Osterweine und Bergamote de Nancy fürs Osternest, Donnerstag, 26. März von 17 bis 21 Uhr

Vor Weihnachten ist es Caviste Rudolf Polifka stets ein Anliegen, die oenologischen Programme an den festlichen Erfordernissen zu orientieren. Schaumweine, Begleiter von Fisch oder Fleisch, das in Saucen schwimmt, Dessertbegleitung und dergleichen. Allerdings ist dem Rudl jetzt einmal bewusst geworden, dass er selber Ostern in einem noch viel stärkeren Maß mit Essen in Verbindung bringt als Weihnachten. Darum erlaubt er sich, Weine aufzufahren, die er als kompetente Begleiter von österlicher Kulinarik erachtet. Zu diesem Zweck springt der Rudl über seinen Schatten und versucht, die betreffenden Weine in ihrer osterspeisenmäßigen Eignung zu beschreiben. Er stützt sich dabei auf Angaben der jeweiligen Weinbäuerinnen und Weinbauern, sowie auf eigene Geruchs- und Geschmackseindrücke.

Außerdem weist Caviste Rudolf Polifka darauf hin, dass so ein Sackerl Bergamote de Nancy keine schlechte Figur in einem Osternest macht. Er hat sie im Sortiment.

  • 2023 Giac‘ Bulles, Domaine Giachino, Chapareillan, Vin de France (5/8)

Als die Petnatwelle vor etwa zehn Jahren den Weinliebhaberinnen und Weinliebhabern entgegengeschwappt ist, muss sie vor dem Rudl rechts oder links abgebogen sein. Aber an Fred Giachinos Antwort auf Red Bull führt selbst für Caviste Rudolf Polifka kein Weg vorbei. Zitrusaromen, Anklänge an Kernobst und Wiesenkräuter bilden sein Rückgrat. Immer und überall geeignet, wo Menschen zusammenkommen, egal ob in geschlossenen Räumen oder im Freien.

  • 2023 Primitif, Domaine Giachino, Chapareillan, AOC Vin de Savoie (4,50/7)

Kaum ein bis kein Wein, den der Rudl aufwarten kann, kommt dem, was Wein vor dem Einzug der modernen Oenologie gewesen sein muss, so nahe: spontanvergoren, trocken und trotzdem nur zwischen neun und zehn Percent Alkohol, noch einmal trotzdem ein biologischer Säureabbau – eine seltene Kombination aus Biss und Harmonie. Aber einen trockenen Wein mit einem derart niedrigen Alkoholwert und einer erfolgreich absolvierten Malo werden Sie, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, möglicherweise gar nicht so einfach finden. Almkräuter, Zitrusaromen und Ingwer lassen sich nicht einmal von einer Extraportion Kren auf dem Jausenbrettl beeindrucken.

  • 2025 Welschriesling, Dankbarkeit, Podersdorf, Neusiedler See (3/5)

Zugegebenermaßen weckt das Etikett dieses Weines beim Rudl eher Erinnerungen an den Hochsommer als an Ostern. Weniger alpin als Primitif, dafür mehr Anklänge an Weingartenpfirsich, die mit Limetten, Kräutern und fast jeder Art von Osterjause harmonieren.

  • 2020 Jacquère, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOC Vin de Savoie (3/5)

Vielleicht eine der steinigsten Jacquères im Sortiment der Weinhandlung Rudolf Polifka et fils. Wer durch die Weingärten der Dupasquiers spaziert, kann ermessen, warum das so ist.

  • 2022 Irouléguy Rosé, Domaine Ilarria, AOC Irouléguy, Sud Ouest (4,50/7)

Tannat und Cabernets auf Schiefer. Anders als viele neue Weinbauern in Irouléguy haben die Espils keine Angst vor der Malo, nicht einmal beim Rosé! Das erklärt die nicht selbstverständliche Balance von Frische und barocken Rundungen dieses Weins. Definitiv kein Rosé, der nach einem Eiswürfel plärrt. Kaum eine Vorspeise wird mit diesem Wein ein Problem haben, gerade so wenig wie Fisch und vor allem helles Geflügelfleisch. Prosciutto, Wurst, reifer Käse, aber auch Käferbohnensalat – kein Problem!

  • 2021 Irouléguy Rouge Tradition, Domaine Arretxea, AOC Irouléguy, Süd Ouest (4,50/7)

Heuer ist der Ostertermin relativ früh. Da kann es kalt sein, aber es muss nicht kalt sein. Sollte sich die eine oder der andere durch höhere Temperaturen zu Grillaktivitäten herausgefordert sehen, kann man so ein Kotelett von diesem Wein ganz passabel begleiten lassen.

Siebzig Percent Tannat, zwanzig Cabernet Franc und nur zehn Cabernet Sauvignon auf sehr eisenhältigem Sandstein, zwölf Monate Ausbau im Beton. Der Wein riecht nach roten Früchten und Pflaumen. Seine ausgeprägten Tannine wünschen einen guten Appetit auf Ente, Lamm, weißes Fleisch und allerlei Grillgut. Das Weingut empfiehlt eine Carafage.

  • 2020 Rasteau, Elodie Balme, AOC Rasteau, Rhône Sud (4/6)

Veilchen und Wildkräuter aus der Garrigue, Unterholz, kandierte Früchte, eine dunkle Farbe und ein phänomenales Reifungspotential. Grenache noir, Mourvèdre, Carignan und Syrah.

Vielleicht nicht ganz die Idealbesetzung für Osterschinken und Selchwürstel, dafür umso geeigneter zu dunklem Fleisch, das in einer Sauce schwimmt, Lamm, Ziege, Wild, aber auch Rindfleisch. Neunzig Percent des Weins werden in Beton ausgebaut, der Rest im gebrauchten Holz.

DONNERSTAG, 26. März von 17 bis 21 Uhr

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils

Reindorfgasse 22

Am 27. Jänner 1945 sind die Überlebenden aus dem Konzentrationslager Auschwitz befreit worden. Was spricht dagegen, den 27. Jänner deshalb endlich zu einem gesamteuropäischen Feiertag zu erklären? Gar nichts!

Rudolf Polifka wünscht frohe Ostern!

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Graf Sauvignon von Maria und Sepp Muster, 2008 – 2017 – 2021 – 2022 – 2023, Donnerstag, 19. März von 17 bis 21 Uhr

Relation Text – Wein

Geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, Caviste Rudolf Polifka trachtet, sich immer wieder neue Lehrveranstaltungsthemen auszudenken. Auch das ist die Forschung und auch das unterscheidet den Menschen von Ka I, dem „Blechtrottel“, wie man früher weniger ideologisch, aber dafür doppelt so treffsicher gesagt hat.

Manche Themen kehren aber wieder, weil sie wichtig sind, weil sie zu einer bestimmten Zeit des Studienjahres genau passen oder aus anderen Gründen. Das Thema der kommenden Lehrveranstaltung hat es bereits gegeben, die dazugehörigen Jahrgänge aber mehrheitlich noch nicht. Darum erlaubt sich Weinlehrer Rudolf, Ihnen den Text des vergangenen Jahres zur Graf Sauvignon Vertikale von Maria und Sepp Muster noch einmal zu schicken, vor allem weil der ihm selber so gut gefällt und auch weil er ihm gar nicht so unaktuell erscheint. Von den Graf-Jahrgängen finden sich dafür nur 2017 und 2021 aus der Serie des vergangenen Jahres. Alle anderen hat Ihnen Caviste Rudolf Polifka noch nicht glasweise angeboten.

Einleitender Exkurs zum alttestamentlicher Auftrag, Leben zu schützen: כָּבַשׁ kabash

Maria und Sepp Muster bewirtschaften ihre Weingärten auf den Opokböden so, dass die Lebendigkeit nicht nur in Kauf genommen, sondern geschützt wird. Das wieder müssen Sie nirgends nachlesen, das können Sie in jedem Glasl Wein von diesem Weingut schmecken.

Dem Alten Testament mag man nachsagen, da oder dort nicht so einfach verständlich zu sein. In einem Punkt ist es straight forward: wenn es um das Leben geht: Alles, was das Leben fördert, ist heilig, alles was ihm schadet, sündig. Aus, Schluss, basta. Die hebräische Originalfassung des Alte Testaments kennt für das Schützen dieser Lebendigkeit übrigens das Wort כָּבַשׁ, kabash (Gen 1,28). Die deutsche Einheitsübersetzung gibt es völlig irreführend, um nicht zu schreiben pervertierend, mit „unterwerfen“ wieder. Aus alten Darstellungen lässt sich gut rekonstruieren, was die alte Orientalin und der alte Orientale seinerzeit unter kabash verstanden haben. Kabash war es demnach, wenn sich der Hirte schützend über sein Lamm beugt, um es vor einem Raubtier zu schützen. Gottes Auftrag an den Menschen ist also nichts Geringeres, als das sozial-darwinistische Recht des Stärkeren zu brechen, wenn das Leben in Gefahr ist. Neutestamentlich manifestiert sich dieser göttliche Auftrag zum Schutz von Leben und Lebendigkeit im unbewaffneten Widerstand der Machtlosen gegen das Imperium Romanum samt sadduzäischem Priestergeldadel auf dem Trittbrett.

Heute kann man sich die Frage stellen, wo man aufgerufen ist, das Leben gegen das Recht des Lauteren, Stärkeren und Dreisteren zu schützen: gegen Techfaschisten, Neofeudalisten, Beton- und Asphaltfetischisten, bezahlten Algorithmus, … to be continued …

Graf

Der Rudl ist ein Citoyen. Dass er keinerlei Schwäche für den Adel und noch einmal mindestens 50 % weniger davon für den Geldadel hat, das hat er Ihnen, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, vielleicht schon einmal erzählt. Aber im Fall des Graf Sauvignons von Maria und Sepp Muster schaut es anders aus. Der heißt Graf, ist jedoch hundertpercentig frei von feudalistischen oder neu-feudalistischen Allüren. Der Hofname von Muster heißt halt Graf und hat das auch immer schon getan. Oenologisch ergiebiger ist vielleicht, dass die Reben für den Graf Sauvignon ziemlich alt sind und auf kargen Opok-Böden mitten am Hang stehen. Opok ist ein lokaler Ausdruck für tonig schluffiges Sedimentsgestein mit kalkhaltigem Untergrund. Das erfahren Sie auf der Homepage des Weinguts.

Schlossberg

Klimatisch findet man dort illyrisches Klima, warme Sommer, kalte, wenn auch nicht eiskalte Winter. Wind von der Koralpe sorgt im Sommer für Nachtabkühlung. Diese wiederum begünstigt eine vielschichtige Bildung von Aromen. Die Rebstockerziehung ist am natürlichen Wuchs der Urrebe orientiert. Nicht zuletzt diese Orientierung resultiert in kleinbeerigen und hocharomatischen Früchten als Basis für lebendige Weine. Kabash halt, nicht mehr, zum Glück aber auch nicht weniger. Dass man am Graf Hof einerseits die Weine sich nicht selbst überlässt, andererseits die menschliche Intervention sich aber auch nicht zu wichtig macht, ist ganz im Sinne eines anderen alttestamentlichen Prinzips: Freiheit, eine Freiheit, die man der Natur zugesteht, eine mit dieser Freiheit Händchen haltende Unsicherheit, die man aushält und eine Lebendigkeit im Wein, die aus beidem resultiert. Im Keller manifestiert sich diese Freiheit in Geduld und Gespür für den richtigen Zeitpunkt, Kairos, wie der alte Grieche sagt, auch das ein alttestamentliches Motiv aus dem Buch Kohelet. Schonung, Zeit und Begleitung sind die Leitmotive der Kellerarbeit. Und damit ist auch klar, dass die Weine vom Graf Hof nicht Ergebnisse eines willkürlichen Anything goes, sondern Ausdruck höchster Zivilisation sind. Das waren sie übrigens schon beim alten Noah. Das Erste, was der seinerzeit nach dem Sauwetter gemacht hat, war, einen Weingarten zu pflanzen, um mit Wein der Welt einen zivilisatorischen Stempel aufzudrücken.

  • 2024 Sauvignon blanc, Kåarriegel, Sankt Andrä Höch, Sausal, Südsteiermark (6,50/10)
  • 2023 Graf Sauvignon, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Südsteiermark (7/11)
  • 2022 Graf Sauvignon, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Südsteiermark (7/11)
  • 2021 Graf Sauvignon, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Südsteiermark (7/11)
  • 2017 Graf Sauvignon, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Südsteiermark (7/11)
  • 2008 Graf Sauvignon, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Südsteiermark (8/12) aus der Magnum

DONNERSTAG, 19. März von 17 bis 21 Uhr

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils

Reindorfgasse 22

Am 27. Jänner 1945 sind die Überlebenden aus dem Konzentrationslager Auschwitz befreit worden. Was spricht dagegen, den 27. Jänner deshalb endlich zu einem gesamteuropäischen Feiertag zu erklären? Gar nichts!

Vive le sol!

Von Silex 1994 über den Grassnitzberg 1993 bis zu Silice 2023. Pioniere und Frühlingsboten. Vielfältig, vielfältiger, am … Donnerstag, den 12. März von 17 bis 21 Uhr

Unterschiede

Allzu homogene Forschungsthemen sind sowieso nicht dem Rudl seine Sache. Aber meistens werden die Weine durch ein mehr oder weniger erkennbares Kriterium, etwa durch die Rebsorte, den Boden oder den Jahrgang zusammengehalten. Diesmal ist das auch so. Aber das verbindende Kriterium ist auf den ersten Blick eher weniger als mehr erkennbar. Wenn Sie, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, so wollen, liegt bei der kommenden Lehrveranstaltung das Verbindende in der Tatsache, dass man die Weinbaumeister der angebotenen Weine ohne gröbere Bedenken als Pioniere bezeichnen kann. Außerdem handelt es sich bei Sauvignon blanc und Jacquère um Rebsorten, die sich dem Rudl im Frühling noch stärker als sonst aufdrängen. Aber das ist eine subjektive Angelegenheit. Damit hat es sich, wenn es um allfällige rote Fäden durch dieses Thema geht. Ausgangspunkt war für Caviste Rudolf Polifka die Idee, einmal ganz extraordinaire Sauvignons abseits seines Sortiments zu öffnen. National führt da kein Weg an Klaus Prünte vorbei, international wenige an Didier Dagueneau … und an Klaus Prünte, wenn Sie den Rudl fragen.

  •  2023 Silice blanc, Maison des Ardoisières, Apremont, Vin de France (4/6)

Was Michel Grisard gestartet hat und Brice Omont jetzt weiterführt, ist für Savoyen mehr als Pionierarbeit.

  • 2023 Apremont, Domaine Giachino, Chapareillan, AOC Vin de Savoie (4,50/7)

Wenn es um den Erhalt alter savoyardischer Rebsorten geht, gibt es einen Namen: Giachino

  • 2020 Jacquère, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOC Vin de Savoie (3/5)

Viele Weinmodewellen sind an die Domaine Dupasquier unter dem Dent du Chat herangeschwappt. Kaum ein Tropferl von diesen Modewellen hat es durch das Hoftor der Dupasquiers hinein geschafft.

  • 1994 Silex, Didier Dagueneau, Saint Andelain, AOC Pouilly Fumé, Loire (16/24)

Würde Ihnen der Rudl da jetzt Lehrreiches über den Gründer der Rue Ernesto Che Guevara in Saint Andelain bei Pouilly-sur-Loire erzählen, täten Sie sich zu Recht verknofelt vorkommen. Darum lässt er es auch bleiben.

  • 1993 Sauvignon Grassnitzberg, Klaus Prünte, vlg. Schneckenkogler, Spielfeld, Südsteiermark (16/24)

Klaus Prünte hat seine Weine überhaupt nicht teuer verkauft. Da man bei ihm aber leider keinen Wein mehr kaufen kann, hat der Rudl diesen Grassnitzberg 1993 im Altweinhandel erworben. Darum ist der Glaspreis sehr hoch.

Der Rudl kann sich leider nicht als ehemaliger Stammkunde von Klaus Prünte bezeichnen. Dreimal hat er bei ihm Wein gekauft, genauso oft wie bei der Domaine Didier Dagueneau. Aber das Ende des Weinguts Prünte geht dem Rudl immer noch nahe.

… und ein paar andere Weine …

am DONNERSTAG, 12. März von 17 bis 21 Uhr

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils

Reindorfgasse 22

Am 27. Jänner 1945 sind die Überlebenden aus dem Konzentrationslager Auschwitz befreit worden. Was spricht dagegen, den 27. Jänner deshalb endlich zu einem gesamteuropäischen Feiertag zu erklären? Nichts!

Leise grüßt Herr Rudolf.

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

„Allez, les filles!“ – „oiso zahts an“, wie der Herr Kurt sagt. Roussanne zum internationalen Frauentag und für eine jede Dame ein Achtel, Donnerstag, 5. März von 17 bis 21 Uhr

Auf den 8. März geht‘s zu

„Einstimmung“ ist in diesem Zusammenhang vielleicht ein blödes Wort. Die Tatsache, dass so ein Tag nötig ist, muss man nicht als lustig oder ausreichendes Motiv zum Feiern erachten. Nichtsdestotrotz erlaubt sich der Rudl, jeder Frau ein Achtel ihrer Wahl aus dem aktuellen Forschungsthema „auf Haus“ zu kredenzen, quasi als Zeichen, mehr ist es leider nicht.

Zu diesem Tag hat der Rudl immer wieder kleinere oder größere Vertikalen des Chignin-Bergeron Les Filles von Gilles Berlioz aufgemacht. Dieser Wein drängt sich dem Rudl zu so einem Tag vom Namen und vom Etikett her förmlich auf. Es wird ihn auch heuer glasweise geben, allerdings nicht vertikal. Hat sich dem Rudl sein Angebot in Sachen Roussanne früher im Les Filles erschöpft, so blickt er heute auf eine Vielzahl an Weinen dieser Rebsorte. Das wundert ihn insofern selber ein bissl, als er nie ein großer Freund von Roussanne gewesen ist. Vor allem an der nördlichen Rhône zuhause, verkörpert sie für den Rudl Weine mit einem unverhältnismäßig hohen Alkoholgehalt, dem sehr oft sehr vergeblich mit einem sehr übermäßigen Holzeinsatz zu Leibe gerückt wird.

Du sollst Dir kein Bild machen!

Geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, erlauben Sie dem Rudl bitte ein paar grundsätzliche Überlegungen. Gerade wenn sich das Bild von etwas oder von jemandem derart verfestigt hat, kann es manchmal sinnvoll sein, dieses Etwas, respektive diese Person genauer im Blick zu behalten. Bei der Roussanne ist es der Cru Chignin-Bergeron aus Savoyen. Von dem aus hat sich nach anfänglicher Skepsis dem Rudl sein Zugang zu Roussanne verändert. Nicht dass ihm ganz viele Altesses und etliche Jacquères nicht lieber wären, aber auf ein paar wirklich extraordinaire Repräsentantinnen von Roussanne ist Caviste Rudolf Polifka in den letzten Jahren schon gestoßen. Die Septembersonne ist es, die bei der Rebsorte Roussanne für die charakteristische Kombination von aromatischer Konzentration und lebendiger Säure erforderlich ist. Indigene Hefen, wenig Intervention und zehn Monate Ausbau. Das sind die Roussannes von Gilles Berlioz. Sie erinnern an karamellisierte Marillen, Zesten von Zitrusfrüchten, Birnen, Ananas, Haselnüsse und Kastanien, bei zunehmender Reife an nasse Steine und Waldboden. Präzision, Frische, Ausgewogenheit und Spannung – Gilles Berlioz gibt maßgebliche Analysewerte am Rückenetikett an.

Roussanne als solche

In der mehr als berühmten Appellation Hermitage ist Roussanne neben Marsanne die einzige zugelassene Rebsorte. Im Schweizer Valais gibt es Weine aus Roussanne, die sie dort deshalb Hermitage nennen. An der südlichen Rhône, im Languedoc und im Roussillon wächst Roussanne auch, aber dort halt neben fast hunderttausend anderen Rebsorten.

2019 Chignin-Bergeron « Les Filles », Gilles Berlioz, Chignin, AOC Vin de Savoie (7/11)

  • 2017 Chignin-Bergeron « Les Fripons », Gilles Berlioz, Chignin, AOC Vin de Savoie (7/11)
  • 2023 Chignin-Bergeron « Echalas », Domaine H, Torméry, AOC Vin de Savoie (6/9)

Stockkultur. Das weckt bei manchen Oenologinnen und Oenologen Assoziationen an sehr, sehr teure Weine. Ist aber kein Naturgesetz. Möglicherweise einer der spektakulärsten Neuzugänge im Sortiment vom Rudl seit einem Zeitl.

  • 2023 Aigue Marine, Domaine des Ardoisières, Arbin, IGP Vin des Allobroges (8/12)

Roussanne mit einem ganz kleinen Altesseanteil

  • 2023 Schiste, Domaine des Ardoisières, Cevins, IGP Vin des Allobroges

Dreißig Prozent Roussanne, den Rest bestreiten Jacquère, Pinot gris und Mondeuse blanche, kann von daher schon nicht so fett sein.

  • Abgesehen vom Persan ist von den seltenen Rebsorten Savoyens am Beginn der kommenden Lehrveranstaltung noch etwas da.

DONNERSTAG, 5. März von 17 bis 21 Uhr

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils

Reindorfgasse 22

Am 27. Jänner 1945 sind die Überlebenden aus dem Konzentrationslager Auschwitz befreit worden. Was spricht dagegen, den 27. Jänner deshalb endlich zu einem gesamteuropäischen Feiertag zu erklären? Nichts!

S’isch Zeit!

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien