Les Pétavins – acht Biowinzer aus den französischen Alpen

Früher ist in den Weingärten ein rankenartiges Kraut mit Dornen gewachsen. Das hat die Arbeit nicht erleichtert. Die Segnungen der chemischen Unkrautbekämpfung haben bald einmal dazu geführt, dass diese Ranken in den meisten Weingärten nicht mehr gewachsen sind. In ein paar aber schon noch. Es soll ja Weinbauern geben, die Ranken, Dornen und Wurzeln den Herbiziden von irgendwelchen Pharmavertretern aus den hohen rechteckigen Betonhäusern vorziehen, weil sie nicht immer den einfachsten oder am breitesten ausgetretenen Weg gehen.

 

Acht solche haben sich in Savoyen zusammengeschlossen. Und weil in ihren Weingärten der Pétavin wächst, haben sie sich gleich nach ihm benannt. „Les Pétavins“ sind acht savoyardische Winzer, die biologisch oder biodynamisch arbeiten, und das weder aus Zufall noch weil es gerade cool ist und auch nicht auf hundert Hektar oder so.

 

Einer von ihnen ist Jacques Maillets. Seine Weingärten stehen in der Chautagne. Das ist die Verlängerung des Lac du Bourget nach Norden. Wenn die Rhône in den Lac du Bourget fließen würde und dabei den direkten Weg – wenn Sie so wollen – die Luftlinie, was aber bei einem Bach schon komisch klingt, wählen würde, dann würde sie direkt durch die Chautagne fließen. Aber das tut sie nicht, weil sie überhaupt nicht in den Lac du Bourget fließt, sondern vorher sowieso nach Westen abzweigt. Aber egal. Chautagne ist neben dem westlichen Combe de Savoie von Arbin bis Frétrive die Rotweingegend in Savoyen. Gamay, Pinot Noir und Mondeuse sind dort die Platzhirschen. Nicht nur deshalb gibt es seit kurzem neben dem Pinot Noir auch die Mondeuse von Jacques Maillet im Sortiment der „Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils“ zu erstehen. Die Kombination aus roten Früchten, schwarzem Pfeffer und sehr dezentem Pferdestall, gefällt dem Rudl ziemlich gut. Bemerkenswert ist auch, dass Jacques Maillet auf dem pickelharten Sandsteinterroir der Chautagne drei Weißweine wachsen lässt, an denen Sommeliers gesternter Häuser nicht so einfach vorbei können. Und da der reinsortige Altesse und die Altesse-Jacquère-Kombination „Le p’tit canon“ beim Reindorfgassenfest glasweise ausgeschenkt worden sind, wird der Rudl diese Woche den Jacquère aufmachen. Von ihm wird in manchen Jahren behauptet, „ce vin sauvignonne“, was in österreichischen Ohren zugegebenermaßen vielleicht fast ein bissl bedrohlich klingt. Aber wenn Sie den Wein einmal neben einem Sauvignon der Domaine Didier Dagueneau oder einem Sauvignon von Maria und Sepp Muster trinken, dann ist das gar kein so schlechtes Erlebnis.

 

Ein, beziehungsweise zwei Pétavins sind die Brüder Giachino, die man – da hat sich der Rudl jetzt definitiv erkundigt – [giakino] ausspricht. Sie sind in Chapareillan, in der Nähe von Apremont zuhause. Ihre Weine wachsen auf Kalksteingeröllhalden, die Folgen eines Felssturzes vom Mont Granier im Jahr 1248 sind. Der Mont Granier ist schon Teil des Chartreuse-Gebirges, in dem seinerzeit die Karthäuser einen ganz bekannten Kräuterlikör erfunden haben. Apremont und Abymes sind die beiden namhaftesten Crus der savoyardischen Leitweißweinrebsorte Jacquère. Eine Leitweißweinrebsorte deutet nicht immer nur auf die allerhöchsten Qualitäten hin. Davon kann man sich bei jedem Bezirkswinzerfest überzeugen. So gilt auch der Jacquère als Massenwein Savoyens, für die Skistationen im Winter, mit der Maschine gelesen, auf Teufel komm raus vergoren und möglichst schnell verkauft und getrunken.

 

Die Giachinos machen das alles nicht. Sie versuchen, alles aus der Rebsorte Jacquère herauszuholen, vom früh gelesenen Wein mit neuen Prozent Alkohol, dem Primitf, über die lagenspezifisch abgefüllten Apremont und Monfarina, einem Schaumwein nach der méthode rurale, bei der die Kohlensäure gleich bei der ersten Gärung in der Flasche entsteht, einem Schaumwein nach der méthode traditionnelle, wie vom alten Pérignon angewendet, bis hin zu einem maischevergorenen Jacquère, dem Marius et Simone, nach den Großeltern mütterlicherseits benannt, von denen der Opa ganz gerne dem Weinglas und die Oma deswegen ganz gerne dem Opa zugesprochen haben soll. Marius et Simone ist seit Beginn des Wintersemesters in der „Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils“ wieder verfügbar. Vom Apremont wird es irgendwann einmal eine Vertikale geben. Die Schaumweine haben zu Silvester ihren Auftritt. Und der Primitif spätestens bei der Wiener Gemeinderatswahl. Darum gibt’s diese Woche glasweise den Altesse, eine Gourmandise, die Quitten- und exotische Aromen gleichgewichtig mit Honig, Wiesenblumen, Grapefruitlebendigkeit und Salzigkeit kombiniert.

 

Das sind die beiden Pétavins, deren Weine der Rudl im Sortiment hat. Abgesehen von denen gibt es noch sechs andere. Und jeder von ihnen wird diese Woche durch einen offenen Wein repräsentiert:

 

Den Chignin Bergeron Grand Zeph von Adrien Berlioz aus Chignin hat es bei Monsieur Rudolf schon glasweise gegeben. Diese Woche wird es der Jacquère von Adrien Berlioz mit jenem von Jacques Maillet aufnehmen.

 

Dafür wird der Onkel von Adrien, Gilles Berlioz mit seinem Parade Chignin Bergeron Les Filles antreten. Der ist nicht nur wegen seines ausgesprochen schönen, Jahr für Jahr wechselnden Etikettes berühmt.

 

Der Biodynamie Pionier Michel Grisard, Mitbegründer der Renaissance des Appellations, ist mit seiner Mondeuse Tradition 2009 vertreten.

 

Die Domaine Etienne et Raphael Saint Germain liegt an der Route du col de frêne, auf der die Tour de France ganz gerne hinauf oder hinunter fährt. Seine Mondeuse 2010 wird sich nicht nur mit der von Michel Grisard, …

 

… sondern auch mit La Brova 2005 von Louis Magnin, dem momentan ziemlich sicher einzigen savoyardischen Wein, den man in Wien außerhalb des Volksfürstentums Reindorf erstehen kann, messen. Rotwein von Louis Magnin hat La Cave am Bacherplatz im Sortiment.

 

Marie-Eliane und Olivier Lelievre von der Domaine de Soleyane gehören streng appellationstechnisch nicht mehr nach Savoyen, sondern nach Bugey. Aber sie können auf die westlichsten Weinreben Savoyens vermutlich noch einen Stein über die Rhône hinüber schmeißen. Darum sind auch sie bei den Pétavins und diese Woche mit einem Chardonnay in der „Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils“ dabei.

 

Darüber hinaus möchte Caviste Polifka auf noch eine Neuerung aufmerksam machen: Ab sofort spielt Herr Rudolf Flaschenpost. Innerhalb von Wien, ab einer Bestellmenge von sechs Flaschen und mit dem Carbon Footprint eines Zwerges, weil mit U-Bahn und Kinderwagen – sofern nicht palettenweise geordert wird – stellt Ihr Kompetenzzentrum für Wein und Logistik ab jetzt nach Maßgabe der zeitlichen Reserven gebührenfrei zu. Dabei müssen natürlich nicht sechs Flaschen desselben Weines bestellt werden.

 

Im Herbst, der Jahreszeit, wo bei uns die vielen guten Sachen reif werden, ist es dem Rudl wieder einmal ein Anliegen, Sie auf die Möglichkeit, sich eine Jause mitzubringen, hinzuweisen. Der Rudl selber kann Ihnen essensmäßig lediglich luftgetrocknete Mangalitza-Würschtl und ein Semmerl offerieren. Aber wer sich zum Beispiel eine Trüffel kauft oder einen Mont d’Or, den es seit dieser Woche endlich wieder in den Käsegeschäften Wiens gibt, der kann davon ausgehen, dass der Herr Rudolf einen passenden Wein dazu offen hat.

 

Acht Weine von acht dornigen Unkrautranken, aber nicht ausschließlich

 

diese Woche am Donnerstag, den 25. und am Freitag, den 26. September

in der „Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils“

Reindorfgasse 22

 

Und wenn Sie eine genauere Übersetzung des Wortes „Pétavin“, sei es ins Deutsche, sei es ins Lateinische daher bringen, dann ladet Sie der Rudl auf das erste Achtel ein.

 

Aux Pétavins les citoyEns! Monsieur Rudolf

 

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