Rebsortenalphabet Altesse bis Zierfandler
Kaum ein Rebsortenname eignet sich derartig gut für den Start eines Bildungsjahres wie jener vom Rudl seiner Lieblingsrebsorte Altesse. Und wenn Caviste Rudolf Polifka eine österreichische Lieblingsrebsorte nennen müsste, wäre das mit Sankt Laurent ziemlich sicher Zierfandler. Das passt allein deshalb ganz formidabel, weil Monsieur Friedrich, dessen Zierfandler im Sortiment offerieren zu dürfen, der Rudl stolz ist, Kultur und Bildung quasi personifiziert.
Darum wird der Rudl kommende Woche etliche Altesses und den Zierfandler von Friedrich Kuczera glasweise kredenzen.
Altesse
Mit dem ziemlich alten Schmäh, Altesse sei im Kreuzzug von Zypern nach Savoyen transferiert worden, ist der Rudl bereits vor gut zehn Jahren abgefahren. Die unzivilisierten Kreuzritter haben im Orient allerhand Reichtümer, Kulturgüter und Wissen geraubt. Altesse gehört aber nicht dazu. Für ein Bildungsweinprogramm wie das gegenständliche wäre so ein Ursprung von Altesse bei den alles andere als hochgebildeten Horden auch unpassend.
Dass Altesse auf Zypern nicht nachgewiesen werden kann, spricht auch dafür, dass der Transfer der Rebsorte durch Kreuzritter von Zypern nach Frankreich ein Gschichtl ist.
Die moderne Ampelographie ordnet Altesse der Rebsortenfamilie der Sérines zu. Dieser gehören Mondeuse noire und Blanche, Syrah, Marsanne, Roussanne, aber auch Jacquère an. Der Rudl hat dieser Familie im Frühling 2024 eine kaum beachtete dreiteilige Lehrveranstaltung gewidmet. Altesse kommt über die drei Departements Savoie, Haute-Savoie, Ain und Isère kaum hinaus, ein bissl in der Schweiz. Viel mehr ist es nicht. Ganz unkompliziert ist diese Rebsorte nicht. Darum ist sie während der Hochblüte der industriellen Landwirtschaft in den Sechziger- und Siebzigerjahren fast ausgestorben. Seit 1979 wächst der Rebbestand wieder. Ob das ohne Michel Grisard geschehen wäre, bezweifelt der Rudl. Aber auch der Umstand, dass die etwas kapriziöse Rebsorte zu generösen, reichhaltigen, aber trotzdem feinen Weine mit einem ausgesprochen interessanten Reifungspotential fähig ist, macht sie für Weinbäuerinnen und Weinbauern, die nicht auf das „Mochma-liawa-vü“-Dogma eingeschworen sind, interessant.
- 2022 Altesse „aVé“, Côteaux des Girondales, Villaz, Haute-Savoie, Vin de France (5/8)
- 2020 Altesse, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOC Roussette de Savoie (4/6)
- 2018 Prieuré Saint Christophe Blanc, Domaine Giachino, Fréterive, AOC Roussette de Savoie (7/11)
- 2018 Quartz, Domaine des Ardoisières, Cevins, IGP Vin des Allobroges (12/18)
- 2017 Cru Marestel, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOC Roussette de Savoie (6/9)
- 2020 Les Grandes Jorasses, Dominique Belluard und Domaine du Gringet, Ayse, Haute-Savoie, Vin de France (9/14)
- 2023 Zierfandler, Friedrich Kuczera, Gumpoldskirchen, Bergwein (2,50/4)
Und zumindest am Beginn der Lehrveranstaltung gibt es auch noch …
- 2021 Mondeuse « mattäi », Côteaux des Girdondales, Villaz, Haute-Savoie, Vin de France (5/8)
- 2021 Dolia, Arretxea, AOC Irouléguy, Sud Ouest (7/11)
- 2019 Dolia, Arretxea, AOC Irouléguy, Sud Ouest (7/11)
DONNERSTAG, 10. September von 17 bis 21 Uhr
Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils
Reindorfgasse 22
Im Übrigen ist der Rudl der Meinung, dass der 27. Jänner, der Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Konzentrationslager Auschwitz, zu einem gesamteuropäischen Feiertag erklärt werden muss.
Smart ist das neue Weiß. Deshalb grüßt der Rudl un-smart wie nur was!
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