Ein fast neues Weingut im Sortiment vom Rudl. Les Vignes de Paradis, Haute-Savoie

Die Königin von England und der DAC

1957 ist die Frau Königin Elisabeth von England nach Frankreich gefahren. Vielleicht ist sie auch geflogen. Das hat hat Geologe André Combaz in sein Buch über die savoyardischen Weine, das anlässlich der Olympiade 1992 in Albertville veröffentlicht worden ist, nicht genau hinein geschrieben.

Aber er hat hinein geschrieben, dass der englischen Königin seinerzeit Saiblingsfilet kredenzt worden ist, dazu ein Crépy 1948. Dem hatte ein Veuve Cliquot 1934 das Terrain bereitet, ein Cheval Blanc 1924 durfte den Crépy dann ablösen. Der Crépy soll in dieser illustren Gesellschaft ganz passabel dagestanden sein.

Crépy

Crépy ist neben Seyssel eine von insgesamt nur zwei Ortsappellationen in der Weinbauregion Savoyen. Die Gründe – weniger die für das Nur, sondern eher die für das Überhaupt – haben sich dem Rudl bis jetzt nicht erschlossen und könnten in der Vergangenheit liegen. Aktuelle Forschungen des Rudls in Seyssel haben ihn diesbezüglich keinem Verständnis näher gebracht.

Was Crépy, eine Ortsappellation ausschließlich für Chasselas, am Südufer des Genfer Sees, zu einer solchen prädestiniert, das ist dem Rudl noch viel mehr ein Mysterium geblieben.

Dominique Lucas wohnt mitten in der Appellation Crépy und kommt aus einer Winzerdynastie. Aus der Appellation ist er ausgestiegen, aus der Winzerdynastie nicht. Siebeneinhalb Hektar bewirtschaftet er im Departement Haute-Savoie. Chasselas, der Kern seines Weingutes, ist dort immer schon gewachsen und darf in und um vier Gemeinden sogar Cru-Status für sich beanspruchen. Marin, Ripaille, Marignan und Crépy. Welche Schlussfolgerungen Sie, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, aus derlei Formalismen ziehen, überlässt Monsieur Rudolf Ihnen, zumindest fast. Den Hinweis, dass jetzt auch die Steiermark deaceisiert ist und sich damit in Österreich des Rudls Wissens lediglich die Wachau und die Weinbauregion Bergland der kontrolliert österreichischen Districtifizierung verweigern, müssen Sie ihm in diesem Zusammenhang gestatten.

Dominique Lucas hat der Ausstieg aus der Appellation nicht nur erlaubt, in Hochsavoyen Sauvignon Blanc, Pinot Gris, Altesse, Chenin Blanc sowie Chardonnay auszupflanzen und aus den geerneteten Trauben auch Wein zu keltern, sondern vor allem seinen Weinen aus der Chasselas-Rebe einen ziemlich besonderen Charakter eingetragen. Dass so etwas möglich ist, möchte man vielleicht gar nicht vermuten, wenn man in der einen oder anderen Orts- oder Gebietsvinothek rund um den Genfer See Chasselas verkostet. Dominique Lucas hat dem Rudl einmal geklagt, dass da mehr oder weniger alles verwüstet wird, geschmacklich und ökologisch. Dabei hat er über den ganzen See und damit auf nichts Geringeres als das Kernland von Chasselas gedeutet. Marie-Thérèse Chappaz sei die einzige, die seine Philosophie teile. Der ihr Weingut ist ein Hauseck weiter, im Wallis. Ganz so streng sieht es der Rudl nicht. Er hat schon den einen oder anderen ansprechenden Chasselas getrunken, drüben in der Schweiz wie herüben in Frankreich. Viele sind das aber nicht gewesen.

Les Vignes de Paradis. Dominique Lucas

Monsieur Lucas bewirtschaftet abgesehen von seinen Weingärten in Hochsavoyen auch zweieinhalb Hektar in Pommard. Darauf sollte man ihn nach den letzten Jahrgängen aber vielleicht nicht unbedingt ansprechen, zumindest wenn man auf eine passable Laune seinerseits angewiesen ist.

Theoretisch erntet Dominique Lucas in Pommard auf zweieinhalb Hektar Pinot Noir und Aligoté von über hundert Jahre alten Rebstöcken, dazu Chardonnay. Auch dieser Weingarten wird von Monsieur Lucas biodynamisch bewirtschaftet, inclusive Pferd. Paradoxerweise setzen ihm in Pommard Spätfrost und Hagel in den letzten Jahren noch mehr zu als in Hoch-Savoyen.

Der Sand von Chamonix

Die Böden bestehen fast ausschließlich aus dem, was über die letzten paar Millionen Jahre aus dem Chablais Gebirge herausgespült worden ist.

Wer heraus findet, welcher Wein nicht in den Rahmen passt, darf jemanden seiner oder ihrer Wahl auf ein Achtel invitieren. Das hat der Rudl vom Herrn Kurt.

  • Quintessence de Chasselas 2016, Dominique Lucas, AOP Vin de Savoie (3/5)
  • Un Matin face au Lac 2017, Les Vignes de Paradis, Ballaison, Haute-Savoie, IGP Vin des Allobroges (5/8)
  • Marignan 1515 2016, Les Vignes de Paradis, Ballaison, Haute-Savoie, IGP Vin des Allobroges (5/8)
  • Sauvignon Blanc 2017, Les Vignes de Paradis, Ballaison, Haute-Savoie, IGP Vin des Allobroges (5/8)
  • Pinot Gris 2017, Les Vignes de Paradis, Ballaison, Haute-Savoie, IGP Vin des Allobroges (5/8)
  • Son Altesse 2017, Les Vignes de Paradis, Ballaison, Haute-Savoie, IGP Vin des Allobroges (6/9)
  • Chardonnay Khéops 2017, Les Vignes de Paradis, Ballaison, Haute-Savoie, IGP Vin des Allobroges (6,50/10)
  • Blaufränkisch 2015, Weinsteindl, Purbach, Neusiedlersee Hügelland (2,50/4)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

nicht nur diese Weine gibt es glasweise

diese Woche am Dienstag, den 2. April und am Donnerstag, den 4. April

jeweils von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Vorschau auf 9. und 11. April

Sauvignon Blanc. What else?

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man statt über den Karfreitag lieber über den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz als einen europäischen Feiertag nachdenken sollte!

Herr Rudolf grüßt gut & edel!

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57

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