Selbstverständlich vorübergehend geschlossen!

Und selbstverständlich hält sich Rudolf Polifka an die dringenden Aufforderungen der Wissenschaftler und ist nicht der Meinung, dass jetzt die Zeit ist zu „beweisen“, dass vielleicht doch alles ganz anders ist. Wie man zu den Politikern steht, die die Maßnahmen verlautbaren, ist völlig unerheblich. An den Empfehlungen selber zu zweifeln hält der Rudl ungefähr für so gscheit wie die Überlegung, ob die Erde nicht vielleicht doch eine Scheibe sein könnte.

Die Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils gehört zwar zum Agrarhandel und dürfte kommende Woche vermutlich offen halten, wenn auch nicht ausschenken. Herr Rudolf würde auch sehr gerne aufsperren. Er hätte jetzt ja auch mehr Zeit. Und er ist auch der Meinung, dass die Weine der Weinbäuerinnen und Weinbauern, mit denen er zusammen arbeitet, mehr mit Lebensmitteln zu tun haben als vieles, was jetzt kistenweise aus den Supermärkten in die Kofferräume gepackt wird. Das ist kein Zynismus, sondern hat ziemlich sicher einiges mit der Verbreitung des Coronavirus zu tun. Diese deutet den Rudl ganz stark darauf hin, dass unser globalisierter Lebensstil des Immermehr, Immerschneller, Immerlauter und vor allem Immerbilliger jetzt nicht mehr nur wie 2008 am Limit, sondern am Ende ist. Dass zwei unsympathische Gesichter dieses Lebensstils, die elendiglichen Bedingungen in der Fast-Fetzn-Industrie und die Mpfta-Mpfta-Après-Ski-Exzesse jetzt im Mittelpunkt stehen, wird vielleicht auch nicht auf puren Zufall zurückzuführen sein.

Auf alle Fälle ist jetzt sicher nicht die Zeit, nach Ausnahmen, Schlupflöchern oder Rechtfertigungen für in sozialer Hinsicht defizitäres Verhalten zu suchen.

Herr Rudolf schließt sich in diesem Zusammenhang dem Gasthaus Floh an. Das bringt in seinem aktuellen Newsletter die Situation auf den Punkt.

Darum bleibt selbstverständlich zu.

Jetzt ist die Zeit, über das eine oder andere nachzudenken. Der Rudl wird sich erlauben, Ihnen in den nächsten Tagen und Wochen die eine oder andere Zeile zukommen zu lassen.

Bitte trinken Sie, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, den Wein dazu zuhause!

Danach wird er in Gesellschaft umso besser schmecken und wir werden dann ziemlich sicher auch wieder besser verstehen, warum das so ist.

Ganz besonders grüßt und vor allem bedankt sich der Rudl bei den Krankenpflegerinnen, Krankenpflegern, Polizistinnen, Polizisten und bei den Kassierinnen und Angestellten im Handel!

Passen Sie gut auf, auf sich und noch viel mehr auf Schwächere! Rudolf Polifka freut sich auf ein Wiedersehen.

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Nur diese Woche AUSSERTOURLICH geänderte ÖFFNUNGSZEITEN: MONTAG UND DONNERSTAG: dem Rudl sein Lieblingsveltliner und Fastenbier

Montag und Donnerstag

Diese Woche muss Herr Rudolf improvisieren, öffnungszeitentechnisch. Die Koinzidenz zweier Verpflichtungen als Schulmeister erfordert es, dass Caviste Rudolf diese Woche am Montag und am Donnerstag offen hat. Es geht leider nicht anders.

Grüner Veltliner

Für einen ehemaligen Pfadfinder wie den Rudl gibt es Interessanteres als ausgetretene Wege, sechsspurige Autobahnen oder Glasfaserhighspeeddatenübertragungskabel. Aber in Österreich kommt man am Grünen Veltliner nicht vorbei. Und es gibt ja auch ziemlich viele kompetente bis außergewöhnlich gute Grüne Veltliner, auch wenn die zunehmende Erderwärmung dieser Rebsorte nicht gerade die besten Karten in die Hände spielt. Da es so viele sind und der Rudl sicher zehn oder zwanzig vergessen würde, beginnt er gleich gar nicht mit der namentlichen Aufzählung von Weinbaumeistern, die den viel zu vielen viel zu heißen Sommern trotzend ausgezeichnete Grüne Veltliner keltern.

Zwei davon haben es Caviste Rudolf ganz besonders angetan. Und die könnten nicht viel unterschiedlicher sein. Was sie verbindet, sind handwerkliches Talent, Kompromisslosigkeit und der Vorname des Winzers.

Steinleithn, Geyerhof

Der Lagenname „Steinleithn“ deutet nicht auf ein Übermaß an Humus hin. Ein Biotop für fette Weine schaut anders aus, stellenweise der blanke Felsen. Granulit heißt die Mischung aus Felsspat, Quarz und Glimmer, in der die Rebstöcke wurzeln, südwestliche Ausrichtung. Der Ertrag ist niedrig, die Lese erfolgt spät, manchmal erst im November, im Fall des Zweitausendsiebzehners zum Beispiel.

Ende Jänner 1999 ist der Rudl auf diesen Wein gestoßen. Dass er das noch so genau weiß, sieht er als Indiz dafür, dass er von diesem Wein, vor allem von dessen Reifepotential immer schon extraordinairement viel gehalten hat.

Spiegel, Mantlerhof

Vielleicht kann man die Lage „Spiegel“ sogar als das Gegenteil von „Steinleithn“ betrachten, nicht nur weil sie am anderen Donauufer des Weinbaugebietes Kremstal liegt. Josef Mantler weist auf seiner Homepage darauf hin, dass sich der Lagenname vom lateinischen „spiculum“, dem Exponierten, Herausgespiegelten und Heißen in der Mitte des Hanges, ableitet. Dort sind die Lössterrassen besonders imposant. Und dort stehen Grüne Veltliner Reben, die noch Josef Mantler sen. selektioniert hat, ein paar davon sogar wurzelecht, weil die Reblaus am Sand einen schweren Stand hat.

Die Vinothek des Mantlerhofs bezeugt das Potential dieser nach Süden ausgerichteten Lage. Wer die letzte Spiegel-Vertikale bei Weinmeister Rudolf gekostet hat, bedarf dieses Zeugnisses nicht.

Im Untergrund findet sich kalkiger Konglomerat der Hollenburg Karlstettener-Formation. Aber das ist schon sehr weit darunter. Wind geht viel. Über einen Mangel an Belüftung können sich die Weinbeerln in der Lage Spiegel nicht beschweren.

Kremstal. Ort der Begegnung

Im Kremstal begegnen einander nicht nur Urgestein und Löss, sondern auch das heiße, pannonische Klima aus dem Osten und die kontinentale Kühle des Waldviertels. Die Höchsttemperatur am Tag kann sich von der Tiefsttemperatur in der Nacht um 25 Grad unterscheiden. Das gibt es nicht überall und ist vielleicht auch ein Grund, warum Herr Rudolf viele Weine des Kremstals jenen der berühmteren Wachau vorzieht.

Zweitausendachter

Der Rudl hat schon einmal versucht, herauszufinden, welchen Grünen Veltliner er am allerliebsten mag. Das ist im Jänner 2019 gewesen. Und da hat er drei 2008er, die für ihn als Lieblingsveltliner in Frage gekommen und auch im Keller gelegen sind, aufgemacht. Zwei davon sind eindeutig vorne gewesen, so eindeutig vorne wie ex aequo, aber dennoch sehr verschieden. So etwas freut den Rudl dann ganz besonders.

Hat der Grüne Veltliner Spiegel 2008 vom Mantlerhof den Rudl damals mit seiner aromatischen Vielfalt begeistert, so war im Fall des Grünen Veltliners Steinleithn 2008 vom Geyerhof das Verhältnis zwischen Frische, Körper, Bitterkeit und Aroma überzeugend. Der dritte Grüne Veltliner aus dem Jahr 2008 ist damals im Vergleich abgefallen. Zwischen Spiegel und Steinleithn hat der Rudl beim besten Willen keine Reihenfolge vorzunehmen vermocht.

Darum erweitert Caviste Rudolf seine entsprechenden Ermittlungen einerseits um Sie, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, andererseits um recentere, aber sehr unterschiedlliche Jahrgänge. Vielleicht ist diese Vorgangsweise geeignet, Licht in der Frage nach dem Olymp des Grünen Veltliners zu bringen.

Das Wetter der Jahre 2008, 2014, 2016 und 2017 hat sich seit der Roten Veltliner Vertikale nicht geändert. Darum kopiert der Rudl die entsprechenden Beschreibungen einfach herein.

2008

Über den Jahrgang haben sie gejammert wie über den Zweitausendzehner. Für Caviste Rudolf ist 2008 ein herausragender Jahrgang mit lebendiger Säure, am Mantlerhof aufgrund drastischer Ertragsbegrenzung eine ganz besondere Kombination aus kräftigem Körper und Frische.

2014

Geschrieben wird ja fast jeden November von einem „Winzerjahrgang“. Für 2014 dürfte das sogar gestimmt haben. Ohne Botrytisverzögerer und anderen Hexenzauber sind elegante Weine mit sehr hoher Lagerfähigkeit entstanden. Die guten werden sicher noch ein Zeitl brauchen. Die anderen sollten schon getrunken oder einer anderen Verwendung zugeführt sein.

Sommer und Herbst 2014 werden nicht aufgrund von Hitzewellen in die Geschichtsbücher eingehen. Deswegen prognostiziert nicht nur der Rudl den Vierzehnern mehr Ausdauer als den Weinen vieler anderer Jahrgänge, freilich nur sofern gesunde Beeren verarbeitet worden sind. Von denen dürfte es halt nicht so viele gegeben haben. Mit den Zweitausendvierzehnern, die noch da sind und leben, hat Monsieur Rudolf größtenteils ziemlich gute Erfahrungen gemacht.

Der Winter hat mild begonnen, aber Mai ist die Sonne dann nicht gerade extrovertiert, ganz anders als der Regen. Im August 2014 verbringt Caviste Rudolf fünfzehn Tage in Savoyen. Nicht einer davon kommt ganz ohne Regen aus. So oder so empfiehlt Caviste Rudolf auch diese Woche wieder, die guten Weißen aus 2014 vielleicht sogar nach den Fünfzehnern zu trinken. Monsieurs Riouspeyrous und Belluard sehen das übrigens auch so. Das österreichische Zentralamt für Wein hingegen bedauert, dass keine „höheren Mostgewichte“ möglich gewesen sind. Dem Rudl seines Erachtens werden die hohen Mostgewichte überbewertet. Er zieht die raffinierteren und frischeren Jahrgänge vor, auch wenn diese vielleicht manchmal länger im Keller reposieren müssen.

Geschrieben wird ja fast jeden November von einem „Winzerjahrgang“. Für 2014 dürfte das gestimmt haben. Ohne Botrytisverzögerer und Schwefelkeule sind viele elegante Weine mit sehr hoher Lagerfähigkeit entstanden.

2016

Zu warm und zu trocken im Winter. Früher Austrieb und dann der Spätfrost Ende April. Verhältnismäßig viel Niederschlag, leider auch in Form von Hagel, bis zur letzten Augustwoche. Erst dann kommt das Wetter zur Raison.

Einer von drei nicht sauheißen Jahrgängen in der Dekade.“

Das hat der Rudl relativ knapp und nüchtern nach dem Jahr Zweitausendsechzehn geschrieben. Was er seither mit den wenigen Vertreterinnen und Vertretern dieses Jahrgangs erlebt hat, vermag er überhaupt nicht knapp und nüchtern auszudrücken. Leider sind es halt nur äußerst wenige Beeren gewesen, die den Spätfrösten und Hagelschlägen gesund entkommen sind. Die wenigen, bei denen das der Fall war, scheinen einen ganzen Batzen Kraft mitbekommen zu haben. Caviste Rudolf würde sich nicht wundern, wenn 2016 als der Jahrgang des Jahrzehnts in die Weingeschichte eingehen würde. Eigentlich hat der Rudl geglaubt, dass er einen Zweitausendsechzehner Spiegel aufgehoben hat. Leider ist eigentlich nicht immer real. Wahrscheinlich sogar meistens eher nicht. In diesem Fall korreliert dem Rudl sein Glaube bedauerlicherweise nicht mit seinem Bestand. Allerdings ist Monsieur Rudolf auf seiner Suche nach Grünem Veltliner Spiegel 2016 ein Flascherl des gleichen Weines aus dem Jahr 2014 entgegen gekugelt.

2017

Kein übermotivierter Winter, dafür Spätfrost, dann bald sehr heiß und um die Lese starke Regenfälle.

  • Grüner Veltliner Steinleithn 2017, Geyerhof, Oberfucha, Kremstal (4,50/7)
  • Grüner Veltliner Spiegel 2017, Mantlerhof, Gedersdorf, Kremstal (4,50/7)
  • Grüner Veltliner Steinleithn 2016, Geyerhof, Oberfucha, Kremstal (4,50/7)
  • Grüner Veltliner Spiegel 2014, Mantlerhof, Gedersdorf, Kremstal (5/8)
  • Grüner Veltliner Steinleithn 2008, Geyerhof, Oberfucha, Kremstal (6/9)
  • Grüner Veltliner Spiegel 2008, Mantlerhof, Gedersdorf, Kremstal (6/9)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

nicht nur diese Weine gibt es glasweise

am MONTAG, DEN 9. MÄRZ und am Donnerstag, den 12. März

jeweils von 16 bis 21 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Das Fastenbier aus dem Bräustübl in Salzburg Mülln ist ab sofort verfügbar, vorläufig einmal sogar zum Mitnachhausenehmen.

Vorschau auf die Lehrveranstaltung vom 17. und 19. März

Herr Rudolf als Stiefmutter: Riesling

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag erklären sollte!

Herr Rudolf grüßt grün!

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 16 bis 21 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57

Über das klassische Teilen, das Teilen 4.0, das Mitteilen, den internationalen Frauentag und keinen Lieblingsschüler von Professor Friedrich Zweigelt

Teilen klassisch

Ist früher etwas geteilt worden, dann haben nach dem Teilen mehrere Individuen als vor dem Teilen etwas vom Geteilten gehabt. Dafür war das, was jede und jeder einzelne gehabt hat, quantitativ weniger als vorher das Ungeteilte. Klassisches Beispiel für dieses Verständnis von Teilen ist die Speisung der Fünftausend (Mk 6,35-42), leider oft irreführend als „wundersame Brotvermehrung“ bezeichnet. Klassisches Beispiel für Widerspenstigkeit in dieser Hinsicht sind die Primzahlen.

Teilen digital

Wenn heute eine nimmersatte Datenbettlerbande oder ein sogenannter Influenza zum Teilen auffordert, dann hat nach dem Teilen die nimmersatte Datenbettlerband oder der sogenannte Influenza alles und der, der geteilt hat, nix. Diese Form der Umverteilung nennt man Digitalisierung. Und die ist ziemlich toll.

Christine und Gilles Berlioz

haben 2016 ihr Weingut wiedergetauft, auf „Domaine Partagé“ (Das geteilte Weingut). Sie meinen damit nicht ein Aufteilen der Rebflächen zugunsten erbberechtiger Kinder und noch viel weniger, dass man sich im Internet durch einen Klick besonders positiv über ihr Weingut äußern soll, sondern betonen mit dem neuen Namen ihre Neugierde auf alle, die irgendwie in Beziehung zu ihrem Wein stehen, sei es als Mitarbeiterin, als Weinbauernkollege oder als Kundin. Dass aus dieser Neugierde mehr wird, kann man kosten, womit der Rudl wieder bei Mk 6,35-42 ist.

Gefragt nach dem Entscheidenden beim Weinmachen nennt Gilles Berlioz, sich immer wieder in Frage zu stellen und sich mit den richtigen Menschen zu umgeben. Mit denen teilt er dann. Der Rudl möchte dringend hinzufügen, dass das auch in anderen Berufen und Lebensbereichen nicht das allerblödeste Rezept ist.

Mitteilen

Gilles Berlioz teilt nicht nur im klassischen Sinn, er teilt auch mit, zum Beispiel auf seinen Weinetiketten. Dort wird natürlich auch sonst heftig mitgeteilt. Nur interessiert das den Rudl in den seltensten Fällen, weil ihn fast chronisch anderes interessiert. Flüchtige Säure und freier Schwefel zum Beispiel. Nur steht das kaum auf einem Etikett. Auf denen der Weine von Gilles Berlioz steht es. Und das erachtet Caviste Rudolf als viel konsumentenfreundlicher als alles, was etwa dem viel gepriesenen österreichischen Weingesetz zum Thema Deklaration am Etikett einfällt.

Roussanne. Eine Wiederholung

Geringe Erträge, relativ späte Reife, kleine, zylindrische Trauben, Beeren mit goldgelbem Taint und rostbraunen Einsprengseln. Haselnuss-, Weißdorn- und Hagebuttenaromen sind nicht ungewöhnlich.

Sofern die Säure passt, und bei Gilles Berlioz tut sie das, kann man Chignin-Bergeron gut aufheben.

Les Filles

Seit dem Jahrgang 2007 widmet Gilles Berlioz den Damen in seinem und um seinen Betrieb den besten Wein des Hauses und nennt ihn „Les Filles“. Das Etikett ziert seither auf jedem Jahrgang eine andere künstlerische Darstellung von Frauen, stets geschmackvoll, niemals plump, das gerade Gegenteil vom vielleicht lautesten und aufdringlichsten Weinetikett, das der Rudl kennt. Caviste Rudolf wiederholt an dieser Stelle, dass es ihm nicht sehr nach Kompliment ausschaut, wenn auf einem Weinetikett ein Hintern abgebildet ist. Für den Wein nicht und für den Betrachter noch viel weniger. Da können Sie Herrn August Starek fragen.

Die Bilder auf den Etiketten von Gilles Berlioz sind jedenfalls frei von Effekthascherei. Trotzdem ist Weinmeister Berlioz immer wieder mit der Frage nach Unausgewogenheit seiner Weinbezeichnung konfrontiert worden. Darum hat er irgendwann einen anderen Chignin-Bergeron „Les Fripons“, auf gut Deutsch „Die Spitzbuben“ genannt.

Ganz egalitär ist das dann aber auch wieder nicht gewesen, weil „Spitzbuben“ in der einen oder anderen Komponente seiner Bedeutung über eine schlichte Geschlechtsbezeichnung hinaus geht. Darum gibt es bei Gilles Berlioz auch noch einen Chignin-Bergeron „Les Friponnes“, die Spitzmadl oder Spitzbübinnen, wenn Sie so wollen.

Les Filles“ sind momentan sowieso ausverkauft, darum streng paritätisch: „Les Friponnes“ und „Les Fripons“, beide aus einem Lieblingsjahrgang vom Rudl: 2016.

Gräfin und Graf

Gilles Berlioz ist nicht der einzige Winzer, der Weinnamen gendert und dabei ohne Verstöße gegen die Groß- und Kleinschreibung auskommt.

Zum ersten Mal aufgefallen ist dem Rudl die explizit weibliche Benennung eines Weins beim Grünen Veltliner Moosburgerin vom Mantlerhof. Die hat Caviste Rudolf nicht in seinem Sortiment, Grafin und Graf von Maria und Sepp Muster aber schon.

Gräfin 2017, Maria und Sepp Muster, Schlossberg

Graf Sauvignon 2017, Maria und Sepp Muster, Schlossberg

2. März 1920

Am 2. März wird Josef Bauer hundert Jahre alt. Er ist in die Weinbauschule Klosterneuburg gegangen.

 

Reserve 2017 (Blaufränkisch und Sankt Laurent), Weingut Rosi Schuster, Sankt Margarethen, Neusiedlersee Hügelland

 

Und dann gibt es diese Woche noch ein paar Weine mit weiblichen Namen, einen sogar mit einem weiblichen und einem männlichen.

  • Rosa 2018, Weingut Umathum, Frauenkirchen, Neusiedler See (3/5)
  • Apremont „Lisa“, Jean-Claude Masson et Fils, Apremont, AOP Vin de Savoie (3/5)
  • Grüner Sylvaner Reserve „Mona Lisa“ 2017, Josef Salomon, Falkenstein, Weinviertel Ost (3/5)
  • Chignin-Bergeron „Les Friponnes“ (Die Spitzbübinnen) 2016, Christine et Gilles Berlioz, Chignin, AOP Vin de Savoie (6/9)
  • Chignin-Bergeron „Les Fripons“ (Die Spitzbuben) 2016, Christine et Gilles Berlioz, Chignin, AOP Vin de Savoie (6,50/10)
  • Marius & Simone 2017, Domaine Giachino, Chapareillan, Vin de France (4,50/7)
  • Graf Sauvignon 2017, Maria und Sepp Muster, Schlossberg (6/9)
  • Gräfin 2017, Maria und Sepp Muster, Schlossberg (6/9)
  • Reserve 2017, Weingut Rosi Schuster, Sankt Margarethen, Neusiedlersee Hügelland (4,50/7)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

nicht nur diese Weine gibt es glasweise

am Dienstag, den 3. März und am Donnerstag, den 5. März

jeweils von 16 bis 21 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Vorschau auf die Lehrveranstaltung der kommenden Woche:

möglicherweise jetzt endlich den Vergleich Grüner Veltliner Spiegel vom Mantlerhof und Grüner Veltliner Steinleithn vom Geyerhof 2008, 2016 und 2017

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag erklären sollte!

Herr Rudolf grüßt fragend, interessiert und ungeteilt egalitär!

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 16 bis 21 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57

Dschai Si Mäissn und der alte Klosterkeller Siegendorf

Wenn Sie, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, aufgrund der ersten drei Lautkombinationen in der Betreffzeile jetzt glauben, der Rudl würde auf Steirisch in seine Tastatur hinein fluchen, dann täuschen Sie sich gewaltig. Nicht dass der Rudl nicht fluchen würde. Im Gegenteil. Aber bei obigem Ausdruck handelt es sich um die Art und Weise, wie Amerikaner den Namen des Winzers Jean-Claude Masson aus Apremont aussprechen.

Übrigens wohnt ganz in der Nähe von Monsieur Masson die Familie Giachino. Die werden dort [giakinó] ausgesprochen. Fragen Sie den Rudl nicht, was das für eine dialektale Variante ist. Aber so reden sie in Savoyen halt. Und im Zusammenhang mit Aussprachen und Spitznamen versucht es Herr Rudolf so zu halten, dass der oder die Benannte entscheidet, wie sie oder er genannt wird.

So oder so

Anlassgesteuertheit ist an und für sich nicht dem Rudl Seines. Andererseits hat er es schon gerne, wenn zum Jahreswechsel, meistens eh komatös müde, Schaumwein getrunken, nach dem Aschermittwoch ein Palmkatzlast aufgestellt oder im Advent Weihnachtsbockbier getrunken wird.

Vielleicht ist das Dialektik, oder einfach nur Inkonsequenz. Egal. Aber für den Faschingsdienstag hat der Rudl versucht, mit dem Weinprogramm dem Fasching Rechnung zu tragen, quasi einmal etwas ganz anderes. Dass am Donnerstag, dann schon in der Fastenzeit, dasselbe Weinprogramm an der Tafel stehen wird, relativiert den Grat an Anlassgesteuertheit eh wieder dialektisch oder wos.

Jean-Claude Masson

scheint die originelle Aussprache seines Namens nicht sonderlich zu stören. Eher ist er ein bissl stolz, dass die in den Vereinigten Staaten drüben gerade an seinen Jacquères aus Apremont so einen Narren gefressen haben. Monsieur Masson stößt sich mehr an schlechten Manieren als an Differenzen um die Aussprache. Es soll vorkommen sein, dass eine schwere, stinkende Tschäsn vor seinem Keller stehen geblieben, ein Mann ausgestiegen ist und die Kellertür von einem „Il faut du vin!“ (Ich brauche Wein, Anm.) begleitet geöffnet hat. In so einem Fall ersucht Jean-Claude den Gast höflich, aber bestimmt noch einmal hinauszugehen und sich dessen, was einem eine passable Kinderstube für so eine Situation nahegebracht hat, zu besinnen. Dem Rudl gefällt das sehr gut. Ihm geht die überhebliche Dreistigkeit, die heute sogar in Lehrpläne als Unterrichtsziel Eingang gefunden hat, so etwas von gegen den Strich, dass er Ihnen das gar nicht sagen kann. Aber wer Demut, dezente Zurückhaltung, Dankbarkeit, die Fähigkeit zum Understatement und eine nicht-interessensgeleitete Höflichkeit verachtet, der ist für den Rudl keine Persönlichkeit, sondern ein Würschtl, ganz wurscht was sie in die Lehrpläne für Persönlichkeitsbildung hineinschreiben.

Aber zurück zur Domaine Jean-Claude Masson et Fils.

Das Wort „atypique“ ist vom Rest der Überschrift auf der Homepage farblich abgehoben. Auf dem Gebiet eines Crus, der in den letzten Jahrzehnten nicht gerade ein Übermaß an großartigen Weinen hervorgebracht hat, liegt es nicht ganz fern, sich als „atypisch“ zu bezeichnen. Man muss aber nicht im Keller von Monsieur Masson sitzen, um zu erkennen, dass hier das Wort „atypisch“ wirklich angebracht ist.

Anders als viele andere Weingüte, die in Apremont mit großen Hinweisschildern auf sich aufmerksam zu machen versuchen, stellen weder die analoge Welt noch die digitale nennenswerte Hilfestellungen für das Auffinden der Domaine Masson zur Verfügung. In der Tat ist der Rudl vor Jahren auch schon einmal wieder von „Le Villard“ herunter gefahren, ohne die Domaine Masson ausfindig gemacht zu haben. Irgendwann hat er sich dann doch zu ihr durchgefragt. Seither ist er dreimal dort gewesen, hat dort ein paar Weine gekostet und sich das eine oder andere erklären lassen.

Die Arbeit im Weingarten wird bei den Massons seit mehr als fünfzig Jahren von zwei Prinzipien geleitet.

  • Ökologische Verantwortung ist hier kein „levier économique“, kein Marketinghebel.
  • Und die lokale wie mikrolokale Pflanzenwelt ist ein konstitutiver Faktor für das biologische Gleichgewicht im Weingarten und das aromatische am Gaumen.

Zehn verschiedene Apremonts auf etwa zehn Hektar Weingärten sind das Resultat dieser Besessenheit, feine Unterschiede zwischen den einzelnen Parzellen herauszuarbeiten. Wer die Steil- und Ausgesetztheit dieser Weingärten kennt, muss nicht explizieren, dass händisch gelesen wird.

Am meisten trifft das Wort „atypisch“ bei den Massons auf den Lesezeitpunkt zu, wobei der Rudl hinzufügen möchte: atypisch, aber wahrscheinlich rebsortenadäquat.

80 Prozent aller savoyardischen Jacquères werden im Jahr der Lese verkauft. Vom Ergebnis können Sie sich in jeder mittleren Skihütte zwischen Chamonix und Val d’Isère überzeugen. Bei Jean-Claude Masson wird nicht selten dann mit der Lese begonnen, wenn viele andere Weinbauern damit fertig sind. Was beim Grünen Veltliner in einem Mangel an Frische und zu viel Alkohol resultieren kann, bringt bei einer so spät reifenden Rebsorte wie Jaquère außerordentlich lagerfähige Weine.

Lisa

Die Hommage an die Tochter und deren Persönlichkeit nachempfunden. Lisa sei ziemlich energisch und geradlinig. Während der Sohn gerne lange schlafe und auch einmal das eine oder andere vergesse, strebe Lisa eine Laufbahn bei der Polizei an. So hat Jean-Claude Masson einmal seine Kinder charakterisiert.

Grapefruit und Orangen. Die „garde prolongée“, wie auf der Homepage zu lesen ist, hat der Rudl schon im Keller des Weinguts verifizieren dürfen. Zu Gerichten, die aus dem Wasser kommen, und etwas ausdrucksstärkeren savoyardischen Käsen.

La Déchirée

Von einem Weingarten ganz oben über Apremont, natürlich eingezäunt von Himbeer- und Brombeerhecken. Ein ziemliches Gegenstück zu Lisa, sehr spät gelesen, vielschichtig. Zu allem, das in Saucen schwimmt.

La Centenaire

Über ein Jahrhundert sind die Rebstöcke, auf denen die Trauben für diesen Wein wachsen, alt, entsprechend der Ertrag. Frische Mandeln, Kernobst.

Der älteste Wein von Monsieur Masson verkostete Wein aus diesem Weingarten ist ein 1945er gewesen. So weit hat der Rudl nicht zurück verkostet. Aber der Rudl hat keinen Grund, anzuzweifeln, dass es sich dabei um ein Monument gehandelt hat.

Klosterkeller Siegendorf

Zum Klosterkeller Siegendorf hat den Rudl Lenz Moser geführt. Ab 1993 hat der Rudl systematisch bei Weingütern nach Altweinen angefragt, mit vorfrankierten Postkarten, im Fall besonderer Bedeutung per Brief samt adressiertem und frankiertem Rückkuvert. Ein Hinweis in einem Weinbuch aus den Achtziger Jahren hat den Rudl damals auf die Vinothek von Lenz Moser aufmerksam gemacht. Das war nicht lange, nachdem Lenz Moser den Klosterkeller Siegendorf 1988 erworben hatte. Auf der offiziellen Raritäten-Liste hat sich ein Pinot Noir aus dem Jahr 1979 befunden. Den hat der Rudl bald einmal erstanden, nicht ohne nachzufragen, ob es noch andere Altweine gebe. Er wurde direkt an den Klosterkeller in Siegendorf verwiesen und hat dort dann ganz ordentlich eingekauft, zum Einheitspreis von hundert Schilling die Flasche. Die trockenen Weißweine waren aus den Sechziger Jahren und durch die Bank oxidiert. Die Roten waren sehr bis extraordinaire gut.

 

So oder so können Sie ziemlich sicher nur mehr beim Rudl das verkosten, was vor Merlot & Kollegen in den Weingärten des Klosterkellers Siegendorf gewachsen ist. Inwieweit das noch lebt, wird vermutlich spannend und von Flasche zu Flasche sehr verschieden sein. Ein direktes Risiko stellt es aber nicht da. Sie können selbstverständlich die Weine kosten, bevor Sie sich für oder auch gegen ein Glasl davon entscheiden. Der Rudl freut sich allein schon auf den Geruch, wie er übrigens immer mehr dazu tendiert, Rotweine lieber zu riechen, Weißweine aber zu trinken. Diesbezüglich hofft Caviste Rudolf nicht auf Nachahmung. Denn bis Sie, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, so ein Glas Rotwein leer gerochen haben, würde doch deutlich mehr Zeit vergehen als beim Leertrinken, was sich natürlich nicht gerade belebend auf die Umsatzzahlen vom Rudl seinem Weinkaufsgeschäft auswirken würde.

 

Sandige, nach Südwesten ausgerichtete Böden und mildes pannonisches Klima, damit scheinen die Konstanten der Zeit seit der Lese der drei angebotenen Weine genannt zu sein. Im Fall des Klimas trifft auch das nur bedingt zu.

Herr Rudolf ist mit dem Vorwurf konfrontiert worden, dass er manches von dem, was er jahrgangstechnisch über die Sauvignons von Josef Umathum geschrieben hatte, eine Woche später über dieselben Jahrgänge Roten Veltliners von Josef Mantler wiederholt hat. Darum diese Woche ohne Wiederholung.

1977

Warmer März und Frost im April. Danach ziemlich ideales Weinwetter. Der Rudl hat viele Siebenundsiebziger getrunken. Fast alle waren ziemlich gut.

1976

 

Milder Winter, kühler Mai, dann Trockenstress. Unbeständiges Wetter vor der Lese und Botrytis.

 

1973

 

Ausgezeichneter Jahrgang vor allem für Prädikatsweine. Für damalige Verhältnisse überdurchschnittlich frühe Lese. Für damalige Verhältnisse.

 

1972

 

Problematischer Sommer, sehr späte Lese und früher Frost

 

1971

 

Frostschäden durch einen sehr kalten Winter. Dann ein viel zu trockener Sommer.

  • Apremont „Lisa“ 2017, Jean-Claude Masson et Fils, Apremont, AOP Vin de Savoie (3/5)
  • Apremont „La Déchirée“ 2017, Jean-Claude Masson et Fils, Apremont, AOP Vin de Savoie (4,50/7)
  • Apremont „La Centenaire“ 2016, Jean-Claude Masson et Fils, Apremont, AOP Vin de Savoie (6/9)
  • Blauburgunder 1972, Klosterkeller Siegendorf, Weinbaugebiet Rust Neusiedlersee (4/6)
  • Blaufränkisch 1976, Klosterkeller Siegendorf, Weinbaugebiet Rust Neusiedlersee (4/6)
  • Blaufränkisch „Turmstüberl“ 1971, Klosterkeller Siegendorf, Weinbaugebiet Rust Neusiedlersee (4/6)
  • Blaufränkisch Spätlese 1977, Klosterkeller Siegendorf, Weinbaugebiet Rust Neusiedlersee (4/6)
  • Blaufränkisch Spätlese 1973, Klosterkeller Siegendorf, Weinbaugebiet Rust Neusiedlersee (4/6)
  • Weißburgunder Ausstich 1977, Klosterkeller Siegendorf, Weinbaugebiet Rust Neusiedlersee (4/6) – süß und aus der großen Bocksbeutelflasche

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

nicht nur diese Weine gibt es glasweise

am Faschingsdienstag, den 25. Februar und am Donnerstag, den 27. Februar

jeweils von 16 bis 21 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Vorschau auf die Lehrveranstaltung der kommenden Woche:

Geburtstag von Josef Bauer, seineszeichens Nicht-Lieblingsschüler von Direktor Zweigelt, gegenderte Weine zum internationalen Frauentag, über wirkliches Teilen und Deklarieren: Gilles Berlioz, Sepp Muster und ein Wein von Hannes Schuster

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag erklären sollte!

Herr Rudolf grüßt nüchtern und närrisch zugleich, dialektisch halt, oder so.

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 16 bis 21 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57

Roter Veltliner, ein Doppler Rot und der Höhepunkt des Wiener Faschings

Rot

Man kann nicht sagen, dass die Farbe Rot momentan sehr hoch im Kurs steht, dem Rudl Grund genug, ihr oenologisch wieder einmal die Reverenz zu erweisen. Caviste Rudolf wählt dazu vor allem Weißwein, Roten Veltliner.

Farben

Über Farbadjektive in Rebsortenbezeichnungen hat sich der Rudl schon das eine oder andere Mal ausgelassen. Darum verschont er Sie dieses Mal damit.

Roter Veltliner

wäre an sich wie andersfärbige Veltliner ein Massenträger. Da er ziemlich kapriziös ist, hat er es trotzdem nicht zu einer Verbreitung wie die Wiener Edelblätter gebracht.

Ampelographische Wiederholung

Der Rote Veltliner ist ein alter Bursch. Und alte Burschen sind gelegentlich Mimoserln. Da gibt es kaum ein Schwammerl, vor dem der Rote Veltliner keine Federn hat, das obwohl er eine passabel dicke Haut hätte. Kalte Füße sind auch nicht Seines. In diesem Punkt identifiziert sich der Rudl am allermeisten mit dieser Rebsorte.

Dass der Rote Veltliner ziemliche Ansprüche an die Lage stellt, passt gut ins Bild.

Einem Herrn Franz Hietl ist es zu danken: Im Neunzehnhundertsechzehner Jahr war zur Weinblütezeit ein recht ein Sauwetter. Da hat Herr Hietl bemerkt, dass ein Stock trotzdem einen Traubenbehang gehabt hat. Den hat er mit wissenschaftlicher Assistenz recht mühsam weiter selektioniert. Danach hat sich dann der Vater von Sepp Mantler Verdienste um die Verbreitung des Hietl-Veltliners gemacht.

Das Vorleben des Roten Veltliners liegt weitgehend im Dunkeln. Neuburger, Rotgipfler, Frühroter Veltliner und eventuell Zierfandler gelten als seine Kinder. Mit dem Grünen Veltliner ist er nicht verwandt.

Die Trauben sind dichtbeerig. Das macht ihn nicht unkomplizierter. Reifen tut er später, darum ist die Säure markant, heute auf gar keinen Fall ein Nachteil, ein Vorteil aber auch nur, wenn der Ertrag, sowieso unsicher, konsequent reduziert wird.

Mantlerhof

Sepp Mantler ist einer der Weinbauern, deren Weine der Rudl gleich einmal entdeckt hat, als er begonnen hat, sich näher mit Wein zu beschäftigen. Das war Anfang der Neunziger Jahre. Und das war damals nicht einmal der berühmte Grüne Veltliner Spiegel 1986, sondern vor allem Riesling Wieland. Der Rote Veltliner Reisenthal ist quasi erste der dritte oder vierte Wein, den der Rudl am Mantlerhof für sich entdeckt hat, gewesen.

Noch ein paar Wiederholungen, teilweise

Roter Veltiner Reisenthal 2008

Über den Jahrgang haben sie gejammert wie über den Zweitausendzehner. Für Caviste Rudolf ist 2008 ein herausragender Jahrgang mit lebendiger Säure, am Mantlerhof aufgrund drastischer Ertragsbegrenzung eine ganz besondere Kombination aus kräftigem Körper und Frische.

Roter Veltliner Reisenthal 2010, Spätfüllung

Spät und kalt, der niederschlagsreichste Mai seit 1870 und eine Frostnacht am 21. Oktober, soweit der Mantlerhof über diesen Jahrgang.

Dem Rudl sein Bestand will es, dass er beim Roten Veltliner Reisenthal nicht nur über die extraordinairen Jahrgänge schreiben, sondern von ihnen auch ein Flascherl kredenzen kann. Großes Holzfass. Spätfüllung.

Roter Veltiner Reisenthal 2013 und Roter Veltliner Botega 2013

Ein Winter, der sich Zeit lässt, ehe er einen Abgang macht. Dafür kommt dann im Juni gleich einmal die erste Hitzewelle daher, gefolgt von ein paar Überschwemmungen und einer veritablen Affenhitze im Juli und im August. Anders als Herr Rudolf, der Anfang August 2013 Portal und Schaufenster seines Weinkaufmannsladens abschleift und streicht, stellen die Reben zu dieser Zeit die Arbeit ein. Hitzefrei! Zum Glück hat sich das Wasser vom schneereichen Winter und von den Niederschlägen in der ersten Jahreshälfte noch nicht zur Gänze über die Häuser gehaut, bis dann im September wohldosiert wieder etwas kommt. Dazu schienen die Temperaturen im Hochsommer ihr Pulver verschossen zu haben, was vor allem in kühleren Nächten resultiert hat.

Roter Veltliner Reisenthal 2014

Geschrieben wird ja fast jeden November von einem „Winzerjahrgang“. Für 2014 dürfte das sogar gestimmt haben. Ohne Botrytisverzögerer und anderen Hexenzauber sind elegante Weine mit sehr hoher Lagerfähigkeit entstanden. Die guten werden sicher noch ein Zeitl brauchen. Die anderen sollten schon getrunken oder einer anderen Verwendung zugeführt sein.

Sommer und Herbst 2014 werden nicht aufgrund von Hitzewellen in die Geschichtsbücher eingehen. Deswegen prognostiziert nicht nur der Rudl den Vierzehnern mehr Ausdauer als den Weinen vieler anderer Jahrgänge, freilich nur sofern gesunde Beeren verarbeitet worden sind. Von denen dürfte es halt nicht so viele gegeben haben. Mit den Zweitausendvierzehnern, die noch da sind und leben, hat Monsieur Rudolf größtenteils ziemlich gute Erfahrungen gemacht.

Der Winter hat mild begonnen, aber Mai ist die Sonne dann nicht gerade extrovertiert, ganz anders als der Regen. Im August 2014 verbringt Caviste Rudolf fünfzehn Tage in Savoyen. Nicht einer davon kommt ganz ohne Regen aus. So oder so empfiehlt Caviste Rudolf auch diese Woche wieder, die guten Weißen aus 2014 vielleicht sogar nach den Fünfzehnern zu trinken. Monsieurs Riouspeyrous und Belluard sehen das übrigens auch so. Das österreichische Zentralamt für Wein hingegen bedauert, dass keine „höheren Mostgewichte“ möglich gewesen sind. Dem Rudl seines Erachtens werden die hohen Mostgewichte überbewertet. Er zieht die raffinierteren und frischeren Jahrgänge vor, auch wenn diese vielleicht manchmal länger im Keller reposieren müssen.

Geschrieben wird ja fast jeden November von einem „Winzerjahrgang“. Für 2014 dürfte das gestimmt haben. Ohne Botrytisverzögerer und Schwefelkeule sind viele elegante Weine mit sehr hoher Lagerfähigkeit entstanden.

Roter Veltliner Botega 2016

Zu warm und zu trocken im Winter. Früher Austrieb und dann der Spätfrost Ende April. Verhältnismäßig viel Niederschlag, leider auch in Form von Hagel, bis zur letzten Augustwoche. Erst dann kommt das Wetter zur Raison.

Einer von drei nicht sauheißen Jahrgängen in der Dekade.“

Das hat der Rudl relativ knapp und nüchtern nach dem Jahr Zweitausendsechzehn geschrieben. Was er seither mit den wenigen Vertreterinnen und Vertretern dieses Jahrgangs erlebt hat, vermag er überhaupt nicht knapp und nüchtern auszudrücken. Leider sind es halt nur äußerst wenige Beeren gewesen, die den Spätfrösten und Hagelschlägen gesund entkommen sind. Die wenigen, bei denen das der Fall war, scheinen einen ganzen Batzen Kraft mitbekommen zu haben. Caviste Ruzdolf würde sich nicht wundern, wenn 2016 als der Jahrgang des Jahrzehnts in die Weingeschichte eingehen würde.

Die positive Prognose hat beim Sauvignon von Josef Umathum ganz gut gepasst, unwahrscheinlich dass es in diesem Fall anders ist.

Roter Veltliner Reisenthal 2018

 

Möglicherweise noch zu früh, um ein passables Urteil über diesen Jahrgang zu fällen.

Viel Wein und viel Wein, der sehr früh gelesen worden ist. Neugierig ist der Rudl auf ein paar Zweitausendachzehner aus der Weinbauregion Bergland. Zum Glück war es 2019 nicht ganz so heiß. Aber wenn es eines Beweises bedurft hätte, dass es eine Klimakatastrophe gibt, dann hätte der Weinjahrgang 2018 diesen geliefert. Dabei wäre es im Februar und im März ganz passabel kalt gewesen. Alles andere war für den Rudl seinen Wettergeschmack zu vergessen.

 

Cuvée 2019, Friedrich Kuczera, Gumpoldskirchen

Vor vielen Jahren hat Friedrich Kuczera einen Zierfandler Weingarten neu bestockt. Nur muss der Rebschule etwas durcheinander gekommen sein. Aufgrund des oben erwähnten Naheverhältnisses zwischen Zierfandler und Rotem Veltliner kann man ihr das schwer übelnehmen.

Und Friedrich Kuczera hat, den Irrtum der Rebschule einmal erkannt, entschieden, den Zwickl Roten Veltliner stehen zu lassen. Das sind so Geschichten, die dem Rudl gefallen.

Und am Donnerstag

ist dann der Höhepunkt des Wiener Faschings. Das Schönste dran ist für den Rudl, wenn der Bundeskanzler als ultima ratio gegen Aufforderungen zum Tanz den Weg aufs „Häsl“ propagiert, Irma mit Karl Sackbauer die Übertragung des Opernballs 1979 verfolgen und Dopplerflaschen die Galerie in der Küche von Josefine und Kurt Blahovec zieren.

Darum wird Herr Rudolf am Donnerstag, den 20. Februar auf das Allerpünklichste um 21 Uhr den Schlüssel zu seinem Weinkaufgeschäft umdrehen und eine Wolke sein, damit er zuhause noch einen Teil der Übertragung anschauen kann. Dafür lässt er Sie, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, diese Woche einen Rotburger 1995 aus einem opernballwürdigen Doppler kosten, zu den jenen der Wiener Edelblätter diametral entgegengesetzten Bezugskonditionen.

  • Rotburger 1995 aus dem Doppler, Weingut Frank, Zurndorf (-)
  • Cuvée 2019, Friedrich Kuczera, Gumpoldskirchen, Südbahn (2/3)
  • Roter Veltliner Reisenthal 2018, Mantlerhof, Brunn im Felde, Kremstal (4,50 /7)
  • Roter Veltliner Botega 2016, Mantlerhof, Brunn im Felde, Kremstal (6/9)
  • Roter Veltliner Reisenthal 2014, Mantlerhof, Brunn im Felde, Kremstal (5/8)
  • Roter Veltliner Reisenthal 2013, Mantlerhof, Brunn im Felde, Kremstal (5/8)
  • Roter Veltliner Botega 2013, Mantlerhof, Brunn im Felde, Kremstal (6/9)
  • Roter Veltliner Reisenthal 2010, Spätfüllung, Mantlerhof, Brunn im Felde, Kremstal (6/9)
  • Roter Veltliner Reisenthal 2008, Mantlerhof, Brunn im Felde, Kremstal (6/9)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

nicht nur diese Weine gibt es glasweise

am Dienstag, den 18. Februar und am Donnerstag, den 20. Februar

jeweils von 16 bis 21 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Vorschau auf die Lehrveranstaltung der kommenden Woche:

möglicherweise „3 x 3 macht 9“

3 Jahrgänge Améthyste, Domaine des Ardoisières 2010, 2013, 2016

3 Jahrgänge Pinot Noir, Dankbarkeit 2011, 2012, 2015

3 Jahrgänge Blaufränkisch Klosterkeller Siegendorf 1971, 1973, 1977

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag erklären sollte!

Herr Rudolf grüßt ohne Presseförderung, öffentliche oder halböffentliche Inserate!

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 16 bis 21 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57

Über den nonverbalen Umgang mit Herausforderungen und eine Sauvignon Blanc Vertikale von Josef Umathum

Nicht die allerunvorteilhafteste geologische Basis für Sauvignon Blanc: Schiefer und Quarz am Joiser Hackelsberg und Feuerstein in Neusiedl.

Und nicht die allerunvorteilhafteste Basis als Weinbauer: Hirn und die Bereitschaft, was getan werden muss, nicht nur wortreich zu analysieren, sondern zu tun.

Josef Umathum ist einer, der nicht „Terroir“ sagt und Zeitgeist meint. Vielleicht manifestiert sich sein Verständnis von Terroir deshalb weniger in halblustigen Etiketten und flüchtiger Säure, als in einem ökologischen, sozialen und ethischen Engagement für die Region und darüber hinaus. Respekt!

Der Rudl hat Angst.

Und er meint damit weder das Coronavirus noch tagespolitische oder gar parteipolitische Angelegenheit. Die Angst vor Letzteren ist schon einmal viel größer gewesen. Herr Rudolf hat Angst vor dem Zeitgeist und der Stimmung. Dass so viel vom Miteinander und vom Zusammenhalt geredet wird, ist für den Rudl schon ein gutes Zeichen, insofern als offenbar viele merken, dass der Zug in die andere Richtung fährt. Aber genügt das?

Noch mehr sorgt sich der Rudl, dass Schüren und Ausleben von Rivalitäten bis in die allerlächerlichsten Lebensbereiche das Leben vergiften. Wundern tut sich Herr Rudolf darüber nicht. Wenn er den Neoliberalismus richtig versteht, dann ist es dessen ureigenster Wesenskern, die gesamte Existenz zu einem Fressen und Gefressenwerden zu banalisieren. Aber dass man diesem totalitären Opfern von allem und jedem zugunsten irgendeines Profites 75 Jahre nach dem 27. Jänner 1945 so lethargisch zuschaut, das geht dem Rudl nicht ein.

Respekt

Rudolf Polifka hat großen Respekt vor Menschen, die gescheit sind, sich dabei aber nicht zurück lehnen, sondern etwas Konkretes tun, um Menschen zu helfen und so die Welt in ganz biederer Gutmenschenmanier ein bissl besser zu machen.

Ariane und Josef Umathum

sind zweifelsohne solche Menschen. Auf sie ist auch dann Verlass, wenn es nicht um Wein im engeren Sinn geht. Diesbezüglich erinnern sie den Rudl glatt an einen guten Bekannten vom Herrn Kurt.

Sauvignon Blanc

Dass der Rudl diese Rebsorte an sich wie wenig andere mag, aber gleichermaßen die meisten Vertreter von ihr nicht riechen kann, hat er schon etliche Male geschrieben. Den Sauvignon von Umathum mag der Rudl, seit er ihn kennt, obwohl sich in diesem Zeitraum der Geschmack vom Rudl ziemlich sicher verändert hat.

Extra trocken, frisch und eher Stachelbeeren als Gummibären.

2009

In Bordeaux ist 2009 hochgejubelt worden. Der Rudl ist in diesem Jahr sogar in Bordeaux gewesen, zum ersten Mal seit 1991. Mit den hohen Bewertungen für diesen Jahrgang hat das ziemlich sicher nichts zu tun. Darauf lässt allein der Umstand, dass der Rudl damals in der Appellation Irouléguy viermal so viele Tage verbracht hat wie in der Weinbauregion Bordeaux, schließen. Und in Irouléguy haben sie dem Jahrgang 2009 deswegen nicht gleich ein besseres Zeugnis ausgestellt. Vom Hégoxuri schmecken dem Rudl, Reisetätigkeit hin oder her, 2007 und 2008 auf alle Fälle besser als 2009.

In Österreich hat man die Serie an „legendären“ Jahrgängen auf 9 besungen.

Den Jahrgang Neunundfünfzig kennt Caviste Rudolf nicht. Er hat aber ein paar ziemlich extraordinaire Neunundsechziger Süßweine getrunken. Auch an den einen oder anderen trockenen Neunundsiebziger kann sich der Rudl erinnern. Das ist allerdings schon ein Zeitl her. Mit Neunundachzig verbindet er keine besonderen oenologischen Erinnerungen, mit Neunundneunzig schon ein paar, auch wenn er diese nicht als „legendär“ bezeichnen würde. Zweitausendneun hat Herr Rudolf aber schon recht systematisch erforscht. Viele Weine aus diesem Jahr sind ihm mehr in ihrer Breite als in ihrer Höhe in Erinnerung.

Viel Niederschlag im März, umso weniger im April, kühler Mai und dann vor allem viel Arbeit für die Feuerwehren und die Hagelversicherungssachverständigen. Der Herbst ist dann ganz passabel gewesen.

2012

Extrem kalter Februar, warmer Frühling, Spätfrost im Mai, achtunddreißig Grad schon Ende Juni, Niederschläge im Juli, Hitze im August und schönes, trockenes Wetter während der Lese. Im Unterschied zu 2011 wenigstens kühlere Nächte im September. Für Süßweine sehr erfreulicher Herbst, für Eiswein noch viel erfreulichere Kälte um den 8. Dezember.

2013

Ein Winter, der sich Zeit lässt, ehe er einen Abgang macht. Dafür kommt dann im Juni gleich einmal die erste Hitzewelle daher, gefolgt von ein paar Überschwemmungen und einer veritablen Affenhitze im Juli und im August. Anders als Herr Rudolf, der Anfang August 2013 Portal und Schaufenster seines Weinkaufmannsladens abschleift und streicht, stellen die Reben zu dieser Zeit die Arbeit ein. Hitzefrei! Zum Glück hat sich das Wasser vom schneereichen Winter und von den Niederschlägen in der ersten Jahreshälfte noch nicht zur Gänze über die Häuser gehaut, bis dann im September wohldosiert wieder etwas kommt. Dazu schienen die Temperaturen im Hochsommer ihr Pulver verschossen zu haben, was vor allem in kühleren Nächten resultiert hat.

2014

Sommer und Herbst 2014 werden nicht aufgrund von Hitzewellen in die Geschichtsbücher eingehen. Deswegen prognostiziert nicht nur der Rudl den Vierzehnern mehr Ausdauer als den Weinen vieler anderer Jahrgänge, freilich nur sofern gesunde Beeren verarbeitet worden sind. Von denen dürfte es halt nicht so viele gegeben haben. Mit den Zweitausendvierzehnern, die noch da sind und leben, hat Monsieur Rudolf größtenteils ziemlich gute Erfahrungen gemacht.

Der Winter hat mild begonnen, aber Mai ist die Sonne dann nicht gerade extrovertiert, ganz anders als der Regen. Im August 2014 verbringt Caviste Rudolf fünfzehn Tage in Savoyen. Nicht einer davon kommt ganz ohne Regen aus. So oder so empfiehlt Caviste Rudolf immer noch, die guten Weißen aus 2014 gegebenenfalls nach den Fünfzehnern zu trinken. Monsieurs Riouspeyrous und Belluard sehen das übrigens auch so. Das österreichische Zentralamt für Wein hingegen bedauert, dass keine „höheren Mostgewichte“ möglich gewesen sind. Dem Rudl seines Erachtens werden die hohen Mostgewichte überbewertet. Er zieht die raffinierteren und frischeren Jahrgänge vor, auch wenn diese vielleicht manchmal länger im Keller reposieren müssen.

Geschrieben wird ja fast jeden November von einem „Winzerjahrgang“. Für 2014 dürfte das gestimmt haben. Ohne Botrytisverzögerer und Schwefelkeule sind viele elegante Weine mit sehr hoher Lagerfähigkeit entstanden.

2016

 

Zu warm und zu trocken im Winter. Früher Austrieb und dann der Spätfrost Ende April. Verhältnismäßig viel Niederschlag, leider auch in Form von Hagel, bis zur letzten Augustwoche. Erst dann kommt das Wetter zur Raison.

Einer von drei nicht sauheißen Jahrgänge in der Dekade.“

Das hat der Rudl relativ knapp und nüchtern nach dem Jahr Zweitausendsechzehn geschrieben. Was er seither mit den wenigen Vertreterinnen und Vertretern dieses Jahrgangs erlebt hat, vermag er überhaupt nicht knapp und nüchtern auszudrücken. Leider sind es halt nur äußerst wenige Beeren gewesen, die den Spätfrösten und Hagelschlägen gesund entkommen sind. Die wenigen, bei denen das der Fall war, scheinen einen ganzen Batzen Kraft mitbekommen zu haben. Caviste Ruzdolf würde sich nicht wundern, wenn 2016 als der Jahrgang des Jahrzehnts in die Weingeschichte eingehen würde.

2017

Kalter Jänner, warmer Februar und warmer März, kühler April, der in Österreich mehr die Äpfel und auch die Hefen im Weingarten als die Trauben im Visier gehabt zu haben scheint. Dann heiß und viel zu trocken. Auffallend viele Siebzehner haben auffallend lange gegärt, beziehungsweise tun das immer noch, was kein Nachteil sein muss. Monsieur Rudolf ist neugierig und freut sich, wenn es Grund zur Neugierde gibt.

2018

Viel Wein und viel Wein, der sehr früh gelesen worden ist. Neugierig ist der Rudl auf ein paar Zweitausendachzehner aus der Weinbauregion Bergland. Zum Glück war es 2019 nicht ganz so heiß. Aber wenn es eines Beweises bedurft hätte, dass es eine Klimakatastrophe gibt, dann hätte der Weinjahrgang 2018 diesen geliefert. Dabei wäre es im Februar und im März ganz passabel kalt gewesen. Alles andere war für den Rudl seinen Wettergeschmack zu vergessen. In Österreich wurden auf der Westautobahn zwei Teststrecken, auf denen man mit hundertvierzig Stundenkilometern fahren darf, eingerichtet. Was der Rudl daran nicht verstanden hat: Warum am 1. August 2018 und nicht am 1. April 2018?

Rudolf Polifka bedankt sich an dieser Stelle für verantwortungsbewusstes Handeln von Weinbäuerinnen und Weinbauern!

 

  • Sauvignon Blanc 2018, Josef Umathum, Frauenkirchen, Neusiedler See (3/5)
  • Sauvignon Blanc 2017, Josef Umathum, Frauenkirchen, Neusiedler See (3/5)
  • Sauvignon Blanc 2016 Josef Umathum, Frauenkirchen, Neusiedler See (4/6)
  • Sauvignon Blanc 2014, Josef Umathum, Frauenkirchen, Neusiedler See (4/6)
  • Sauvignon Blanc 2013, Josef Umathum, Frauenkirchen, Neusiedler See (4,50/7)
  • Sauvignon Blanc 2012, Josef Umathum, Frauenkirchen, Neusiedler See (4,50/7)
  • Sauvignon Blanc 2009, Josef Umathum, Frauenkirchen, Neusiedler See (4,50/7)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

nicht nur diese Weine gibt es glasweise

am Dienstag, den 11. Februar und am Donnerstag, den 13. Februar

jeweils von 16 bis 21 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Vorschau auf die Lehrveranstaltung der kommenden Woche:

voraussichtlich der ultimative Vergleich um den Lieblingsveltliner von Caviste Rudolf: Steinleithn Geyerhof v Spiegel Mantlerhof warm – kühl und gereift: 2017, 2016 und 2008

Herr Rudolf grüßt alle, die wissen, was zu tun ist und das auch tun, obwohl bekanntlich niemand von uns alleine die Welt retten kann!

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 16 bis 21 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57

Wiener Energieferien von 3. bis 10. Februar geschlossen

Caviste Rudolf hat in der kommenden Woche geschlossen. Da bleibt der Kühlschrank ausgeschalten und spart Energie, gerade so wie der Rudl selber.

 

Am Dienstag, den 11. Februar sperrt Herr Rudolf dann wieder auf und kredenzt aller Voraussicht nach Sauvignon Blanc aus den Jahren 2009, 2012, 2013, 2014, 2016, 2017 und 2018 von Josef Umathum. Da freut sich der Rudl drauf.

Herr Rudolf wünscht Ihnen viel gesparte Energie!

nächster Öffnungstag:

Dienstag, der 11. Februar

 

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 16 bis 21 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils

Überprüfung einer Arbeitshypothese des Papstes von Arbois am Weg von Podersdorf nach Ruffey-sur-Seille im Jura

Das erste Wochenende im Februar ist für den Rudl ein Feiertag, ein dreifacher Feiertag noch dazu. In der Dankbarkeit beenden sie die mehr als verdiente Winterpause, beginnen wieder zu kochen, zu wirten und die B-Seiten der Speisekarten mit schönen Zitaten des Trainers zu versehen. Im Jura wird im Rahmen der Percée du Vin Jaune der neue Jahrgang des Vin Jaune vorgestellt. Heuer ist das der Zweitausenddreizehner und es ist in Ruffey-sur-Seille. Und die Energieferien, im Lauf der Zeit fast zu so etwas wie den Lieblingsschulferien vom Rudl geworden, heben auch an.

Energieferien

Wie Schulmeister Rudolf das eine oder andere Mal ausgeführt hat, gehören die Energieferien zum autofreien Tag. Beide sind sie Antworten auf die Ölkrise 1973/74 gewesen. Und wie die Energieferien ursprünglich als Energiesparferien konzipiert gewesen sind, ist die Energiekrise ursprünglich eine Energiepreiskrise gewesen. Wer will, mag das als Indiz dafür werten, dass Verkürzerei nicht immer der Weisheit letzter Schluss ist.

So oder so

Heute gibt es keine Energiepreiskrise mehr. Wenn, dann besteht die Krise darin, dass Benzin und Diesel in Anbetracht der humanitären und ökologischen Schäden, die sie verursachen, viel zu billig sind. Geisterfahrer gehen von einem verbrieften Menschenrecht auf Treibstoff zu Spottpreisen und freie Fahrt für freie WLAN-Nutzer aus. Gäbe es heute eine Ölpreiskrise im klassischen Sinn, dann gäbe es vielleicht weniger Klimakrise. Und gäbe es weniger Klimakrise, dann gäbe es im Jänner vielleicht die Möglichkeit, einen Schneemann zu bauen. Aber so lange dem Brachialindividualismus, dem Allerallerheiligsten des realen Neoliberalismus, jedes und zwar wirklich jedes Opfer dargebracht wird, wird sich daran nix ändern. Die Forderung nach staatlich verordnetem Verzicht zugunsten irgendeines Gemeinsamen gilt als Charakteristikum naiver Ministrantinnen und Ratschenbuben. Kann ja eh jeder freiwillig verzichten und dann den Moralische-Überlegenheitsbonus kassieren, denn wenn jeder an sich selber denkt, ist an alle gedacht. Heiliger Hajek, wir bitten dich, erhöre uns!

Vielleicht ist alles aber auch ganz anders: Die Geistesriesen sind valentinesker Logik verpflichtet und trachten, die Kohlendioxid-Reduktion über ein Ersetzen der individualisierten Heizungen durch noch mehr Erderhitzung zu erreichen. Und den Schneemann kann man in einer klimatisierten Halle bauen, in Dubai gerade so als wie im Lungau und im August gerade so als wie im Jänner.

Heuer keine Percée du Vin Jaune in Wien XV

Caviste Rudolf hat der Percée du Vin Jaune in den letzten Jahren dadurch Rechnung getragen, dass er Vin Jaunes kredenzt hat, stets mit dem Anspruch, Vin Jaune aus allen vier Appellationen, Arbois, Château-Chalon, L’Étoile und Côtes de Jura, aufzubieten. Abgesehen vom Februar 2017 ist ihm das nie gelungen. Und weil beim Rudl unzeitgemäßerweise sogar das Scheitern an den eigenen Ansprüchen ein Limit hat, kapituliert er dieses Jahr hochoffiziell, kündigt mindestens ebenso hochoffiziell an, nächstes Jahr aber wirklich dann auch einen Vin Jaune aus der schwierigsten Appellation L’Étoile aufzuwarten, und versucht, oenologisch eine Brücke von Podersdorf nach Ruffey-sur-Seille zu schlagen, wenn auch eine fast ohne gelben Wein.

  • Neuburger 2015, Josef Lentsch, Dankbarkeit, Podersdorf, Neusiedler See (2,50/4)

So viel Neuburger Rebstöcke hat der Wirt und Winzer mit dem weltbesten Musikgeschmack nicht. Oft ist das Batzl in der Dankbarkeit Weiß gelandet, was auch gut ist. In den letzten Jahren gibt es immer wieder einen reinsortigen Neuburger, den der Rudl äußerst schätzt.

  • Pinot Gris 2017, Josef Lentsch, Dankbarkeit (4/6)

An und für sich gar nicht dem Rudl sein Weinstil, und trotzdem derart begnadet gekeltert, dass es möglicherweise der beste Pinot Gris, den der Rudl kennt, ist.

  • Pinot Noir Rosé 2016, Josef Lentsch, Dankbarkeit (4,50/7)

Pinot Noir Rosé im Barrique ausgebaut. Anders als der eine oder andere männliche Zeitgenosse ist der Rudl ja nicht der Meinung, dass Rosé grundsätzlich kein oder allenfalls im Sommer ein Wein ist. Der Irouléguy Rosé von Michel Riouspeyrous etwa ist ein ganz extraordinairer Wein und ausgesprochen lagerfähig, momentan halt nur nicht verfügbar. Der Pinot Noir Rosé von Josef Lentsch ist ziemlich einzigartig und schon verfügbar.

Trousseau und Saint Laurent

Poête du vin jaune“, „virtuous des vins d’Arbois“, „figure emblématique“ oder „pâpe d’Arbois“, das und noch mehr können Sie über Jacques Puffeney lesen. Ob Jacques Puffeney selber viel liest, weiß der Rudl nicht. Reden tut er auf alle Fälle nicht viel. Das Wenige, was er zum Rudl sagt, enthält stets eine lobende Bemerkung über die österreichische Rebsorte „Saint Laurent“. Aus diesem Grund nimmt Caviste Rudolf immer wieder einmal ein Flascherl Sankt Laurent mit. Zuletzt einen „Vom Stein“ 2010 von Josef Umathum. Der hat dem Meister gut geschmeckt. Vielleicht hat er sich deshalb vergangenes Jahr sogar zu einem Nachsatz hinreißen lassen. Als „Geschwätzigkeit“ wird man das noch nicht bezeichnen können. Aber Monsieur Puffeney hat gemeint, dass er gewisse Ähnlichkeiten zwischen dem Saint Laurent und Trousseau wahrnehme. Heuer bekommt Jacques Puffeney vom Rudl einen Sankt Laurent Donnerskirchen 2016 von Hannes Schuster und der Rudl sowie allenfalls auch Sie bekommen die Möglichkeit, die Puffeney’sche Arbeitshypothese zu überprüfen, sofern Sie diese Woche das „Insitut Rudolf Polifka et Fils“ aufsuchen oder zuhause Sankt Laurent mit Trousseau vergleichen.

  • Sankt Laurent Klassik 2017, Josef Umathum, Frauenkirchen, Neusiedler See (3/5)
  • Sankt Laurent 2017, Weingut Rosi Schuster, Sankt Margarethen, Neusiedler See Hügelland (3/5)
  • Sankt Laurent 1990, Winzergenossenschaft Ehrenhausen 

    Trousseau „Les Gauthières“ 2017, Domaine Pignier, Montaigu, AOP Côte de Jura (6,50/10)

als à propos zum Jura zumindest am Dienstag noch in einer ganz kleinen Menge verfügbar:

  • Vin Jaune 2009, Domaine Pignier (11/16)
  • Macvin du Jura, Domaine de la Tournelle, Arbois (6/9)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

nicht nur diese Weine gibt es glasweise

am Dienstag, den 28. Jänner und am Donnerstag, den 30. Jänner

jeweils von 16 bis 21 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

In den Wiener Energieferien vom 2. bis 8. Februar bleibt die Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils geschlossen.

nächster Öffnungstag:

Dienstag, der 11. Februar: voraussichtlich 10 Jahre Sauvignon Blanc Umathum: 2008 bis 2018

Herr Rudolf grüßt die Ministrantinnen und Ratschenbuben sowie das Miteinander!

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 16 bis 21 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57

Der Geburtstag, der Oide und die Frage nach dem alten Wein. Jahrgang 2013

Wenn Sie den Rudl fragen, dann gibt es einen Lichtblick in der politischen Landschaft dieses Staates. Da kann dem Rudl seine zweitliebste Wochenzeitung noch so über Krawattenlosigkeit keifen, ein Lichtblick bleibt ein Lichtblick in einer Ödnis an neoliberalistischer Nichtssagerei und Berechnendheit. Der Lichtblick bezeichnet sich als „Kind der Kreiskyzeit“, der Rudl sich auch. Major Kottan wird eher nicht als solches durchgehen. Die Tatsache, dass er vor vierundvierzig Jahren das TV-Röhren-Licht der Welt erblickt hat, vermutlich schon. Beiden, dem Oidn und dem Doiferl, wünscht der Rudl diese Woche alles Gute zum Geburtstag!

Zeit

 

Der Rudl würde gerne Wein am Ende der Pflanze Zeit lokalisiseren. Und wenn er dort nicht ist, ist er im Geschmack vom Rudl gar kein Wein.

 

Was ist ein Altwein? Sommer 1993. Poysdorf

 

Im Sommer 1993 hat der Rudl begonnen, sich im Zusammenhang mit Wein für Zeit zu interessieren. Er hat sich sehr bald nicht nur interessiert, sondern ist diesem Interesse gleich einmal ziemlich systematisch nachgegangen, wie das halt so seine Art ist. Für ihn selber hat es damals quasi drei Zeitzonen gegeben:

Weine der Jahrgänge 1992 bis 1987 hat der Rudl seinerzeit als junge Weine betrachtet.

Weine aus 1986, 1985 und 1984 waren mittelalte Weine, von denen er meinte, absehen zu können, dass sie bald einmal Altweine sein würden.

Und Weine aus 1983 und den Jahrgängen davor sind bei Rudolf Fils als Altweine durchgegangen, wobei sich der Rudl besonders gerne an manche Weine aus ungeraden Siebziger Jahrgängen erinnert, einen Muskateller 1977 vom Schlossweingut Gamlitz etwa, einen Grünen Veltliner Rochus 1977 von Roland Minkowitsch oder einen Grünen Veltliner 1979 von Walter Buchegger.

Weine aus den Sechziger und Fünfziger Jahren, die Monsieur Rudolf damals noch bekommen hat, sind abgesehen zwei oder drei Ausnahmen, etwa einem Riesling 1958 vom Weingut Schloss Gobelsburg, das damals noch im Besitz des Stiftes Zwettl gewesen ist, oder einem Spätrot Rotgipfler Ausbruch 1963 vom Freigut Thallern, schon eher über ihrer besten Zeit gewesen.

 

2020 ist nicht 1993, aber …

 

Herr Rudolf kann sich nicht und nicht von seiner Altweinkategorisierung trennen. Obwohl ein Neunziger heute zehnmal so alt ist wie er 1993 war, vermag ihn der Rudl schwer als Altwein anzusehen. Das ist natürlich nicht besonders rational. Aber vielleicht ist Wein das sowieso nicht. Und der Rudl womöglich auch weniger, als er das gerne hätte.

 

Trotzdem …

 

hat Caviste Rudolf ganz nüchtern gerechnet und ist dabei drauf gekommen, dass ein Wein aus dem Jahr 2013 heute gerade so alt ist wie 1993 ein Sechsundachtziger gewesen ist. Und ein bissl kann sich der Rudl noch erinnern, dass es damals gar nicht so einfach gewesen ist, Weine aus dem Jahr 1986 zu bekommen.

 

Und obwohl …

der Rudl entgegen dem, was vor allem seit der Amtszeit des schönsten, besten, erfolgreichsten, beliebtesten, bestcoiffierten und von den Edelfedern auf den Societyseiten am meisten hofierten Ministers aller Zeiten mittlerweile in eh fast allen Bereichen der Gesellschaft angekommen zu sein scheint, hofft Caviste Rudolf, kein Angeber zu sein, schlicht und einfach, weil er als Kind gelernt hat, dass das ein Zeichen schlechter Manieren ist.

Trotzdem ist er manchmal ein bissl stolz auf sein Weinkaufgeschäft. Dieser Tage zum Beispiel wieder, als er im Zuge der Idee, den Jahrgang 2013 als nächstes Arbeitsthema auszurufen, bemerkt hat, dass er mehr Zweitausenddreizehner im aktuellen Sortiment hat, als er sinnvollerweise an zwei Tagen öffnen kann. Für ein so kleines Geschäft erscheint das dem Rudl nicht übel.

 

2013 in Savoyen

 

Einem kalten und niederschlagsreichen Winter folgt ein Frühling, der andere Sorgen gehabt hat, als sich deutlich von der ihm vorausgehenden Jahreszeit abzugrenzen. Der Sommer dürfte von einem kompensatorischen Anspruch ausgegangen sein, was da oder dort in einem veritablen Hagelgewitter resultiert hat. Ein quantitativ um fünfzehn Percent geminderter Ertrag mag aus der Perspektive der Jahre 2016 und 2017 als „½ so wüd“ erscheinen. 2013 war es eher wüd. Wenig, aber extraordinairement gut.

  • Monfarina 2013, Domaine Giachino (3/5) – Auf den ist Herr Rudolf besonders neugierig, weil dieser Wein sicher nicht zum Aufheben gemacht worden ist.
  • Marestel 2013, Domaine Dupasquier (4/6) – einer der Lieblingsweine vom Rudl, sehr wohl zum Aufheben gemacht

 

2013 an der Loire

 

Die gesamte Weinbauregion Loire hat im Sommer 2013 intensive Bekanntschaft mit Hagelgewittern gemacht, teilweise mit hühnereigroßen Hagelkörnern, die manchmal das Rebholz in einem Ausmaß maltraitiert haben, dass auch noch der Ertrag des Folgejahrgangs 2014 geschädigt worden ist. Dass die ersten Laubaustriebe in manchen Gegenden erst am 9. April wahrgenommen werden konnten, sollte sich noch als Glück erweisen. Zwanzig Tage später ist nämlich der Frost zurück gekommen. Für das Holz hat das trotzdem zu Excoriose geführt. Blüte am 2. Juli ist auch nicht etwas, das jedes Jahr vorkommt. Juli und August haben dann ähnlich wie in Savoyen versucht zu kompensieren. Die Menge hat sich am niedrigen Alkoholgehalt orientiert.

  • Muscadet Cru Gorges 2013, Domaine Michel Brégeon (5/8)

 

2013 im Süd Westen

 

auch weniger als im Jahr davor, aber aufgrund von viel Pyrenäen-Föhn im September weniger kompliziert

  • Irouléguy Blanc 2013, Domaine Ilarria, AOC Irouléguy (5/8)

 

Elsass

  • Gewurztraminer Bollenberg „La Chapelle“ 2013, Domaine Velentin Zusslin, Orschwihr, AOC Alsace (6/9)

2013 in Österreich

Auch in Österreich war der Winter 2013 niederschlagsreich und der Frühling kühler als sonst. Caviste Rudolf kann sich erinnern, dass er Anfang April bei Sepp Muster Wein gekauft und dabei mit seiner Tschäsn im Schnee ins Rutschen geraten ist. Die Hitze Anfang August hat dann Rekorde gebrochen. Viele Weinreben haben sich damals zwei Wochen hitzefrei genommen. Der Herbst war vergleichsweise unauffällig. Im Vergleich zu 2011 und 2012 fällt der Jahrgang 2013 durch mehr Frische auf.

  • Schilcher 2013, Maria und Sepp Muster, Schlossberg (4/6)
  • Grüner Veltliner End des Berges 2013, Leo Uibel, Ziersdorf, Retzer Land (4/6)
  • Schrammelberg 2013, Herrenhof Lamprecht, Oststeiermark (6/9)
  • Pinot Noir 2013, Josef Lentsch, Dankbarkeit, Neusiedler See (4,50/7)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

nicht nur diese Weine gibt es glasweise

am Dienstag, den 21. Jänner und am Donnerstag, den 23. Jänner

jeweils von 16 bis 21 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Vorschau auf die Lehrveranstaltung vom 28. und 30. Jänner

dieses Jahr keine Percée du Vin Jaune in Reindorf

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Das Beste aus beiden Welten. Koalitionscuvées aus Altesse und Jacquère

Man kann nicht behaupten, dass der Staat, in dem der Rudl aufgewachsen ist, besonders frankophil wäre. Und noch viel weniger kann man das vom Bundesland Salzburg, in dem der Rudl aufgewachsen ist, behaupten.

Beiden liegt Bibione nähe als La Rochelle, Marco Materazzi näher als Zinedine Zidane und Lambrusco näher als Muscadet.

Der Rudl ist dagegen seinerzeit schon als Bub von Alain Giresse mehr beeindruckt gewesen als von Marco Tardelli. Aber das ist eh wurscht, „Mortadella, wie der Italiener sagt“, um eine Wendung von Dezernatsleiter Paul Schremser zu benützen. Der Rudl mag Frankreich. Und er hält es für ignorant, wenn jemand behauptet, in Frankreich sei man arrogant und spreche kein Englisch. Soweit einmal das Grundsätzliche.

Dann die Sprache

In der österreichischen Weinsprache liegt einiges im Argen. Das beginnt bei der inflationären Verwendung des Wortes „mineralisch“, geht über Weinbeschreibungen, deren Treffsicherheit mehr über die Menge an getrunkenem Wein seitens des Beschreibenden als über den Wein selber verrät, und endet noch nicht bei der Umbenennung der Rebsorte Rotburger auf „Zweigelt“ im Jahr 1975.

Cuvée

Dann gibt es noch den Begriff „Cuvée“. Der weist im Französischen darauf hin, dass der entsprechende Wein aus einem bestimmten Fass oder Behälter in die Flaschen gefüllt worden, in der Regel also reinsortig ist. Warum man in Österreich justament dieses Wort für die Bezeichnung des regelrechten Gegenteils, nämlich eines Verschnitts mehrerer Rebsorten zu einem Wein verwendet, ist dem Rudl ein Mysterium. Wahrscheinlich klingt „Verschnitt“ in den Ohren der Marketing- und Kommunikationskapazunder zu wenig mondän und lukrativ. In der Tat deutet die Vorsilbe ver- sehr oft auf eine Fehlleistung hin. Aber ließe die korrekte französische Bezeichnung für einen Verschnitt, nämlich „Assemblage“, wirklich die Kassen um so viel weniger laut klingeln als das Wort „Cuvée“? Wahrscheinlich wäre das wieder zu lange, womit wir wieder einmal bei den Edelfedern der drei Wiener Qualitätsblätter wären.

Harmonien und Disharmonien

Es gibt Rebsorten, die als kontaktfreudiger gelten und solche, denen man eher ein bissl ein Einzelgängertum nachsagt. Rotgipfler und Zierfandler scheinen einander ganz gewogen zu sein. Cabernet Sauvignon dürfte sich mit Merlot passabel vertragen. Persan hat in seiner ersten Amtszeit ohne Douce Noire überhaupt das Licht der Öffentlichkeit gescheut, ähnlich wie es jetzt im Fall von Tannat und Cabernet Franc der Fall zu sein scheint. Auch Petit Manseng kommt meistens nicht ohne seinen großen Bruder daher. Didier Dagueneau und Guy Pautrat haben Petit Manseng auf eigene Beine gestellt. Das schmeckt dem Rudl ziemlich gut. Nachahmer hat es trotzdem nicht viele gefunden.

Laut Pierre Overnoy würden sich Ploussard, auch Poulsard genannt, und Trousseau ganz gut vertragen, werden aber trotzdem nicht oft verschnitten, wohingegen er Pinot Noir als sich selbst genügend betrachtet. In der Champagne wird man das anders beurteilen.

Veltliner und Riesling scheinen auch nicht miteinander per du zu sein.

Altesse und Jacquère

Jacque Maillets Wissens war er der erste bekannte Weinbauer, der die beiden relevanten autochthonen Weißweinrebsorten Savoyens verschnitten hat. Der Rudl hat nicht recherchiert, aber überhaupt keinen Grund, das anzuzweifeln. Und bei Jacques war es mehr eine Not als ein Rezept, das ihn zu dieser Tugend motiviert hat.

2011 hatte er zu wenig Altesse geerntet, darum das bissl, das da gewesen ist, mit einem gleich großen Teil Jacquère verschnitten. Heute bezeichnet er das als eine seiner besten Ideen als Weinbauer. Dass er den Wein dann noch Le p’tit Canon, „der kleine Schluck“, genannt hat, war auch kein Nachteil.

Und die Nachahmer werden von Jahr zu Jahr mehr.

  • Rouzan Blanc 2018, Mathieu Apffel, Saint Badolph, AOP Vin de Savoie (3/5)
  • Terroir de Saint Alban 2018, Mathieu Apffel, Saint Badolph, AOP Vin de Savoie (4,50/7)
  • Big Bang 2016, Domaine de l’Aitonnement, Aiton, IGP Vin des Allobroges (4,50/7)
  • Le p’tit Canon 2015, Jacques Maillet, Motz, AOP Vin de Savoie (4,50/7)
  • Neuberger 2016, Weingut Dorner, (6/9)

Auch dieser Wein verdankt sich einer quantitativ geringen Ernte. Justament zum 40. Geburtstag des Bioweingutes Dorner in Mureck ist der Großteil der Ernte Ende April erfroren. Den Rest war dafür ziemlich extraordinaire und wurde zum Jubiläumswein „Neuberger“, weil er in Novi vrh, in Neuberg drüben, gewachsen ist, verschnitten.

  • Schiste 2017, Domaine des Ardoisières, Cevins, IGP Vin des Allobroges (7/11)

    Auch ein Verschnitt und ein Beweis, dass ich Jacquère nicht nur mit Altesse verträgt, sondern auch mit Roussanne, Pinot Gris und Mondeuse Blanche. Vom interessantesten Terroir der Weinbauregion Savoyen, wenn es nach Dominique Belluard geht.

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

nicht nur diese Weine gibt es glasweise

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jeweils von 16 bis 21 Uhr

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Vorschau auf die Lehrveranstaltung vom 21. und 23. Jänner

Der Geburtstag

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