Dreierlei vom Kirschgarten. Was Josef Umathum, Monty Python und Anton Tschechow gemeinsam haben.

„Shut up“

 

…, brüllt Michael Palin in Monty Python’s Radioadaption von Anton Tschechows „Der Kirschgarten“, fünfmal. Er hat Tschechows gleichnamiges Stück seinerzeit nur wegen dieses Sketchs gelesen. Geringfügig anders verhält es sich mit dem gleichnamigen Blaufränkischen von Josef Umathum. Den hat Rudolf Polifka auch ohne Sketch und Theaterstück gekostet. Selbiges freilich auch nicht bereut. Aber lassen wir das Gumby Theatre im globalen Dorf.

 

Österreichische Rotweinrebsorten  und Superlative

 

Die österreichische Rotweinrebsorte, die am weitesten verbreitet ist, ist der Zweigelt. Dazu sehr bald sehr viel mehr, vor allem Text.

Die möglicherweise österreichische Rotweinrebsorte mit dem bemerkenswertesten Namen ist vermutlich der Sankt Laurent, insofern als er einen französischen Namen trägt. Es gibt in Burgund sogar einen Ort namens Saint Laurent. Rolle spielt die Rebsorte in Frankreich aber keine. Weinbaumeister Jacques Puffeney bedauert das.

Die österreichische Rotweinrebsorte, die am meisten Gerbstoff hat, ist der Blaufränkische. Und obwohl der Blaufränkische in allen österreichischen Weinbaugebieten und nicht nur dort vorkommt, ist er vor dem Rudl seinem geistigen Auge ein Burgenländer. Dort kommt er in allen vier Weinbaugebieten vor. Für Monsieur Polifka ist das ein ausreichendes Motiv, ihm diese Woche das Thema zu widmen und vier Blaufränkische aus den vier burgenländischen Weinbaugebieten zu öffnen.

 

Uwe Schiefer, Blaufränkisch Szapary 2011, Eisenberg, Südburgenland

 

Wenn Sie jetzt glauben, dass Ihnen der Rudl verrät, was das Charakteristische an den Böden am Eisenberg ist, dann haben Sie sich ordentlich vertan. Wahrscheinlich wissen Sie es eh. Oder Sie raten. Oder Sie fahren hinunter und schauen nach. Dann haben Sie auch etwas vom sensationellen Ausblick am Eisenberg. Und Sie können sich auch davon überzeugen, dass die Blaufränkischen dort irgendwie anders schmecken, bei Monsieur Alfred Weber zum Beispiel.

 

Blaufränkisch Reserve 1985, Weingut Iby, Horitschon, Mittelburgenland

 

Wenn Sie vom Eisenberg wieder nach Hause fahren und nicht in Murska Sobota, Graz oder Triest, sondern in Podersdorf, Wien oder Frauenkirchen wohnen, dann haben Sie mindestens zwei Möglichkeiten. Sie können über Welgersdorf und Oberwart auf die Südautobahn fahren. Das hat den Vorteil, dass Sie beim Weingut Schiefer vorbei fahren können. Es hat aber den Nachteil, dass Sie auf der Autobahn nicht viel sehen, zumindest nichts, was in den Augen vom Rudl sehenswert ist. Wenn Sie vom Eisenberg aber auf der B56 gerade hinauf nach Norden fahren, genießen Sie in den Weingärten von Rechnitz gleich wieder eine ziemlich schöne Aussicht. Dann kommen Sie bald einmal auf die B50 und nach Stoob. Da ist die Aussicht weniger spektakulär. Aber Sie können sehen, was passiert, wenn eine Vase oder ein Teller nicht mehr als eine Wurstsemmel kosten darf. Dann sperrt in einem Ort wie Stoob mit Keramik-Tradition nämlich eine Töpferei nach der anderen zu. Der Präsident der strengen Kammer heißt das dann „abgesandelt“. Die Körperschaft, der er vorsteht, scheint aber seit Jahr und Tag kein gröberes Problem damit zu haben, dass das Mehr im Börserl zum ultimativen Lebensziel wird. Irgendwer muss die ganzen smarten Eiphone, Jeanshosen und Getränkedosen ja auch kaufen. Am besten jeden Samstag oder noch besser Sonntag. Und das ginge nicht, wenn man für einen Teller, mit dem man nicht einmal ein Selfie machen kann, mehr als einen Euro hinlegt. Aber zurück auf die B50. In Stoob kommen Sie zu einer Abzweigung nach rechts. Sie führt Sie in das Blaufränkischland.

 

-länder

 

Es gibt geografische Einheit, die schon ziemlich lange auf „-land“ enden. Und es gibt geografische Einheiten, deren Nachsilbe „-land“ jünger als der Musikantenstadel ist. Warum man den noch nicht auf Stadlland umbenannt hat, ist dem Rudl eh ein Rätsel. Pfiffige Marketingexperten stampfen ein -land nach dem anderen aus dem Boden. Dort wird dann eine Sache zum Klischée, wenn sie es nicht eh schon ist. Ob das Zeichentrickfiguren, Industriespeck aus Massentierhaltung oder als Wein etikettierte Trinkmarmelade ist. Warum nicht auch Schunkelmusikoide im Pro7-Kauderwelsch?

Aber es gibt im Blaufränkischland natürlich interessante Sturschädel. Die pfeifen auf die Weisheiten der Berater, wie man die „Drübersteher und Besserwisser“ (© Querschläger) jetzt nennt. Und darüber hinaus ist es sowieso die Frage, ob man den Blaufränkischen im Mittelburgenland immer schon so gemacht hat. Vielleicht kann die Fünfundachtziger Reserve von Iby Aufsschluss darüber geben.

 

Blaufränkisch 2013, Weinbau Beilschmidt, Rust, Neusiedlersee Hügelland

 

Nach dem Blaufränkischland können Sie über die Burgenlandschnellstraße in Mattersburg auf die S4 auffahren. Nur kommen Sie dann erst recht auf die A2 und sehen nicht besonders viel, vor allem nicht von der „Taillierung“, wie der Kurtl die enge Stelle bei Sieggraben nennt. Wenn Sie auf die B50 zurück fahren, sehen Sie mehr und können über Siegendorf und Sankt Margarethen nach Rust fahren. Dort wohnt dem Rudl sein Namens- und Rentenvetter, Weinbaumeister Beilschmidt. Der hat 1980 aus Sparsamkeitsgründen auf synthetische Düngemittel verzichtet und dabei damals schon entdeckt, dass es ohne dieses Glumpert sogar besser geht. Seine Blaufränkisch Reben stehen auf sandigem Lehm.

 

Blaufränkisch Kirschgarten 2011, Josef Umathum, Jois, Neusiedlersee

 

Wahrscheinlich es ist viel zu früh, diesen Wein jetzt zu trinken. Aber Caviste Rudolf freut sich, dass er den jetzt im Sortiment hat. Er erinnert ihn ein bissl an die Domaine des Ardoisières von Brice Omont. Und der Boden vom Kirschgarten dürfte mit dem in Cevins auch einiges gemeinsam haben, nicht nur Schiefer und Quarz, auch den Umstand, dass beide Weinberge lange Zeit brach gelegen sind. Beide sind in Terrassen angelegt. Beiden schauen auf Wasser hinunter. Der in Cevins auf die Isère, der Kirschgarten auf den Neusiedlersee. Zum nächsten Skilift hat man es vom Kirschgarten freilich deutlich weiter. Und die Tour de France-Radler kommen beim Joiser Kirschgarten auch nicht so oft vorbei, aber das sollte terroirmäßig nicht allzu sehr ins Gewicht fallen.

 

Nicht ausschließlich diese vier Weine, sondern auch ein paar andere und das Bräustübl Fastenbier aus Salzburg Mülln kredenzt Herr Rudolf diese Woche

 

am Donnerstag, den 18. Februar und am Freitag, den 19. Februar

von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

 

Nachrichten aus dem Flaschensortiment

 

Neben dem Kirschgarten sind ab sofort

  • Sankt Laurent Klassik 2013 von Josef Umathum
  • Zweigelt Graf 2011 und
  • Sauvignon Opok 2013 von Maria und Sepp Muster, sowie
  • Pinot Noir 2011 von Josef Lentsch verfügbar.

 

Herr Rudolf grüßt die Kirschgärten!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

neunzehn − zwei =