Vergangene Woche hat der Rudl wieder einmal nachgewiesen, dass die landläufig gar nicht so wenig weit verbreitete Meinung, Welschriesling wäre eine Rebsorte für banale Weine ein Unfug ist.
Ein anderes oenologisches Urteil schreibt Weinen aus dem Süden die Eigenschaften plump, alkoholreich und verholzt zu. Caviste Rudolf Polifka möchte dieses Urteil gar nicht kategorisch zurückweisen.
Aber
Die nicht nur für den Rudl interessante Frage ist, ob diese Eigenschaften in Anbetracht der Klimakrise schicksalshaft an diesen Weißweinen picken. Ganz ähnlich fragt dem Rudl seine Lieblingsfachzeitschrift gerade, wie es erklärbar ist, dass rote Châteauneuf-du-Papes tendenziell mit Holz, Marmelade und Alkohol assoziiert werden, während der rote Rayas von ebendort weltweit immer noch als Inbegriff von Finesse gilt.
Was Caviste Rudolf Polifka nicht meint:
Eine ziemlich naheliegende Abzweigung vom Holzweg stellen Vorverlegung der Lese und Blockierung des malolaktischen Säureabbaus dar. Auf diesem Gleis scheinen manche Naturweine aus dem Süden unterwegs zu sein. Dem Rudl fehlt dabei fast immer die physiologische Reife und Harmonie. Ein trockener Wein von der südlichen Rhône oder aus dem Roussillon mit erzwungenen elf Percent Alkohol ist auf gar keinen Fall das, was der Rudl sucht.
Frische aus dem Süden
Es scheint jedoch Wege zu geben, wie man auch bei sengender Hitze lebendig-frische, finessenreiche Weine produzieren kann. Ganz bestimmt hängt das mit Höhenlagen und Hangausrichtung zusammen. Eine Rolle wird auch in der Abkehr von Rebsorten, die Weine nach dem Geschmack von Parker und Kollegen begünstigen (Syrah, Chardonnay) und in der Rückbesinnung auf traditionelle Rebsorten liegen. Das Alter der Weingärten könnte nicht ganz unwesentlich sein. Und eine allzu strenge Ertragsbegrenzung wird auch überdacht, denn wenn das Klima sowieso hochkonzentrierte Weine begünstigt, kann eine zu niedriger Ertrag das Konzentrat noch einmal eindicken, was dann zu Lasten der Finesse geht.
Etliche Weinbäuerinnen und Weinbauern setzen sich in Südfrankreich mit diesen Fragen auseinander, versuchen das eine und das andere, verwerfen manches davon und gelangen auf teilweise unterschiedlichen Wegen zu Weißweinen mit erstaunlich Finesse und Eleganz, wenn Sie den Rudl fragen.
- 2021 Hégoxuri, Domaine Arretxea, Irouléguy, Sud Ouest (6,50/10)
Klar, mit Petit Manseng hat man es in Sachen Frische heute von vornherein leichter als mit Grünem Veltliner. Was den Rudl an den Weißweinen von der Domaine Arretxea aber so begeistert, ist die Harmonie. Viele junge Betriebe der Appellation Irouléguy blockieren den biologischen Säureabbau und erreichen damit dominante Apfelsäurewerte. Die Domaine Arretxea lässt die Malo zu und erzeugt trotzdem elegante Weine. Hégoxuri aus dem kühlen Jahrgang 2021. Jetzt, wo dem Rudl sein Lagerbestand dieses Weins zur Neige geht, beginnt er langsam sich zu öffnen. Wenn Sie den Rudl fragen: ein mehr als triftiger Grund, sich diesen Jahrgang einzulagern.
- 2022 Irouléguy blanc, Domaine Ilarria, Irouléguy, Sud Ouest (6,50/10)
Das Weingut liegt keine zweihundert Meter von der Domaine Arretxea, der Wein unterscheidet sich trotzdem signifikant vom Hégoxuri. Der Weiße von Ilarria wächst auf Kalk und enthält keinen Gros Manseng, dafür überproportional viel Petit Courbu.
- 2022 La Bégou, Maxime Magnon, Durban-Corbières, AOC Corbières, Languedoc (7/11)
Die Hälfte Grenache blanc, vierzig Percent Grenache gris, zehn Carignan gris auf Schiefer und Kalk. Wer wie Maxime Magnon im Beaujolais lernt, hat wahrscheinlich von Haus aus schon weniger Affinität zu Marmelade im Weinglas. Vielleicht sind es – neben den Höhenlagen seiner Weingärten – die Lektionen von Jules Chauvet, die Maxime Magnon ermöglichen, in den Corbières harmonisch frische, fast filigrane Weine zu vinifizieren.
- 2023 Maccabeu, Domaine Ledogar, Ferrals-les-Corbières, Vin de France, Languedoc (5/8)
Zwanzig bis achtzig Jahre alte Rebstöcke, Kalk und biodynamische Bewirtschaftung. Die Weingärten werden von der Familie Ledogar quasi seit ewig bewirtschaftet. Aber erst 1998 haben André Ledogar und sein Sohn Xavier einen Keller gekauft. Dort machen Xavier und seine beiden Brüder jetzt Wein. Maccabeu ist in Nordspanien die verbreitetste Weißweinrebsorte. Im Cava ist sie prominent, von Trockenheit nicht so schnell zu beeindrucken.
- 2021 Côtes du Ventoux blanc, Domaine Fondrèche, Mazan, AOC Côtes du Ventoux, Rhône Sud (3/5)
25 % Grenache blanc, 25 % Clairette, 25 % Roussanne und 25 % Rolle. Kalkgeröll und Höhenklima des Naturparks am Mont Ventoux sorgen in Kooperation mit der biologischen Bewirtschaftung für eine steinige Finesse, wie man sie in dieser Gegen nicht so leicht findet.
- 2021 Châteauneuf-du-Pape blanc, Domaine Pierre André, Courthézon, AOC Châteauneuf-du-Pape, Rhône Sud (10/15)
1996 ist der Rudl nach Banyuls gereist. Im Vorfeld hat er nicht nur analog, sondern auch computerlos mittels sogenannter Korrespondenzkarten erkundet, welche Weingüter dort und auf dem Weg dahin, beziehungsweise retour einen Umweg wert sind. Besonderes Augenmerk hat er dabei auf biologische Weingüter gelegt. Irgendwie ist er dabei auf Pierre Frick aus dem Elsass gestoßen. Der hatte kurz davor eine Biolandwirtschaftsmesse in Colmar organisiert. Von dieser Messe hat er dem Rudl ein Programm geschickt und über dieses Programm hat der Rudl dann Kontakt zum einen oder anderen Weingut gesucht. Die Domaine Pierre André war nicht nur damals schon dabei, sondern arbeitet seit 1963 biologisch, 1992 ist sie biodynamisch zertifiziert worden.
Clairette, Bouboulenc, Roussanne und Grenache blanc – Präzision und Elegance ohne ein Bröserl Plumpheit.
DONNERSTAG, 16. April von 17 bis 21 Uhr
Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils
Reindorfgasse 22
Am 27. Jänner 1945 sind die Überlebenden aus dem Konzentrationslager Auschwitz befreit worden. Was spricht dagegen, den 27. Jänner deshalb endlich zu einem gesamteuropäischen Feiertag zu erklären? Gar nichts!
Rudolf Polifka grüßt harmonisch!
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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien