Kompetenzzentrum für Welschriesling. Komparatitistik I: Werlitsch, Ardoisières, Domaine H und vom Kamptal über Remschnigg in die Hölle, Donnerstag, 8. Oktober, 17 bis 21 Uhr

Welschriesling und Jacquère

Immer wieder einmal erklärt Oenologierat Rudolf Polifka die savoyardische Leitrebsorte Jacquère. Auffallend oft erwidert die interessierte Zuhörerin, beziehungsweise der interessierte Zuhörer die entsprechenden Ausführungen des Rudls dann mit einem „So ähnlich wie der Welschriesling, oder?“ Anfänglich hat der Rudl die Rebsorte Jacquère geschmacklich und geruchlich mit Sauvignon blanc in Verbindung gebracht. Er hat dann aber relativ schnell herausgefunden, dass allfällige Ähnlichkeiten in der Aromatik viel mehr auf Reinzuchthefen als auf die beiden Rebsorten zurückzuführen waren. In der Rebsortencharakteristik steht Jacquère vermutlich dem Welschriesling deutlich näher als dem Sauvignon blanc: hohe Erträge bei unkontrolliertem Wuchs, an sich späte Reife, Zitrusaromen und … ein Batzen Potential.

Jacquère. Eine Stundenwiederholung

Was für Südfrankreich Grenache ist für Savoyen Jacquère, nur halt in Weiß. Wenn Sie, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, im Süden irgendwo ganz alte, knorrige Rebstöcke, vielleicht in Stockkultur, auf einem fast zur Gänze erdfreien Schieferboden stehen sehen, dann handelt es sich dabei nicht selten um Grenache. Vergleichbares in Savoyen auf Kalkgeröll mit nicht mehr Erdauflage ist so gut wie sicher Jacquère.

Kalk ist der Boden erster Wahl dieser Rebsort. Dicke Beerenschalen erlauben eine späte Reife, schützen die großen engbeerigen Trauben vor Oidium und Peronospora, sind also einer der wenigen Unterschiede zum Welschriesling. Den bisweilen nicht ganz so guten Ruf verdankt Jacquère ihrer Fruchtbarkeit. Ohne Ertragskontrolle hängen an so einem Stock, sofern er unter hundert Jahre alt ist oder auf einem nicht ganz so kargen Boden steht, gleich einmal ein paar Kilo Trauben. Das konveniert den Lieferanten vieler Skistationen. Weinbauern mit höheren Ambitionen stellt es jedoch vor Herausforderungen. Wer sich als diesen gewachsen erweist, produziert dann aber oft ausgesprochen feuersteinige und präzise Weine, die an Alpenkräuter, Ingwer, Grapefruit und Bergamotten erinnern. Niedrige Alkoholwerte um elf Percent, frische, jedoch aufgrund von biologischem Säureabbau bekömmliche Säure und Assoziationen an Gebirgsquellwasser. Das ist es, was der Rudl an seriösen Weinen aus dieser Rebsorte so schätzt. Allerdings realisiert sich dieser Stil nur auf kargen Terroirs an alten Rebstöcken, die nährstoffmäßig kurz gehalten werden und das mit tiefen Wurzeln ausgleichen müssen. Das Reifepotential solcher Jacquères kann ganz extraordinaire sein. Das hat der Rudl vor ein paar Jahren einmal an einer Jacquère von Jean-Claude Masson aus dem Jahr 1996 und mit einer aus 2009 von den Giachinos erforscht.

Welschriesling

Welschriesling wäre eine spät reifende Rebsorte, benötigt nicht viel Niederschlag und tendiert – nicht eingebremst – zu hohen Erträgen. Aus Norditalien dürfte Welschriesling eingewandert sein, heißt dort „Riesling italico“, spielt jedoch kaum eine Rolle. Frost bereitet dem Welschriesling wenig schlaflose Nächte. Dass die Rebsorte so oft für einfache Weine mit übertriebenem Apfelaroma verwendet wird, kann Monsieur Rudolf nicht ganz nachvollziehen. Es war auch nicht immer so. Im Südburgenland scheinen die Uhren diesbezüglich immer schon ein bissl anders getickt zu haben. Weinbauern wie Klaus Herist haben in den Achtzigerjahren vielschichtige Weine mit erstaunlichem Reifepotential aus Welschriesling gekeltert. Seit etwa zehn Jahren haben sich jetzt auch in anderen Weinbaugebieten Weinbäuerinnen und Weinbauern wieder besonnen, mit Welschriesling wieder etwas an die Limits zu gehen.

Dem Rudl sind das ausreichende Motive, die beiden Rebsorten quasi gegeneinander antreten zu lassen. Um das Südburgenland macht er dieses Mal einen Bogen. Er wird ihm eine eigene Lehrveranstaltung widmen und bei dieser Gelegenheit den Ambitionen von Weinbäuerinnen und Weinbauern aus anderen Weinbaugebieten die Reverenz erweisen. Dabei erlaubt er sich, neue Weine in seinem Sortiment vorzustellen.

  • 2025 Welschriesling Klassik, Sternat-Lenz, Remschnigg, Südsteiermark (3/5)
  • 2023 Jacquère, Domaine H, Torméry, AOC Vin de Savoie (4,50/7)
  • 2024 Welschriesling vom Opok, Werlitsch, Glanz an der Weinstraße, Südsteiermark (6/9)
  • 2023 Silice Blanc, Maison des Ardoisières, Apremont, Vin de France (4/6)
  • 2021 Welschriesling „Wild Wolf vom Kalk“, Weinbau Wolf, Reith, Kamptal (4/8)

48 Stunden auf der Maische, dann spontan im Eichenfass vergoren, zwanzig Monate auf der Vollhefe – so weit weg vom Eisenberg und trotzdem eine derartige Vielschichtigkeit

2020 Jacquère, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOC Vin de Savoie (3/5)

  • 2023 Welschriesling Alte Reben Reserve, Weinbau Rudolf Klein. Wein aus der Hölle, Illmitz, Neusiedlersee (3/5)

Jetzt gibt es diesen Wein auch im Sortiment der Weinhandlung Rudolf Polifka et fils.

  • 2023 Apremont, Domaine Giachino, Chapareillan, AOC Vin de Savoie

Und zumindest am Beginn der Lehrveranstaltung gibt es auch noch …

  • 2022 Irouléguy rosé, Domaine Ilarria, AOC Irouléguy, Sud Ouest (4/6)
  • 2021 Irouléguy Rouge Tradition, Domaine Arretxea, AOC Irouléguy, Sud Ouest (4,50/7)
  • 2021 Irouléguy Rouge «Méthode naturelle», Domaine Ilarria, Irouléguy, Vin de France (6/9)

DONNERSTAG, 8. Oktober von 17 bis 21 Uhr

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils

Reindorfgasse 22

Im Übrigen ist der Rudl der Meinung, dass der 27. Jänner, der Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Konzentrationslager Auschwitz, zu einem gesamteuropäischen Feiertag erklärt werden muss.

Smart ist das neue Weiß. Deshalb grüßt der Rudl un-smart wie nur was!

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien