Ausnahmsweise noch einmal am DIENSTAG, den 23. Juni von 17 bis 21 Uhr: Sommerwein oder Erdbeerwasserl?

Sommerwein, Terrassenweine, Grillweine, … und grundsätzliche semantische Überlegungen

Mit derlei Begriffen ist es so eine Sache. Sie tauchen geballt von April bis Juli in den mehr oder weniger originellen Kolumnen von Zeitungen und Zeitschriften und noch viel mehr in der Werbung auf. Eine verlässliche Bedeutung haben die oben erwähnten Begriffe alle nicht, wenn Sie den Rudl fragen. Ob sie dann einen Sinn haben, ist auch wieder so eine Überlegung. Geben tut es diese Begriffe auf alle Fälle. Und im Unterschied zu „künstliche Intelligenz“ oder „soziale Medien“ sind sie wenigstens nicht ideologisch aufmunitioniert. Das schätzt der Rudl ja an der Weinsprache überaus. Man kann fragen, analysieren und zerlegen. Das Schlimmste, was einem bei der Auseinandersetzung mit der Weinsprache widerfahren kann, ist, dass sich ein Terminus als inhaltsleer erweist, „alkoholfreier Wein“ zum Beispiel oder„Preis-Leistungs-Verhältnis“, „saftig“. Unsinnige Wörter, aber keine gefährlichen Wörter.

Einfach oder komplex

„Sommerweine“ und Co. referieren meistens auf einen niedrigen Alkoholwert und etwas mehr Säure, vielleicht auch einen rosaroten oder rötlichen Schimmer. Manchmal fällt in diesem Zusammenhang auch der Ausdruck „easy drinking“. Was das sein soll, weiß der Rudl nicht. Wenn ihm Weintrinken schwer fällt, was nicht so oft der Fall ist, dann trinkt er ganz einfach keinen. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn der Rudl eine Werbung für Rosé aus der Provence sieht oder hört. Da bekommt der Rudl Durst … auf Wasser. Wenn Caviste Rudolf Polifka aber Wein trinkt, fällt ihm das leicht. Das ist Easydrinking in Reinkultur. Sich auf den Wein zu konzentrieren oder über denselben nachzudenken, ist ihm stets ein Anliegen und eine Freude, nie jedoch beschwerlich. Und ungesellig ist die Konzentration auf den Wein auch nicht, das sind Mobiltelefone oder Tabletts am Tisch viel eher.

Wenn der Rudl Begriffen wie „Sommerwein“ oder „Terrassenwein“ entsagt, bedeutet das freilich nicht, dass ihn bei vierzig Grad im Schatten Appetit auf gereiften Châteauneuf-du-Pape ereilt, was seinerseits wiederum nicht heißt, Rudolf Polifka würde bei ebensolchen Bedingungen einen Château Rayas etwa aus dem Jahr 1998 von der oenologischen Bettkante stoßen. Es ist halt alles kompliziert. Gott sei Dank! möchte der Rudl sagen. „Kompliziert“ hat mit „komplex“ zu tun, nicht nur etymologisch. Darauf kommt es an, im Winter gerade so als wie im Sommer und dazwischen auch. Und wenn Boden, Jahrgang und Weinbauer es zulassen, dem Wein Zeit geben und nicht krampfhaft irgendeinen Weinstil kopieren möchten, kann auch ein Wein mit ganz wenig Alkohol vielschichtig und lagerfähig sein. Dass sich so ein Wein im Sommer anbietet, ist keine epochale Erkenntnis. Man kann viele davon auch zu Gegrilltem trinken. Man kann sie aber auch im Winter genießen. Caviste Rudolf Polifka wird kommende Woche ebensolche Weine kredenzen. Sie können diese Weine für den Grillabend im Juli käuflich erwerben, und für den Fall, dass der Grillabend ausfiele, was der Rudl Ihnen nicht wünscht, auch zu Weihnachten trinken. Abgesehen vom Irouléguy Rosé zeichnen sie sich sämtliche Weine durch einen sehr niedrigen Alkoholwert aus. Komplex sind sie trotzdem, schwierig zu trinken aber auf gar keinen Fall.

  • 2024 Monfarina, Domaine Giachino, Chapareillan, AOC Vin de Savoie (4,50/7)
  • 2023 Silice Blanc, Maison des Ardoisières, Apremont, Vin de France (4/6)
  • 2020 Jacquère, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOC Vin de Savoie (3/5)
  • 2021 Ceux d’Après, Côteaux des Girondales, Villaz, Vin de France (5/8)
  • 2023 Argile Blanc, Domaine des Ardoisières, Saint Pierre de Soucy, IGP Vin des Alloborges (6/9)
  • 2022 Irouléguy Rosé, Domaine Ilarria, AOC Irouléguy, Sud Ouest (4/6)

Es ist vielleicht kein direktes Muss, dass man bei so einem Thema einen Rosé aufstellt. Trotzdem möchte der Rudl zeigen, dass es Rosés, die äußerst gediegen reifen, gibt. Das Gegenteil von einem Himbeerwasserl, wächst auf Schiefer, wird nicht daran gehindert, seine Malo erfolgreich zu absolvieren, bekommt Zeit, überzeugt vielleicht auch deshalb durch Vielschichtigkeit, Struktur und hat auch Alkoholallergie.   

  • 2020 Mondeuse « Dark Side », Domaine de l’Aitonnement, Aiton, IGP Vin des Alloborges (8/12)

Dem Rudl seiner Trinkerfahrung nach ist Teran die rote Rebsorte mit dem zweitniedrigsten Alkoholwert, hinter Mondeuse. Die bietet sich förmlich an, wenn es um wenig Alkohol geht. Maxime Dancoines Mondeuse wächst auf der Parzelle „Puttets“. Die jüngsten Rebstöcke dort sind 80 Jahre alt. Die Hangneigung beträgt 75 Percent. Zuerst Amphoren aus toskanischem Cocciopesto, dann großes Holz und Tonamphore. Ganz leichte Schwefelung beim Füllen, spontanvergoren, keine Spompanadeln, dafür vierzehn Monate Zeit für den Ausbau. Wenn Früchte, dann schwarze, Lakritze, vor allem aber Pfeffer. Vin de garde mit zehn Percent Alkohol.

… und vom „Salamander“ ist zumindest am Beginn der Lehrveranstaltung auch noch etwas da.

Dienstag, 23. Juni von 17 bis 21 Uhr

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils

Reindorfgasse 22

Am 27. Jänner 1945 sind die Überlebenden aus dem Konzentrationslager Auschwitz befreit worden. Was spricht dagegen, den 27. Jänner deshalb endlich zu einem gesamteuropäischen Feiertag zu erklären? Gar nichts!

Un-smart wie nur was grüßt Monsieur Rudolf!

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien