Monsieur Rudolf hat letzte Woche an dieser Stelle sein Lamento über mit fossilen Brennstoffen zu befahrende Weinstraßen ausgebreitet. Da wird der Hinweis auf charmantere Weinwege diese Woche förmlich zum Gebot der Ausgewogenheit. Im Weinviertel etwa gibt es Radlwege, die nach Rebsorten benannt sind. Von seinerzeit bis jetzt noch immer ist es eine Passion von Rudolf Polifka, diese Gegenden einer Befahrung zu unterziehen. Anfangs noch mit seinem ganglosen Waffenrad der Marke Puch.
Von der EG-Außengrenze zur EU-Binnengrenze
Den Rudl zieht es ja zu den Grenzen. Als Schulbub ist er fast jede Woche über die Saalach gefahren, weil in der BRD damals die meisten Schallplatten ein paar Tage früher erhältlich gewesen sind als diesseits der damaligen EG-Außengrenze. Aber was ist die Saalach im Vergleich zur March? Was ist Freilassing gegen Devínska Nová Ves? Und was die Falco3 gegen den Gewürztraminer von Roland Minkowitsch?
Traminer Radroute
Der südöstlichste Weinviertler Radweg ist nach dem Traminer benannt. Er führt von Angern an der March über Stillfried nach Ebenthal, wo im Weingut Zillinger schon in den Achtziger Jahren biologisch gearbeitet worden ist. Und damals war das aber schon so etwas von nicht hip. Über Niedersulz geht es dann nach Hohenruppersdorf. Von dort kann man über Groß Schweinbarth, Matzen und Prottes wieder zurück nach Angern fahren, wobei das dann schon eher wie ein Erdölradweg als ein Traminerradweg ausschaut. Die Strecke ist 59,73 Kilometer lang. Der niedrigste Punkt befindet sich auf 145 Metern Meereshöhe, der höchste auf 258. Eine Tour de France Etappe ist das noch nicht. Dafür hat man einen wunderschönen Blick auf die Karpaten.
Ein Staatssekretär mit Courage und der Gewürztraminer
Dass es in dieser Gegend heute viel Traminer gibt, ist einem Politiker mit Mut zu verdanken. Der gelernte Jurist Mag. Roland Minkowitsch war Staatssekretär im Innenministerium und zweiter Präsident des Nationalrates. Trotzdem wollte es das Schicksal so, dass er das elterliche Weingut übernehmen musste. Darauf ist er aber nicht vorbereitet gewesen. Darum hat er immer wieder die Weinbauern im Dorf um Rat gefragt. Hätte der Staatssekretär damals das getan, was gerade angesagt war und alle anderen auch gemacht haben, dann hätte er vielleicht auf Massenträger wie den Braunen Veltliner gesetzt. Aber die alteingesessenen Gscheitln haben den Magister der Jurisprudenz „anrennen“ lassen. Daraufhin hat der Bücher über den Weinbau gelesen und Riesling sowie Gewürztraminer ausgepflanzt. Das hat ihm den nicht als Kompliment gedachten Titel „Biachlbauer“ eingetragen und dem Weinfreund ziemlich lagerfähige Traminer und Rieslinge. Das können Sie dem Herrn Rudolf glauben oder diese Woche in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils geschmacklich nachvollziehen.
Roland Minkowitsch, Gewürztraminer Auslese 1979
Im Frühling 1979 war es oft kalt und regnerisch. Der Frühsommer hat sich dann ins Zeug gelegt, um durch Wärme und Trockenheit zu kompensieren, was zu kompensieren war. Auch im September und im Oktober war es überdurchschnittlich warm und trocken. Viel mehr kann man sich von einem Weinjahrgang nicht erwarten.
Die österreichische Fußballnationalmannschaft ist damals in der Qualifikation für die Europameisterschaft 1980 in Italien am späteren Finalisten Belgien gescheitert.
Roland Minkowitsch, Gewürztraminer Auslese 1995
Das Jahre hat weinklimamäßig ähnlich wie 1979 begonnen. Nur ist es im August und Anfang September kalt und nass geworden. Dabei sind viele Trauben verschimmelt. Was bis Oktober gesund geblieben ist, hat dann von einem sogenannten Altweibersommer profitiert. Ein Prädikatsweinjahrgang mit hohen Säurewerten.
Die österreichische Fußballnationalmannschaft hat die Qualifikation für die Europameisterschaft in England trotz zweier Siege gegen Irland verpasst. Abgegangen ist sie dort nicht vielen. Die EM ist im Zeichen eines nicht ganz durchtrainierten, wasserstoffblonden Engländers aus Newcastle gestanden. Von seinem Tor sollte sich der stolze schottische Fußball nicht mehr erholen.
Roland Minkowitsch, Gewürztraminer Premium 2013
Auf einen niederschlagsreichen, kühlen Winter, niedrige Temperaturen im Frühling und Schnee zu Ostern folgte eine erste Hitzewelle im Juni und Rekordtemperaturen im Juli und im August.
Die österreichische Fußballnationalmannschaft scheitert an der Qualifikation für die WM in Brasilien. Vielleicht wollte sie aber auch nur dem Samba-Musikantenstadel aus dem Weg gehen.
Keine Generationenkonflikte
Weil der Traminer eine der vier ältesten bekannten Rebsorten ist und weil der Herr Rudolf in den letzten Wochen, abgesehen von der Schnabel-Blaufränkisch-Vertikale wenig Rotes geboten hat, ergänzt er das ausgeschenkte Angebot um zwei Vertreter der Rebsorte Pinot Noir. Die ist nur eine Generation jünger als der Traminer. Und bei Rebsorten spielt eine Generation auf oder ab eine weit geringere Rolle als, sagen wir, bei pubertierenden Jugendlichen.
Jacques Maillet, Pinot Noir 2011, AOC Vin de Savoie
Karl Schnabel, Pinot Noir Hochegg 2012, Sausal
Diese fünf Weine, aber nicht ausschließlich diese fünf gibt es glasweise
am Donnerstag, den 22. Oktober und am Freitag, den 23. Oktober
von 16 bis 22 Uhr
in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22.
Herr Rudolf wünscht eine formidable Woche!
Von 26. Oktober bis 2. November finden an den Schulen die jährlichen inoffiziellen Herbstferien statt. Deshalb bleibt die Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils am 29. und am 30. Oktober geschlossen.