Schmeckate Rebsorten und Bildungspolitik. Letzte Schulwoche vor den Herbstferien

Schwerer Stand

Aromaintensive Rebsorten, auch „schmeckate Rebsorten“ genannt, haben es momentan doppelt schwer. In Zeiten materiellen Wohlstands scheinen sie sowieso nicht allzu hoch im Kurs zu stehen. Dazu kommt, dass gar nicht so wenige Weine aus an und für sich gar nicht so aromaintensiven Rebsorten mit Hilfe des Chemiezauberkastls dem Geschmack von Menschen, die in ihrer Kindheit viel Kracherl getrunken haben, angebiedert werden. Nicht dem Rudl seines.

Wirklich nur extraordinaire „Schmeckate“

Man kann natürlich unterschiedlicher Meinung sein, was eine aromaintensive Rebsorte ist. Riesling, Pinot Gris, Sauvignon Blanc und Altesse sind aromatisch vermutlich ausgeprägter als Weißburgunder, Chardonnay oder Melon de Bourgogne. Aber Erstere sind im laufenden Kalenderjahr das eine oder andere Mal vor den Vorhang gebeten worden. Traminer dagegen wirklich nur einmal und Muskateller gar nicht. Darum beschränkt sich Caviste Rudolf diese Woche auf diese dezidiert „schmeckatn“ Rebsorten.

  • Muskat3 2017, Christine Lentsch, Dankbarkeit, Neusiedlersee (2,50/4)

    Wenn alles oder wenigstens mehr auf der Welt so wie die Dankbarkeit wäre! Dann müsste man sich um die Demokratie nicht so viele Sorgen machen. Vielleicht ist diese These erklärungsbedürftig. Aber das ist kein Problem: Die Familie Lentsch keltert Weine, die denen schmecken, die sich intensiv bis fast ausschließlich mit Wein befassen, die aber auch denen schmecken, die einfach einmal ein Glasl Wein trinken wollen, ohne darüber danach eine Prüfung abzulegen. Wein ohne Anbiederung an irgendjemanden, vielleicht gerade deshalb mehrheitsfähig.

    Eine Regierung, die Politik machen würde, wie die Dankbarkeit Wein macht, wäre wohl der effizienteste Schutz vor blonden Schoitln.

  • Weißer Traminer Höhweingarten 2017, Weingut Rudolf Fidesser, Platt, Retzer Land (4/6)

    sehr trocken, 2,4 g Restzucker

  • Neuberger 2016, Weingut Dieter Dorner, (6/9)

    Zweitausendsechzehn ist nicht nur in der Steiermark ein extremes Weinjahr gewesen. Und das ist jetzt nicht das Gejammere von Bauern über das Wetter, das früher viel besser gewesen ist. Ein Gejammere, das eine Entsprechung in jenem von Lehrern über die Schüler, die früher viel besser gewesen sind, hat. Eine Abschweifung mit Ansage, dafür ohne Influenzer:

    Schulweinrat Rudolf glaubt nicht, dass die Schülerinnen und Schüler früher besser gewesen sind. Sie haben nur keine mobilen Endgeräte in ihrer Hand picken gehabt. Die zu verbieten wäre übrigens Sache der Schulpolitik. Aber dazu hat die nicht die nötige Courage. Und weil sie die nicht hat, schwärmt sie lieber völlig weltfremd von den Einsatzmöglichkeiten der mobilen Endgeräte im Speziellen und jenen der Digitalisierung im Allgemeinen. Auf der Strecke bleiben nachweisbar überproportional viele Kinder und Jugendliche aus sogenannten bildungsfernen Schichten. Das wiederum sind überproportional stark Kinder und Jugendliche aus Zuwanderermilieus. Die werden dann mit kleinformatigen Umsonstzeitungen, Billigflügen und immer noch billigerem Industriefleisch abgespeist. Das Schnitzerl, das Schnitzerl, das Schnitzerl! Nicht nur Schulmeister Rudolf beobachtet derlei, inzwischen interessiert sich auch die Wissenschaft dafür, möglicherweise nicht in Österreich. Dort scheinen den Bildungswissenschaftlern der Gleichschritt der Lehrerinnen und Lehrer sowie Kosmetik von vorrangiger Bedeutung. Darüber hinaus lamentieren Schulideologen aller Couleurs, dass Bildung vererbt werde. Eine Metapher, die nicht viel missglückter sein könnte, aber vielleicht auch nicht ganz weit weg von der Ideologie das Licht der Welt erblickt hat. Herr Rudolf vertritt die Auffassung, dass ohne Anstrengung seitens des Erbenden geerbt wird. Wer der Meinung ist, das sei auch im Fall von Bildung möglich, der versteht Bildung anders als Herr Rudolf.

Zurück zum Weingut Dieter Dorner: In den Weingärten von

Novi vrh, gleich auf der slowenischen Seite der Mur hat es im Frühjahr 2016 wie auch in anderen Weinbaugebieten noch sehr spät gefroren. Beim Weingut Dorner hat es dabei achtzig Prozent des gewöhnlichen Ertrags „erwischt“. Jetzt ist es just 2016 vierzig Jahre her gewesen, dass der unvergessene Dieter Dorner sein Weingut biologisch umgestellt hat. Darum haben sie am Weingut Dorner nicht über das Wetter gejammert, sondern das Wenige, was da und dafür von ziemlich extraordinairer Qualität gewesen ist, zu einem einzigen Jubiläumswein gemacht. Der ist dann in Halbliterflaschen gefüllt, mit Naturkork verschlossen und einem handgedruckten Etikett, das jenem von 1976 nachempfunden ist, versehen worden. Entweder hat der Spätfrost dem Traminer weniger geschadet als anderen Rebsorten oder der Traminer hat am Projekt Jubiläumswein fleißiger mitgearbeitet.

  • Muskateller vom Opok 2015, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Steirerland (4/6)
  • Gewurztraminer Bollenberg „La Chapelle“ 2013, Domaine Valentin Zusslin, Orschwir, Elsass (5/8)

    trocken, und zwar nicht nur im eslässischen Sinn

  • Goldmuskateller „Schwalbenschwanz“ 2017, Andreas und Elisabeth Tscheppe, Glanz an der Weinstraße, Steirerland (6,50/10)

    Glasweispremiere dieses Weines beim Rudl. Monsieur Rudolf hat es sich heuer im Frühjahr nicht nehmen lassen, von seinem Urlaubsquartier zu Andreas Tscheppes Weingärten am Krepskogel zu laufen. Viele solche Weingärten gibt es in der Steiermark nicht. Maischevergoren.

    (in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

Nicht nur diese Weine gibt es glasweise

am Dienstag, den 22. Oktober und am Donnerstag, den 24. Oktober

von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Neuigkeiten aus dem Sortiment

Ab sofort sind folgende Weine von Josef Umathum in den aktuellen Jahrgängen wieder verfügbar:

  • Rosa 2018 (12,50 Euro)
  • Sauvignon Blanc 2018 (13,50 Euro)
  • Königlicher Wein MMXVI (21 Euro)
  • Sankt Laurent Klassik 2017 (12,50 Euro)

Und auch die Jiddische Hühnerleberpastete von der Dankbarkeit gibt es wieder.

Vorschau I

Am 29. und 31. Oktober befindet sich Caviste Rudolf auf Dienstreise im Südburgenland und sucht Eisen im Wein. Darum bleibt die Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils am 29. und 31. Oktober geschlossen.

Vorschau II

Am Mittwoch, den 13. November findet im Alten Rathaus (Wipplingerstraße 8) die alljährliche Weinauktion zugunsten des Integrationshauses statt. Wer dort etwas ersteigert, bekommt in der Woche drauf ein Achtel beim Rudl auf Haus.

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag der Menschenwürde erklärt!

Herr Rudolf grüßt aromatisch wie demokratisch!

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57

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