gemeint. Aber die Schwärmerei war mit einem Wermutstropfen versetzt. Denn der Versuch, Mondeuse in der Umgebung von Rom auszupflanzen, bringt nicht die erhofften Resultate und die Savoyarden zum Schluss, dass sich die Mondeuse nicht gerne deplaciert. Das nützen dann die Mönche von Cluny. Die sind sonst nicht die besten Freunde vom Rudl, aber der Lac du Bourget hat offenbar auch ihnen gefallen und sie haben dort ab dem zehnten Jahrhundert Mondeuse forciert. Möglicherweise fühlt sich die deshalb heute noch in der Chautagen am nördlichen Ende des Lac du Bourget und auf den Kalkgeröllhängen um Arbin ganz besonders wohl.

Die Trauben sind dunkelblau bis schwarz und herb, in vinifizierter Gestalt tendieren sie zu Purpur.

Zimt, Pfeffer und schwarze Trüffeln werden mit ihr immer wieder assoziiert. Sie ist kräftig. Das bezieht sich auf die Tannine und aber schon so etwas von nicht auf den Alkohol.

 

Eine Rebsorte als Antithese

 

In ihrer Jugend macht die Mondeuse, woran sich die eine oder der andere in der U-Bahn gelegentlich ein Beispiel nehmen könnte, wenn es nach dem Rudl geht. Sie gibt sich verschlossen. Will man mehr von ihrem Charme, muss man sie ein paar Jahre im Keller vergessen. Kaum ein Wein scheint in einem derartigen Ausmaß seine Wurzeln zu repräsentieren. Auf den ersten Schluck karg und barsch, ein Alm-Öhi als Wein. Hinter den Tanninen entpuppt sich, hat man Geduld, ein Batzen Energie und ein Feuer, das sich gewaschen hat.

Dreihundert Hektar sind mit Mondeuse bestockt. Was das Reifwerden der Trauben betrifft, kann man sie nicht als Hudlerin bezeichnen. Bis Anfang November kann sich das ziehen. Der alte Plinius weist darauf hin, dass die Mondeuse im Schnee reif wird. Wäre sie da nicht so dickhäutig und resistent gegenüber Fäulnis jeder Art, hätte sie ordentlich den Scherben auf. Vielleicht hat man sie deshalb in den Fünfziger Jahren herausgerissen, um Platz für Gamay zu machen.

Verwandtschaftlich betrachtet ist Mondeuse Noire ziemlich sicher genauso wie Syrah, Roussanne, Viognier, Altesse oder Marsanne ein Kind der Mondeuse Blanche.

 

2015

 

Nach den Jahrgängen 2012, 2013 und 2014, für die „schwierig“ auch in Savoyen ein Euphemismus ist, war der Fünfzehner ja fast schon ein Antijahrgang: gesunde, vollreife Trauben, Niederschlag zu den richtigen Zeiten und im richtigen Ausmaß, kaum Oidium und Meltau, dazu passable Mengen. Präzision im Saft schon beim Pressen.

 

2013

 

Da ist der Rudl befangen. Aber das ist wurscht. Der kalte und niederschlagsreiche Winter hat den savoyardischen Rebsorten keine grauen Federn wachsen lassen. Auf den sind sie eingestellt. Auf einen furchtbaren Frühling wie 2013 nicht. Ein heißer Sommer bedeutet auch in Savoyen ein erhöhtes Hagelrisiko. Die Trauben, die im September das Handtuch immer noch nicht geworfen hatten, haben bei der Lese nicht durch Pünktlichkeit geglänzt, erwiesen sich in qualitativer Hinsicht aber als äußerst kompetent, ausgeglichen und gesund. Nur waren sie halt nicht besonders zahlreich.

 

2010

 

Auf einen kalten, niederschlagsreichen Winter folgt ein sonniger, aber nicht besonders trockener Frühling. Der Sommer erweist sich hinsichtlich heißem und kühlem Wetter als um Ausgewogenheit bemüht, caniculairer Juli, reifebremsender August. Soweit kennt man den Jahrgang 2010 auch in Österreich. Im September ist das Wetter in Frankreich dann aber abgebogen. Während es in manchen Gegenden Österreichs viel geregnet hat, war es fast in ganz Frankreich sonnig. In Savoyen darüber hinaus auch recht frisch in der Nacht. Nicht die allerungünstigsten Voraussetzungen für einen formidablen Jahrgang, in besonderem Maß bei spätreifenden Rebsorten.

 

Die folgenden Weine

  • Mondeuse 2015, Cellier des Pauvres, Serrières-en-Chautagne, Vin de Savoie (5/8)
  • Mondeuse 2013, Cellier des Pauvres, Serrières-en-Chautagne, Vin de Savoie (5/8)
  • Mondeuse 2010, Cellier des Pauvres, Serrières-en-Chautagne, Vin de Savoie (6/9)

Des mid da Mutter …“

  • Mondeuse Blanche 2012, Dupasquier, Aimavigne, Vin de Savoie (2,50/4)
  • Mondeuse Blanche 2011, Dupasquier, Aimavigne, Vin de Savoie (2,50/4)

und im Sinne der Gendergerechtigkeit ein autochthoner Roter aus Savoien

  • Persan 2015, Giachino, Vin de Savoie (4/6)

     

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

 

aber selbstverständlich nicht ausschließlich diese Weine kredenzt der Rudl glasweise

 

am Mittwoch, den 7. Juni und am Freitag, den 9. Juni

jeweils von 16 bis 22 Uhr

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

 

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag erklären sollte!

 

Vorschau auf die Lehrveranstaltungen vom 14. und 16. Juni:

Jacquère gegen Sauvignon Blanc – das ist Brutalität. Der ultimative Rebsortenvergleich zwischen einer der weltweit verbreitetsten Rebsorten und einer der am seltensten angepflanzten in drei Kategorien:

  • jung: Maillet v Les Vignes de Paradis (Dominique Lucas)
  • reif: Giachino v Dagueneau
  • orange: Giachino v Muster

auf zwei gewonnene Sätze.

 

Herr Rudolf grüßt Reben, Rebläuse und den Rest der Welt!

Erde – Kultur und Sprache. Eine Vertikale von Maria und Sepp Muster

Im Sortiment vom Rudl gibt es Weine, die der Rudl erklären muss. Aber das ist nicht schlimm. Selbst im fernen Frankreich erachtet es die Revue du Vin de France im Editorial ihrer aktuellen Ausgabe offenbar als erklärungsbedürftig, wenn ein „cercle des passionés“ sich nicht einmal vor dem grandiosen 2016er Bordeauxjahrgang in den Staub schmeißt, sondern leidglich ihre „vins d’auteur“ im Kopf hat. Dagueneau, Clos Rougeard, Claude Dugat, Chave und auch Dominique Belluard aus Ayze in Savoyen zählt die Revue du Vin de France zum illustren Kreis der unverschämten Rivalen von Medoc, Pomerol und Saint Emilion.

Im Sortiment vom Rudl gibt es aber auch Weine, die er nicht erklären muss, zumindest seinen Kundinnen und Kunden nicht, die Erde von Maria und Sepp Muster zum Beispiel. Trotzdem:

 

Frucht und Flucht II

 

Vor zwei Wochen hat der Rudl quasi als Flucht vor künstlicher Frucht dezente Rosés kredenzt. Da gebietet es die Ausgewogenheit, diese Woche quasi eine Flucht vor der Flucht vorzunehmen. Was zuckerlartige Fruchtigkeit bei vielen Rosés, ist dem Rudl bei so manch Orangem eine flüchtige Säure, die sich wichtig macht. Darum öffnet er diese Woche einen Wein in fünf Jahrgängen, dessen Säuren keine Wolken sind. Viele bezeichnen diesen Wein als „Naturwein“, für Weinschulmeister Rudolf ist die Erde von Maria und Sepp Muster ein „Kulturwein“ par excellence, weil an ihm deutlich wird, dass Naturwein im positiven Sinn etwas mit Lernen, Kunst und Arbeit zu tun hat.

 

Orange Weine

 

Die Erde bleibt mit Trauben, Kernen und teilweise Stielen bis zu einem Jahr auf der Maische, früher in georgischen Tonamforen, jetzt im Holzfass. Das ist in Österreich heute auch für einen Wein aus sogenannten weißen Trauben nicht mehr so ungewöhnlich, wie es das vor zehn Jahren einmal gewesen ist. Dass beim Hineinriechen in so einen Wein nicht Nagellackentferner oder Alleskleber als Erstassoziation vor der geistigen Nase antanzen, ist schon nicht mehr ganz so selbstverständlich. Und das schätzt der Rudl an der Erde überaus.

 

Sprache und Erde

 

Ein bissl ein Kreuz ist es mit der deutschen Sprache. Einerseits zeichnet sie sich in ihrer grammatikalischen Struktur durch ein vergleichsweise hohes Maß an Schlüssigkeit und Klarheit aus. Ihr Lexikon dagegen scheint oft nicht gerade durch Treffsicherheit, Kompelxität und Tiefgang zu brillieren. Nehmen Sie ein Wort wie „Liebe“. Das kann höchst Unterschiedliches meinen. Da hat der Lateiner mindestens drei oder vier Wörter, von denen jedes etwas ganz Bestimmtes bedeutet. Deutschsprechende können mit einem den Stamm lieb- enthaltenden Wort vieles meinen, von den heißeren und wilderen Sachen über das, was virtuelle Stammtischhetzer gerne als Gutmenschentum diskreditieren oder die primitiveren Reimlexikonbesitzer dann wertfrei pervertiert auf Wahlplakte pinseln bis zum erstaunlichen Adjektiv, das dem Rudl seiner Meinung nach die logofizierte Perfidie ist. Man hat vor keinem Gericht dieser Welt eine Chance, die Verwendung des Begriffs „lieb“ anzufechten, obwohl es wohl nicht viele schlimmere Beleidigungen gibt.

 

Erde. Ein Wort und seine Bedeutungen

 

Mit dem Wort „Erde“ schaut es nicht viel besser aus. Von einem Planeten bis zu einem Plastiksack mit schwer zu definierbaren Substanzen in der Gartenabteilung eines Baumarktes, von wo es dann nicht mehr weit zum Dreck ist, kann da fast alles drinnen sein.

 

Die Erde in ihrer Präzision

 

Da lobt sich der Rudl das Alte Testament. Das ist wenigstens so gut, für die Erde als politische Verwaltungseinheit und für die Erde als landwirtschaftliches Produktionsmittel separate Begriffe zu verwenden, einen für das Weltbild der Erde als Scheibe, die gleich einem Schiffanakel auf dem Wasser dahin schaukelt und von dem im Himmel sitzenden Gott als Fußschammerl verwendet wird, und einen für das Land, auf dem seine Körndeln oder auch Weintrauben anbauen kann. Diese Erde hat Mensch, Tier und Pflanze hervor- und den Verfasser zum Schluss gebracht, dass man mit ihr entsprechend sorgsam und verantwortungsvoll umzugehen habe. Wer das tut, verrät einiges über sein Verhältnis zu Gott. Wer das nicht tut, auch. Rudolf Polifka hält das für ein Beurteilungskriterium, noch viel mehr aber für einen Auftrag, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sogar für den Auftrag, um den es geht.

 

In der folgenden Wetterrückschau bezieht sich der Rudl auf sich selber.

 

2007

 

Der Zweitausendsiebener gilt in Österreich als hervorragender Jahrgang, in der Steiermark als Jahrhundertjahrgang, weniger Gradation und mehr Säure als der Vorgängerjahrgang, passable Menge.

Mild und wenig Schnee im Winter, kurz ein bissl eine Reminiszenz an die Winterheit „als solches“ im März, von der sich die Weingärten aber mäßig beeindrucken lassen haben. Früher Austrieb, fast schon Rekordwärme im April, Mai und Juni prolongieren das fast schon kitschig wachstumsfördernde Wetter. Am Beginn der zweiten Julihälfte Rekordhitze. Dass es Anfang August 2013 noch heißer wird, hat der Sommer Zweitausendsieben nicht wissen können. Im August hat sich das Wetter dann wieder erfangen. September dann etwas kühler. Die mancherorts erhoffte verfrühte Lese, allerdings ohne die mancherorts erhoffte überhöhte Gradation. Der Grund, warum der Jahrgang gerade in der Steiermark besonders gut ausgefallen ist, könnte der Regen im September sein. Der hat in der Steiermark nämlich nicht stattgefunden.

So oder so, der Oktober war dann ziemlich ideal, untertags trocken und warm, morgendlich und nächtlich trocken und frisch. Nicht die allerungünstigsten Konditionen für eine konvenierende Aromatik, wenn es nach dem Rudl seinem Geschmack geht. Der vergleichsweise geringere Ertrag ist auf den überproportional hohen Anteil an Prädikatsweinen zurückzuführen.

 

2011

 

Trotz seiner überaus favorablen Nachrede zählt 2011 nicht zu den Lieblingsjahrgängen von Rudl. Einem Winter, den der Frühling kaum als Herausforderung ernst nehmen kann, folgt ein warmer März. Dem ein extrem warmer April. Ohne ein paar kalte Nächte Anfang Mai und einen dezenten Ausreißer im Juli könnte man den oben erwähnten Witterungsverlauf bis zur Lese fortschreiben. Gesunde, reife Trauben, aber trotzdem nicht dem Rudl sein Goût.

Man hat im Zusammenhang mit dem Weinjahrgang 2011 immer wieder von „gut abgepufferter“ Säure geschrieben. Was das genau bedeutet, dürfen Sie den Rudl nicht fragen. Seinen Verdacht möchte er ihnen trotzdem nicht vorenthalten: Könnte es sein, dass mit „gut abgepufferter Säure“ ein Mangel an Säure gemeint ist?

 

2012

 

Nach dem heißen Jahrgang 2011 hat es der 2012er nicht leicht. Abgesehen davon, dass es weniger Wein gibt, unterscheiden sich dem Rudl seine Geschmackseindrücke vom 2011er nicht dramatisch von denen vom 2012er.

Wieder wenig Schnee. Das ist mittlerweile nicht mehr explizit erwähnenswert. Die Februarkälte aber schon. Der Rudl ist damals durch Fünf- und Sechshaus, Braunhirschen und Reindorf gestreift, auf der Suche nach einem Geschäftslokal. Für die Zeit ab März gilt dann aber wirklich fast alles, was Sie oben über 2011 gelesen oder auch nicht gelesen haben.

 

2013

 

Dem Rudl sein Lieblingsjahr war geprägt von Kontrasten. Jänner und Februar waren niederschlagsreich und kalt. Hundertneunzentimeter Schnee fallen in Bad Radkersburg nicht jeden Februar, eher schon in fast keinem, 2013 aber schon.

In Klöch schneit es zu Ostern. Irgendwann hat aber das sturste Wetter ein Einsehen. 2013 ist das Mitte April. Nur zeigt sich sehr bald, dass die Niederschläge nur eine Pause gemacht haben.

Ein Mai, an dem sich keiner ein Beispiel nehmen muss. Dafür dann eine Affenhitze Mitte Juni, und das obwohl in diesem Jahr überhaupt keine Fußballwelt- oder -europameisterschaft stattfindet. Eine der vielen Arbeitshypothesen vom Rudl besagt ja, dass die Junis in geraden Jahren so affenartig heiß sind, damit man beim Fußballschauen mehr Bier trinkt.

Juli und Augustanfang sind extrem heiß und trocken. Das weiß der Rudl auch noch. Da hat er versucht, das Portal der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils zu streichen. Ab Mitte August legt der Regen los und kompensiert viel. Die Säure erweist sich trotz hoher Reife als passabel resistent, sofern der Lesezeitpunkt nicht verschlafen wird. Es gibt Schlimmeres für die Lagerfähigkeit eines Weines als die Kombination aus Körper und Säure bei vielen Zweitausenddreizehnern.

 

2014

 

Das Ganze fängt nicht gerade zum Vor-Kälte-Bibbern an. Viel zu warmer Jänner, nicht nennenswert besserer Februar. Der März noch wärmer. Irgendwie möchte man meinen, das warme Wetter habe damit sein Pulver verschossen. Der April ist wenigstens noch warm, aber verregnet. Da sind die Reben vegetationstechnisch noch zwei bis drei Wochen vorn. Im Mai ist es dann nicht einmal mehr warm. Und dann versucht sowieso nur mehr jeder Monat, seinen Vorgänger in der Kategorie Sauwetter in den Schatten zu stellen. Die konventionellen Vierzehner dürften eine Spur gesünder sein als die konventionellen Weine aus anderen Jahren, weil der permanente Regen die sogenannten Pflanzenschutzmittel im Handumdrehen immer wieder abwäscht. Sisyphos hätte seine Freude beim Spritzen gehabt. Geradezu konvenieren tut die Regnerei den Junganlagen.

 

Die folgenden Weine

  • Erde 2014, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Steirerland (6/9)
  • Erde 2013, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Steirerland (6/9)
  • Erde 2012, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Steirerland (6/9)
  • Erde 2011, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Steirerland (6,50/10)
  • Erde 2007, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Steirerland (7/11) 

    (in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

     

    aber selbstverständlich nicht ausschließlich diese Weine kredenzt der Rudl glasweise

     

    am Mittwoch, den 31. Mai und am Freitag, den 2. Juni

    jeweils von 16 bis 22 Uhr

    Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

     

     

    Der Rudl freut sich, die Jiddische Hühnerleberpastete von der Dankbarkeit wieder offerieren zu können.

     

    Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag erklären sollte!

     

    Vorschau auf die Lehrveranstaltungen vom 7. und 9. Juni:

    aller Voraussicht nach Mondeuse von teilweise mehr als hundert Jahre alten, wurzelechten Rebstöcken

    Der Rudl grüßt mit den Worten vom Kurtl: Passts guat auf!

Freitag, 26. Mai ausnahmsweise geschlossen

Nichts für ungut, aber die Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bleibt am 26. Mai aus Hochzeitsgründen geschlossen.

Nächste Lehrveranstaltung:

Erde-Vertikale (2007, 2011, 2012, 2013 und 2014) von Maria und Sepp Muster

Mittwoch, den 31. Mai und Freitag, den 2. Juni

Monsieur Rudolf wünscht ein plaisantes langes, beziehungsweise ein umso plaisanteres, wenn kurzes Wochenende!

 

Happy Birthday, Sir Neuburger-Paul! Mittwoch, 24. Mai geöffnet, Freitag, 26. Mai geschlossen

Der Rudl hat vor zwei Jahren um diese Zeit schon einmal darauf hingewiesen, dass englischer Fußball schon einmal weniger Prestige genossen hat als heute, wobei man der englische Fußballnationalmannschaft das redliche Bemühen, an das Desaster von 1988 anzuschließen, nicht absprechen kann. Zwischen 1988 und heute hat es einmal sechs oder sieben Jahre lang anders ausgeschaut. Aber das ist lange her.

 

Dunston Excelsior Working Men’s Club, droben beim Hadrian Wall

 

Angefangen hatte alles in Dunston, einem Vorort jener Stadt, die nach einer autochthonen Wachauer Rebsorte, dem Neuburger, benannt ist: Newcastle upon Tyne. Dort kommt am 27. Mai 1967 Paul John Gascoigne auf die Welt, als Sohn einer Fabriksarbeiterin und eines Ziegelschleppers. Nach einer Kindheit, für die das Wort „schwierig“ ein Euphemismus ist, unterschreibt Gascoigne an seinem sechzehnten Geburtstag einen Vertrag beim Newcastle United Football Club, um 120 Pfund in der Woche, um für etwas zwanzig Jahre ein anderes Leben zu führen und nach diesen zwanzig Jahren wieder ziemlich nahtlos an seine Kindheit anzuschließen.

Am 13. April 1985 wird er im St. James‘ Park gegen die Queens Park Rangers eingetauscht. Bald gilt er als die Hoffnung Englands. England sollte in seinen Hoffnungen weniger enttäuscht werden als Paul Gascoigne. Nach der Weltmeisterschaft 1990 in Italien ist Gascoigne populärer als Lady Diana. Wer ihn an einem guten Tag spielen gesehen hat, hat seither eine Ahnung von Transzendenz. Wer ihn vermarktet und vermittelt hat, einen Haufen Geld.

 

Fünfzig

 

Am kommenden Samstag wird Paul Gascoigne fünfzig Jahre alt. Das Wort „Geburtstagskind“ ist wahrscheinlich selten so angebracht wie in diesem Fall. Ihm und den inzwischen noch viel rarer gewordenen Kickern, für die Fußball ein Spiel ist und die das nicht durch eine affektierte Coolness zu kaschieren trachten, öffnet der Rudl diesen Mittwoch ein paar Neuburger, sowie einen und keinen Wein aus den beiden Jahren, in denen das Fußballgroßereignis im Zeichen eines Fußballkünstlers, aber bedauerlicherweise nicht Lebenskünstlers gestanden ist, Paul Gascoigne.

 

Neuburger vom Mantlerhof

 

Sepp Mantler gilt sowieso bei allen, die sich ein bissl mit Wein beschäftigt haben, als Tüftler. Dem Rudl seiner Meinung nach ist er noch viel mehr. Margit und Sepp Mantler sind mindestens Philosophen, Bauern und personifizierte Herzlichkeit zugleich. Der Neuburger vom Mantlerhof ist eine Hommage an Kristof Ferstel (1805 – 1888), einem Vorfahren von Margit Mantler. Der soll seinerzeit ein Rebbündel aus der Donau gefischt haben. Bei diesem Rebbündel soll es sich um eine Zufallskreuzung aus Rotem Veltliner und Sylvaner gehandelt haben. 1992 haben Margit und Josef Mantler eine heiße und trockene Terrasse mit Neuburgerreben, die Frau Mantler aus Oberarnsdorf in der Wachau mitgebracht hatte, bepflanzt (www.mantlerhof.com). Ziemlich sicher ist das einer der Gründe, warum der Neuburger vom Mantlerhof etwas Besonderes ist. Der Neuburger als solcher ist kapriziös. Auf irgendeinem Boden oder in irgendeiner Lage kann es schon sein, dass er ziemliche Brösel macht. Man kennt das von genialen Fußballspielern.

 

 

2008 – gemeinsam mit 2010 und 2013 ein Lieblingsjahrgang vom Rudl in den letzten zehn Jahren, mit „Eleganz statt Opulenz“ beschreibt Sepp Mantler den Jahrgang

 

2013 –  nicht zu kühl und nicht zu heiß – Wenn es nach Rudolf Polifka geht, ein idealer Jahrgang. Ein Wein, den man noch immer nicht aufmachen muss. Caviste Polifka tut das dieses Mal trotzdem.

 

2015 – an und für sich aufgrund weitgehend ausbleibender Wetterkapriolen fast schon ein ungewöhnlicher Jahrgang

 

1990 Pinot Gris Vendange Tardive Josmeyer, Wintzenheim, Alsace

 

Lothar Matthäus hat in diesem Jahr als Kapitän mit der deutschen Fußballnationalmannschaft die Weltmeisterschaft gewonnen und er hat danach noch lange gespielt. So alt wie im Semifinale am 4. Juli 1990 im direkten Duell mit Paul Gascoigne hat er nicht einmal als Trainer des SK Rapid ausgeschaut. Paul Gascoigne war nach diesem Spiel in Großbritannien populärer als Lady Diana.

Der Hagel am 19. Juni 1990 hat die Lage Fecht verschont. Während des Semifinales in Turin war es regnerisch und kühl. Der Boden ist geprägt von Ton und Löss.

Fünf bis acht Stunden Kontakt mit Schalen und Kernen, an und für sich hat man vorgehabt, die indigenen Hefen durch Temperatursteuerung ans Gängelband zu nehmen, ihnen aber dann bald das Tempo selber überlassen.

Nur ganz dezente Filtration, kein Säureabbau, vierundfünfzig Gramm Restzucker.

Die Josmeyer Homepage schreibt über diesen Wein von Trüffeln, feiner Säure und hoher Klarheit, ohne jedweden Exzess.

Empfohlen werden dazu Desserts mit getrockneten Früchten und Maroni, die sich selber mitzubringen der Rudl Ihnen heftigst empfiehlt.

 

1996

 

Gelegentlich ist zu lesen, Deutschland hätte die Fußballeuropameisterschaft 1996 gewonnen. Mit dem Rudl seinen Aufzeichnungen deckt sich das nicht. Gascoignes Golden Goal nach Stangelpass von Shearer in der Verlängerung im Semifinale gegen Deutschland ebnet England den Weg zum Turniersieg. So hat es der Rudl in Erinnerung.

 

2001 Galea, i Clivi, DOP Colli Orientali, Friuli

 

Bis zu diesem Jahr hat Sir Paul warten müssen, um vom Rudl auf einen Orangensaft mit Eiswürfeln eingeladen zu werden. Zugetragen hat sich das Ganze im Rahmen eines Trainingslagers vom Everton FC im Hinterland des toskanischen Städtchens Lucca.

Außerdem hat Paul Gascoigne in diesem Jahr sein erstes und einziges Tor in einem Meisterschaftsspiel für Everton erzielt. Dass es einen kausalen Zusammenhang zwischen den beiden Ereignissen gibt, hat der Rudl nicht behauptet.

Reinsortiger  Friulano, den sie früher „Tocai Friulano“ geheißen haben. Siebzig Jahre alte Stöcke, Mergel und Sandstein. Vierundzwanzig biologische Monate auf der Feinhefe im großen Stahl.

 

2014 Galea, i Clivi, DOC Colli Orientali, Friuli

 

Wein aus dem Jahr, in dem Sir Paul immer noch nicht das Mindeste, das England und viele Vereine ihm schulden, nämlich irgendeine Tätigkeit, die seinem Leben Struktur und Verantwortung zurück gibt, angeboten worden ist. Im Fußball scheint man heute erfolglose, pseudointellektuelle Aufschneider und Ich-AGen zu favorisieren. Das merkt man auf den Plätzen.

 

Die folgenden Weine …

  • Neuburger Hommage 2015, Mantlerhof, Gedersdorf, Kremstal (2,50/4)
  • Neuburger Hommage 2013, Mantlerhof, Gedersdorf, Kremstal (3/5)
  • Neuburger Hommage 2008, Mantlerhof, Gedersdorf, Kremstal (4/6)
  • Pinot Gris Vendange Tardive 1990, Josmeyer, Wintzenheim, Alsace (16/24)
  • Galea 2001, i Clivi, DOC Colli Orientali, Friuli (4,50/7)
  • Galea 2014, i Clivi, DOP Colli Orientali, Friuli (3/5)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

…, aber nicht ausschließlich diese gibt es

 

am Mittwoch, den 24. Mai

von 16 bis 22 Uhr

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

 

Vorschau auf die Lehrveranstaltung vom 31. Mai und vom 2. Juni:

Erde-Vertikale von Maria und Sepp Muster: 2007, 2011, 2012, 2013, 2014

 

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag erklären sollte!

 

Herr Rudolf ersucht diese Woche um Nachsicht ob der saloppen, ungegenderten Grußformel. In Anbetracht des Geburtstagskindes iist aber keine andere möglich. Cheers, mates!

 

Eine kleine Schilcher-Vertikale von Sepp Muster, andere gelungene Rosés und alles, was es aus sprachwissenschaftlicher Sicht über den Unterschied zwischen manchen Orangeweinen und manchen Rosés zu schreiben gibt

Wochen, in denen Rosé im Mittelpunkt eines Weinthemas der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils gestanden ist, gehören in der Geschichte des Geschäfts vom Rudl nicht gerade zu den großen Erfolgen, zumindest wenn man „Erfolg“ als umsatzorientierte Größe betrachtet. Trotzdem lässt das Roséthema den Rudl nicht ganz los. Dabei ist er nicht einmal ein ausgewiesener Roséfreund. Sonst den farblichen Zwischentönen nicht abgeneigt hat er sowohl mit vielen Rosés als auch mit deren komplementären Orangeweinen immer wieder seine Probleme. Was ihn an beiden manchmal stört, hängt linguistisch betrachtet an der Differenz zwischen r und l, linguistisch ausgedrückt an zwei läppischen Merkmalen.

Phonologie

Laute können sich in drei Kategorien voneinander unterscheiden.

Hinsichtlich ihrer Artikulationsart kann ein Laut explodieren, verwirbeln, reiben, näseln, vibrieren oder seiteln. Ein anderer Unterschied kann den Artikulationsort von Lauten betreffen. Der kann auf den Lippen, den Zähnen, der Zunge, dem Gaumen oder am Kehlkopf sein. Und Laute können stimmhaft oder stimmlos sein. Im einen Fall haben die Stimmbänder einen Auftrag, im anderen nicht. R und L sind beide stimmhaft, unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Artikulationsart und ihres Artikulationsortes jedoch nur minimal. R vibriert in der Mitte, wohingegen L auf die Seiten ausweicht. Darüber hinaus strapaziert L die Zähne, R wird am Gaumen gebildet. Sonst nichts. Und so eine Lappalie wie der Weg zwischen dem Rachen und der Zunge macht dann phonologisch den Unterschied zwischen Frucht und Flucht. Dabei bestehen die Wörter noch aus vier anderen Lauten, die alle auch einen Artikulationsort, eine Artikulationsart und eine oder eben keine Stimmhaftigkeit haben. Das wären zwölf Möglichkeiten sich von einander zu unterscheiden. Aber nix. Im einen Fall ist das Resultat der Jahresarbeit einer Pflanze gemeint, im anderen Fall die absichtliche Wegbewegung von einem Ort, einem Menschen oder einer Sache, die man zu seinem Glück ungefähr so dringend braucht wie einen klemmenden Reißverschluss, oft genug auch noch viel weniger dringend. Der Kurtl hat dieses Thema im Zweiundneunziger Jahr im Text „Radl noch Rio“ abgehandelt.

Um zu den Weinfarben zurückzukommen: Bei vielen Rosanen stört den Rudl ein Überschuss an Frucht, zumal wenn sie nicht natürlich ist, bei etlichen Orangenen wiederum macht eine Säure Hals über Kopf einen Abgang, was im Rudl seinerseits dann Flucht- oder zumindest Nichttrinkreflexe aktiviert. Und bei manchen so sogenannten Kultnaturweinen scheint sich Aciditätsflucht geradezu als Statussymbol wichtig zu machen. Dann für den Rudl lieber doch Kulturwein. Sonst wäre die gesamte kultur- und zivilisationstechnische Hackn von Noah abwärts ja regelrecht für die Haare gewesen.

Diese Woche kredenzt Caviste Rudolf auf alle Fälle Rosés, bei denen Sie unter Garantie kein Flankerl künstliche Fruchtigkeit finden werden.

Schilcher von Maria und Sepp Muster aus Schlossberg in der Südsteiermark

Kalk, Mergel und Ton hindern die Wildbacherstöcke vom Maria und Sepp Muster an der Flucht zu ihren Kolleginnen und Kollegen in der Weststeiermark, und zu den Roteribisel-Stauden dort. In der Weststeiermark ist der Schilcher an und für sich zu Hause, nicht ausschließlich dort, aber vor allem dort. Und in der Tat ist eine Lehrverasntaltung zum Thema Schilcher und Rosé ohne Wein von Franz Strohmeier aus Lestein maximal ein halbe Sache. Blöderweise oder erfreulicherweise, je nachdem wie man das halt so sieht, liegt Lestein ein bissl abgelegen. Dort kommt der Rudl äußerst unregelmäßig und vor allem selten hin, jetzt schon ein Zeitl gar nicht, beziehungsweise nur am Sonntag. Am Sonntag will der Rudl selber, abgesehen von zwei Ausnahmen im Jahr, seine Ruhe haben. Und weil er den kategorischen Imperativ von Monsieur Kant für eine ziemlich gscheite Sache hält, geht Caviste Rudolf davon aus, dass auch ein Weinbaumeister am Sonntag sein Recht auf Ruhe hat. Nur ist das eine andere Geschichte. Irgendwann wird Caviste Polifka wieder in Lestein antanzen, dann wird es hoffentlich wieder etwas Rosanes von Franz Strohmeier geben und der Rudl wird es nachreichen.

 

Zurück nach Schlossberg

 

Dass die Weingärten von Maria und Sepp Muster ziemlich steil sind, hat der Rudl nicht erst einmal erwähnt. Dass die Kessellagen weitgehend verhindern, dass übereifrige Kunden des Spritzmittelnahversorgers ihren Dreck auch auf die Weingärten vom Graf-Hof verfrachten, detto. Diesbezüglich haben Maria und Sepp Muster das gleiche Glück wie Jacques Maillet.

Tage können auf den Steilhängen rund um den Graf ziemlich heiß werden, Nächte sind dort oben kühler als in vielen anderen Weinbaugebieten. Das ist für das Aroma und die Frische der Trauben nicht so schlecht.

Rosé vom Opok 2014, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Südsteiermark

Schilcher 2013, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Südsteiermark

Schilcher 2012, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Südsteiermark

Schilcher 2010, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Südsteiermark

Ob es eher ein erfreulicher oder eher ein tadelnswerter Reflex ist, bei besonders guten Weinen aus Österreich schnell über ein französisches Pendant nachzudenken, müssen Sie, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, selber beurteilen. Der Rudl tendiert eher zu Letzterem. Trotzdem ist es ein Reflex von ihm. Wenn es um einen französischen Rosé, den man sinnvollerweise mit Schilcher von Maria und Sepp Muster vergleichen kann, geht, dann muss Herr Rudolf nicht lang nachdenken. Dann ist es der von den Riouspeyrous.

Irouléguy Rosé 2014, Domaine Arretxea, AOC Irouléguy, Sud Ouest

Der Weinbau in der Pyrenäenappellation Irouléguy war im elften Jahrhundert Sache der Mönche von Roncevaux. Die haben damit die Pilger am Weg nach Santiago de Compostela verköstigt und dabei ein ganz schönes Knödel verdient. Irgendwann sind dann Reisebüros gegründet worden und das Pilgern scheint an Attraktivität verloren zu haben. In Anbetracht der Kollateralschäden damaligen Pilgerns, muss man das auch gar nicht bedauern, wobei natürlich der Massentourismus auch kein Lärcherl ist, aber halt doch nicht so stark bewaffnet.

Dass der Weinbau in Irouléguy an Bedeutung verloren hat, ist ein Euphemismus und auch nicht nur auf das gesunkene Prestige des Pilgerns zurückzuführen gewesen, sondern auch auf Heinrich IV., Protektionismus und natürlich auf die Reblaus. Ohne die 1954 gegründete Genossenschaft Cave d’Irouléguy würde es in dieser Gegend womöglich gar keinen Weinbau mehr geben. Sie zählt heute zu den renommierstesten des Landes und war sicher auch ein Grund, warum die sonst nicht immer ganz flexible französische Weinadministration 1970 Irouléguy den Status einer Appellation verliehen hat.

Jetzt selektioniert man akribisch Reben und stimmt sie auf die Terroirs ab. Die Rebfläche wächst wieder und hält bei 220 Hektar, größtenteils Terrassenlagen.

Die Bezeichnung „Winterrosé“ deutet schon darauf hin, dass der Irouléguy Rosé von den Riouspeyrous kein gerbstoff- und gesichtsloses sommerliches Fruchtwasserl ist, sondern zum Beispiel ziemlich großartig zu gegrillten Würsteln von den Wursthaberern passt.

Jetzt darf der Rudl natürlich keinen Griller in seinem Geschäft aufstellen, aber ein Reindl und eine E-Herdplatte kann er Ihnen schon anbieten, wenn Sie sich ein Wursthaberer-Würstel oder irgendetwas anderes, das durch Hitze veredelt werden will, als Weinbegleitung mitbringen.

Achtzig Percent Tannat, zwanzig Cabernet Franc, Fe-hältiger Sandstein, Handlese und zweimalige ebensolche Auslese, parzellenspezifische Vinifizierung und Spontanvergärung, vorsichtiger Saftabzug, keine Malolaktik und Ausbau auf der Feinhefe, so viel zu den mehr oder weniger technischen Daten des Rosés von der Domaine Arretxea.

 

Rosé 2013, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOP Vin de Savoie

An der Seite der oben beschriebenen Exemplare könnte dieser Rosé vielleicht wie ein Zugeständnis an die Zugänglichkeit dastehen. Von den Erbeer- und Himbeeroiden, die jetzt dann fast überall zwischen Bernhardsthal und der Strandpromenade von Saint Tropez ausgeschenkt werden, unterscheidet sich aber auch der erheblich. Soviele Zweitausenddreizehner Rosés sind es nicht gewesen, die erst 2016 in Verkauf gekommen sind. Gamay und Pinot Noir vom Kalk aus dem Kimmeridge.

Guett in Reuth 2011, Reiterhaindl, Großgmain bei Salzburg, Bergland

Ein Wein als Gegenstück zu den Wiener Qualitätsblättern, gratis, aber hoffentlich nicht umsonst.

Folgende Weine, aber nicht ausschließlich die folgenden gibt es diese Woche glasweise in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils

  • Rosé vom Opok 2014, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Südsteiermark (3/5)
  • Schilcher 2013, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Südsteiermark (3/5)
  • Schilcher 2012, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Südsteiermark (3/5)
  • Schilcher 2010, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Südsteiermark (3/5)
  • Irouléguy Rosé 2014, Domaine Arretxea, AOC Irouléguy, Sud Ouest (3/5)
  • Rosé 2013, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOP Vin de Savoie (2,50/4)
  • Guett in Reuth 2011, Reiterhaindl, Großgmain bei Salzburg, Bergland (-)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

am Mittwoch, den 17. Mai und am Freitag, den 19. Mai

jeweils von 16 bis 22 Uhr

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag erklären sollte!

Vorschau auf die Lehrveranstaltungen vom 24. Mai:

Happy Birthday, Paul Gascoigne!

Freitag, 26. Mai geschlossen

Herr Rudolf grüßt stimmhaft!

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Mittwoch und Freitag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57 Euro

Fremd. All you can eat N°2 out now! Weißweine aus dem französischen Teil des Baskenlandes 2009 bis 2014 – horizontal und vertikal

Hat man Fragen nach den Hobbys mit „Wein“, „Kochen“ oder „Essen“ beantwortet, dann hat man darauf schon einmal verständnislosere Blicke als Reaktion bekommen, als man das heute tut. Der Rudl vermutet ja, dass das mit der Industrialisierung, wenn nicht sogar mit der Digitalisierung von Ernährung zu tun hat. Zum einen gibt es gar nicht so wenige Menschen, die Maschinen für sich kochen lassen, zuerst einmal in der Fabrik und dann oft noch ein zweites Mal in der Mikrowelle. Dem Rudl Seines ist das nicht, aber wer meint… Fast noch bemerkenswerter erscheinen Monsieur Rudolf Zeitgenossinnen und Zeitgenossen, die essen, beziehungsweise trinken, das zu Verzehrende davor aber photographisch festhalten, um es in weiterer Folge irgendwo hochzuladen, auf dass es möglichst oft geteilt werde. Rudolf Polifka hält vom Teilen der Nahrungs- und Genussmittel sehr viel. Er hält es für möglich, dass es geradezu zu den Bestimmungen eines vernünftigen Nahrungs- oder, beziehungsweise im Idealfall und Genussmittels gehört, geteilt zu werden. Als ersten Schritt dazu würde er auf einer globaleren Ebene einem gutheißen, dem Fladern von Lebensmitteln entschieden Einhalt zu gebieten. Da wäre dringendst mit dem Wasser zu beginnen und auf gar keinen Fall bei eben demselben stehen zu bleiben. Beim Rudl stetzt es da mit dem Verständnis sowieso aus: Gar nicht so wenigen kann dort, wo es nichts kostet, gar nicht genug auf Teufel komm‘ heraus gegendert, inkludiert, sprachsensibilisiert und hyperkorrektiert werden. Gleichzeitig legen sie ein imperiales Konsum- und Mobilitätsverhalten an den Tag, dass es einem die Sprache verschlägt und man sich in einem feudalistischen Schnöselcircel wähnt. Darum sagt Monsieur Rudolf Nein! Zu den Imperien, zu denen auf den Landkarten genauso wie zu denen in den Köpfen, die sich in hirn- und gewissenlosem Mobilitäts- und Konsumverhalten manifestieren. Den Einwand, dass es da um Menschen ginge, von denen man aufgrund ihrer nicht so komplexen Bildung nicht mehr erwarten dürfe, lässt der Rudl nicht gelten. Er hält das eher für ein Problem von Bequemlichkeit als eines von mangelnder Bildung, wobei diese beiden Faktoren einander nicht ausschließen müssen.

Aber zurück zum Teilen: Herr Rudolf hat nicht erst einmal die Erfahrung gemacht, dass ein noch so formidables Flascherl Wein, auf das er sich noch so lange gefreut hat und das er noch so ideal temperiert und belüftet hat, nicht so gut schmeckt wie ein geteiltes. Nur muss die Teilung dem Rudl seiner Auffassung nach eine analoge sein. Digitalisiertes Teilen von hochgeladener Nahrung ist dem Rudl zu platonisch und also für die Fische, wenn Sie so wollen für den Victoriabarsch, mit dem Tansania mitzerstört wird, damit ihn in Japan oder Europa jemand in sich hinein stopfen kann.

Das digitalisierte Teilen von Bildern mit Tellern und Gläsern ist in den Augen vom Rudl zu hundert Percent wertfrei. Aber es hält halt das Thema am Kochen. Und spätestens nach dem zwanzigsten Aufkochen, ist auch das exotischste Gericht nicht mehr fremd, was den Rudl zum zugegebenermaßen nicht nobelpreisverdächtigen Schluss bringt, dass fremd eine relative Kategorie ist und unter Umständen sogar mehr über den eigenen Standpunkt und auch den Zeitgeist aussagt als über das gerade als fremd Empfundene. Professor Karl Valentin hat Bier getrunken und das vor fast hundert Jahren schon eleganter auf den Punkt gebracht.

Vielleicht wecken Industrialisierung und Digitalisierung von Speisen und Getränken als Gegenbewegung eine Sehnsucht nach Natürlichem und Authentischem. Dass die in jedem Wein erfüllt wird, behauptet Monsieur Rudolf nicht. Monsieur Rudolf behauptet nicht einmal, dass diese Sehnsucht in jedem Naturwein erfüllt wird. Aber das ist eine andere Geschichte.

So oder so, der Rudl kann sich noch gut an die Zeit erinnern, in der er mit seiner Begeisterung für Wein und vor allem mit der für das Weinkaufen und noch viel mehr mit der für das Bioweinkaufen einen beträchtlichen Erklärungsbedarf gehabt hat. Dass sich das geändert hat, liegt nicht nur daran, dass der Rudl heute kein Student mehr ist. Heute gilt die Beschäftigung mit Wein in studentischen Kreisen als ziemlich angesagt, was in besonderem Ausmaß auf die Beschäftigung mit Biowein in akademisch geprägten Milieus zutrifft. Jetzt ist dem Rudl grundsätzlich jeder Hype ein bissl suspekt. Aber dass es besorgniserregendere Entwicklungen gibt, als die Zunahme von relativ jungen Menschen, die immer mehr Biowein trinken, das muss sogar Herr Rudolf zugeben. Und wie manch Kultwinzer auf diese Entwicklung im Weingarten, im Keller und in den Society-Redaktionen darauf reagiert, steht ja wieder auf einem ganz anderen Blatt.

Caviste Rudolf Polifka freut sich immer ganz besonders, wenn er den Eindruck hat, dass ein Winzer stolz auf seinen guten Wein ist, sich der Publicität aber weitestgehend verweigert, wie der Baske Michel Riouspeyrous von der Domaine Arretxea oder Sepp Muster und auch Jacques Maillet und einige andere.

Fremdes am Etikett und in der Flasche

Sprachlich geht es in Europa nicht viel fremder als in Irouléguy, der Weinappellation des französischen Teil des Baskenlandes, zumal Baskisch die einzige Sprache in Europa ist, die einer Sprachfamilie entraten muss, was erkenntnistheoretisch ein Unfug ist, denn selbstverständlich hat auch das Baskische eine Familie. Nur hat so noch kein Sprachforscher dieser Welt gefunden. Dass Baskisch dennoch als „isolierte Sprache“ gilt, findet der Rudl erkenntnistheoretisch wieder höchst aufschlussreich. Kann es sein, dass der postfaktisch säkularisierte Mensch dazu tendiert, sein kleines Hirnderl mit dem Maß des Universums zu verwechseln? Und alles, wofür da drinnen kein Platzerl mehr frei ist, das kann und darf es dann zwangsläufig nicht geben. Just ned!

So oder so, die verwandtschaftlichen Verhältnisse des Baskischen sind ziemlich ungeklärt. Für einen großen Teil der nicht baskisch sprechenden Welt, gilt das auch bezüglich der Aussprache. Und für einen wahrscheinlich kleineren, aber immer noch ziemlich großen Teil der nicht baskisch sprechenden Welt, steht zu befürchten, dass das auch hinsichtlich der Weine aus dem Baskenland gilt. Was weinmäßig aus dem Baskenland dann unter Umständen schon bekannt ist, scheint am ehesten noch der Txakoli zu sein. Den erachtet Monsieur Rudolf aber, vielleicht abgesehen vom Namen, wieder als nicht so bemerkenswert.

Aber die Appellation Irouléguy schätzt der Rudl halt einmal, weil oder obwohl sie weitgehend als fremd betrachtet wird.

AOP Irouléguy

Bei der Appellation Irouléguy handelt es sich um versprengte Überreste eines Weinbaugebietes, das Mönche im Mittelalter kultiviert haben. Das wäre an sich jetzt nicht besonders erwähnenswert. Nur im Fall von Irouléguy sind das die Mönche von Roncevaux gewesen. Das ist in Niedernavarra, wo Roland und seine Kollegen in einen Hinterhalt geraten sein sollen. Der phaffe Chunrat hat die Geschichte über Rolands Kampf gegen die Zivilisation aufgeschrieben, nicht als die erste, aber doch als eine besonders gern kopierte Vorlage für bornierte Närrinnen und Narren mit Hang, jede Zwangsneurose und Ideologie gleich einmal für eine Religion zu halten.

Heute gilt Irouléguy als „mosaïque de terroirs“. Das muss derweil einmal genüben. Und wer mehr über diese Appellation lesen will, der sollte besser nicht das Terroir-Büchl von James E. Wilson lesen, sondern sich im gut sortierten Fachhandel die aktuelle Ausgabe von All you can eat zulegen.

Hégoxuri, Domaine Arretxea

Dass Thérèse und Michel Riouspeyrous sich beim Versuch, ihre Weingärten zu verstehen, von Wissenschaftlern unterstützen lassen, hat Sie Caviste Rudolf schon einmal wissen lassen. Dass sie danach trachten, diese Erkenntisse schmeckbar zu machen, auch. Dass Michel Riouspeyrous nicht gerade in Freudenskundgebungen ausbricht, wenn man das Wort „Terroir“ inflationär verwendet, sowieso.

Hégoxuri wächst auf vier Böden: Schiefer, Ophite, Sandstein und Ampèlite.

Ananas- und Zitrusaromen sind der Beitrag der Rebsorte Gros Manseng, zu Baskisch Izkiriota. Wenn Sie daraus korrekt ableiten, ob eher Petit Manseng oder eher Courbu auf Baskisch Izkiriota Ttipia heißt, dann wissen Sie jetzt zumindest schon das baskische Wort für Manseng.

Zu jung kann man den Hégoxuri schon auch trinken. Man muss es aber nicht. Die Trüffelaromen tanzen auf alle Fälle erst nach ein paar Jahren Flaschenreife an.

Kalk

In Irouléguy gibt es auch Kalk. Auf dem wächst der Weißweine von Peio Espil (Domaine Ilarria).

Literaturbegleitung: All you can eat

Was Sie zu diesen Weinen essen können, das steht in der neuesten Ausgabe des überaus erfreulichen Magazins „All you can eat“. Wenn Sie eher empirisch vorgehen, sind Sie herzlich eingeladen, sich etwas zum Essen in die Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils mitzubringen und es einfach auszuprobieren. Als ideale Lektürebegleitung erlaubt es sich der Rudl noch einmal, auf die Nummer zwei von All you can eat hinzuweisen, zu erwerben im gut sortierten Fachhandel sowie im Abonnement.

Nicht ausschließlich folgende Weine gibt es diese Woche glasweise in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils

  • 2014 Hégoxuri, Domaine Arretxea, AOP Irouléguy, Sud Ouest (5/8)
  • 2013 Irouléguy Blanc, Domaine Ilarria, AOP Irouléguy, Sud Ouest (5/8)
  • 2012 Irouléguy Blanc, Domaine Ilarria (5/8)
  • 2012 Hégoxuri, Domaine Arretxea (6/9)
  • 2010 Irouléguy Blanc, Domaine Ilarria, AOC Irouléguy (6/9)
  • 2009 Hégoxuri, Domaine Arretxea, AOC Irouléguy, Sud Ouest (6,50/10)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

am Mittwoch, den 10. Mai und am Freitag, den 12. Mai

jeweils von 16 bis 22 Uhr

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag erklären sollte!

Vorschau auf die Lehrveranstaltungen vom 17. und 19. Mai:

vermutlich eine kleine Schilcher-Vertikale von Sepp Muster und andere extraordinaire Rosés

Herr Rudolf würde gerne auf Baskisch grüßen, vermag es jedoch nicht.

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Mittwoch und Freitag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57 Euro

Heute (5.5.) ausnahmsweise erst ab 18 Uhr geöffnet

Wie angekündigt öffnet Caviste Rudolf heute erst um sechs Uhr die Pforten seiner Weinhandlung.

Dafür und auch weil der 2009er Argile Blanc von der Domaine des Ardoisières schon ausgetrunken ist, gibt es quasi abseits des Wochenthemas einen Jahrgangsvergleich 2015 – 2016 vom Zierfandler von Friedrich Kuczera aus Gumpoldskirchen, aber wie gesagt halt erst ab 18 Uhr.

Der Rudl bedankt sich für Ihr Verständnis!