Auf den 8. März geht‘s zu
„Einstimmung“ ist in diesem Zusammenhang vielleicht ein blödes Wort. Die Tatsache, dass so ein Tag nötig ist, muss man nicht als lustig oder ausreichendes Motiv zum Feiern erachten. Nichtsdestotrotz erlaubt sich der Rudl, jeder Frau ein Achtel ihrer Wahl aus dem aktuellen Forschungsthema „auf Haus“ zu kredenzen, quasi als Zeichen, mehr ist es leider nicht.
Zu diesem Tag hat der Rudl immer wieder kleinere oder größere Vertikalen des Chignin-Bergeron Les Filles von Gilles Berlioz aufgemacht. Dieser Wein drängt sich dem Rudl zu so einem Tag vom Namen und vom Etikett her förmlich auf. Es wird ihn auch heuer glasweise geben, allerdings nicht vertikal. Hat sich dem Rudl sein Angebot in Sachen Roussanne früher im Les Filles erschöpft, so blickt er heute auf eine Vielzahl an Weinen dieser Rebsorte. Das wundert ihn insofern selber ein bissl, als er nie ein großer Freund von Roussanne gewesen ist. Vor allem an der nördlichen Rhône zuhause, verkörpert sie für den Rudl Weine mit einem unverhältnismäßig hohen Alkoholgehalt, dem sehr oft sehr vergeblich mit einem sehr übermäßigen Holzeinsatz zu Leibe gerückt wird.
Du sollst Dir kein Bild machen!
Geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, erlauben Sie dem Rudl bitte ein paar grundsätzliche Überlegungen. Gerade wenn sich das Bild von etwas oder von jemandem derart verfestigt hat, kann es manchmal sinnvoll sein, dieses Etwas, respektive diese Person genauer im Blick zu behalten. Bei der Roussanne ist es der Cru Chignin-Bergeron aus Savoyen. Von dem aus hat sich nach anfänglicher Skepsis dem Rudl sein Zugang zu Roussanne verändert. Nicht dass ihm ganz viele Altesses und etliche Jacquères nicht lieber wären, aber auf ein paar wirklich extraordinaire Repräsentantinnen von Roussanne ist Caviste Rudolf Polifka in den letzten Jahren schon gestoßen. Die Septembersonne ist es, die bei der Rebsorte Roussanne für die charakteristische Kombination von aromatischer Konzentration und lebendiger Säure erforderlich ist. Indigene Hefen, wenig Intervention und zehn Monate Ausbau. Das sind die Roussannes von Gilles Berlioz. Sie erinnern an karamellisierte Marillen, Zesten von Zitrusfrüchten, Birnen, Ananas, Haselnüsse und Kastanien, bei zunehmender Reife an nasse Steine und Waldboden. Präzision, Frische, Ausgewogenheit und Spannung – Gilles Berlioz gibt maßgebliche Analysewerte am Rückenetikett an.
Roussanne als solche
In der mehr als berühmten Appellation Hermitage ist Roussanne neben Marsanne die einzige zugelassene Rebsorte. Im Schweizer Valais gibt es Weine aus Roussanne, die sie dort deshalb Hermitage nennen. An der südlichen Rhône, im Languedoc und im Roussillon wächst Roussanne auch, aber dort halt neben fast hunderttausend anderen Rebsorten.
2019 Chignin-Bergeron « Les Filles », Gilles Berlioz, Chignin, AOC Vin de Savoie (7/11)
- 2017 Chignin-Bergeron « Les Fripons », Gilles Berlioz, Chignin, AOC Vin de Savoie (7/11)
- 2023 Chignin-Bergeron « Echalas », Domaine H, Torméry, AOC Vin de Savoie (6/9)
Stockkultur. Das weckt bei manchen Oenologinnen und Oenologen Assoziationen an sehr, sehr teure Weine. Ist aber kein Naturgesetz. Möglicherweise einer der spektakulärsten Neuzugänge im Sortiment vom Rudl seit einem Zeitl.
- 2023 Aigue Marine, Domaine des Ardoisières, Arbin, IGP Vin des Allobroges (8/12)
Roussanne mit einem ganz kleinen Altesseanteil
- 2023 Schiste, Domaine des Ardoisières, Cevins, IGP Vin des Allobroges
Dreißig Prozent Roussanne, den Rest bestreiten Jacquère, Pinot gris und Mondeuse blanche, kann von daher schon nicht so fett sein.
- Abgesehen vom Persan ist von den seltenen Rebsorten Savoyens am Beginn der kommenden Lehrveranstaltung noch etwas da.
DONNERSTAG, 5. März von 17 bis 21 Uhr
Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils
Reindorfgasse 22
Am 27. Jänner 1945 sind die Überlebenden aus dem Konzentrationslager Auschwitz befreit worden. Was spricht dagegen, den 27. Jänner deshalb endlich zu einem gesamteuropäischen Feiertag zu erklären? Nichts!
S’isch Zeit!
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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien