Goldener Samstag, 23. Dezember von 15 bis 20 Uhr: Dagueneau, Moriondo, Dupasquier und Schaumweine

Der Kalender will es, dass heuer der Heilige Abend auf den vierten Adventsonntag fällt. Damit erübrigt sich für den Rudl der goldene Sonntag. Dafür reist Caviste Rudolf Polifka quasi zurück in die siebziger Jahre. Dort kredenzt er drei außergewöhnliche Weine, die er glasweise entweder noch gar nie oder schon sehr, sehr lange nicht mehr angeboten hat, quasi als besinnlichen Ausgleich zum hektischen Treiben in den Einkaufskathedralen.

Giulio Moriondo. Fast eine Wiederholung

Einen halben Hektar bewirtschaftet der emeritierte Professor des Institut agricole régional du Val d‘Aoste. Seine Forscherfreundschaften, zum Beispiel mit dem Ampelographen Genetiker José Vouillamoz aus dem Valais, pflegt er intensiv. Den Rudl interessiert das Wissen von Weinbauern grundsätzlich. Aber im Keller von Professor Moriondo ist er sich wie in einem Hörsaal vorgekommen. Vom Verhältnis der drei Weinbaugebiete rund um den Mont Blanc zueinander angefangen über den wissenschaftlichen, aber nicht ideologischen Zugang zum Bioweinbau, Geschichte, Volkswirtschaft und selbstverständlich Rebsorten hat Giulio Moriondo in neunzig Minuten einen beeindruckenden Einblick in seine Forschung vermittelt.

In einem Jahrhundert hat das Aostatal über achtzig Percent seiner Rebfläche verloren. Jetzt wächst sie wieder, aber minimal. Dabei haben die steilen Hanglagen, teilweise terrassiert und bis deutlich über tausend Höhenmeter hinauf reichend stets als besonders hochwertig gegolten. Vor allem der Föhn ist ein ganz großer Triumpf, wenn es um das Ausreifen von gesunden Trauben geht. Die gravierenden Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht sind auch kein Schaden. Aber Ende des neunzehnten Jahrhunderts ist es dann zuerst einmal mit Oidium losgegangen, dann die Reblaus und Kriege. Am meisten hat den Rebflächen jedoch die Eisenbahn zugesetzt. Der Zugang zu den deutlich billigeren, weil auf einfacher zu bewirtschaftenden Rebflächen wachsenden Weinen aus dem Piemont hat das Ende für ganz viele vor allem steile Weingärten bedeutet.

Zum Glück war Professor Moriondo die Arbeit im Labor und am Schreibtisch zu wenig. Darum hat er vor knapp fünfundzwanzig Jahren ein paar Parzellen mit alten, steilen Weingartenterrassen erworben. Dort stehen bis über hundertzehn Jahre alte, teilweise wurzelechte Rebstöcke. Wilde Minze und Thymian leisten ihnen Gesellschaft. Die über ein Jahrhundert verschwundenen Rebsorten Neret, Oriou Gris und Blanc Commun hat Giulio Moriondo gemeinsam mit José Vouillamoz wiederentdeckt, den Petit Rouge à baie blanche alleine. Und auf den ist er stolz. Womöglich würde es diese Rebsorte ohne Giulio Moriondo nicht mehr geben. 2007 hat Giulio Moriondo den Petit Rouge à baie blanche in einem alten Weingarten entdeckt. Es handelt sich um eine Weißweintraube. Sie ist auf natürlichem Weg aus dem Petit Rouge, quasi der Rebsorte des Aostatals, mutiert. Den Weingarten, in dem Moriondo den weißen Petit Rouge aufgespürt hat, gibt es wie viele andere alte Weingärten im Aostatal nicht mehr, auch weder Grund zur Freude noch zu Verständnis für den Professor. Aber vor dem Verschwinden des Weingartens, in dem Signore Moriondo den Petit Rouge à baie blanche vor ebendiesem Schicksal bewahrt hat, haben ein paar Edelreiser von dieser Rebsorte den Weg in den Garten vor dem Haus des Professors gefunden, sechshundert Meter über dem Meer, südlich ausgerichtet. Der Boden ist das Resultat einer zeitversetzten Kooperation aus Gletscher und Bach, längere Zeit der einzige Weingarten mit dieser Rebsorte weltweit. Der Chemiekasten spielt bei Giulio Moriondo keine Rolle.

Père Joseph

Giulio Moriondo hat diesen Wein nach seinem Lehrer Pater Joseph Vaudan (1925-2008) benannt. Vaudan gilt als Personifizierung der oenologischen Beziehungen zwischen Schweizer Wallis und dem Aostatal, sowie als Initiator der Wiedergeburt des Weinbaus im Aostatal in den fünfziger Jahren.

Père Joseph ist am 26. September 2018 bei voller Reife streng selektiv gelesen worden. Sehr sanfte Pressung, ähnlich vorsichtig die Schwefelung, fünf Gramm pro Hektoliter. Dann hat der Wein spontan zu gären begonnen. Zweimal ist der Père Joseph umgezogen, das erste Mal nach der Gärung, das zweite Mal am 8. Dezember 2021 beim Abfüllen in die Flascherln. Keine Klärung, kein Filter und auch keine Stabilisierung.

Mehr Goldreflexe als Grünreflexe – im Aostatal ist es heiß. Intensität, Blumenwiese, Würze, balsamisch und ein Batzen Steinigkeit. Giulio Moriondo empfiehlt Père Joseph genauso zu Fisch in Saucen wie zu reifem Käse. Dem Rudl seine Lieblingsweinzeitschrift schreibt von „pureté cristalline“ (kristalliner Reinheit).

Blanc Fumé de Pouilly, Domaine Didier Dagueneau, Saint Andelain, AOC Blanc Fumé de Pouilly, Centre Loire

Der Einstiegswein in das Sortiment der Domaine Didier Dagueneau, gewachsen auf vier Parzellen. Kreidiger und rauchiger Sauvignon mit Zitrusaroma, … soweit die Weinbeschreibung des Weingutes selbst. Austerität in der Jugend, Raffinesse und Persistenz, die ihresgleichen länger suchen, mit entsprechender Reife. Zitrusaromen, Würze und Rauchigkeit von den Silex-Böden rund um Saint Andelain – no na. Salzig, würzig und Dass der Wein ein großes Lagerpotential hat, ist vom Rudl empirisch überprüft worden. Louis-Benjamin Dagueneau hat 2013 die Hälfte der Lese geopfert, weil er ausschließlich gesunde und reife Trauben verarbeitet. Ausgewogenheit und Präzision sind nicht die Resultate puren Zufalls.

Benannt ist der Wein nach der ursprünglichen Bezeichnung für die Appellation, die alle anderen heute Pouilly Fumé heißen.

 

Musik

Die Noten auf dem Etikett sind die Komposition eines Freundes von Didier Dagueneau. Es handelt sich dabei um ein Thema von Georges Brassens und die Interpretation des Komponisten.

In gewisser Weise macht die Domaine Didier Dagueneau all das, was Monsieur Rudolf am Zugang zu Wein so mag:

Biodynamische Arbeitsweise, ohne Zertifizierung. Qualitäts-, Präzisions- und Sauberkeitsbesessenheit, die man als das akkurate Gegenstück zu vielem, was Modewellen heute so vorbei treiben, verstehen kann.

 

Didier Dagueneau

Über die Person des Meisters kann Ihnen der Rudl bedauerlicherweise nur das erzählen, was er gelesen hat. Darum beschränkt sich der Rudl hier auf die Begriffe Parzellenspezifizierung, Detailverliebtheit und Nonkonformismus. Der Weg des geringsten Widerstandes war nicht seiner. Auf halbem Weg stehen geblieben ist er auch nicht.

Didier Dagueneau hat nicht mehr gelebt, als der Rudl zum ersten Mal auf sein Weingut gekommen ist. Den Weinen des Jahrgangs 2007 ist der Rudl damals mit großer Ehrfurcht gegenüber gestanden. Die waren noch vom Meister selber vinifiziert worden. Beeindruckt war der Rudl damals aber auch vom Keller. In einem Operationssaal wird es nicht viel reiner zugehen. Und wenn der Rudl hier „reiner“ schreibt, dann meint er nicht „ordentlicher“ oder „zusammengeräumter“, er meint „reiner“. Monsieur Rudolf ist Reinheitsfetischist. Für ihn kann etwas nach außen ruhig schlampig und unzusammengeräumt ausschauen, aber rein muss es sein.

Modernste Kellertechnik kombiniert mit äußerst altmodischer Weingartenarbeit, so wird der Zugang von Dagueneau gerne beschrieben. Seit Didier Dagueneau 1982 begonnen hat, ist Sauvignon Blanc nicht mehr dasselbe, die Appellation sowieso nicht.

Heute führen die Kinder Didiers das Weingut mit zumindest demselben Ausmaß an Mut, Passion und Präzision. Viele waren es nicht, die ihnen das 2008 zugetraut haben.

 

Marestel Fleur D‘Altesse, Dupasquier

Dieses Konzentrat machen die Dupasquiers nur in ganz bestimmten Jahren und dann auch nur mit besonders erlesenen Beeren aus jenen Lagen, die für den Cru Marestel zugelassen sind. Mit dem Jahrgang Zweitausendfünf ist der Rudl auf diesen Wein aufmerksam geworden. Davor dürfte es eine Fleur d‘Altesse 2000 gegeben haben, danach 2009 und 2014. Wenn Herrn Rudolf nicht alles täuscht, hat er diesen Wein seit 2015 oder 2016 nicht mehr getrunken, ausgeschenkt auch nicht. Keksebegleiter, aber auch Kekseersatz.

  • Père Joseph 2018, Giulio Moriondo, Quart, Vallée d‘Aoste, Italien (10/16)

  • Blanc Fumé de Pouilly 2013, Domaine Didier Dagueneau, Saint Andelain, AOC Pouilly Fumé, Loire (12/18)

  • Marestel „Fleur d‘Altesse“ 2009, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOC Vin de Savoie (6,50/10)

  • Von den Schaumweine aus Savoyen und Hoch-Savoyen gibt es noch etwas, Marestel 2016 und 2017 auch noch.

Goldener Samstag, 23. Dezember von 15 bis 20 Uhr – in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Der 27. Jänner, der Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz, muss zu einem gesamteuropäischen Feiertag erklärt werden.

Monsieur Rudolf freut sich!

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien
www.wein-polifka.at

Schaumweine aus Savoyen, Glasweis-Première für Les Perles du Mont Blanc 2019 und Marestel-Vertikale, Dienstag, den 19. Dezember von 16 bis 20 Uhr

Schaumwein

Vor drei Jahren ist es gewesen, aber dem Caviste Rudolf ist es wie vorgestern. Da ist dem Rudl knapp vor Weihnachten der Schaumwein ausgegangen. Das darf nicht sein. Darum achtet der Rudl seither wie ein Haftlmacher, stets zwei oder besser drei kompetente Schaumweine in einer Quantität, die keinen Anlass zur Unruhe bereitet, im Keller liegen zu haben. Momentan sind es deren drei, und alle drei stammen sie aus der Weinbauregion Savoyen. Politisch korrekt sei ergänzt, dass die Perles du Mont Blanc aus dem Département Haute-Savoie kommen. Aber weinadministrativ sind Savoyen und Hoch-Savoyen eine Einheit. Da passt kein Blattl Papier dazwischen.

Les Perles du Mont Blanc, Dominique Belluard und Domaine du Gringet

Letzter Schaumwein aus diesem Haus – Franck Balthazar und Vincent Ruiz haben sich aussschließlich auf Stillwein verlegt. Vierunzwanzig Monate „sur lattes“, ohne Dosage, reiner Gringet. Das Relief des Mont Blanc ziert nicht aus purem Zufall das Etikett. Kristallklare Präzision, wenn Sie, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, den Rudl fragen.

Marestel. Eine Wiederholung

Ergänzt werden die drei Schaumweine von drei Jahrgängen eines der unterschätztesten Weine im Sortiment vom Rudl. Eine Altesse Cru Marestel von Dupasquier. Der Rudl hat Ihnen das ein-, zweimal erzählt: Dieser Wein ist nach Claude Marestel, einem Berater von Emmanuel-Philibert aus dem sechzehnten Jahrhundert benannt. Marestel war ein Berater, der sehr genau gewusst hat, was seine Leistung war: der Rat, rund um das Château de Lucy Altesse-Reben zu pflanzen!

Caviste Rudolf wird immer wieder gefragt, was ihn denn so an französischen Weinen begeistere und worin er den Unterschied im Vergleich zu Weinen anderer Provenienz sehe. Genau in dem, was Menschen wie der Berater Claude Marestel bereits vor fünfhundert Jahren geleistet haben: ein in Frankreich ganz besonders stark ausgeprägtes akribisches Bemühen herauszufinden, welche Rebsorte mit welchen kulturellen Techniken wo am besten gedeiht. Dieses Bemühen findet man nicht überall in Frankreich, da und dort findet man es auch außerhalb davon. Aber so stark, wie es die landwirtschaftliche DNA von Frankreich geprägt hat, scheint es dem Rudl kaum wo zu sein.

Neben den für Altesse charakteristischen Erinnerungen an Haselnüsse, Mandeln und Honig möchte der Rudl vor allem das ausgeprägte Reifepotential des Marestel der Dupasquiers hervorheben.

  • Don Giachino (méthode traditionelle) 2018, Giachino, Chapareillan, AOP Vin de Savoie (4,50/7)

  • Perles D‘Aimavigne (méthode traditionelle), Dupasquier, Aimavigne, AOP Vin de Savoie (4/6)

  • Les Perles du Mont Blanc (Brut zéro) 2019, Dominique Belluard und Domaine du Gringet, Ayse, AOP Vin de Savoie (6/9)

  • Marestel 2017, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOP Roussette de Savoie (4,50/7)

  • Marestel 2016, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOP Roussette de Savoie (4,50/7)

  • Marestel 2012, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOP Roussette de Savoie (5/8)

  • Zumindest am Beginn der Lehrveranstaltung wird es noch das eine oder andere Glasl Grès 2020 von Arretxea und Monsieur Gringet 2020 von Belluard und Domaine du Gringet geben.

und den Weihnachtsbock aus Salzburg Mülln gibt es auch.

Dienstag, den 19. Dezember von 16 bis 20 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22.

Caviste Rudolf Polifka bleibt selbstverständlich der Meinung, dass der 27. Jänner, der Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz, endlich zu einem europäischen Feiertag zu erklären ist.

Herr Rudolf grüßt schaumungebremst!

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Silberner Sonntag (doch), 17. Dezember von 14 bis 17 Uhr: Berater, Bockbier und große(!) Weine

Silberner Sonntag

Jetzt hat der Rudl doch eine Lösung gefunden. Nein, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, der Rudl hat nicht seine Lebensplanung geändert und einen Schnellrhetorikkurs für angehende Fußballtrainer besucht. Letztere kommentieren Maßnahmen, die den Spielverlauf entscheidend zum Positiven verändern, seit ein, zwei Jahren gerne als „Finden von Lösungen“. Fragen Sie bitte nicht den Rudl warum. Bei Lösungen denkt Monsieur Rudolf zuerst an den Chemiekasten. Im Zusammenhang mit Fußball fallen ihm Andreas Ogris und Gerhard Perlak sen. ein. Die haben fast immer eine Lösung vom Verteidiger gefunden. Toni Polster nicht. Das Tor hat er dann aber sehr oft trotzdem gemacht, quasi ungelöst. Aber zurück zum Business. Der Rudl wird am silbernen Sonntag, den 17. Dezember von 14 bis 17 Uhr sein Geschäft aufsperren.

Große(!) Weine

Das ist auch kein Lieblingsterminus vom Rudl. Eigentlich verwendet er ihn nicht. Aber beim Poststudium von Grès 2012 und Le Feu 2012 haben Caviste Rudolf extraordinaire Geschmacksempfindungen ereilt. Der Rudl fällt jetzt auf die Schnelle nicht ein, was er von einem Wein mehr erwarten könnte.

Die Reste der deutlich weniger gereiften Jahrgänge 2016 und 2020 dieser beiden Weine hat der Rudl nicht mit nachhause genommen. Er wird sie am silbernen Sonntag anbieten.

Marestel

Dafür wird der Jahrgang 2012 von einem der unterschätztesten Weine im Sortiment vom Rudl vertreten. Eine Altesse Cru Marestel von Dupasquier. Der Rudl hat Ihnen das ein-, zweimal erzählt: Dieser Wein ist nach Claude Marestel, einem Berater von Emmanuel-Philibert aus dem sechzehnten Jahrhundert benannt. Marestel war ein Berater, der sehr genau gewusst hat, was seine Leistung war: der Rat, rund um das Château de Lucy Altesse-Reben zu pflanzen!

Caviste Rudolf wird immer wieder gefragt, was ihn denn so an französischen Weinen begeistere und worin er den Unterschied im Vergleich zu Weinen anderer Provenienz sehe. Genau in dem, was Menschen wie der Berater Claude Marestel bereits vor fünfhundert Jahren geleistet haben: ein in Frankreich ganz besonders stark ausgeprägtes akribisches Bemühen herauszufinden, welche Rebsorte mit welchen kulturellen Techniken wo am besten gedeiht. Dieses Bemühen findet man nicht überall in Frankreich, da und dort findet man es auch außerhalb davon. Aber so stark, wie es die landwirtschaftliche DNA von Frankreich geprägt hat, scheint es dem Rudl kaum wo zu sein.

Neben den für Altesse charakteristischen Erinnerungen an Haselnüsse, Mandeln und Honig möchte der Rudl vor allem das ausgeprägte Reifepotential des Marestel der Dupasquiers hervorheben.

2020

Jahrgang der Seuche. Diesem Umstand hat der Mantlerhof einen eigenen Wein gewidmet. Den Riesling „Annus horribilis“ hat der Rudl noch im Sortiment. Oenologisch stellt 2020 für den Rudl einen von seltenen drei aufeinanderfolgenden wirklich herausragenden Jahrgängen dar.

2016

Für viele Weinbäuerinnen und Weinbauern eine Seuche der anderen Art. Spätfrost. Einige hat dann auch noch der Hagel maltraitiert. Das Weingut Dorner in Mureck hat aus dieser Not, vor allem aber aus den ganz wenigen übriggebliebenen gesunden Trauben dieses Jahrgangs zu seinem vierzigsten Geburtstag einen der dichtesten Weine dieses Weingutes überhaupt gemacht. Caviste Rudolf Polifka hat ganz großen Respekt vor so einer positiven Haltung und auch diesen Wein noch im Sortiment.

2012

Zumindest in Wien der letzte Winter, der diesen Terminus auch glaubwürdig repräsentiert hat. Vielleicht bis 2023/24? 2012 ist auf den überaus kalten Februar dann auf alle Fälle ein verdammt heißer Sommer gefolgt.

  • Marestel 2017, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOP Roussette de Savoie (4,50/7)

  • Marestel 2016, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOP Roussette de Savoie (4,50/7)

  • Marestel 2012, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOP Roussette de Savoie (5/8)

2020

  • Monsieur Gringet, Dominique Belluard und Domaine du Gringet, Ayse, AOP Vin de Savoie (9/14)

  • Grès, Domaine Arretxea, AOP Irouléguy, Sud Ouest (8/12)

2016

  • Le Feu, Dominique Belluard, Ayse, AOP Vin de Savoie (8/12)

  • Grès, Domaine Arretxea, AOP Irouléguy, Sud Ouest (8,50/13)

und den Bräustübl Weihnachtsbock aus Salzburg Mülln

am silbernen Sonntag, den 17. Dezember von 14 bis 17 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22.

Caviste Rudolf Polifka bleibt selbstverständlich der Meinung, dass der 27. Jänner, der Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz, endlich zu einem europäischen Feiertag zu erklären ist.

Herr Rudolf grüßt herzlich, aber trotz großer Weine rufzeichen- und superlativfrei.

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

 

Vergleichende Montanoenologie – Eisenoxid Highend: 2020, 2016 und 2012 von Le Feu, Belluard und Grès, Arretxea am Dienstag, den 12. Dezember von 16 bis 20 Uhr

Alpen und Pyrenäen

In der Weinbauregion Savoyen und in der Appellation Irouléguy, zusammen sind das zweitausendzweihundert Hektar Rebfläche, ist der Rudl nicht erst seit der Gründung der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils zuhause wie sonst kaum wo. Mehr hätte für ein Geschäft in der Größe jenes vom Rudl auch überhaupt keinen Sinn. Dabei hat sich der Rudl selber über sich gewundert, als ihm aufgefallen ist, dass er in all den Jahren offenbar noch nie versucht hat, Weine aus Savoyen gegen solchen aus Irouléguy antreten zu lassen. Man muss zwar nicht alles vergleichen. Und manchmal, dabei hat sich der Rudl schon erwischt, ist das Vergleichen auch ein Vorwand, beim Heurigen oder im Weinlokal gleich mehrere Gläser auf einmal zu bestellen. Manchmal.

So oder so, höchste Eisenbahn, das Match Pyrenäen v Alpen nachzuholen. Eine Le Feu-Vertikal hatte sich der Rudl für die Vorweihnachtszeit vorgenommen. Dann ist die Lieferung aus Irouléguy gekommen. Da war eine homöopathische Dosis Grès von der Domaine Arretxea drauf, quasi eine vive Aufforderung, die beiden auf stark eisenhältigen Böden gewachsenen Weine aus den Jahrgängen 2020, 2016 und 2012 miteinander zu studieren, in Vier-Jahres-Reifungs-Schritten.

Grès

Siebzig Percent Petit Manseng und nur dreißig Gros. Roter Sandstein mit sehr hohem Eisenoxidanteil – drum ist er auch so rot. Gelesen hat der Rudl, dass es die geologische Vielfalt ist, die Irouléguy auszeichnet. Selber vor Ort aufgefallen ist ihm aber vor allem das intensive Rot im Boden. Vergärung und Ausbau in Zwölftausendliterfässern aus Manhartsberger Eiche von der Fassbinderei Stockinger, zehn Monate. Michel Riouspeyrous hat die geschäftlichen Beziehungen zum Rudl einmal als komplementär zu jener der Domaine Areetxea mit der Fassbinderei Stockinger bezeichnet. Der Grès bekommt dann noch ein Jahr Flaschenreife.

Salzigkeit und Exotik dieses Weins werden von der Familie Riouspeyrous besonders zu Fisch in Saucen, weißem Fleisch und Käse empfohlen.

Le Feu, Dominique Belluard, beziehungsweise Monsieur Gringet, Dominique Belluard und Domaine du Gringet

Hier waren es vor allem eiszeitliche Wasserfälle, die das Eisen aus dem Chablais-Gebirge gespült haben.

Ob Gringet jetzt eine autochthone Rebsorte aus Hoch-Savoyen oder eine Spielart des Savagnins ist, kann Ihnen der Rudl nicht sagen. Dass Gringet sehr spät reift, ist umso unbestrittener. Ungefähr 450 Meter Seehöhe, südliche Ausrichtung, steil. Lange ausgebaut ist der Wein schon immer geworden, im Betonei erst die letzteren Jahrgänge.

Ein paar der Gemeinsamkeiten

Sélection massale, Handlese, ausschließlich indigene Hefen aus dem Weingarten, keine Schönung, rigorose Sparsamkeit im Umgang mit Schwefel, Biodynamie ohne jedes Bröserl Esoterik.

Die neuen Weine aus Irouléguy

Auf der relativ kleinen Palette, die der Rudl vor knapp zwei Wochen entgegennehmen dürfen hat, waren nicht nur drei Flaschen Grès 2020 von Arretxea. Battit Ybargaray legt dem Rudl von jedem Jahrgang seines einzigen Weins Ardan Harri 24 Flascherl auf die Seite. Die Einundzwanziger waren auf dieser Palette. Schwarzer Schiefer und Lehrjahre bei Pierre Overnoy. Die Domaine Ilarria hat bis jetzt noch bei jeder Lieferung an den Rudl mit den Riouspeyrous gemeinsame Sache gemacht, zum Glück auch dieses Mal, in Rosé, Weiß, klassisch Rot und Schwefelgeiz – ganz ohne ist es sich 2021 nicht ausgegangen. Freilich waren auch andere Weine von Arretxea mit von der Partie. Der Rudl freut sich gewaltig.

Anstatt eines Sonderangebots

Dass Caviste Rudolf Polifka kein Freund von Sonderangeboten, Rabatten und Nimm2Zahl3-Aktionen ist, wird Sie, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, wenig überraschen. So etwas verursacht dem Rudl Unbehagen und so etwas erinnert ihn an die ganzseitigen Inserate des Nahrungsmittelmonopoloids in den Boulevardzeitungen. Dem Rudl sein Sortiment ist frei von „super“, „heiß“, „funky“, „freaky“ und „mega“. Es braucht keinen Superlativ und auch kein Rufzeichen.

Ein Weingut ohne Chemiekasten so zu führen, dass ein Haushalt davon leben kann, ist in Savoyen, im Jura und in Irouléguy – aber leider nicht nur dort – schon einmal leichter gewesen. Darum sind auch von den neuen Jahrgängen aus Irouléguy einige Weine im Vergleich zur letzten Lieferung von 2020 teurer geworden. Einige sind beim Rudl auch gleich geblieben. Und beim Rouge Tradition von Arretxea erlaubt sich der Rudl eine markt-non-konforme Preissenkung von 22 Euro auf 19 einhalb, nicht als Treuerabatt, nicht als Abverkauf und nicht als Weihnachtsaktion, sondern quasi als Statement, dass nichts Irdisches sakrosankt ist, schon gar nicht die Gesetze der Märkte.

2020

Jahrgang der Seuche. Diesem Umstand hat der Mantlerhof einen eigenen Wein gewidmet. Den Riesling „Annus horribilis“ hat der Rudl noch im Sortiment. Oenologisch stellt 2020 für den Rudl einen von seltenen drei aufeinanderfolgenden wirklich herausragenden Jahrgängen dar.

2016

Für viele Weinbäuerinnen und Weinbauern eine Seuche der anderen Art. Spätfrost. Einige hat dann auch noch der Hagel maltraitiert. Das Weingut Dorner in Mureck hat aus dieser Not, vor allem aber aus den ganz wenigen übriggebliebenen gesunden Trauben dieses Jahrgangs zu seinem vierzigsten Geburtstag einen der dichtesten Weine dieses Weingutes überhaupt gemacht. Caviste Rudolf Polifka hat ganz großen Respekt vor so einer positiven Haltung und auch diesen Wein noch im Sortiment.

2012

Zumindest in Wien der letzte Winter, der diesen Terminus auch glaubwürdig repräsentiert hat. Vielleicht bis 2023/24? 2012 ist auf den überaus kalten Februar dann auf alle Fälle ein verdammt heißer Sommer gefolgt.

2020

  • Monsieur Gringet, Dominique Belluard und Domaine du Gringet, Ayse, AOP Vin de Savoie (9/14)

  • Grès, Domaine Arretxea, AOP Irouléguy, Sud Ouest (8/12)

2016

  • Le Feu, Dominique Belluard, Ayse, AOP Vin de Savoie (8/12)

  • Grès, Domaine Arretxea, AOP Irouléguy, Sud Ouest (8,50/13)

2012

  • Le Feu, Dominique Belluard, Ayse, AOP Vin de Savoie (8,50/13)

  • Grès, Domaine Arretxea, AOP Irouléguy, Sud Ouest (9/14)

Dienstag, den 12. Dezember von 16 bis 20 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22.

Caviste Rudolf Polifka bleibt selbstverständlich der Meinung, dass der 27. Jänner, der Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz, endlich zu einem europäischen Feiertag zu erklären ist.

Herr Rudolf grüßt herzlich, aber rufzeichen- und superlativfrei.

Pinot Gris, Mick Jagger und der Heilige Nikolaus, Dienstag, 5. Dezember von 16 bis 20 Uhr

Oid & Grau … wie der Heilige Niglo

hat der Herr Kurt gesungen. Der Mick Jagger später auch. Jetzt wird man ihm selber diese Attribute zuschreiben dürfen, gerade so als wie dem Heiligen Nikolaus. Der Rudl ist ja kein direkter Freund des exklusiven Verständnisses von Heiligkeit. Aber der Nikolaus ist in Ordnung. Vielleicht weil er eine Legende ist. Vielleicht war er auch eine historische Person. Aber das ist dem Rudl Powidl. Die Frage, ob etwas historisch oder eine Legende ist, hat für den Rudl sowieso ungefähr so viel Relevanz wie die Frage, ob etwas vegetarisch oder aus Fleisch ist. Mit leiwand oder oasch“ hat der Herr Kurt seinerzeit die entscheidende Frage ganz treffend gestellt. Der Rudl mag Vegetarisches gerade so wie Fleisch unter der Voraussetzung, dass es gut schmeckt und herkunftstechnisch den Kriterien der Herzensbildung, inclusive dem Tierwohl entspricht. Andernfalls findet das Klumpert keinen Zutritt zum Eiskasten vom Rudl. Ähnlich schätzt der Rudl eine gute Legende genauso wie historisch dokumentierte Gutmenschen, währenddessen er Klugscheißer und selbsternannte Heilsbringer aller Provenienz in der Legende genauso wie im richtigen Leben ungefähr so dringend wie einen sogenannten Supermarkt braucht.

Den Heilige Nikolaus schätzt der Rudl überaus, völlig wurscht ob er aus einer Legende oder aus dem richtigen Leben stammt. Und der Graue Mönch, wie man Pinot gris aufgrund seiner Verbreitung durch Zisterziensermönche auch nennen kann, passt dem Herrn Rudolf da gut ins vorweihnachtliche Bild. Dazu kommt natürlich, dass Pinot gris ganz passabel zu vielem, was um diese Zeit gegessen wird, gut passt.

Leopold

Der Leopolditag hat es mit sich gebracht, dass es den Rudl hinausgezogen hat aus der Stadt. Das tut es eigentlich jeden Tag, aber am Wiener Landesfeiertag hat der Rudl diesem Zug keinen Widerstand entgegen gesetzt und sich mit seinem Halbpreispass, wie der Herr Kurt im Intro zu Wos wü de wüde Hüde gesagt hat, in eine ÖBB-Garnitur in Richtung Seewinkel gesetzt, bis nach Frauenkirchen hinunter …

Grauer Burgunder, Pinot Gris, Grauer Mönch, Malvoisie, Ruländer, …

Über die Rebsorte hat Ihnen, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, Caviste Rudolf schon so viel erzählt, dass er sich und Ihnen Darüberhinausgehendes erspart. Dafür, dass es eine der dem Rudl liebsten Rebsorten ist, muss aber auch hier Zeit und Platz sein.

  • Grauer Burgnder 2022, Josef Umathum, Frauenkirchen, Neusiedler See (3/5)

  • Nus Malvoisie. Pinot gris 2021, Les Granges, DOC Vallée d‘Aoste (5/8)

    Im Aostatal heißt der Pinot Gris wie in Savoyen Malvoisie. Acht Monate im Akazienholz. Demeterzertifiziert.

  • Pinot Gris Reserve 2022, Josef Umathum, Frauenkirchen, Neusiedler See (5/8)

  • Pinot Gris Reserve 2015, Josef Umathum, Frauenkirchen, Neusiedler See (6/9)

    sieben Jahre Reife – eine der Eigenschaften, für die der Rudl diese Rebsorte so außerordentlich schätzt

  • Pinot Gris 2017, Les Vignes de Paradis, Ballaison, Haute-Savoie, IGP Vin des Allobroges (6/9)

  • Schiste 2019, Domaine des Ardoisières, Cevins, IGP Vin des Allobroges (8/12)

    40 % Jacquère, 30 % Roussanne, 20 % Pinot gris aka Malvoisie, 10 % Mondeuse Blanche

Dienstag, den 5. Dezember von 16 bis 20 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22.

Caviste Rudolf Polifka bleibt selbstverständlich der Meinung, dass der 27. Jänner, der Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz, endlich zu einem europäischen Feiertag zu erklären ist.

Herr Rudolf grüßt Alt und Grau

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Baskenland, zwei Drittel gereift, ein Drittel zu jung, Dienstag, 28. November von 16 bis 20 Uhr

Caviste Rudolf Polifka freut sich!

Es ist nämlich geschafft. Eine Lieferung aus Irouléguy. Im Juli 2022 ist sie dem Rudl von Battitt Ybargaray (Domaine Xubialdea) und der Domaine Arretxea zugeteilt worden. Und es gibt Weinbaubetriebe, bei denen sich so eine Zuteilung zwischen dem Tag, an dem sie erfolgt, und dem Liefertag bis nahe an den Verlust des Wiedererkennungseffekts verändert. Bei der Familie Riouspeyrous (Arretxea) und bei Battitt Ybargary ist das anders. Ausgemacht und abgeholt, auch wenn dazwischen eineinhalb Jahre und ein Unfall beim ersten Abholversuch liegen.

Allerdings hat Caviste Rudolf Polifka beim Einräumen einer Lieferung in den Keller schon mehr und länger schleppen müssen als bei dieser. Der Rudl wollte aber auf neue Jahrgänge von seinem Lieblingsweingut nicht verzichten. Darum hat er das Transportunternehmen seines Vertrauens strapaziert. Dass sie momentan zuteilungsmäßig noch weniger große Sprünge machen können als sonst, war sowohl Battitt als auch Michel Riouspeyrous bereits im Juli 2022 klar. Dass auch der Jahrgang 2022 quantitativ näher beim Sparefroh als im Schlaraffenland zuhause sein würde, haben sie abgesehen. Dass die ansonsten dort tüchtigen Wolken dann aber erst im April 2023 in sich gehen und sich ihrer Dienstpflichten besinnen würden, konnten und vor allem wollten die baskischen Weinbauern im Sommer davor nicht ahnen. Ab April haben die Niederschläge dann versucht, ihre monatelange Zurückhaltung zu kompensieren, einige im falschen Aggregatszustand. Aber nur beim Dolia haben die absehbaren Engpässe beim Jahrgang 2023 die Flascherlzahl dann noch einmal von zwölf auf sechs reduziert.

Konsequenz

Den Rudl beschleicht sowieso immer ein bissl ein ungutes Gewissen, wenn er einen Wein, der noch nicht den Zenit seiner geschmacklichen Kompetenzen erreicht hat, kredenzt. Wenn es dann von ein paar Weinen eh schon ganz wenig gibt, wäre das ja noch unvernünftiger. Darum schenkt der Rudl dieses Mal nur jene zwei zeitgenössischen Weine, von denen sich auf der Palette eine höhere Flaschenanzahl befunden hat, aus. Weil aber zwei Weine für die vier Stunden von 16 bis 20 Uhr etwas dürftig wären, wird er darüber hinaus zeigen, wie extraordinaire diese Weine reifen. Darum wird er ältere Schwestern und Brüder von neuen Weinen offerieren. Und Sie, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, könnten dann das eine oder andere rare Flascherl der aktuellen Lieferung erwerben, um es später bei optimaler Reife zu genießen und zu studieren. Denn dann gibt es diesen Wein im Handel nämlich ganz sicher nicht mehr.

gereift

  • Jurançon sec „Vitage Vieilh“ 2005, Domaine Lapeyre, (aus der Magnum), AOC Jurançon sec, Sud Ouest (4,50/7) – quasi ein Gastreferent aus der Nachbarappellation Jurançon sec, kein Baske, sondern ein Béarnaiser, aber die gleichen Rebsorten und jetzt wahrscheinlich in einem ziemlich passablen Reifezustand. Da sollte der Kork noch dicht sein und die Mansengs, beziehungsweise der Courbu ihre Qualitäten aus dem großen Flascherl heraus ausspielen können. Selbstverständlich biologisch.

  • Hégoxuri 2011, Domaine Arretxea, AOC Irouléguy, Sud Ouest (7/11) – eine Dekade älter als der Hégoxuri, den der Rudl jetzt gerade neu bekommen hat

  • Irouléguy Blanc 2013, Domaine Ilarria, AOC Irouléguy, Sud Ouest – neun Jahre älter als der aktuelle Irouléguy blanc von Ilarria

  • Hégeoxuri Grès-Schistes 2010, Domaine Arretxea, AOC Irouléguy, Sud Ouest (9/14)

    Der zweite und letzte Jahrgang von diesem Wein – ab 2011 hat Michel Riouspeyrous das Sandsteinterroir (Grès) und den Weingarten der auf Schiefer steht (Schistes) dann separat ausgebaut. Vor 2009 hat es sowieso ausschließlich den einen Hégoxuri als geologische Mischung aus Sandstein, Schiefer und vulkanischem Ophite gegeben. Jetzt bietet Caviste Rudolf eine ganz kleine Menge Schistes 2020 und Grès 2020 an (eine Flasche / Kundin, resp. Kunde). Wie beide zusammen nach zehn Jahren schmecken könnten, macht der Rudl diese Woche empirisch zugänglich.

  • Irouléguy Rouge 2018, Domaine Ilarria, AOP Irouléguy, Sud Ouest (5/8)

  • Irouléguy blanc 2022, Domaine Ilarria, AOP Irouléguy, Sud Ouest (6,50/10)

  • Rouge Tradition 2021, Domaine Arretxea, AOP Irouléguy, Sud Ouest (4,50/7)

Wenn Caviste Rudolf Polifka vergangene Woche festgestellt hat, dass Gamay auch ganz passabel reifen kann, dann fühlt er sich regelrecht genötigt, den Weinen aus Irouléguy dieselbe Eigenschaft zuzuschreiben, aber mit dem Modalverb müssen.

Dienstag, den 28. November von 16 bis 20 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22.

Caviste Rudolf Polifka bleibt selbstverständlich der Meinung, dass der 27. Jänner, der Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz, endlich zu einem europäischen Feiertag zu erklären ist.

Der Rudl grüßt Alt und Jung, noch mehr aber Reif und Unfreif!

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Jetz‘ aber wirklich! Gamay, Musterschüler, Bandenchefs und Spitznamen … neuer Text, Dienstag, 21. November von 16 bis 20 Uhr

Wieder ein anderer Aspekt von Zeit

Wenn in dieser Stadt etwas am Samstag fertig sein wird, dann bedeutet das noch lange nicht, dass es am Dienstag, der auf ebendiesen Samstag folgt, auch fertig ist. In dieser Stadt regieren der Konjunktiv, die Zukunft und Beton, zumindest seit Fertigstellung der Donauinsel. Das hat der Rudl gewusst. Sein unerschütterlicher Optimismus hat ihn trotzdem für vergangenen Dienstag anlässlich der bevorstehenden Freigabe des berühmtesten Jungweins der Welt eine Lehrveranstaltung zum Thema Gamay ankündigen lassen. Der Rudl war schon heftiger überrascht als in dem Moment, als ihm der Baumeister mitgeteilt hat, dass die Weinhandlung Rudolf Polifka am 14. November noch eine Baustelle sein würde. Der Rudl hofft, durch seinen Leichtsinn niemanden in terminliche Brösel manoevriert zu haben. Am kommenden Dienstag ist es aber so weit. Da steht und liegt den Forschungen rund um die schwer unterschätzte Rebsorte Gamay nichts mehr im Weg.

Professoren, Banden und Naturwein

Dass man die Rebsorte mit dem Schnell! Schnell! um ihre Reputation gebracht hat, wissen Sie, geneigte Oeonolgin, gewogener Oenologe, womöglich schon länger als seit letzter Woche. Gamay ist quasi die Rebsorte am Ursprung der Naturwein- und Bioweinbewegung. In den fünfziger Jahren hat der Chemieprofessor Jules Chauvet – ein wirklicher Professor – in La Chapelle-de-Guinchay im Beaujolais unter Aufbietung seines Wissens als Chemiker ermittelt, wie man es anstellen muss, um ohne Schwefel saubere und präzise Weine machen zu können. Weinbauern aus dem Beaujolais wie Marcel Lapierre, Jean-Paul Thévenet, Jean-Claude Chanudet, Jean Foillard und Guy Breton, aber auch Pierre Overnoy im Jura haben es dann von ihm gelernt. Professor Chauvet soll einmal gesagt haben, er habe zehn Jahre Chemie studiert, um in der Lage zu sein, im Weinkeller auf die Chemie verzichten zu können. Keinen Schwefel zuzusetzen war das Resultat jahrelanger Arbeit im Labor und keine Frage der Weltanschauung oder des Zeitgeistes.

Die Bande

Der Herr Kurt hat ja gerne von einer Bande gesprochen. Und die vier Weinmeister, die Marcel Lapierre in den achtziger Jahren um sich geschart hat, nennt man auch „Bande“. An dieser Bande gefällt dem Rudl nicht nur das Ziel, die Weinbautraditionen von Morgon auf den Kopf zu stellen, sondern auch die Tatsache, dass alle Mitglieder dieser Bande unter einem Spitznamen bekannt sind. In diesem Zusammenhang ist des dem Rudl wieder einmal ein Anliegen, darauf hinzuweisen, dass er einen Verlust der Spitznamen nicht nur feststellt, sondern auch als Ausdruck eines Verlustes an Selbstironie, Zivilisation und letztendlich wohl auch Menschlichkeit diagnostiziert. Alles ernst, alles unglaublich wichtig und wehe, man gibt sich irgendeine Blöße. Da ist es schon ratsam, seinen Lebensmittelpunkt in das Fitnessstudio zu deplacieren und an jedem Eitzerl auf einem hochzuladenden Bild herumzudoktern. Zum Glück gibt es Bildbearbeitungsprogramme, die plastische Chirurgie und To-do-Listen. Man will ernstgenommen weren. Die Reduktion des Lebens auf einen Spiegel, nicht nur für Sechzehnjährige. Da ist es dem Rudl zum …

Ambition

Bedingt durch die Verschiebung der Lehrveranstaltung von 14. auf den 21. November ist dem Rudl die Idee gekommen, für den dritten November 2024 Marcel Lapierres Bande vollständig in den Mittelpunkt zu stellen. Dann sollten auch wieder mehr Weine von Jean-Paul Thévenet verfügbar sein. Auf diesen ist Caviste Rudolf Polifka ja bereits 2021 gestoßen. Damals wollte er auf seiner Suche nach den Weinen der Bergetappen der Tour de France das Zentralmassiv oenologisch erforschen. Er hat es auch getan. Aber die viel gepriesenen Weine der Auvergne haben es ihm so etwas von nicht angetan, dass er auf das nahegelegene Beaujolais ausgewichen ist.

Einzelflaschen

Beim Morgon von der Domaine Marcel Lapierre und beim gereiften Moulin-à-Vent handelt es sich um Einzelflaschen. Caviste Rudolf Polifka hat momentan keinen roten Beaujolais im Sortiment. Dafür bietet der Herr M. am Bacherplatz eine ganze Reihe formidabler Beaujolais an. Davon hat sich der Rudl vergangenen Donnerstag überzeugen dürfen.

  • Morgon Vieilles Vignes 2021, Domaine Marcel Lapierre, AOP Morgon, Beaujolais (6,50/10)

  • Brisûre 2022, Domaine les Cortis, Andert et Condon, AOP Vin de France (5/8)

Die anderen drei Weine von Jérémy Decoster aus dem Bugey hat der Rudl schon glasweise offeriert. Diese Cuvée aus gleichgepresstem Gamay und Altesse folgt dem Bemühen Jérémys nach der idealen Mischung, sei es als Assemblage, sei es als gemischter Satz.

Den Kalk kennt Jérémy aus seinen Lehrjahren in Chablis bei Alice und Olivier De Moor. 2016 ist Jérémy in einem grünen Eldorado sesshaft geworden. Die Weingärten sind zerstreut, dazwischen wächst außer Edelweiß und Kaffee fast alles, keine Monokultur. Jérémy ist ein Freund des Überlegens und erzeugt klare und saubere biologische Weine, mit möglichst wenig Intervention und möglichste viel Tradition im positiven Sinn. Keiner von seinen Weinen ist sortenrein und auch nur der gemischte Satz ist weingartenrein.

  • Gamay 2018, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOP Vin de Savoie (3/5)
  • L‘Esprit Pourpre 2018, Les Petits Riens, Aosta (7/11)
  • Argile Rouge 2018, Domaine des Ardoisières (6/9)

65 Percent Gamay, 15 Mondeuse Noire, 10 Persan

  • Moulin-à-Vent Clos du Grand Carquelin 2009, Château des Jacques (7/11)

    Gamay kann auch sehr gut reifen, wenn man ihn lässt.

Dienstag, den 21. November von 16 bis 20 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22.

Caviste Rudolf Polifka bleibt selbstverständlich der Meinung, dass der 27. Jänner, der Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz, endlich zu einem europäischen Feiertag zu erklären ist.

Der Rudl grüßt die Zeit und alle, die sie sinnvoll zu schätzen wissen.

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Aux Oranges, les Oenologues! Von Andreas Tscheppe und Sepp Muster über die Alpen bis an die südliche Rhône, Dienstag, 7. November von 16 bis 20 Uhr: Orangewein

Geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, versäumen Sie die hilfreiche und oenologisch anspruchsvolle Weinauktion zugunsten des Integrationshauses nicht! Sie werden einen Besuch dieser Veranstaltung ganz sicher nicht bereuen, auch wenn sie dort ausschließlich Weine konsumieren und nichts ersteigern!

Donnerstag, 9. November, Altes Rathaus, Wipplinger Straße 8:

https://www.integrationshaus.at/de/eventarchiv/27-weinversteigerung-zugunsten-des-integrationshauses-kopie

Das Angebot an Weinen, die man glasweise vor Ort zu sich nehmen kann, verspricht, ganz besonders trinkenswert zu sein. Und wie bereits angedroht, wird ein unentschuldigtes Fernbleiben von dieser Veranstaltung vom Rudl mit einem Anruf bei den Erziehungsberechtigten geahndet und kann Ihren Studienerfolg gefährden.

Zeit statt Ort

An dieser Stelle hat Ihnen der Rudl vor einem Jahr Näheres über die Stadt Orange im Departement Vaucluse an der südlichen Rhône mitgeteilt. Darum wird er dieses Mal nicht auf geographische Aspekte, sondern mehr auf die Zeit eingehen.

Eigentlich hat Gerhard Polt zum Thema Zeit im Film „Herr Ober!“ alles gesagt, und das in lyrischer Form. Aber die Lyrik bleibt dem Rudl im Hals stecken, wenn er an die Nahrungsmittelregale im erpresserischen Supermarktmonopoloid denkt. Dort ist die Zeit abgeschafft. Der Faktor Ort in Wirklichkeit auch.

  • Marius & Simone 2020, Domaine Giachino, Chapareillan, Vin de France (4,50/7)

    Eine Wiederholung: Leicht im Alkohol, trotzdem nicht unreif geerntet und absolut sauber. Wenn die Giachinos so etwas wie ein oenologisches Credo haben, dann haben sie zwei: Völliger Verzicht auf den synthetischen Chemiekasten und ein kompromissloses Reinheitsgebot die Abwesenheit von Fehltönen im Wein betreffend. Die Problematik des Chemiekastens kennt Frédéric Giachinos Bruder David von seiner früheren Tätigkeit als Angestellter in einem Oenologie-Labor recht gut. Eine besondere Hochblüte erlebte die Oenologie aus dem Reagenzglas in Savoyen zur und vor der Zeit der Olympischen Winterspiele von Albertville im Jahr 1992. Seither ist der savoyardische Weinbau in der Krise, so die Diagnose von Fréd. Ein paar Jahre länger ist es her, dass der unermüdlich von der Qualität der autochthonen Rebsorten überzeugte Pionier Michel Grisard ganz andere Wege gegangen ist. Und wie für das Gros der heute fast schon unheimlich wachsenden Bioweinszene in Savoyen ist Michel Grisard auch für die Giachinos ein Modell geblieben. Die Wertschätzung zwischen diesen beiden Weinbauern ist übrigens wechselseitig. Darum war der emeritierte Michel Grisard froh, als Clément Giachino, der Sohn von Fréd, 2015 seine steilen Weingärten in Arbin, Cruet und Fréterive übernommen hat.

    Eine fast kristalline Sauberkeit und Präzision in ihren Weinen ist den Giachinos vielleicht gerade auch deshalb ein solches Anliegen, weil sie das destruktive Potential des oenologischen Zauberkastens so gut kennen und wissen, dass dieser Ursache des Problems und nicht Teil seiner Lösung ist.

  • Kåarriegel Weiß 2015, Sankt Andrä/Höch, Sausal, Schiefer (4,50/7)

    Welschriesling klassisch und Grauburgunder auf der Maische vergoren, von Reben eines anderen Weinbaupioniers, Franz Hirschmugl.

  • Les Grandes Jorasses 2020, Dominique Belluard und Domaine du Gringet, Ayse, Vin de France (9/14)
  • Gräfin 2017, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Opok (6,50/10)
  • Erde 2017, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Opok (8/12)

    Mit diesem Wein, aber dem Jahrgang 2005 oder 2006 hat der Rudl zum ersten Mal Bekanntschaft mit Orangeweine gemacht.

  • 1901“ 2021, Le Clos des Grillons, Rochefort du Gard, Vin de France (6,50/10)

    Nicolas Renaud ist eigentlich Geographielehrer gewesen. Wein hat ihn dann noch mehr interessiert. Darum hat er Unterricht im Fach Biodynamie bei Eric Pfifferling (Elsass und Tavel) genommen. Der Weingarten von diesem reinsortigen Bourboulenc ist 1901 gepflanzt worden. Dezente Macération. Rochefort du Gard liegt gar nicht so weit von der Stadt Orange entfernt. Diese hat, wie vor einem Jahr ausführlich dargestellt, mit der beliebten Zitrusfrucht nur volksetymologisch etwas zu tun. Volksetymologie ist, wenn viele Sprachbenutzerinnen und -benutzer eine etymologische Verwandtschaft annehmen, es diese aber gar nicht gibt.

  • Schwalbenschwanz 2021, Elisabeth und Andreas Tscheppe, (9/14)

    Das Weingut hat der Rudl nicht erst einmal vorgestellt. Diesen Wein kredenzt er zum ersten Mal glasweise.

Dienstag, den 7. November von 16 bis 20 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22.

Cycling Caviste Rudolf Polifka bleibt selbstverständlich der Meinung, dass der 27. Jänner, der Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz, endlich zu einem europäischen Feiertag zu erklären ist.

Der Rudl grüßt das Integrationshaus und alle Menschen, die guten Willens sind!

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien