Exklusiv bei uns!!! So schmecken die ultimativsten Rebsorten Savoyens: Douce noir, Persan, Gringet, Verdesse und Mondeuse blanche, am Donnerstag, den 26. Februar von 17 bis 21 Uhr

Sprach- und Medienethik

Geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, Sie haben natürlich sofort bemerkt, dass das nicht dem Rudl sein Ernst sein kann. Mindestens in dreifacher Hinsicht: Der Polifka-Rudl hat eine angeborene Aversion gegen den Superlativ. Wir- und Uns-Formulierungen sind ihm suspekt, noch viel suspekter in der „Wir“-für-„Dich“-Anbiederung und das Rufzeichen gehört sowieso nicht zu seinen Lieblingstasten auf dem Blechtrottel.

Im Ernst: außergewöhnlich ist relativ.

Die Weinbauregion Savoyen ist klein und besteht weitgehend aus autochthonen, tendenziell unbekannteren Rebsorten. Mondeuse, Altesse, vor allem aber Jacquère. Wenn man nicht sehr regelmäßig die Weinhandlung Rudolf Polifka et fils frequentiert, müssen einer oder einem diese Namen nicht viel sagen. Es handelt sich um etwa 1600 Hektar, die mit diesen Rebsorten bestockt sind, global betrachtet. Das ist ein kleines Äutzerl mehr als nix. In Savoyen machen diese 1600 Hektar aber gut achtzig Percent der Rebfläche aus. Pinot noir, Gamay, Chardonnay, Roussanne und Chasselas gibt es dort zwar auch. Sie kommen zusammen aber nicht einmal auf ein Fünftel der Appellation, genießen dort also ihrerseits eher den Status von Kuriositäten, während sie außerhalb davon oenologische Gassenhauer sind. Und dann gibt es in Savoyen, wenn Sie so wollen, eine dritte Kategorie von Rebsorten. Präziser, gibt es diese fast nicht mehr und noch präziser, gäbe es diese nicht mehr, wenn sie von den Grisard-Brüdern und der Familie Giachinos nicht am Verschwinden gehindert worden wären. Justament diese in Savoyen fast ausgestorbenen savoyardischen Rebsorten kredenzt Caviste Rudolf Polifka am kommenden Donnerstag.

Ampelographische Vorbemerkungen

Bei der Auseinandersetzung mit seltenen Rebsorten, aber auch mit Savagnin und Petit Manseng fällt dem Rudl auf, dass diese Rebsorten fast durchwegs mit wenig Ertrag aufwarten können. Möglicherweise sind sie deshalb selten. Sie weisen frische Säure auf, sind kleinbeerig, dickschalig und reifen spät. Weine aus diesen Rebsorten bleiben in Sachen Lagerfähigkeit sehr oft nicht viel schuldig. Ausreichende Motive, ihnen ein eigenes Forschungsthema zu widmen.  

  • 2019 Les Perles du Mont Blanc brut zéro, Dominique Belluard und Domaine du Gringet, Ayse, AOC Vin de Savoie (6/9)

Zwanzig Hektar Gringet gibt es weltweit. Ziemlich wahrscheinlich ist das die dritt- oder viertrarste Rebsorte im Sortiment der Weinhandlung Rudolf Polifka et fils.

  • 2023 Verdesse, Domaine H, Torméry, Vin de France (5/8)

Cousine des Savagnin und reinsortig so gut wie gar nicht mehr vinifiziert, auch Sukhwan Ha hätte sie fast schon herausgerissen. Wie der Cousin ist Verdesse dann natürlich auch eine sehr alte Rebsorte. Ziemlich sicher stammt sie aus dem Departement Isère.

2024 Monfarina, Domaine Giachino, Chapareillan, AOC Vin de Savoie (4,50/7)

Jacquère, aber mit einem Anteil an Verdesse und Mondeuse blanche, gleich zwei sehr seltenen Rebsorten

  • 2023 Argile Blanc, Domaine des Ardoisières, Saint Pierre de Soucy, IGP Vin des Allobroges (6/9)

Mondeuse blanche zu zwanzig Percent, assistiert von vierzig Chardonnay und vierzig Jacquère

  • 2023 Schiste, Domaine des Ardoisières, Cevins, IGP Vin des Allobroges (8,50/13)

Mondeuse blanche zu zehn Percent, vierzig Jacquère, dreißig Roussane und zwanzig Pinot gris

  • 2020 Persan, Domaine Giachino, Chapareillan, AOC Vin de Savoie (5/8) – das letzte Flascherl

Aus dem Tal der Maurienne. Saint Jean de Maurienne ist neben Pau vermutlich der Ort, den die Tour de France am öftesten frequentiert. Aber das ist eine ganz andere Geschichte. Vor der Reblaus ist Persan als Rebsorte ziemlich erfolgreich gewesen, dann ganz lange nicht mehr. Jetzt wächst die mit Persan bestockte Rebfläche wieder langsam, dank der Grisard-Brüder. Die Trauben sind violett bis schwarz, nicht besonders saftig und im Aroma eher neutral. Bei knappem Ertrag sind eigenständige Weine mit kräftigen Tanninen das Ergebnis. Zu früh sollte man sie nicht trinken.

  • 2020 Nebula, Domaine de l’Aitonnement, Aiton, IGP Vin des Allobroges (6,50/10)

Douce noir von den Anhöhen Aitons.

DONNERSTAG, 26. Februar von 17 bis 21 Uhr

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils

Reindorfgasse 22

Im Übrigen ist der Rudl auch im neuen Jahr der Meinung, dass der 27. Jänner, der Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Konzentrationslager Auschwitz, zu einem gesamteuropäischen Feiertag erklärt werden muss.

Allez, les extraordinaires!

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Radikal europäisch! Ein wurzelechter Sauvignon und andere Sauvignons, Donnerstag, 19. Februar, 17 bis 21 Uhr 

Wurzelecht, europäisch und resistent

Der Rudl erlaubt sich die Hoffnung, dass Demokratie, Menschenwürde und menschliche Intelligenz jetzt den umgekehrten Weg der Reblaus, nämlich von Europa nach Nordamerika, nehmen und nicht das Schoiteltum in die Fußstapfen der Reblaus treten lassen. Voraussetzung dafür ist eine ausgeprägte demokratische, humanistische und aufgeklärte Resistenz des Abendlandes. Als Symbol für diese Resistenz gefallen dem Rudl wurzelechte Weingärten, denen die aus Nordamerika eingeschleppte Reblaus bis heute nichts anhaben kann. Davon gibt es mehr als Sie, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, vielleicht denken. Es gibt sogar eine Association Francs de Pied. Das ist dann im wahrsten Sinn des Wortes radikal authentisch, old school und vor allem europäisch. Selbstverständlich hat es nicht überall einen Sinn, wurzelechte Rebstöcke zu pflanzen, aber sandige Böden – und davon gibt es in Österreich den einen oder anderen – wären ein Terroir für vielversprechende Versuche. Die wenigen Weine von wurzelechten Edelweinreben, die der Rudl bis jetzt getrunken hat, sind ihm auf alle Fälle besonders positiv durch Frische und Vielschichtigkeit aufgefallen. Eine aufgeklärt-wachsame Öffentlichkeit mit vergleichbarer Frische und Vielfalt ist nicht die allerschlechteste Resistenz gegenüber dem Schoiteltum. Der reblausresistente Vinifera Sauvignon von Henry Marionnet kann als Beispiel dienen. Europäische Edelweinreben ohne amerikanische Unterlagsreben und trotzdem kein Auftrag für Phylloxera. Ein würdiger Wein, auf europäische Resistenz anzustoßen.

  • 2024 Vinifera Sauvignon, Henry Marionnet, Blois, AOC Tourraine, Loire (8/12)
  • 2023 Sauvignon vom Opok, Roland Tauss, Leutschach, Südsteiermark (5/8)
  • 2023 Sauvignon vom Opok, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Südsteiermark (5/8)
  • 2023 Sauvignon vom Opok, Sternat-Lenz, Remschnigg, Südsteiermark (5/8)
  • 2021 Sauvignon vom Opok, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Südsteiermark (5/8)
  • 2020 Sauvignon blanc flint, Weingut Schnabl, Gamlitz, Südsteiermark (4/6)
  • 2020 Néphèle, Laroque d’Antan, Laroque des Arcs, IGP Côtes du Lot, Sud Ouest (10/15)

Der Weiße vom Bodenforscherpaar Claude und Lydia Bourguignon. Sauvignon blanc, Sauvignon gris, Mauzac rose und Mauzac vert, sowie Verdanelle – nicht wurzelecht, aber quasi aus ganz Frankreich zusammen selektioniert, auf Rupestris du Lot gepfropft und in einem 140 Jahre brachgelegenen Terroir in der Nähe von Cahors ausgepflanzt 

DONNERSTAG, 19. Februar von 17 bis 21 Uhr

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils

Reindorfgasse 22

Am 27. Jänner 1945 sind die Überlebenden aus dem Konzentrationslager Auschwitz befreit worden. Was spricht dagegen, den 27. Jänner deshalb endlich zu einem gesamteuropäischen Feiertag zu erklären? Nichts!

Aux Racines, les Oenologues!

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Petit Manseng ohne Hegoxuri zum Höhepunkt des oenologischen Faschings, Donnerstag, 12. Februar, 17 bis 21 Uhr

Die Appellation Irouléguy hat, zumindest wenn Sie den Rudl fragen, ein Synonym: Hegoxuri. Über diesen Wein hat Ihnen Caviste Rudolf Polifka bereits das eine oder andere erzählt. Wenn es so etwas gibt, ist Hegoxuri vielleicht der Lieblingswein vom Rudl. Und beim Erstkontakt von Rudolf Polifka mit Hegoxuri in einer Biarritzer Weinbar vor siebzehn Jahren hat der Kellner dem Rudl diesen Wein als besten Weißwein der Weinbauregion Sudwestfrankreich vorgestellt. Selten, dass ein Superlativ knapper an die Wirklichkeit herangekommen ist, wenn Sie den Rudl fragen. Am 13. November vergangenen Jahres hat Caviste Rudolf Polifka eine Vertikale dieses Weins glasweise kredenzt und Ihnen als Unterrichtsvorbereitung mitgeteilt, was diesen Wein dem Rudl so besonders macht. Und trotzdem folgt jetzt keine Stundenwiederholung des Unterrichts vom 13. November. Im Gegenteil.

Fasching

Im Fasching hat sich der Rudl stets sehr gerne verkleidet. Das ist ungefähr ein halbes Jahrhundert her. In seinem Geschäft hat er noch kein Gschnas veranstaltet. Vielmehr hat er versucht, der närrischen Zeit, wie man so sagt, durch extravagante Lehrveranstaltungsthemen die Reverenz zu erweisen. Wie aussichtsreich so ein Ansinnen ist, wenn der Sortimentsschwerpunkt eines Weingeschäfts aus savoyardischen und baskischen Bioweinen besteht, das müssen Sie nicht den Rudl fragen, sondern das dürfen gerne Sie, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, beurteilen. Dieses Jahr öffnet der Rudl zum Fasching Weine mit der emblematischen baskischen Weißweinrebsorte Petit Manseng. Hegoxuri wird keiner dabei sein. Viel verrückter geht es dann wirklich nimmer mehr.

  • 2022 Irouléguy blanc, Domaine Ilarria, AOC Irouléguy, Sud Ouest (6/9)

siebzig Percent Petit Manseng, dreißig Petit Courbu, kein Gros Manseng; Kalk

  • 2022 Espilako Xuria, Domaine Espila, AOC Irouléguy, Sud Ouest (6/9)

2004 hat sich Paul Carricaburu am elterlichen Hof niedergelassen, ab 2008 Weingärten gepflanzt, 2016 die Biozertifikation erhalten und 2018 seinen ersten Jahrgang vinifiziert – einer von vielen Neuzugängen im Syndicat des vins d’Irouléguy.

  • 2021 Malda, Domaine Goienetxea, AOC Irouléguy, Sud Ouest (8/12)

Erster Jahrgang von Bixente Indart, auch wieder so einem Schüler von Michel Riouspeyrous. Diesem hat Bixentes Vater Pantxo von 2009 bis 2014 auch die Trauben für den Weißen vom Vulkanboden verkauft. Jetzt macht der Junior selber Wein.    

  • 2021 Irouléguy blanc, Domaine Xubialdea, Lasse, AOC Irouléguy, Sud Ouest (6,50/10)

der einzige Weinbauer in Irouléguy mit einem Terroir aus schwarzem Schiefer

  • 2018 Irouléguy blanc, Domaine Ilarria, AOC Irouléguy, Sud Ouest (6,50/10)
  • 2016 PM, Andert, Pamhagen, Neusiedler See (6/9)

wahrscheinlich der einzige Wein dieser Lehrveranstaltung, der nicht mit Michel Riouspeyrous in Verbindung zu bringen ist

  • 2006 Ravaillac, Les Jardins de Babylone, Aubertin, AOC Jurançon, Sud Ouest (16/24)

Dass eben Didier Dagueneau wenige Kilometer entfernt von den Riouspeyrous mit Guy Pautrat ein zweites Weingut, die Jardins de Babylone, gegründet hat, wissen oenologisch Interessierte. Dass er dort früher einen Wein namens „Ravaillac“ gemacht hat, wissen vielleicht weniger. Den Wein gibt es lange nicht mehr. Rudolf Polifka kredenzt ihn zum ersten Mal in seinem Geschäft und bietet zwei Flaschen zum Verkauf an.

Donnerstag, den 12. Februar von 17 bis 21 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils,

Reindorfgasse 22

Im Übrigen ist der Rudl der Meinung, dass der 27. Jänner, der Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Konzentrationslager Auschwitz, zu einem gesamteuropäischen Feiertag erklärt werden muss.

Auf Michel Riouspeyrous!

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien