Schiste-Vertikale 2008 – 2010 – 2013 – 2014 – 2015 – 2016 – 2017 – 2018 – 2019 von der Domaine des Ardoisières aus Cevins am Donnerstag, den 21. Oktober von 17 bis 21 Uhr

Jahrelang hat der Rudl auf eine passende Gelegenheit gewartet, eine Vertikal vom Schiste, einem seiner Lieblingsweine, zu öffnen. Einerseits hat er ein bissl Bröseln, weil ein Thema mit so teuren Weinen ja nicht unbedingt in Überbeschäftigung für die Eingangstür vom Rudl seinem Geschäft resultieren muss. Andererseits hat der Rudl sein Geschäft ja von Beginn an eh nicht unbedingt als Massenabfertigung geplant, wenn diese Verb im Zusammenhang mit der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils nicht an sich schon unangebracht ist. Und dann sollte so ein spektakuläres Thema ja auch zu einem besonderen Anlass passen.

Der Rudl freut sich über Reservierungen.

Das tut er sowieso. Bei diesem Thema fällt es ihm in Anbetracht einerseits des Niveaus der Weine, andererseits deren Preisen noch schwerer als sonst, das Interesse abzuschätzen. Da er nur über acht „Verabreichungsplätze“ verfügt, freut sich Caviste Rudolf umso mehr über Reservierungen, per e-Mail bis Mittwoch (einen Tag vorher), per Telefon auch danach.

Anlass

Dieser zumindest ist jetzt gekommen: die Weinauktion zugunsten des Wiener Integrationshauses, die dieses Jahr gleich doppelt stattfindet, einmal in einer analogen Variante am 11. November im Alten Wiener Rathaus und einmal in einer digitalen von 8. bis 12. November im Zwischennetz, wie das Internet wörtlich übersetzt eigentlich heißt. Und da stellen sich einem wie dem Rudl naturgemäß Fragen, sprachlicher, aber auch zwischenmenschlicher und nicht zuletzt philosophischer Art: Was kann man sich unter einem „Zwischennetz“ vorstellen? Wenn Sie, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, den Rudl fragen: eigentlich nichts, denn ein Netz besteht wesentlich aus Löchern, also Nichtsen. Freilich ist es andererseits auch wieder fraglich, ob man ein Loch so mir nichts, Dir nichts mit einem Nichts identifizieren kann.

Dem Rudl seiner Wahrnehmung nach häufen sich in letzter Zeit Netzausfälle und -probleme, und zwar in auffälliger zeitliche Nähe zum fragwürdigen und alles andere als klimaneutralen Ausbau des 5G-Netzes. Wenn er sich jetzt vergegenwärtigt, dass ein Netz zum überwiegenden Teil aus Löchern besteht, darf er sich über Ausfälle nicht weiter wunder.

Aber zurück zum Wiener Integrationshaus: Dieses können Sie zwischen 8. und 12. November unterstützen. Und wenn Sie den Rudl fragen, dann sollten Sie das auch, auch wenn Monsieur Rudolf sonst kein so großer Freund von Empfehlungen ist. Neben vielen anderen Weinen wird es bei der Weinauktion zugunsten des Wiener Integrationshauses auch den großen Bruder vom Schiste, den Quartz von der Domaine des Ardoisières zu ersteigern geben.

Schiste

wächst auf südlich und südöstlich ausgerichteten Steilterrassen mit einem Gefälle von bis zu sechzig Percent. Die lehmige Auflage ist äußerst dünn, Schiefer und Glimmerschiefer. Steinmeister Rudolf hat eine Bodenprobe im Geschäft.

Der Ertrag ist mir dreißig Hektoliter am Hektar nicht als exorbitant zu bezeichnen. 40 % Jacquère, 30 % Roussanne, 20 % Pinot Gris und 10 % Mondeuse Blanche in Stockkultur.

Synchron

Achtzig Prozent der Qualität entsteht im Weingarten, wobei alle Maßnahmen ein einziges Ziel haben: die Charakteristik der jeweiligen Parzelle in die Weintraube zu transferieren.

8000 Rebstöcke am Hektar führen nicht nur zu einer Drängerei, sondern vor allem zu ziemlich tiefen Wurzeln und in weiterer Folge zu einer veritablen Steinigkeit dieser Weine.

Anders als bei sehr vielen Weingütern meint „spontanvergoren“ im Fall der Domaine des Ardoisières eine Tatsache und nicht einen Wunsch. Denn der Keller der Domaine des Ardoisières ist vor Einzug dieses Weinguts anderweitig genutzt worden. Drum können dort auch keine Reinzuchtheferln aus früheren Zeiten fröhliche Urständ feiern, wobei der Rudl ja nicht so sehr ein Problem mit Reinzuchthefen als solchen, sondern viel mehr eines mit Aromamodifikation durch Reinzuchthefen oder andere Zaubersalze hat.

Zwölf Monate reift der Schiste in gebrauchten Barriques, die irgendwann um den Jahrgang 2012 einen Mordsqualitätssprung gemacht haben müssen. Aber ein junges Weingut ist am Beginn halt sehr oft mit der Herausforderung konfrontiert, dass man in manchen Belangen versuchen muss, mit den zweitbesten Mitteln das Bestmögliche zu erreichen.

Jede Arbeit dort verfolgt ein Ziel: die aromatische Vielschichtigkeit der Trauben muss in die Flasche.

Wer sich Qualität und Länge der verwendeten Korken genauer anschaut, weiß noch vor dem ersten Schluck, dass er einen Wein im Glas hat, der nicht nach zehn Jahren über seinem Zenit ist.

Vor allem im gereiften Stadium ist der Wein strohgelb bis goldgelb. Seine Aromen tragen nicht so sehr dick auf, sondern beeindrucken eher in der Kategorie Vielschichtigkeit. Mandel, weiße und gelbe Früchte, Anis, sowie ein bissl Honig. So skeptisch der Rudl Weinattributen wie Spannung, Präzision oder Dichte gegenüber steht und so sehr er auch nicht in der Lage ist, diese zu definieren, so angebracht erscheinen sie ihm in diesem Fall.
Nasse Steine und eine kristalline Salzigkeit als Ausdruck dieses extraordinairen Terroirs am Oberlauf der Isère, das sicher eines der fünf beeindruckendsten ist, die der Rudl jemals gesehen hat.

Angeblich führt der Schiste Garnelen in Kokosmilch zur Symbiose. Verifiziert hat der Rudl das nicht.

Roussanne

ist an sich so sehr an der nördlichen Rhône in zuhause, dass sie im Wallis Ermitage genannt wird und eine eigene Appellation bekommen hat. Wenn die Trauben reif sind, was Sie, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, im September am Andreasberg in Andau studieren können, nehmen sie eine rostrote Farbe an. Ziemlich sicher gehört Roussanne zur Rebsortenfamilie der Sérines und ist daher mit Syrah, Altesse, Viognier, Marsanne und den Mondeuses verwandt.

Dass aus dieser Rebsorte gekelterte Weine säurereich seien, liest man, nachvollziehen kann es der Rudl nicht ganz. Die aus Savoyen – dort heißen sie Chignin-Bergeron – eher noch, aber auch nie nur annähernd so frisch wie Jacquère. Als völlig unangebracht erscheint dem Rudl das Adjektiv „säurereich“ im Zusammenhang mit den renommierten Roussannes aus Hermitage oder Saint Joseph. Mit Ausnahme jener von Bernard Faurie hat Caviste Rudolf diese Weine als ziemlich vom Holz totgeprügelt in Erinnerung. Leider.

Die Rebsorte ist dichtbeerig, was Ihre Anfälligkeit für viele Arten von Pilzen erklärt.

Mondeuse Blanche

ist eine autochthone Rebsorte aus Savoyen, die ihre Wiederentdeckung dem Syrah verdankt. Sie war in den Neunziger Jahren nahezu vergessen. Dann hat man sie 1998 als Mutter des Syrah identifiziert und vermutlich nicht zuletzt deshalb wieder da und dort ausgepflanzt. Direkt viel gibt es davon immer noch nicht, nicht einmal verhältnismäßig. Reinsortige Mondeuse Blanche kennt der Rudl nur den von Dupasquier. Den kann man bis jetzt nur als Endverbraucher kaufen, was sich jedoch ändern wird, vielleicht schon bald. Man schreibt Mondeuse Blanche ein Reifepotential von gut dreißig Jahren zu. Die nur geringfügig bekanntere dunkelblaue Mondeuse Noire ist die Tochter von Mondeuse Blanche und also die Schwester von Syrah.

Noch wenigeren als den Wenigen, denen Mondeuse Blanche bekannt ist, ist sie auch als Aigre Blanc bekannt. Das bedeutet „weißer Essig“ und deutet nicht gerade auf besondere Zugänglichkeit in der Jugend hin.

Jacquère

könnte man als den Welschriesling Savoyens bezeichnen. Wie letzterer wäre auch Jacquère an sich eine mittelpät- bis spätreifende Rebsorte. Trotzdem wird sie oft in zu hohem Ertrag, grün gelesen und mit Zuckerlhefen verkitscht als Massenwein interpretiert.

In den letzten Jahren taucht Jacquère vor allem im Windschatten der Naturweinszene in allen möglichen und unmöglichaaen Ecken Frankreichs auf. Auch in Condrieu soll es ein paar Exemplare dieser Rebsorte geben, obwohl sie dort nicht für die Appellation zugelassen ist.

Heunisch ist der Vater von Jacquère. Von der Mutter fehlt bis jetzt jede Spur.

Darüber hinaus hat Monsieur Rudolf vor einiger Zeit ausführlicher zu dieser Rebsorte Stellung genommen. Er erlaubt sich, das in diesem Zusammenhang zu wiederholen:

Ganz präzise hat diese autochthon savoyardische Rebsorte ihren Ursprung, soweit man das rekonstruieren kann, in Abymes de Myans. Das liegt am nordöstlichen Rand des Chartreusegebirges, ungefähr dort, wo Jean Masson und die Giachinos ihre Weingärten haben.

Die dicken Beerenschalen erlauben eine späte Reife. Am kalkreichen, steinigen Fuß der französischen Alpen ist das nicht ganz unwesentlich. Und sie schützen die dichtbeerigen Trauben vor Oïdium und Meltau.

Möchte man mit Jacquère bei Blindverkostungen renommiertere Weißweine sekkieren, dann will der Ertrag begrenzt sein, sei es vom Weinmeister oder der Weinmeisterin, noch besser aber vom Alter der Rebstöcke.

Ähnlich dem Grünen Veltliner scheint die relativ weite Verbreitung der Jacquère in Savoyen auf den möglichen hohen Hektarertrag zurückzuführen sein. Ähnlich dem Grünen Veltliner scheint bei der Jacquère nur im Fall restriktiver Ertragsbegrenzung etwas Gscheites herauszukommen. Anders als der Grüne Veltliner dürfte die spät reifende Jacquère aufgrund der Klimaerwärmung nicht so schnell ins Schwitzen geraten. Wenn es einmal sehr heiß ist, wird sie halt ein bissl reif. Aber immer noch nach fast allen anderen Rebsorten. Trockenstress ist mit entsprechend tiefen Wurzeln und in entsprechend vorgerücktem Rebstockalter auch nicht angebracht. Im Fall von klimawandelbedingten Wetterextremen ist allerdings auch die gute Jacquère mit ihrem Latein irgendwann einmal am Ende, weniger bei Spätfrost als bei Hagel.

Als Wein ist Jacquère eher blass bis weißgold. Dem Rudl seinem Geschmack nach stehen Alpenkräuter, Grapefruit, Bergamotte, Weißdorn, in äußerst gelungenen Fällen aneinander geriebener Feuerstein im Vordergrund.

Fehlen noch das Fünftel Pinot Gris

Davon wird vermutlich noch vor Weihnachten ausführlicher die geschriebene Rede sein. Hier belässt es der Rudl derweil einmal mit dem seines Erachtens aber doch nicht ganz uninteressanten Hinweis, dass eines der wirklich äußerst zahlreichen Synonyme von Pinot Gris „Rothe Savoyertraube“ lautet.

Weinberg von Cevins

Von dem hat Ihnen der Rudl auch schon erzählt, nicht erst einmal. Darum lässt es der Rudl mit einer Wiederholung der Zeilen vom 20. Mai dieses Jahres gut sein.

Der Weinberg von Cevins wurde dann in den Fünfzigerjahren von Bauern an den Wald übergeben und war bald darauf kein Weinberg mehr.

Zusammensetzen

So wäre es ziemlich sicher auch geblieben, wenn sich im April 1997 nicht der Bürgermeister von Cevins, das ist ein Dorf an der Isère in der Tarentaise, vergleichbar vielleicht mit Tenneck, wer das kennt, und ein paar Verantwortliche der Vereinigung „Vivre en Tarentaise“ mit dem damals eher noch belächelten Biodynamiepionier Michel Grisard zusammengesetzt hätten. Michel Grisard wird man ohne große Übertreibung als den Pierre Overnoy von Savoyen bezeichnen können. Was damals im April 1997 geredet worden ist, weiß der Rudl nicht. Das steht nicht auf der Homepage der Domaine des Ardoisières, was auf dieses Treffen hinauf passiert ist aber schon, ziemlich exakt noch dazu.

Im Mai 1998 sind zwanzig Ar Altesse ausgepflanzt worden. Ende desselben Jahres haben die Grundbesitzer dem Wald die rote Karte gezeigt und Anfang 1999 ist es dann richtig losgegangen. Zuerst haben Sie die Wurzeln entfernt, dann den Weinberg terrassiert. Im Oktober 2002 hat Michel Grisard zweiundzwanzig Hektoliter vom Weinberg in Cevins vinifiziert.

Der Rudl würde viel dafür geben, diesen Wein einmal kosten zu dürfen. Ein 2005er Schiste ist bis jetzt das Älteste, was er von diesen damals extrem jungen Reben getrunken hat. Und das war alles andere als unbeeindruckend.

Davor, 2003, haben einander Michel Grisard und Brice Omont getroffen. Letzterer kommt von einem Getreidebauern aus der Champagne und wollte eigentlich ein besseres Bier brauen. Aber das hat er sich dann überlegt. Vielleicht war es auch Michel Grisard, der ihm das ausgeredet hat.

Und bei der Inauguration im selben Jahr war dann der damalige französische Landwirtschaftsminister Hervé Gaymard anwesend, was schon darauf hindeutet, dass es bei der Domaine des Ardoisières von Beginn an nicht um ein Projekt mit provinziellem Horizont gegangen ist.

2008 wurden dann Weingärten in Saint Pierre de Soucy, viel weiter isèreabwärts, übernommen. Auch kein uninteressantes Terroir, aber doch sehr verschieden von den ausgesetzten Terrassen in Cevins. Von diesen älteren Weingärten in Saint Pierre de Soucy kommen Argile blanc und Argile rouge. Heuer im Sommer hat der Rudl endlich einmal auch diese Weingärten studiert.

Seit 2010 trägt Brice Omont die Verantwortung für die Domaine des Ardoisières allein. Michel Grisard hat sein Stammweingut Prieuré Saint Christophe in Fréterive noch bis zum Jahrgang 2014 weitergeführt, bis er das gemacht hat, was andere Winzer gut zehn Jahre früher machen, nämlich in die Rente zu gehen. Aber auch die Weingärten von Michel Grisard in Fréterive sind in gute Hände geraten. Dort wachsen jetzt Prieuré Christophe rouge und Prieuré Christophe blanc von den Giachinos.

  • Schiste 2019, Domaine des Ardoisières, Cevins, IGP Vin des Allobroges, (7/11)

  • Schiste 2018, Domaine des Ardoisières, Cevins, IGP Vin des Allobroges,(7/11)

  • Schiste 2017, Domaine des Ardoisières, Cevins, IGP Vin des Allobroges,(7/11)

  • Schiste 2016, Domaine des Ardoisières, Cevins, IGP Vin des Allobroges,(8/12)

  • Schiste 2015, Domaine des Ardoisières, Cevins, IGP Vin des Allobroges,(8/12)

  • Schiste 2014, Domaine des Ardoisières, Cevins, IGP Vin des Allobroges (8/12)

  • Schiste 2013, Domaine des Ardoisières, Cevins, IGP Vin des Allobroges (8,50/13)

  • Schiste 2010, Domaine des Ardoisières, Cevins, IGP Vin des Allobroges (9/14)

  • Schiste 2008, Domaine des Ardoisières, Cevins, IGP Vin des Allobroges (9/14)

glasweise

am Donnerstag, den 21. Oktober von 17(!) bis 21 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Cycling Caviste Rudolf Polifka freut sich über Reservierungen. Er hat nur acht Verabreichungsplätze), stellt in Wien zustellgebührfrei Wein zu und bleibt der Meinung, dass der 27. Jänner, der Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz, endlich zu einem europäischen Feiertag zu erklären ist.

Caviste Rudolf grüßt gespannt und konzentriert, aber nicht dicht!

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

DIENSTAG, 5. Oktober, von 17 bis 21 Uhr geöffnet. Der hl. Franz gegen den Junker. Ein Rundumschlag gegen (Neo-)Feudalismus, Neosozialdarwinismus und daher auch Neoliberalismus

Junker und Lederhosen im Kopf

Jetzt hebt sie wieder an, die Jungweinzeit. Und ganz offengestanden kann sich auch der selbsternannte Oenologierat Rudolf Polifka nicht ganz der Faszination dieser Wandlung von der Beere über die Gärgase und Gatsch zum Wein entziehen. Zu keinem anderen Zeitpunkt des Weinjahres kann man den Einfluss von Zeit auf den Wein oder zumindest auf das, was zum Wein werden soll, so deutlich miterleben: vor wenigen Tagen noch eine Traube am Stock, heute eine brodelnde Lacke und wenn kein ungeduldiger Patron am Werk ist, in ein paar Jahren ein ansprechender Wein. Wenn. Wobei der Rudl ja weniger die Ungeduld an sich als vielmehr das Dogma der Optimierung für den Jungweinunfug im Speziellen und den Weltuntergang im Allgemeinen verantwortlich macht. Es muss halt alles schnell gehen und vor allem viel sein. Das Wie?, eine Frage, über die sich Naturwissenschaften einmal Gedanken gemacht haben, scheint nicht mehr so interessant zu sein. Neben dem Wie viel?, Wie schnell? und Wie laut? der betriebswirtschaftlichen Dogmatik ist es für Geisteswissenschaften längst und Naturwissenschaften jetzt auch zunehmend eng geworden.

Auf alle Fälle schmeckt das, was man als „Jungwein“ bezeichnet, nach allem Möglichen, aber halt oft nicht sehr nach Wein.

Das ist für sich schon ziemlich unerfreulich. Im Widerstand zu den Lederhosen an den Haxen, aber vor allem zu den Lederhosen in den Köpfen ist der Rudl aufgewachsen. Das war für ihn identitätsstiftend.

Heute bieten pfiffige Fetzentandler aus Fernost dieses irrdümmliche Heimattum zu Ramschpreisen an, während alteingesessene Trachtenschneidereien der Reihe nach zusperren. Wenn dann zur Zeit der Wiener Wiesn der Simmeringer Junker in seiner urigen Kluft das Bild in der U3-Endstation noch grausliger macht, dann sieht der Rudl wenig Veranlassung, darin irgendetwas anderes als den Untergang des Abendlandes zu sehen. Und Monsieur Rudolf sieht kein ausreichendes Motiv, an einem Wein gutzuheißen, was er an einem Simmeringer auszusetzen hat.

Neo- oder Uraltfeudalismus?

Dazu kommen feudale Assoziationen, die der „Junker“ beim Rudl auslöst. Und mit dem Feudalismus hat Citoyen Rudolf Polifka seine Probleme, vor allem weil er nicht glaubt, dass dieser überwunden ist. Womöglich hat er nur seine religiöse Legitimation verloren. Immerhin!

Aber zu häufig begegnet der Rudl feudalistischen Strukturen. Ob auf Ämtern, in Betrieben, Fußballvereinen, Familien oder anderen Körperschaften, die Gutsherren- und Gutsherrinnenattitude scheint nach wie vor en vogue. Manchmal beschleicht Herrn Rudolf der Verdacht, dass sich der antifeudalistische Kampf der Lehensweiber und Lehensmänner darin erschöpft hat, doch lieber Lehensherrinnen und Lehensherren sein zu wollen, anstatt mit dem ganzen Feudalsystem an sich dorthin zu fahren, wo es hingehört, nämlich zum Teufel. Möglicherweise haben auch Verhaltensforschung und Evolutionsbiologie feudalistischen Lebensentwürfen wieder Aufschwung verliehen, „Alphatiere“ und so weiter …. Das biblisch-humanistische Ideal einer egalitären Gesellschaft wird nach Strich und Faden desavouiert. Um dies zu kaschieren haut man auf das hin, was dieses System zwar vor Jahrhunderten einmal gestützt, im Jahr 2021 aber längst kein gesellschaftlicher Machtfaktor mehr ist, sich möglicherweise sogar eher als einer der letzten ernstzunehmenden Kritiker feudalistischer Diskriminierungen erweist.

Die Mitzi aus Wulkaprodersdorf und der Hiasi aus dem Bregenzerwald haben das katholische Jopperl in den Kasten gehängt, sich eine hippe Urbanität zugelegt und verschreiben sich mit Haut und Haar den Dogmen und Benimmregeln von irgendwelchen angesagten Kommunikationsgurus, Designern oder anderen Kerzlschluckern des Zeitgeistes. Der Rudl bezweifelt, dass sich da mehr als die Fassade geändert hat.

Er kennt ein paar Menschen, die seit mindestens fünfunddreißig Jahren gegen klerikale und säkulare Dogmatisierungen kämpfen, nachweisbar. Und er fragt sich immer öfter, wo die heute in Bezug auf Religion so kritischen Geister vor fünfzehn, vor zwanzig und vor dreißig Jahren waren, als man tatsächlich noch berufliche Nachteile befürchten konnte, wenn man diesbezüglich seine Pappalatur zur weit aufgerissen hat und noch nicht finanziell abgesichert war.

Se ham a poa offane Tian eingrennt“, hat der unvergessene Trainer einmal geschrieben.

Darum kredenzt Caviste Rudolf am Dienstag zu Ehren des Franz von Assisi keinen Junker, sondern ausschließlich Weine, die mindestens fünf Jahre reif sind.

  • Gemischter Satz 2008, Josef Salomon, Falkenstein, Weinviertel (3/5)

  • Jacquère 2016, Dupasquier, Aimavigne, AOP Vin de Savoie (3/5)

  • Marignan 1515 2016, Les Vignes de Paradis, Ballaison, IGP Vin des Allobroges (5/8)

  • Altesse 2014, Dupasquier, Aimavigne, AOP Vin de Savoie (3/5)

  • Neuberger 2016, Weingut Dieter Dorner, Novi Vrh und Mureck, Steirerland (6/9)

  • Irouléguy blanc 2013, Domaine Ilarria, AOC Irouléguy, Sud Ouest (5/8)

  • Breg Rosso Anfora 2004, Joško Gravner, Oslavia, Italien (13/20)

reiner Pignolo im Holz vergoren, dann in Amphoren, alles ohne Temperaturkontrolle, fünf Jahre wieder Holz, fünf Jahre Flasche, sowieso unfiltriert und ungeschönt – Tannine jetzt gebändigt, Wein auch bei der diesjährigen Versteigerung zugunsten des Wiener Integrationshauses (online von 8. bis 12. November UND analog im Alten Wiener Rathaus am 11. November – nicht vergessen!) ersteigerbar.

glasweise

am Dienstag, den 5. Oktober von 17(!) bis 21 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Cycling Caviste Rudolf Polifka freut sich über Reservierungen (er hat nur acht Verabreichungsplätze), stellt in Wien zustellgebührfrei Wein zu und bleibt der Meinung, dass der 27. Jänner, der Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz, endlich zu einem europäischen Feiertag zu erklären ist.

Rudolf Polifka grüßt Franz, den Trainer, alle, die „liaba geng vasperrte Tian“ rennan, sowie den Wirt und Winzer mit dem weltbesten Musikgeschmack!

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

diesen Donnerstag, 30. September, 17(!) bis 21 Uhr: Vitovska-Vertikale von Branko und Vasja Čotar, featuring Marko Fon und Edi Kante

Die Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils hat außertourliche Öffnungszeiten. Der Rudl gibt so verbindlich wie zeitgerecht und auch wiederholt bekannt, wann er aufsperren und was er dabei kredenzen wird.

Darüber hinaus wird der Rudl sozusagen auch „on demand“ sein Geschäft öffnen, wenn er Zeit hat und Sie, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, das wünschen.

Und wiederum darüber hinaus wird cycling Caviste Polifka natürlich gerne auch Wein per Radl oder Tramway zustellen.

Resümierend auf drei Punkte gebracht:

  • themenbezogene Weinverkostungen, bei denen man wie bisher glasweise konsumieren kann, in mehr oder weniger unregelmäßigen Abständen nach Ankündigung auf diesem Weg,
  • Bewirtung von Gruppen nach Vereinbarung und Maßgabe der zeitlichen Reserven des Rudls sowie
  • schadstoff- und zustellgebührfreie Lieferung von Wein in Wien und sogar Simmering

 

Vitovska
Ein bekannter Weinbaulehrer und Geistlicher aus Vipava soll zum ersten Mal Vitovska erwähnt haben. Ertrag reichlich, Ansprüche niedrig, Farbe strohgelb. Die Eltern sind womöglich Prosecco Tondo und Malvasia Bianca Rouge. Immer wieder werden die Aromen von Vitovska mit Salbei, Rauch, Birnen, Pflaumen, Steinobst und Äpfel assoziiert.

So weit, so wenig.

 

Branko und Vasja Čotar

 

Es gibt zwei oder drei Hände voll Weingüter, vielleicht sind es auch mehr, bei denen sich der Rudl noch genau erinnern kann, wie er auf sie aufmerksam geworden ist. Das Weingut von Branko und Vasja Čotar ist eines davon: fast genau, wenn das kein Widerspruch in sich ist. Der Rudl hat damals bei Benjamino Zidarich Wein gekauft. Zeitgleich mit dem Rudl war auch noch eine andere Kundschaft zugegen und diese hat mit Signore Zidarich über einen ganz extraordinairen Boden geredet. Soviel hat Monsieur Rudolf mit seinen Lateinkenntnissen dem Gespräch extrahieren können. Um seine Neugier anzuheizen, hat sein klassisches Latein genügt. Drum hat der Rudl recherchiert, wer dieser Weinbauer sein könnte, von dessen außergewöhnlichem Weingarten da die Rede gewesen war, und ist dabei bald einmal auf Branko Čotar gestoßen.

Ein Jahr später ist der Rudl dann bei Branko im Keller gestanden. Das hat ihm ziemlich imponiert. Mehr drüber zu schreiben hat nicht viel Sinn. Wer schon dort war, wird in Anbetracht des mehrgeschoßigen Kellers ähnlich beeindruckt gewesen sein. Und wer noch nicht dort war, muss fast unter den pršutisierenden Schweinshaxen durchgehen, um eine Vorstellung von diesem Keller zu bekommen. So schaut‘s aus, würde der Herr Kurt sagen.

  • Vitovska 2015, Edi Kante, Prepotto, Carso, Italien (4,50/7)
  • Vitovska 2018, Marko Fon, Komen, Kras, Slowenien (6,50/10)
  • Vitovska 2018, Branko und Vasja Čotar, Komen, Kras, Slowenien (6/9)
  • Vitovska 2015, Branko und Vasja Čotar, Komen, Kras, Slowenien (6/9)
  • Vitovska 2013, Branko und Vasja Čotar, Komen, Kras, Slowenien (7/11)
  • Vitovska 2007, Branko und Vasja Čotar, Komen, Kras, Slowenien (7/11)

… glasweise

am Donnerstag, den 30. September von 17(!) bis 21 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Monsieur Rudolf freut sich über Reservierungen und bleibt der Meinung, dass der 27. Jänner, der Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz, endlich zu einem europäischen Feiertag zu erklären ist.

Monsieur Rudolf krüßt Kras!

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

kosten- und fast CO2-lose Zustellung innerhalb von und um Wien, auch von Einzelflaschen

Öffnungszeiten

Die Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils hat unregelmäßige Öffnungszeiten. Caviste Rudolf Polifka ersucht Sie, unter info@wein-polifka.at seinen Newsletter zu abonnieren. Dann erfahren Sie jedes Mal zeitgerecht, wann offen ist.

Danke für Ihr Verständnis!

Außertourlich. Vieles anders. Donnerstag, 16.9. von 17 bis 21 Uhr geöffnet

Der Rudl hat einen Gefallen gefunden. In den abgelaufenen Wiener Schulferien hat er zweimal die Pforten seines Geschäfts geöffnet, einmal um auf neue französische Weine aufmerksam zu machen und einmal um ein paar Weine von Andreas Tscheppe herzuzeigen. Das will er beibehalten.

 

Neue Öffnungszeiten, die eigentlich keine Öffnungszeiten sind

 

Vor den Ferien hat der Rudl an Dienstagen und Donnerstagen, sofern die ein Schultag waren, aufgesperrt.

Jetzt wird er außerhalb der Tour de France-Zeiten quasi nur mehr außertourlich aufsperren. Ein Übermaß an Konkretheit werden Sie, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, dieser Ankündigung jetzt wahrscheinlich nicht attestieren. Dafür wird Caviste Rudolf ebenso verlässlich wie verbindlich stets zeitgerecht auf diesem Weg bekanntgeben, wann er aufsperren und was er dabei kredenzen wird.

Soweit, so hoffentlich auch gut.

Darüber hinaus wird der Rudl sozusagen auch „on demand“ sein Geschäft öffnen. Nicht dass ihm dieses Prinzip der Kundinnen- und Kundenorientierung, der neoliberalistischen Deregulierung und des „Wir-Spielen-was-Sie-Sich-Wünschens“ auch nur in irgendeiner Hinsicht sympathisch wäre! Ganz im Gegenteil. Aber Schulmeister Rudolf freut sich, wenn er andere für Weine, die er mag, oder ein Bier, das er mag, begeistern kann. Diesbezüglich kann und will Caviste Rudolf einen Hang zum Missionarischen gar nicht einmal ganz leugnen, aber auch wirklich nur diesbezüglich.

Das heißt: Wenn Sie Sich in einer gewissen Runde auf ein paar Achtln, Sechzehnteln oder Biere treffen oder, respektive und Wein erstehen möchten, dies dem Rudl ein paar Tage vorher am besten per Elektrocourriel mitteilen, die zeitlichen und energiemäßigen Reserven des Schulmeisters Rudolf das erlauben und der Caviste Ihnen diesen Termin ganz klassisch bestätigt, dann werden zum entsprechenden Zeitpunkt die Hütte offen, die gewünschten Getränke eingekühlt und die Glasln blitzblanc poliert sein.

Darüber hinaus wird cycling Caviste Polifka gerne auch Wein per Radl oder Tramway zustellen, wenn der Ausnahmefall einer Menge über 18 Flaschen es erfordert, sogar auch einmal mit der automobilen Kraxn.

Resümierend auf drei Punkte gebracht:

  • themenbezogene Weinverkostungen, bei denen man wie bisher glasweise konsumieren kann, in mehr oder weniger unregelmäßigen Abständen nach Ankündigung auf diesem Weg,
  • Bewirtung von Gruppen nach Vereinbarung und Maßgabe der zeitlichen Reserven des Rudls sowie
  • schadstoff- und zustellgebührfreie Lieferung von Wein in Wien und sogar Simmering

 

Altesse

 

Welche Rebsorte wäre würdiger, den Auftakt zu diesen Außertourlichkeiten zu celebrieren als ihre Hoheit Altesse?

Viel hat Caviste Rudolf schon geschrieben über diese Rebsorte. Aber das ist auch schon wieder ein Zeitl her. Vor ziemlich genau zwei Jahren ist das gewesen. Und Altesse ist halt eine Rebsorte, mit der sich Weinrat Rudolf intensiver beschäftigt, als Weinstock, als Traube, vor allem aber als Vergorenes. Da lässt es sich gar nicht vermeiden, dass sich neue Forschungsergebnisse, Erkenntnisse und Errungenschaften einstellen, Unklarheiten klären, aber auch Fragen stellen. So ist das mit der Forschung.

Je intensiver Caviste Rudolf seine Studien an Ihrer Hoheit betreibt, desto mehr erhärtet sich sein Verdacht, dass es sich bei Altesse nicht um einen Rebstock, über den der Rudl mehr oder weniger zufällig gestolpert und im Anschluss daran hängen geblieben wäre, handelt, sondern vielmehr um eine der wenigen wirklich ganz extraordinaire großen Rebsorten dieser Welt. Monsieurs Brice Omont und Michel Grisard sehen das genauso, nur nebenbei.

Außerhalb der alpinen Grafschaft Savoyen gibt es keine nennenswerte Altesse. Vielleicht wirft dieser Umstand ein aristokratisches Licht auf Savoyen. Eher hat es mit den Bergen zu tun. Einen Stock Altesse gibt es freilich außerhalb von Savoyen. Der steht in Wien Hasenleiten, macht aus Hasenleiten aber eher kein aristokratisches Pflaster.

Dass Altesse mit der Appellation Roussette die Savoie die einzige Rebsortenappellation in der Weinbauregion Savoyen gewidmet ist, deutet in dieselbe Richtung.

 

Zur Wiederholung

 

Ludwig von Savoyen hat im fünfzehnten Jahrhundert eine gewisse Charlotte de Lusignan, ihres Zeichens Hoheit der Insel Zypern, abgeschleppt. Über die daraus resultierende Begeisterung der Betroffenen gibt es unterschiedliche Angaben. So oder so, soll sie der Deplacierung nur unter der Bedingung, sich ein paar Rebstöcke aus ihrer Heimat mitzunehmen, zugestimmt haben.

 

Pierre Galet sieht Altesse bei Furmint, dem Wein des österreichisch-ungarischen Hofes. Louis Levadoux wiederum in der Familie der Sérines, zu der auch Marsanne, Roussanne, Viognier und Syrah, damit auch Mondeuse gehören.

Vermutlich können nicht alle dieser drei Erklärungsversuche denselben Grad an wissenschaftlicher Seriosität aufweisen. Dem Rudl gefällt ein gut erzählter Schmäh im Zweifelsfall tendenziell besser als eine wissenschaftlich kaschierte Ideologie.

 

Rebsortencharakteristika

 

Altesse reift sehr spät und nimmt in der Vollreife einen roten Farbton an. Sie steht gerne auf kargen Kalkböden, erweist sich als relativ resistent gegenüber Fäulnis und Oidium, aber anfällig für Peronospora, Trauben eher lockerbeerig, Beeren elliptisch.

 

Speisebegleiter

 

Évelyne Léard-Viboux bezeichnet Altesse als „grande dame qui a la classe de coeur“, die besonders auf Hechtnockerl (Lyoner Spezialität) oder Felchenfilet (Genfer See), beides reich an Omega-3-Fettsäuren, reflektiert. Ernährungsstudienrat Polifka nimmt das wieder einmal zum Anlass, Sie darauf hinzuweisen, dass es ausgesprochen willkommen ist, wenn Sie sich in die Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils das Essen zum Wein selber mitbringen, quasi Weinbegleitung in Form von Jause oder – falls Sie logistische Herausforderung schätzen – warum nicht Hechtnockerl oder Felchenfilet.

 

Haselnüsse, Mandelkern haben die Altessen gern.

 

Haselnüsse und Mandeln schmecken nach Altesse. Ohne Biosynthese kein Haselnussaroma, und auch die frische Butter müsste dann eines eigenen Aromas entraten, was für gar nicht so wenige Zeitgenossen verschmerzbar wäre, weil dieses Aromerl, das die Haselnuss mit der frischen Butter gemeinsam hat und das aus einer Dekomposition einiger Fettsäuren durch Microorganismen resultiert, sich gar nicht so wenigen Zeitgenossen eh verschließt. In den Saint Nectaire, ein Kaserl aus der Auvergne, wird dieser Geschmack durch besondere Pilzstämme hinein gebracht. Unter den Weinen gilt sonst Chardonnay als das rebsortegewordenes Haselnussaroma. Das dürfte so zu dieser Rebsorte gehören, dass es fast egal ist, ob der Weinstock in der Champagne, in Meursault, Puligny, im Napa Valley oder in Großgmain steht.

Bei der Mandel schaut die Geschichte ein bissl schwieriger aus, weil es da zwei Mandelgeschmäcker gibt: die gebrannte Mandel und die frische Mandel.

Das Aroma der gebrannten Mandel ist eine Spur komplexer und näher an der Haselnuss. Es ist ein Tertiäraroma, das sich aus Sulfiden entwickelt. Besonders oft findet man es in trockenen Weißweinen aus Burgund, in den Altessen aus Savoyen sowie in Saint-Péray und Crozes-Hermitage an der nördlichen Rhône.

Das Aroma der frischen Mandel dagegen steht mit Benzaldehyd in Verbindung und kommt in den Steinobstkernen vor. In Koalition mit ein paar anderen Molekülen sorgt es vor allem in den Rotweinen von Bordeaux, Burgund und der Touraine, ganz besonders in den Italienern aus Piemont für Kirscharomen. Benzaldehyd war am Beginn des neunzehnten Jahrhunderts das erste Geruchsmolekül, dessen Produktion in einem Labor gelungen ist. Der Wein schuldet das frische Mandelaroma den Stielen und Stengeln der Traube. Darum handelt es sich grundsätzlich einmal um ein Primäraroma. Wenn dessen Intensität mit zunehmendem Alter und einer dezenten Oxydation zunimmt, mutiert es zum tertiären.

Kennen muss man Altesse nicht. Dafür ist die Weinbauregion Savoyen insgesamt zu klein. Aber es entgeht Ihnen etwas, wenn Sie sie nicht kennen.

Landschaftlich hängt das natürlich auch davon ab, wie man zum Ergebnis dieser tektonischen Kollision damals vor gut zwanzig Millionen Jahren steht. Der Rudl ist ja selber ein Kind der Alpen. Weinmäßig ist Rudolf Polifka dort in seinem Element. Viel Kalk, mehr Kräuter und Blüten als Früchte, wenig Alkohol, … und reserviert eigenbrötlerische bis starrsinnige Weinbaumeister, die sich nach einiger Zeit sehr oft als besonders herzliche Narren im positivsten Sinn erweisen.

  • Altesse aVé 2020, Côteaux des Girondales, Villaz, Haute-Savoie, Vin de France (4,50/7)

Neuerwerbung vom Rudl, vom Weinmeister Francis und vom Weinberg, auf dem seit der Zeit des Katasters auf dem ziemlich schönen Etikett kein Wein mehr gewachsen ist

  • Roussette de Savoie 2017, Domaine Giachino, Chapareillan, AOP Vin de Savoie (4/6)

keine Neuerwerbung, demeterzertifizierter Naturwein in einer Präzision und kristallinen Sauberkeit, wie man sie in diesem Genre nicht so leicht trifft.

  • Roussette de Savoie 2017, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOC Vin de Savoie (3/5)
  • Son Altesse 2017, Les Vignes de Paradis, Ballaison, Haute-Savoie, IGP Vin des Allobroges (6/9)

Auch im Nachbardepartement Haute-Savoie wächst Altesse, wenn sie auch dort oben beim Genfer See nicht mehr für die Appellation zugelassen ist. Aber das ist Dominique Lucas sowieso Powidl, weil er mit „Les Vignes de Paradis“ aus der Appellation ausgestiegen ist.

  • Prieuré Saint Christophe blanc 2016, Domaine Giachino, AOP Vin de Savoie (7/11)

Als Basis der seit gut dreißig Jahren biodynamisch kultivierte Weingarten von Michel Grisard in Fréterive, als Überbau der Giachino Fils. Auch wieder ein Indiz dafür, dass das Beste aus dem konstruktiven Zusammenwirken von jungen und alten Menschen resultiert.

  • Quartz 2018, Domaine des Ardoisères, IGP Vin des Allobroges (11/17)
  • Quartz 2019, Domaine des Ardoisères, IGP Vin des Allobroges (11/17)

Der Weinberg von Cevins wurde dann in den Fünfzigerjahren von Bauern an den Wald übergeben und war bald darauf kein Weinberg mehr.

So wäre es ziemlich sicher auch geblieben, wenn sich im April 1997 nicht der Bürgermeister von Cevins, das ist ein Dorf an der Isère in der Tarentaise, vergleichbar vielleicht mit Tenneck, wer das kennt, und ein paar Verantwortliche der Vereinigung „Vivre en Tarentaise“ mit dem damals eher noch belächelten Biodynamiepionier Michel Grisard zusammengesetzt hätten. Michel Grisard wird man ohne große Übertreibung als den Pierre Overnoy von Savoyen bezeichnen können. Was damals im April 1997 geredet worden ist, weiß der Rudl nicht. Das steht nicht auf der Homepage der Domaine des Ardoisières, was auf dieses Treffen hinauf passiert ist aber schon, ziemlich exakt noch dazu.

Im Mai 1998 sind zwanzig Ar Altesse ausgepflanzt worden. Ende desselben Jahres haben die Grundbesitzer dem Wald die rote Karte gezeigt und Anfang 1999 ist es dann richtig losgegangen. Zuerst haben Sie die Wurzeln entfernt, dann den Weinberg terrassiert. Im Oktober 2002 hat Michel Grisard zweiundzwanzig Hektoliter vom Weinberg in Cevins vinifiziert.

Der Rudl würde immer noch viel dafür geben, diesen Wein einmal kosten zu dürfen. Ein 2005er Schiste ist bis jetzt das Älteste, was er von diesen damals extrem jungen Reben getrunken hat. Und das war alles andere als ungut.

Davor, 2003, haben einander Michel Grisard und Brice Omont getroffen. Letzterer kommt von einem Getreidebauern aus der Champagne und wollte eigentlich ein besseres Bier brauen. Aber das hat er sich dann überlegt. Vielleicht war es auch Michel Grisard, der ihm das ausgeredet hat.

Und bei der Inauguration im selben Jahr war dann der damalige französische Landwirtschaftsminister Hervé Gaymard anwesend, was schon darauf hindeutet, dass es sich bei der Domaine des Ardoisières von Beginn an nicht um ein Projekt mit provinziellem Horizont gegangen ist.

Seit 2010 trägt Brice Omont die Verantwortung allein. Michel Grisard hat sein Stammweingut Prieuré Saint Christophe in Fréterive noch bis zum Jahrgang 2014 weitergeführt, bis er das gemacht hat, was andere Winzer gut zehn Jahre früher machen, nämlich in die Rente zu gehen. Aber auch die Weingärten von Michel Grisard in Fréterive sind in gute Hände geraten. Dort wachsen jetzt Prieuré Christophe rouge und Prieuré Christophe blanc von den Giachinos. Dazu hoffentlich mehr im Oktober oder November.

 

Synchron

 

Achtzig Prozent der Qualität entsteht im Weingarten, wobei alle Maßnahmen ein einziges Ziel haben: die Charakteristik der jeweiligen Parzelle in die Weintraube zu transferieren.

Quartz wächst fast ausschließlich auf Glimmerschieferfelsen.

8000 Rebstöcke am Hektar in Stockkultur führen nicht nur zu einer Drängerei, sondern vor allem zu ziemlich tiefen Wurzeln und in weiterer Folge zu einer veritablen Steinigkeit dieser Weine.

 

Keller

 

Jede Arbeit dort verfolgt ein Ziel: die aromatische Vielschichtigkeit der Trauben muss in die Flasche. Neun bis achtzehn Monate hat sie dafür Zeit, wobei das, was sich in den Jahren danach in der Flasche noch tut, auf gar keinen Fall zu unterschätzen ist.

Die Weine werden selbstverständlich spontan vergoren. Und in diesem Fall bedeutet das zu hundert Percent das, was es heißt, denn der Keller der Domaine des Ardoisières ist früher nicht von einem Weingut, sondern von einer Rebschule genutzt worden. Es können sich darin also auch keine lustigen Heferln aus früheren Zeiten wichtigmachen.

Wer sich Qualität und Länge der verwendeten Korken genauer anschaut, weiß noch vor dem ersten Schluck, dass er einen Wein im Glas hat, der nicht nach zehn Jahren über seinem Zenit ist.

glasweise

am Donnerstag, den 16. September von 17(!) bis 21 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Caviste Rudolf freut sich über Reservierungen und stellt Ihnen darüber hinaus weiterhin gerne CO2-, kontakt- und zustellgebührfrei Wein zu.

Im Übrigen bleibt Rudolf Polkifka der Meinung, dass endlich der 27. Jänner, der Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag zu erklären ist.

Monsieur Rudolf grüßt außertourlich!

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

 

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

kosten- und fast CO2-lose Zustellung innerhalb von und um Wien, auch von Einzelflaschen

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils auch beim Reindorfgassenfest geschlossen

Das Geschäft vom Rudl bleibt bis auch Weiteres geschlossen.

Caviste Rudolf Polifka meldet sich in der zweiten Schulwoche und verlautbart, wie es weitergehen wird. Er stellt Ihnen aber weiterhin gerne CO2-, kontakt- und zustellgebührfrei Wein mit dem Radl, der U-Bahn oder der Tramway zu.

Im Übrigen bleibt Rudolf Polifka der Meinung, dass endlich der 27. Jänner, der Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag zu erklären ist.

Der Rudl wünscht ein plaisantes Wochenende und einen passablen Schulstart, sofern Sie davon betroffen sind!

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien kosten- und fast CO2-lose Zustellung innerhalb von und um Wien, auch von Einzelflaschen

„Schmeckat?“ – diese Woche MITTWOCH und Donnerstag von 16 bis 21 Uhr geöffnet (Dienstag geschlossen)

Der Rudl gibt hiermit bekannt, dass er diese Woche ausnahmsweise am MITTWOCH und am Donnerstag aufsperrt. Am Dienstag spielen um sechse die englischen gegen die deutschen Fußballer. Darum würde der Rudl da aller Voraussicht nach sowieso ziemlich noch mehr alleine in seinem Geschäft hocken. Da lässt er diese Woche am Dienstag gleich ganz zu, sperrt dafür am Mittwoch und wie gewohnt am Donnerstag von 16 bis 21 Uhr auf. In den Wiener Schulferien ist die Academie Rudolf Polifka geschlossen. Cycling Caviste Rudolf Polifka stellt Ihnen aber nach Maßgabe seiner Präsenz in Wien und Umgebung auch im Sommer sehr gerne CO2-, kontakt- und zustellgebührfrei Wein mit dem Radl zu.

 

Unter „schmeckat“ …

 

… versteht man land- und auch stadtläufig Weißweinrebsorten, denen man intensive Aromen nachsagt. Mehr oder weniger subsummiert man unter diesem Terminus Muskat- und Traminerspielarten sowie Scheurebe.

 

Die Teekanne macht bekanntlich den Tee. Und den Wein?

 

Monsieur Rudolf hat gelegentlich den Verdacht, dass die Bedeutung von Rebsorten in Österreich überschätzt wird. Möglicherweise lässt sich sein Verdacht am Beispiel der „schmeckatn Rebsorten“ erhärten. Dem Rudl seinem Gaumen nach zeichnen sich viele Weine durch ein intensives, etliche durch ein zu intensives und gar nicht so wenige durch ein viel zu intensives Aroma aus. Diesen Umstand alleine Rebsorten umzuhängen, trifft womöglich nur einen Teil der Sache. Der Rudl denkt dabei etwa an den einen oder anderen Riesling, der ziemlich penetrant nach Steinobst geschmeckt hat. Ähnliches ist ihm mit Grünen Veltlinern, die ihm tropische Früchte, Brennesseln und Paprika entgegen gebrüllt haben, widerfahren. Dass in diesen Fällen die Rebsorte Mutter des Geschmacks war, bezweifelt er. Gegebenenfalls wären Riesling und Grüner Veltliner zu den „schmeckaten“ Rebsorten zu zählen. Und was ist dann mit Sauvignon blanc oder Altesse? Der Rudl weiß es nicht.

Caviste Rudolf löst das Problem wie sonst auch ganz gerne, indem er den Begriff zumindest auch beim Wort nimmt. Und bei diesem bedeutet „schmeckat“ zweifelsohne schon auch ein bisschen, dass der jeweilige Wein einem schmeckt. Man wird präzisieren können: gut schmeckt.

Als „schmeckat“ erachtet Monsieur Rudolf die folgenden, diese Woche zu Ausschank gelangenden Weine, insofern als er diesen Intensität in der Aromatik und Gutheit im Geschmack attestiert.

  • Gelber Muskateller 2020, Geyerhof, Oberfucha, Kremstal (3/5)
  • Gewürztraminer 2018, Josef Salomon, Falkenstein, Weinviertel (2,50/4)
  • Gewürztraminer 2017, Weingut Dieter Dorner, Mureck – Novy Vrh, Steirererland (3/5)
  • Gelber und Roter Traminer 2019, Josef Umathum, Frauenkrichen, Neusiedler See (4,50/7)
  • Altesse 2017, Giachino, Chapareillan, AOP Roussette de Savoie (4/6)
  • Segelfalter 2018, Elisabeth und Andreas Tscheppe, Glanz, Steirererland (6/9)
  • Traminer 1993, Lust, Haugsdorf, Weinviertel (4/6)
  • Traminer maischevergoren 2017, Dankbarkeit, Neusiedler See (4,50/7)

Diese und andere Weine gibt es glasweise

am MITTWOCH(!), den 30. Juni und am Donnerstag, den 1. Juli

von 16 bis 21 Uhr
in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Im Übrigen fordert er, endlich den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag zu erklären.

Au goût! Monsieur Rudolf

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

kosten- und fast CO2-lose Zustellung innerhalb von und um Wien, auch von Einzelflaschen

Grüne Veltliner, quasi „Vertrautheit au verre“, DIENSTAG, 15. Juni ERST AB 17 UHR GEÖFFNET, Donnerstag von 16 bis 21 Uhr geöffnet

Nachrichten aus dem Sortiment

Ab sofort sind folgende Weine verfügar

  • Riesling Annus Horribilis 2020, Mantlerhof (im Doppler)

  • Grüner Veltliner Lössterrassen 2019, Mantlerhof

  • Grüner Veltliner Lössterrassen 2020, Mantlerhof

  • Neuburger 2020, Mantlerhof

  • Grüner Veltliner Steinleithn 2018, Geyerhof

  • Gelber Muskateller 2020, Geyerhof

  • 360° Méthode ancestrale 2019 (Pétillant naturel), Geyerhof

  • Zierfandler 2020, Kuczera

  • Rosé Frizzante (trocken) 2020, Salomon

Bitte schreiben Sie dem Rudl, bevor Sie wegen eines (oder mehrerer) dieser Weine ins Geschäft kommen, damit der Rudl diesen respektive diese dann vor Ort parat hat.

Jetzt aber zum Thema …

Letzte Woche hat Sie, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, der Rudl nach Irouléguy entführt. Viel fremder geht es nicht, in Sachen Sprache nicht, aber auch in Sachen Wein ist die Appellation Irouléguy nicht gerade als oenologischer Trampelpfad zu bezeichnen. Dass in Anbetracht so eines Wochenthemas der Weg zum Weinkaufsgeschäft vom Rudl kein Trampelpfad werden würde, hätte ihn eigentlich nicht überraschen dürfen.

So oder so, für einen Bildungsbeauftragten mit selbst erteiltem Ausgewogenheitsgebot schreit so viel Fremdheit auch abseits von betriebswirtschaftlichen Überlegungen förmlich nach einem Gegenstück an Vertrautheit. Und was wäre der österreichischen Weinwelt vertrauter als

Güner Veltliner?

Das kommt dem Rudl auch insofern entgegen, als sein Radl mittlerweile wieder repariert ist, er also so gut wie alle Wege wieder vélocipedär absolviert. Dabei kann man bekanntlich keinen Newsletter schrieben. Aber so einer ist über Grünen Veltliner auch gar nicht nötig. Egal ob es sich um das sogenannte „Pfefferl“, das sich dem Rudl bisher geschmacklich noch nicht vorgestellt hat, oder die Erderwärmung, die dem Grünen Veltiner seit einigen Jahren ganz ordentlich auf die Zehen steigt, sodass diesem zunehmend die Säure weg bleibt, handelt. Weinbäuerinnen und Weinbauern, die mit offenen Augen durch die Welt und ihre Weingärten gehen, thematisieren die Auswirkungen der Klimakrise auf den Weinbau schon längere Zeit.

Darum lässt es sich der Rudl dieses Mal angelegen sein, lediglich auf die zu kredenzenden Weine hinzuweisen.

  • Grüner Veltliner Rosenberg Reserve 2019, Josef Salomon, Falkenstein, Veltlinerland (3/5)

  • Grüner Veltliner Lössterrassen 2019, Mantlerhof, Brunn im Felde, Kremstal (3/5)

  • Grüner Veltliner Steinleithn 2018, Geyerhof, Oberfucha, Kremstal (5/8)

  • Grüner Veltliner Spiegel 2018, Mantlerhof, Brunn im Felde, Kremstal (5/8)

  • Grüner Veltliner Viesslinger Stern 2018, Martin Muthenthaler, Spitzer Graben, Wachau (8/12)

hinsichtlich des Alters ein Gegenstück zu diesen Jahrgängen

  • Grüner Veltliner Schütt 1983, Dinstlgut, Loiben, Wachau (4,50/7, sofern noch in Ordnung)

in Wachauer Kategorien gedacht ist vermutlich der Riesling als Gegenstück zum Veltliner ein Gebot der Ausgewogenheit

  • Riesling Kellerberg Federspiel 2018, Schmidl, Dürnstein, Wachau (4/6)

und in Rotweinkategorien gedacht ist Rotburger vlg. Zweigelt das dazu ausgleichende Pendant

  • Zweigelt 2015, Dankbarkeit, Podersorf, Neusiedlersee (3,50/4)

Diese Weine, aber nicht nur diese, sondern etwa auch Weine von Maria und Sepp Muster gibt es glasweise am

am Dienstag, den 15. Juni von 17(!) bis 21 Uhr

und am Donnerstag, den 17. Juni von 16 bis 21 Uhr
in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgsse 22

Cycling Caviste Rudolf Polifka stellt Ihnen nach Maßgabe seiner zeitlichen Reserven gerne CO2-, kontakt- und zustellgebührfrei Wein mit dem Radl zu.

Im Übrigen fordert er, endlich den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag zu erklären.

Ausgleichend grüßt Monsieur Rudolf!

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

kosten- und fast CO2-lose Zustellung innerhalb von und um Wien, auch von Einzelflaschen

Zehn Jahre Reife aus Irouléguy, zum ersten Mal „Schistes“ und „Grès“ glasweise sowie ein Riesling

Premiere! Schistes und Grès. Die geologischen Cuvées der Domaine Arretxea

Seit der Rudl über die Appellation Irouléguy bei James E. Wilson gelesen hat, ist er von ihr fasziniert. Und spätestens seit seinem ersten Besuch dort ist Hégoxuri, der damals einzige Weißwein der Domaine Arretxea sein Lieblingswein.

Mit dem Jahrgang 2009 hat die Familie Riouspeyrous begonnen, zusätzlich Weißweine nach den spezifischen geologischen Untergründen der Weingärten auszubauen. Der Rudl kann sich noch gut daran erinnern, als er im Sommer 2011 Fassproben der beiden Premieren „Pantxuri“ und „Hégoxuri Grès-Schistes“ kosten durfte. Damals war man auch noch auf der Suche nach Namen für die beiden neuen Weine.

Den „Pantxuri“ vom Vulkangestein gibt es mittlerweile nicht mehr. Dafür sind aus dem anderen zwei Weine geworden, einer vom Schiefer, der andere vom Sandstein (Grès).

Caviste Rudolf war im November so glücklich, vom Schistes und vom Grès jeweils sechs Bouteillen zugeteilt zu bekommen. Diese Woche wird er jeweils ein Flascherl öffnen.

 

Biodynamie

 

Natürliche Gleichgewichte und Kreisläufe, als Influencer der Mond und Beobachtung von Vorgängen und Abläufen, die man naturwissenschaftlich noch nicht erklären kann, Intuition und Tradition statt Chemiekasten – so ähnlich bringt die Familie Riouspeyrous von der Domaine Arretxea ihren anspruchsvollen wie begeisterten Zugang zum biodynamischen Weinbau auf den Punkt.

 

Terroir

 

Oft verkehrt und zu Unrecht strapaziertes beziehungsweise überstrapaziertes Wort, jedoch ein entscheidender Aspekt der Typizität eines Weines sowie Dreh- und Angelpunkt der Arbeit im Haus Arretxea.

Wenn vorher erwähnt wurde, dass man sich auch an Beobachtungen, die man sich noch nicht so leicht erklären kann, orientiert, dann bedeutet das keine Geringschätzung der Naturwissenschaft. Ganz im Gegenteil, pflegt die Familie Riouspeyrous nicht erst seit gestern eine intensive Zusammenarbeit mit Geologie, Botanik und Kartographie, um immer mehr von dem, worin ihre Rebstöcke grundeln, zu verstehen und angemessen darauf reagieren zu können. Dass es sich dabei vorwiegend um außerordentlich eisenreichen Glimmerschiefer, Sandstein und vulkanische Ophite- sowie Dolomiteinschlüsse handelt, hat Caviste Rudolf schon hie und da erwähnt. Aber der Rudl hat selten so viele für einen Laien erkennbare Wechsel an geologischen Gegebenheiten auf so engem Raum gesehen wie in Irouléguy. Und dem entspricht eine geschmackliche Vielfalt der Weine von dort, die ihresgleichen sucht, aber ziemlich sicher nirgends so schnell findet. Vielleicht hat das auch damit zu tun, dass Monokultur in Irouléguy wirklich noch ein Fremdwort ist, wobei für des Baskischen mächtige Menschen ja sowieso fast jedes Wort ein Fremdwort ist. Und natürlich ist auch Biodiversität ein Fremdwort, aber in der Sache ist den Weingärten der Weinbauernfamilien Riouspeyrous (Arretxea) und Espil (Ilarria) die Biodiversität gar nicht fremd. Die ist dort sozusagen zuhause.

Pflanzen wie Farne, Brennessel, Löwenzahn, Fenchel, Schachtelhalm, Weide oder auch Piments stärken nicht nur das natürliche Gleichgewicht der Landschaft, sondern werden auch verwendet, um nicht so willkommenen Insekten oder Schwammerln den Weisel zu geben.

Biodynamie wird nicht nur als landwirtschaftliche Technik, sondern auch als Philosophie über das Verhältnis zwischen Menschen und Natur verstanden. Ganz unwesentlich scheint das dem Rudl nicht zu sein. Dass Wein dann am großartigsten schmeckt, wenn er möglichst im Einklang mit der Natur gekeltert wurde, erscheint dem Rudl als evident. Zu einer Idealisierung oder gar Ideologisierung von Natur und einer Geringschätzung von Wissen, Beobachtungen und Fertigkeiten als Kultur scheint dem Rudl aber kaum ein Anlass zu bestehen, beim Wein nicht und sonst auch nicht.

In naturwissenschaftlichen Kategorien nicht immer kausal erklärbare Einflüsse wie der Mond werden beobachtet und in einem für einen Bauern realistischen Maß genützt, ohne dabei dogmatisiert zu werden.

Die Fauna zwischen den Rebstöcken wird penibel und äußerst kontrolliert kultiviert, anstatt chemisch vernichtet und dem verseuchten Erdboden gleich gemacht zu werden. Aber sie wird auch nicht sich selbst überlassen. Das ist vor der Lese eine ziemlich Hackn, weil es ohne Traktor, aber mit einem auf den Schultern getragenen Mäher geschieht. Nach der Lese ist das für die Riouspeyrous dafür keine so kolossale Anstrengung mehr. Denn dann kommen die biologisch gehaltenen Viecherl von einem befreundeten Schäfer in den Weingarten, fressen bis zum Antrieb im Frühling das Gras, düngen die Rebstöcken und sorgen nebenbei für einen ziemlich extraordinairen Ossau-Iraty.

Im Oktober muss sich dann ein ziemliches Spektakel auf den Hügeln am Fuß der Pyrenäen abspielen, farbenmäßig, worauf der Rudl sehr neugierig wäre, föhnmäßig, worauf der Rudl viel weniger neugierig wäre, zugvögelmäßig, vor allem aber weinlesemäßig.

Und auch dabei wird wieder penibelst darauf geachtet, dass ausschließlich physiologisch optimal reife, gesunde und unverletzte Trauben in den Keller gebracht werden. Die Riouspeyrous nennen das einen „moment fort“, was bei der Lese im gemeinschaftlichen Ringen um Qualität, Respekt und Verbundenheit geschieht.

Was danach im Keller erfolgt, soll an das hohe Maß an Kultiviertheit der Arbeit im Weingarten möglichst nahtlos anschließen.

Die Roten bleiben etwa drei bis vier Wochen auf der Maische.

Und wenn die Riouspeyrous von einem Minimum an Intervention im Keller schreiben, dann meinen sie damit alles andere als Nichtstun und Owezahn, sondern viel eher das, was dem Rudl sein unangefochtener Lieblingswirt und -winzer mit „kontrolliertes Nichtstun“ bezeichnet. Minutiös beobachten, vuasichtig sein und nötigenfalls so schonend wie virtuos das Richtige zu tun. Zum Glück!

Der Fässer sind temperaturkontrolliert, das Hinunterdrücken der Maische erfolgt manuell, um eine ideale Extraktion der Tannine und Anthocyane zu gewährleisten.

Alles ist dem einen Ziel, den Charakter der jeweiligen Parzelle möglichst repräsentativ zum Ausdruck zu bringen, untergeordnet.

Da die Weine lange auf den Feinhefen ausgebaut und aufgerührt werden, kann der Einsatz von Schwefel auf ein absolutes Minimum reduziert werden. Zu diesem Mindestmaß an Schwefel bekennt man sich, weil ein ideales Reifungspotential, Schutz beim Transport und die Vermeidung von microbiellen Devianzen von herausragender Bedeutung sind. Trotzdem bleibt die Schwefeldosis um über fünfzig Prozent unter dem, was für biologische Kellerarbeit erlaubt wäre.

  • Riesling Federspiel Kellerberg 2018, Weingut Schmidl, Dürnstein, Wachau (4/6)

Riesling und Chenin blanc werden gelegentlich mit Petit Manseng, vielleicht der zentralen Weißweinkomponenten in Irouléguy, wenn es um Rebsorten geht, geschmacklich in Verbindung gebracht. Das gefällt dem Rudl. Denn was Chenin blanc und Riesling betrifft, hat der Rudl doch gröbere Probleme im Zugang. Umso mehr begeistern ihn Weißweine aus Petit Manseng. Damit Sie einer allfälligen geschmacklichen Nähe von Riesling und Petit Manseng selber nachgehen können, stellt Caviste Rudolf diesen einen Riesling vom Weingut Schmidl an die Seite.

  • Hégoxuri 2019, Domaine Arretxea, AOP Irouléguy, Sud Ouest (6/9)
  • Grès 2017, Domaine Arretxea, AOP Irouléguy, Sud Ouest (8/12)
  • Schistes 2017, Domaine Arretxea, AOP Irouléguy, Sud Ouest (8/12)
  • Hégoxuri 2009, Domaine Arretxea, AOP Irouléguy, Sud Ouest (7/11)

Um zu ermessen, wie diese Weine reifen, erscheint es dem Rudl als unerlässlich, dem Neunzehner ein um zehn Jahre gereifteres Exemplar an die Seite zu stellen.

aber auch noch nennenswerte Restbestände der Weine von Maria und Sepp Muster und andere Weine kredenzt der Rudl glasweise

am Dienstag, den 8. Juni und am Donnerstag, den 10. Juni
von 16 bis 21 Uhr
in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgsse 22

Cycling Caviste Rudolf Polifka

  • ersucht um Reservierung und das Mitbringen der erforderlichen Papiere,

  • stellt Ihnen nach Maßgabe der zeitlichen Reserven weiterhin gerne CO2-, kontakt- und zustellgebührfrei Wein mit dem Radl zu und

  • ärgert sich, dass man immer noch dem irrationalen, neoliberalen Utilitarismus Opfer darbringt, anstatt endlich den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag zu erklären.

Kultiviert grüßt angry young Rudl!

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

kosten- und fast CO2-lose Zustellung innerhalb von und um Wien, auch von Einzelflaschen