Rote Veltliner von Sepp Mantler assistiert von Kuczera, Dupasquier und Gravner

Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass Spache zu fast allem tauglich ist, nur nicht zur Vermittlung von Inhalten, dann würden die Farbbezeichnungen von Obst und Gemüse im Allgemeinen und die der Weinsprache im Speziellen diesen liefern. Dass beispielsweise die Schwarzbeeren im Laufe ihrer Vegetationsphase so ziemlich alle Farben annehmen, außer Schwarz, das hat eine der Lieblingsmusikkapellen vom Rudl, die Querschläger aus dem Lungau, schon einmal herausgearbeitet. Beim Wein schaut es ganz ähnlich aus. Da stimmt fast gar nichts. Der Blaue Zweigelt ist vielleicht blau. Aber da ist die Namensbezeichnung insgesamt misslungen. Beim Pinot Noir etwa kann die Farbbezeichnung wirklich nur den Sinn einer Abgrenzung von anderen Pinots haben. Und die sind auch alles andere als grau oder weiß. Die Sauvignons detto. Beim Blauen Muskateller würde sie passen, nur gibt es den so gut wie nicht mehr. Bleibt Blaufränkisch, wo der Rudl das Farbpräfix irgendwie nachvollziehen kann. Und dann halt ein paar Rebsorten, denen das Farbadjektiv einen mehr oder weniger rötlichen Schimmer im Vollreifestadium der Weinbeeren andichtet. Für den Wein ist das höchstens im Fall einer Mazeration relevant. Aber die Trauben etwa der Roussette, im bürgerlichen Namen Altesse und Lieblingsrebsorte vom Rudl, werden irgendwann einmal rötlich, wenn sie lange genug am Stock hängen. Auch die von der Roussanne, vom Roten Traminer, vom Rosenmuskateller und die vom Roten Veltliner.

Roter Veltliner

Der Rote Veltliner hat mit dem populäreren Grünen Veltliner nicht viel zu tun, außer vielleicht die Verwandtschaft mit Heunisch. Das heißt aber nicht viel. Die Aufmerksamkeit, die die österreichische Weinmarketing dem Grünen Veltliner schenkt, untscheidet diesen dafür umso mehr von seinem roten Namensvetter.

Der Rote Veltiner ist ein alter Bursch. Und alte Burschen sind oft Mimosen. Da gibt es kaum ein Schwammerl, vor dem der Rote Veltiner keine Federn hat, das obwohl er eine passabel dicke Haut hätte. Kalte Füße sind auch nicht Seines. Dass er dann noch ziemliche Ansprüche an die Lage stellt, passt da gut ins Bild.

Einem Herrn Franz Hietl ist es zu danken: Im Neunzehnhundertsechzehner Jahr war zur Weinblütezeit ein recht ein Sauwetter. Da hat Herr Hietl bemerkt, dass ein Stock trotzdem einen Traubenbehang gehabt hat. Den hat er mit wissenschaftlicher Assistenz recht mühsam weiter selektioniert. Danach hat sich dann der Vater von Sepp Mantler Verdienste um die Verbreitung des Hietl-Veltiners gemacht.

Das Vorleben des Roten Veltiners liegt weitgehend im Dunkeln. Neuburger, Zierfandler und Rotgipfler gelten als seine Kinder. Mit dem Grünen Veltiner ist er nicht verwandt.

Die Trauben sind dichtbeerig. Das macht ihn nicht unkomplizierter. Reifen tut er später, heute auf gar keinen Fall ein Nachteil. Der Ertrag ist unsicher, was in Anbetracht der oben aufgeführten Kapriziositäten kaum verwunderlich ist. Die Geisterfahrer, heute nennt man die „Kommunikationsprofis“, in einer staatstragenden Partei würden ihm vermutlich Prinzessinnenhaftigkeit nachsagen. Löss mag er, tiefe Lagen nicht.

Quantitativ tendiert der Rote Veltliner zu Übertreibungen. Wird er von der sichtbaren Hand des Weinbaummeisters nicht gebremst, kommt nichts Gutes heraus. In dieser Hinsicht verhält sich der Rote Veltiner gerade so wie der Wohnungsmarkt, die Raumordnung und der Verkehr. Nimmt der Winzer seiner Aufgabe ernst und reguliert und kontrolliert, dann sind Würze, Haselnussaromen, Frische und Langlebigkeit die Folge.

Da denkt der Rudl an Altesse. Ein paar der fast zahllosen Namen für den Roten Veltliner sind Rebolina, Ryvola Crvena und Weißholzige Ribula Maucnjk.

Darum ergänzt der Rudl die vier Jahrgänge Roten Veltiner vom Mantlerhof durch eine Altesse von Dupasquier, einen Zierfandler von Friedrich Kuczera, einen Neuburger vom Mantlerhof und einen Ribolla von Josko Gravner.

Mantlerhof

Sepp Mantler ist einer der Weinbauern, deren Weine der Rudl gleich einmal entdeckt hat, als er begonnen hat, sich näher mit Wein zu beschäftigen. Das war Anfang der Neunziger Jahre. Und das war damals nicht einmal der berühmte Grüne Veltliner Spiegel 1986, sondern vor allem der Riesling Wieland. Irgendwo hat der Rudl bei seinem ersten Besuch am Mantlerhof gemerkt, dass er dieses Haus nicht nur mit viel gutem Wein, sondern auch ein Eck gscheiter verlässt, als er vorher gewesen ist. Wenn Sie so wollen, ist das so etwas wie eine Konstante in der Weinbegeisterung vom Rudl.

Roter Veltiner Reisenthal 2006

Ein heißer Jahrgang, schon während der Blüte. Das kann das Ankeimen der Pollen verhindern. Verrieselung. Direkt erwünscht ist die nicht. Als Kollateralnutzen kann aber erhöhte Lockerheit in der Traube die Folge sein.

Heiß ist es dann weiter gegangen. Bis in den Herbst hinein. Medium steht am Etikett. Ganz trocken ist der Zweitausendsechser damals nicht gewesen. Der Rudl ist schon neugierig, inwiefern das eingebunden ist. Bedauerlicherweise ist es dem Rudl seine allerletzte Flasche.

Roter Veltiner Reisenthal 2008

Über den Jahrgang haben sie gejammert wie über den Zweitausendzehner. Für Caviste Rudolf ist 2008 ein herausragender Jahrgang. Frische, Charakter und Eleganz in perfekter Kombination.

Roter Veltiner Reisenthal 2013

Wenn es nach Rudolf Polifka geht, ein idealer Jahrgang, auch wenn der Sommer extrem heiß gewesen ist. Die meisten guten Weine dieses Jahrgangs sind ziemlich sicher noch nicht am Zenit.

Roter Veltiner Reisenthal 2014

Geschrieben wird ja fast jeden November von einem „Winzerjahrgang“. Für 2014 dürfte das sogar gestimmt haben. Ohne Botrytisverzögerer und anderen Hexenzauber sind elegante Weine mit sehr hoher Lagerfähigkeit entstanden. Die guten werden sicher noch ein Zeitl brauchen. Die anderen sollten schon getrunken oder einer anderen Verwendung zugeführt sein.

  • Roter Veltliner Reisenthal 2014, Mantlerhof, Brunn im Felde, Kremstal (4/6)
  • Roter Veltliner Reisenthal 2013, Mantlerhof, Brunn im Felde, Kremstal (4,50/7)
  • Roter Veltliner Reisenthal 2008, Mantlerhof, Brunn im Felde, Kremstal (5/8)
  • Roter Veltliner Reisenthal 2006, Mantlerhof, Brunn im Felde, Kremstal (5/8)
  • Zierfandler 2016, Kuczera, Gumpoldskirchen, Thermenregion (2,50/4)
  • Neuburger 2015, Mantlerhof, Brunn im Felde, Kremstaler (2,50/4)
  • Roussette de Savoie 2013, Dupasquier, Aimavigne, Savoie (3/5)
  • Ribolla 2005, Gravner, IGT Venezia Giulia, Italien (9/14)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

aber selbstverständlich nicht ausschließlich diese Weine kredenzt der Rudl glasweise

am Mittwoch, den 4. Oktober und am Freitag, den 6. Oktober

jeweils von 16 bis 22 Uhr

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Nachrichten aus dem Flaschensortiment

Caviste Rudolf freut sich, es endlich geschafft zu haben, wieder einen Wein von Josef Salomon ins Sortiment zu befördern. Da er co-zweimäßig auf kleinem Fuß und also bis Staatz mit der Eisenbahn unterwegs gewesen ist, gibt es derweil einmal nur den trockenen Gemischten Satz 2016.

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag erklären sollte!

Vorschau auf die Lehrveranstaltungen vom 11. und 13. Oktober:

voraussichtlich nothing else but Chardonnay

Herr Rudolf wünscht einen guten Appetit!

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

dreizehn + zwei =