Chardonnay v Weißburgunder: Andreas Tscheppe, Sternat-Lenz, Chablis, Ardoisières und Jalits, 18. Juni: 17 bis 21 Uhr

Weißburgunder und Chardonnay seinerzeit

Der Rudl kann sich noch gut erinnern. Anfang der Neunzigerjahre. Chardonnay dürfte damals noch nicht lange auf den Weinkarten des Landes Platz genommen gehabt haben und wurde vom einen oder anderen Weinbauern als „Weißburgunder, halt mit einem anderen Namen“ vorgestellt. Zu beurteilen, wie seriös es ist, wenn jemand im Glas Chardonnay und Weißburgunder unterscheiden zu können meint, das überlässt der Rudl gerne Ihnen, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe. Der Rudl selber kann es ganz bestimmt nicht.

Chardonnay ist ein Gschropp von Heunisch und Pinot, auf natürlichem Wege gezeugt, nicht mit irgendeiner Absicht gezüchtet.

Weißburgunder ist, genauso wie Pinot noir und Pinot gris, eine Mutation von Pinot, genaugenommen also gar keine eigene Rebsorte. Erfolgt könnte diese Mutation irgendwo zwischen Genfer See und Rhône sein. Den Rest haben Zisterzienser erledigt. So weit, so belegbar.

Vieles, was man abgesehen davon über den Unterschied dieser beiden Rebsorten in Erfahrung bringen kann, hält der Rudl für Resultate von Phantasie oder Wichtigtuerei. Was man über allfällige Unterschiede zwischen Chardo und Pinot lesen kann, hat, wenn Sie den Rudl fragen, oft viel mit Ausbaumodewellen, mit dem Kopieren von Weinen oder mit dem Kopieren von Ausbaumodewellen, aber wenig mit den Rebsorten zu tun.

Weißburgunder

… wird deutlich weniger angebaut als sein Sohn Chardonnay.

Chardonnay

… ist die am fünftweitesten verbreitete Rebsorte der Welt. Es gibt ihn fast nirgends, wo es Weinbau gibt, nicht. Besonders berühmt ist er in Puligny-Montrachet, Chassagne, Meursault, Corton-Charlemagne und Chablis. Höhepunkt an Popularität hat die Rebsorte in den Neunzigerjahren erlebt. Da war Chardonnay aus neuem Holz ungefähr das, was heute Riesling aus Deutschland ist.

Das Gerede vom Chardonnayerkennen ist im Übrigen auch deshalb fragwürdig, weil es von kaum einer anderen Rebsorte so viele verschiedene Klone gibt, dazu die diversen geologischen Gegebenheiten, klimatischen Bedingungen und Arbeitsweisen der Weinbäuerinnen und Weinbauern. Bei Ratespielen ist Chardonnay in Anbetracht seiner Verbreitung aber ganz sicher kein undankbarer Tipp.

  • 2025 Weißburgunder Klassik, Sternat-Lenz, Remschnigg, Südsteiermark (2,50/4)
  • 2021 Ceux d’après, Côteaux des Girondales, Villaz, Vin de France (5/8)

ein Drittel Chardo, eines Altesse, eines Jacquère – hoch und kühl über dem Lac d’Annecy

  • 2024 Weißburgunder vom Opok, Sternat-Lenz, Remschnigg, Südsteiermark (4,50/7)

Nicht nur dass sich dieser Winzer mit höchster Kompetenz des in der Steiermark besonders vernachlässigten Welschrieslings angenommen hat, geht er mit Weißburgunder dorthin, wo es bei dieser Rebsorte interessant wird und wo Weißburgunder in den Neunzigerjahren auch gewesen sind. Der Rudl erinnert in diesem Zusammenhang an die Burgunder Cuvée von Josef Umathum.

  • 2022 Weißburgunder vom Kalk und Schiefer, Matthias Jalits, Badersdorf, Südburgenland (5/8)

aus den Lagen Saybritz am Eisenberg (Schiefer) und Königsberg (Grünschiefer, Dolomit und Kalkschiefer)

  • 2023 Argile Blanc, Domaine des Ardoisières, Saint Pierre de Soucy, IGP Vin des Allobroges (6/9)

vierzig Percent Jacquère, vierzig Chardo, zwanzig Mondeuse Blanche

  • 2022 Chablis, Domaine Moreau-Naudet, AOC Chablis, Burgund (8/12)
  • 2024 Morillon « Salamander », Andreas und Elisabeth Tscheppe, Glanz, Südsteiermark (8,50/13)

Donnerstag, 18. Juni von 17 bis 21 Uhr

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils

Reindorfgasse 22

Am 27. Jänner 1945 sind die Überlebenden aus dem Konzentrationslager Auschwitz befreit worden. Was spricht dagegen, den 27. Jänner deshalb endlich zu einem gesamteuropäischen Feiertag zu erklären? Gar nichts!

Immer noch smartfrei grüßt Monsieur Rudolf!

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