Loire! Von ganz oben bis ganz unten, von veredelten und von nicht veredelten Rebstöcken und vom ältesten vor-reblausigen Weingarten Frankreichs, Donnerstag, 23. April von 17 bis 21 Uhr

Dem Rudl sein Pflaster sind die Bergetappen. Radtechnisch ist das Bild des Pflasters hier zugegebenermaßen etwas „patschert“, denn es weckt Assoziationen an die Gegend nordöstlich von Paris, wo die Radler vergangenen Sonntag unterwegs waren. Aber das Lied, in dem der Herr Kurt dem Vorgängergeschäft der Weinhandlung Rudolf Polifka et fils ein Denkmal gesetzt hat, legitimiert das „Pflaster“ wieder. So oder so, ist der Rudl franco-oenologisch in den Bergen daheim. Die Region Savoyen und die Appellation Irouléguy – so war es von Anfang an und so wird es bleiben. Aber neben den Bergetappen hat der Rudl sehr gezielt bestimmte Weine aus dem Rest von Frankreich angeboten. Das war auch von Anfang an so. Ziel der allererste oenologische Dienstreise, die der Rudl nicht als Endverbraucher durchgeführt hat, war die Domaine André Michel Brégeon im Muscadet.

Nachdem sich der Rudl vergangene Woche mit dem Süden auseinandergesetzt hat, widmet er sich kommender Woche dem hohen Norden Frankreichs, präziser ausgedrückt den nördlichen Weingärten, noch präziser den nördlichen Stillweinappellationen. Dabei spaziert er quasi der Loire entlang vom Oberlauf bis fast zum Meer. Diese Gegend wird gerne als „Loiretal“ bezeichnet. Auch im Französischen spricht man von „Val de Loire“. Jetzt muss der Rudl zugeben, dass er Savoyen und den Südwesten deutlich besser kennt als die Loire. Aber das eine oder andere Mal ist er in Pouilly, in Sancerre oder in Anjou schon unterwegs gewesen. Und was an dieser Gegend ein „Tal“ sein soll, wollte sich ihm bis jetzt nicht erschließen. Da nimmt der Rudl noch eher dem Leithagebirge das „Gebirge“ ab als der Gegend neben der Loire das „Tal“. Viel mehr als ein paar Bodenwellen, die verhindern, dass der Bach links oder rechts ausrinnt, hat der Rudl dort bis jetzt nicht wahrgenommen. Aber egal.

  • 2024 Roussanne de la Madone, Les Vins de la Madone, Champdieu IGP Urfé, (6/9)

Viel näher kommt man oenologisch an die Quelle der Loire nicht hin. 1997 hat Gilles Bonnefoy mitten im Vulkanland der Auvergne auf dem und um den Volcan de Purchan ein Weingut gegründet. Biodynamische Bewirtschaftung war von Beginn an selbstverständlich. Gilles Bonnefoy ist heute noch davon begeistert, wie lebendig sich die Biodynamie an Blättern, Trauben und im Wein manifestiert. Vulkanisches Basaltgestein, durchschnittliche Stockdichte von 5700 am Hektar, Höhe zwischen 450 und 600 Meter. Hektarertrag von zwanzig Hektolitern, Handlese, keine Malo, was bei Roussanne ungefähr so oft vorkommen dürfte wie eine Malo bei Riesling. Gegen Schwefel hat der Weinbauer Gilles Bonnefoy nicht grundsätzlich etwas, gegen zu viel Schwefel aber sehr wohl. Darum bleibt er deutlich unter den Limits für demeterzertifizierte Weine. 1700 Flaschen etwa gibt es von diesem Wein, drei davon noch in der Weinhandlung Rudolf Polifka et fils. Das Weingut empfiehlt den Wein zu gegrilltem Fisch und generell zu allem, was aromatisch nicht zu dick aufträgt.

  • 2023 Mémoire de Madone Vieilles Vignes, Les Vins de la Madone, Champdieu, AOC Côtes du Forez, Massif central (6/9)

Wieder Vulkan, aber mit dieser Rebsorte in diesem Weingarten innerhalb der Appellation. Fünfzig Jahre sind die Reben alt.

  • 2022 Vinifera Sauvignon, Henry Marionnet, Soings (6,50/10)

Henry Marionnet hat nicht gerade eine Affinität zu amerikanischen Unterlagsreben. Darum hat er seinerzeit auf silexhaltigem Ton mit Sand und Kieselsteinen, gleich neben der Loire unveredelte Edelweinreben gepflanzt, Chenin blanc, Romorantin, Gamay und auch Sauvignon blanc.

  • 2020 Provinage, Henry Marionnet, Soings, Loire (12/18)

Und dann hat sich die Gelegenheit geboten, einen wirklich alten Weingarten mit Rebstöcken der Sorte Romorantin zu erwerben. Dieser Weingarten ist zwischen 1820 und 1840, also vor dem Einschleppen der Reblaus gesetzt worden. Eine heute fast ausgestorbene, jedoch traditionelle Rebsorte der Loire. Den Jahrgang 2019 des Weines vom ältesten Weingarten Frankreichs hat der Rudl vor zwei Jahren einmal glasweise offeriert. Das war eine Einzelflasche und die hat den Rudl überzeugt. Jetzt ist der Wein auch im Sortiment verfügbar. Den Zweitausendzwanziger kredenzt der Rudl zum ersten Mal.

  • 2019 Les Coudraies, Domaine des Closiers, AOC Saumur-Champigny, Loire (8/12)

Cabernet franc aus einer prestigeträchtigen Appellation, Nady Foucault (Clos Rougeard) als Berater bei der Gründung des Weingutes und die Ambition, den pursten Ausdruck des Kalksteins der Appellation ins Glas zu bringen. 

  • 2020 Le Réau, Terra Vita Vinum, Anjou, Vin de France, Loire (6,50/10)

Ohne Chenin blanc keine Studienthema über die Loire. Dreißig Tage auf der Maische, dann fünfzehn Monate Ausbau im Betonei und im Holzfass. Das demeterzertifizierte Weingut möchte jeden Wein zu einem einmaligen Erlebnis, das es davor nicht gegeben hat und danach nicht mehr geben wird. Ganz erfolglos ist es dabei nicht. Sand, Lehm, Silt mit Quartz durchzogen.

  • n.v. Marginal. Solera (vendange perpétuelle de melon), Fred Lailler, Gorges, Vin de France, Loire (5/8)

Ein Zitat von Jean-Luc Godard steht am Contre-Etikette: « C’est la marge qui fait tenir les pages. » (Es ist der Rand, der die Seiten zusammenhält.) Angefangen hat das außertourliche, beziehungsweise außermontagneuse oenologische Engagement des Rudls, wie erwähnt, mit der Domaine André Michel Brégeon. Inzwischen hat, wie auch bereits ein paar Mal erwähnt, Fred Lailler das Weingut übernommen, ohne Banken, Versicherungen oder Oligarchen im Schlepptau, wie das bei Übernahmen von Weingütern auch schon vorgekommen sein soll. Ein Wein aus der Rebsorte Melon de Bourgogne, im Solera-Verfahren produziert. Niemand wird annehmen, dass da „Muscadet“ draufstehen darf.

Am 27. Jänner 1945 sind die Überlebenden aus dem Konzentrationslager Auschwitz befreit worden. Was spricht dagegen, den 27. Jänner deshalb endlich zu einem gesamteuropäischen Feiertag zu erklären? Gar nichts!

Vom Ursprung bis zur Mündung grüßt der Rudl!

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien