NOS OMNES IN VARIETATE CONCORDIA. Vor den Sommerferien noch schnell etwas über das wirkliche Leben … und den G’mischten Satz

 

Was den Rudl am Wein begeistert, ist Thema für sein Weinkaufsgeschäft. Und umgekehrt. Und was den Rudl am Wein nicht begeistert, das kommt ihm auch nicht ins Geschäft. In den letzten beiden Wochen vor den Sommerferien praktiziert Caviste Rudolf das noch ein bissl konsequenter und persönlicher.

Darum hat er letzte Woche das Reifen von Wein zum Thema gemacht. Diese Woche bezieht sich die persönliche Note weniger auf das Thema als auf Gesellschaftspolitisches sowie ein Erlebnis, das den Rudl im vergangenen Schul- und Studienjahr besonders gefreut hat und ihm wichtig gewesen ist.

Und dann sind sowieso Sommerferien. Weitergehen tut es mit den Forschungsarbeiten in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils dann in der ersten Septemberwoche.

G’mischter Satz

An und für sich macht man um den vor allem in Wien gerade ein Mordstrum Trara. Und an und für sich ist so ein Trara dem Rudl kein Motiv zu außerordentlicher Aktivität, ja nicht einmal zu ordentlicher Aktivität. Aber der G’mischte Satz ist schon ein schönes Symbol.

NOS OMNES IN VARIETATE CONCORDIA. Gott pflanzen?

Darum hat Weinschulrat Rudolf heuer geladen, vor einer seiner Dienststätten einen G’mischten Satz zu pflanzen. Als Symbol für Vielfalt, Lebendigkeit, Begeisterung und vor allem als eine Absage an die Grundrechnungsunart des Auseinanderdividierens. Die Doppeldeutigkeit des Operators pflanzen im Titel der Aktion möchte Rudolf Polifka als Hinweis auf die Notwendigkeit von Humor, Witz, Ironie und Selbstironie als Vorbeugung gegen fundamentalistische Verkrampfungen in jedweder Religion und Weltanschauung verstanden wissen. Ganz besonders fett möchte der Rudl das heute den Neoliberalisten ins digitale Stammbuch klopfen, weil die ihr Selbstironiedefizit ganz gern durch ein Übermaß an Spaß kaschieren.

Floridsdorfer G’mischter Satz

So haben Zubildende vor ein paar Wochen gemeinsam mit Prominenz aus Kultur, Politik und Weinbau sieben unterschiedliche Weinreben als Symbol für ein zivilisiertes Miteinander in Vielfalt eingesetzt. Sogar ein Bekannter vom Herrn Kurt ist dabei gewesen. Und als das alles gut hingehaut hat, ist der Herr Rudolf extraordinairement erleichtert und froh gewesen.

Der G’mischte Satz und das wirkliche Leben

Das wirkliche Leben besteht aus unterschiedlichen Menschen, so ähnlich wie ein „G’mischter Satz“ aus Trauben von unterschiedlichen Rebsorten.

Im wirklichen Leben ist man immer wieder aufeinander angewiesen. Miteinander geht es tendenziell eher besser als gegeneinander. Die Trauben für einen „G’mischten Satz“ werden auch miteinander gelesen.

Das wirkliche Leben muss mit einer Welt auskommen. Das würde des Rudls Erachtens Unzeitgemäßes wie Verantwortungsbewusstsein und gegebenenfalls auch Verzichtsbereitschaft nahelegen. Die diversen Rebstöcke des „G’mischten Satzes“ wachsen auf einer Parzelle. Deplacierung spielt es da nicht.

Im wirklichen Leben auf der analogen Welt sind die Menschen verschieden, schauen verschieden aus und auch ihre Begabungen sind verschieden. An Änderungen dieser Grundgegebenheiten wird heftigst und mit viel Einsatz von Steuergeld gearbeitet. Der Erfolg hält sich derweil in Grenzen. Da können sich die virtuellen Netzwerke, Alexa und die diversen Kerzlschlucker und Weihrauchfresser der artifiziellen – sogenannten – Intelligenz noch so auf den Kopf stellen.

Die Weintrauben der Rebstöcke von einem „G’mischten Satz“ schauen auf alle Fälle verschieden aus, schmecken verschieden und sind zum Zeitpunkt der Lese verschieden reif. Trotzdem ergeben diese Weintrauben einen Wein.

Sind in einem Jahr die Wetterbedingungen für eine Rebsorte besonders schlecht, dann kann eine andere Rebsorte, die zu einem anderen Zeitpunkt reift und für die die Wetterbedingungen deshalb günstiger waren, aushelfen.

Im wirklichen Leben kann jeder Mensch aufgrund seiner unterschiedlichen Begabungen, Eigenschaften und Begeisterungen einen anderen Beitrag zu einer besseren Welt leisten, nicht immer jede und jeder den gleichen, nicht immer jeder und jede gleich viel. Aber hinhauen tut es dann, wenn alle etwas beitragen und niemand sich auf die anderen verlässt, es sei denn, es geht nicht anders.

Das wirkliche Leben ist auch wie der „G’mischte Satz“ nicht berechenbar. Das auszuhalten erscheint dem Rudl als eine der Schlüsselqualifikationen des Lebens. Weinforscher können bei einem „G’mischten Satz“ vor dem Trinken kaum abschätzen, wie sich die Wetterbedingungen eines Jahres auf die diversen Rebsorten ausgewirkt haben.

Im wirklichen Leben ist es verlockend, nach dem äußeren Auftreten zu gehen. Aber man kann sich dadurch um Schönes, Interessantes und Gutes bringen. Auch beim „G’mischten Satz“ kann man böse enttäuscht werden, wenn man nach dem Titel geht. Dort steht in der Regel ja nicht am Etikett oder auf der Weinkarte, welche Rebsorten im entsprechenden Weingarten wachsen.

Und will man ein mit einem „G’mischten Satz“ gemachtes Geschmackserlebnis ein Jahr später wieder erzwingen, kann es einen ordentlich auf den Sprechapparat hauen, weil man ja kaum weiß, wie sich das Wetter in einem anderen Jahr auf die verschiedenen Rebsorten im entsprechenden Weingarten ausgewirkt hat.

  • Gemischter Satz 2018, Zahel, Mauer, Wien (2/3)

  • Altsteirischer Mischsatz 2014, Himbeerhof Renner, Glanz, Steirerland (2,50/4)

  • G’mischter Satz 2017, Josef Salomon, Falkenstein, Veltlinerland (2,50/4)

  • G’mischter Satz 2008, Josef Salomon, Falkenstein, Veltinerland (3/5)

  • Buchertberg Weiß 2014, Herrenhof Lamprecht, Markt Hartmannsdorf, Oststeiermark (4,50/7)

  • Schrammelberg 2013, Herrenhof Lamprecht, Markt Hartmannsdorf, Oststeiermark (6/9) – Wein aus dem möglicherweise ältesten Weingarten des österreichischen Teils der Steiermark

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

nicht nur diese Weine gibt es glasweise

am Dienstag, den 25. Juni und am Donnerstag, den 27. Juni

jeweils von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag der Menschenwürde erklärt!

Herr Rudolf dankt herzlich und wünscht einen schönen Sommer!

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57 Euro kostenlos