Die Vuelta 2026 und das aktuelle Oenologiethema
Die Radlrennfahrer beginnen heuer beim Berg eines begnadigten Gitarristen aus Stockerau, wie der Herr Kurt vielleicht sagen würde: in Monte Carlo. Dort wird es vielleicht auch Weinbau geben, Appellation haben sie keine. Die nächste wäre vermutlich Bellet an den Stadträndern im Norden von Nizza. Dort hat der Rudl vor zwanzig Jahren einmal oenologisch geforscht. Die Resultate waren überschaubar. Darum begibt er sich etwas weiter der Radrennstrecke entlang auf die Spur einer ur-spanischen Rebsorte, if ever there was one, quasi: Garnacha, Garnatxa auf Baskisch und Catalan oder Grenache, wie sie in Frankreich geheißen wird. Es gibt sie in mehr als drei Mutationen: Die bekanntesten sind vermutlich Grenache noir, Grenache gris und Grenache blanc. Alle drei spielen auf der 3. Etappe eine herausragende Rolle. Aber zuerst ein bissl Ampelographie.
Grenache
Die Formel „Region Savoyen – Appellation Irouléguy – Weinbauer Michel A. Brégeon“ ist am Beginn der Weinhandlung Rudolf Polifka et fils gestanden. Sie gilt mehr denn je. Vielleicht könnte es sein, dass der Rudl die Appellation Irouléguy quasi auf den für diese Appellation konstitutiven Gebirgszug Pyrenäen einmal ausweitert. Ein kleines bissl hat er das ja bereits getan. Am nördlichen Piemont der Pyrenäen gibt es nämlich ganz gewaltig gute Weine, nicht nur im westlichen Teil davon. Aber dazu vielleicht ein anderes Mal.
Grenaches
Was am nordwestlichen Ende der Pyrenäen die Mansengs sind, stellen am nordöstlichen Ende die Grenaches dar, ein bissl auch die Carignans. Ihren Ursprung haben die Grenaches in Aragon. Von dort sind sie nach Katalanien hinüber und haben sich im Mittelalter über das Roussillon, das seinerzeit noch zu Spanien gehört hat, und die Provence bis zur südlichen Rhône und in den gesamten Mittelmeerraum ausgebreitet. Heute gibt es sie auf der ganzen Welt. Theorien, wonach Grenache aus Sardinien stammen soll, gibt es auch. Dieser Tage nicht unerwähnt sollte die außerordentliche Resistenz der spätreifenden Grenaches gegenüber Hitze, Trockenheit und Wind bleiben. Viele Weinbauern, die in den Achtziger- und Neunzigerjahren Grenache gerodet und durch Syrah ersetzt haben, halten das heute für keine so großartige Idee mehr.
Baskenland süd
Seit Jahren, um nicht zu schreiben „Jahrzehnten“ nimmt sich der Rudl vor, dem südlichen Teil des Baskenlandes mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Sprachlich stellt das eine Herausforderung dar. Trotzdem studiert Caviste Rudolf Polifka seit vier Jahren baskische Weine aus Navarra. Den klassischen Txakoli lässt er dabei aus. Das ist ganz lustig, und in einer Tapas-Bar probiert der Rudl natürlich auch ein Achtel des berühmten aus der Höhe eingeschenkten Weines aus der Rebsorte Hondarribi Zuri. Aber in professionellen Belangen hat sich der Rudl von Kollegen in Saint Jean de Luz und Hendaye beraten lassen:
- 2024 Marko. Gure Arbasoak, Oxer Wines. Jatorri Deltura, Bizkaiko Txakolina DOC, Navarra (6/9)
- 2024 Garnacha Blancha « Parcela 333 », Victor Ausejo, Alberite, Rioja DOC (7/11)
Die anderen Weine sind nicht in Spanien gewachsen, zumindest nicht auf dem heutigen Staatsgebiet Spaniens, aber aus der ur-spanischen Rebsorte Grenache vinifiziert worden. Einer seiner zahlreichen Spitznamen ist Uva di Spagna.
- 2021 Côtes du Ventoux blanc, Domaine Fondrèche, Rhône sud (3/5)
25 % Genache blanc, 25 % Roussanne, 25 % Rolle und 25 % Clairette auf Kalk in einer Höhenlage des Nationalparks Mont Ventoux
- 2019 Côtes du Ventoux rouge, Domaine Fondrèche, Rhône sud (3/5)
60 % Grenache noir, 35 % Syrah, 5 % Mourvèdre auf Kalk, Sand und Ton
- 2020 Rasteau, Elodie Balme, AOC Rasteau, Rhône sud (4/6)
Grenache noir, Carignan, Syrah und Mourvèder zu 90 % im Betonei, zu 10 % im gebrauchten Holz ausgebaut – Struktur und Gleichgewicht durch Grenache und Syrah, Unterholzanklänge von Mourvèdre, sowie Farbe und Alterungspotential vom Carignan – der Einserwein von Elodie Balme
- 1977 Château de Canterrane, Trouillas, AOC Côtes du Roussillon (5/8)
DONNERSTAG, 20. August von 17 bis 21 Uhr
Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils
Reindorfgasse 22
Am 27. Jänner 1945 sind die Überlebenden aus dem Konzentrationslager Auschwitz befreit worden. Was spricht dagegen, den 27. Jänner deshalb endlich zu einem gesamteuropäischen Feiertag zu erklären? Gar nichts!
Un-smart wie nur was grüßt Monsieur Rudolf!
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Weinhandlung Rudolf Polifka et fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien