Danke und einen schönen Sommer!

Monsieur Rudolf begibt sich auf Studienreise und wird im September bekanntgeben, wie es weitergeht.

Nach Maßgabe seiner zeitlichen Ressourcen stellt er im August gerne Wein zu.

Einen schönen Sommer! Caviste Rudolf Polifka

Letzter Öffnungstag vor der Sommerpause: Tour de France im Baskenland, am Dienstag, den 27. Juni von 17 bis 21 Uhr … und ein neues, altes Weingut im Sortiment vom Rudl

Domaine du Gringet

Eigentlich hat sich der Rudl vorgenommen, der von ihm immer wieder strapazierten Spedition jetzt längere Zeit keine Arbeit mehr zu bereiten. Das Geschäft gibt keinen Anlass zum Übermut, wenn Sie wissen, was der Rudl meint. Schon längere Zeit nicht. Aber dann hat der Rudl einmal versucht sich abzulenken und an Erfreulicheres zu denken, an Urlaub zum Beispiel. Ob Sie das jetzt als mehr oder eher weniger problematisch erachten, der Rudl biegt dabei gedanklich um keine fünf Ecken und ist beim Wein. Im konkreten Fall war er – nicht zum ersten Mal – bei der Frage, was aus dem Weingut von Dominique Belluard geworden ist. Anders als bei früheren entsprechenden Recherchen ist Caviste Rudolf Polifka in diesem Fall auf Konkretes gestoßen. Franck Balthazar aus Cornas und dessen Mitarbeiter Vincent Ruiz habe die Witwe von Dominique Belluard das Vertrauen geschenkt, das Werk ihres Mannes würdig fortzusetzen. Pfiffig gemanagte Fonds, Versicherungen und mehr oder weniger dubiose Neo-Winzer, die sich in so einem Fall anstellen und aus den Leistungen anderer gerne eine Marke machen, sind nicht zum Zug gekommen. Gott sei Dank! Auf der Tourismus-Seite von Ayze ist der Rudl dann auf eine Kontaktmöglichkeit gestoßen. Das war im März. Jetzt ist der Wein da. Es handelt sich um den letzten Jahrgang vom Dominique Belluard. Jean-François Ganevat hat das Werk im Sinn des Meisters fortgesetzt, Franck Balthazar und Vincent Ruiz haben es vollendet. Diese Perles du Mont Blanc 2019 werden der letzte Schaumwein dieses Weingutes bleiben. Die neuen Weinmeister werden keinen Schaumwein mehr produzieren. Man muss es nicht als Zeichen kaufmännischer Vernunft sehen, in ökonomisch schwierigen Zeiten teure Weine zu bestellen. Aber der Rudl würde sich sowieso eher nicht als Geschäftsmann par excellence betrachten. Und manche Gelegenheiten bieten sich einem zwar zu ungünstigen Zeitpunkten, aber nur einmal. Darum hat der Rudl die angebotene Zuteilung gekauft, quasi als Hohn auf seine wirtschaftliche Lage.

  • Les Perles du Mont Blanc 2019 (27 Euro): latest und gleichzeitig auch last Schaumwein von diesem Weingut, aber ganz sicher nicht the least

  • Eponyme Miste tardive 2020 (36 Euro): Zuerst hat Valérie Belluard Jean-François Ganevat gebeten, das Weingut bis auf Weiteres zu führen. Dieser hat einen Wein abgefüllt und ihn „Eponyme“ genannt. Vincent Ruiz und Franck Balthazar haben ein paar besondere Fässer im Herbst 2022 als Eponyme Mise tardive abefüllt.

  • Les Grandes Jorasses 2020 (50,50 Euro): lokale Variante der Rebsorte Altesse

  • Monsieur Gringet 2020 (52 Euro): quasi Le Feu als Hommage an Dominique Belluard – von den eisenreichsten Steilhängen des Weinbaugebietes.

Und weil der nicht so weit von Ayze zuhause ist, hat Françis Rousset – wenn Sie den Rudl fragen, einer der vielversprechendsten vielen neuen Weinmeister Savoyens – seinen neuen Jahrgang Altesse und auch ein paar andere Weine der Lieferung hinzugefügt.

  • Altesse aVé 2022: 22 Euro

  • Jacquère Jonona 2022: 20 Euro

  • Ceux d‘après 2022 (80 % Chardonnay, 20 % Roussanne): 22 Euro

  • Mondeuse Mattäi 2022: 22 Euro

  • Ceux d‘avant 2022: 60 % Mondeuse, 20 % Persan, 20 % Pinot noir, 10 % Douce noir: 22,50 Euro

Tour de France

Nicht dass der Start der Tour de France für den Rudl nicht sowieso wie ein Zusammenfallen von Weihnachten, Ostern und Geburtstag an einem Tag wäre. Heuer fahren sie noch dazu im Baskenland weg. Viel geht da nicht mehr drüber. Der Rudl wird den Grand Départ im Baskenland zum Anlass nehmen, eine ganze Serie von Irouléguys zu öffnen. Rot, rosé, weiß und gereift.

  • Irouléguy rosé 2019, Domaine Arretxea, AOC Irouléguy, Sud Ouest (3/5)

  • Irouléguy rosé 2019, Domaine Ilarria, AOC Irouléguy, Sud Ouest (3/5)

  • Irouléguy blanc 2018, Domaine Ilarria, AOC Irouléguy, Sud Ouest (5/8)

  • Ardan Harri 2020, Domaine Xubialdea, Lasse, AOC Irouléguy, Sud Ouest (6,50/10)

    die letzte Flasche, der der Rudl von diesem Wein ausschenkt

  • Eztia 2013, Domaine Améztia, AOC Irouléguy, Sud Ouest (6,50/10)

    Mit mindestens einem Wein möchte der Rudl in jeder Lehrveranstaltung auf das Reifepotential seiner Weine hinweisen. Geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, Sie können, müssen die Weine vom Rudl nicht gleich trinken, sondern sich auch noch Jahre nach dem Kauf derselben über ihren Geschmack freuen. Im Fall dieses Weines können Sie sogar noch einzelne Flascherl erwerben.

  • Ilarria sans sulfites ajoutés 2017, Domaine Ilarria, AOC Irouléguy, Sud Ouest (6/9)

  • Haitza 2017, Domaine Arretxea, AOC Irouléguy, Sud Ouest (6/9)

Dienstag, 27. Juni von 17 bis 21 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Der 27. Jänner, der Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz, muss zu einem gesamteuropäischen Feiertag erklärt werden. Wer das Richtige feiert und weiß, was er dabei tut, ist nicht nur kein Würstel, sondern wird sich auch leichter tun, den Angriffen der Heimatparteien auf Demokratie, Menschenrechte und Aufklärung etwas Wirksames entgegenzusetzen.

Monsieur Rudolf Polifka wünscht einen agreablen Sommer!

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Sommerweine statt Sommerwasserl. Eine Begriffspräzisierung, am Dienstag, den 20. Juni von 17 bis 21 Uhr

Nix gegen Wasser!

Geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, bitte missverstehen Sie die Überschrift dieser Zeilen nicht als Aufruf, kein oder weniger Wasser zu trinken! Das wäre ja eines Schulmeisters unwürdig. Außerdem trinkt der Rudl selber viel Wasser, nicht nur im Kaffee und im Tee. Mit dem Terminus „Sommerwasserl“ wendet sich Caviste Rudolf gegen das, was von diversen Kommunikationsexpertinnen und -experten regelmäßig zu dieser Jahreszeit als Sommer-, Terrassen- oder Grillwein angepriesen wird. Nur weil etwas keine Struktur hat oder nach künstlichem Erdbeeraroma schmeckt, ist es noch lange kein Sommerwein, wenn Sie den Rudl fragen.

Kommende Woche kredenzt der Rudl glasweise Weine, die man im Sommer gerne trinken mag, die einen gewissen Trinkfluss, wie der Herr K sagt, vorweisen können, Format und Struktur haben und trotzdem etwas gekühlt genossen werden können, ohne dadurch Aromen zu verschenken.

Caviste Rudolf Polifka ist sich bewusst, dass man bei Sommerwein an Rosé denkt, er selber zuerst an Jacquère. Trotzdem oder deshalb wird er dieses Mal um beides einen Bogen machen.

  • Sankt Laurent Klassik 2019, Umathum, Frauenkirchen, Neusiedlersee (3/5)

  • Sans Autre 2021, Côteaux des Girondales, Villaz, Vin de France (4,50/7)

    Man hört gar nicht so selten, dass man aus neugezüchteten pilzresistenten Rebsorten keine interessanten Weine machen kann. Lange Zeit hat der Rudl selber zu dieser Ansicht tendiert. Möglicherweise liegt das Problem aber weniger an den Rebsorten selber als an mangelnder Erfahrung mit diesen, beziehungsweise an mangelndem Alter der entsprechenden Rebstöcke. So hat etwa bereits der Vater von Johannes Zillinger solche Rebsorten ausgepflanzt und sorgfältig kultiviert. Da schaut die Sache dann gleich ganz anders aus. Auch in der Schweiz, von wo die Trauben für diesen Wein stammen, blickt man auf eine jahrzehntelange Erfahrung mit solchen Rebsorten zurück. Das schmeckt man. Was, wenn Sie den Rudl fragen, ganz sicher schief geht, ist der Versuch, sich durch diese Rebsorten Zeit, Sorgfalt oder den Umstieg auf eine biologische Bewirtschaftung des Weingartens ersparen zu wollen.

  • Mondeuse „Mattäi“ 2021, Côteaux des Girondales, Villaz, Vin de France (5/8)

    Vielschichtigkeit braucht nicht zwingend viel Alkohol, auch bei Rotwein nicht; 9,5 Percent – etwas kühlen

  • Mondeuse „Black Giac“ 2020, Domaine Giachino, Chapareillan, AOP Vin de Savoie (4,50/7)

  • Nebula 2020, Domaine de l‘Aitonnement, Aiton, IGP Vin des Allogroges (6/9)

    Douce noire – manche Rebsorten geraten zurecht in Vergessenheit, diese auf gar keinen Fall zurecht, hoffentlich aber überhaupt nicht!

  • Argile Rouge 2018, Domaine des Ardoisières, IGP Vin des Allobroges (6/9)

  • Dolia 2019, Domaine Arretxea, AOP Irouléguy, Sud Ouest (6,50/10)

    Rotwein aus einer Amphore eines baskischen Töpfermeisters – Eleganz und Gerbstoffe, die man auch ohne Pelzmantel gerne trinkt

Dienstag, 20. Juni von 17 bis 21 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Der 27. Jänner, der Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz, muss zu einem gesamteuropäischen Feiertag erklärt werden. Wer das Richtige feiert und weiß, was er dabei tut, ist nicht nur kein Würstel, sondern wird sich auch leichter tun, den Angriffen der Heimatparteien auf Demokratie, Menschenrechte und Aufklärung etwas Wirksames entgegenzusetzen.

Sommerlich strukturiert, aber unverwässert grüßt Herr Rudolf!

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

 

 

DONNERSTAG, 15. Juni von 17 bis 21 Uhr: Jahrgang 2019 vol. 2

 

Donnerstag

Der Rudl kann kommende Woche aufgrund Verpflichtungen als Schulmeister nur am Donnerstag aufsperren.

2019

Caviste Rudolf Polifka hat Ihnen, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, Ende Jänner eröffnet, dass er den Weinjahrgang 2019 überaus schätzt. Diese Begeisterung hat sich auch darin manifestiert, dass der Rudl damals mindestens doppelt so viele exceptionelle Zweitausendneunzehner für eine Kredenzung in Erwägung gezogen hat, als er an einem Abend sinnvollerweise öffnen konnte. Für die anderen Weine dieses Jahrgangs hat es geheißen: Warten! … bis 15. Juni. Da wird der Rudl jetzt jene 2019er ausschenken, die Ende Jänner nicht dran gekommen sind.

Im Folgenden erlaubt sich der Rudl, jene Zeilen, die ihm vor knapp einem halben Jahr zum Jahrgang 2019 eingefallen sind, zu wiederholen:

2019. Eine Wiederholung, rechtzeitig zum Notenschluss

Wenn Sie, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, den Rudl nach dem Wetter fragen, dann fällt ihm dazu nicht viel ein. Nur vielleicht so viel, dass Caviste Rudolf die Klimakrise neben dem Chemiekasten für den größten Feind des Weines hält. Ob man sich deswegen irgendwo anpicken muss, das weiß der Rudl auch nicht. Gar nicht so wenige spucken jetzt – boulevardbeschränkt wie sie immer schon waren – Gift und Galle auf ein paar Jugendliche, die Federn haben, wenn sie an ihre Zukunft denken. Man muss deren Aktionen vermutlich nicht gut finden, um das hysterische Gekeife der anderen, die Bedrohung chronisch dort wahrnehmen, wo sie nicht ist, und mindestens ebenso chronisch dort nicht, wo sie sehr wohl ist, als Indiz für die Wirksamkeit des Protests zu respektieren. Es gibt Zeitgenossinnen und Zeitgenossen, die es als Menschenrecht betrachten, staubtrockenen Fußerls im Lift in die Garage, von dort in der überdimensionierten Tschäsn möglichst ohne Kontakt zu irgendwem und irgendwas bis auf den Parkplatz des sogenannten Supermarktes oder in irgendeine Tiefgarage zu fahren und dabei andere, die zwei oder drei Ecken weiter schauen und vor allem denken, durch Gestank, Radau und Platzraub zu terrorisieren. Und justament solche Hirschinnen und Hirschen bezeichnen Jugendliche, denen nach gut dreißig Jahren Absichtserklärungen schön langsam der Reis geht, als „Terroristen“. So etwas hält Citoyen Rudolf Polifka nicht nur für eine Sauerei, sondern auch für einen Amoklauf gegen die menschliche Vernunft.

Die Stadt, in der Monsieur Rudolf sein Geschäft betreibt, beteuert zwar seit Jahrzehnten, eine westeuropäische Stadt zu sein. Aber ihr Anteil an Bewohnerinnen und Bewohnern mit Beton- und Blechfetischismus scheint diesbezügliche westeuropäische Grenzwerte deutlich zu überschreiten. Das wiederum hat sehr viel mit den Edelfedern zu tun.

Aber was hat das mit Wein zu tun?

In der Sprache der Oenologinnen und Oenologen gibt es den Terminus vom „warmen Jahrgang“. Wenn Sie den Rudl fragen, dann handelt es sich dabei zunehmend um einen Pleonasmus. Seit mindestens zwanzig Jahren ist ein Jahrgang ein warmer Jahrgang und es ist ein Jahrgang ein Jahrgang mit existenzgefährdenden meteorologischen Vorkommnissen. Und wenn Sie, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, das Wort „existenzgefährdend“ in diesem Zusammenhang als überzogen erachten, dann empfiehlt Ihnen der Rudl einen kurzen Blick auf landwirtschaftsspezifische Suizid-Statistiken.

Erfreulicherweise …

scheint es Weinjahrgänge zu geben, die, zumindest was die Affenhitze während der Vegetationsphase betrifft, noch das eine oder andere Anzeichen von Resistenz zeigen. Viele sind es nicht. Mehr werden es auch nicht. Aber 2019 war ganz sicher so ein Jahrgang. Und damit folgt Caviste Rudolf nicht dem Trend, Jahrgänge auf Neun kategorisch als besonders grandios einzustufen. Die Lobeshymnen auf 2009 etwa kann der Rudl überhaupt nicht nachvollziehen. Da erscheinen zumindest dem Rudl seinem Geschmack nach 2008 und 2010 als viel anmutigere Weinjahrgänge. Aber 2019 könnte sich wirklich als ein ganz extraordinairer Jahrgang im einundzwanzigsten Jahrhundert herausstellen. Und wenn die Beton- und Bequemfetischistinnen und -fetischisten nicht recht bald und recht drastisch eingebremst werden – selber werden sie das ziemlich sicher nicht machen -, dann könnten Weinjahrgänge wie 2019 in ihrer Grandiosität auch ziemlich lange und ziemlich allein bleiben.

  • Riesling Wieland 2019, Mantlerhof, Brunn im Felde, Kremstal (6/9)

  • Adaxl Welsch 2019, Weinbau Helga und Alfred Weber, Deutsch-Schützen, Südburgenland (4,50/7)

  • Gamay Blanc 2019, Pignier, Montaigu, AOP Côtes de Jura (6,50/10)

  • Chignin-Bergeron „Les Filles“ 2019, Gilles Berlioz, AOP Vin de Savoie (7/11)

  • Hégoxuri 2019, Domaine Arretxea, AOP Irouléguy, Sud Ouest (6/9)

  • Sankt Laurent Klassik 2019, Josef Umathum, Frauenkirchen, Neusiedler See (3/5)

  • Dolia Rouge 2019, Domaine Arretxea, AOP Irouléguy, sud Ouest (6,50/10)

DONNERSTAG, 15. Juni von 17 bis 21 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Der 27. Jänner, der Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz, muss zu einem gesamteuropäischen Feiertag erklärt werden. Wer das Richtige feiert und weiß, was er dabei tut, ist nicht nur kein Würstel, sondern wird sich auch leichter tun, den Angriffen der Heimatparteien auf Demokratie, Menschenrechte und Aufklärung etwas Wirksames entgegenzusetzen.

Wetternd grüßt Herr Rudolf!

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Quartz, Hégoxuri und fast Prantner – drei Minimalvertikalen mit 10 Jahren Abstand, am Dienstag, den 6. Juni von 17 bis 21 Uhr

 

Quartz

Der Rudl trägt sich seit einiger Zeit mit dem Gedanken, eine Vertikale des teuersten und womöglich trotzdem besten Weins aus der Weinbauregion Savoyen anzubieten. Im größeren Stil ist aus dieser Vertikale vor Weihnachten nichts geworden. Aber Caviste Rudolf Polifka hat sein Ansinnen abgespeckt und öffnet jetzt einmal die Jahrgänge 2008 und 2018, damit man sich ein Bild vom Reifepotential dieses Weines, der empirisch nachgewiesen zu den sieben Lieblingsweinen vom Rudl zählt, machen kann.

Geometrie

Anders als es heute im Zeitalter der Zeitgemäßheit und der Einheizmatura zeitgemäß erscheint hat der Rudl nie etwas gegen Mathematik einzuwenden gehabt. Ja. Und das obwohl er angenommen hat, dass er Mathematik im engeren Sinn „später einmal nicht brauchen“ werde, wenn er das nicht wollen würde. „Später einmal brauchen“ hält Weinschulrat Rudolf sowieso für eines der schwachsinnigsten Kriterien zur Beurteilung der Sinnhaftigkeit von Unterrichtsinhalten. Wie auch immer, ohne die Zusammenhänge genauer zu verstehen, hat der Rudl eine Verwandtschaft zwischen Mathematik, Musik und Religion gespürt oder zumindest vermutet. Überbewerten tut er das nicht, erwähnen mag er es schon. In der Mathematik war dem Rudl stets der Punkt das größte Mysterium. Dass es etwas gibt, mit dem man rechnen kann, das streng genommen, ungeachtet allfälliger sekundär eingebrachter Koordinatensysteme, aber keinen Wert hat, genau genommen also gar nicht existiert, das war und ist dem Rudl halbwegs ein Paradoxon. Da gibt so eine Gerade gleich viel mehr her. Die hat als kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten quasi Hand und Fuß. Na ja, genau genommen gibt es jeden dieser zwei Punkt für sich nicht, aber egal. Was für die Mathematikerin oder den Mathematiker die Gerade, das ist für den Oenologen oder die Oenologin die Vertikale. So wie man von einer Geraden zwar mehr Punkte haben kann, aber nur zwei braucht, kann eine Vertikale aus vielen Jahrgängen eines Weins bestehen. Aber genügen tun zwei. Darum ist Caviste Rudolf in der favorablen Lage, eine Lehrveranstaltung mit gleich drei zweijahrgängigen Vertikalen anbieten zu können. Eine davon aus Quartz – zugegebenermaßen nicht im großen Stil, wie vor Weihnachten einmal in Erwägung gezogen, dafür aber flankiert von zwei anderen Jung&gereift-Paaren, die keinen Grund zum Verstecken haben. Da es sich dabei um keine ganz Unbekannten handelt, erspart Ihnen, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, der Rudl weitere Zeilen dazu.

  • Alte Reben 2017, Straka, Rechnitz, Südburgenland (4,50/7)

    Zugegebenermaßen nicht exact eine Vertikale, weil bei den Alten Reben auch Weißburgunder dabei ist, aber dem Rudl haben diese in den letzten Jahren immer besser geschmeckt als der Welschriesling, für den dieses Haus vor allem auch bekannt ist.

  • Welschriesling Prantner 2007, Straka, Rechnitz, Südburgenland (5/8)

  • Hégoxuri 2019, Domaine Arretxea, AOP Irouléguy, Sud Ouest (6/9)

  • Hégoxuri 2009, Domaine Arretxea, AOC Irouléguy, Sud Ouest (8/12)

  • Quartz 2018, Domaine des Ardoisières, Cevins, IGP Vin des Allobroges (12/18)

  • Quartz 2008, Domaine des Ardoisières, Cevins, IGP Vin des Allobroges (14/21)

Dienstag, 6. Juni von 17 bis 21 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Der 27. Jänner, der Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz, muss zu einem gesamteuropäischen Feiertag erklärt werden. Wer das Richtige feiert und weiß, was er dabei tut, ist nicht nur kein Würstel, sondern wird sich auch leichter tun, den Angriffen der Heimatparteien auf Demokratie, Menschenrechte und Aufklärung etwas Wirksames entgegenzusetzen.

Nicht wertfrei und nicht wertlos, sondern wertvoll grüßt Herr Rudolf!

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Quartz

Der Rudl trägt sich seit einiger Zeit mit dem Gedanken, eine Vertikale des teuersten und womöglich trotzdem besten Weins aus der Weinbauregion Savoyen anzubieten. Im größeren Stil ist aus dieser Vertikale vor Weihnachten nichts geworden. Aber Caviste Rudolf Polifka hat sein Ansinnen abgespeckt und öffnet jetzt einmal die Jahrgänge 2008 und 2018, damit man sich ein Bild vom Reifepotential dieses Weines, der empirisch nachgewiesen zu den sieben Lieblingsweinen vom Rudl zählt, machen kann.

Geometrie

Anders als es heute im Zeitalter der Zeitgemäßheit und der Einheizmatura zeitgemäß erscheint hat der Rudl nie etwas gegen Mathematik einzuwenden gehabt. Ja. Und das obwohl er angenommen hat, dass er Mathematik im engeren Sinn „später einmal nicht brauchen“ werde, wenn er das nicht wollen würde. „Später einmal brauchen“ hält Weinschulrat Rudolf sowieso für eines der schwachsinnigsten Kriterien zur Beurteilung der Sinnhaftigkeit von Unterrichtsinhalten. Wie auch immer, ohne die Zusammenhänge genauer zu verstehen, hat der Rudl eine Verwandtschaft zwischen Mathematik, Musik und Religion gespürt oder zumindest vermutet. Überbewerten tut er das nicht, erwähnen mag er es schon. In der Mathematik war dem Rudl stets der Punkt das größte Mysterium. Dass es etwas gibt, mit dem man rechnen kann, das streng genommen, ungeachtet allfälliger sekundär eingebrachter Koordinatensysteme, aber keinen Wert hat, genau genommen also gar nicht existiert, das war und ist dem Rudl halbwegs ein Paradoxon. Da gibt so eine Gerade gleich viel mehr her. Die hat als kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten quasi Hand und Fuß. Na ja, genau genommen gibt es jeden dieser zwei Punkt für sich nicht, aber egal. Was für die Mathematikerin oder den Mathematiker die Gerade, das ist für den Oenologen oder die Oenologin die Vertikale. So wie man von einer Geraden zwar mehr Punkte haben kann, aber nur zwei braucht, kann eine Vertikale aus vielen Jahrgängen eines Weins bestehen. Aber genügen tun zwei. Darum ist Caviste Rudolf in der favorablen Lage, eine Lehrveranstaltung mit gleich drei zweijahrgängigen Vertikalen anbieten zu können. Eine davon aus Quartz – zugegebenermaßen nicht im großen Stil, wie vor Weihnachten einmal in Erwägung gezogen, dafür aber flankiert von zwei anderen Jung&gereift-Paaren, die keinen Grund zum Verstecken haben. Da es sich dabei um keine ganz Unbekannten handelt, erspart Ihnen, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, der Rudl weitere Zeilen dazu.

  • Alte Reben 2017, Straka, Rechnitz, Südburgenland (4,50/7)

    Zugegebenermaßen nicht exact eine Vertikale, weil bei den Alten Reben auch Weißburgunder dabei ist, aber dem Rudl haben diese in den letzten Jahren immer besser geschmeckt als der Welschriesling, für den dieses Haus vor allem auch bekannt ist.

  • Welschriesling Prantner 2007, Straka, Rechnitz, Südburgenland (5/8)

  • Hégoxuri 2019, Domaine Arretxea, AOP Irouléguy, Sud Ouest (6/9)

  • Hégoxuri 2009, Domaine Arretxea, AOC Irouléguy, Sud Ouest (8/12)

  • Quartz 2018, Domaine des Ardoisières, Cevins, IGP Vin des Allobroges (12/18)

  • Quartz 2008, Domaine des Ardoisières, Cevins, IGP Vin des Allobroges (14/21)

Dienstag, 6. Juni von 17 bis 21 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Der 27. Jänner, der Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz, muss zu einem gesamteuropäischen Feiertag erklärt werden. Wer das Richtige feiert und weiß, was er dabei tut, ist nicht nur kein Würstel, sondern wird sich auch leichter tun, den Angriffen der Heimatparteien auf Demokratie, Menschenrechte und Aufklärung etwas Wirksames entgegenzusetzen.

Nicht wertfrei und nicht wertlos, sondern wertvoll grüßt Herr Rudolf!

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Quartz

Der Rudl trägt sich seit einiger Zeit mit dem Gedanken, eine Vertikale des teuersten und womöglich trotzdem besten Weins aus der Weinbauregion Savoyen anzubieten. Im größeren Stil ist aus dieser Vertikale vor Weihnachten nichts geworden. Aber Caviste Rudolf Polifka hat sein Ansinnen abgespeckt und öffnet jetzt einmal die Jahrgänge 2008 und 2018, damit man sich ein Bild vom Reifepotential dieses Weines, der empirisch nachgewiesen zu den sieben Lieblingsweinen vom Rudl zählt, machen kann.

Geometrie

Anders als es heute im Zeitalter der Zeitgemäßheit und der Einheizmatura zeitgemäß erscheint hat der Rudl nie etwas gegen Mathematik einzuwenden gehabt. Ja. Und das obwohl er angenommen hat, dass er Mathematik im engeren Sinn „später einmal nicht brauchen“ werde, wenn er das nicht wollen würde. „Später einmal brauchen“ hält Weinschulrat Rudolf sowieso für eines der schwachsinnigsten Kriterien zur Beurteilung der Sinnhaftigkeit von Unterrichtsinhalten. Wie auch immer, ohne die Zusammenhänge genauer zu verstehen, hat der Rudl eine Verwandtschaft zwischen Mathematik, Musik und Religion gespürt oder zumindest vermutet. Überbewerten tut er das nicht, erwähnen mag er es schon. In der Mathematik war dem Rudl stets der Punkt das größte Mysterium. Dass es etwas gibt, mit dem man rechnen kann, das streng genommen, ungeachtet allfälliger sekundär eingebrachter Koordinatensysteme, aber keinen Wert hat, genau genommen also gar nicht existiert, das war und ist dem Rudl halbwegs ein Paradoxon. Da gibt so eine Gerade gleich viel mehr her. Die hat als kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten quasi Hand und Fuß. Na ja, genau genommen gibt es jeden dieser zwei Punkt für sich nicht, aber egal. Was für die Mathematikerin oder den Mathematiker die Gerade, das ist für den Oenologen oder die Oenologin die Vertikale. So wie man von einer Geraden zwar mehr Punkte haben kann, aber nur zwei braucht, kann eine Vertikale aus vielen Jahrgängen eines Weins bestehen. Aber genügen tun zwei. Darum ist Caviste Rudolf in der favorablen Lage, eine Lehrveranstaltung mit gleich drei zweijahrgängigen Vertikalen anbieten zu können. Eine davon aus Quartz – zugegebenermaßen nicht im großen Stil, wie vor Weihnachten einmal in Erwägung gezogen, dafür aber flankiert von zwei anderen Jung&gereift-Paaren, die keinen Grund zum Verstecken haben. Da es sich dabei um keine ganz Unbekannten handelt, erspart Ihnen, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, der Rudl weitere Zeilen dazu.

  • Alte Reben 2017, Straka, Rechnitz, Südburgenland (4,50/7)

    Zugegebenermaßen nicht exact eine Vertikale, weil bei den Alten Reben auch Weißburgunder dabei ist, aber dem Rudl haben diese in den letzten Jahren immer besser geschmeckt als der Welschriesling, für den dieses Haus vor allem auch bekannt ist.

  • Welschriesling Prantner 2007, Straka, Rechnitz, Südburgenland (5/8)

  • Hégoxuri 2019, Domaine Arretxea, AOP Irouléguy, Sud Ouest (6/9)

  • Hégoxuri 2009, Domaine Arretxea, AOC Irouléguy, Sud Ouest (8/12)

  • Quartz 2018, Domaine des Ardoisières, Cevins, IGP Vin des Allobroges (12/18)

  • Quartz 2008, Domaine des Ardoisières, Cevins, IGP Vin des Allobroges (14/21)

Dienstag, 6. Juni von 17 bis 21 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Der 27. Jänner, der Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz, muss zu einem gesamteuropäischen Feiertag erklärt werden. Wer das Richtige feiert und weiß, was er dabei tut, ist nicht nur kein Würstel, sondern wird sich auch leichter tun, den Angriffen der Heimatparteien auf Demokratie, Menschenrechte und Aufklärung etwas Wirksames entgegenzusetzen.

Nicht wertfrei und nicht wertlos, sondern wertvoll grüßt Herr Rudolf!

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Sommerrebsorte Jacquère, am DONNERSTAG, den 1. Juni von 17 bis 21 Uhr

Rebsorten sind überschätzt …

und Dogmatismus auch. Darum lässt Caviste Rudolf den drei Lehrveranstaltungen über von den drei Erdzeitaltern geprägte Böden drei über Rebsorten folgen – seiner Verpflichtung zur Ausgewogenheit folgend. Im Prinzip ist so eine Weinhandlung im Nebenerwerb auch nichts anderes als eine öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt, nur halt ohne Stiftungsrat. Gott sei Dank! Denn in so einem Stiftungsrat keifen, jammern und hetzen diejenigen besonders laut über einen Mangel an Neutralität, die das der Ausgewogenheit verpflichtete Medienunternehmen besonders unverschämt vor den Karren ihrer Interessen spannen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Jacquère

Über diese Rebsorte hat Ihnen, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, Weinschulrat Rudolf Polifka ganz sicher nicht alles, aber viel mehr als es eine Rebsorte, von der es zumindest auf dieser Welt nicht viel mehr als tausend Hektar Rebfläche gibt, erwarten lassen würde. Darum begnügt sich der Rudl dieses Mal mit einer Wiederholung des Skriptums von 2018 und 2017:

Jacquère

Wenn es in einer zweitausend Hektar kleinen Weinbauregion Massenwein geben kann, dann wird man in Savoyen Jacquère als dessen Rebsorte betrachten müssen. Mehr als tausend Hektar sind dort mit der autochthonen Jacquère bestockt. Ganz präzise hat sie ihren Ursprung, soweit man das rekonstruieren kann, in Abymes de Myans. Das liegt am nordöstlichen Rand des Chartreusegebirges, ungefähr dort, wo Jean Masson und die Giachino Brüder wohnen, was kein Zufall ist.

Die dicken Beerenschalen erlauben eine späte Reife. Am kalkreichen, steinigen Fuß der französischen Alpen ist das nicht ganz unwesentlich. Und sie schützen die engbeerigen Trauben vor Oïdium und Meltau.

Seinen bisweilen nicht ganz so guten Ruf verdankt Jacquère ihrer Fruchtbarkeit. Ohne Ertragskontrolle hängen an so einem Jacquèrestock, sofern er unter hundert Jahre jung ist, gleich einmal ein paar Kilo Trauben. Das konveniert, wenn man möglichst große Mengen zum Indenglühweinhäfenhinein- oder Demfonduehinterherschütten benötigt. Möchte man jedoch bei Blindverkostungen renommiertere Weißweine sekkieren, dann will der Ertrag begrenzt sein, von wem auch immer.

Ähnlich dem Grünen Veltliner scheint die relativ weite Verbreitung der Jacquère in Savoyen auf den möglichen hohen Hektarertrag zurückzuführen sein. Ähnlich dem Grünen Veltliner scheint bei der Jacquère nur im Fall restriktiver Ertragsbegrenzung etwas Gscheites herauszukommen. Anders als der Grüne Veltliner dürfte die spät reifende Jacquère aufgrund der Klimaerwärmung nicht so schnell ins Schwitzen geraten. Wenn es einmal sehr heiß ist, wird sie halt ein bissl reif. Aber immer noch nach fast allen anderen Rebsorten. Trockenstress ist mit entsprechend tiefen Wurzeln und in entsprechend vorgerücktem Rebstockalter auch nicht angebracht. Im Fall von klimawandelbedingten Wetterextremen ist allerdings auch die gute Jacquère mit ihrem Latein irgendwann einmal am Ende, weniger bei Spätfrost als bei Hagel.

Als Wein ist Jacquère eher blass bis weißgold. Dem Rudl seinem Geschmack nach stehen Alpenkräuter, Grapefruit, Bergamotte, Weißdorn, in äußerst gelungenen Fällen aneinander geriebener Feuerstein im Vordergrund. Manchmal kommen Mandeln, Haselnüsse und Lindenblüten dazu, wenngleich nie so intensiv wie bei Altesse.

Accorde

Wahrscheinlich zu oft endet Jacquère als Fonduebegleiter in den einschlägigen Skigebieten, als Winterwein, um nicht zu schreiben als Aprèsskiwein. Caviste Rudolf findet die Koalition mit dem Fondue säuretechnisch nicht ganz unpassend, ein bissl ideenlos aber schon. Kann man von einem Fondue nicht sowieso fast jeden Wein erschlagen lassen? So wie viele angeblich kongeniale Wildbegleiter gelegentlich auf ihren hohen Alkoholwert oder die Röstaromen in ihrem Fassl reduziert werden, läuft Jacquère neben dem Fondue Gefahr, zum Säureaufputz zu verkommen. Das ist schade und ein bissl vergleichbar mit einem Schulmeister – heute heißt man das „Lehrkraft“ und kaum eine solche scheint das zu stören, was wiederum dem Rudl die Frage nach der Beschaffenheit dieser „Kraft“ stellt -, der einen Schüler für dessen gesamte Schullaufbahn als Witzbold behandelt, nur weil der in der allerersten Stunde irgendeine mehr oder weniger lustige Bemerkung von sich gegeben hat.

Der kulinarische Deckel für den Topf einer gelungenen Jacquère, sofern man einen Wein als Topf bezeichnen kann, ist wahrscheinlich die Bachforelle. Das dezente Prickeln, der niedrige Alkohol, das kongeniale Zusammenspiel von Frische, Leichtigkeit und appetitanregendem Temperament der Jacquère erinnern den Rudl an einen Gebirgsbach während der Schneeschmelze. Wenn er bei vielen Weinen aus dem Elsass an den Rhein denkt, dann symbolisieren savoyardische den Zubringer eines Zubringers der Isère. Einem wie dem Rudl, der quasi neben, beziehungsweise in Wald- und Wiesenbächen seine Kindheit verbracht hat, der Donau aber erst im stolzen Alter von vierzehn gewahr wurde, stehen kleine Gebirgsbäche und Wasserfälle und ihre korrelierenden Weine vielleicht näher. Der ist mit der Bachforelle quasi per Du wie der Cagney mit seiner Limousine.

Quidquid id est, Frische, Lebendigkeit und Bekömmlichkeit der Jacquère schreiben förmlich nach einer Essensbegleitung. Darum nützt der Rudl wieder einmal die Gelegenheit, Sie daran zu erinnern, dass es ausdrücklich erwünscht ist, wenn Sie sich selber etwas zum Essen in die Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils mitbringen, ob das jetzt eine Bachforelle, eine Stelze – Monsieur Rudolf kocht die mit Heu und Chartreusekräutern – oder etwas ganz anderes ist. Wenn Sie sich etwas mitbringen, wird Ihnen der Rudl das mitgebrachte Papperl durch ein nach Möglichkeit von ihm selber höchst eigenhändig gefärbtes Bio-Osterei upgraden. Bringen Sie sich nichts mit, kriegen Sie ein solches Bio-Osterei selbstverständlich auch.

 

Crus

 

In und um drei Orte darf Jacquère einen Cru-Status beanspruchen, Abymes, Apremont und Chignin, alle drei im Combe de Savoie. Das Projekt, die gelungenen Exemplare dieser Crus im gereiften Stadium zu vergleichen, hat der Rudl nicht aufgegeben. Bis jetzt scheitert es daran, dass die Giachinos ihren Abymes nicht mehr machen und Caviste Rudolf noch keinen anderen passablen gefunden hat.

Wenn man die Auflistungen der alternativen Namen für „Jacquère“ auf Wikipedia liest, könnte man glatt den Eindruck gewinnen, dass da eh jeder sagen kann, wie er will. In der Gemeinde Roussillon etwa heißen sie die Jacquère Coufe-Chien. In Conflans gibt es zwar keine Weingärten mehr, aber auch eine lokale Sonderbezeichnung: Robinet. Das bedeutet Wasserhahn und könnte auf die Ertragsfreudigkeit anspielen. Bezeichnungen wie Altesse de Saint-Chef oder Roussette sind dann fast schon als Frotzelei oder Urheberrechtsverletzungen zu betrachten, aber bitte.

 

Sommerwein

Was man sicher sagen kann, ist dass gute Jacquères kristallinem Quellwasser ähneln und im Sommer ganz besonders die Qualitäten ausspielen.

  • Jacquère „Jonona“ 2021, Côteaux des Girondales, Villaz, Vin de France, Haute Savoie (4,50/7)

  • Don Giachino (méthode traditionelle) 2018, Domaine Giachino, Le Palud, Chapareillan, AOP Vin de Savoie (4,50/7)

  • Apremont 2020, Domaine Giachino, Le Palud, Chapareillan, AOP Vin de Savoie (4/6)

  • Jacquère 2018, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOP Vin de Savoie (3/5)

  • Genesis 2020, Domaine de l‘Aitonnement, Aiton, IGP Vin des Allobroges (6,50/10)

  • Jacquère 2015, Jacques Maillet, Motz, Chautagne, AOP Vin de Savoie (4,50/7)

Dass die Weine von Jacques Maillet neben denen von der Domaine Arretxea quasi so etwas wie Grundsteine für den französischen Teil der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils gewesen sind, das hat Ihnen, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, der Rudl schon das eine oder andere Mal mitgeteilt. Jacques Maillet befindet sich seit dem Jahrgang 2016 in der oenologischen Rente. Die letzten Flaschen, die der Rudl noch von ihm hat, sind nicht mehr im Sortiment. Aber die vorletzte Jacquère 2015 öffnet Caviste Rudolf diese Woche.

DONNERSTAG, 1. Juni von 17 bis 21 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Der 27. Jänner, der Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz, muss zu einem gesamteuropäischen Feiertag erklärt werden. Wer das Richtige feiert und weiß, was er dabei tut, ist nicht nur kein Würstel, sondern wird sich auch leichter tun, den Angriffen der Heimatparteien auf Demokratie, Menschenrechte und Aufklärung etwas Wirksames entgegenzusetzen.

Der Rudl grüßt den Sommer, gerade so als wie den Winter – der Ausgewogenheit verpflichtet.

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Das andere Ende der Angesagtheit. Drei Chardonnays aus Frankreich, drei aus Österreich und drei Weine von der Dankbarkeit, am Dienstag, den 23. Mai von 17 bis 21 Uhr

Barrique“. Intersubjektiv betrachtet

Monsieur Rudolf war einmal ein junger Mensch. Nicht dass er sich nicht heute noch als solcher fühlen würde, aber intersubjektiv betrachtet gilt man in den Augen der Mehrheit mit vierundfünfzig wohl nicht mehr als junger Mensch. Egal. Auf alle Fälle, als der Rudl intersubjektiv betrachtet noch ein junger Mensch war, so Anfang und Mitte der Neunziger Jahre, war Riesling seine erste wirkliche Lieblingsrebsorte. Von einem G‘riss um den Rielsing hat diese Rebsorte seinerzeit vermutlich nicht einmal geträumt. Und es sollte noch die eine oder andere oenologische Modewelle über die österreichischen Weingärten zwischen Stainz und Poysdorf schwappen, flankiert von Dogmatisierung einer maximalen Gradation, hoher Intransparenz oder zuckerlhaften Kitsches, ehe sich die Säure und mit ihr der Riesling ganz oben auf der Liste der Angesagtheit findet. Damals auf alle Fälle, Anfang und Mitte der Neunzigerjahre, als dem Rudl seine oenologische Begeisterung erwachte, war Chardonnay das Maß der Dinge. Und wenn dann noch „Barrique“ am Etikett gestanden ist, wusste man sich im oenologischen Olymp. Aber wie der Meister Eder schon gesagt hat, kann sich der Wind sehr schnell drehen. Und keine zwanzig Jahre nach dem Höhepunkt des Chardonnay- und Holztraras, haben pfiffige Weinschreiberlinge die Formal „A.B.C.!“ in der Bedeutung „Anything else but Chardonnay!“ ausgegeben. Jetzt trinkt und studiert natürlich niemand im luftleeren Raum und ist schon gar nicht isoliert von den diversen selbsternannten Parkerepigonen auf den digitalen Plattformen, aber Ziel muss es sein, wenn Sie, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, den Rudl fragen, sich von der Wichtigtuerei dieser Experten zu emanzipieren. Und das ist viel leichter geschrieben als getan. Bei der Vorbereitung auf diese Lehrveranstaltung hat sich der Rudl dabei ertappt, ganz und gar nicht stolzer Besitzer eines ziemlich blinden Flecks in seinem privaten Weinkeller zu sein, wenn es um Chardonnay geht, alles andere als bewusst oder gar absichtlich. Der Rudl schätzt zwar das Weinbaugebiet Chablis überaus. An der Côte d‘Or hingegen schmeckt der Rudl vor allem das Holz vor dem Weingarten. Das können Sie dem Rudl als Banausentum auslegen, aber so hat er es in den seltenen Fällen, in denen er Weiße aus der Gegend um Beaune getrunken hat, halt wahrgenommen. Bei guten Chablis hingegen hat Monsieur Rudolf sehr wohl den geschmacklichen Verdacht oder zumindest den Anreiz, die Lage zu erschmecken. Nur bekommt man diese guten Chablis halt so gut wie nicht. Und die anderen schmecken, wenn Sie den Rudl fragen, halt ausgesprochen unaufregend. Die Weine von Vincent Dauvissat gibt‘s bei Cavistinnen und Cavisten in Frankreich mittlerweile auch nicht einmal mehr mit Bitten und Betteln. Ab Hof hat Herr Rudolf einmal eine Flasche La Forest 2009 kaufen dürfen. Jene von Raveneau sind wahrscheinlich schon sehr gut, aber mit denen tut sich der Rudl offen gestanden nicht so leicht. Abgesehen davon bekommt man sie noch weniger leicht als Dauvissat. Und dann kennt Caviste Rudolf noch eine knappe Hand voll interessanter Winzer aus Chablis. Einer davon ist Monsieur Moreau-Naudet. Den hat Brice Omont, der Weinmeister von der Domaine des Ardoisières, seinerzeit dem Rudl empfohlen. Das Teleffon abgehoben hat dann beim Rudl seinem Versuch, dort Wein zu kaufen, trotzdem niemand. Aber von Moreau-Naudet kann man zumindest hin und wieder die eine oder andere Flasche im gut sortierten Fachhandel kaufen. Und so eine muss bei einer Lehrveranstaltung über Chardonnay dabei sein. Von der Premier Cru Lage Les Vaillons in Chablis wird der Rudl einen Bogen über Bugey, die Verbindungsappellation von Savoyen und Jura, nach Hochsavoyen machen und diesen drei „Franzosen“ drei „Österreicher“ sowie einen Chardonnay von der Dankbarkeit gegenüber stellen.

  • Welschriesling 2021, Dankbarkeit, Podersdorf am See, Neusiedler See (2,50/4)

  • Dankbarkeit Rot 2019, Dankbarkeit, Podersdorf am See, Neusiedler See (3/5)

  • Sous les Rochers la Vigne, Cru Manicle 2020, Domaine Bärtschi, AOC Vin de Bugey (6,50/10)

  • Chardonnay „Khéops“ 2017, Les Vignes de Paradis, IGP Vin des Allobroges, Haute-Savoie (7/11)

  • Chablis Premier Cru Les Vaillons, Moreau-Naudet, AOC Chablis 1er Cru (8/12)

  • Morillon „Salamander plus“ 2021, Andreas Tscheppe, Glanz (7/11)

  • Trauben, Liebe und Zeit „Gelb“ 2018, Strohmeier (6,50/10)

  • Chardonnay „Plafond“ 2018, Leo Uibel, Ziersdorf, Weinviertel, Retzer Land (5/8)

  • Chardonnay 2021, Dankbarkeit, Neusiedler See (4,50/7)

Dienstag, 23. Mai von 17 bis 21 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Der 27. Jänner, der Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz, muss zu einem gesamteuropäischen Feiertag erklärt werden. Wer das Richtige feiert und weiß, was er dabei tut, ist nicht nur kein Würstel, sondern wird sich auch leichter tun, den Angriffen der Heimatparteien auf Demokratie, Menschenrechte und Aufklärung etwas Wirksames entgegenzusetzen.

Unkünstlich grüßt Herr Rudolf!

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Riesling vom Geyerhof vertikal, vom Mantlerhof horizontal, der Riesling 1977 vom Weingut Knoll und ein Grand Cru aus dem Elsass, am Dienstag, den 16. Mai von 17 bis 21 Uhr

Blechtrottel part 2

Geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, erlauben Sie dem Rudl einen Nachtrag zu seinen Überlegungen bezüglich künstlicher „Intelligenz“. Wenn Sie Monsieur Rudolf fragen, ist so eine K“I“ auch nichts anderes als es seinerzeit die „heilige“ Inquisition gewesen ist. Da darf nicht sein, was nicht sein soll. Und wenn die Erde eine Scheibe ist, dann muss sie eine sein, ob sie das will, die Erde, oder nicht. In dieser Hinsicht passt kein Blattl Papier zwischen den Bürokraten einer Religionsbehörde und mit noch so vielen Daten gefinkelt gefütterte Überheblichkeit. Beide wären nie und nimmer in der Lage, auch nur in Erwägung zu zeihen, dass sich eine angenommenen Wahrheit als nicht ganz so g‘scheit, wie sie gedacht hätten, herausstellt. Der Apparatschik ist dazu nicht in der Lage, weil er Gen 1,27 nicht versteht oder vielleicht eher nicht verstehen will. Und die K“I“ ist dazu nicht in der Lage, weil sie künstlich ist.

Es bleibt die Frage, warum die völlig berechtigte Kritik an klerikaler Borniertheit heute in einer Zeit nicht gerade überbordenden gesellschaftlichen Einflusses dieser Körperschaft unverhältnismäßig laut und fidel artikuliert wird. Man riskiert heute damit nicht mehr sehr viel, wenn man sich mit Vertretern derselben anlegt. Wenn es aber um das nicht weniger reaktionäre Credo der digitalen Selbstbeweihräucherer geht, scheint die überwiegende Mehrheit der Religionskritik nicht mächtig zu sein. Da wird devot jedes ideologische Fahnenwort nachgeplappert. Vielleicht wird mancherorts auch deshalb gar so frisch, munter und verallgemeinernd gegen alles, was auch nur ein bissl nach Religion im klassischen Sinn riecht, polemisiert, weil sich auf diese Weise reaktionäre Haltung ganz gut kaschieren lässt. KI, KI, KI … wir bitten dich, erhöre uns! In Ewigkeit, amen!

Riesling

Ja, genau! Vielleicht noch ein paar Worte zu Wein. Es gibt ein paar Rebsorten, mit denen sich der Rudl leichter tut als Riesling. Gerade deshalb ist ihm dieser eine Herausforderung. Das aktuelle Trara um Riesing im Allgemeinen und deutschen Riesling im Speziellen erleichtert dem Rudl die Aufgabe zwar nicht gerade. Aber das ist auch nicht die Aufgabe oder Absicht von einem Trara. Und ganz ausschließen würde es der Rudl sowieso dann auch wieder nicht, dass so ein Gewächs von einem Schieferterroir des nördlichen Nachbarlandes einmal in seinem Regal steht, weil …

  • Riesling Johannisberg 2016, Geyerhof, Oberfucha, Kremstal, rechtes Donauufer (4,50/7)

  • Riesling Kirchensteig 2020, Geyerhof, Oberfucha, Kremstal, rechtes Donauufer (6/9)

    Der Grüne Veltliner Steinleithn ist über die Jahre, um nicht zu schreiben Jahrzehnte, ex aequo mit dem Grünen Veltliner Spiegel vom Mantlerhof der Lieblingsveltliner von Caviste Rudolf Polifka. Das ist in vielen Durchgängen verdeckt sensorisch ermittelt worden. Das sind auch die beiden Weine, die der Rudl mit Abstand am öftesten als Gastgeschenke für französische Weinmeister mitnimmt. Als der Rudl auf den Riesling Kirchensteig zum ersten Mal aufmerksam geworden ist, hat er diesen für einen Grünen Veltliner gehalten. Das kann man als Inkompetenz betrachten. Aber aus der Tastatur vom Rudl ist es ein Kompliment.

  • Riesling Kirchensteig 2017, Geyerhof, Oberfucha, Kremstal, rechtes Donauufer (6/9)

  • Riesling Wieland 2017, Mantlerhof, Brunn im Felde, Kremstal (6/9)

  • Riesling Grand Cru Pfingstberg 2014, Domaine Valentin Zusslin, Orschwhir, AOP Alsace Grand Cru (10/15)

  • Riesling 1977, Weingut Knoll, Unterloiben, Wachau (10/15)

    einer der ersten Weine, die am Weingut Knoll in Bouteillen gefüllt worden sind

Dienstag, 16. Mai von 17 bis 21 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Der 27. Jänner, der Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz, muss zu einem gesamteuropäischen Feiertag erklärt werden. Wer das Richtige feiert und weiß, was er dabei tut, ist nicht nur kein Würstel, sondern wird sich auch leichter tun, den Angriffen der Heimatparteien auf Demokratie, Menschenrechte und Aufklärung etwas Wirksames entgegenzusetzen.

Unkünstlich grüßt Herr Rudolf!

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

3. Etappe: Terroirs aus der Erdneuzeit als Analogie zu dem, was viele als „künstliche Intelligenz“ bezeichnen, am Dienstag, den 9. Mai von 17 bis 21 Uhr

Wird aus nix wirklich nix?

Bei Gestein aus dem Paläozoikum und aus dem Mesozoikum ist es verhältnismäßig einfach. Kalkablagerungen von irgendwelchen alten Meeren kann man mit einer chemischen Formel definieren. Bei Gneis oder Granit ist es nicht viel anders. Bei den Terroirs aus dem Känozoikum schaut das etwas anders aus. Steine sind halt einmal alt. Das zeichnet sie irgendwie per definitionem aus. Die maßgeblichen erdneuzeitlich geprägten Terrroirs zeichnen sich jetzt weniger dadurch aus, dass sie materialtechnisch etwas Neues zu bieten hätten. Das soll kein Grund zum Kulturpessimismus sein. Känozoisch geprägte Terroirs könnte man in einem Mangel an Gewogenheit mit einem Remix in der Musik vergleichen, nur dass beim Terroir nicht irgendein Blechtrottel für die Mischung zuständig ist. Schauen Sie, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, das ist auch so etwas, was der Rudl lustig findet. Zu dem, was man früher einen „Blechtrottel“ genannt hat, sagt man heute „K.I.“. Aber noch keiner von den Oberministranten des digitalen Fortschritts hat Citoyen Rudolf Polifka halbwegs schlüssig erklären können, was das „intelligente“ am maschinellen Lernen sein soll. Unter Intelligenz versteht der Rudl Kreativität, Unberechenbarkeit und vor allem Nein!-Sagen. Ein intelligenter Mensch kann, wenn er mit seinem Latein am Ende ist, sämtliche Prämissen und Programme entsorgen und sich quasi aus dem Nix eine ganz neue Arbeitshypothese saugen. So ähnlich muss das doch gewesen sein, als die Theorie von der Erde als Scheibe oder das geozentrische Weltbild an Tragfähigkeit verloren haben. Für die Apparatschiks vom Papst abwärts konnte nicht sein, was nicht sein durfte. Und für die sogenannte „K.I.“ wäre das ganz genau. Was nicht in irgendeiner Weise – vom Rudl aus halt auch über fünfzehn Hausecken – aus einem Computerprogramm resultiert, gibt‘s ned. So ähnlich mischt der Blechtrottel Musik neu, dem Rudl seinetwegen kann er auch komponieren. Ein deutsches Schmalzbauernduo hat das in den Achtzigerjahren erfolgreich praktiziert. Freiwillig anhören wird sich der Rudl so etwas aber auch in Zukunft nicht, selbst wenn vielleicht mehr halb so viel Schmalz aus dem Blechtrottel rinnt.

Die erdneuzeitlich geprägten Weingärten erfinden weder den Kalk noch den Granit neu, aber sie bleiben an Kreativität, was mechanische Misch-, Verfrachtungs- und Zerkleinerungsverfahrenbetrifft, wenig schuldig. Da wird Material von Gebirgsbächen angeschwemmt, etwa für die Vignes de Paradis am Südufer vom Genfer See aus dem Chablais-Gebirge. Andere Böden sind auf Gletschermoränen angetanzt. Wieder andere verdanken sich Vulkanismus. An größeren Bächen hat Süßwasser oft in den Kurven über die Jahre Terrassen angeschichtet, an Meerufern Salzwasser und manchmal auch beides zusammen. Das ist dann Brackwasser. Apremont wiederum – dort liegen die Weingärten der Giachinos – ist das Resultat einer Katastrophe, die sich am 24. November 1248 zugetragen hat. Da sind Tonnen vom Mont Granier dem Ruf der Gravitation gefolgt und nach unten gedonnert. Ganz lange ist diese Stätte der Verwüstung dann sich selbst überlassen gewesen. Irgendwann hat man sie wieder besiedelt und in weiterer Folge die Weingärten der Crus Apremont und Abymes angelegt.

Steine

… sind dem Rudl mehr oder weniger in die Wiege gelegt worden. Umso mehr wundert er sich, dass sie ihn immer noch begleitet. Jedoch wäre Caviste Rudolf kein solcher, gälte sein Steininteresse nicht in erster Linie Steinen, auf denen Wein wächst. Das ist für ihn etwas vom Faszinierendsten, das Wein einem schenkt. Dafür ist er dankbar.

Nächste und letzte Station: Känozoikum, Erdneuzeit

  • Welschriesling 2021, Dankbarkeit, Podersdorf, Neusiedlersee (2,50/4)

  • Riesling Wieland 2019, Mantlerhof, Brunn im Felde, Kremstal (6/9)

  • Pinot Gris 2017, Les Vignes de Paradis, Ballaison, IGP Vin des Allobroges (5/8)

  • Prieuré Saint Christophe Blanc 2018, Giachino, Fréterive (6,50/10)

  • Marius & Simone 2020, Giachino, Chapareillan, Vin de France (4,50/7)

  • Dankbarkeit Rot 2018, Podersdorf, Neusiedlersee (3/5)

  • Prieuré Saint Christophe Rouge 2019, Giachino, Fréterive (6,50/10)

Dienstag, 9. Mai von 17 bis 21 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Der 27. Jänner, der Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz, muss zu einem gesamteuropäischen Feiertag erklärt werden. Wer das Richtige feiert und weiß, was er dabei tut, ist nicht nur kein Würstel, sondern wird sich auch leichter tun, den Angriffen der Heimatparteien auf Demokratie, Menschenrechte und Aufklärung etwas Wirksames entgegenzusetzen.

Neuzeitlich, aber meistens unzeitgemäß grüßt Herr Rudolf!

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Weine von erdmittelalterlich geprägten Terroirs: Trias, Jura, Kreide, am Dienstag, den 2. Mai von 17 bis 21 Uhr

Herrn Rudls Gespür für Stein

Caviste Rudolf Polifka befindet sich auf einer dreietappigen oenologisch-geologischen Zeitreise vom Erdaltertum über das Erdmittelalter in die Erdneuzeit. Angestrebter Sinn des Unterfangens: Sie, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, sollten die Möglichkeit haben, einen allfälligen roten Faden, der Weine unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlichen Alters und unterschiedlichen Stils miteinander verbindet, erschmecken zu können, wenn Sie das wollen … und wenn es so einen gibt. Haben Sie keine derartigen Ambitionen, ist das selbstverständlich mindestens genauso in Ordnung. Niemand soll sich gedrängt fühlen, in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils über Wein fachsimpeln zu müssen. So g‘scheit ist es eh nicht immer, was über Wein gesprochen wird. Und gar nicht so selten korreliert der Grad an Inkompetenz mit zunehmender Lautstärke des vorgetragenen Sermons. Warum soll das beim Wein anders sein? Seinerzeit hat es das Alte Testament schon gewusst, dass Gott nicht im Lauten, im Sturm und im Getöse ist, auch nicht im „Sch-a-rillen“, wie der Trainer im Blutrausch so schön sagt, sondern in einem „sanften Sausen“ ist (1 Kön 18,12). Im Gezwitscher, Geschnatter und Geshitstorme der angeblich sozialen Medien hat Gott nicht viel zu sagen. Und so sehen die auch aus.

Steine

Den Rudl faszinieren, wie geschrieben, Steine. Diese Begeisterung ist ihm mehr oder weniger in die Wiege gelegt worden. Umso mehr wundert er sich, dass sie ihn immer noch begleitet. Jedoch wäre Caviste Rudolf kein solcher, gälte sein Steininteresse nicht in erster Linie Steinen, auf denen Wein wächst. Das ist für ihn etwas vom Faszinierendsten, das Wein einem schenkt. Dafür ist er dankbar.

Nächste Station: Mittelalter, Erdmittelalter, wenn Sie es genau wissen wollen.

Kalk. Persönlicher Zugang

Weit davon ist der Rudl entfernt, dass er alles, was unter dem Terminus „alte Schule“ oder etwas versöhnlicher anglifiziert „old school“ firmiert, als erstrebenswert erachtet. Eher im Gegenteil hat sich der Rudl für den Beruf des Schulmeisters entschieden, weil er den Beweis erbringen wollte, dass die alte Schule der Achtzigerjahre eben gerade nicht der pädagogischen Weisheit allerletzter Schluss gewesen ist. Und bei aller gebotenen Selbstkritik, findet der Rudl, dass es ihm das eine oder andere Mal gelingt, diesen Beweis zu erbringen. Nur beschleicht ihn manchmal der Verdacht, dass das Aufbrechen des pädagogisch-erzieherischen Betons von früher heute seinerseits zu Ideologie und Beton erstarrt ist. Musste der Rudl etwa Ende der Neunzigerjahre noch kämpfen, um Feedback in seinen Klassen durchführen zu dürfen, werden seine Nerven heute mit ständig neuen „Qualitätssicherungstools“ gesägt, alles auf digital betonierten Plattformen, streng borniert und datenschutztechnisch maximal misstraulich. Da könnte man sich fast nach der Schule von Kalk und Schiefertafel sehnen. Weniger pädagogischer Beton scheint es heute nicht zu sein, vielleicht war er früher rechts angerührt und ist das heute in die andere Richtung. Lebendig ist er nicht, der Beton der Qualitätssicherer, Bildungsexpertinnen und -experten.

Ein Grund zu einem Zurück in die Pädagogik der Achtzigerjahre ist das nicht, aber ein Plädoyer für mehr tatsächliche Eigenverantwortung und weniger Duckmäusertum.

Wenn wir grad bei Tieren sind …

Da sind es vor allem die Dinausaurier, die mit dem Kalk des Erdmittelalters in Verbindung gebracht werden, beziehungsweise deren Aussterben am Ende der Kreidezeit. Aber das ist jetzt auch schon wieder sechsundsechzig Millionen Jahre her. Damals hat das Erdmittelalter geendet, am 1.1. 65 997 977 vor Chr. oder so muss das gewesen sein. Die Viecher in den Meeren müssen diesen Jahreswechsel verschlafen haben. Sie haben es sich auch danach nicht nehmen lassen, Hügeln, Berge und Gebirge aufzuschichten. Das Leithagebirge zum Beispiel. Aber da ist man dann schon in der Erdneuzeit, ohne Tyrannosaurus Rex, Triceratops und Ankylosaurus Letzterer war übrigens ziemlich groß, hat aber ein Hirn etwa im Ausmaß einer Walnuss gehabt. Damit wäre der Rudl jetzt wieder bei der neoliberalistischen Bildungspolitik.

So oder so, Caviste Rudolf respektiert die Zäsur des 1.1. 65 997 977 vor Chr. und kredenzt am kommenden Dienstag ausschließlich Weine von Terroirs, die das Erdmittelalter geprägt hat. Trias (vor 230 – 195 Millionen Jahren), Jura (vor 195 – 137 Millionen Jahren), Kreide (vor 137 – 66 Millionen Jahren). Kalk vom Baskenland bis in den Weingarten des Herrn Fritz in Gumpoldskirchen. „So schaut‘s aus“, sagt er und schaut obe.

  • Zierfandler 2021, Friedrich Kuczera, Gumpoldskirchen, Südbahn (2,50/4) – Kreide

  • Ceux d‘après 2021, Côteaux des Girondales, Villaz, Haute-Savoie, Vin de France (4,50/7) – Altesse und Chardonnay von einem einzigartigen Terroir, auf dem ganz, ganz lang keine Reben gewachsen sind und dessen gesammelte Kräfte dieser Wein von Monsieur Françis aufgesaugt hat.

  • Altesse 2017, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOP Roussette de Savoie (3/5) – Jura

  • Big Bang 2020, Domaine de l‘Aitonnement, Aiton, IGP Vin des Allobroges (6/9) – Jura. Jacquère und Altesse. In den Vierzigerjahren ist das noch ein Paradeterroir für ganz alte Mondeusereben gewesen. Dann hat diese ausgesetzten, steilen Weingärten niemand mehr bewirtschaften wollen und die Landflucht den Rest erledigt, bis Maxime Dancoine 2016 ein paar Weingärten zurückgewonnen hat. Der Rudl freut sich schon, wenn dann Mondeuse Grise, Blanc de Maurienne oder Joubertin Noir im Ertrag sein werden. Maxime weiß, was er tut.

  • Irouléguy Blanc 2018, Domaine Ilarria, AOP Irouléguy, Sud Ouest (5/8) – Jura

  • Néphèle 2020, Laroque d‘Antan, Laroque des Arcs bei Cahors, Sud Ouest (8/12) – Jura

    Sauvignon Gris, Sauvignon Blanc, Mauzac Vert, Mauzac Rose und Verdanelle – der neue Jahrgang der berühmten Bodenforscherfamilie Bourguignon zum ersten Mal glasweise beim Rudl

  • Gamay 2018, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOP Vin de Savoie (3/5) – Jura

  • Weißburgunder 1971, Fehlmann, Falkenstein, Veltlinerland – Weinviertler Klippenzone des Urmeers, Kalkinsel Falkenstein

Dienstag, 2. Mai von 17 bis 21 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Der 27. Jänner, der Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz, muss zu einem gesamteuropäischen Feiertag erklärt werden. Wer das Richtige feiert und weiß, was er dabei tut, ist nicht nur kein Würstel, sondern wird sich auch leichter tun, den Angriffen der Heimatparteien auf Demokratie, Menschenrechte und Aufklärung etwas Wirksames entgegenzusetzen.

Leise, aber nicht kreidefressend grüßt Herr Rudolf!

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien