Tannastschaltjahre. Eine kleine Vertikale Haitza, Domaine Arretxea 1996, 2004, 2008 und 2012

Aufeinander angewiesen

 

Es gibt Dinge, die kann man nicht aufhalten. Es gibt auch Dinge, die will man gar nicht aufhalten. Auf den Frühling trifft momentan beides zu, zumindest was den Rudl betrifft. Der schätzt den Winter über alle Maßen. Er schätzt es auch, dass der Winter irgendwann an die Vegetation übergibt. Geht es nach dem Rudl, dann sind Winter und Frühling aufeinander angewiesen wie seinerzeit Stan Laurel auf Oliver Hardy angewiesen war, oder Karl Valentin auf Liesl Karlstadt. Das Konzept des Aufeinanderangewiesenseins scheint heute etwas unzeitgemäß geworden zu sein. An manchen Fußballprofis kann man das beobachten. Und was David Beckham oder Christiano Ronaldo machen, das probiert manchmal auch der Frühling. Der lässt dann den Winter sozusagen einen guten Mann sein und tritt seinen Dienst bereits Mitte Dezember an. Aber das Erwachen der Vegetation macht in den Augen vom Rudl halt nur dann etwas her, wenn sie vorher einmal eine Zeit lang weg, es ordentlich kalt und dunkel gewesen ist, gerade so wie sich dem Rudl seine Lust auf einen sesselklebenden Winter, der auch im März keine Anstalten macht, sich zu verabschieden, in Grenzen halten würde. Heuer scheinen Winter und Frühling ihre Dienstanweisungen gelesen zu haben, ein Winter, der zumindest temperaturmäßig diesen Terminus verdient und damit einen Frühling, den man als solchen wahrnehmen kann, ermöglicht hat.

 

Quod erat demonstrandum, am Beispiel von Herrn Rudolfs Altesse Rebstöcken

 

Dem Rudl seine Altesse Rebstöcke treiben gerade aus. Nach einem Winter, der zur Befürchtung Anlass gegeben hat, dass die abgefroren sind, ist das noch viel schöner. Aber die scheinen ob ihrer Provenienz wirklich ziemlich frostresistent zu sein, selbst dann, wenn sie in Blumentöpfe eingesperrt auf einem Balkon am Rande der pannonischen Tiefebene überwintern.

 

Tannin

 

Gerbstofftechnisch ist der Übergang von Winter auf Frühling eine Zeit, in der die eine oder der andere von Rotwein auf Weißwein umsteigt. Das kann mit der Trinktemperatur zu tun haben, das kann mit dem gerbstoffbedingten Pelz auf der Zunge zu tun haben. Das kann aber auch mit dem Körper zu tun haben. Vielleicht hat es ganz andere Gründe.

Auf alle Fälle möchte Caviste Rudolf, bevor sich der Winter vollends über die Häuser gehaut hat und die Temperaturen auch in der Nacht nicht in den einstelligen Celsiusbereich hinunter kraxeln, noch ein bissl Gerbstoffforschung durchführen.

 

Tannat

 

Wenn es eine Rebsortifizierung von Gerbstoff gibt, ist das Tannat. Der ist nach dem Tannin benannt. Wer reinsortigen Tannat getrunken hat, zweifelt daran keinen Augenblick. Tannat aus Madiran oder Irouléguy hat man früher eine zwanzigjährige Unzugänglichkeit nachgesagt. So lange haben sich die Tannine bitten lassen, es billiger zu geben. Das war eine andere Zeit und das waren andere Weine. Heute versuchen Cabernet Franc oder oder und Cabernet Sauvignon dem Tannat das Wilde ein bissl herunter zu räumen. Auf die Idee, einen Irouléguy Primeur oder einen Tannat Junker zu keltern, wird so schnell trotzdem niemand kommen.

 

Santé!

 

Etliches von dem, was Monsieur Rudolf da gerade über Tannat zum Besten gibt, hat er vor ziemlich genau einem Jahr unter dem Titel „Rote Basken“ zusammen geschrieben. Etwa, dass Tannat als gesündester Rotwein der Welt gilt. Dass es gesünder ist, Wein aufzuheben, als Wein zu trinken, das hat der Rudl in diesem Zusammenhang auch schon angemerkt. Ihm gefällt diese Überlegung auf alle Fälle. Und manchmal fragt er sich, was ihn massiver treffen würde: Wenn ihm jemand das Weintrinken untersagt, oder wenn ihm jemand das Weinsammeln untersagt? Medizinalräte nennen freilich andere Gründe für die positiven Auswirkungen von Tannat auf die Gesundheit. Kein anderer Wein entwickelt so einen Haufen an Procyanidin wie Tannat, viermal so viel wie jeder andere Rotwein, zumindest wenn er traditionell gekeltert wird und also drei bis vier Wochen auf der Maische steht – manchmal auch ungerebelt – und dann im alten Holz ausgebaut wird. Procyanidin beugt Herz- und Kreislauferkrankungen vor und fängt Radikale.

Heute versucht man die Typicität der Rebsorte zu erhalten, aber seine Trinkreife zu beschleunigen. Den besseren Weinbauern gelingt das. Deren Weine zeichnen sich durch reife Tannine und Brombeeraromen aus.

 

Wetter

 

Die paar Hügeln vor den Pyrenäen, auf die sich die Appellation Irouléguy erstreckt, erheben sich etwa über tausend Meter. Die Westhänge dieser Hügel sind meistens sehr grün, weil der Wind die Wolken vom dreißig Kilometer entfernten Atlantik herein trägt, es diesen dann aber bald einmal zu blöd wird. Darum gibt es in Irouléguy auch in heißen Jahren kaum Trockenstress. So heiß wie auf der anderen Seite im Roussillion wird es sowieso nicht. Dafür sorgt kühler Wind vom Atlantik. Und im Herbst, wenn es dann zählt, trocknet der warme Südföhn von den höheren Bergen herunter die Trauben und schützt sie vor den Schwammerln. Nicht die widrigsten Konditionen für Wein.

 

Boden

 

Yves Hérody, Geologe aus dem Jura, bezeichnet Irouléguy als Mosaik von über vierzig unterschiedlichen Böden. Es dominiert besonders eisenhaltiger Sandstein aus dem unteren Trias, etwa 230 000 000 Jahre alt, teilweise terrassiert.

 

Schafe, Trauben und Läuse

 

Weinbau ist in Irouléguy bis ins zwölfte Jahrhundert nachweisbar. Die Mönche von Roncevaux haben damals dort Wein angebaut. Seinerzeit ist in Roncevaux auch diese blöde Geschichte mit dem Roland passiert. Das können Sie beim Phaffen Chunrat im Rolandslied nachlesen. Die Franzosen wollten später dort keinen Wein. Die Basken schon. Und Bergbewohner können ziemlich stur sein. Das ist im Baskenland nicht anders als in den Alpen. Bis ins neunzehnte Jahrhundert ist die Rebläche auf 1700 Hektar angewachsen. Um ein Haar hätte die Reblaus dann geschafft, woran die Franzosen vorher gescheitert waren, dem Weinberg von Irouléguy nämlich den Garaus gemacht. Jetzt wächst er wieder und hält bei 220 Hektar, größtenteils Terrassenlagen. Für die Appellation zugelassen wären viel mehr. Aber wo vielleicht Weingärten stehen sollten, rennen oft Schafe herum. Dass es sich selbst bei Schafen und Weintrauben nicht um eine Unvereinbarkeit handeln muss, zeigt der Weingarten von Thérèse und Michel Riouspeyrous. Dort bearbeiten und bereichern Schafe nach der Lese die Böden.

Früher sollen Bergbewohner mit robusten Kehlen das Zielpublikum der harten und säureintensiven Weine aus Irouléguy gewesen sein. Ab den Achtziger Jahren hat man dann begonnen, Reben zu selectionnieren und auf die einzelnen Terroirs abzustimmen, tendenziell mit eher fruchtigen Weinen auf Sandstein, weicheren auf Kalk und körperreicheren auf den Ton-Dolomit-Ophit-Verwitterungsböden. 1970 wurde Irouléguy der Status einer Appellation zuerkannt. Die Genossenschaft ist heute eine der renommiertesten Frankreichs und das, obwohl die Zahl der Winzer, die selber vinifizieren, Jahr für Jahr steigt. 2000 waren es fünf, heute sind es mindestens neun. Die Autoren der N° 4 von Les Feuilles du Pin á Crochet haben das vor über zehn Jahren gewusst. Sie beschreiben Irouléguy 2003 als „vignoble en pleine expansion“, „qui va sûrement progresser dans les décennies à venir“, ein aufstrebendes Weinbaugebiet, das in den kommenden Jahrzehnten von sich reden machen wird.

 

Domaine Arretxea

 

Thérèse und Michel Riouspeyrous haben etwas mit auffällig vielen Weinbauern, deren Weine Herr Rudolf verkaufen darf, gemeinsam. Ihre Vorfahren haben ein Weingut bewirtschaftet. Sie selber waren dann ein Zeitl weg. Dann sind sie wieder zurückgekommen und haben auch Wein gemacht. Zum Glück.

Riouspeyrous haben zu Beginn der Neunziger Jahre mit einem Schieferterroir begonnen, 2004 ist dann ein Weingarten auf Sandstein dazu gekommen. Und seit 2007 vinifizieren sie auch die Trauben von Pantxo Indart aus dessen biodynamisch bewirtschafteter Parzelle auf magmatischem Ophite.

Die acht Hektar von Thérèse und Michel Riouspeyrous sind südlich ausgerichtet und ziemlich steil, teilweise terrassiert.

 

Haitza 2012, Domaine Arretxea, AOS Irouléguy, Sud Ouest

 

Siebzig Percent Tannat, dreißig Cabernet Sauvignon. Ausbau teilweise in Manhartsberger Eiche von Stockinger, einem Fassbinger, auf den der Rudl in Frankreich immer wieder angesprochen wird. Vor allem zu allem, was auf dem Wasser schwimmt oder über das Wasser fliegt. Schwammerl tun weder das eine noch das andere, passen aber trotzdem ganz gut zum Haitza.

Geregnet hat es 2012 genug, vor allem im April, im Juni und im Juli. Weniger in Reindorf, da kann sich der Rudl noch gut erinnern, weil er da den Verputz in seiner angehenden Weinhandlung herunter geschlagen, in Bauschuttsäcken mit dem Auto zum Mistplatz gebracht und dann die Wände mit einem Drahtbürstel abgerieben hat, bei karibischen Temperaturen. Braucht unbedingt Luft, der Haitza.

 

Haitza 2008, Domaine Arretxea, AOC Irouléguy, Sud Ouest

 

2008 war auch Süd-Westen entsetzlich nass. Man muss bis ins Einundneunziger Jahr zurückgehen, damit man ein Jahr findet, in dem sich noch weniger Weintrauben der unheiligen Schimmeldreifaltigkeit, Oïdium, Meltau und Graufäule entziehen können haben. Ungewöhnlich heiße Phasen im Frühling, Hagel und Frost komplettieren die Vorgabe von einem Jahrgang. Der Rudl kann sich trotzdem an keinen schlechten Zweitausendachter aus dem Süd-Westen erinnern. Und das können Sie, geneigte Oenologin, gewogner Oenologe, ihm gerne so oder so auslegen. Monsieur Rudolf mag den Jahrgang.

 

Haitza 2004, Domaine Arretxea, AOC Irouléguy, Sud Ouest

 

Nach einigen Sommern, in denen das Wetter sehr bis ganz gewaltig von der Rolle war, dürfte es 2004 wieder halbwegs zur Besinnung gekommen sein, wobei den Weingärten der Schock des vorangegangenen Jahres noch in den Stöcken zu sitzen schien. Auch im Süd-Westen. Nur dass dort der Affenhitze ein Winter des anderen Extrems folgte. Minus sieben Grad sind in Bergerac nichts Allwinterliches. Aber ein niederschlagsreicher Winter und ein ebensolcher Frühling haben eine solide Basis für einen warmen Sommer ohne Trockenstress gelegt.

 

Haitza 1996, Domaine Arretxea, AOC Irouléguy, Sud Ouest

 

Caviste Rudolf hat das eine oder andere Weinbüchl und er hat auch einen Zugang zum Internet. Auskünfte über den Weinjahrgang 1996 in Irouléguy oder wenigstens ganz allgemein im Süd-Westen Frankreichs hat er nicht geschafft aufzustellen. In Bordeaux gilt der Sechsundneunziger als exzellenter Jahrgang. Und das ist nicht so weit weg von Irouléguy.

Abgesehen vom Wein war es eines der übelsten Jahre, die der Rudl kennt. Er hat in diesem Jahr zwar seine Ausbildung formal abgeschlossen. Aber bereits die widerwillig absolvierte Teilnahme an der Sponsionszeremonie hat mehr als nur zur Befürchtung Anlass gegeben, dass der akademische Eid entweder vorsätzlich zu Unrecht affirmativ quittiert oder einfach nicht verstanden worden ist. Wenige Tage vorher war Sir Paul Gascoigne in der Golden-Goal-Nachspielzeit des EM-Semifinales England v Deutschland einen Meter vor dem leeren Tor um sicher nicht mehr als zehn Zentimenter am Ball vorbei gerutscht und in der Folge Deutschland Fußballeuropameister geworden.

 

Die folgenden vier Weine …

 

Haitza 2012, Domaine Arretxea, AOS Irouléguy, Sud Ouest (5/8)

Haitza 2008, Domaine Arretxea, AOC Irouléguy, Sud Ouest (6,50/10)

Haitza 2004, Domaine Arretxea, AOC Irouléguy, Sud Ouest (6,50/10)

Haitza 1996, Domaine Arretxea, AOC Irouléguy, Sud Ouest (8/12)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

 

, selbstverständlich nicht ausschließlich diese vier Weine gibt es glasweise

 

am Mittwoch, den 22. März und am Freitag, den 24. März

jeweils von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

 

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag erklären sollte!

Herr Rudolf grüßt heuer ganz besonders den Frühling und die Knospen seiner Altesse-Reben!

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Mittwoch und Freitag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57 Euro

Erde. Eine Weinzeitreise über dreitausend Millionen Jahre und die Kinderabteilung der städtischen Bücherei in Simmering

Organische und anorganische Tiere

Der Fils hat gerade die Dinosaurier und eine ganz andere Zeit entdeckt, eher zur Verwunderung vom Rudl. Den haben schon als Kind lebende Viecher mehr interessiert als tote, mehr als ausgestorbene sowieso. Und er hat mit Pflanzen immer mehr angefangen als mit Viechern. So ist es praktisch heute noch beim Kochen, wobei er auf ein kleines Stück Fleisch, quasi als Beilage, nicht verzichten möchte, gerade so wie der Kurtl.

Der Vater vom Rudl, der in seiner Freizeit nichts lieber getan hat, als in Steinbrüchen und auf Geröllhalden herum zu kraxeln, um dort nach Ammoniten zu suchen, hat vermutlich schon bedauert, dass sein Bub sich mehr für die lebenden Forellen im Bach als für die versteinerten Schnecken auf dem Berg begeistert hat. Und gerade so bedauert es der Rudl, dass der Fils justament lieber zuhause in seinen Saurierbüchern blättert, als mit ihm zum Heurigen zu fahren.

Nur ist ein Fils mit Charakter halt nicht dazu da, die Interessen, Passionen und Begeisterungen seines Vaters zu teilen. Das ist wahrscheinlich gut so. Darum ist der Rudl jetzt zur Auseinandersetzung mit Dinosauriern gezwungen. Ein mit an Besessenheit hoffentlich nur grenzendem Interesse für Wein ausgestatteter Mensch wie der Rudl zieht ja dann sowieso unweigerlich seine Verbindungen von den Urzeittieren zum Wein, über den Boden zum Beispiel. Vor knapp zweihundert Millionen Jahren waren die Saurier groß im Geschäft. Die Böden im Jura, aber auch die, auf denen zum Beispiel der Marestel oder der Clos la Néore von Edmond Vatan in Sancerre wächst, sind damals gerade erst entstanden. Aus heutiger Sicht haben sie sich auch viel länger gehalten als die Dinosaurier. Aber nachher ist man zugegebenermaßen immer gscheiter. Und als Boden hat man es im Vergleich zu so einem Saurier vermutlich auch einfacher. Da kann einen zwar das eine oder andere erschüttern, aber existenziell wird es nicht so schnell. Vor etwa fünfundsechzig Millionen Jahren sind die Viecherl ausgestorben. Ein Meteorit, Vulkanismus und klimatische Veränderungen haben ihnen das Leben zuerst schwer, dann unmöglich gemacht. In einem Kinderbuch aus der Städtischen Bücherei ist das in Form eines Mordstohuwabohus rund um eine lodernde Kugel und einen ausbrechenden Vulkan dargestellt. Im Vordergrund macht ein ganzes Rudl gezeichneter Dinosaurier einen alles andere als koordinierten Abgang. Irgendwie ist dieses Bild beim Rudl hängen geblieben. Die zugegebenermaßen weder ganz neue, noch besonders elementare Erkenntnis, dass nicht schon immer alles so war, wie es heute ist, wurde durch die flüchtenden Dinosaurier lebendig. Manchmal kommt dem Rudl ja schon die Welt vor der Verhängung der Handfessel mit dem Wischscreen ziemlich unreal vor, die in den Siebziger Jahren sowieso. Aber das Bild von den überdimensionierten Urzeittieren, die sich in Anbetracht massiverer Aus- und Umbrüche über die Häuser hauen und die das auf demselben Planten machen, auf dem wir heute das neueste Foto vom Kipferl beim Frühstück teilen, das hat den Rudl nachhaltig beeindruckt. Und plusminus damals hat zum Beispiel der Boden für die Weingärten in der Champagne angehoben zu entstehen. Gar nicht so leicht fassbar, wenn man vor einem Flascherl Dom Perignon sitzt.

Erde

erleben kleine Kinder zuerst einmal als Dreck, wenn sie gemaßregelt werden, weil sich Rückstände von ihr nach dem Ballspielen auf der Wiese in ihren Freizeittextilien wieder finden.

Landwirtschaftlich im Allgemeinen betrachtet ist die Erde vor allem Kompost, oenologisch im Besonderen ist der in der Erde enthaltene Anteil der aus der mineralischen Erosion resultierenden Endprodukte von vorrangigem Interesse.

Sehr, sehr, sehr uralt

Das Schilcherland gehört zum steirischen Randgebirge und ist irgendwann im Archaikum entstanden. Dreitausendachthundert bis zweitausendfünfhundert Millionen Jahre ist das jetzt her. Der Rudl fährt seit gut zwanzig Jahren immer wieder in diese Gegend. Die hat auf ihn immer etwas uriger als andere Weinbaugebiete, zumal steirische, gewirkt. Aber er würde nicht so weit gehen, das mit dem Boden in Verbindung zu bringen. Aber was weiß man. Gelegentlich hängen Dinge und Sachverhalte über etliche Ecken miteinander zusammen. Rein bodenbetrachtungstechnisch sieht man den Steinen um Lestein, wo Christine und Franz Strohmeier wohnen, nichts an. Die haben sich ganz passabel gehalten.

Trauben, Liebe und Zeit N°6 2013, Christine und Franz Strohmeier, Lestein, Weststeiermark

Chardonnay und Weißburgunder, kein zugesetzter Schwefel, dafür beträchtliche Gerbstoffe, resultierend aus Inklusion von Schalen, Kernen und Stielen während der geheimnisvollen Zeit der Gärung. Neun Monate in gebrauchten Fässern.

Gerade erleichtern scheint die Gärerei auf der Maische es nicht, den Boden, auf dem ein Wen gewachsen ist, zu identifizieren. Aber dem Rudl seiner Auffassung nach haben interessante Dinge sowieso nicht den Sinn, etwas zu erleichtern. Darum haben manche Zeitgenossen zwar einen bemerkenswerten Instinkt für den Weg des geringsten Widerstandes, aber ein interessantes Leben führen sie nicht. Davon ist Monsieur Rudolf ziemlich überzeugt.

Auch sehr, sehr, sehr uralt

Das Muscadet ist starkt vom Granit geprägt und präkambrischer Provenienz, an sich nicht die unpassabelste Basis für guten Wein. Trotzdem hat man das Prestige der Appellation in den Sand gesetzt. Aber dafür kann der feinkörnige Granit nichts. Vielleicht täte es dem einen oder anderen Weinbauverein in Österreich nicht schlecht, eine Exkursion in den Muscadet zu unternehmen. Man kann am Beispiel des Muscadets ganz gut sehen, wie man als angesehenes Weinbaugebiet seinen Ruf durch unkontrolliertes Ausreizen und permanentes Steigern der Mengen versaut.

Der Weg zurück beginnt im Hochland rund um Clisson und Gorges. Dort gibt es eine geologische Besonderheit. Gabbro, dunkles, vulkanisches Gestein. Drei, vier Crus, unter ihnen der Gorges, haben sich auf den steinigen Weg zurück zu Ansehen und Respekt gemacht haben.

Muscadet 2004, Michel Brégeon, Les Guisseaux, Gorges

89 sagenhafte Monate auf der Feinhefe in unterirdischen verfliesten Behältern. Caviste Rudolf verspürt gelegentlich körperliche Symptome, wenn er im Zusammenhang mit Wein das M-Wort hört. Aber die Muscadets von Monsieur Michel bezeichnet sogar der Herr Rudolf als „mineralisch“.

Sehr, sehr, sehr alt

Böhmische Masse klingt in österreichischen Ohren vermutlich sowieso schon alt. Vor wessen geistigem Auge steigt da nicht das Bild vom brillantingekämmten Heinz Conrads, an das Klavier gelehnt, auf? Aber die Böhmische Masse ist jetzt, sofern es nicht um Knödel oder Powidltatschkerl geht, viel älter. Im Proteiozoikum, vor etwa zweitausendfünfhundert bis fünfhundertneunzig Millionen Jahren liegt die Wurzel für die Grenze zwischen Wald- und Weinviertel und bis zu einem gewissen Grad auch die zwischen Riesling- und Veltlinerlagen in der Wachau. Eine so eine Lage heißt Achleiten. Viele sind es nicht, die dort ein paar Rebzeilen ihr Eigen nennen dürfen. Ein Engländer aus Stoke-on-Trent gehört zum erlauchten Kreis. Sein Name ist dem Rudl entfallen. Bis zum Jahrgang 2013 hat der Sohn eines Braumeisters aus den Trauben seiner Rebstöcke selber Wein gemacht. Er muss die Trauben auch in warmen Jahren ziemlich spät gelesen haben. Irgendwann, auf alle Fälle aber vor dem Herbst 2014 ist ihm klar geworden, dass er leidenschaftlich gerne biologisch seine Rebstöcke pflegt, der Arbeit im Keller aber nicht ganz so viel Begeisterung entgegen bringt. Er hat die Konsequenz gezogen und die Trauben der Dürnsteiner Winzerin Theresia Harm vom Weingut Schmidl verkauft.

Riesling Smaragd Achleiten 2014, Weingut Schmidl, Dürnstein, Wachau

Smaragd gegen den Hauptsache-breit-Trend

Sehr, sehr alt

In der Steiermark scheint es an Weingartenboden eh so ziemlich alles zu geben, was Gott und Lagerhaus („Wer is stärker?“, sagt der Fils ganz gerne) zugelassen haben. Löss vermutlich nicht, abgesehen davon fehlt nicht viel.

Das Sausal ist, was den Schieferboden betrifft, aus dem Paläozoikum. Dass Karl Schnabel in die verkalkte Burgund gefahren ist, um das Handwerk zu lernen, passt da nicht perfekt ins Bild. Wenn man ihn ein bissl kennt, aber gerade umso besser. Wer führt schon ein Rotweingut in der Steiermark? Der Rudl kennt nur Karl Schnabel.

Rotburger Kreuzegg 2013, Weingut Schnabel, Sausal, Südsteiermark

Sausaler Schieferboden, um die vierhundert Millionen Jahre.

Sehr alt

Das Jura kommt im Zusammenhang mit Wein relativ oft vor, geographisch und geologisch. In Frankreich und in Österreich auch.

Grüner Veltliner Hundsberg 2011, Leo Uibel, Ziersdorf, Weinviertel

Der Ziersdorfer Köhlberg war seinerzeit einmal eine Klippe. Aber das ist jetzt auch schon wieder an die zweihundert Millionen Jahre her. Jetzt ist der Muschelkalkunterboden bedeckt von einer Mischung aus Sand und Lehm. Vierundfünfzig Jahre alte Rebstöcke und ein Jahr im großen Holzfass auf der Feinhefe. Zeit. Zeit. Und noch einmal Zeit.

Roussette de Savoie 2013, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOP Roussette de Savoie

Chignin-Bergeron „Les Fripons“ 2015, Gilles Berlioz, Chignin, Savoie

Geröllhalden aus Mergel und Jurakalk. Mehr dazu in den Skripten zur Lehrveranstaltung der vergangenen Woche. Besondere Beachtung wird dabei dem Element Sauerstoff zukommen zu lassen sein. Die Flasche wurde am 8. März geöffnet und hat sich als halbwegs reserviert erwiesen.

Alt

Vor etwa fünfundsechzig Millionen Jahren, an der Grenze vom Mesozoikum zum Känozoikum sind die Dinosaurier ausgestorben, und es entstand der Wiener Wald. Voreilig Kausalitäten zu sehen ist sicher problematisch. Aber ob es wirklich ein reiner Zufall ist, dass die Saurier gehen, wenn der Wiener Wald kommt? Auf den Rudl haben der Westen und der Südwesten von Wien immer ein bissl morbid gewirkt. Und der lebenslustige Ostbahn heißt vermutlich auch nicht aus purem Zufall so. Geologisch gehört das Weinbaugebiet Thermenregion zum Wienerwald. Und wenn damit auch die Gegend um die SCS und die Pyramide von Vösendorf gemeint ist, dann hat der Rudl vollstes Verständnis für die Saurier.

Zierfandler 2015, Friedrich Kuczera, Gumpoldskirchen, Thermenregion

Der Bioweinpionier und frühere Obmann des Biobauernmarktes auf der Freyung ist in der wohlverdienten Rente. Und der Markt auf der Freyung ist kein Bauernmarkt mehr. Ruhig ist Friedrich Kuczera deswegen aber noch lange nicht. Zwei kleine Zierfandlerweingärten hat er behalten. Den Heurigenbetrieb 2017 um 12,5 %, von acht Tagen im Jahr auf neun Tage erweitert. Sein Zierfandler ist für den Rudl eine Rehabilitation der Rebsorte in Anbetracht der fetten und holzigen Art und Weise, auf die sie heute viel zu oft verunglimpft wird.

Jünger, aber auch noch alt

Wenn der Rudl 1 und 1 anders als der Kurtl zusammen zählt, müsste der Opok, auf dem die Weine von Maria und Sepp Muster wachsen im mittleren Tertiär entstanden sein. Damit wären sie in etwa dreißig Millionen Jahre alt.

Erde 2013, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Steirerland

Sauvignon Blanc und ein bissl Morillon, sechs bis zwölf Monate grundelt der Wein auf der Maische dahin, ein paar Traubernstiele sind auch dabei. Dann noch einmal ein Jahr plusminus zwei Monate im großen Holzfass. Wie es das geben kann, dass ein auf diese Weise vinifizierter Wein derartig präzise und sauber schmeckt, drängt dem Rudl das Wort „Mysterium“ auf. Und das verwendet er noch weniger gern als das andere M-Wort.

Schon deutlich jünger

Gegen Ende des Tertiär sind dann Süßwasserablagerungen entstanden. Das Pannon ist eine davon. Und viele Weine im Seewinkel wachsen auf diesem Pannon.

Rotburger 2013, Biohof Heideboden, Pamhagen, Neusiedlersee ohne DAC

Noch jünger, trotzdem werden sich viele nicht mehr daran erinnern

Im Quartät hat sich der Wind dann auch noch wichtig gemacht. Wenn man die klimatischen Gegebenheiten in Ostösterreich kennt, ist es ja eher verwunderlich, dass er sich bis zum Quartät zurück gehalten hat. Löss.

Grüner Veltliner Spiegel 2014, Mantlerhof, Brunn im Felde, Kremstal

Das Weingut, dem sich der Rudl am längsten verbunden fühlt, ist ziemlich sicher der Mantlerhof. Völlig zurecht.

Die folgenden Weine

  • Grüner Veltliner Spiegel, Mantlerhof, Brunn im Felde, Kremstal (4/6)
  • Rotburger 2013, Biohof Heideboden, Pamhagen, Neusiedlersee ohne DAC (2/3)
  • Erde 2013, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Steirerland (6,50/10)
  • Zierfandler 2015, Friedrich Kuczera, Gumpoldskirchen, Thermenregion (2,50/4)
  • Roussette de Savoie 2013, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOP Vin des Savoie (3/5)
  • Chignin-Bergeron „Les Fripons“ 2015, Gilles Berlioz, Chignin, Savoie (5/8)
  • Grüner Veltliner Hundsberg 2011, Leo Uibel, Ziersdorf, Weinviertel (4,50/7)
  • Rotburger Kreuzegg 2013, Weingut Schnabel, Sausal, Südsteiermark (4/6)
  • Riesling Smaragd Achleiten 2014, Weingut Schmidl, Dürnstein, Wachau (5/8)
  • Muscadet 2004, Michel Brégeon, Les Guisseaux, Gorges (5/8)
  • Trauben, Liebe und Zeit N°6 2013, Christine und Franz Strohmeier, Lestein, Weststeiermark (5/8)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

, aber nicht ausschließlich diese Weine gibt es glasweise

am Mittwoch, den 15. März und am Freitag, den 17. März

jeweils von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag erklären sollte!

Herr Rudolf grüßt ganz besonders den Styracosaurus, vlg. Störakkusaurus und alle seine näheren und entfernteren Verwandten!

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Mittwoch und Freitag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte  Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57 Euro

Allez, Les Filles! Alles Gute zum internationalen Frauentag! Ein der Ausgewogenheit verpflichteter Tribut den Madln und Spitzbuben, … und dem Bräustüblfastenbier auch

Das mit den Tagen ist auch so eine Gschicht. Vielleicht braucht man bestimmte Tage, an denen etwas Bestimmtes in den Vordergrund gestellt wird. Oder ist es nur eine Augenauswischerei, wenn ich am Tag X ein besonderes Getue um X mache und mir X an den übrigen Tagen im Jahr umso wurschter ist? Der Rudl kann sich noch an das Jahr des Kindes erinnern. Das war 1979. Und er kann sich auch noch daran erinnern, dass etliche Erwachsene das ganze Jahr lang polemisiert haben, was für ein Blödsinn so ein Jahr des Kindes eigentlich sei. Für den Rudl war es damals eine große Genugtuung, das „Jahr des Kindes“. Er hat es als sein Jahr und das seiner Freunde betrachtet. Die meisten Tage kennt der Rudl gar nicht. Einige aber schon. Bei einigen tut er sich ein bissl schwerer nachzuvollziehen, warum es sie gibt, als bei anderen. Und noch schwerer tut er sich nachzuvollziehen, warum es andere Tage gar nicht gibt, zum Beispiel einen Welttag der Herzensbildung. Wobei sich da wieder die ganze Ambivalenz der Tage zeigt. Wahrscheinlich würde ein Tag der Herzensbildung im Handumdrehen von den Herzlosesten, die sich bemerkenswert oft auch als Hirnlose erweisen, gekapert. Alles schon dagewesen. Denken Sie an die Nächstenliebe! Den Welttag der Standards am 14. Oktober hat man nicht auf Betreiben vom Rudl hin eingeführt. Den Frauentag findet Herr Rudolf ganz passabel. Darum würdigt er ihn auch, zumindest so lange es nicht gleiche Marie für gleiche Leistung gibt. Ganz ehrlich muss Caviste Rudolf aber gestehen, dass er Sie an dieser Stelle und zu dieser Zeit aus anderen Gründen mit seinen Überlegungen zum internationalen Frauentag beglückt. Er möchte Ihnen einen neuen Wein in seinem Sortiment vorstellen. Der conveniert ihm außerordentlich und der heißt „Les Filles“. Wann würde der besser passen als am internationalen Frauentag?

 

Gilles Berlioz aus Chignin. Ein Winzerautodidakt wie er in keinem Buche steht

 

Es gibt Weinbauern, die ihr Weingut von ihren Eltern übernommen haben und guten Wein machen. Es gibt Weinbauern, die ihr Weingut von ihren Eltern übernommen haben und nicht so guten Wein machen. Es gibt Weinbauern, die einen anderen Beruf gelernt, dort einen Haufen Knödel gemacht, dann ihre Lebensplanung geändert haben und guten Wein machen. Es gibt Weinbauern, die einen anderen Beruf gelernt, dort einen Haufen Knödel gemacht, dann ihre Lebensplanung geändert haben und nicht so gut Wein machen. Es gibt Weinbauern, die ihren Beruf gelernt haben, obwohl ihre Familie nichts mit Weinbau zu tun gehabt hat, und guten Wein machen. Es gibt Weinbauern, die ihren Beruf gelernt haben, obwohl ihre Familie nichts mit Weinbau zu tun gehabt hat, und nicht so guten Wein machen. Und es gibt Gilles Berlioz. Als Sohn eines Hacklers hat er zuerst auf Paysagiste gelernt. 1990 haben seine Frau und er dann beschlossen, Weinbauern zu werden, mit 0,8 Hektar, als Autodidakten. In den Folgejahren haben sie die 0,8 Hektar auf sieben erweitert, um sie danach wieder um die Hälfte zu reduzieren und biologisch umzustellen. Der Schritt zur Biodynamie war dann kein ganz abwegiger. Besonders hoch im Kurs steht bei Gilles Berlioz die Intuition.

 

Chignin

 

… liegt am Südwesthang im Combe de Savoie, das ist das Tal der Isère nach Albertville hinein. Die Rebstöcke stehen auf Geröllhängen aus Jurakalk und Mergel und schauen hinunter auf den „Boulevard des Alpes“. Dort fahren im Winter die Kraxen in die Skigebiete hinauf, im Sommer auf Turin hinunter. Gilles Berlioz ist in Chignin daheim.

 

Roussanne

 

… ist auch in Chignin daheim, so daheim, dass sie in Savoyen Chignin-Bergeron genannt wird. Vom Prestige gehören diese Weine ziemlich sicher zu den renommiertesten in Savoyen, von den Preisen her auch. Ursprünglich herkommen tut Roussanne angeblich aus Tain l’Hermitage, wobei das mit den Ursprüngen dem Rudl seines Erachtens auch immer ein bissl überbewertet wird. Einerseits findet es Herr Rudolf hoch interessant, nach Ursprüngen zu fragen. Andererseits geht ihm das dogmatische oder neurotische Getue um die Wurzeln, das jede noch so dezente Kritik oder jeden Vorschlag eines Äutzerls an Veränderung zum Verrat oder zur Verletzung der Ehre aufbläst, ganz außerordentlich auf die Nerven. So oder so dürfte es die Roussanne schon ziemlich bald einmal von der Rhône nach Savoyen verschlagen haben, allerdings ausschließlich in die Gegend um Chignin.

Sehr geringe Erträge und eine prekär späte Reife dürften ein Grund für das Schrumpfen der sowieso homöopathischen Dimensionen mit Roussanne bestockter Rebfläche in Savoyen sein. Die relativ hohen Preise des Chignin-Bergeron könnten auch eine Rolle spielen. Monsieur Rudolfs Erklärung ist, dass die zweitausend Hektar kleine Weinbauregion Savoyen mit Jacquère und Altesse zwei ausgesprochen kompetente Rebsorten hat und andere Rebsorten dort nicht gerade dringend abgehen.

Die Kalkkieselböden bei Chignin scheinen es der Roussanne trotzdem angetan zu haben. Kleine, zylindrische Trauben, kurzer Stiel, kugelförmige Beeren und ein goldgelber Teint mit rostbraunen Einsprengseln. Zucker vermag sie viel einzulagern, entsprechend solide können die Alkoholwerte der aus ihr gekelterten Weine ausfallen. Haselnuss- und Weißdornaromen sind nicht ungewöhnlich. Eine lange Lagerfähigkeit angeblich auch, vermutlich aber nur, wenn die Säure passt.

 

Les Filles

 

Mouton-Rothschild der Weine von Savoyen heißen sie „Les Filles“ von Gilles Berlioz immer wieder. Viel spricht nicht für diesen Vergleich. Eines dafür umso mehr: Seit Gilles Berlioz den Wein 2007 zum ersten Mal gemacht hat, ziert ein Bild von Frauen, oft von denen, die am Weingut arbeiten, das Etikett. Jedes Jahr darf eine anderer Künstler das Thema der Madln, Damen, Frauen und Herrinnen in einem anderen Stil deklinieren, von sehr abstrakt bis photographiert, dem Rudl seinem Geschmack nach die nicht peinliche Alternative zu Testalonga und Ganevat.

 

2015

 

Fragen Sie den Rudl bitte nicht, was er meint, wenn er die Aromen in einem Wein als „präzise“ bezeichnet. Er weiß es selber nicht genau, zumindest vermag er es nicht auszudrücken. Als er vorigen Sommer die Zweitausendfünfzehner und in diesem Fall auch Zweitausendfünfzehnerinnen bei Gilles Berlioz verkostet hat, hat er diese ausgesprochen großzügig und barock, mit einer Präzision, die sich gewaschen hat.

 

2014

 

Auch in Savoyen ein prekärer Jahrgang.

 

2013

 

Da ist der Rudl befangen. Aber das ist wurscht. Mehr über den Weinjahrgang 2013 steht im Newsletter der vergangenen Woche.

 

2010

 

Auf einen kalten, niederschlagsreichen Winter folgt ein sonniger, aber nicht besonders trockener Frühling. Der Sommer erweist sich hinsichtlich heißem und kühlem Wetter als um Ausgewogenheit bemüht, caniculairer Juli, reifebremsender August. Soweit kennt man den Jahrgang 2010 auch in Österreich. Im September ist das Wetter in Frankreich dann aber abgebogen. Während es in manchen Gegenden Österreichs viel geregnet hat, war es fast in ganz Frankreich sonnig. In Savoyen darüber hinaus auch recht frisch in der Nacht. Nicht die allerungünstigsten Voraussetzungen für einen formidablen Jahrgang, in besonderem Maß bei spätreifenden Rebsorten.

 

2008

 

… hat die allerlängste Zeit keinen Anlass zur Sorge bereitet, bis es dann Ende August und Anfang September ungewöhnlich nass geworden ist. Für so manche Jacquère ist sich das dann mit der Reife nicht mehr ausgegangen. Altesse, Chignin-Bergeron und vor allem die Roten haben sich wieder erfangen.

 

2015, Les Fripons

 

Und weil sich Monsieur Rudolf, vergleichbar mit dem Sommer 2010, um Ausgewogenheit bemüht, kredenzt er zum internationalen Frauentag auch Gille Berlioz‘ komplementären Chignin-Bergeron. Les Fripons, tonisch wie  Chinin, aus Chignin, wenn Sie dem Rudl diesen Kalauer gestatten.

 

Die folgenden Weine von Gilles Berlioz:

 

  • Chignin-Bergeron „Les Filles“ 2015, Gilles Berlioz, Chignin, AOP Vin de Savoie (5/8)
  • Chignin-Bergeron „Les Filles“ 2014, Gilles Berlioz, Chignin, AOP Vin de Savoie (6/9)
  • Chignin-Bergeron „Les Filles“ 2013, Gilles Berlioz, Chignin, AOP Vin de Savoie (6/9)
  • Chignin-Bergeron „Les Filles“ 2010, Gilles Berlioz, Chignin, AOC Vin de Savoie (6,50/10)
  • Chignin-Bergeron „Les Filles“ 2008, Gilles Berlioz, Chignin, AOC Vin de Savoie (6,50/10)
  • Chignin-Bergeron „Les Fripons“ 2015, Gilles Berlioz, Chignin, AOP Vin de Savoie (5/8)(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

     

    …, aber nicht ausschließlich diese Weine gibt es glasweise

     

    am Mittwoch, den 8. März und am Freitag, den 10. März

    jeweils von 16 bis 22 Uhr

    in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

     

    Auch das Fastenbier vom Bräustübl in Salzburg Mülln wird ab sofort wieder ausgeschenkt.

    Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag erklären sollte!

     

    Vorschau auf die Lehrveranstaltungen vom 8. und 10. März:

    ziemlich sicher etwas Geologisches

     

    Herr Rudolf kann dieses Mal gar nicht anders, als wie seinerzeit Professor Conrads zu grüßen. Und er tut das hiermit auch!

     

    Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

     

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Mittwoch und Freitag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte  Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57 Euro

 

Vile Felsen und ein Bild. Vertikale Roussette de Savoie, Domaine Dupasquier, Mittwoch! und Freitag (vol. 1. Die Basis ohne Restsüße)

Bilder und Traumata

 

Der Rudl hat ein gespaltenes Verhältnis zu Bildern, früher einmal und immer noch fasziniert vor allem von den bewegten Bildern auf der Leinwand, heute, im Zeitalter der geteilten Bilder, vor allem solcher vom Müsli und der Selbstis skeptisch bis angewidert.

Es mag sich dem Rudl nicht und nicht eröffnen, welchen Mehrwert so manches Bilderl neben einem Text hat. Welchem Bild gelingt es, die Information in einem Text notwendig zu präzisieren oder zu erweitern? Fälle, in denen Information in einem Text durch ein Bild unabsichtlich oder absichtlich entstellt worden ist, fallen dem Rudl dagegen zum Saufüttern ein. Und jeder Blick auf die Titelseite einer der verinseratisierten Steuerspenden als Wiener Qualitätsblätter zeigt eine Informationsentstellung mehr.

Gar nicht so selten hat Monsieur Rudolf den Eindruck, ein Bild solle ihn dazu bewegen, sich mit einem Text auseinanderzusetzen, der ihn ungefähr so interessiert wie die Naturschönheiten rund um die Kreisverkehre in den Gewerbegebieten bei Parn- oder Eugendorf.

Vielleicht hat dem Rudl seine Skepsis aber auch mit frühkindlichen Traumata zu tun. Seinerzeit, in der Schule hat sich der Rudl eigentlich nur vor zwei Dingen gefürchtet. Blöderweise waren das Stunden, auf die sich andere gefreut haben. Aber wenn Zeichnen oder Geräteturnen auf dem Programm gestanden ist, dann hat beim Rudl wirklich der Hut gebrannt. Malen ja, aber zeichnen nicht ums Verrecken. Sport auch ja, nur nicht auf dafür gebauten Geräten.

 

Du sollst dir kein Bild machen.

 

Dass es in den Ausführungen vom Rudl so gut wie keine Bilder gibt, hat also theologische Gründe und ist nicht darauf zurückzuführen, dass Herr Rudolf keinen Scanner zu betätigen vermöchte, auch nicht auf Urheberrechtsfragen. Der Rudl würde die alttestamentliche Warnung vor den Bildern gerne viel konsequenter beachtet wissen, denn er ist der Meinung, dass man nicht nur Gott, sondern auch Menschen, Viecher, Dinge, Sachverhalte sowie dergleichen in einen Rahmen einsperrt, wenn man sie abbildet. Und Eingesperrtes ist vielleicht bemitleidenswert oder befürsorgenswert, interessant findet es der Rudl in den allerseltensten Fällen.

Aber der Analphabetismus war schon vor über tausend Jahren ein Hindernis für einen sparsamen Umgang mit Bildern. Da wären wir wieder bei den Qualitätsblättern und den BildungsexpertInnen.

So, jetzt hat es Caviste Rudolf wirklich geschafft, weit über zweitausend Zeichen, das ist ein Drittel einer Deutscheinheizmatura, in die Tastatur seines mobilen Nichtendgerätes zu nageln, ohne auf das Thema auch nur mit einer Silbe eingegangen zu sein. Jetzt aber!

 

Bild up

 

Caviste Rudolf hat nicht erst einmal darauf hingewiesen, dass er einen felsigeren Boden als den in den Weingärten der Domaine Dupasquier in Aimavigne noch nicht gesehen hat.

Ganz oben werden die Reben mit Hilfe eines Krampen in die Felsformation gepflanzt. Vor drei Jahren ist der Rudl einmal dort hinauf gekraxelt und hat ein paar Bilder gemacht. Eines davon möchte er Ihnen trotz aller Skepsis gegenüber Bildern nicht vorenthalten. Spektakulärer bleibt die Vorstellung vom Anlegen eines Weingartens im Felsen im Kopf, findet der Rudl.

 

 

 

 

 

Die Domaine Dupasquier in Aimavigne. Old school

 

Im Forum von lapassionduvin.com gibt es über die Domaine Dupasquier in Savoyen 25 Seiten, Château Margaux bringt es auf 16. Kein französisches Weingut hat der Rudl öfter besucht als Dupasquier.

Seinerzeit hat im Weingarten und im Keller Noël Dupasquier Regie geführt, seine Frau war für den Verkauf zuständig, in einem Verkostungsraum mit null Percent Plexiglas. Der muss schon alleine deshalb ohne EU-Förderung gebaut worden sein, weil es zu seiner Errichtungszeit noch nicht einmal die EWG gegeben hat.

Die Revue du Vin de France bezeichnet Dupasquier als „Partisanen“ des langen Ausbaus in großen Holzfässern. Im Anschluss an diesen Ausbau reposiert der Wein noch ein paar Monate oder Jahre in den Flaschen, ehe er in Verkauf kommt. 2013 ist der aktuelle Jahrgang beim Rosé. Auf synthetische Spompanadeln hat Dupasquier schon verzichtet, da war Biowein noch ein Synonym für Jutetaschen und Vollkornbrot.

 

Jean-Jacques Rousseau

 

wurde im 102,6 Kilomter nahen Genf geboren und im savoyardischen Freigeist erzogen. Mit den Dupasquier-Weinen hätte er möglicherweise seine Freude gehabt. Spontangärung, auch der biologische Säureabbau darf sich nach Lust und Laune zum Dienstantritt melden oder eben auch nicht, minimale Schwefelung, ganz dezente Filtrierung.

 

Roussette de Savoie. Die trockene Basis

 

Die leichter zugängliche Roussette de Savoie, trocken ausgebaute Altesse von den tiefer gelegenen und weniger steil ausgerichteten Weingärten steht diese Woche auf dem Stundenplan. Den Cru Marestel von ganz oben am Felsen, selbe Rebsorte mit dem einen oder anderen Gramm Restzucker gibt es dann irgendwann, quasi als ideologischen Überbau, beziehungsweise im Neuschreib als Follow-up.

Véronique und David Dupasqier führen heute in fünfter Generation das Weingut. Viel hat sich nicht geändert. In den Boden des Verkostungsraums sind jetzt Schienen eingelassen, die E-Mail-Adresse ist kein Betriebsgeheimnis mehr und dem Rudl kommt vor, dass der Stolz des Weingutes, der Cru Marestel in den letzten Jahren eine Spur weniger Restzucker hat als früher. Reifen wird er schätzungsweise auch nicht schlechter. 30 bis 40 Jahre, ohne seine Frische zu verlieren, prognostiziert die Revue du Vin de France. Empirisch bestätigen kann der Rudl diese Frische in den Jahrgängen 1997, 1993 und 1988. Erinnerungen an Haselnuss, Birne, Ingwer und Honig, die Andrew Jefford dem Wein attestiert, auch. Bettane & Desseauve bescheinigen dem Marestel von Dupasquier, die Rebsorte Altesse „à sa plus haute expression“ – zu ihrem höchsten Ausdruck zu bringen. Trotzdem gibt es diese Woche die kleine Schwester mit etwas trockenerem Hamur als der Marestel.

Für österreichische Trinkgewohnheiten ist der Marestel nicht gerade eine „Faust auf’s Aug“, wenn man die Redensart wörtlich nimmt, vielleicht gerade eine solche, wobei das jetzt vermutlich auch wieder auf die letzten Jahrzehnte einzuschränken ist. Bis 1985 dürften Weine mit Restsüße in Österreich ein deutlich weniger großes Imageproblem gehabt haben.

Schulmeister Rudolf fasst eher schon länger einmal eine Lektion zum Marestel ins Auge. Diese Woche versucht er, dafür die Basis zu legen. Die ist trocken, aber das ist die Basis meistens, vor allem wenn sie solide sein soll.

 

Roussette de Savoie, Domaine Dupasquier, Aimavigne, trocken

 

2013

 

Der kalte und niederschlagsreiche Winter hat den savoyardischen Rebsorten keine grauen Federn wachsen lassen. Auf den sind sie eingestellt. Auf einen furchtbarer Frühling wie 2013 nicht. Ein heißer Sommer bedeutet auch in Savoyen ein erhöhtes Hagelrisiko. Die Trauben, die im September das Handtuch immer noch nicht geworfen hatten, haben bei der Lese nicht durch Pünktlichkeit geglänzt, erwiesen sich in qualitativer Hinsicht aber als äußerst kompetent, ausgeglichen und gesund.

 

2012

 

Auch ein kalter Winter, wie in Wien. Erst im August halbwegs standesgemäße Temperaturen für Ihre Hoheit Altesse.

 

2011

 

Ungefähr das Gegenteil von 2013. Trockener Frühling, heißer Juli, viel zu niederschlagsfreudiger August, dem die zu diesem Zeitpunkt viel zu reifen Trauben jede Menge Angriffsflächen geboten haben. Für Savoyen ungewöhnlich frühe Lese ab Ende August. Der erste von vier aufeinanderfolgenden Jahrgängen, von denen nicht nur in Savoyen jeder einzig und allein darum bemüht schien, zu zeigen, dass es für den selber denkenden Weinbauern noch um ein Eck schwieriger geht als im jeweiligen Jahr davor.

 

2009

 

Den weißen Zweitausendneunern aus Savoyen sagt man nicht die allergrößten Fähigkeiten auf der Langstrecke nach. Zu heiß der Sommer, zu wenig Säure die Weinderl. Auf einen mittelkalten Winter mit ausgesprägtem Weitblick, was die hohen Niederschläge betrifft, folgen ein sehr sonniger Frühling und ein heißer Sommer. Eher südfranzösischer Stil (Danke an A.K.!).

 

2004

 

Nach fünf ziemlich bis extrem heißen Jahrgängen der erste „avec modération“. In Österreich haben ihn gar nicht so wenige wahrscheinlich deshalb sehr schnell abgeschrieben. Für den Rudl ist der Jahrgang 2004 auch existenziell bedeutend. Bei einer Verkostung steirischer Weine im Museumsquartier hat er damals einen Sauvignon 2004 von Andreas Tscheppe, damals noch von der Riegersburg, gekostet. Dabei ist ihm aufgegangen, dass Wein auch ganz anders schmecken kann, als er es bis dahin gewohnt war.

Mit 2008, 2010 und 2013 ist der Vierer einer seiner allerliebsten Jahrgänge in den letzten zwanzig Jahren. In Savoyen wirklich nur bei vernünftiger Ertragsbegrenzung raisonable Weine.

 

Die folgenden fünf Jahrgänge Roussette de Savoie von Dupasquier

 

  • Roussette de Savoie (Rebsorte Altesse) 2004, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOC Vin de Savoie (5/8) 
  • Roussette de Savoie (Rebsorte Altesse) 2009, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOC Vin de Savoie (4/6) 
  • Roussette de Savoie (Rebsorte Altesse) 2011, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOC Vin de Savoie (3/5) 
  • Roussette de Savoie (Rebsorte Altesse) 2012, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOC Vin de Savoie (3/5) 
  • Roussette de Savoie (Rebsorte Altesse) 2013, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOC Vin de Savoie (3/5) 

    …, aber nicht ausschließlich diese Weine gibt es glasweise

     

    am Mittwoch, den 1. März und am Freitag, den 3. März

    jeweils von 16 bis 22 Uhr

    in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

     

    Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag erklären sollte!

     

    Vorschau auf die Lehrveranstaltungen vom 8. und 10. März:

    Vertikale Chignin-Bergeron „Les Filles“ von Giles Berlioz – internationaler Frauentag

     

    Herr Rudolf grüßt bildhaft und hundertpercent selfiefrei!

     

    Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

     

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Mittwoch und Freitag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte  Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57 Euro

 

6 extraordinaire Schaumweine und eine Abrechnung mit der Digitalisierung, am Mittwoch und am Freitag

Das stimmt nicht!

 

Dass Rudolf Polifka kein Freund der nicht wirklichen Netzwerke ist, wird für Sie, gewogene Oenologin, geneigter Oenologe, eine Information mit eingeschränktem Neuheitswert sein. Die Umstände, dass seine materielle Basis nicht, die Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils nicht und der Rudl als solches schon erst recht sowieso nicht irgendwo auf diesen unsäglichen Machwerken ein Profil oder einen Account betreiben, kann man als dezente Hinweise darauf, dass der Rudl diese für einen Schas hält, betrachten. Und zwar samt und sonders. Monsieur Rudolf kann auch die Hinweise, dass Medien grundsätzlich wertfrei seien und es auf die Art ihrer Nutzung ankäme, nicht mehr hören. Erstens interessieren ihn wertfreie Sachen sowieso nicht. Und zweitens findet er es aus mathematischer Sicht unangebracht, etwas, das nachweislich und anhaltend zu 75 Percent sinnfrei, zu 23 Percent destruktiv und zu 2 Percent konstruktiv genutzt wird, als „wertfrei“ zu bezeichnen. Wenn jemand daher kommt, sich das Attribut „sozial“ selbst anmaßt und so tut, als wolle er einem eine Wohltat erweisen, tatsächlich einen aber nur anschnort, dann hat den Rudl das schon als Halbwüchsigen narrisch gemacht. Darum ist er für ein umfassendes Bettelverbot für die Datenbettlerbanden im digitalen Raum, und zwar für eines mit drakonischen Strafen im Falle von Zuwiderhandeln.

Eine diese Bettlerbanden verspricht Hilfe beim Suchen. Jetzt ist der Rudl keiner, der mit den offiziell anerkannten Heiligen samt ihren Zuständigkeitsbereichen besonders viel anzufangen wüsste. Auch hat der Rudl grundsätzlich nichts gegen das Suchen. Gar nicht so selten kann er dem Suchen sogar mehr abgewinnen als dem Finden. So oder so, hätte er im Internet die Wahl, würde sich sogar der Rudl beim Suchen hundertmal eher an den Heiligen Antonius anstatt an eine Maschine wenden.

Trotzdem hat ungebetener, unersuchter und unverschämter Weise eine dieser Datenbettlerbanden ein Profil von der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils erstellt. Als der Rudl darauf gekommen ist, dass dort seit vier Monaten falsche Öffnungszeiten stehen, hat er mindestens 25(!) Mal gebeten, diese zu korrigieren. Die Datenbettlerbande hat dazu von ihm verlangt, sich bei ihr registrieren zu lassen und also einen ganzen Haufen Daten herauszurücken. Geändert haben diese Wappler nichts. Letztklassig!

 

Fasching ist.

 

Im Unterschied zu den vergangenen Jahren verfolgt der Rudl den Höhepunkt des Wiener Faschings heuer nicht in seinem Geschäft. Das ist seit Oktober 2016 am Donnerstag nämlich zu, auch am Opernballdonnerstag. Deshalb heuer keine Knacker und keinen Doppler, zumindest nicht im Geschäft.

Doch Caviste Rudolf erweist dem bunten Treiben diese Woche am Mittwoch und am Freitag durch die Ausschank von sechs ungewöhnlichen Schaumweinen die Reverenz, freilich nicht ausschließlich mit diesen sechs Schaumweinen.

Der Cavistenkollege Serge Alexandre aus der Nähe von Annecy hat vor zwei Jahren einen interessanten Versuch unternommen. Er hat eine Palette Wein ein Jahr lang im Lac d’Annecy versenkt. Nachdem er die Palette wieder herausgezogen hatte, hat er die Weine im Duett mit einem gleichen Wein nicht versenkter Provenienz verkauft. Der Rudl hat vorigen Sommer noch so ein Paarl erstanden, den versenkten Bugey Méthode Traditionelle von Franck Peillot mit seiner unversenkten Kolleginnenflasche.

Bugey kann man als die Verbindungsappellation zwischen dem Jura und Savoyen sehen. Das spiegelt sich auch in den Rebsorten wider. In Montagnieu keltert Franck Peillot einen Schaumwein aus zwanzig bis dreißig Percent Altesse und Chardonnay. Die längste Zeit hat man die Schaumweine aus Bougey „le champagne des Loyonnais“ genannt. Lyon ist quasi um die Eckn.

Sie können jetzt natürlich sagen: „Was kommt er jetzt mit seinem Versinkmotiv daher? Das hätte doch nach der Wahl einer Disney-Figur zum Präsidenten der USA viel besser gepasst.“

Und da haben Sie sicher recht. Aber den Fasching findet der Rudl auch nicht die allerunpassendste Occasion dafür. Und als der dämliche, grinsende Daumennachobenstrecker gewählt worden ist, hat Rudolf Polifka es für nicht ausgeschlossen gehalten, dass es bald auch hierzulande zum Versinken werden könnte. Das ist, Gott sei Dank, nicht eingetreten.

Vom versenkten und vom unversenkten Bugey hat der Rudl jeweils nur ein Flascherl. Das heißt, es könnte bei hoher Frequenz am Mittwoch (Ja, am Mittwoch, für den Fall, dass jemand von der Datenbettlerbande mitliest!) spätestens am Freitag bei diesem Schaumwein eng werden.

Aber das wird sowieso nicht die einzige CO2-Kuriosität in dieser Woche sein:

 

Sauvignon Blanc Graf 2011, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Steirerland

 

Hätte Sepp Muster eine Schwäche für Prüfnummern, hätte ihm dieser Sauvignon Graf vielleicht das eingetragen, was den Kurtl und den Rudl Zeit ihrer Leben plagt: ein veritables Schlafdefizit.

Graf Sauvignon 2011 dürfte das Gegenteil von einem Hudler sein, zumindest beim Gären. Vielleicht ist er aber auch nur nicht ausgesprochen willensstark. Irgendwann hat der Wein aufgehört zu gären. Trocken war er da noch nicht. Sepp Muster wäre vermutlich nicht Sepp Muster, wenn er so etwas nicht akzeptieren könnte. Darum hat er den Wein gefüllt. Der Wein dürfte dann in der Flasche jedoch seine Lebensplanung geändert haben, wie ein ehemaliger Bundeskanzler der Republik das einmal ausgedrückt hat, und hat die Gärheferln zu einem Comeback überredet. So eine Gärhefe wird man sich in letzter Konsequenz ja auch nicht anders vorstellen müssen als einen begnadeten Musikanten und Doktor.

In den Flaschen von Graf Sauvignon 2011 muss dann ein ziemliches Theater losgewesen sein, vergleichbar vielleicht mit dem in einer großen Pause ohne Gangaufsicht an einer Bubenschule. The rest, as they say, is history. Der erste Schaumwein aus dem Hause Muster. Ein Pétillant Naturel der unhysterischen Art, wenn Sie so wollen. Der Herr des Hauses hat dann für den Export nur mehr den Stoppel mit einer halblangen Kapsel vor etwaigen weiteren Spontaneitäten geschützt. Heute ist Graf Sauvignon 2011 im Noma wie im Steirereck eine äußerst geschätzte Essensbegleitung.

 

Crna und Bela, Branko und Vasja Čotar, Komen, Kras, Slovenija

 

Und noch ein Paar, nicht versenkt & unversenkt, sondern hell und dunkel, wobei Bela auf der Maische gegoren haben dürfte. Crna ist rot und zwar nicht rot im Sinn vieler Blaufränkischsekte, sondern wirklich rot, wenn nicht dunkelblau bis schwarz. Teran nach der Méthode Traditionelle. Vom hellen hat der Rudl mehr, vom dunklen nur eine Flasche.

 

Paarungen, der Fasching und das Touchscreen

 

Im Fasching geht traditionell etwas weiter. Die Geburtenraten im November sind kein Lercherl. Ob man so weit gehen kann, den Fasching als Paarungszeit zu bezeichnen, das weiß der Rudl nicht. Sollte es früher so gewesen sein, wäre immer noch die Frage, ob sich das heute auch so verhält. Der Rudl würde, jetzt einmal ganz ehrlich gesagt, sowieso nicht seine Hand dafür ins Feuer legen, dass es Paarungsverhalten klassischer Art im Zeitalter der Digitalisierung noch gibt. Wenn Monsieur Rudolf heute Zeitgenossinnen und Zeitgenossen, nicht nur jüngere, bei weit weniger intimen Kommunikationen beobachtet und dabei gewahr wird, dass oft kein Sinn zwischen die beiden Kommunikanten passt, weil dort neben den zwei mobilen Endgeräten kein Platz mehr ist, dann tut er sich schwer bei der Vorstellung, dass da noch etwas rennt, das man nicht hochladen, teilen oder liken kann. Aber der Rudl ist bekanntlich katholisch. Als solches findet er die sterile Prüderie eines Touchscreens ungefähr so aufregend wie die aufgeblasenen, grinsenden Plastikpüppchen auf den Gesellschaftsseiten der Wiener Qualitätspresse.

Wenn Sie wollen, können Sie vermutlich auch eine Schaumweinflasche als etwas Aufgeblasenes betrachten, zumindest was die Prämissen für Luft betrifft. Die sind ja in der Flasche drin, auch wenn man sie in geschlossenem Zustand nicht sieht. Darauf hat der Kurtl einmal in einer Trost & Rat Sendung im Zusammenhang mit einer Flasche Bier hingewiesen. Aber bei so einer Schaumweinflasche hat man etwas in der Hand, kein Vergleich mit einem asketischen Touchscreen. Wenn Sie so wollen, sieht der Rudl die Schaumweinflasche als Verkörperung des Faschingsdienstags, das Touchscreen als die des Aschermittwochs. Darum fastet Monsieur Rudolf beim Touchscreen leidenschaftlich, zumindest wischmäßig. Zum Schneiden von Speck oder Comté kann man die Brettln ja verwenden.

 

Chêvre, Château la Tour de Marignan

 

Dass ein französisches Weingut keine Homepage hat, ist nicht so ungewöhnlich. Dass im Bettane & Desseauve bei einem Weingut wie Dupasquier erst seit wenigen Jahren eine E-Mail-Adresse angegeben ist, das weiß der Rudl mittlerweile auch einzuordnen. Dass ein Weingut mit relativ doch recht elevierten Preisen wie Château La Tour de Marignan in keinem der ganz namhaften Weinführer erwähnt ist, versteht Caviste Rudolf, seit er weiß, wie diese Weinführer  zustande kommen. Hätte er Die Fackel von Karl Kraus nicht nur gelesen, sondern noch ernster genommen, dann hätte ihn das auch viel weniger überrascht. Aber dass man zu Château la Tour de Marignan eigentlich nur hinfahren kann, wenn man etwas darüber wissen will, das gefällt dem Rudl schon wieder. Und das schon seit acht Jahren. Die Weine von Bernard und Olivier Canelli  hätte Monsieur Rudolf vor fünf Jahren um ein Haar ins Sortiment befördert. Die Schweizer Preise und die Domaine Delalex haben letztendlich dagegen gesprochen. Als Privatier hat der Rudl seit 2009 noch keinen Frankreichurlaub absolviert, ohne bei den Canellis vorbei zu fahren. Einen Wein hat er dabei aber immer ausgelassen, die Chèvre. Allein dass der Wein auf den ersten zehn Einträgen, die die Datensammelbettlerband ausspeibt, mit drei unterschiedlichen Akzenten geschrieben wird, amüsiert Monsieur Rudolf. Dass auf dem Etikett die Variante mit dem Circonflexe verzeichnet und daneben eine Ziege abgebildet ist, deutet der Rudl als Hinweis auf die Korrektheit dieser Schreibweise. Wie auch immer: Chasselas, Rum, Vanille, Rohrzucker und rote Beeren, eine „spécialité savoyarde“, wie es am Etikett steht. Der Rudl hat beim letzten Besuch die Unterrichtseinheit mit den ungewöhnlichen Schaumweinen schon im Hinterkopf gehabt und ist deshalb an der Chêvre nicht vorbei gekommen. Man wird sehen, etwas frei nach dem Kurtl: „mit den Papillen sehen“.

 

Die folgenden sechs Schaumweine

 

  • Chêvre, Château la Tour de Marignan (3/5)
  • Bela, Branko und Vasja Čotar, Komen, Kras, Slovenija (5/8)
  • Crna, Branko und Vasja Čotar, Komen, Kras, Slovenija (5/8)
  • Sauvignon Blanc Graf 2011, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Steirerland (5/8)
  • Bugey Méthode Traditionelle, Franck Peillot, AOP Bugey (versenkt) (3/5)
  • Bugey Méthode Traditionelle, Franck Peillot, AOP Bugey (unversenkt) (3/5) 

 

…, aber nicht ausschließlich diese Weine gibt es glasweise

 

am Mittwoch, den 22. Februar und am Freitag, den 24. Februar

jeweils von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

 

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag erklären sollte!

 

Vorschau auf die Lehrveranstaltungen vom 1. und 3. März:

endlich wieder eine kleine Vertikale

 

Herr Rudolf grüßt alle analogen Zeitgenossinnen und Zeitgenossen!

 

Überhaupt nicht österreichische Rebsorten. Eine Semestrierung am Mittwoch und am Freitag

Prävirtuelle pannonische Echokammer

 

Der Rudl würde sich nicht gerade eine große Schwache für dualistische Welterklärungsversuche attestieren. Höchstens was den Neusiedlersee betrifft, da hält er es ein bissl monolatristisch. Er weiß, dass der Neusiedlersee ein Westufer hat, aber er identifiziert mit „dem See“ den Seewinkel. Man kann das vermutlich als Beispiel für eine prävirtuelle Echokammer betrachten. Denn der Rudl fährt konsequent auch stets an das Ostufer, wenn er zum Neusiedlersee fährt. An dem hat er vor vierunddreißig Jahren, wie man so schön sagt, einen Narren gefressen. Und jetzt wundert er sich, dass er mit dem Neusiedlersee Illmitz, Podersdorf und Apetlon assoziiert. Aber er weiß natürlich, dass auch der Neusiedlersee mindestens eine andere Seite hat, dass es auch dort schön ist und dass auch dort äußerst virtuose Winzer und Weine zuhause sind. Er weiß es, aber er fährt trotzdem nach Illmitz. Und der Rudl weiß auch, dass Rust inzwischen so etwas wie das österreichische Epizentrum des Furmint ist, und auch, dass Furmint mit der savoyardischen autochthonen Hoheit Altesse verwandt ist.

 

Semestrierung

 

Es gibt ein paar Möglichkeiten, Zeit im Sinne des griechischen chronos zu strukturieren. Zwölf Monate vom ersten Jänner bis zum einunddreißigsten Dezember stellen eine gebräuchliche, vermutlich aber nicht die alleroriginellste Variante dar. Die Fußballsaison beginnt, nimmt man das Mutterland des Fußballs zum Kriterium, am zweiten Wochenende im August, der neue ÖBB-Fahrplan jährlich am zweiten Wochenende im Dezember, das Dankbarkeitsjahr Anfang Februar und das Kirchenjahr am ersten Adventsonntag.

Universitäten strukturieren ihren Betrieb nach Semestern. Seit viele Studienpläne ihre Akzente vom Forschen auf das Belehren und Bevormunden verschieben, kommen Schulen den Universitäten auf halbem Weg entgegen und semestrieren neuerdings ihrerseits.

 

Sommersemester

 

Das Sommersemester hat den selbstangemaßten Weindozenten Rudolf Polifka gebeten, mit weißen Rebsorten, die in Österreich einen Verbreitungsgrad umgekehrt proportional zu dem von Thujenhecke und Kleinformat zusammen genießen, begonnen werde zu dürfen.

 

Jacquère. Eine Wiederholung der Lektion vom 30. Juni (Sommersemester 2016)

 

Wenn es in der zweitausend Hektar kleinen Weinbauregion Savoyen eine Massenweinrebsorte gibt, dann kann man Jacquère als so eine betrachten. Mehr als tausend Hektar sind dort mit der autochthonen Jacquère bestockt. Ganz präzise hat sie ihren Ursprung, soweit man das rekonstruieren kann, in Abymes de Myans. Das liegt am nordöstlichen Rand des Chartreusegebirges.

Die dicken Beerenschalen erlauben eine späte Reife, was am kalkreichen, steinigen Fuß der französischen Alpen nicht ganz unwesentlich ist, und schützen die engbeerigen Trauben vor Oïdium und Meltau.

Als Wein ist Jacquère eher blass bis weißgold und erinnert an vieles, was im Frühling blüht, manchmal sogar an Akazien. Dem Rudl seinem Geschmack nach stehen Alpenkräuter, Grapefruit, Bergamotte, Weißdorn und aneinander geriebener Feuerstein im Vordergrund. Manchmal kommen Mandeln, Haselnüsse und Lindenblüten dazu, wenngleich nie so intensiv wie bei der Altesse.

Die Spitznamen Coufe-Chien und Cugnète gefallen dem Rudl auch nicht so schlecht, obwohl oder vielleicht eher weil er keine Ahnung hat, was sie bedeuten.

 

Sommerweine

 

Caviste Rudolf Polifka trinkt und empfiehlt diese Weine vor allem im Frühjahr und im Sommer. Jacquère ist für ihn eine weingewordene Metapher für das Wiedererwachen der Vegetation.

 

 

Accord Papperl – Jacquère

 

Oft endet Jacquère als Fonduebegleiter in den einschlägigen Skigebieten, als Winterwein. Caviste Rudolf findet das nicht unpassend, aber ein bissl ideenlos, zumal man von einem Fondue eh fast jeden Wein erschlagen lassen kann. Viel mehr als die Säure bleibt dann manchmal nicht über. Der kulinarische Deckel für den Topf einer gelungenen Jacquère, sofern man einen Wein als Topf bezeichnen kann, ist wahrscheinlich die Bachforelle. Das dezente Prickeln, der niedrige Alkohol, das kongeniale Zusammenspiel von Frische, Leichtigkeit und appetitanregendem Temperament der Jacquère erinnern den Rudl an einen Gebirgsbach während der Schneeschmelze. Wenn er bei vielen Weinen aus dem Elsass an den Rhein denkt, dann symbolisieren savoyardische den Zubringer eines Zubringers der Isère. Einer wie der Rudl, der quasi neben, beziehungsweise in Wald- und Wiesenbächen seine Kindheit verbracht hat, der Donau aber erst im stolzen Alter von vierzehn gewahr wurde, kann mit kleinen Gebirgsbächen und Wasserfällen und ihren korrelierenden Weinen vielleicht naturgemäß mehr anfangen. Der ist mit der Bachforelle per Du und diese quasi so vor der Haustür wie die Oelweingasse vor dem Rudl seinem Geschäft.

 

Jacquère ist nicht Jacquère ist nicht Jacquère

 

Es gibt Jacquères, denen der geschmolzene Käse quasi als Schicksal in die Wiege, treffender vielleicht ins Fass gelegt worden zu sein scheint.

Es gibt auch Jacquères, die ausgesprochen ambitioniert, vor allem bodenspezifisch ausgebaut, aber mit einem synthetischen Korkimitator zugestoppselt werden. Ein Jammer.

Und dann gibt es Jacquères von Weinbaumeistern, die es wissen wollen und denen Tradition auch beim Verschließen von Flaschen ein Anliegen ist.

 

  • Jacquère 2014, Dupasquier, Jongieux, AOP Vin de Savoie
  • Monfarina 2015, Giachino, Chapareillan, AOP Vin de Savoie
  • Marius & Simone 2015, Giachino, Chaparaillan, Vin de France 

    Altesse. Gleich noch eine Wiederholung (Wintersemester 2015/16)

     

    Dass die Rebsorte Altesse von der verrückten Henne und Tochter des Königs von Zypern und Jerusalem, Anne de Lusignan, nach Savoyen gebracht worden sei, dürfte so wenig historisch sein wie die ungleich unsympathischere These, dass sie einem Kreuzzug des Grafen Amédée VI. zu verdanken sei.

    Letzte Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Altesse aus der ungarischen Familie des Furmint stammt. Diese Weine waren seinerzeit dem Herrscherhaus vorbehalten. Darum der Name „Altesse“ – die Hoheit. Das halten zumindest der renommierte Ampelograph Pierre Galet und das in diesen Belangen auch nicht ganz unerhebliche Schweizer Institut de Changins für wahrscheinlich.

     

    Vielleicht ist das genau die Zeit, Altesse zu trinken. Und vielleicht erinnert sich zufällig irgendwer in Ungarn, welche großartigen Beiträge dieses Land früher einmal zur Geschichte des Kontinents geleistet hat.

     

    Rebsortencharakteristika

     

    Altesse reift sehr spät und nimmt in der Vollreife einen roten Farbton an. Sie steht gerne auf kargen Kalkböden, erweist sich als relativ resistent gegenüber Fäulnis und Oidium, aber anfällig für Peronospora, Trauben eher lockerbeerig, Beeren elliptisch.

     

    Speisebegleiter

     

    Évelyne Léard-Viboux bezeichnet Altesse als „grande dame qui a la classe de coeur“, die besonders auf Hechtnockerl (Lyoner Spezialität) oder Felchenfilet (Genfer See), beides reich an Omega-3-Fettsäuren, reflektiert. Ernährungsstudienrat Polifka nimmt das wieder einmal zum Anlass, Sie darauf hinzuweisen, dass es ausgesprochen willkommen ist, wenn Sie sich das Essen zum Wein selber mitbringen, quasi Weinbegleitung in Form von Jause oder – falls Sie logistische Herausforderung schätzen – warum nicht Hechtnockerl oder Felchenfilet.

     

  • Marestel 2010, Dupasquier, Jongieux, AOC Roussette de Savoie
  • Altesse 2013, Dupasquier, Jongieux, AOC Roussette de Savoie
  • Altesse 2015, Maillet, Serrières-en-Chautagne, AOP Roussette de Savoie 

    Gringet

     

    … heißen sie im Jura Savagnin und in Platt Weißer Traminer.

     

  • Le Feu 2012, Belluard, Ayze, AOC Vin de Savoie 

     

    Chignin-Bergeron

    ist die savoyardische Beziechnung für die Roussanne von der nördlichen Rhône.

     

  • Les Fripons 2015, Gilles Berlioz, Chignin, AOP Vin de Savoie 

    In Savoyen gibt es an autochthonen weißen Rebsorten auch Mondeuse Blanche und Molette, an nicht bis ganz und gar nicht autochthonen Chasselas, Malvoisie, Pinot Gris und Chardonnay. Dazu vielleicht ein anderes Mal mehr.

     

    AOP Irouléguy. Die dritte Wiederholung vom 31. März (Sommersemester 2016)

     

    Gros Manseng

     

    Auf Baskisch heißt er „Izkiriota“. Er ist für die Quantität zuständig. Der falsche Meltau ist nicht sein bester Freund.

     

    Petit Manseng,

     

    Izkiriota Itipia, ist ertragsschwach, kleinbeerig und dickschalig, kann deshalb lange am Stock hängen und viel Zucker bilden. Anklänge an Zimt, exotische Früchte, Honig und reifen Pfirsich gehen auf seine Rechnung.

     

    Petit Courbu,

     

    Xuri Zerratia, ist fast immer in der Minderheit, noch ertragsschwächer als der Petit Manseng, aromatisch dafür noch feiner.

     

  • Hégoxuri 2014, Arretxea, AOP Irouléguy, Sud Ouest 
  • Jacquère 2014, Dupasquier, Jongieux, AOP Vin de Savoie (2,50/4)
  • Monfarina 2015, Giachino, Chapareillan, AOP Vin de Savoie (3/5)
  • Marius & Simone 2015, Giachino, Chaparaillan, Vin de France (4/6)
  • Marestel 2010, Dupasquier, Jongieux, AOC Roussette de Savoie (4/6)
  • Altesse 2013, Dupasquier, Jongieux, AOC Roussette de Savoie (3/5)
  • Altesse 2015, Maillet, Serrières-en-Chautagne, AOP Roussette de Savoie (5/8)
  • Le Feu 2012, Belluard, Ayze, AOC Vin de Savoie (6/9)
  • Les Fripons 2015, Gilles Berlioz, Chignin, AOP Vin de Savoie (5/8)
  • Hégoxuri 2014, Arretxea, AOP Irouléguy, Sud Ouest (5/8) 

    (in Klammern zuerst der Sechzehntel-, dann der Achtelpreis)

     

    Diese neun Weine aus hierzulande nicht verbreiteten Rebsorten, aber nicht ausschließlich diese neuen gibt es glasweise

     

    am Mittwoch, den 15. Februar und am Freitag, den 17. Februar

    jeweils von 16 bis 22 Uhr

    in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

     

    Im Übrigen ist Rudolf Polifka im Sommersemester immer noch der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag erklären sollte!

     

    Vorschau auf die Lehrveranstaltungen vom 22. und 24. Februar:

    ungewöhnliche Schaumweine

     

    Herr Rudolf grüßt nach allen Seiten und den ganzen See!

Energiekriseferien! Während der Wiener Energieferien geschlossen

Energie kommt vom griechischen érgon und meint ein Werk, ein Wirken, im weitesten Sinn Arbeit, die aus Wärme resultiert. Entsprechend lange gibt es sie schon, die Energie.

Die Energieferien gibt es noch nicht so lange.

Komposita

Ähnlich verhält es sich vermutlich mit einer ganzen Reihe Komposita. Vor der Zusammensetzung zweier oder mehrerer Wörter muss es die von den einzelnen Wörtern bezeichneten Entitäten schon gegeben haben. Sonst haut es nicht hin, sonst gibt es kein Kompositum. In dieser Hinsicht verhält sich die Wortbildung nicht anders als das Kochen. Bevor ein Marmeladebrot zubereitet wird, muss es Marmelade und Brot geben. Beim Eiskaffee schaut es nicht viel anders aus. Beim Kaffeeeis schon, wobei die Frage ist, ob alles, was für die Allergestresstesten dieser Welt in grindige Pappendeckel- oder Plastikbecherl gefüllt wird, den Namen „Kaffee“ verdient. Aber es gibt diese tüchtigen Hochleistungsträger, die in der Früh intensiv Profile updaten, Neuigkeiten teilen und Narren liken müssen. Wie sollen sie da auch noch Kaffee kochen?

Coffee to go

Die Evolution wäre nicht die Evolution, hätte sie für diese Geschundenen nicht in jahrmilliardenlanger Anstrengung „Coffee to go“ hervorgebracht. Und wie werden der Evolution die Mühen gedankt? Das schwarzbraune Gschloder wird an Tramwayhaltestellen und vor U-Bahnstationen weggestellt, muss einem Wiener Qualitätsblatt im Handerl Platz machen und friert im Fall von Minusgraden unerbittlich zu Kaffeeeis ein, wobei die Wiener Qualitätsblätter freilich der job description des Coffee to go, den Blutdruck in die Höhe zu treiben, deutlich effizienter nachkommen als die schwarzbraune Flüssigkeit im Becherl.

1974

Zurück zu den Energieferien. Im Februar 1974 wurden als Folgen der ersten Ölkrise die Schulen für eine Woche geschlossen und die Betreiber eines verbrennungsmotorisierten Wagens verdonnert, die ersten zwei Buchstaben eines Wochentags auf die Windschutzscheibe ihres Automobils zu picken. Diese zwei Buchstaben haben aus dem Automobil für die Dauer dieses einen Tages pro Woche ein Autostabil gemacht. Den autostabilen Tag haben sie nach ein paar Monaten wieder abgeschafft. Staatsbürgerliche Grundrechte, die Erste. Das Provisorium Energieferien hat sich gehalten, wenn auch nicht um Energie zu sparen. Schaut man sich an, was manche Skigebiete aufführen, um Pisten in die Landschaft zu legen, ist man geneigt hinzuzufügen: ganz im Gegenteil.

Seinerzeit

Als die Energieferien eingeführt worden sind, war eine ziemliche Krise um die Energie. Von einer „Energiekrise“ konnte man damals hören. Und das muss schon nicht ganz undramatisch thematisiert worden sein, sonst hätte ein Sechsjähriger, wie der Rudl damals einer war, kaum etwas davon mitgekriegt. Und mir nix dir nix hätte man ziemlich sicher auch nicht die Schulen eine Woche lang zugesperrt und den Autostabilwochentag eingeführt.

2017

Heute schaut es mit der Energie ganz anders aus. Heute conduieren viele von der Zivilisation Geplagte ihre Kraftfahrzeuge in die architektonischen Kleinode an den Kreisverkehren, um dort palettenweise in Aludosen und Plastikflaschen abgefüllten Dreck zu kaufen. Aludosen und Plastikflaschen zählen in Österreich zu den realverfassungsrechltich garantierten Grundrechten (die Zweite). Man will sich nix vorschreiben lassen. Von irgendwelchen Digitalkonzernen,dem Monopolbier oder den Wiener Qualitätsblättern schon. Vom Klimawandel oder einer selbst gewählten Legislative aber nicht. Das wäre ja noch schöner!

Theorie

Aber das ist alles hypothetisch. Ein Liter Benzin kostet heute 1,141 Euro. Vor vierzig Jahren hat er 6,86 Schilling, das wäre circa ein halber Euro. Hätten sich Bahnfahrkarten, Semmeln oder Wein im gleichen Zeitraum preislich genauso verhalten, würde das Semmerl heute knapp über zehn Cent und eine ÖBB-Vollpreisfahrkarten von Wien nach Salzburg um die zehn Euro kosten. Vergleichsweise billig geblieben sind Kaffee, Kakao und Unterhaltungselektronik. Die Rohstoffe dafür kommen nicht aus Europa. Und wenn „die da unten“ „unser“ Öl für Kraxn und Billigstflieger und „unser“ Edelmetall für das mobile Endgerät nicht billig genug heraus rücken, haben wir Mittel und Wege, sie durch ein paar Finanztransaktionen an den Börsen zu Raison zu bringen.

Weltfremd

Wie auch immer, der Rudl wird diese Woche so tun, als müsste man mit Energie immer noch sparsam umgehen. Er hat die Heizung in seinem Weinkaufsladen abschalten, den Frigidär detto und die Tür bleibt auch zu, wobei diese Wintersperre zugegebenermaßen andere Gründe hat. Das Eis am Neusiedlersee zum Beispiel. Oder die Einheizmatura. Und offen hat der Rudl ja sowieso nur an Schultagen.

Manchmal hat Herr Rudolf das Gefühl, er ist in der Geschichte stecken geblieben. Und dann denkt er an den Titel vom Kurtl seiner Langspielplatte aus dem Einundneunziger Jahr.

Monsieur Rudolf wünscht Ihnen viel Energie, sich eine Eisdecke auf dem Neusiedlersee und den Klimawandel mitsamt den Schneekanonen zum Teufel!

 

Reindorf sieht gelb. Percée du Vin Jaune am Mittwoch und am Freitag

Percée du Vin Jaune

Die letzten zwanzig Jahre hat am ersten Wochenende im Februar immer die Percée du Vin Jaune stattgefunden. An wechselnden Weinorten im Jura sind vierzigtausend Amateure des kräftigen, oxydativen gelben Weines zusammen gekommen und sind Zeugen geworden, wie die Hefeflorschicht des aktuellen Jahrgangs durchstochen wurde und der Wein zum ersten Mal von der Öffentlichkeit unter und auf die Papillen genommen werden konnte. Kommendes Wochenende hätte der Jahrgang 2010 nach sechs Jahren und drei Monaten des Harrens und Verweilens in seinem Fass, seinen großen Auftritt gehabt. Der Rudl hat schon voriges Jahr quasi den Jura nach Reindorf geholt und an den Tagen unmittelbar vor der Percée ein paar Gelbe glasweise zur Ausschank gebracht. So hat er es auch heuer projektiert gehabt. Aber manchmal kommt es anders.

Weil man auf der Suche nach einem neuen Veranstaltungs- und Sicherheitskonzept sei, hat sich die Association des Ambassadeurs des Vins Jaunes entschlossen, heuer zu pausieren. Die Percée du Vin Jaune in L’Étoile ist auf 2018 verschoben. Heuer denkt man über die Veranstaltung nach. Jetzt ist der Rudl der allerletzte, der etwas gegen Nachdenken hat. Aber er wird mit zunehmendem Alter auch ein Mensch, dem Gewohnheiten wichtig werden. Monsieur Rudolf hat zwar der Percée du Vin Jaune noch nie analog beigewohnt, aber die Vorstellung eines Weinfestes mit vierzigtausend Besuchern Anfang Februar hat ihn stets fasziniert. Deshalb selbsternennt er Mittwoch, den 1. und Freitag, den 3. Februar zur einzigen und offiziellen Percée du Vin Jaune 2017, in Reindorf.

Jura

Jura kann man quasi als komplementäre Weinbauregion zu Burgund verstehen. Über etwa achtzig Kilometer erstreckt sich ein zwei bis vier Kilometer langes Bandl von Norden nach Süden. Irgendwann, es muss gegen Ende des Tertiärs, gewesen sein, ist dieses Bandl als Kollateralschaden, respektive -nutzen – wie man halt zu den Weinen des Jura steht – der alpinen Kompression von Osten nach Westen in Richtung Ebene von Bresse hinunter gerutscht sein, gerade so wie die Côte d’Or auf der anderen Seite des Saône- und Bresse-Grabens vice versa. Zum Glück hat das Juraband mit seinen ganzen Salzen und seinem Gips rechtzeitig vor den Pipperln von Bresse Halt gemacht. Der Unterboden des Jura besteht zu neunzig Percent aus Mergel. Darauf lassen sich prinzipiell zwei Grundbodentypen identifizieren:

Kalkgeröll vor allem am Fuß der Felsvorsprünge

Je konzentrierter der Kalk auftritt, desto mehr Chardonnay steht tendenziell dort.

Argiles à chailles

Auf den etwas weniger geneigten Hängen ist der Tonanteil zwischen den runderen Kalk und Silikatsteinderln höher. Da tummeln sich die Trousseau- und Savagninstöcke. Rund um die päpstliche Residenz von Jacques Puffeney, dem seit 2015 emeritierten „Pâpe du Savagnin“ in Montigny-les-Asures ist das der Fall.

Savagnin

Egal aus welcher der vier Appellationen des Jura der jeweilige Vin Jaune stammt, er besteht zu hundert Prozent aus Savagnin. Etwas anderes ist für Vin Jaune nicht zugelassen. Nirgends. Zweihundert Hektar, das sind zwölf Prozent der Rebfläche des Jura, sind mit Savagnin bestockt. Kleinbeerig und spätreifend. Mergel ist sein Lebenselexir.

Ausbau gegen alle Regeln der oenologischen Kunst

Vin Jaune wird in 228-Liter-Fässern ausgebaut. Dort bleibt er mindestens sechs Jahre und drei Monate. Dann ist der allerletzte Rest von vergärbarem Zucker aufgebraucht und der Wein so etwas von trocken. Für den Jura spezifische Hefen, Sacchromyces oviformis, sollen eine sehr langsame Gärung bewirken. Die abgestorbenen Hefen bilden eine Hefeflorschicht, die den Wein oxydatif werden lässt, ihn gleichzeitig aber auch vor einer Oxydation, die ihn ungenießbar machen würde, schützt. Es ist vor diesem Hintergrund nicht so überraschend, dass der Vin Jaune die Weintrinkenden dieser Welt polarisiert. Oxydiert oder oxydatif? Beiden ist ein Verlust an Elektronen gemeinsam. Dazwischen tut sich ein Raum für Interpretation auf.

Der Schwund im Fass darf nicht aufgefüllt werden. Von einem Liter eingefülltem Wein bleiben nach sechs Jahren und drei Monaten 62 Centiliter über. Dieses Quantum geht in einen Clavelin, wie die spezifische Flasche für Vin Jaune genannt wird. Vin Jaune wird temperiert getrunken. Wird er das nicht, ist er hundert Jahre lagerfähig. Sein Ursprung liegt vermutlich im achtzehnten Jahrhundert in Château-Chalon. Kein Wunder, dass die Eigenschaften von Vin Jaune in Château-Chalon am ausgeprägtesten auftreten: Gold- und Bernsteinfarbe, Nuss- und Curryaromen, hohe Komplexität, Kraft, Bitternoten und ein vielleicht wirklich unvergleichbares Reifepotential.

AOP Côtes du Jura

So nennt man die Sammelappellation für alle Weine des Jura von

Champagne-sur-Loue im Norden bis Saint-Jean-d’Etreux im Süden. Charakteristisch sind im gesamten Jura Mergelböden, manche mehr, andere weniger kalkhältig. Tendenziell regnet es im etwas kühleren Norden mehr als im etwas wärmeren Süden. Die spezifischen Rebsorten des Jura Savagnin, Poulsard und Trousseau sind überall verbreitet, wobei ihnen im Süden durch Chardonnay und Pinot Noir mehr Konkurrenz als im Norden erwächst. Die Domaine Pignier und ihr spektakulärer Kartäuser Keller, befindet sich in Montaigu, etwas südöstlich der Appellation L’Étoile.

Vin Jaune 2007, Domaine Pignier, AOC Côtes du Jura, Montaigu, Jura

Blauer Mergel, nur eines von drei mit Savagnin befüllten Fässern wird als Vin Jaune abgefüllt. Comté drängt sich auf, Gougères et Noix passen auch nicht schlecht. Weißes Fleisch mit Saucen und ohne Kalorienaversionen, Curry, Safran, … halt vieles, was intensiv schmeckt.

Und der Rudl nimmt das wieder einmal zum Anlass, Sie zu animieren, sich die Jausn selber in die Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils mitzubringen, gerade so wie früher einmal beim Heurigen.

AOP Arbois

ist die nördlichste der drei kommunalen Appellationen des Jura. Der hohe Mergelanteil im Boden begünstigt Rotwein, südlich von Arbois bei Pupillin eher Poulsard, nördlich beim Papstsitz Montigny-les-Asures mehr Trousseau.

Vin Jaune 2008, Gérard Villet, AOC Arbois, Jura

Château-Chalon

Optischer Höhepunkt im Jura ist vermutlich Château-Chalon, vielleicht überhaupt von allen Weingärten Frankreichs, sieht man von denen am Mont Ventoux vielleicht einmal ab. Die Appellation beschränkt sich ausschließlich auf Vin Jaune. Darum steht Letzteres auch nicht explizit am Etikett.

Ein markanter Felsvorsprung plombiert quasi die Appellation und speichert angeblich die Sonnenenergie am Tag, um sie in der Nacht an den Weingarten forzuwarden. Der Felsen schützt die Weingärten vor den Winden aus dem Norden und dem Nordosten. Auf der Plombe haben sie die Ortschaft Château-Chalon angelegt. Nirgends im Jura findet man eine höhere Konzentration an grauem und graublauem Mergel.

Château-Chalon 2000, Baud Père et Fils, AOC Château-Chalon, Jura

L’Étoile

L’Étoile die südlichste kommunale Appellation des Jura. Ihren Namen verdankt sie möglicherweise den zahlreichen versteinerten Seesternen in den Böden, vielleicht aber auch den fünf Hügeln, die den Weinberg eingrenzen. Die Winzer von L’Étoile stellen fest, dass viel Frühjahrs- und Sommerregenfronten, aber auch Gewitter aufgrund der Topographie und der Thermik einen Bogen um ihre Appellation machen. Abgesehen davon Kalk, Ton und Mergel. Wenn es ein geologisches Spezifikum von L’Étoile gibt, dann ist es ein relatives Übergewicht von Kalk auf Kosten von Mergel. Etwas mehr Chardonnay, den man dort „Gamay Blanc“ nennt, als sonst im Jura. Für den Vin Jaune ist das irrelevant.

Vin Jaune L’Étoile 2009, Domaine Geneletti Père et Fils, AOC L’Étoile, Jura

Freilich gibt es nicht ausschließlich diese vier Vin Jaunes glasweise offeriert

  • Vin Jaune L’Étoile 2009, Domaine Geneletti Père et Fils, AOC L’Étoile, Jura (7,50/12)
  • Château-Chalon 2000, Baud Père et Fils, AOC Château-Chalon, Jura (9/14)
  • Vin Jaune 2008, Gérard Villet, AOC Arbois, Jura (7,50/12)
  • Vin Jaune 2007, Domaine Pignier, AOC Côtes du Jura, Montaigu, Jura (7,50/12)

am Mittwoch, den 1. Februar und am Freitag, den 3. Februar

jeweils von 16 bis 22 Uhr

in der Weihandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag erklären sollte!

Vorschau

In den Wiener Energieferien vom 4. Februar bis 12. Februar trachtet der Rudl der ursprünglichen Bestimmung dieser Ferien gerecht zu werden, lässt die Heizung abgedreht und die Tür zugesperrt.

Herr Rudolf grüßt den Sauerstoff und, der Ausgewogenheit verpflichtet, wie er ist, auch die Elektronen!

 

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Mittwoch und Freitag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57 Euro

Tannat – Mondeuse – Blaufränkisch. Ein Gerbstoffvergleich am Mittwoch und am Freitag

Wenn der Rudl rotsieht

 

Oft genug hat Herr Rudolf in seinen wöchentlichen Zeilen an Sie, gewogene Oenologin, geneigter Oenologe, über das Wetter lamentiert. Vor allem warme Winde aus dem Süden, zumal wenn sie in der vorgeblich kalten Jahreszeit daher kriechen, machen ihm das Leben schwer. Heuer nicht!

Darum ist es redlich, auch die lobenswerten Anstrengungen der diversen da oben herumziehenden Tiefs und Hochs gebührend zu würdigen. In den letzten Wochen lassen diese – vielleicht abgesehen vom Schnee, man sollte vermutlich aber auch nicht unverschämt sein – wenig zu wünschen übrig. In zeitgemäßer, oft für besonders unglückliche Übersetzungen aus dem Englischen anfälliger Sprache würde man vermutlich sagen: „Das Wetter liefert.“ Und momentan liefert es dem Empfinden vom Rudl nach zumindest in Österreich ganz solide.

 

Wein und Thermometer

 

Wenn sich die Säule im Thermometer schon einmal nicht zu blöd ist, unter den Nullpunkt zu kraxeln, wenn sie dort dann auch noch wochenlang verweilt und wenn das Ganze nicht im April, sondern im Jänner stattfindet, dann beschleicht den Rudl so ein Verdacht, dass diese Welt doch noch zu retten ist, auf die Gefahr hin, dass Sie ihm das jetzt als pathetisch auslegen.

Und dann entwickelt ein ausgewiesener Weißweintrinker wie der Rudl sogar das Bedürfnis, den Roten vor den Vorhang zu zerren, ganz besonders den Pelz im Roten, die Tannine.

 

Mondeuse – Pelz aus den französischen Alpen, aber nicht für Rom!

 

Es ist schon ein Zeitl her, ungefähr tausendneunhundert Jahre oder so. Da haben  Agrarexperten versucht, dem Prinzip des Imperium Romanum rebsortenmäßig zum Durchbruch zu verhelfen. Nach dem Motto „Alles Erfreuliche aus den Provinzen nach Rom“ haben sie versucht, die von ihnen hoch geschätzte Vitis Allobrogica, vlg. Mondeuse, die ihres Erachtens im Schnee reife, in der Umgebung von Rom anzusiedeln. Die Ergebnisse sollen nicht allzu atemberaubend gewesen sein.

Die Herrschften von Cluny zählen kirchengeschichtlich nicht zu den allerbesten Freunden vom Rudl. Oenologisch haben sie es aber ein Stückl geschickter angelegt als die Römer. Sie haben nicht versucht, die Traube zu verpflanzen, sondern zumindest so viel Anstand aufgebracht, der werten Mondeuse an die Ufer des Lac du Bourget nachzureisen. Bedauerlicherweise nicht nur der Traube und noch bedauerlicherweise nicht nur bis zum Lac du Bourget.

Vielleicht hat es einen Grund gehabt, warum sich die Mondeuse gegen eine Dislocierung nach Rom gewehrt hat. In ihrer jugendlich ungeschliffenen, rustikalen und robusten Art kann sie wie die rebsortifizierte kalte Schulter wirken, wenn man nicht warten kann und dazu tendiert, die Oberfläche mit der Welt zu verwechseln. Hat das Imperium Romanum im ersten nachchristlichen Jahrhundert zumindest im Westen vergeblich auf eine erfreuliche Zukunft gewartet, so hat die Mondeuse die römische Pflanzerei genauso geduldig überstanden wie die Verdrängungstendenzen zugunsten des Gamay in den Fünfziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts. Heute rodet niemand mehr einen Mondeuseweingarten, um ebendort Gamay auszupflanzen.

Verwandt ist die Mondeuse mit dem Syrah, dessen Mutter Mondeuse Blanche, eine ganz seltene Weißweinrebe in Savoyen, ist.

 

Charkateristika

 

Mondeuse reift sehr spät, manchmal erst Anfang November.

Dann ist sie dunkelblau bis schwarz und herb im Geschmack.

Die Haut ist dick, in Anbetracht ihrer Geschichte auch nicht so verwunderlich. Irgendwelche dahergelaufenen Pilzsporen können sie nicht so schnell beeindrucken. Bei Kalk wird sie schwach. Höchsten sieben Trauben pro Stock. Bei nicht ganz so alten Stöcken wie denen von Jacques Maillet muss dem Ertrag rechtzeitig durch Grünlese eine unmissverständliche Grenze gesetzt werden. Vielleicht auch das nicht unbedingt ein Umstand, der Mondeuse mit postmoderner Urbanität kompatibel erscheinen lässt.

 

Wein

 

Der Wein ist zuerst purpur. Er kann in der Jugend nach Pfeffer, Zimt und roten Früchten schmecken. Manchmal ist er ein veritables Reibeisen für die Zunge, nach etwa fünf Jahren gibt es die Mondeuse dann gerne eine Spur milder und erinnert an schwarze Trüffeln.

 

Mondeuse 2015, Jacques Maillet, Le Cellier des Pauvres, Serrières-en-Chautagne, AOP Vin des Savoie

 

11 Percent Alkohol, viel zu jung und trotzdem grandios.

 

Mondeuse 2015, David und Fred Giachino, Chapareillan, AOP Vin de Savoie

 

Vin authentique et à forte personnalité. Robe rubis aux reflets violacés. Arômes de groseille et de griotte. La saveur est persistante en bouche avec des notes épicées et torréfiées. (www.domaine-giachino.fr)

 

Wenn Sie die Zeilen vom 10. März 2016 über Tannat gelesen haben, dann können Sie die nächsten Absätze bis zum Blaufränkischen überscrollen.

Tannat – Pelz aus den Pyrenäen. Eine Wiederholung

 

Bezeichnenderweise versteht man unter Tannat nicht nur die Rebsorte, sondern auch die Salze im Tannin. Seinerzeit hat man viel mehr Tannat reinsortig ausgebaut. Vielleicht haben die Menschen früher mehr Geduld gehabt. Denn trinken hat man das meistens erst nach zwanzig Jahren können. Heute ist fast immer ein mehr oder weniger kleiner Anteil an Cabernet Franc oder oder und Cabernet Sauvignon dabei. Direkt jungweintauglich macht ihn das aber auch nicht.

 

Gesundheit!

 

Möglich, dass Tannat deshalb als gesündester Rotwein der Welt gilt. Er eignet sich besser zum Lagern als zum Trinken.

Die Forscher sehen andere Gründe: Kein anderer Wein entwickelt so einen Haufen an Procyanidin wie Tannat, viermal so viel wie jeder andere Rotwein, zumindest wenn er traditionell gekeltert wird und also drei bis vier Wochen auf der Maische steht – manchmal auch ungerebelt – und dann im alten Holz ausgebaut. Die Tannats aus Uruguay tun das in der Regel nicht, die aus den Pyrenäen, vor allem die aus Madiran und Irouléguy schon. Procyanidin beugt Herz- und Kreislauferkrankungen vor und fängt Radikale.

Heute versucht man die Typicität der Rebsorte zu erhalten, aber seine Trinkreife zu beschleunigen. Dort wo das gelingt, hat man reife und runde Tannine und Aromen nach schwarzen Beeren, Mirabellen und Brombeeren.

Wie man zu Alain Brumont und seinem Madiran Château Montus steht: Wenn es heute um Tannat geht, darf sein Name nicht fehlen.

Und in der Tat ist Tannat natürlich in erster Linie Madiran. Aber den gibt es eh da und dort. Eine Flasche mit Tannat aus Irouléguy rennt einem in Wien aber nicht alle Tage über den Weg, außer man liest Michel Houellebecq.

 

Wetter

 

Die paar Hügeln vor den Pyrenäen, auf die sich die Appellation Irouléguy erstreckt, sind um die tausend Meter hoch. Die Westhänge dieser Hügel meistens sehr grün, weil der Wind die Wolken vom dreißig Kilometer entfernten Atlantik herein trägt, die Wolken es dann aber nicht ganz über die Berge derpacken und als Regen herunter fallen, in der Region um Espelette zum Beispiel, wo die berühmten Paprika wohnen. Der Wind tut sich nach dem Regen ohne Gepäck natürlich leichter, klettert dann noch ein kleines bissl hinauf und fällt an den Osthängen dieser Hügelketten trocken und heiß herunter.

Aber zurück auf die Hügeln: Bis circa sechshundert Meter hinauf kann man Weingartenterrassen finden. Auf den Wiesen dazwischen, nach der Lese auch in den Weingärten der Domaine Arretxea, rennen Schafe herum. Der Ossau-Iraty ist einer der berühmtesten Schafkäse Frankreichs.

 

Steine

 

Yves Hérody, Geologe aus dem Jura, bezeichnet Irouléguy als Mosaik von über vierzig unterschiedlichen Böden. Im Großen und Ganzen lassen sich aber vier Terroirs identifizieren:

 

Roter Sandstein

 

stammt aus dem unteren Trias, ist also knapp 230 Millionen Jahre alt. Die vom Sandstein dominierten Weingärten weisen einen hohen Eisengehalt auf, sind sauer und oft in Terrassen angelegt.

 

Kalk aus dem Jura

 

supportiert vor allem die Rebstöcke der Domaine Ilarria, ist gut fünfzig Millionen Jahre jünger, aber auch ganz schön alt.

 

Schiefer

 

ist älter als Sandstein und Kalk zusammen, trotzdem aber nur zufällig der Boden, auf dem die Domaine Arretxea begonnnen hat.

 

Vulkanischer Ophite

 

ist im Gegensatz um Sandstein basisch und liegt als Streusplitt in der Einfahrt zur Domaine Arretxea. Vielmehr weiß der Rudl darüber nicht, denn er ist gstudierter Theologe, nicht Geologe.

 

Rebsorten sind Geschichte

 

Weinbau ist in Irouléguy bis ins zwölfte Jahrhundert nachweisbar. Im fünfzehnten Jahrhundert ist Basse Navarre, sozusagen Niedernavarra, unter Heinrich IV. zum Königreich Frankreich gekommen. Das Letzte, was Frankreich von dieser Region wollte, war Wein. Darum ordnete man den Mönchen von Roncevaux an, die Weingärten stillzulegen. Haben die die neuen Machthaber nicht verstanden oder haben sie sich denen widersetzt? Die Weingärten stillgelegt haben sie auf alle Fälle nicht. Im Gegenteil. Bis ins neunzehnte Jahrhundert ist die Rebläche auf 1700 Hektar angewachsen. Um ein Haar hätte die Reblaus dem Weinberg den Garaus gemacht. Jetzt wächst er wieder und hält bei 220 Hektar, größtenteils Terrassenlagen.

Über die traditionellen Rebsorten von Irouléguy konnte man früher lesen, dass ihre Namen mehr singen würden als die Weine, die daraus gekeltert werden. Ihrer Säure und Härte seien nur die robusten Kehlen der Bergbewohner gewachsen gewesen. Die Reblaus hat dieses Problem, so es eines gewesen ist, erledigt. Der Weinbau ist in der Folge in Irouléguy nahezu zum Erliegen gekommen. 1954 haben sich dann die letzten Weinbauern zu einer Genossenschaft zusammen geschlossen. Viele Hektar waren das nicht mehr. Ab den Achtziger Jahren hat man dann begonnen, Reben zu selectionnieren und und auf die einzelnen Terroirs abzustimmen, tendenziell mit eher fruchtigen Weinen auf Sandstein, weicheren auf Kalk und körperreicheren auf den Ton-Dolomit-Ophit-Verwitterungsböden. 1970 wurde Irouléguy der Status einer Appellation zuerkannt. Die Genossenschaft ist heute eine der renommiertesten Frankreichs und das, obwohl die Zahl der Winzer, die selber vinifizieren, Jahr für Jahr steigt. 2000 waren es fünf, heute sind es mindestens neun. Die Autoren der N° 4 von Les Feuilles du Pin á Crochet haben das vor über zehn Jahren gewusst. Sie beschreiben Irouléguy 2003 als „vignoble en pleine expansion“, „qui va sûrement progresser dans les décennies à venir“.

 

 

Domaine Ilarria

 

Peio Espil bewirtschaftet zehn Hektar Weingärten auf sehr kargen kalkreichen Felsböden. Zwei Hektar mit den Weißweinreben Petit Manseng und Courbu. Auf den anderen acht wachsen Tannat, Cabernet Franc und Cabernet Sauvignon.

Die Stockdichte ist hoch, der Ertrag niedrig und die Bewirtschaftung biologisch.

 

Irouléguy Rouge. Cuvée sans soufre ajouté 2012, Domaine Ilarria

Vor allem Tannat, ein bissl Cabernets. Kalk, achtzehn Monate in Barriques und im großen Holz, ohne Schwefelzusatz

 

Domaine Arretxea

 

Thérèse und Michel Riouspeyrous haben etwas mit auffällig vielen Weinbuaern, deren Weine Herr Rudolf verkaufen darf, gemeinsam. Ihre Vorfahren haben ein Weingut bewirtschaftet. Sie selber waren dann ein Zeitl weg. Dann sind sie wieder zurück gekommen und haben angefangen, wieder Wein zu machen. Zum Glück.

Riouseyrous haben zu Beginn der Neunziger Jahre mit einem Schieferterroir begonnen, 2004 ist dann ein Weingarten auf Sandstein dazu gekommen. Und seit 2007 vinifizieren sie auch die Trauben von Pantxo Indart aus dessen biodynamisch bewirtschafteter Parzelle auf magmatischem Ophite.

Die acht Hektar von Thérèse und Michel Riouspeyrous sind südlich ausgerichtet und ziemlich steil, teilweise terrassiert. Wenn jemand das Wort „Terroir“ allzu leichtfertig verwendet, kann es passieren, dass Michel Riouspeyrous gereizt reagiert, nicht weil ihm das Terroir wurscht ist, sondern seines Erachtens allzu oft zu Unrecht strapaziert wird. Mit renommierten Geologen und Bodenforschern wie Yves Hérody, Dominique Massenot und Jacques Petit versucht er seinen Böden auf den Grund zu gehen, sie zu kartogarphieren und respektvoll wie penibel zu bewirtschaften.

 

Haitza 2012, Domaine Arretxea

 

Siebzig Tannat, dreißig Cabernet Sauvignon. Ausbau teilweise in Manhartsberger Eiche von Stockinger, einem Fassbinger, auf den der Rudl in Frankreich immer wieder angesprochen wird. Der Wein wird vor allem zu allem, was auf dem Wasser schwimmt oder über das Wasser fliegt, empfohlen. Schwammerl tun weder das eine noch das andere, passen aber trotzdem ganz gut zum Haitza. Braucht auch unbedingt Luft, aber mit diesem Ausschnitt seines Weltwissens hat Sie Caviste Rudolf, wie erwähnt, schon einmal im März des vergangenen Jahres beglückt.

 

Und wenn Sie die Zeilen vom 18. Februar 2016 über Blaufränkisch gelesen haben, dann können Sie gleich weiterscrollen.

 

Blaufränkisch – Pelz aus dem Burgenland

 

So patschert können sich Politiker im östlichsten Bundesland gar nicht aufführen, dass der Rudl bei Wein nicht auch immer gleich an das Burgenland denken würde.

Die österreichische Rotweinrebsorte, die am meisten Gerbstoff hat, ist der Blaufränkische. Und obwohl der Blaufränkische in allen österreichischen Weinbaugebieten und nicht nur dort vorkommt, ist er vor dem Rudl seinem geistigen Auge ein Burgenländer. Dort kommt er in allen vier Weinbaugebieten vor.

 

Blaufränkisch Kirschgarten 2011, Josef Umathum, Jois, Neusiedlersee

 

Wahrscheinlich ist es immer noch zu früh, diesen Wein jetzt zu trinken. Caviste Rudolf erinnert der Kirschgarten ein bissl an die Domaine des Ardoisières von Brice Omont. Und der Boden vom Kirschgarten dürfte mit dem in Cevins auch einiges gemeinsam haben, nicht nur Schiefer und Quarz, auch den Umstand, dass beide Weinberge lange Zeit brach gelegen sind. Beide sind in Terrassen angelegt. Beiden schauen auf Wasser hinunter. Der in Cevins auf die Isère, der Kirschgarten auf den Neusiedlersee. Zum nächsten Skilift hat man es vom Kirschgarten freilich deutlich weiter. Und die Tour de France-Radler kommen beim Joiser Kirschgarten auch nicht so oft vorbei, aber das sollte terroirmäßig nicht allzu sehr ins Gewicht fallen.

 

Blaufränkisch Weinberg 2013, Helga und Alfred Weber, Deutsch-Schützen, Eisenberg, Südburgenland

 

Blaufränkisch der alten Schule aus dem großen Holzfass. Der Eisenberg heißt zwar nicht Blaufränkischland, aber er ist es. Auch hinsichtlich des hohen Eisengehalts im Boden vielleicht lohnend mit dem Haitza von Arretxea zu vergleichen.

 

  • Blaufränkisch Weinberg 2013, Helga und Alfred Weber, Deutsch-Schützen, Eisenberg, Südburgenland (2,50/4)
  • Blaufränkisch Kirschgarten 2011, Josef Umathum, Jois, Neusiedlersee (7/11)
  • Haitza 2012, Domaine Arretxea, AOP Irouléguy, Sud Ouest (5/8)
  • Irouléguy Rouge. Cuvée sans soufre ajouté 2012, Domaine Ilarria, AOP Irouléguy, Sud Ouest (5/8)
  • Mondeuse 2015, Domaine Giachino, Chapareillan, AOP Vin de Savoie (4/6)
  • Mondeuse 2015, Le Cellier des Pauvres, Jacques Maillet, Serrières-en-Chautagne (5/8)

… diese sechs Pelztiere, aber nicht ausschließlich diese lässt Caviste Rudolf diese Woche aus der Flasche, um sie „au verre“ zu kredenzen,

 

am Mittwoch, den 25. Jänner und am Freitag, den 27. Jänner

jeweils von 16 bis 22 Uhr in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

 

Das ist jetzt viel gewesen. Darum ergänzt Monsieur Rudolf die Ausführungen durch den Hinweis, dass es ausdrücklich erwünscht ist, wenn Sie sich die Jause in die Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils selber mitbringen.

 

Erratum

 

Der Rudl bedauert außerordentlich, dem Major Kottan letzte Woche fünf Jahre herunter dividiert zu haben. Zwei aufmerksame Leser haben ihn dankenswerterweise darauf hingewiesen, dass der Doiferl am 22. Jänner seinen 85. Geburtstag gefeiert hat.

 

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag erklären sollte!

 

Vorschau auf den 1. und 3. Februar

Percée du Vin Jaune in Reindorf. Vier Vin Jaunes aus vier Appellationen:

Château-Chalon, Arbois, Côtes du Jura, Étoile

 

Herr Rudolf grüßt, den Pelz, den Winter und den Gerbstoff!

 

Ois Guade zan Gebuadsdog! Mittwoch und Freitag geöffnet

Same procedure as every year: Major Kottan lädt zur Geburtstagsfeier mit Würstel, Lagerfeuer und Tanzmusik in die Tullner Au, aber der Kanzler sagt ihm ab. So berichtet es Helmut Zenker in Kottan ermittelt. Der Geburtstag (1977). Heuer wird Kottan fünfundachtzig. Der Kanzler wird zum rauschenden Fest wieder nicht erscheinen. Ob der Kardinal, der damals noch kein Kardinal war, aber damals schon am selben Tag Geburtstag gehabt hat, auch abgesagt hat, das ist nicht überliefert. Vielleicht hatte Kottan ihn gar nicht eingeladen.

Der Rudl stößt diese Woche auf alle, die am 22. Jänner Geburtstag haben, an. Sie haben die Gelegenheit, sein Prost mit einem der folgenden Weine zu erwidern:

 

Schilcher 2013, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Südsteiermark (3/5)

Caviste Rudolf freut sich, endlich wieder den Schilcher von Maria und Sepp Muster offerieren zu können, diese Woche auch glasweise.

Der Rudl wollte vor kurzem dem Fils den Unterschied zwischen Bild und Muster verständlich machen. Der Fils hat ganz schnell dankend abgewunken und erklärt, dass er das eh weiß. Muster, das ist der Mann mit den großen Händen.

 

Una. Frühroter Veltliner 2015, Leo Uibel, Weinviertel (4/6)

auch eine Premiere, der dezent Orange von Leo Uibel, Namensvetter vom Fils, in dessen zweitem Vornamen

 

Neuburger 2015, Mantlerhof, Brunn im Felde, Kremstal (2,50/4)

 

Hégoxuri 2014, Domaine Arretxea, AOP Irouléguy, Sud Ouest (5/8)

Lieblingswein vom Rudl

 

Altesse 2015, Jacques Maillet, Le Cellier des Pauvres, Chautagne, AOP Vin de Savoie (5/8)

Hoheit zum Geburtstag, bester Spielzeugtraktor auf einem Weingut

 

Perles d’Aimavigne, Domaine Dupasquier, Jongieux, AOP Vin de Savoie (3/5)

Schaumwein aus dem Felsen, zweitbester Spielzeugtraktor auf einem Weingut

 

Trockenbeerenauslese „Schrammel“ 2012, Dankbarkeit, Neusiedlersee (5,50/-)

Wein aus dem Lieblingsweingarten vom Lieblingswirt von Femme, Fils und Rudl.

 

Diese sieben Geburtstagsweine, wie fast immer nicht ausschließlich diese, gibt es glasweise

 

am Mittwoch, den 18. Jänner und am Freitag, den 20. Jänner

von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

 

Hinweis in eigener Sache

Der Rudl ist sich bewusst, dass Weinkauf bei ihm nicht ganz so komfortabel ist wie beim Quasimonopolisten. Komfort ist für Monsieur Rudolf sowieso kein oberes Lebensziel. Aber am versiegelten Parkplatz muss es nicht scheitern. Erstens stellt Herr Rudolf ab einem Einkaufswert von 57 Euro bei zeitgerechter Bestellung innerhalb von Wien kosten-, stickoxid- und feinstaublos zu. Und zweitens kann er Bestellungen bei rechtzeitiger und verbindlicher Angabe von Abholzeit punktgenau hinaus auf die Reindorfgasse reichen. Sie melden vorher möglichst per E-Mail an, was Sie kaufen möchten. Der Rudl packt die Weine zusammen, macht die Addition und reicht Ihnen die Ware zum vereinbarten Zeitpunkt der Abholung hinaus in das Automobil auf die Gasse. Fast à la drive-in, nur ohne Gewerbegebiet und Kreisverkehr mit angeschlossenen Fressnapf, Forstinger, Fast Food, Fast Box und Fast Wasweißderkuckuckwas. Das geht ruck-zuck, sodass vor dem Zebrastreifen Ecke Reindorfgasse Oelweingasse nicht einmal der Ansatz von einem Stau entsteht.

 

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag erklären sollte!

 

Vorschau auf die nächste Runde, eingeschränkt auf den Fall, dass das Thermometer nicht in den zweistelligen Plusbereich auf der Celsiusskala kraxelt:

Gerbstoffe aus den Pyrenäen, den französischen Alpen und aus dem Burgenland. Ein Rebsortenvergleich Blaufränkisch – Mondeuse – Tannat

 

Alles Gute zum Geburtstag und dergleichen!