Riesling Kellerberg Vertikale Bioweingut Schmidl, Dürnstein

Vertikal v horizontal

Es gibt ein paar Wortpaare, da muss der Rudl regelmäßig nachdenken, bevor er sie korrekt verwenden kann. „Konkav“ und „konvex“, zum Beispiel, „leihen“ und „borgen“ sowieso, wobei diese zwei konversen Verben heute weitgehend synonym verwendet zu werden scheinen. Manchmal muss der Rudl, auf die Schnelle vor die Frage gestellt, sogar über „horizontal“ und „vertikal“ kurz nachdenken.

Möglicherweise hat das mit Weinvertikalen zu tun. Auf seiner geistigen Netzhaut bildet sich die Zeitachse einer Weinvertikale immer waagrecht, nie senkrecht ab. Wenn das geistige Auge den Gesetzen der Optik folgt, handelt es sich um eine spiegelverkehrte Abbildung, aber eben horizontal.

Dürnsteiner Kellerberg

Verwitterter Gneis und eine der bekanntesten Rieden in der Wachau. So viele Weinbauern sind es aber gar nicht, die am Dürnsteiner Kellerberg einen Weingarten haben. Genaugenommen vinifizieren nur ganz wenige Weinbauern, die am Dürnsteiner Kellerberg einen Weingarten haben, ihren Wein selber. Die meisten liefern ihre Trauben an die ortsansässige Winzergenossenschaft. Und Weinbäuerin gibt es des Rudls Wissens sowieso nur eine, die Weintrauben vom Dürnsteiner Kellerberg selber vinifiziert. Das ist die Frau Harm. Früher hat sie Schmidl geheißen. So heißt jetzt noch das Weingut.

Weine – zu aufgelegt für den internationalen Frauentag

Caviste Rudolf hat die Idee gehabt, die Riesling Kellerberg Vertikale vom Weingut Schmidl in der Woche vom internationalen Frauentag zu kredenzen. Da würde sie ganz gut hinpassen. Denn die Art und Weine, wie Frau Harm das elterliche Weingut übernommen hat und führt, nötigt dem Rudl einen Batzen Respekt ab.

Es ist jetzt nicht so, dass der Rudl keinen Wert auf eine korrekte und vor allem treffsichere Ausdrucksweise legen würde. Nur, die Art und Weise, wie die Debatte um das Binnen-I und die Töchter geführt wird, scheint ihm doch in erster Linie den dings zu nützen.

Töchter

Dass jemand das elterliche Weingut übernimmt, ist nicht selbstverständlich. Dass eine Frau das macht, auch nicht gerade. Und dass eine Frau, die mit einem Mann aus einer Weinbauernfamilie verheiratet ist, das elterliche Weingut übernimmt und dann nicht dem Mann aus der Weinbauernfamilie die Führung des Weingutes überlässt, sondern selber oben steht und die Verantwortung übernimmt, ist noch weniger selbstverständlich. Dass eine Frau das mit vier Kindern macht, erscheint dem Rudl als noch außerordentlicher. Dass sie das elterliche Weingut dann auch biologisch umgestellt hat, ist vergleichsweise vielleicht fast schon nachvollziehbar.

Lebendigkeit im Weingarten ist Theresia Harm an sich ein Anliegen, dass diese Lebendigkeit die Charakteristika der Lagen deutlicher im Wein zum Ausdruck bringt, ihr aber auch nicht unwesentlich. Im Keller ungeschönt und spontan vergoren.

2018

Es ist dieses Phänomen, im Februar 2019 ziemlich präzise zu wissen, was jemand am soundsovielten Februar 1976 gesagt hat, aber sich im Supermarkt seines Misstrauens beim besten Willen nicht mehr erinnern zu können, warum man ihn angesteuert hat. Herr Rudolf gibt zu, an diese Kombination aus distanter Hypermenz und Kurzzeitdemenz zu leiden. Ein paar Sachen gibt es freilich, die sind so ausgeprägt, dass man sie nicht vergisst. Die Affenhitze im vergangenen Sommer zum Beispiel. Daran kann sich jeder erinnern. Die meisten Weinbauern haben zu einem rekordzeitigen Termin mit der Lese begonnen, nicht nur beim Bouvier. Caviste Rudolf ist besonders neugierig auf die Weine der Weinbauregion Bergland aus 2018. An und für sich erscheint dem Rudl der Februar nach der Lese nicht als der geeignete Zeitpunkt, um sich ein Bild von einem Wein zu machen. Vielleicht ist das heuer eine Spur leichter möglich, weil die Weine aufgrund der frühen Lese im Vorjahr um ein kleines Zeitl mehr gehabt haben.

2016

Einer von bislang drei nicht sauheißen Jahrgänge in der laufenden Dekade.

2008

Ein anderer Lieblingsjahrgang vom Rudl, von der österreichischen Fußballnationalmannschaft eher genauso wenig wie 2016.

2007

Ein bissl blöd kommt sich der Rudl schon vor, wenn er hier andauernd über das Wetter schreibt. Aber nach seinem Verständnis von Wein ist das Klima halt nicht ganz unwesentlich für den Geschmack von dem, was Jahre später dann einmal aus dem Flascherl rinnt. Ein anderer wichtiger Faktor ist der Boden. Der ist im Vergleich zum Wetter verhältnismäßig konstant und vom Homo sapiens sapiens weniger leicht zu beeinflussen. Der Rudl möchte freilich nicht ausschließen, dass irgendwo in einem Labor längst daran gearbeitet wird, den unzeitgemäßen Boden zu modernisieren und zu flexibilisieren. Höchste Zeit für einen Boden 4.0 oder so. 2007 ist auf alle Fälle heiß gewesen.

2006

Noch heißer als 2007, vor allem der Herbst. Spektakuläres Ende einer Fußballerkarriere.

  • Riesling Federspiel Kellerberg 2018, Weingut Schmidl, Dürnstein, Wachau (3/5)
  • Riesling Smaragd Achleiten 2016, Weingut Schmidl, Dürnstein, Wachau (5/8)
  • Riesling Smaragd Kellerberg 2008, Weingut Schmidl, Dürnstein, Wachau (6/9)
  • Riesling Smaragd Küß den Pfennig 2007, Weingut Schmidl, Dürnstein, Wachau (6/9)
  • Riesling Samragd Küß den Pfennig 2006, Weingut Schmidl, Dürnstein, Wachau (6/9)
  • Und sollte der Rudl den schon heftigst gesuchten Zweitausendeinser noch finden, dann gibt es auch den glasweise.

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

nicht nur diese Weine gibt es glasweise

diese Woche am Dienstag, den 19. Februar und am Donnerstag, den 21. Februar

von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Neues aus dem Sortiment

Ab sofort sind Mangalitzawürstel wieder und Mangalitzaspeck verfügbar. Noch mehr freut sich der Rudl, neben zwei Federspielen aus dem Weingut Schmidl das erste anerkannte Bioweingut Österreichs und mit diesem einen neuen ältesten Wein in seinem Sortiment begrüßen zu dürfen.

  • Welschriesling 2017, Weingut Weinsteindl, Purbach, Neusiedlersee Hügelland (8 1/2 Euro)
  • Blaufränkisch 2015, Weingut Weinsteindl, Purbach, Neusiedlersee Hügelland (10 Euro)
  • Welschriesling Trockenbeerenauslese 1979 (0,375 Liter, Bocksbeutelflasche), Weingut Weinsteindl, Purbach, Neusiedlersee Hügelland (32 Euro)

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man statt über den Karfreitag lieber über den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz als einen europäischen Feiertag nachdenken sollte!

Herr Rudolf grüßt vertikal und horizontal!

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57

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