Der Geburtstag

Irgendein Geburtstag ist das nicht. Helmut Zenker hat das seinerzeit schon gewusst. Vor neununddreißig Jahren. Drum hat er die entsprechende Folge von „Kottan ermittelt“ auch „Der Geburtstag“ genannt. Bruno Kreisky hat weniger weit geblickt und abgesagt (Kottan ermittelt. Der Geburtstag, 2. Szene). Aber im Rückblick ist natürlich jeder leicht gscheit. Außerdem hat Kreisky an diesem Tag selber Geburtstag gefeiert.

Mehr oder weniger öffnet Herr Rudolf jedes Jahr um diese Zeit die folgenden Weine:

Hégoxuri 2012, Domaine Arretxea, AOC Irouléguy, Südwestfrankreich
Lieblingswein. Über ihn hat der Rudl schon das eine oder andere geschrieben. Gros Manseng, Petit Manseng und Petit Courbu die Rebsorten. Der Boden ein Mosaik, wie es Yves Hérody, ZZ Top unter den Geologen, einmal beschrieben hat. Südwestfranzösischer ist unter den gegenwärtigen geopolitischen Verhältnissen nicht möglich.

Jacques Puffeney, Vin Jaune 2007, AOC Arbois, Jura
Lieblingswinzer vom Fils, international. Sie sagen über ihn, manche vielleicht sogar zu ihm „le pape d’Arbois“. Nur dass ein Papst viel mehr redet. Hätte Herr Rudolf etwas zu sagen, wäre der Stuhl Petri längst von Rom nach Arbois dislociert worden. Dass es im Jura seit Jahren ein unentschiedenes Match um den besten Vin Jaune zwischen Jacques Puffeney aus der Appellation Arbois und Jean Macle aus der Appellation Château-Chalon gibt, das wird Ihnen Herr Rudolf nächste Woche verraten.

Pinot Gris Spätlese 2004, Dankbarkeit, Neusiedlersee
Lieblingswirt und -winzer vom Fils und vom Rudl. So gerne geht der Rudl gar nicht essen. Aber in ein Gasthaus geht er so gerne wie sonst nirgendwohin. Und der Fils auch. Der allerdings noch mehr wegen der Vogerl und Fischerl in den Schaukästen. Der Rudl wegen der A-Seite, wegen der B-Seite, sowieso wegen dem Wirt und überhaupt.

Schilcher 2010, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Südsteiermark
Lieblingsschilcher. Monsieur Rudolf hat die eine oder andere Erfahrung mit reifen Weinen. Dass ein Schilcher aus dem Jahr 1992 einundzwanzig Jahre später so schmecken können hat, wie das damals am ersten Geschäftstag nach der Geburt vom Fils der Zweiundneunziger Schilcher vom Weingut Muster in Schlossberg getan hat, ist mindestens Metaphysik.

Frühroter Veltliner 2013, Weingut Uibel, Ziersdorf, Weinviertel
Lieblingsmemorymitspieler vom Fils und Lieblingsmalvasier national vom Rudl.

Roter Veltliner Bodega 2012, Mantlerhof, Gedersdorf, Kremstal
Lieblingslöss im Glas. Wie seinerzeit. Zwei Wochen auf der Maische offen vergoren. Händisches Unterstoßen. Vier Monate auf der Hefe.

Mondeuse 2013, Jacques Maillet, Chautagne, AOC Vin de Savoie
Lieblingssandstein im Glas, savoyardisch. Lieblingsfuhrpark vom Fils, spielzeugtechnisch.

Mont Blanc brut zéro 2010, Dominique Belluard, Ayse, AOC Vin de Savoie
Lieblingsschaumwein vom Rudl.

Eine Bitte in eigener Sache
Sollten Sie am Freitag, den 22. Jänner nach 18 Uhr das eine oder, respektive und andere Flascherl mitnehmen wollen, wäre Ihnen der Rudl verbunden, wenn Sie das vorher kurz per E-Mail kundtun könnterten. An diesem Abend wird Caviste Polifka von seinem Ex-Aequo-Lieblingsoenologen vertreten. Und der findet im Rudl seinen Sauhaufen nicht so leicht die allenfalls gewünschten Bouteillen. Wenn Sie vorher kurz schreiben, was Sie gegebenenfalls mitnehmen möchten, richtet Herr Rudolf das vorher her.

Wie immer nicht ausschließlich die folgenden Geburtstagsweine

Hégoxuri 2012, Domaine Arretxea, AOC Irouléguy, Südwestfrankreich
Jacques Puffeney, Vin Jaune 2007, AOC Arbois, Jura
Pinot Gris Spätlese 2004, Dankbarkeit, Neusiedlersee
Schilcher 2010, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Südsteiermark
Frühroter Veltliner 2013, Weingut Uibel, Ziersdorf, Weinviertel
Roter Veltliner Bodega 2012, Mantlerhof, Gedersdorf, Kremstal
Mondeuse 2013, Jacques Maillet, Serrières-en-Chautagne, AOC Vin de Savoie
Mont Blanc brut zéro 2010, Dominique Belluard, Ayse, AOC Vin de Savoie

Donnerstag, den 21. Jänner und am Freitag, den 22. Jänner
von 16 bis 22 Uhr
in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Herr Rudolf wünscht dem Major, dem Oidn und einzig wahren Altkanzler, dem anderen Ex-Aequo-Lieblingsoenologen (in das benachbarte westliche Ausland), dem Fils und allen anderen Geburtstagskindern alles Gute zum Wiegenfeste!

Rot. Kein Beitrag zur Präsidentschaftskandidatensuche

Schaut man sich ältere Bilder oder Filme an – zumal nicht österreichische -, dann wird einem ziemlich schnell klar: Unter Wein versteht zumindest die bildende Kunst vor allem Rotwein. Abwegig ist das nicht. Weißwein lässt sich im Bild nicht so leicht darstellen wie Rotwein. Dass Caviste Rudolf Polifka in seinem Geschäft viel mehr Weißwein als Rotwein stehen hat, ist freilich kein Protest gegen die Diskriminierung von Weißwein im stehenden und laufenden Bild, sondern seinem Geschmack geschuldet, was wiederum nicht heißt, dass der Rudl nicht weiß, dass es ziemlich aufregende Weine aus dunklen Trauben gibt. Aus Tannat zum Beispiel. Dazu schon sehr bald mehr.

Fremde Rote für die kalten Tage

Auf alle Fälle wird es jetzt, wo man wirklich von so etwas wie einer kalten Jahreszeit sprechen kann, höchste Zeit für Rotwein. Darum diese Woche auf nach Savoyen und in den Jura. Und auf in Weingärten, die es in dieser Form bei uns nicht gibt. Denn es wachsen dort rosarote bis fast schwarze Weintrauben, die in Österreich so gut wie nicht oder gar nicht wachsen.

Mondeuse 2013, Jacques Maillet, Serrières-en Chautagne, AOC Vin de Savoie

Die Rebstöcke für seine Mondeuse hat Jacques Maillet in Motz stehen. So ein Ortsname erheitert ein Gemüt wie den Rudl ja schon per se. Die Lage heißt „Cellier des Pauvres“. Etliche Stöcke dort sind über 110 Jahre alt.

Argile rouge 2009, Domaine des Ardoisières, Vin des Allobroges, Saint Pierre de Soucy

Der Rudl hat über Brice Omont ja schon das eine oder andere geschrieben. Über den Oenopionier aus der Champage, der mittlerweile auch schon wieder vor fast zwanzig Jahren mit Renaissance-Gründer Michel Grisard einen aufgelassenen Weinberg im Tal der Isère rekultiviert hat. Aber Herr Rudolf hat von der Domaine des Ardoisières noch nie einen Roten ausgeschenkt. Den Améthyste 2013 hat er seit September im Sortiment. Der besteht aus 60 % Persan, sowie 40 % Mondeuse und ist viel zu jung. Auf den Argile rouge 2009, 80 % Gamax und 20 % Persan, ist Monsieur Omont vermutlich gar nicht so stolz. Seiner Meinung nach sind seine Roten, anders als die Weißen, erst ab dem Jahrgang 2012 konkurrenzfähig. Aber das macht nichts.

Gamay 2011, Domaine Giachino, Chapareillan, AOC Vin de Savoie

Lehm- und Kalkböden am Fuß den Mont Granier und ein Ausbau auf der Feinhefe bis zur Füllung kitzeln Aromen nach dunklen Beeren hervor und begünstigen die Gesellschaft von Gegrilltem und in Brioche Eingebackenem.

Poulsard 2012, Jacques Puffeney, AOC Arbois

Abgesehen von der Tatsache, dass es so einen hellen Rotwein, wie ihn die Poulsard-Traube hervorbringt, in Österreich nicht gibt, faszinieren Rudolf Polifka an dieser Rebsorte vor allem linguistische Aspekte. Der Poulsard wird auf gar nicht so wenigen Speise- und Weinkarten in Arbois auch Ploussard genannt. Die Sprachwissenschaft nennt so etwas Metathese. Dabei wechseln zwei Laute in einem Wort ihren Platz miteinander. Das englische Hors und das deutsche Ross wären ein Beispiel dafür, auch die umgangssprachliche Wepsn und die standardsprachliche Wespe. Dass dieses Lautwandelphänomen keine germanische Erfindung ist, zeigen das griechische krokodilos und das lateinische corcodilus. Die Idee dahinter ist, die Aussprache zu erleichtern, wobei man jetzt natürlich darüber streiten könnte, ob Wörter eine Idee haben. Das müssen Sie Platon oder eine genderbauftragte Sektionschefin fragen. Und ob jetzt Poulsard oder Ploussard leichter auszusprechen ist, weiß der Rudl auch nicht. Vielleicht kann Ihnen das ein Franzose oder ein Arboiser sagen.
Rebsortencharakteristisch könnte man Poulsard als hardcore-autochthone Rebsorte bezeichnen. Der Jura als Weinbauregion weist etwa zweitausend Hektar Weingärten auf, ein bissl mehr als die halbe Südoststeiermark. Und der Poulsard hat es nicht einmal in jeden Winkel des Jura geschafft. Eigentlich gehört er nur in den nördlichen Jura. Drum wird er auch Plant d’Arbois genannt. In den Schalen müssen die Farbpigmente nicht um ihren Platz raufen. Darum ähnelt der Wein oft einem Rosé, reift aber bis zu zehn Jahren.
Jacques Puffeney ist nicht nur der beeindruckendste Weinbaumeister, den der Rudl bis jetzt getroffen hat, sondern seit der Lese 2014 auch Pensionist. Wer noch irgendwo Weine von ihm findet, sollte im Zweifelsfall lieber temporär trockenes Brot essen oder es Rudolf Polifka melden.

Château de Canterrane 1977, AOC Côtes du Roussillon

Im Departement Pyrénées Orientales profitieren die Weine vom mediterranen Klima und wachsen meistens auf Schiefer- oder Mergelböden. Hauptrebsorten sind Carignan, Grenache Noir, Syrah und Mouvèdre.

Gabarinza 1997, Gernot und Heike Heinrich, Gols, Neusiedlersee

So lange ist es ungefähr her, dass der Rudl privat Rotwein gekauft hat.
Roter Terrassenschotter, Sand und Lehm. Zweigelt, Blaufränkisch und Merlot.
Aber wem sagt der Rudl das?

Roter Veltliner Reisenthal 2013, Mantlerhof, Gedersdorf, Kremstal

Kein Rotwein

Gewürztraminer 2013, Roland Minkowitsch, Mannersdorf an der March, Weinviertel

Auch Roter Traminer genannt. Trotzdem kein Rotwein.
Gabarinza 1997, Gernot und Heike Heinrich, Gols, Neusiedlersee
Mondeuse 2013, Jacques Maillet, Serrières-en Chautagne, AOC Vin de Savoie
Argile rouge 2009, Domaine des Ardoisières, Vin des Allobroges, Saint Pierre de Soucy
Gamay 2011, Domaine Giachino, Chapareillan, AOC Vin de Savoie
Poulsard 2012, Jacques Puffeney, AOC Arbois
Château de Canterrane 1977, AOC Côtes du Roussillon
Roter Veltliner Reisenthal 2013, Mantlerhof, Gedersdorf, Kremstal
Gewürztraminer 2013, Roland Minkowitsch, Mannersdorf an der March, Weinviertel
Nicht ausschließlich diese acht Weine

am Donnerstag, den 14. Jänner und am Freitag, den 15. Jänner
von 16 bis 22 Uhr
in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Nachrichten aus dem Flaschensortiment

Ab sofort sind Crémant de Herrenhof, der Schaumwein nach der Méthode Traditionelle und der Buchertberg on the Skins, ein maischevergorener gemischter Satz, vom Herrenhof Lamprecht verfügbar.

Herr Rudolf sieht Rot, trinkt Weiß und grüßt alle Menschen und Farben, die guten Willens sind!

Anfänge

So ein Jahr fängt im Lauf eines Jahres ja verhältnismäßig oft an. Das Vegetationsjahr irgendwann nach einer allfälligen Frostperiode. Gegebenenfalls. Das römische Jahr hat ursprünglich angeblich nach lediglich zehn Monaten wieder von vorne begonnen. Das englische Fußballjahr hebt am zweiten Augustwochenende an. Das Schuljahr im September. Das Kirchenjahr am Vorabend zum ersten Adventsonntag. Und das Kalenderjahr am ersten Jänner. Möglicherweise wird es Sie, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe nicht überraschen, wenn Ihnen der Rudl eröffnet, dass es für ihn einschneidendere Jahresanfänge als den ersten Jänner gibt. Darum wird er Ihnen und sich Neuheiten und Vorsätze jedweder Art ersparen. Zuerst hat er schon einen kurzen Augenblick lang erwogen, einmal alle bislang noch nie glasweise angebotenen und also au-verre-mäßig durchaus als neu zu bezeichnenden Weine aus dem Sortiment seiner Weinhandlung auszuschenken. Andererseits sind die alle miteinander noch viel zu jung. Und von den hunderttausend Kulten, die in unserer angeblich säkularisierten Welt wuchern, gehen dem Polifka-Rudl der Jungseinkult und der Neuseinkult so ziemlich am massivsten auf die Nerven.

Justament keine Vertikale!

Was sprecherte also dagegen, vorerst einmal alles beim mehr oder weniger Bewährten zu belassen und 2016 so zu eröffnen, wie 2015 geschlossen worden ist, mit einer Vertikale? Einerseits nichts. Andererseits findet Steinzeitweinmeister Polifka kaum etwas Oenologisches interessanter als Stein- und Zeitweinthemen. Darum behält er Ihnen und sich Vertikalen für die höchsten Zeiten, wie sie der Trainer einmal treffend genannt hat, vor.

Dekaden

Auch ein Dekaden-Rückblick wäre am Beginn eines neuen Kalenderjahres gar nicht so übel: 1976, 1986, 1996 und 2006. Aus all diesen Jahren hätte der Rudl das eine oder andere Flascherl im Keller. Nur waren Sechsundsiebzig und Sechsundneunzig in Österreich hundsmiserable Jahrgänge, Sechsundsiebzig extrem heiß und trocken, Sechsundneunzig viel zu kühl und nass. Mit seinem Grünen Veltliner Spiegel 1986 hat Monsieur Josef Mantler Jahre später bei einer internationalen Verkostung einen ganzen Haufen viel namhafterer Weiße ganz alt ausschauen lassen. Aber das wird möglicherweise nächstes Jahr an diesem Ort ausführlich gewürdigt werden.

Oenologisch hat Alfred Polgar Recht.

Angeblich hat der einmal gemeint, die Österreicherinnen und Österreicher seien ein Volk, das mit Zuversicht zurück blickt. So etwas lässt sich ein sentimentaler Narr wie Rudolf Polifka nicht zweimal sagen. Darum kredenzt er unzeitgemäß zum neuen Kalenderjahr Weine, die ihm im alten Kalenderjahr oder halt irgendwann in letzter Zeit besonders positiv aufgefallen sind, sei das privat oder sei das dienstlich. Getreu seinem Motto: Wie es ihm gefällt, respektive gefallen hat.

Zierfandler 2014, Friedrich Kuczera, Gumpoldskirchen, Thermenregion

Es muss 1994 oder 1995 gewesen sein. Da hat sich der Rudl zum Ziel gesetzt, alle Bioweine des Landes kennenzulernen, seinerzeit ausschließlich mit Hilfe von Briefträgern und dem Personenkraftfahrzeug seiner Eltern. Dazu hat er sich vom Erntevervand Österreich ein Heftl mit den Postadressen aller Biowinzer schicken lassen. Die hat er dann sukzessive von Salzburg aus besucht. Aus der Thermenregion war damals allein Friedrich Kuczera aus Gumpoldskirchen in diesem Verzeichnis vertreten. Der erste Besuch hat den Rudl damals überzeugt. Friedrich Kuczera ist dann jahrelang mit seinen Weinen am Biobauernmarkt auf der Freyung gestanden. Und Herr Rudolf bereut es wie wenig anderes, dass er von damals keinen Zierfandler aufgehoben hat. Vor einem Jahr hat Caviste Rudolf festgestellt, dass die Thermenregion in seinem Sortiment nicht vertreten war. Grund dafür war vermutlich, dass dem Rudl viele Weine von dort zu plump sind. Auf den Zierfandler des mittlerweile aus dem Ruhestand heraus vinifizierenden Friedrich Kuczera trifft das nicht zu. Als Bergwein klassifiziert, trocken, im Fall von 2014 mit 11 Percent Alkohol, so wenig interventionistisch wie das Etikett. Jedes Mal wieder eine optische und geschmackliche Freude findet Herr Rudolf.

Grüner Veltliner Federspiel Klostersatz 2014, Schmidl, Dürnstein, Wachau

Von der Witterung im Stich gelassene Jahrgänge werden gerne als Winzerjahrgänge bezeichnet. Wer die Vierzehner-Serie von der Frau Ingenieur verkostet hat, wird diesen Jahrgang ziemlich sicher gendern.

Schrammelberg 2013, Herrenhof Lamprecht, Markt Hartmannsdorf, Oststeiermark

Wein aus dem ziemlich sicher ältesten Weingarten der Steiermark. Rudolf Polifka hat ihn ein einziges Mal verkostet und da einen ganz kleinen Schluck. Zumindest die Erinnerungen daran sind ziemlich einzigartig.

Signum 2003, Prünte, vlg. Schneckenkogler, Grassnitzberg, Südsteiermark

1997 war der erste Jahrgang, von dem der Rudl in der Südsteiermark ein bissl mehr Wein gekauft hat. Allerdings hat er damals nicht gewusst, dass man manche Weine reservieren muss. Außerdem war er spät dran. Darum sind dann nur mehr Weine geblieben, die überdurchschnittlich spät gefüllt worden sind, im Rudl seinem Fall Weine vom Sattlerhof und von Ing. Klaus Prünte. Irgendwann im vergangenen Jahr hat jemand den Rudl an Herrn Prünte erinnert. Recherchen haben ergeben, dass auch der mittlerweile seinen wohlverdienten Ruhestand genießt.

Un Matin face au Lac 2014, Les Vignes de Paradis, Ballaison, Vin des Allobroges

Dominique Lucas sitzt viel im Auto. Das ist an und für sich nichts, was dem Rudl imponiert, eher im Gegenteil. Aber Dominique Lucas tut das nicht aus Bequemlichkeit. Er hat zwei Weingärten, die nicht in derselben Weinbauregion liegen. Einen geerbten an der Côte-d’Or und einen gekauften in Hoch-Savoyen am Genfer See. Wenn ihm Chardonnay, Pinot Noir und Aligoté zu fad werden, dann fährt er nach Ballaison und spaziert dort durch seine Chasselas Rebstöcke, so stellt sich das der Rudl zumindest vor.

Le Comte Rouge, Arbin Mondeuse 2011, Château de Merande, Arbin, Savoie

In Österreich hat man mit den Grafen in den letzten Jahren nicht die aller appetitlichsten Erfahrungen gemacht. In Savoyen beginnt die Zeit der Grafen mit Amédée III. Im zwölften Jahrhundert. Den siebenten Amédée haben sie dann „le Comte Rouge“ geheißen. Bis nach Nizza hinunter war er „Protecteur“. Sein Nachfolger sollte es bis zum Gegenpapst Felix V. bringen, bevor die ganze Chose dann ziemlich schnell den Bach hinunter gegangen ist. Schuld soll eine ziemlich scharfe Zechn, die Prinzessin Anne de Chypre, gewesen sein. Eher unwahrscheinlich, dass diese Geschichtsschreibung aus der Feder einer Frau stammt. Den Comte Rouge vom Château de Merande könnte man als späte Wiedergutmachung betrachten. Männlicher Graf, weibliche Rebsorte: Mondeuse.

Crémant du Jura, Villet, Arbois, Jura

Ein Schaumwein méthode traditionelle aus dem Jura begegnet einem nicht auf Schritt und Tritt. Ein roter Schaumwein méthode traditionelle aus dem Jura detto, ein roter Schaumwein méthode traditionelle aus dem Jura, reinsortig Trousseau noch viel weniger und ein roter Schaumwein méthode traditionelle aus dem Jura, reinsortig Trousseau vom ersten Biowinzer aus Arbois noch ein bissl weniger leicht. Ziemlich rot für einen Schaumwein.

  • Zierfandler 2014, Friedrich Kuczera, Gumpoldskirchen, Thermenregion
    Grüner Veltliner Federspiel Klostersatz 2014, Schmidl, Dürnstein, Wachau
    Schrammelberg 2013, Herrenhof Lamprecht, Markt Hartmannsdorf, Oststeiermark
    Signum 2003, Prünte, vlg. Schneckenkogler, Grassnitzberg, Südsteiermark
    Un Matin face au Lac 2014, Domaine Les Vignes de Paradis, Ballaison, Vin des Allobroges
    Le Comte Rouge, Arbin Mondeuse 2011, Château de Merande, Arbin, Savoie
    Crémant du Jura, Villet, Arbois, Jura

Diese sieben Weine und zwei rote dazu glasweise

am Donnerstag, den 7. Jänner und am Freitag, den 8. Jänner
von 16 bis 22 Uhr
in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Herr Rudolf grüßt Sie besonders herzlich aus dem erschtn Schnee!

 

Frohe Weihnachten!

Rudolf Polifka bedankt sich recht herzlich, wünscht Ihnen frohe Weihnachten und einen guten Rutsch.
Bis inklusive 6. Jänner bleibt die Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils geschlossen.

 

Goldener Schaumweinsonntag. Morgen, 20. Dezember von 14 bis 18 Uhr geöffnet

„Eigentlich

… würde und müsste ich jetzt über die schreiben, die gerade die Ausbildung für Kindergartenpädagoginnen und Kindergartenpädagogen optimieren“, denkt sich Rudolf Polifka. Dass die jedes Jahr zwei- bis dreimal das Schulsystem reformieren, daran hat sich der Rudl mittlerweile gewöhnt. Nur, jetzt die Ausbildung für die Verdienstvollsten in der Bildungskette. Darauf könnte Herr Rudolf auch verzichten. Bildernische Erziehung und Instrumentalmusik zu kürzen, um eine sogenannte „Früherziehung“ auszubauen, hätte der Rudl nur jemandem unterstellt, der seine ganze eigene Schullaufbahn chronisch überfordert war. Was soll ein Kind im Kindergarten denn lernen, außer mit anderen zu spielen und „Bitte!“ und „Danke!“ zu sagen?

Andererseits

… möchte Ihnen der Rudl nicht mit so viel Unerfreulichem frohe Weihnachten und einen guten Rutsch wünschen. Drum lässt er es am Goldenen Sonntag perln.

Aber

… auf dass Sie das mit dem Silbernen und Goldenen Sonntag nicht falsch verstehen: Weinhausmeister Rudolf ist gegen die Sonntagsöffnung der Kramerläden. Es kann ruhig einen Tag in der Woche geben, der nicht auf dem Altar der Konsumhetzer geopfert wird und an dem der Hierbinichmenschhierkaufichein Sapiens eine Pause im Hü-Hot der Sonderangebote, Bindestriche und Rufzeichen einlegen kann, um sich ein paar freie Gedanken, im Freien Bewegung oder was weiß der Kuckkuck was zu machen. Die Betreiber der wertfreien architektonischen Kleinode an den Autobahnknoten können ruhig zugesperrt lassen, wenn es nach dem Rudl geht. Wobei die Betreiber ja sowieso nicht selber aufsperren würden. Die verbringen ein Kreativ-Powerweekend mit Mandalamalen, Meditation und den fünf Tibetern, ohne WLAN und Handynetz. Aufsperren müssten ja die Hackler der Betreiber. Aber „Hackler“ sagt man heute eh nicht mehr. Das ist Proletensprache. Der Hackler ist heute ein Mitarbeiter, manchmal sogar ein freier Mitarbeiter.

Quod licet Rudl, non licet Zementl

Ein bissl diebisch freut es Rudolf Polifka schon, dass er am Sonntag aufmachen dürfte und der Zementl (© Querschläger) nicht. Zumindest darf der das solange nicht, solange er nicht unter seinem Einkaufszentrum einen Bahnhof bauen lässt.

Goldene Zähne statt goldene Nasen

Um eine Tradition aus der Nachkriegszeit wieder zu beleben und ein ganz kleines bissl auch aus Schadenfreude gegenüber Parndorf & Co. öffnet Monsieur Polifka am Goldenen Sonntag, den 20. Dezember von 14 bis 18 Uhr wieder sein Geschäft, auf dass er sich dort keine goldene Nase, aber irgendwann doch einen goldenen Zahn verdiene. Sonst bleibt er gegen den Cagney sein Lebtag lang ein Zweiter.

Und ein Letztes

Weil der Rudl heuer nicht wie all die anderen Jahre zu Silvester aufsperren kann, gibt es drei Schaumweine am Goldene Sonntag glasweise, auch für den Fall, dass Sie noch ein probates Flascherl für Silvester suchen.

Muskateller Sekt, Otto Riegelnegg, Olwitschhof: konventionell, fruchtig & steirisch
Bela, Branko und Vasja Čotar, Kras: ungeschwefelt, unfiltriert & extra brut
Mont Blanc Brut Zéro, Domaine Belluard, Ayse, Vin de Savoie: der Selosse der Alpen und dem Rudl sein Lieblingsschaumwein

Selbstredend gibt es nicht ausschließlich Schaumwein, sondern trinke und schreibe darüber hinaus zwölf Stillweine

am Goldenen Sonntag, den 20. Dezember
von 14 bis 18 Uhr
in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Herr Rudolf wünscht Ihnen ein plaisantes Wochenende!

Das Fugen-s und Jahresrückblicke

Highlights

Jetzt heben sie schön langsam an, die Jahresrückblicke im Rundfunk. Die Sporthighlights des Jahres. Die innenpolitischen Highlights des Jahres. Die außenpolitischen Highlights des Jahres. Die Kulturhighlights des Jahres. Die Societyhighlights des Jahres. Die Insolvenzhighlights des Jahres. Und die Taubenzüchterhighlights des Jahres. Die größten Steuerreformhighlights des Jahres. Und die Highlighthighlights des Jahres. Nur auf die Finanztransaktionssteuerhighlights müssen wir überraschenderweise weiter warten. Der EU-Schuld sei Dank! Überraschenderweise.

… und Highlights

Monsieur Rudolf hat nichts gegen Lichter und Höhepunkte. Er versteht sie aber wie vieles gerne wörtlich. Ein Stern, ein Satellit, ein Flugzeug am Nachthimmel. Ein beleuchtetes Gipfelkreuz, eine beleuchtete Kapelle oder eine beleuchtete Bergstation. Das alles kann er sich stundenlang anschauen. Anders als eine in einem Mordstempo geschnittene Abfolge von Hansi-Hinterseer-Bildern, die von Toni Faber und Ulli Sima unterbrochen werden.

Jahrerückblick

Eine – möglicherweise von orthographieüberaffinen Zeitgenossinnen und Zeitgenossen immer wieder aufgeworfene – Frage betrifft das sogenannte Fugen-s. Zumindest kommt das dem Rudl so vor. Das Fugen-s verbindet meistens zwei Teile eines Kompositums. Manchmal handelt es sich bei ihm um die Genetivendung des ersten Wortes, zum Beispiel bei Jahreswechsel. Manchmal erleichtert es auch nur die Aussprache wie in Zeitungsverkäufer. Wenn der letzte Laut des ersten Wortes und der erste Laut des zweiten Wortes sehr ähnlich oder sehr unähnlich sind, dann kann man eine ungewollte Kollision von Zähnen, Zunge, Lippe oder Gaumensegen unter Umständen verhindern, indem man ein s dazwischen schiebt. Ob es dann Zeitungsverkäufer oder Zeitungverkäufer heißt, gehört zu den Dingen, über die sich manche Deutschlehrer und manche Menschen, die Deutschlehrer gerne einer Wissenslücke überführen, gerne unterhalten. Der Rudl gehört quasi zu beiden Personenkreisen. Im Sinne der Logik Karl Valentins ist freilich beides ein Blödsinn. Da müsste es in Analogie zu den Semmelnknödeln sinnvollerweise Zeitungenverkäufer heißen, außer es ist ein Kolporteur mit ganz, ganz wenig Umsatz. Aber das würde Schulmeister Rudolf jetzt zu weit führen. Das Fugen-s ist, sofern keine Genetiv-Endung, sehr oft Geschmackssache. Da können Sie nicht viel falsch machen, es sei denn, das Fugen-s signifiziert einen Bedeutungsunterschied.

Ohne

Und auf so einen Bedeutungsunterschied will Linguoenologe Polifka hinaus, wenn er fugen-s-los zurückblickt, auf Jahre, nicht nur auf eines. Er hätte auch eine Vertikale ankündigen können, aber dann wäre dieser Newsletter ausgesprochen kurz ausgefallen. Oder es wäre wieder so viel um Wein gegangen. Herr Rudolf blickt auf die letzten fünf Jahre des Apremont von der Domaine Giachino aus Chapareillan zurück: 2010, 2011, 2012, 2013 und 2014

Apremont

1973 wurde einigen Weinen Savoyens die Appellation Vin de Savoie zuerkannt. Fünfzehn Gemeinden haben darüber hinaus das Recht erhalten, dieser Appellation den Ortsnamen als Cru anzufügen.
„Apremont“ ist auf ein lateinisches asper mons, in der Bedeutung rauer Berg, zurückzuführen. Mit diesem Berg war der heutige Mont Granier gemeint.
Jacquère ist die Rebsorte für den Apremont. Man könnte meinen, die Rebsorte Jacquère sei extra für die vielen Fodues in den französischen Wintersportgebieten erfunden worden.

Gansl oder Fisch

Wo Weihnachten vom sackbauerischen Vater-Sohn-Konflikt – der Senior fordert traditionsbedacht ein Gansl, der aufmüpfige Junior einen Fisch – beeinträchtigt zu werden droht, ist ein Apremont zumindest in der Weinbegleitung ein nicht zu unterschätzender Kompromiss. Seine Frische passt zu Gerichten, die einem eher selten von Dietologen empfohlen werden. Aber auch ausgezeichnet zu Fisch. Und die ausgesprochen niedrigen Alkoholwerte sind in einer Zeit, in der das erste alkoholhältige Getränk nicht immer erst nach acht Uhr am Abend konsumiert wird, vielleicht auch kein Nachteil.

Ampelografie

Die Trauben des Jacquère geraten bei Vollreife zu einem hellen Rot. Besonders aromatisch sind sie nicht. Werden sie nicht drastisch zurück geschnitten, dann kann man champagneverdächtige 120 Hektoliter am Hektar ernten. Aber der Wein ist dann halt nicht besonders interessant.

Apremont, Domaine Giachino

David und Fred Giachino lassen dem Wein seine Feinhefe bis zur Füllung. Er wächst auf einer überwachsenen Geröllhalde und schmeckt nach Zitrusfrüchten, Bergamotten, Ananas, Wiesenkräutern und Feuerstein.

Apremont 2010, Domaine Giachino, AOC Vin de Savoie
Der letzte “grand millésime“. Ein extrem kalter Winter in Savoyen, dessen Niederschläge genug Feuchtigkeit für die gesamte Vegetationsperiode lieferten. Viel Sonne im Frühling. Extrem heißer Juli, Abkühlung im August, sonniger September, der für physiologisches Gleichgewicht gesorgt hat.

Apremont 2011, Domaine Giachino, AOC Vin de Savoie
Trockener Winter, gefolgt von einem ebensolchen Frühling. Achthundertfünfundfünfzig Sonnenstunden führen zu Frühreife. Knapp vor der setzen Niederschläge ein. Zum Glück ist Jacquère ziemlich resistent gegen beide Mehltaue.

Apremont 2012, Domaine Giachino, AOC Vin de Savoie
“Schawierig”, hätte Professor Conrads möglicherweise gesagt. Extrem kalter Winterausklang. Dann bleibt es kühl und regnerisch. Erst der August wird heiß. Der Ertrag bleibt gering.

Apremont 2013, Domaine Giachino, AOC Vin de Savoie
Erneut übermäßig kalt und feucht im Winter, scheußlicher Frühling. Nasser Juni. Das Wenige, was noch nicht verrottet ist, wird von einem heißen Juli gerettet, bevor ein Gutteil davon dem Hagel zum Opfer fällt. Eine lange Vegetationsperiode bringt qualitativ extraordinaire Weine, leider nicht viel davon.

Apremont 2014, Domaine Giachino, AOC Vin de Savoie
Ein Jahrhundertjahrgang der negativen Art, nicht nur in Savoyen.

Wie immer nicht ausschließlich diese fünf Weine glasweise

am Donnerstag, den 17. Dezember und am Freitag, den 18. Dezember
jeweils von 16 bis 22 Uhr,
sowie am Goldenen Sonntag, den 20. Dezember von 14 bis 18 Uhr
in der Weihandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Herr Rudolf grüßt, ganz besonders die Wiesenkräuter und hoffentlich bald den ersten Schnee!

Silberner Sonntag, 13. Dezember, 14 bis 18 Uhr außertourlich geöffnet

Dem Polifka-Rudl sein Lieblingsmusikant war ursprünglich ja derselben Meinung wie die Wirtschaftskammer. Er hat geglaubt, es gehe nur mit Schmäh, ganz ohne Gold und Silber. Aber dann hat er sich eines Besseren belehren lassen. Er weiß davon ein Lied zu singen („Gold & Silber“, © Günter Brödl).
Seinerzeit, der Cagney hatte gerade „Shake Hands with the Devil“ gedreht, sind am Sonntag Gaudete, das ist der mit der rosanen Kerze am Adventskranz, noch die Geschäfte offen gewesen.
Monsieur Rudolf knüpf an diese Tradition an und sperrt morgen, am Sonntag, von 14 bis 18 Uhr seine Weinhandlung auf.
Ein agreables Wochenende!

 

Scharf, süß, sündhaft & der Silberne Sonntag

Prüde

 

Einer der – so kommt es zumindest dem Rudl manchmal vor – letzten Intellektuellen dieses Landes, Adolf Holl, hat einmal gemeint, dass eine Gesellschaft, die sich auf Schritt und Tritt an die scharfen Dinge im Leben erinnern muss, ein ziemlich prüdes Leben führen muss. Er hat in diesem Zusammenhang von einer „frigiden Gesellschaft“ gesprochen. Die Konsumentinnen und Konsumenten der Wiener Qualitätsblätter dürften das genauso wenig gelesen, beziehungsweise verstanden haben wie die Produzentinnen und Produzenten derselben. Ein bissl was verrät das möglicherweise schon über das Leben der Menschen, die so einen Käse machen oder anschauen. Und wie trostlos die Kapazunder der diversen Marketing-Abteilungen ihr enthaltsames Dasein fristen, das möchte sich der Rudl eher nicht so genau vorstellen müssen.

 

Sündhaft einst und jetzt

 

Könnte sein, dass es sich beim Essen ähnlich verhält? Wie oft und vor allem was essen Menschen, die ständig und überall an das Essen erinnert werden müssen? Und erst die Erinnerer? Sind es vielleicht die, die krampfhaft versuchen, den Begriff „Sünde“ bedeutungszuwandeln? Ausbaden können das Schweinsbraten, Schnitzel und vor allem die Mehlspeisen.

Ellbogen hinaus, angeben, ausnützen und lügen, bis sich die Balken biegen … das war alles einmal nicht in Ordnung. Der Rudl kann sich an diese Zeiten noch persönlich erinnern. Heute sagt man dazu „sich gut verkaufen“ und behauptet, das sei nicht wörtlich zu verstehen und oberstes Bildungsziel. Wen es trotzdem stört, der hat ein Glück, wenn er nicht als religiöser Fundamentalist da steht. Ultimativer Inbegriff von Sünde ist es heute anscheinend, ein Eis, einen Schweinsbraten oder Schokolade zu essen. Gemeint ist damit nicht, dass ein Säugling im Tragetuch seiner Mutter stirbt, weil die in der Kakaoplantage arbeiten und Pestizide versprühen muss. Und auch nicht die Zustände in der Schweinemast. Gemeint sind mit „Sünde“ die Kalorien.

Religiöse Terminologie oder das, was manche dafür halten, ist zum Spielball für frigide Marketingwappler geworden. Prüfet nichts und bewahret das irgendwo Aufgeschnappte. Etwas verstehen zu wollen, das war gestern.

 

Süß

 

Rudolf Polifka kredenzt diese Woche all dem zum Trotz vergorene Mehlspeisenbegleiter mit und ohne Restzucker, selbstredend nicht ausschließlich. Darüber hinaus lässt er die Weingläser von Schokoladekugerln begleiten, hundertpercent margarinefrei, die Schokolade im gleichen Ausmaß biologisch angebaut wie fair gehandelt und fait maison. Wie immer ermuntert Sie Herr Rudolf, den Effekt des Alkohols beim Zutritt zu Ihrem System durch die Einnahme selbst mitgebrachter Speisen, je süßer und sündiger, desto besser, zu mindern. Kekserl täterten sich da förmlich aufdrängen, wenn Sie den Rudl fragen.

 

Diese Woche unter anderem folgende Weine glasweise in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils:

 

  • Pinot Gris Spätlese 2004, Josef Lentsch, Neusiedlersee
  • Traminer Classic 2013, Josef Wonisch, Südoststeiermark
  • Jurançon Cuvée du Domaine 2006, Domaine de Souch, Sud Ouest
  • Vintage Passion 2007, Leo Uibel, Weinviertel
  • und eine 1981er Trockenbeerenauslese von Martin Haider, Untere Hauptstraße, Illmitz

 

Dem Rudl selber zu seiner größten Freude kann er ab sofort den Weihnachtsbock und das Märzen von seiner Lieblingsbrauerei in Salzburg Mülln wieder ausschenken.

 

Silberner Sonntag

 

Wie alle Jahre und wie fast alle Zeitgenossinnen und Zeitgenossen pfeift Rudolf, das Renntier auch heuer um diese Zeit aus dem letzten Loch und auf die langen Einkaufssamstage. Da mögen sie einander im Shoppingeldorade an der A4 die letzten Fetzen vor den Nasen weggeiern. Herr Rudolf sitzt kommenden Samstag Nachmittag beim Heurigen oder geht durch die Kellergassen.

Dafür pflegt er wie jedes Jahr eine Tradition aus den Fünfziger Jahren. Am Silbernen und Goldenen Einkaufssonntag – das sind der dritten und der vierte Adventsonntag – sperrt Caviste Rudolf jeweils von 14 bis 18 Uhr seinen Weinkaufmannsladen auf.

 

Donnerstag, den 10. Dezember und Freitag, den 11. Dezember

wie immer von 16 bis 22 Uhr,

 

sowie am Silbernen Sonntag, den 13. Dezember außertourlich von 14 bis 18 Uhr

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

 

Herr Rudolf wünscht Ihnen eine scharfe, silberne Woche!

 

 

Äpfel, Nüsse, Mandelkern. Die obligate äquidistante Würdigung von Nikolaus und Krampus

Der Orient und wir

Wäre es in der Folge von 1095 nicht zu einem beispiellosen Wörter-, Zivilisations-, Wissens- und Reichtumstransfer von Südosten nach Nordwesten gekommen, hätten Siegfried, Lancelot und Giselbrecht ein paar Jahrhunderte länger in ihren trostlosen Sümpfen hocken bleiben, Waffen schmieden oder von Weinetiketten schauen müssen. Und hätte gut sechshundert Jahre davor im Südosten nicht ein Bischof genauer hingeschaut, dann hätte den Siegfrieds, Lancetlots und Giselbrechts nicht einmal einmal im Jahr der Nikolaus ein bissl Abwechslung, Süßes und Werte vorbei gebracht. Jene Werte, die heute oft von denen am ekelhaftesten mit Füßen getreten werden, die am meisten und am lautesten davon quatschen.
Darum bedankt sich Kind Rudolf diese Woche wieder einmal retardiert beim Niglo, indem er weingewordene Äpfel, Nüsse und Mandelkerne glasweise kredenzt.

Drei Nigloweine

Grüner Veltliner Vollmondlese 2014, Weingut Uibel, Weinviertel
grüner Äpfel, aber nicht ausschließlich

Savagnin 2010, Domaine Pignier, AOC Côtes du Jura
Nüsse, auch nicht ausschließlich … Der Vin Jaune muss ungefähr sechsundsiebzig Monate unter seinem Hefeflor auf seine Abfüllung warten, der Savagnin nur achtundvierzig. Drum soll man ihn auch nur vierzig Jahre aufheben.

Roussette de Savoie Cru Marestel 2010, Domaine Dupasquier, AOC Roussette de Savoie
Mandelkern, sowieso nicht ausschließlich … Wenn man mit dem Aufmachen nicht hudelt, nach ein paar Jahren Flaschenreife Trüffeln.

Äquidistanz

Und weil sich die Niglo wie kaum ein anderer eignet, der Ausgewogenheit zu frönen, erweist Herr Rudolf diese Woche auch dem Krampus die Reverenz, mit drei roten Komplementärweinen zu den weißen Äpfeln, Nüssen und Mandelkernen.

Der Vollmondlese ihr Krampus:
Wenn es eine rote Entsprechung zum Pfefferl des Grünen Veltliners – genau weiß der Rudl immer noch nicht, was dieses „Pfefferl“ ist – gibt, dann kann es nur Mondeuse sein. Dort ist der Pfeffer offenriechlich:
Mondeuse 2013, Jacques Maillet, AOC Vin de Savoie

Dem Savagnin sein Krampus:
… wäre, wenn es nach den Walnüssen geht, am ehesten ein reifer Portwein. Für den Hinweis bedankt sich Rudolf Polifka beim Grafen Thomas. Aber damit der Portugieser von Leo Uibel auch reifen kann, macht Herr Rudolf den erst nächste Woche auf und stellt dem Nikolaus von der Domaine Pignier, der auf grau-blauem Mergel gewachsen ist, einen auch vom Mergel geprägten
Rubis de Boisy (Pinot Noir und Mondeuse) 2010, Château la Tour de Marignan, AOC Vin de Savoie
an die Seite.

Dem Marestel sein Krampus
ist auch autochthon:
Teran 2011, Čotar, Kras

Insgesamt die folgenden sechs Wein diese Woche glasweise, aber auch die nicht ausschließlich:
Grüner Veltliner Vollmondlese 2014, Weingut Uibel, Weinviertel
Savagnin 2010, Domaine Pignier, AOC Côtes du Jura
Roussette de Savoie Cru Marestel 2010, Domaine Dupasquier, AOC Roussette de Savoie
Mondeuse 2013 Domaine Jacques Maillet, AOC Vin de Savoie
Rubis de Boisy 2010, Château la Tour de Marignan, AOC Vin de Savoie
Teran 2011, Čotar, Kras

am Donnerstag, den 3. Dezember und am Freitag, den 4. Dezember
von 16 bis 22 Uhr
in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Herr Rudolf rasselt mit der Kette, fuchtelt mit der Rute und wünscht Ihnen einen schönen Start in die Zeit des Hinschauens!

Schiefer. Ein Beitrag zur größten Bildungsreform aller Zeiten

O

Die Welt hat den Atem angehalten. Wer da keinen oxidativen Wein an seiner Seite gehabt hat, ist ziemlich sicher einem Sauerstoffmangel erlegen und hat das epochale Ergebnis der Verhandlungen nicht mehr rezipieren können. Auf alle Fälle sind sie mitten in der Nacht vor die Kamera geschritten, ein Auge tränend gerührt, ein Auge erlöst müde: zuerst der Landeshauptmann von Kärnten, dann der Bürgermeister von Wien, nur Häuptling Lederstrumpf hat gefehlt. Dann wären sie vollständig gewesen, die Spitzen der drei glorreichen Bundesländer, von denen aus diese Republik regiert wird.

Aufkommensneutrale Angeberei

Das Ergebnis sprengt die kühnsten Erwartungen: von allem ein bissl mehr und alles aufkommensneutral. Mehr Schulautonomie und mehr Gleichschritt. „Individueller Bildungskompass“ für alle Kinder ab dreieinhalb Jahren, mit verpflichtenden Sprach- und Entwicklungsscreenings. Was passiert mit den Ergebnissen dieser „Entwicklungsscreenings“? Wer speichert sie wo? Wer wird einmal Zugriff auf diese Daten haben? Wer schützt sie wie? Welche Konsequenzen werden aus den Ergebnissen gezogen? Zuweisung in ein differenziertes Volksschulsystem? Und welche Experten bestimmen, was ein Dreieinhalbjähriger außer Legospielen können soll? NLP-Sichselbstverkaufstricks? Ein Tablett bedienen? Den Weg zum nächsten Designer-Outlet kennen?
Am allerwichtigsten ist sowieso High-Speed Internet in allen Klassen und Kindergarten-Spielecken.
Entwicklungstests für Dreieinhalbjährige, dafür ein Maturazeugnis für Tanzschulabsolventen. Umetikettierung statt Abschaffung. Präsentationstechniken statt Lesen, Schreiben und Rechnen. Geht’s der Wirtschaft(skammer) gut, geht’s uns allen gut. Und wahr ist, was auf das Berufsleben vorbereitet. Was auf das Berufsleben vorbereitet, bestimmen diejenigen, die so einen Topfen verzapfen.

Eh

Und wenn Sie jetzt sagen: „Das ist doch alles gut gemeint“, dann sagt Ihnen der Rudl: „Ja, da haben Sie vermutlich eh recht.“
Und wenn Sie jetzt sagen: „So schlimm wird das schon nicht werden“, dann sagt Ihnen der Rudl: „Ja, da haben Sie hoffentlich eh auch recht.“
Und wenn Sie jetzt sagen: „Und überhaupt übertreibt der Rudl da jetzt maßlos“, dann sagt Ihnen der Rudl: „Ja, da haben Sie eh sowieso recht.“
Aber wann sagt irgendwer dem Bildungssystem im Speziellen und der Realität im Allgemeinen, dass sie maßlos übertreiben?

Die Revolution der Schiefertafel

Konfrontiert mit so viel Esprit und Innovation kommt sich Schulmeister Rudolf ziemlich alt vor. Da wird ihm eine Schiefertafel wie vor einigen Wochen ein Stückl Kreide zum Inbegriff didaktischer Revolution.
Darum bedankt er sich diese Woche bei allen Bildungsexperten für diese epochale Reform mit glasweisen Weinen, die er dem Schiefer oder zumindest metamorphem Urgestein verdankt.

Schiste 2012, Domaine des Ardoisières, Cevins

Bis in die Fünziger Jahre ist in der Tarentaise (Tal der Isère) Wein angebaut worden. Bis 1998 immer weniger. Dann haben Michel Grisard, Mitbegründer der Renaissance des Appellations und Brice Omont begonnen, auf einem gleichermaßen kargen wie steilen Schieferhang Altesse zu pflanzen. Die Geburtsstunde der Cuvée Quartz von der Domaine des Ardoisières. Jacquère, Roussanne, Malvoisie und Mondeuse Blanche sind gefolgt. Daraus besteht Schiste – fünfundzwanzig Hektoliter Ertrag am Hektar. Das ergibt siebentausend Flaschen. Ausgebaut in drei- bis fünfjährigen Barriques, spontan vergoren und nur leicht filtriert. An und für sich verweigert sich Rudolf Polifka der boulevardesken Bild-statt-Wort-Logik. Beim Weingarten, in dem der Marestel von der Domaine Dupasquier wächst, hat er vor einem Jahr eine Ausnahme gemacht. Die Wiederbepflanzung des Weinbergs in Cevins provoziert gewissermaßen eine zweite:
… darüber hinaus „au verre“:
Muscadet Sèvre-et-Maine 2010, Domaine Brégeon, Gorges
Grüner Veltliner Federspiel Klostersatz 2014, Weingut Schmidl, Dürnstein
Schilcher 2013, Weingut Franz und Christine Strohmeier, Sankt Stefan ob Stainz
Zweigelt Kreuzegg 2010, Weingut Schnabel, Sausal
Grüner Veltliner Hollenburger Schifer 1983, Domäne Baron Geymüller

Nicht ausschließlich diese Weine

am Donnerstag, den 26. November und am Freitag, den 27. November
von 16 bis 22 Uhr
in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Nachrichten aus dem Flaschensortiment

Ab sofort sind Vitovska 2012, Teran 2011 und der Schaumwein Bela 2011 von Čotar aus dem Karst hinter Triest verfügbar.

Herr Rudolf wünscht allen Forscherinnen und Forschern im Alter zwischen dreieinhalb und hundertdreieinhalb viel Neugier und Unruhe!