Von A wie Altesse bis Z wie Zierfandler. Eine post-feriale Bildungsreise von Amavigne über Quartz, die Prieuré Saint Christophe, Annecy, Belluard nach Gumpoldskirchen! DONNERSTAG, 10. September, 17 bis 21 Uhr

Rebsortenalphabet Altesse bis Zierfandler

Kaum ein Rebsortenname eignet sich derartig gut für den Start eines Bildungsjahres wie jener vom Rudl seiner Lieblingsrebsorte Altesse. Und wenn Caviste Rudolf Polifka eine österreichische Lieblingsrebsorte nennen müsste, wäre das mit Sankt Laurent ziemlich sicher Zierfandler. Das passt allein deshalb ganz formidabel, weil Monsieur Friedrich, dessen Zierfandler im Sortiment offerieren zu dürfen, der Rudl stolz ist, Kultur und Bildung quasi personifiziert.

Darum wird der Rudl kommende Woche etliche Altesses und den Zierfandler von Friedrich Kuczera glasweise kredenzen. 

Altesse

Mit dem ziemlich alten Schmäh, Altesse sei im Kreuzzug von Zypern nach Savoyen transferiert worden, ist der Rudl bereits vor gut zehn Jahren abgefahren. Die unzivilisierten Kreuzritter haben im Orient allerhand Reichtümer, Kulturgüter und Wissen geraubt. Altesse gehört aber nicht dazu. Für ein Bildungsweinprogramm wie das gegenständliche wäre so ein Ursprung von Altesse bei den alles andere als hochgebildeten Horden auch unpassend.

Dass Altesse auf Zypern nicht nachgewiesen werden kann, spricht auch dafür, dass der Transfer der Rebsorte durch Kreuzritter von Zypern nach Frankreich ein Gschichtl ist.

Die moderne Ampelographie ordnet Altesse der Rebsortenfamilie der Sérines zu. Dieser gehören Mondeuse noire und Blanche, Syrah, Marsanne, Roussanne, aber auch Jacquère an. Der Rudl hat dieser Familie im Frühling 2024 eine kaum beachtete dreiteilige Lehrveranstaltung gewidmet. Altesse kommt über die drei Departements Savoie, Haute-Savoie, Ain und Isère kaum hinaus, ein bissl in der Schweiz. Viel mehr ist es nicht. Ganz unkompliziert ist diese Rebsorte nicht. Darum ist sie während der Hochblüte der industriellen Landwirtschaft in den Sechziger- und Siebzigerjahren fast ausgestorben. Seit 1979 wächst der Rebbestand wieder. Ob das ohne Michel Grisard geschehen wäre, bezweifelt der Rudl. Aber auch der Umstand, dass die etwas kapriziöse Rebsorte zu generösen, reichhaltigen, aber trotzdem feinen Weine mit einem ausgesprochen interessanten Reifungspotential fähig ist, macht sie für Weinbäuerinnen und Weinbauern, die nicht auf das „Mochma-liawa-vü“-Dogma eingeschworen sind, interessant.

  • 2022 Altesse „aVé“, Côteaux des Girondales, Villaz, Haute-Savoie, Vin de France (5/8)
  • 2020 Altesse, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOC Roussette de Savoie (4/6)
  • 2018 Prieuré Saint Christophe Blanc, Domaine Giachino, Fréterive, AOC Roussette de Savoie (7/11)
  • 2018 Quartz, Domaine des Ardoisières, Cevins, IGP Vin des Allobroges (12/18)
  • 2017 Cru Marestel, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOC Roussette de Savoie (6/9)
  • 2020 Les Grandes Jorasses, Dominique Belluard und Domaine du Gringet, Ayse, Haute-Savoie, Vin de France (9/14)
  • 2023 Zierfandler, Friedrich Kuczera, Gumpoldskirchen, Bergwein (2,50/4)

Und zumindest am Beginn der Lehrveranstaltung gibt es auch noch …

  • 2021 Mondeuse « mattäi », Côteaux des Girdondales, Villaz, Haute-Savoie, Vin de France (5/8)
  • 2021 Dolia, Arretxea, AOC Irouléguy, Sud Ouest (7/11)
  • 2019 Dolia, Arretxea, AOC Irouléguy, Sud Ouest (7/11)

DONNERSTAG, 10. September von 17 bis 21 Uhr

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils

Reindorfgasse 22

Im Übrigen ist der Rudl der Meinung, dass der 27. Jänner, der Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Konzentrationslager Auschwitz, zu einem gesamteuropäischen Feiertag erklärt werden muss.

Smart ist das neue Weiß. Deshalb grüßt der Rudl un-smart wie nur was!

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Benachbarte Jahrgänge – verfügbar: Dolia von Arretxea; Grüner Veltliner Steinleithn vom Geyerhof und Mondeuse von den Côteaux des Girondales, FREITAG, 4. September, 17 bis 21 Uhr

Freitag

Die letzte Sommerschule findet an diesem Freitag statt.

Erratum – Reindorfgassenfest NICHT am 4. und 5. September

Der Rudl hat in seinem Geschäft vor ein paar Wochen irrtümlich das Reindorfgassenfest für das letzte Wiener Ferienwochenende annonciert. Irrtümlich. Es findet in Wirklichkeit eine Woche später, am 11. und 12. September statt.

2 verfügbare Jahrgänge von 3 verschiedenen Weinen

Caviste Rudolf Polifka gesteht dem gegenständlichen Studienthema eine gewisse Sperrigkeit zu. Womöglich ist es erklärungsbedürftig: Immer wieder kommt es vor, dass der Rudl geschäftlich von einem Wein einen Jahrgang kauft, obwohl ein anderer Jahrgang dieses Weines noch verfügbar ist. Privat ist das nicht unüblich. Es gibt Weine, von deren Güte man derart überzeugt ist, dass man keinen Jahrgang versäumen möchte. Geschäftlich trachtet der Rudl, den Lagerbestand unter Kontrolle zu halten. Darum verkauft er einen Jahrgang und erst danach bestellt er den nächsten, sei das der Folgejahrgang, sei es der übernächste oder auch ein viel späterer. Aber dann gibt es Weine, die sich einer derart rationalen Calculation entziehen. Da kann der Rudl quasi gar nicht anders, als den neuen Jahrgang zu bestellen, sofern sich die Gelegenheit dazu bietet. Wenig überraschenderweise sind das Weine, von denen der Rudl dann gerne ein Flascherl einem Weinbauern mitbringt, im Fall eines österreichischen Weins einem französischen Winzer, im Fall eines französischen Weins vice versa.

Dolia 2019 und 2021, Arretxea

Siebzig Percent Tannat, zwanzig Cabernet Franc, zehn Cabernet Sauvignon auf eisenhältigem Sandstein. Mindestens ebenso wichtig erscheint dem Rudl bei diesem Wein das Ausbaugebinde, in dem Dolia sechs bis acht Monate gärt und reift: Amphoren aus baskischem Ton von der ortsansässigen Töpferei Goicoechea. Heuer hat der Rudl es endlich geschafft, diesen Betrieb zu besuchen. Vierhundert Liter gehen in so eine Amphore hinein. Michel Riouspeyrous (Arretxea) und Luc de Conti vom Weingut Château Tour des Gendres in Bergerac haben es gemeinsam mit Monsieur Goicoechea entworfen. Und es ist ein Genuss, vor so einem Gefäß zu stehen und es anzuschauen.

Da reden wir noch gar nicht vom Wein. Der ist frisch, erinnert an milde Piments d’Espelette, allerdings nicht an jene, die man im sogenannten Supermarkt kaufen kann. Und für so viel Tannat ist der Wein ausgesprochen früh zugänglich, was man schon als sehr deutliches Indiz für den Einfluss des Gebindes betrachten kann. Der langen Schreibe kurzer Sinn: Wein aus dem wirklichen Feinkostladen Europas

Grüner Veltliner Steinleithn 2022 und 2023, Geyerhof

Welchen besonderen Stellenwert dieser Wein gemeinsam mit dem Spiegel vom Mantlerhof unter den Veltlinern des Landes einnimmt, hat Ihnen, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, Caviste Rudolf Polifka schon drei oder viermal verraten; warum das so ist, detto. Einfacher und überzeugender ist es sowieso, sich davon im Glasl zu überzeugen. Ein paar Hinweise sind vor dem Hintergrund dessen, was sonst so an Grünen Veltlinern angeboten wird, unverzichtbar: Der Grüne Veltliner Steinleithn trägt den Stein nicht nur im Namen, sondern schmeckt aufgrund des kargen Granulitverwitterungsbodens auch so. Er reift auf eine Art und Weise, vor der der Rudl den Hut zieht.

Mondeuse „mattäi“ 2021 und 2022, Côteaux des Girondales

Der Rudl kann sich noch gut erinnern, wie er Anfang Juli 2021 auf der Homepage der Vinothek Rhônalia in Aix-les-Bains ein ihm bis dahin unbekanntes biologisches Weingut entdeckt hat. Heute hat der Rudl längst den Überblick über die immer zahlreicheren neuen Biowinzerinnen und Biowinzer in seiner Lieblingsweinbauregion verloren zu haben. Den Anspruch auf diesen Überblick erhebt der Rudl nicht mehr. Dennoch kauft er sich von jedem ihm unbekannten Bioweingut aus Savoyen ein Flascherl, um es einer gewissenhaften Studie zu unterziehen. So oder so, das erste Flascherl Altesse „aVé“ 2020 von Francis Rousset hat sich der Rudl seinerzeit im Juli 2021 in einer Naturweinbar in Annecy gekauft. Und wenige Tage später ist er bei Francis auf der Tackn gestanden.

Mondeuse ist anspruchsvoll. Darum findet man sie nur in den französischen Alpen. Dort oben in Hoch-Savoyen in Villaz bei Francis Rousset passt sie dafür umso besser hin: lockerbeerig, wirklich tiefschwarz, mit einer ausgeprägte Vorliebe für Kalk oder Schiefer, weniger leicht zu beeindrucken von Peronospora, eher von Oidium.

  • 2023 Grüner Veltiner Steinleithn, Geyerhof, Oberfucha, Kremstal (6/9)
  • 2022 Grüner Veltiner Steinleithn, Geyerhof, Oberfucha, Kremstal (6/9)
  • 2022 Mondeuse „mattäi“, Côteaux des Girondales, Villaz, Haute-Savoie, Vin de France (5/8)
  • 2021 Mondeuse « mattäi », Côteaux des Girdondales, Villaz, Haute-Savoie, Vin de France (5/8)
  • 2021 Dolia, Arretxea, AOC Irouléguy, Sud Ouest (7/11)
  • 2019 Dolia, Arretxea, AOC Irouléguy, Sud Ouest (7/11)

… und zumindest am Beginn der Lehrveranstaltung gibt es auch noch

  • 2024 Pinot noir, Dankbarkeit, Podersdorf, Neusiedlersee (5/8)

FREITAG, 4. September von 17 bis 21 Uhr

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils

Reindorfgasse 22

Im Übrigen ist der Rudl der Meinung, dass der 27. Jänner, der Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Konzentrationslager Auschwitz, zu einem gesamteuropäischen Feiertag erklärt werden muss.

Smart ist das neue Weiß. Deshalb grüßt der Rudl un-smart wie nur was!

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien