Der Rudl hofft, dass Sie, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, den Sommer trotz der einen oder anderen Affenhitzewelle bis jetzt gut verbracht haben. Retour von seiner Studienreise, die ihn vom Jura über die südliche Rhône, den Tourmalet, das Baskenland, Périgord, Aveyron, die nördliche Rhône bis nach Savoyen geführt hat, drängt es den Rudl, neue Erkenntnisse mitzuteilen. Dazu öffnet er die Pforten seiner Sommerschule. Mit Abstand am meisten Zeit hat Caviste Rudolf Polifka in der Weinregion Sud Ouest verbracht. Die meisten Neuzugänge im Sortiment der Weinhandlung Rudolf Polifka et fils stammen deshalb auch aus dieser Gegend, aber nur knapp die meisten.
Les Pentes de Barène, Pimbo, AOC Tursan
Den Zweiundzwanziger hat der Rudl einmal glasweise ausgeschenkt. Dabei hat es sich um ein Einzelflascherl, das er in einem Weingeschäft erstanden hatte, gehandelt. Da der Rudl ziemlich angetan war von diesem Wein, war es nicht ganz abwegig, sich um diesen weißen Tursan aus der äußerst raren Rebsorte Baroque zu bemühen. Vor mehr als zwanzig Jahren war dort, wo jetzt die Weine von Pentes de Barène wachsen, nichts, fast nichts. Ein Stall, Prairie und vor allem eine ausgeprägte Hangneigung in Richtung Süden zu den Pyrenäen hin. Kein Keller, kein Weingarten, kein Nix. Dann dürfte Gaëlle und Daniel Vergnes der Ort Pimbo ähnlich gut gefallen haben wie dem Rudl und einer Handvoll Unentwegter, die dort jetzt eine Épicerie samt Kleinstgastronomie oder eine Frühstückspension. Letztere versorgt vorwiegend Pilger am Jakobsweg mit fast allem, was in der Umgebung an kultivierten Lebensmitteln erzeugt wird und deshalb seinen Weg ganz bestimmt nicht in den sogenannten Supermarkt findet. Mme. und M. Vergnes haben beschlossen, dort ein Weingut zu gründen, eines in einer Dimension, die man als Familie zwölf Monate im Jahr händisch bewältigen kann. Daraus resultiert das heute kleinste Weingut der Appellation, eineinhalb Hektar klein. Aus dem Stall haben sie einen Keller gemacht. Die Gstättn in einen Weingarten zu transformieren hat sich aufgrund einer Hangneigung von bis zu sechzig Percent schwieriger gestaltet. Darum haben sie 2003 Terrassen angelegt. Heute ist ihr Weingarten nicht nur die einzige Terrassenlage der Appellation Tursan, sondern des gesamtes Weinbaugebietes Les Landes. Ausrichtung nach Süden, als Auflage Ton und Kalkgeröll, Unterboden: Kalk. Das kommt der dort ursprünglich ansässigen Rebsorte Baroque entgegen, dazu Gros Manseng, Petit Manseng und Sauvignon blanc. Keine chemischen Herbicide. Höchstes Augenmerk auf Biodiversität als einziger hauptberuflichen Mitarbeiterin der Familie. Sie produzieren lediglich einen Weißwein sowie einen Süßwein.
- 2025 Les Pentes de Barène, Pimbo, AOC Tursan, Sud Ouest (4,50/7)
Julien Auroux, Boisse – am Weg von Bergerac über Monbazillac nach Monpazier
Der Herr Graf kann sich zwar selber nicht mehr daran erinnern, aber vor ein paar Jahren hat er dem Rudl einen Weißwein von Julien Auroux zum Studium vorgesetzt. 2014 hatte dieser auf einem kleinen Hügel am südöstlichsten Zipfel der Appellation Bergerac, eher schon am Eingang zu Cahors eine seit Generationen betriebene gemischte Landwirtschaft übernommen.
- 2023 Sans bois ni loi blanc sec, Julien Auroux, Boisse, Vin de France, Sud Ouest (4,50/7)
Siebzig Prozent Sauvignon blanc, dreißig Sauvignon gris, Kalk, Ton, indigene Hefen und zehn Monate Ausbau.
Claude und Lydia Bourguignon, Laroque-des-Arcs
Lydia und Claude Bourguignon haben ihr Leben der wissenschaftlichen Erforschung von Weingartenböden gewidmet. Das hat sie auf der ganzen Welt bis in den burgenländischen Seewinkel hinunter zu gefragten Experten gemacht. Wenn es um die Wahl der geeignetsten Weinreben und Praktiken in einem bestimmten Weingarten geht, sind sie die erste Adresse. Irgendwann haben Lydia und Claude Bourguignon dann das tiefe Bedürfnis verspürt, dieses Wissen selber zu Wein zu machen und sich in der Nähe von Cahors sechs Hektar Wald gekauft, gerodet und rekultiviert. Hundertvierzig Jahre vorher war das schon einmal ein Weingarten. Dieser Umstand und sicher auch der hohe Kalkgehalt, für die Bourguignons stellt der eine unabdingbare Voraussetzung für wirklich große Weinterroirs dar, haben wahrscheinlich keine unbedeutende Rolle bei der Auswahl gespielt. Danach hat sich das Bodenforscherehepaar zu renommierten Weingütern begeben und dort von den besten Rebstöcken Edelreiser abgezwickt: die Foucault-Brüder in Saumur, François Cotat in Sancerre, Elian Da Ros in Cocumont in den Côtes du Marmandais, die Plageoles in Gaillac, La Grange Tiphaine, Château Plaisance, Corbin-Michotte. Sauvignon blanc und gris, Mauzac rose und vert, Verdanelle, Malbec, Cabernet Franc, Négrette, Prunelard, Cot à Pied Rouge. Die haben sie auf die Unterlagsrebe Rupestris du Lot aufgepfropft und ausgepflanzt. Das Resultat waren längere Zeit jedes Jahr zwei Weine, ein roter und ein weißer, in deren Zusammenhang das Wort Terroir so angebracht erscheint wie bei wenig anderen Weinen. Vom Jahrgang 2017 wurde von der besonders kalkhaltigen Lage Al Chai mit einer Pflanzdichte von 9615 Stöcken am Hektar ein zweiter Rotwein in ganz kleiner Menge nach sechs Jahren Flaschenreife herausgebracht. Das war 2023. Caviste Rudolf Polifka, der dieses Weingut ziemlich konsequent verfolgt, hat damals etwas davon reserviert. Jetzt hat er die sechs Flascherl abgeholt: erstaunliche Harmonie von eingelegten roten Früchten, Veilchen und tertiären Trüffelaromen.
- 2017 Al Chai, Laroque d‘Antan, Laroque-des-Arcs, IGP Côtes du Lot, Sud Ouest (8/12)
- 2022 Néphèle, Laroque d’Antan, Laroque-des-Arcs, IGP Côtes du Lot, Sud Ouest (10/15)
Die Jahrgänge 2019 und 2020 von diesem Wein hat der Rudl im Sortiment (gehabt). Jetzt gibt es von den Jahrgängen 2022 und 2024 sechs Flaschen.
- 2022 Irouléguy blanc, Domaine Ilarria, AOC Irouléguy, Sud Ouest (6,50/10)
Weißer Irouléguy aus einem Jahrgang, der jetzt genau passt. Das hat der Rudl heuer dort unten quasi in einem zehntägigen Irouléguy-Trainingslager gewissenhaft ermittelt.
- 2017 Haitza, Domaine Arretxea, AOC Irouléguy, Sud Ouest (8/12)
baskische Tannine gebändigt in großen Waldviertler Eichenfässern, sehr lange nicht glasweise kredenzt
MITTWOCH, 5. August von 17 bis 21 Uhr
Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils
Reindorfgasse 22
Am 27. Jänner 1945 sind die Überlebenden aus dem Konzentrationslager Auschwitz befreit worden. Was spricht dagegen, den 27. Jänner deshalb endlich zu einem gesamteuropäischen Feiertag zu erklären? Gar nichts!
Un-smart wie nur was grüßt Monsieur Rudolf!
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Weinhandlung Rudolf Polifka et fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien