Grüner Veltliner Steinleithn vom Geyerhof – lückenlos vertikal. Quasi eine Fortsetzung der letzten Lehrveranstaltung vor dem ersten Lockdown, Donnerstag, 15. Jänner, 17 bis 21 Uhr

Geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, wissen Sie, was das letzte Forschungsthema in der Weinhandlung Rudolf Polifka et fils vor der ersten kollektiven langen Sperrstunde im März 2020 gewesen ist? Es waren zwei Kurzvertikalen, Grüner Veltliner Spiegel vom Mantlerhof und Grüner Veltliner Steinleithn vom Geyerhof – ziemlich sicher über die Jahre hinweg die beiden Lieblingsveltliner vom Rudl. Jahrgangstechnisch ist es damals im März des Zwanzigerjahres um den Zeitraum zwischen 2008 und 2017 gegangen, mit der einen oder anderen Lücke. Die Stimmung an diesem 12. März 2020 ist sonderbar gewesen. Der Lockdown für 16. März war verlautbart, eine Mischung aus „Machen, was geht, solange noch etwas offen ist“ und „Warten, bis endlich alles geschlossen und man selber zuhause in Sicherheit ist“. Dass das alles länger als zwei oder drei Wochen dauern würde, hätte sich der Rudl damals nicht gedacht. Dass ein paar Ewiggestrige Covid heute noch als politisches Thema strapazieren, noch viel weniger. Inzwischen ist viel Wein die Forscherinnen- und Forscherkehlen hinunter geronnen. Und Caviste Rudolf Polifka verspürt das Bedürfnis, an die kleine luckerte Steinleithn-Vertikale von seinerzeit anzuknüpfen. Oenoparadoxerweise muss er das mit einer Lücke machen. Denn seine letzte Bouteille Steinleithn 2018 hat sich dislociert. Dafür geht es von 2019 bis 2023 dann lückenlos dahin. Für repetitiv veranlagte Oenologinnen und Oenologen, wie der Rudl selbst einer ist, erlaubt sich dieser, ein paar Zeilen über diesen für ihn ganz besonderen Grünen Veltliner einzubauen. Er hat diese seinerzeit, etwa zehn Jahre ist es her, geschrieben. Gelten tun sie noch immer.

Grüner Veltliner Steinleithn Geyerhof. Eine Stundenwiederholung

Es muss Ende Jänner neunundneunzig gewesen sein. Der Rudl hat es sich in den Kopf gesetzt, in Oberfucha den Geyerhof zu besuchen. Mit Zügen und zu Fuß. Der Hügel, den man dabei von Palt hinauf nach Oberfucha zu überwinden hat, ist verschneit gewesen. Es war kalt und dunkel, weil doch schon eher gegen Ende einer längeren Exkursion. Droben am Geyerhof angekommen hat Monsieur Polifka einmal an allen Türen, die er gesehen hat, geklopft. Und als er seine Mission gedanklich bereits beendet gehabt hat, ist eine der zahlreichen Türen aufgegangen. Eine ältere Dame ist heraus gekommen. Der hat Rudolf Polifka sein Ansinnen unterbreitet. Das schien die Dame nicht sonderlich beeindruckt zu haben. „Wir haben keinen Wein mehr“, war ihre knappe, aber wenigstens an Eindeutigkeit nichts zu wünschen übrig lassende Erwiderung. Der Rudl wollte sich verabschieden, da hat die Frau gemeint: „Einen Karton Grünen Veltliner Steinleithn haben wir noch. Der ist nicht abgeholt worden.“ Nicht ganz bequem, aber ausgesprochen zufrieden ist Monsieur Polifka daraufhin mit seinem Karton Grüner Veltliner Steinleithn 1997 zur Bahnstation Furth-Palt hinunter gegangen. Er hat dann im Lauf der Jahre immer wieder eine Flasche aufgemacht und ist jedes Mal begeistert gewesen. Die letzte hat er lange Zeit nicht aufgemacht, bis irgendwann einmal, 2008 oder 2009, ein paar Forscherkollegen die Idee gehabt haben, den einen oder anderen Grünen Veltliner aus dem hochgejubelten Jahr 1997 gegeneinander antreten zu lassen.

Neben dem Steinleithn vom Geyerhof haben die namhaften Grünen Veltiner alt ausgeschaut.

Lage Steinleithn

Steinleithn ist karg, nach Osten ausgerichtet und besteht aus den fast genauso kargen Resten des geologischen Schulwissens vom Rudl: Feldspat, Quarz und Glimmer – geschiefert. Fette Weine wachsen auf anderen Böden.

Den 2023er Grünen Veltliner Steinleithn vom Geyerhof gibt es ab sofort beim Rudl. Von etlichen anderen Jahrgängen der aktuellen Vertikale ist noch die eine oder andere Restflasche verfügbar.

Den Jahrgang 1997 von einem anderen Lieblingsvertreter dieser Rebsorte hat der Rudl leider verschlafen. Nicht ganz, eine Einzelflasche Grünen Veltliner Spiegel 1997 vom Mantlerhof hat er damals noch bekommen. Es ist eine von den Flaschen, die man wie seinen Augapfel hütet und auf eine würdige Gelegenheit zur Öffnung wartet. Aber zurück ans rechte Donauufer:

Dass der Rudl, wie oben erwähnt, den Jahrhundertjahrgang 1997 vom Grünen Veltliner Spiegel versäumt hat, ist ihm eine Lehre gewesen. Was ihm da beim letzten Jahrhundertjahrgang des zwanzigsten Jahrhunderts passiert ist, hat sich beim ersten Jahrhundertjahrgang des einundzwanzigsten nicht wiederholt. Zum Glück. Denn was ein großer Wein ist, kann und will der Rudl nicht beurteilen. Aber dass er ohne irgendein Bedenken eine Flasche Spiegel 2021 neben den Steinleithn 2021 auf den Küchentisch von Pierre Overnoy gestellt hat, verschweigt er nicht. Josef Mantler jun. bezeichnet 2021 als ersten Jahrhundertjahrgang.

  • 2020 Grüner Veltliner Steinleithn, Geyerhof, Oberfucha, Kremstal – rechtes Donauufer (6,50/10)
  • 2019 Grüner Veltliner Steinleithn, Geyerhof, Oberfucha, Kremstal – rechtes Donauufer (6,50/10)

DONNERSTAG, 15. Jänner von 17 bis 21 Uhr

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils

Reindorfgasse 22

Am 27. Jänner 1945 sind die Überlebenden aus dem Konzentrationslager Auschwitz befreit worden. Was spricht dagegen, den 27. Jänner deshalb endlich zu einem gesamteuropäischen Feiertag zu erklären? Nichts!

Per Spiegel ad Steinleithn!

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