Alternative Weinfarben Orange und Rosé, Donnerstag, 12. November, 17 bis 21 Uhr

Am Mittwoch, den 11. November findet im Alten Rathaus, Wipplingerstraße 8 ab 19 Uhr die Weinauktion zugunsten des Wiener Integrationshauses statt, die dreißigste. Der Rudl wird sich auch diese nicht entgehen lassen.

https://www.integrationshaus.at/de/eventarchiv/30-weinversteigerung

Weinfarben

Ein Gros der bedauerlicherweise nicht zunehmenden Aufmerksamkeit für Wein dreht sich um die Farben Weiß und Rot. Dass beide Bezeichnungen durch einen Mangel an Treffsicherheit bestechen, hat der Rudl oft und ausführlich dargelegt. Die Konvention will es, dass man sich auskennt. Wenn von Rotwein die Rede ist, geht es um Wein aus blauen Trauben. Spricht man von Weißwein, meint man Wein, dessen Farbe sich irgendwo zwischen blassgrünlich, goldgelb oder gar bernsteinfarben bewegt.

Ersteres scheint zunehmend ein Getränk für Angehörige der Generationen, die etwa so alt wie oder älter als der Rudl sind. Zweiteres steht seit mehr als einem Vierteljahrhundert im Mittelpunkt engagierter oenologischer Studien des Rudls, sowohl in Theorie als auch in Praxis. Das bedeutet freilich nicht, dass Caviste Rudolf Polifka Augen und Gaumen gegenüber den anderen Weinfarben verschließt. So plant er bereits seit Längerem ein Forschungsthema zu Rotweinen des Mittelmehrbogens von den östlichen Pyrenäen bis zu den südwestlichen Alpen, quasi als Lückenschluss zwischen den beiden Gebirgsmassiven und Tour de France-Entscheidern. Und dann gibt es natürlich noch Orange und Rosé als Weinfarben.

Orange

Orange passt gerade jetzt farblich in das Bild, zumindest in das Bild kompetenter Obsthandlungen. Jetzt beginnt die Orangenzeit, ungefähr mit dem Tag des Heiligen Leopold. Enden tut sie mit dem Tag des Heiligen Josef. Ganz reif sind sie ja noch nicht, langsam, aber sicher kann man sich aber wieder mit dem Verzehr dieser Agrumen auseinandersetzten, kompetenten Obsthändler vorausgesetzt. Neben so einer orange leuchtenden Obstschüssel macht sich ein Orangewine nicht ganz schlecht. Synchrone Konsumation hält der Rudl für eine weniger gute Idee, aber optisch passt es. Und duftendes Laub wie herbstliches Wetter schüren beim Rudl den Appetit auf maischevergorene Weine aus hellen Trauben.

Rosé

Rosen beginnen jetzt zwar nicht, ihre Kernkompetenz zu entfalten. Aber vor wenigen Jahren hat der Rudl den Terminus „rosé pour l‘hiver“, was so viel wie „Winterrosé“ bedeutet, gelesen. Gemeint war damit ein Weinstil, der nichts mit industriell hergestellten, nach Eiswürfeln brüllenden und nach Eiszuckerln schmeckenden Substanzen zu tun hat. Konkret ist es um einen Rosé aus der Appellation Irouléguy gegangen. Von dieser wird schon sehr, sehr bald wieder ausführlicher die Rede sein. Kommende Woche wird sie vom Rosé der Domaine Ilarria repräsentiert und von gleichgepressten Gamays aus dem Aostatal und dem Bugey kongenial ergänzt.

  • 2020 Suzette Rosé, Leo Uibel, Ziersdorf, Weinviertel West (5/8)

Pinot noir und Rotburger aus der Eintausendliteramphore

  • 2018 Air des Cîmes, Les Petits Riens, Aosta, Aostatal (7/11)

Diesen Wein hat der Rudl vor drei Wochen irrtümlich angekündigt. Ausgeschenkt hat er damals dann aber den weißen Petit Bout de Lune. Kommende Woche aber jetzt wirklich der gleichgepresste Gamay vom Gneis.

  • 2023 Gastine, Domaine les Cortis, Andert et Condon, Bugey, Vin de France (4,50/7)

Altesse, Chardonnay und Gamay gleichgepresst; Als gemischter Satz gelesen erweist sich dieser Vin gris extraordinairement vielschichtig.

  • 2022 Irouléguy Rosé, Domaine Ilarria, AOC Irouléguy, Sud

Ouest (4/6)

Winterrosé aus Tannat und Cabernet vom Schiefer. Etliche der neuen Weingüter in Irouléguy blockieren beim Weißwein die Malo, um der Frische willen. Die Espils gestatten sogar dem Rosé den biologischen Säureabbau. Dieser dankt es mit einem für diese Weinbarbe erstaunlichen Reifepotential.

  • 2023 Teraxe, Domaine les Cortis, Andert et Condon, Bugey, Vin de France (5/8)

zwei Wochen Maischestandzeit von sechzig Percent Altesse und vierzig Chardonnay – blitzsauber

  • 2020 Les Grandes Jorasses, Dominique Belluard und Domaine du Gringet, Ayse, Haute-Savoye, Vin de France (9/14)

Teraxe und Les Grandes Jorasses kann zusammen mit vier klassischen Altesses bei der Weinauktion zugunsten des Integrationshauses ersteigern.

  • 2021 Erde, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Südsteiermark (8,50/13)

neuer Jahrgang beim Rudl

Zumindest am Beginn der Lehrveranstaltung ist auch von folgenden Weinen noch etwas da:

  • 2016 Cru Marestel, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOC Roussette de Savoie (6/9)
  • 1983 Welschriesling Spätlese, Rathauskeller Rust, Neusiedlersee Hügelland (4,50/7)
  • 2016 Vin Jaune, Domaine Pignier, Montaigu, AOC Côtes du Jura (12/18)

DONNERSTAG, 12. November

von 17 bis 21 Uhr

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils

Reindorfgasse 22

Im Übrigen ist der Rudl der Meinung, dass der 27. Jänner, der Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Konzentrationslager Auschwitz, zu einem gesamteuropäischen Feiertag erklärt werden muss.

Un-smart grüßt der Rudl!

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

Weinhandlung Rudolf Polifka et fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien