Burgenland OHNE Welschriesling von Süd nach Nord, DIENSTAG, 25. August, 17 bis 21 Uhr

Ort und Zeit der Initialzündung seiner Weinbegeisterung kann der Rudl selber sehr genau lokal- und terminisieren: Illmitz und Purbach im August 1983. Ausgangspunkt waren eher landschaftliche als geschmackliche Erlebnisse. Zum ersten Mal in seinem Leben hat der Rudl damals bewusst eine von Weingärten geprägte und strukturierte Landschaft wahrgenommen. Das war etwas markant anderes als elektrodrahtumgrenzte Kuhweiden. Erfreulich anders, wie der Rudl gerne präzisieren möchte. An dieser Wahrnehmung hat sich bis heute nichts geändert. Wein statt Milch. Und wenn die Milch nicht einmal kompetent zu Käse, Joghurt oder Buttermilch veredelt ist, dann braucht der Rudl die Milch noch viel, viel weniger. Wahrscheinlich hat er damals auch an einem Wein nippen dürfen. Das muss die seinerzeit im Seewinkel viel weiter als heute verbreitete Rebsorte Muskat Ottonel gewesen sein. Bedeutender sind für den Rudl damals WEINtrauben (nicht Tafeltrauben!) und Traubensaft. Trotzdem beschwingt der Name „Muskat Ottonel“ noch heute das oenologische Trommelfell vom Rudl. Ein Jahr danach hat der Rudl diesen landschaftlichen Horizont in Bergerac, Monbazillac und Bordeaux erweitert. Prägender geblieben ist die Gegend um den Neusiedlersee. Und etwa zehn Jahre später hat sich der Rudl dann das gesamte Burgendland relativ systematisch von Norden nach Süden, quasi von Zurndorf bis Moschendorf erschlossen und ertrunken. Das nimmt er zum Anlass, dieses Bundesland jetzt in der entgegengesetzten Richtung zu präsentieren.

Vom Csaterberg über den Eisenberg zum Königsberg bis Rechnitz

Als sogenannte „Weinidylle Südburgenland“ hat der Rudl diese Gegend kennengelernt. Die Gebietsvinothek in Moschendorf, das Kellerviertel in Heiligenbrunn und der Uhudler dominieren die Erinnerungen vom Rudl an das Kennenlernen dieser Gegend vor knapp fünfunddreißig Jahren. Heute veranlasst anderes den Rudl, regelmäßig das Südburgenland aufzusuchen, vor allem die geologische Vielfalt. Wenn Sie, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, den Rudl fragen, dann ist das heute das dynamischste Weinbaugebiet Österreichs. Ganz stark hat das mit den Rebsorten Welschriesling und Blaufränkisch zu tun. Der Rudl wagt auch die Diagnose, dass sich kein anderes Weinbaugebiet so erfolgreich vor internationalen Rebsortentrends geschützt hat wie das Südburgenland. Chardonnay, Syrah, Sauvignon blanc, aber auch Riesling haben hier wenig Auftrag. Und selbst die Archetypen österreichischer Ampelographie, Grüner Veltliner und Rotburger bleiben hier eher Randerscheinungen. Vielleicht kehren in Zukunft ein paar ungarische Rebsorten zurück.

2022 Weißburgunder „Kalk und Schiefer“, Weingut Jalits, Badersdorf, Südburgenland (5/8)

Ein Teil der Trauben für diesen Wein wächst in der Riede Saybritz am Eisenberg auf Schiefer und eisenhältiger Braunerde, der andere etwas weiter nördlich am Königsberg auf grünem Schiefer, Dolomit und Kalkschiefer.

  • 1971 Blaufränkisch „Turmstüberl“, Klosterkeller Siegendorf, Rosalia (4/6)

Es gibt geglückte und weniger geglückte Weinnamen. „Turmstüberl“ gehört, wenn Sie den Rudl fragen, eindeutig zu ersteren. Das hat vor allem mit der Höhe zu tun. Während Monseiur Polifka das Kellerstüberl als drittsinnloseste Erfindung nach dem Laubbläser und dem Rasenmäherroboter erachtet, gefallen ihm höhergelegene Orte des Weingenusses überaus, egal ob es sich dabei um einen Heurigen auf einer Anhöhe, ein hohes Gebäude oder auch nur ein Schiff handelt. Wenn es für die Weinhandlung Rudolf Polifka et fils einen anderen Ort als die Reindorfgasse gäbe, wäre sie auf einem Turm oder ganz oben in einem aufgelassenen Eisenbahnstellwerk.

  • 2022 Braunstein Brothers M (Grüner Veltliner und Weißburgunder), Purbach, Neusiedlersee Hügelland (4,50/7)

Die Naturweinlinie des klassischen Hauses in Purbach, interpretiert von den beiden Söhnen der Weinbäuerin.

  • 2024 Grauer Burgunder „Vom Grauen Schiefer“, Josef Umathum, Frauenkirchen, Neusiedlersee (6/9)

Grauer Schiefer, Quarz und eine Rebsorte, die sowohl mit Hitze als auch mit tiefen Temperaturen ganz gut umgehen kann. Von der Biodiversität im Weingarten hat sich der Rudl heuer im Frühling ein äußerst schönes Bild machen können.

  • 2024 Pinot noir, Dankbarkeit, Podersdorf am See, Neusiedlersee (5/8)
  • 1979 Trockenbeerenauslese, Weingut Gangl, Illmitz, Neusiedlersee (7/-)

… und zumindest am Beginn der Lehrveranstaltung gibt es auch noch

  • 2021 Côtes du Ventoux blanc, Domaine Fondrèche, Mazan, Rhône sud (3/5)

DIENSTAG, 25. August von 17 bis 21 Uhr

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils

Reindorfgasse 22

Im Übrigen ist der Rudl der Meinung, dass der 27. Jänner, der Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Konzentrationslager Auschwitz, zu einem gesamteuropäischen Feiertag erklärt werden muss.

Smart ist das neue Weiß. Deshalb grüßt der Rudl un-smart wie nur was!

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils
Reindorfgasse 22
1150 Wien
Tel.: 0043 (0)699 1923 3008
www.wein-polifka.at

Ostbahn lebt.