Domaine Giachino. AUSNAHMSWEISE MONTAG, 11.11. und Dienstag, 12.11. geöffnet (Donnerstag, 14.11. geschlossen)

Herr Rudolf bittet um Verständnis für die außertourlichen Öffnungszeiten in der kommenden Woche. Am Montag (11.11.) und am Dienstag (12.11.) öffnet Herr Rudolf die Pforten seiner Weinhandlung. Am Mittwoch (13.11.) treffen Sie den Rudl bei der Weinauktion zugunsten des Integrationshauses

 

ab etwa 19 Uhr im Alten Rathaus in der Wipplinger Straße 8. Wen der Rudl dort dabei erwischt, dass er etwas ersteigert, für die oder den gibt es in der Woche drauf, wenn es beim Rudl heißt „Natürliche Weine. Kommen Sie dem Rudl nicht mit ,Naturwein‘!“, ein Achtel auf Haus.

Und am Donnerstag hockt der Rudl im Oval in Salzburg und hört seiner zweitliebsten Musikkapelle, den Querschlägern, beim Musizieren zu.

David und Fred und Clement Giachino

Auch wenn das in geometrischer Hinsicht nicht korrekt ist, freut sich der Rudl, dass es ein gleich paar zentrale Weinbauern in seinem Sortiment gibt. Allen hat er mindestens schon ein Wochenthema gewidmet, nur einem noch nicht. Das liegt nicht daran, dass der drei ist. Wenn Sie, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, jetzt glauben, dass Ihnen der Rudl mit der Dreifaltigkeit daher kommt, dann täuschen Sie sich gewaltig. Zumindest nicht mit der Dreifaltigkeit im klassischen Sinn. Wobei, ein bissl ein Mysterium ist es dem Rudl schon, wie drei Winzer unter einem Dach eine derartige Vielfalt an trotzdem authentischen, harmonischen und zueinander passenden Weinen machen. Und wenn man das Etikett von der maischevergorenen Marius & Simone berücksichtigt, dann sind es sogar drei Generationen, weil dort Opa Marius Genton abgebildet ist.

à propos maischevergoren

Die Domaine Giachino ist demeterzertifiziert und das Ziel sind Weine ohne Schwefelzusatz. Wenn das den Winzern nicht passabel erscheint, streben sie einen minimalistischen Einsatz von Schwefel an.

Sollte es sich dann aber herausstellen, dass der Verzicht auf Schwefel zu flüchtiger Säure geführt hat, dann bzeichnen die Giachinos das nicht als Charakteristikum von Naturwein oder Terroir, sondern als „échec“, als Scheitern.

Caviste Rudolf wird Ihnen in der nächsten Woche viel mehr über Naturwein und das, was damit bezeichnet wird, erzählen, aber auf diese konsequente Haltung der Giachinos weist er diese Woche gerne hin. Möglicherweise wäre der Naturweinwelle mehr Nachhaltigkeit beschieden gewesen, wenn alle, die darauf reiten, so seriös und ehrlich agierten wie die Giachinos.

Micro-Terroir

Die Weingärten der Giachinos liegen im Naturpark der Chartreuse, auf Gletschermoränen am Fuße des Mont Graniers. In der Nacht von 24. auf 25. November 1248 sind 500 Millionen Kubikmeter Felsen vom Mont Granier herunter gekommen. Auf den chaotischen Gesteinshalden ist zuerst einmal jahrhundertelang nichts gewachsen. Später nur Wein.

Spurenelemente, Fauna, Belüftung, Verwurzelung und Mikroben machen ein besonderes Terroir, das am besten durch biodynamische Bewirtschaftung zur Geltung gebracht wird, seit ein paar Jahren demeterzertifiziert.

Mehrheitsfähig ist biologischer Weinbau in dieser Gegend trotzdem nicht. Eher im Gegenteil. Herr Rudolf hat die letzten beiden Sommer jeweils eine Woche mitten in den Weingärten von Les Marches und Apremont gewohnt und quasi an der eigenen Nase erlebt, wie es ist, wenn man in der Früh von den Düsen der Giftspritzer aufgeweckt wird. Wenn man dann durch derart ausgebleichte Rebzeilen geht, zum Beispiel zum Restaurant „Le Saint André“, am Rückumweg jedoch durch einen Weingarten der Giachinos spaziert, dann versteht man geruchlich, optisch und überhaupt, auch ohne Wein zu trinken, was die Giachinos meinen, wenn sie darauf hinweisen, dass Wein vor allem ein Vergnügen sein muss.

Macro-Terroir

Die durchschnittliche Meereshöhe des Departements Savoie beträgt 1500 Meter. 36 Berge sind höher als 3500 Meter, 107 höher als 3000.

Wein ist nicht das Erste, an das man in so einer Gegend denkt. Im Laufe der Zeit haben sich wenige kleine, zerstückelte und ausgesetzte Parzellen für den Weinbau herauskristallisiert. Und das auch nur, weil am Ende des Quartärs die Gletscher beim Rückzug Täler mit Seitenmoränen gebildet haben.

Jene am Piémont des Graniers ist so eine, in ihrer Höhe und Ausrichtung einzigartig in Frankreich.

Die Wetterverhältnisse können extrem sein und aneinander geraten. Marseille ist etwa dreihundert Kilometer entfernt, von den meisten Weingärten sieht man auf Gletscher.

Rebsorten

Abgesehen von einem ganz kleinen bisschen Gamay wachsen in den Weingärten der Giachinos ausschließlich autochthone Rebsorten. In den letzten Jahren hat man sich besonders um den Erhalt vom Aussterben bedrohter Varietäten bemührt. So sind unter anderem fünfunddreißig Ar Douce Noire, Peloursin, Mondeuse und Étraire de la Dhuy als Gmischter Satz ausgepflanzt worden. Das kann man sich auf der Homepage der Giachinos anschauen.

Geschichte

Ursprünglich war der Bauernhof der Giachinos eine gemischte Landwirtschaft, in den reichen Böden der Ebene Getreide, Nüsse und Obst, an den kargen Hängen Wein.

1988 übernimmt Frédéric die eineinhalb Hektar Weingärten seines Opas Marius Genton. Er konzentriert sich auf Wein. Heute sind es neun Hektar, auf sechs davon wächst die Rebsorte, mit der etwa so viel Schindluder getrieben wird wie mit Welschriesling: Jacquère. Schritt für Schritt entfernt sich Frédéric Giachino vom konventionellen Weinbau. Unzertifizierter Verzicht auf den Zauberkasten, Bio, demeter. Lange wird der Bub Clement nicht gezögert haben, 2015 in den Betrieb einzusteigen. Wie es der Zufall will, hat zu dieser Zeit Michel Grisard, der Pierre Overnoy Savoyens, dann doch seine Rente angetreten. Und Clement hat seine Weingärten übernommen.

Den Rest können Sie sich, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe diese Woche glasweise von Herrn Rudolf kredenzen lassen

  • Monfarina 2015, Domaine Giachino, Chapareillan, AOP Vin de Savoie (2,50/4)
  • Altesse 2017, Domaine Giachino, Chapareillan, AOP Vin de Savoie (4/6)
  • Marius & Simone 2017, Domaine Giachino, Chapareillan, AOP Vin de Savoie (4,50/7)
  • Giac‘ Pottes 2017, Domaine Giachino, Chapareillan, AOP Vin de Savoie (3/5)
  • Mondeuse 2017, Domaine Giachino, Chapareillan, AOP Vin de Savoie (4/6)
  • Persan 2017, Domaine Giachino, Chapareillan, AOP Vin de Savoie (4,50/7)
  • Don Giachino (méthode traditionelle) 2015, Domaine Giachino, Chapareillan, AOP Vin de Savoie (4,50/7)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

nicht nur diese Weine gibt es glasweise

AUSNAHMSWEISE AM MONTAG, DEN 11. NOVEMBER und am Dienstag, den 12. November

von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Vorschau auf die Lehrveranstaltung vom 19. und 21. November

natürliche Weine

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag der Menschenwürde erklärt!

Herr Rudolf diese Woche ganz besonders das Wiener Integrationshaus!

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57

Welschriesling – zum Tag des Apfels oder burgundisch? Welschriesling und Wein des Apffels!

Zuerst ist sowieso Folgendes:

Am Mittwoch, den 13. November findet im Alten Rathaus (Wipplingerstraße 8) die alljährliche Weinauktion zugunsten des Integrationshauses statt. Wer dort etwas ersteigert, bekommt in der Woche drauf beim Rudl ein Achtel auf Haus.

Welschriesling

Im Deutschen haben die Welschen keinen so guten Ruf. Die mittelhochdeutsche Bezeichnung wal(hi)sch tendiert fast ein bissl zum Schimpfwort für romanische oder zumindest romanisierte keltische Nachbarn, ganz im Unterschied zum Schweizerischen, wo dieser Wortstamm nicht wertend auf die französischsprachigen Westschweizer bezogen wird. Auch das altenglische wilisc ist in der Bedeutung von fremd, nicht-englisch und kymrisch abwertend verwendet worden.

Heute noch wird mit Wörtern, die den Stamm -welsch enthalten, selten ein Kompliment gemacht. Attestiert man einer sprachlichen Performanz, wie das Deutschdidaktiker heute mittelgeschickt ausdrücken, etwa „Kauderwelsch“, dann meint man damit in der Regel nicht die allerhöchste Stufe der Sprachentwicklung. Ursprünglich ist welsch- auf die bei Caesar genannten gallischen Volcae zurückzuführen. In weiterer Folge hat man es auf andere Völkerschaften bezogen. Dass damit selten freundschaftliche Beziehungen zum Ausdruck gebracht worden sind, geht aus dem verwandten altenglischen wylen in der Bedeutung von Sklavin hervor.

Wenn heute in der Weinsprache von einem Welschriesling die Rede ist und der Verdacht auf einen Zeitgenossen aus oenologiefernen Schichten als Adressaten nicht auszuschließen ist, wird nicht selten ein „… nicht zu verwechseln mit dem Rheinriesling, auch Reisling genannt“ hinzugefügt. Als Aufwertung ist dieser Zusatz auch in diesem Zusammenhang nicht gemeint. Und als Kompliment an das Weinwissen des Gegenübers vermutlich auch nicht.

Kaufmännisch gedacht

Herr Rudolf ist sich nicht nur in Anbetracht des Erwähnten darüber im Klaren, dass es für seine fast allwöchentliche Lehrveranstaltung kaufmännisch betrachtet aussichtsreichere Wochenthemen als „Welschriesling“ gibt.

Ein naheliegender Reflex auf diese Einsicht ist, sich beim Verfassen dieser Zeilen ganz besonders ins Zeug zu legen, was wiederum ganz passable Voraussetzungen für ein Resultat als Mischkulanz aus Spröde, Oberlehrerhaftigkeit und missionarischer Aufdringlichkeit darstellt. Aber ganz kommt man aus seiner Haut halt auch nicht heraus. Darum wird in den folgenden Zeilen viel Wissens- und Halbwissenswertes verbreitet. Wenn Sie aber Welschriesling partout nicht verputzen können, dann wird das der Schulmeister Polifka nicht ändern und Sie können sich einen Kaffee kochen oder Musik hören, anstatt hier weiterzulesen.

Rebsorten und Nachred‘, die Soundsovielte

Die Entwicklung der Popularität vieler Rebsorten gleicht einer Sinuskurve. Das beste Beispiel ist vermutlich Chardonnay. Der ist in den Neunziger Jahren ganz oben gewesen. Gut zehn Jahre später hat die Weinwelt dann die Parole „ABC – anything else but Chardonnay!“ ausgegeben.

Bei Sauvignon Blanc schaut es zeitlich versetzt ähnlich aus, vielleicht mit dem kleinen Unterschied, dass die Beliebtheit dieser Rebsorte gelitten hat, aber nie ganz parterre gewesen ist.

Und für Caviste Rudolf ist Sauvignon Blanc sowieso über sämtliche Aufs und Abs ein bewährter Seismograph im Sortiment eines ihm unbekannten Weinbauern. Schmeckt dem Rudl der Sauvignon Blanc von einem Winzer gut, sind die Chancen ganz passable, dass es die anderen Weine auch tun. Eher weniger effizient ist dieser Seismograph im Elsass. Auch in Savoyen und an der Côte d’Or kommt man damit nicht recht weit.

Wie mit dem Hundsdreck im Profil des Goiserers (frei nach dem Herrn Kurt)

Ein paar Rebsorten gibt es, die scheinen einen unbefristeten Mietvertrag für das untere Ende der Beliebtheitsskala zu haben. Das kann mit physiologischen Eigenschaften der Weinbeerln zu tun haben, etwa sehr früher Reife, Großbeerigkeit, allzu großer Gefälligkeit als Speisetraube in Kombination mit wenig Säure. Monsieur Rudolf bezweifelt aber, dass in jedem Fall ein Dauerimagetief mit grundsätzlich schlechtem Charakter einer Rebsorte zu tun hat, gerade so ähnlich wie er das im Fall von Menschen anzweifelt.

Pierre Overnoy weist darauf hin, dass manche Rebsorten in Vergessenheit geraten, weil der Chemiekasten ihre Aufgaben übernimmt, etwa jene Rebsorten, die sich seinerzeit in heißen Jahren um die erforderliche Säure im Wein gekümmert haben. Dass manche dieser Rebsorten nahezu ausgestorben sind, könnte sich in Anbetracht der Herausforderungen der Erderwärmung noch als ziemlich „blede Gschicht“ erweisen. Bezahlen werden die Rechnung dafür ziemlich sicher nicht die Verursacher des Schadens. Das Phänomen nennt man Neoliberalismus.

Welschriesling. Eh

Reift spät, mag geringe Niederschläge und bringt zuverlässig gute Erträge.

Die Kombination aus diesen drei Eigenschaften könnte man quasi als Unique

Wineing Proposition des Welschrieslings betrachten. Dem Rudl zumindest fällt aus dem Stand keine Rebsorte ein, die diese drei Eigenschaften auszeichnen. Doch, eine fällt ihm ein.

Ursprung

Die Vorsilbe Welsch- kann man als Indiz dafür betrachten, dass diese Rebsorte italienische, aller Voraussicht nach norditalienische Wurzeln hat. Dem immer wieder geäußerten Verdacht, Welschriesling stamme aus der Champagne, kann der Rudl nicht viel abgewinnen. Das würde im Hinblick auf eine erderwärmte Zukunft vielleicht sogar einen Sinn, aber in früheren Zeiten vermutlich nicht einmal die für Champagner nötige Gradation erreicht haben.

Eigenschaften

Das Holz des Welschrieslings ist im Unterschied zu dem des Rieslings hell, die Traube mittelgroß und dichtbeerig, die Beeren klein und dünnschalig. Welschriesling hat auch wenig Angst vor Spätfrost, weil er spät austreibt. An und für sich reift er spät. Wenn es nach ihm ginge, würde er vielleicht später gelesen. So sagt man ihm Anklänge an grüne Äpfel nach, was der Rudl auch nicht schlimm findet, solange es nicht dominiert.

Entwicklung

Früher habe man den Welschriesling oft gegen Allerheiligen gelesen, manchmal im Schnee. Heute gibt es Steirischen Junker, bei dem der Welschriesling dominiert. Das soll nicht bedeuten, dass es nicht immer wieder Ansätze gegeben hat, aus dem Welschriesling mehr zu machen. Der Rudl meint sich erinnern zu können, dass man am Weingut Tscheppe – dem hinsichtlich der Hektaranzahl großen Tscheppe – in den Neunziger Jahren angekündigt hat, aus dem Welschriesling für die Steiermark das zu machen, was der Grüne Veltliner für Niederösterreich ist.

Tatsächlich ausgegangen dürften die Rufrettungsbemühungen für den Welschriesling dann eher vom Südburgenland sein. Dort hat sich Caviste Rudolf auf die Suche nach den Möglichkeiten dieser Rebsorten gemacht, alles im Bewusstsein, dass so oder so immer schon ganz extraordinaire Süßweine aus Welschriesling gemacht worden sind und Winzer wie Sepp Muster, Roland Tauss und Ewald Tscheppe (der nicht an Hektar große), um nur ein paar zu erwähnen, sowieso äußerst kompetente und vielschichtige trockene Welschrieslinge machen.

Und dann sollte man vielleicht auch noch auf das Potential dieser spät reifenden Rebsorte für Schaumweine eingehen. Herrn Rudolf scheint bei keinem Weinstil der Anteil an schlechten Weinen so hoch zu sein wie bei Schaumweinen. Das hat mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nichts mit Rebsorten zu

tun. Vielleicht auch ein Hinweis darauf, dass es nicht am Welschriesling liegt.

Burgundisch?

Was den Rudl immer wieder ein bissl irritiert zurück lässt, sind Bemerkungen wie „fast ein bissl burgundisch“ im Zusammenhang mit teureren Welschrieslingen. Burgund ist mit Sicherheit nicht die Lieblingsweinbauregion vom Rudl, abgesehen von Chablis, für dessen gelungene Repräsentanten der Rudl sehr weit geht. Aber selbst wenn man Burgund jetzt mag, stellt sich die Frage, was mit einem „burgundischen Welschriesling“ gemeint und ob so etwas gegebenenfalls erstrebenswert ist.

Vielleicht bedeutet das geographische Adjektiv, dass der betreffende Welschriesling einen Monat später als das Gros seiner Kollegen gelesen worden ist. Auch ok, wenngleich nicht sonderlich treffsicher in der Wortwahl.

A eigene Gschicht

Monsieur Rudolf hat eine eigene Geschichte mit Welschreisling. Der erste wirklich teure Wein, den sich der Rudl selber gekauft hat, war ein Welschriesling. Eine Welschriesling Trockenbeerenauslese 1981 vom Weingut Kracher in Illmitz. Das muss im Jahr 1989 gewesen sein. Bemerkenswerter mag vielleicht sein, dass der zweite, dann wirklich teure Wein auch wieder ein Welschriesling gewesen ist, ein trockener Welschriesling aus Poysdorf von Leopold Poiss aus dem Jahr 1947. Der Rudl hat auf diesen Wein, über dessen Verfügbarkeit er seinerzeit in der Tageszeitung Kurier gelesen hatte, ein ganzes Zeitl hin gespart und sich den Wein dann selber zum Geburtstag gekauft. Gegeben hätte es auch alte Grüne Veltliner, nur hat Herr Rudolf, seinerzeit am Pass gerade kein Teenager mehr, auf Welschriesling und vor allem auf den Jahrgang 1947 bestanden, weil er beides für gute Vorzeichen von extraordinairem Reifungspotential gehalten hat.

Die Tschäsn für die dafür notwendige Fahrt von Salzburg Maxglan nach Poysdorf und retour haben ihm seine Eltern als Geburtstagsgeschenk zur Verfügung gestellt. Die Rechnung über den Kauf dieses Weins ist dem Rudl unlägst beim Zusammenräumen in die Hände gefallen.

Diesen Wein vermag der Rudl diese Woche bedauerlicherweise nicht zu kredenzen. Einige Jahre nach dem Kauf hat der Rudl die Flasche umgeschlichtet und sich dabei gewundert, dass sie so leicht ist. Ob dieser Welschriesling nach so vielen Jahrzehnten noch gehalten hat, muss unbeantwortet bleiben. Der Kork hat es auf alle Fälle nicht. Damit wäre bewiesen, dass eine eigene Gschicht manchmal auch eine blede Gschicht sein kann. Und wer hätte das kompetenter abgehandelt als der Herr Kurt?

Auf alle Fälle hat der Rudl seinerzeit gemeinsam mit dem Siebenundvierziger noch den damals aktuellen Welschrieslingsjahrgang 1991 gekauft und von dem hat er noch ein Flascherl. Das wird er diese Woche aufmachen und Sie, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, können den Wein zu einem dem Wiener Boulevard genau entgegengesetzten Preis kosten: gratis, aber hoffentlich nicht umsonst. Vielleicht lassen sich von diesem Wein ja sogar Rückschlüsse auf eine allfällige Haltbarkeit des Siebenundvierzigers ziehen.

Verbreitung

In Österreich ist Welschriesling mit großem Abstand hinter dem Grünen Veltliner immer noch die zweitverbreitetste Weißweinrebsorte, obwohl in den letzten Jahrzehnten mehr Welschrieslingweingärten gerodet als ausgepflanzt werden. Im Vergleich zu den dreißigtausend Hektar Welschriesling in Serbien sind die dreitausend in Österreich eher ein Lercherl. In Kroatien ist er die verbreitetste Weißweinrebsorte.

  • Laški rizling 2015, Gjerkeś, Prekmurje, Slowenien (2,50/4)

  • Welschriesling 2017, Weinsteindl, Purbach, Neusiedlersee Hügelland (2/3)

  • Welschriesling 2018, Helga und Alfred Weber, Deutsch-Schützen, Südburgenland (2/3)

  • Welschriesling 2016, Weingut Roland Minkowitsch, Mannersdorf an der March, Weinviertel Süd (2,50/4)

  • Welschriesling „Winburg“ 2013, Karl Renner, Leutschach, Südsteiermark (3/5)

  • Welschriesling „Franz Lackner“ 2016, Lackner-Tinnacher, Gamlitz,

Südsteiermark (4,50/7)

  • Welschriesling „Natural“ 2018, Harkamp, Sankt Nikolai im Sausal (4/6)
  • Welschriesling vom Opok 2017, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Steirerland (3/5)

  • Welschriesling vom Opok 2016, Alice und Roland Tauss, Leutschach (3/5)

  • Welschriesling „Alte Reben“ 2017, Wachter-Wiesler, Deutsch-Schützen, Südburgenland (5/8)
  • Welschriesling „P******r“ 2017, Thomas Straka, Rechnitz, Südburgenland (4/6)
  • Welschriesling Auslese „Schrammel“, Josef Lentsch, Dankbarkeit, Neusiedlersee (4/6)
  • Welschriesling 1991, Josef Poiss, Poysdorf, Weinviertel (Gegenteil des Preises der Edelblätter)
  • Terroir de Saint Alban 2018 (Jacquère und Altesse), Mathieu Apffel, AOP Vin de Savoie (4/6)
  • Blaufränkisch Weinberg 2017, Alfred Weber, Deutsch-Schützen, Südburgenland (2,50/4)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

Diese Woche gibt es glasweise ausschließlich diese Weine. Das ist eh ein ganzer Haufen, findet Monsieur Rudolf. Die Sperrstunde bleibt trotzdem bei 22 Uhr. Ambitionierte Oenologinnen und Oenologen bittet der Rudl, entsprechend früh mit den Forschungsarbeiten zu beginnen. Und vielleicht gelingt es Herrn Rudolf zu demonstrieren, dass Welschriesling, ein kompetentes Weinprogramm zu bestreiten, in der Lage ist,

am Dienstag, den 5. November und am Donnerstag, den 7. November

von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Vorschau auf die Lehrveranstaltung der kommenden Woche

eventuell Tag der Orange(n)

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag der Menschenwürde erklärt!

Herr Rudolf grüßt die Welschen im schweizerischen Sinn!

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57

Dienstag, der 29. und Donnerstag, der 31. Oktober geschlossen. Weinauktion zugunsten des Integrationshauses am Mittwoch, den 13. November

In der Woche der inoffiziellen Herbstferien erlaubt sich auch Monsieur Rudolf seine Weinhandlung schulautonom geschlossen zu halten, quasi unterrichtsfrei, aber nicht bildungsfrei.

Der Rudl wird sich auf die Suche nach dem Eisen im Welschriesling machen und seine Forschungsergebnisse gegebenenfalls zeitnah danach kund tun.

Vorschau I

5. und 7. November: vermutlich Welschriesling

Vorschau II

Am Mittwoch, den 13. November findet im Alten Rathaus (Wipplingerstraße 8) die alljährliche Weinauktion zugunsten des Integrationshauses statt. Wer dort etwas ersteigert, bekommt in der Woche drauf ein Achtel beim Rudl auf Haus.

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag der Menschenwürde erklärt!

Herr Rudolf grüßt die Winterzeit!

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57

Schmeckate Rebsorten und Bildungspolitik. Letzte Schulwoche vor den Herbstferien

Schwerer Stand

Aromaintensive Rebsorten, auch „schmeckate Rebsorten“ genannt, haben es momentan doppelt schwer. In Zeiten materiellen Wohlstands scheinen sie sowieso nicht allzu hoch im Kurs zu stehen. Dazu kommt, dass gar nicht so wenige Weine aus an und für sich gar nicht so aromaintensiven Rebsorten mit Hilfe des Chemiezauberkastls dem Geschmack von Menschen, die in ihrer Kindheit viel Kracherl getrunken haben, angebiedert werden. Nicht dem Rudl seines.

Wirklich nur extraordinaire „Schmeckate“

Man kann natürlich unterschiedlicher Meinung sein, was eine aromaintensive Rebsorte ist. Riesling, Pinot Gris, Sauvignon Blanc und Altesse sind aromatisch vermutlich ausgeprägter als Weißburgunder, Chardonnay oder Melon de Bourgogne. Aber Erstere sind im laufenden Kalenderjahr das eine oder andere Mal vor den Vorhang gebeten worden. Traminer dagegen wirklich nur einmal und Muskateller gar nicht. Darum beschränkt sich Caviste Rudolf diese Woche auf diese dezidiert „schmeckatn“ Rebsorten.

  • Muskat3 2017, Christine Lentsch, Dankbarkeit, Neusiedlersee (2,50/4)

    Wenn alles oder wenigstens mehr auf der Welt so wie die Dankbarkeit wäre! Dann müsste man sich um die Demokratie nicht so viele Sorgen machen. Vielleicht ist diese These erklärungsbedürftig. Aber das ist kein Problem: Die Familie Lentsch keltert Weine, die denen schmecken, die sich intensiv bis fast ausschließlich mit Wein befassen, die aber auch denen schmecken, die einfach einmal ein Glasl Wein trinken wollen, ohne darüber danach eine Prüfung abzulegen. Wein ohne Anbiederung an irgendjemanden, vielleicht gerade deshalb mehrheitsfähig.

    Eine Regierung, die Politik machen würde, wie die Dankbarkeit Wein macht, wäre wohl der effizienteste Schutz vor blonden Schoitln.

  • Weißer Traminer Höhweingarten 2017, Weingut Rudolf Fidesser, Platt, Retzer Land (4/6)

    sehr trocken, 2,4 g Restzucker

  • Neuberger 2016, Weingut Dieter Dorner, (6/9)

    Zweitausendsechzehn ist nicht nur in der Steiermark ein extremes Weinjahr gewesen. Und das ist jetzt nicht das Gejammere von Bauern über das Wetter, das früher viel besser gewesen ist. Ein Gejammere, das eine Entsprechung in jenem von Lehrern über die Schüler, die früher viel besser gewesen sind, hat. Eine Abschweifung mit Ansage, dafür ohne Influenzer:

    Schulweinrat Rudolf glaubt nicht, dass die Schülerinnen und Schüler früher besser gewesen sind. Sie haben nur keine mobilen Endgeräte in ihrer Hand picken gehabt. Die zu verbieten wäre übrigens Sache der Schulpolitik. Aber dazu hat die nicht die nötige Courage. Und weil sie die nicht hat, schwärmt sie lieber völlig weltfremd von den Einsatzmöglichkeiten der mobilen Endgeräte im Speziellen und jenen der Digitalisierung im Allgemeinen. Auf der Strecke bleiben nachweisbar überproportional viele Kinder und Jugendliche aus sogenannten bildungsfernen Schichten. Das wiederum sind überproportional stark Kinder und Jugendliche aus Zuwanderermilieus. Die werden dann mit kleinformatigen Umsonstzeitungen, Billigflügen und immer noch billigerem Industriefleisch abgespeist. Das Schnitzerl, das Schnitzerl, das Schnitzerl! Nicht nur Schulmeister Rudolf beobachtet derlei, inzwischen interessiert sich auch die Wissenschaft dafür, möglicherweise nicht in Österreich. Dort scheinen den Bildungswissenschaftlern der Gleichschritt der Lehrerinnen und Lehrer sowie Kosmetik von vorrangiger Bedeutung. Darüber hinaus lamentieren Schulideologen aller Couleurs, dass Bildung vererbt werde. Eine Metapher, die nicht viel missglückter sein könnte, aber vielleicht auch nicht ganz weit weg von der Ideologie das Licht der Welt erblickt hat. Herr Rudolf vertritt die Auffassung, dass ohne Anstrengung seitens des Erbenden geerbt wird. Wer der Meinung ist, das sei auch im Fall von Bildung möglich, der versteht Bildung anders als Herr Rudolf.

Zurück zum Weingut Dieter Dorner: In den Weingärten von

Novi vrh, gleich auf der slowenischen Seite der Mur hat es im Frühjahr 2016 wie auch in anderen Weinbaugebieten noch sehr spät gefroren. Beim Weingut Dorner hat es dabei achtzig Prozent des gewöhnlichen Ertrags „erwischt“. Jetzt ist es just 2016 vierzig Jahre her gewesen, dass der unvergessene Dieter Dorner sein Weingut biologisch umgestellt hat. Darum haben sie am Weingut Dorner nicht über das Wetter gejammert, sondern das Wenige, was da und dafür von ziemlich extraordinairer Qualität gewesen ist, zu einem einzigen Jubiläumswein gemacht. Der ist dann in Halbliterflaschen gefüllt, mit Naturkork verschlossen und einem handgedruckten Etikett, das jenem von 1976 nachempfunden ist, versehen worden. Entweder hat der Spätfrost dem Traminer weniger geschadet als anderen Rebsorten oder der Traminer hat am Projekt Jubiläumswein fleißiger mitgearbeitet.

  • Muskateller vom Opok 2015, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Steirerland (4/6)
  • Gewurztraminer Bollenberg „La Chapelle“ 2013, Domaine Valentin Zusslin, Orschwir, Elsass (5/8)

    trocken, und zwar nicht nur im eslässischen Sinn

  • Goldmuskateller „Schwalbenschwanz“ 2017, Andreas und Elisabeth Tscheppe, Glanz an der Weinstraße, Steirerland (6,50/10)

    Glasweispremiere dieses Weines beim Rudl. Monsieur Rudolf hat es sich heuer im Frühjahr nicht nehmen lassen, von seinem Urlaubsquartier zu Andreas Tscheppes Weingärten am Krepskogel zu laufen. Viele solche Weingärten gibt es in der Steiermark nicht. Maischevergoren.

    (in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

Nicht nur diese Weine gibt es glasweise

am Dienstag, den 22. Oktober und am Donnerstag, den 24. Oktober

von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Neuigkeiten aus dem Sortiment

Ab sofort sind folgende Weine von Josef Umathum in den aktuellen Jahrgängen wieder verfügbar:

  • Rosa 2018 (12,50 Euro)
  • Sauvignon Blanc 2018 (13,50 Euro)
  • Königlicher Wein MMXVI (21 Euro)
  • Sankt Laurent Klassik 2017 (12,50 Euro)

Und auch die Jiddische Hühnerleberpastete von der Dankbarkeit gibt es wieder.

Vorschau I

Am 29. und 31. Oktober befindet sich Caviste Rudolf auf Dienstreise im Südburgenland und sucht Eisen im Wein. Darum bleibt die Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils am 29. und 31. Oktober geschlossen.

Vorschau II

Am Mittwoch, den 13. November findet im Alten Rathaus (Wipplingerstraße 8) die alljährliche Weinauktion zugunsten des Integrationshauses statt. Wer dort etwas ersteigert, bekommt in der Woche drauf ein Achtel beim Rudl auf Haus.

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag der Menschenwürde erklärt!

Herr Rudolf grüßt aromatisch wie demokratisch!

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57

Rot

Ausgewogen

 

Die Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils fühlt sich der Ausgewogenheit verpflichtet, fast wie der ORF. Nicht immer gelingt es dem Rudl, diesem selbst gestellten Anspruch gerecht zu werden. Und in einem Punkt schafft er die Ausgewogenheit gar nicht. Beim Verhältnis zwischen Weißwein und Rotwein.

 

Weinfarben

 

Mit denen ist es bekanntlich ein eigenes Kapitel. Der Rudl verliert dabei zusehends den Überblick. Es scheinen ihm auch immer mehr zu werden. Eine Analogie zum parteipolitischen Farbenspektrum. Und wie man sich bei manchen politischen Parteien die Frage stellen kann, was an ihnen noch mit den klassischen Zuschreibungen zu ihrer Farbe zusammen passt, so fragt sich der Rudl gern, warum ein Wein aus grünen Trauben Weißwein heißt. Rotwein nennt man sowohl einen Cahors als auch einen Pommard, obwohl die farblich nicht sehr viel gemeinsam haben. Vom Vin Gris will Caviste Rudolf hier gar nicht schreiben. Seiner Wahrnehmung nach ist auch nur ein ganz, ganz kleiner Teil dessen, was heute als „Orangewine“ bezeichnet wird, orange. Aber bitte.

Egal, wie man über die diversen Weinfarben und deren Bezeichnungen denkt, muss der Rudl eines zugeben: Rotwein kommt bei ihm oft zu kurz.

Darum stellt der Rudl diese Woche in das Zeichen der Ausgewogenheit und kredenzt Rot:

  • Teran 2011, Branko und Vasja Čotar, Komen, Kras, Slowenien (4,50/7)

Rotwein für die Jausn

  • Gamay 2015, Jacques Maillet, Motz, Chautagne, AOP Vin de Savoie (4/6)

Gamay, aber alles andere als „primeur“. „Sur le terroir des Vignes du Seigneur“ steht am Rücketikett. Ein direkter „Seigneur“ im Sinne von Gutsherr ist Jacques keiner mehr, weil er in der Rente ist und sein Weingut übergeben hat. Junker ist er auch keiner, aber ganz sicher eine außerordentlich verdienstvollen und anerkannte Persönlichkeiten in der Weinwelt Savoyens, beziehungsweise der französischen Weinbiodynamie.

  • Cuvée de Papy, Héritiers Marc Faurie, Tournon s/ Rhône, Vin de France (4/6)

    Reinsortiger Syrah vom Schiefer an der nördlichen Rhône – Bernard Fauries Wein für die lokale Kundschaft

  • Mondeuse Noire 2017, Domaine Giachino, Chapareillan, AOP Vin de Savoie (4/6)

    Pfeffer, nicht Pfefferl. Rotwein von schwarzen Trauben.

  • Rotwein 2012, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Steirerland (4/6)

Blauer Wildbacher, Rotburger und Blaufränkisch – trotzdem heißt er „Rotwein“.

  • Mondeuse 2015, Jacques Maillet, Motz, Chautagne, AOP Vin de Savoie (6,50/10)

Ein bissl stolz ist der Rudl schon, dass er diesen Wein noch im Sortiment hat.

  • Irouléguy Rouge 2012, Domaine Ilarria, Sud Ouest (4,50/7)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

Aber es gibt diese Woche glasweise nicht nur Rotweine

am Dienstag, den 15. Oktober und am Donnerstag, den 17. Oktober

von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Vorschau auf die Lehrveranstaltung vom 22. und 24. Oktober

vielleicht endlich die Reverenz an die abgeschriebenen Jahrgänge 2008 und 2014, vielleicht aber auch etwas anderes

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag der Menschenwürde erklärt!

Herr Rudolf grüßt mehr gewogen als ausgewogen!

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57

Dankbarkeit. Wann, wenn nicht diese Woche?

Grundhaltungen und Zeitgeist

Mit Grundhaltungen scheint es sich wie mit Taschen oder Telefonen zu verhalten. Manche davon gelten als angesagt, andere weniger. Sie wissen, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, angesagt bedeutet diktiert oder auch influenziert. So eine angesagte Grundhaltung scheint dem Rudl heute das Sichholen, was einem angeblich zusteht, zu sein. Freilich kann es ins Hoserl gehen, wenn man diese Mentalität allzu explizit plakatiert. Aber zumindest bei einem dürfte diese Botschaft damals vor zwei Jahren angekommen sein. Das zeichnet sich in den letzten Tagen und Wochen ziemlich deutlich ab.

Demut

Andere Grundhaltungen haben es vergleichsweise schwer. Und sehr oft haben es dann auch die schwer, die sich so einer unangesagten Grundhaltung befleißigen. Ein Bekannter vom Herrn Kurt hat vor einiger Zeit gemeint, dass Demut einem und einer jeden ganz gut ansteht. Rudolf Polifka sieht das genau so.

Mehrheitsfähig dürfte Demut aber nur der neoliberalistischen Deregulierung gegenüber sein, und dem Kapitalismus gegenüber sowieso. Neben dem gibt es bekanntlich keinen Gott. There is no alternative.

Mögliche Ursachen für die schlechte Nachred‘ von Demut

Vielleicht wird Demut manchmal mit Unterwürfigkeit verwechselt. Aber das ist ja gar nicht die Demut. Und vielleicht ist es auch so, dass die, die besonders öffentlichkeitswirksam Demut und Dankbarkeit hinaus posaunen, etwa nach Wahlerfolgen, damit ihre Überheblichkeit und Selbstgerechtigkeit zu kaschieren versuchen. Aber das ist sie natürlich dann auch nicht, die Demut.

Kommende Woche auf alle Fälle Dankbarkeit!

Von der hält der Rudl nämlich auch ziemlich viel. Und in dieser Woche noch viel mehr.

  • Dankbarkeit Weiß 2008, Josef Lentsch, Dankbarkeit, Neusiedler See (4/6)
  • Dankbarkeit Weiß 2009, Josef Lentsch, Dankbarkeit, Neusiedler See (4/6)
  • Dankbarkeit Weiß 2010, Josef Lentsch, Dankbarkeit, Neusiedler See (4/6)
  • Dankbarkeit Weiß 2011, Josef Lentsch, Dankbarkeit, Neusiedler See (3/5)
  • Dankbarkeit Weiß 2012, Josef Lentsch, Dankbarkeit, Neusiedler See (3/5)
  • Pinot Noir 2013, Josef Lentsch, Dankbarkeit, Neusiedler See (4/6)
  • Neuburger 2015, Josef Lentsch, Dankbarkeit, Neusiedler See (3/5)
  • Pinot Noir Rosé 2016, Josef Lentsch, Dankbarkeit, Neusiedler See (4/6)
  • Welschriesling Auslese „Schrammel“ 2017, Josef Lentsch, Dankbarkeit, Neusiedler See (4/6)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

nicht nur diese Weine gibt es glasweise

am Dienstag, den 8. Oktober und am Donnerstag, den 10. Oktober

von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Vorschau auf die Lehrveranstaltung vom 15. und 22. Oktober

vielleicht eine Reverenz an die abgeschreibenen Jahrgänge 2008 und 2014, vielleicht aber auch ein Rotweinthema

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag der Menschenwürde erklärt!

Herr Rudolf dankt, ganz besonders dem Trainer!

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57

Zierfandler – Cirfandli – Gumpoldskirchner und ein Gewinnspiel

Lieblingsrebsorten und Lieblingsrebsortennamen

Vergangene Woche hat Herr Rudolf versucht, fast ein bissl nach der Devise „nomen es omen“ mit der Rebsorte Altesse Einfluss auf den Wahlkampf zur österreichischen Nationalratswahl zu nehmen. Der Erfolg ist überschaubar gewesen. Aber entmutigen lässt sich der Rudl davon nicht. Und was weiß man, wie es ohne diese Intervention vom Rudl ausgeschaut hätte?

So oder so handelt es sich bei Altesse um eine der zwei oder drei Lieblingsrebsorten vom Rudl. Davon unterscheidet Caviste Rudolf seinen Lieblingsrebsortennamen. Dist unangefochten Zierfandler.

 

Erstassoziation

 

Friedrich Kuczera als dem Rudl seine Erstassoziation zu Zierfandler zu bezeichnen wäre ein Understatement. Vielmehr ist Friedrich Kuczera für den Rudl quasi ein Synonym für Zierfandler. Nicht dass es keine anderen Vertreter dieser Rebsorte gibt, die der Herr Rudolf schätzt, viele sind das aber nicht. Der Rudl hat sowieso lange Zeit das Weinbaugebiet Thermenregion eher großräumig umfahren. Zu fett und zu holzig sind ihm zu viele Weine dort gewesen. Aber gerade wenn der Rudl mit einer Weinbauregion oder mit einem Weinbaugebiet so überhaupt nicht auf Du und Du kommt, dann fordert ihn das heraus. Fast wie im richtigen Leben.

 

Thermenregion

 

Als Weinbaugebiet ist die Thermenregion dem Rudl zum ersten Mal im Dreiundneunziger oder Vierundneunziger Jahr zu Bewusstsein gekommen. Der Rudl Fils hat damals in einer Wohngemeinschaft mit Schwerpunkt Medienkritik gelebt. In den Zeiten, in denen man seinen Forschungen nicht in universitären Räumlichkeiten nachgegangen ist, sind die beiden Röhrenfernsehgeräte, eines in Farbe, das andere in Schwarz-Weiß, gelaufen. Und da hat es eines Abends einen Club 2 über das Thema Alkohol oder Alkohol am Steuer gegeben. Was dort gesprochen worden ist, vermag Herr Rudolf nach so langer Zeit nicht mehr zu sagen, aber ein Diskutant ist ihm in lebhafter Erinnerung. Man hatte ihm den Führerschein nicht erst einmal entzogen und er wollte partout nicht einsehen, was jemand dagegen haben könnte, wenn er mit dem Auto zu seinen „Heurigen in der Thermenregion“ und anschließend von dort wieder zurück nach Wien fahre.

Das Weinbaugebiet Thermenregion umfasst knapp zweitausendzweihundert Hektar. Damit ist seine Rebfläche größer als die vom Rudl seiner Referenzeinheit, der Weinbauregion Savoyen. Geographisch ist die Thermenregion als östliches Ende der Alpen quasi das Gegenstück zu Savoyen am westlichen Ende, auch wenn der Herr Kurt das anders sieht.

 

Friedrich Kuczera. Gumpoldskirchen

Ermittelt hat der Fils Rudl Friedrich Kuczera in einem Heftl über die Mitglieder des Biobauernverbandes „Ernte für das Leben“. Das muss in etwa zur Zeit dieses Club 2 gewesen sein. Bioweinbauern sind damals in Österreich noch nicht einmal nicht ernst genommen worden und entsprechend überschaubar in ihrer Zahl gewesen. Darüber hinaus war das die Zeit, in der Bub Rudolf sein Interesse für reife Weine entdeckt hat. Darum hat er nicht nur allen Bioweinbauern aus den Ernteverband-Heftln eine Korrespondenzkarte geschickt, auf der er handschriftlich angefragt hat, ob man bei Ihnen auch noch reife Weine erwerben könne. Manche haben zurück geschrieben. Friedrich Kuczera, zum Beispiel.

Mittlerweile ist der in die Rente gegangen. Weinbauer ist er geblieben, freilich auf einer sehr eingeschränkten Fläche. Der schlechteste Zierfandler-Weingarten war es nicht, den sich Monsieur Kuczera behalten hat. Viel Kalk, steiniger Boden, steil, teilweise terrassiert.

Im Keller war „weing Intervention“ auch schon vor dem Pensionsantritt ein Arbeitsprinzip von Friedrich Kuczera. „Lowtech Weine“ nennt Herr Kuczera seine Weine deshalb. Großes Holz, ganz minimaler Schwefel und maximale Sauberkeit. Weder Zauberkasten noch Dogmen. Kulturwein ohne Kult und ohne flüchtige Säure, genau nach dem Rudl seiner Façon.

 

Heuriger

 

Und in jeder Jahreszeit haben Frau und Herr K ihren Heurigen in der Wiener Straße 51, Gumpoldskirchen ein Wochenende lang ausg’steckt, im schönsten Salettl, das der Rudl kennt.

Diesen Herbst vom 18. bis 20. Oktober jeweils ab 15 Uhr

 

Zierfandler

 

Es stimmt nicht einmal, dass Zierfandler „ausschließilich“ in der Thermenregion rund um Gumpoldskirchen angebaut wird, wie einer auf Wikipedia meint. Uwe Schiefer hat einen. Der wächst in Ungarn. Und wenn den Rudl nicht alles täuscht, dann ist Zierfandler auch im G’mischten Satz von Gottfried Lamprecht drinnen.

Zierfandler soll eine Kreuzung aus Rotem Veltliner und einer Traminerart sein.

Späte Reife, Vorliebe für Kalk, fruchtige Säure und zartes Aroma – vier Gründe, nicht nur den Namen des Zierfandlers zu mögen.

Wenn Sie den Rudl fragen, können dem Zierfandler drei Sachen etwas anhaben: Zu viel Botrytis, aromatisierende Reinzuchthefen und vor allem zu viel neues Holz.

 

  • Zierfandler 2018, Weingut Friedrich Kuczera, Gumpoldskirchen, Thermenregion (2/3)
  • Zierfandler 2017, Weingut Friedrich Kuczera, Gumpoldskirchen, Thermenregion (2,50/4)
  • Zierfandler 2016, Weingut Friedrich Kuczera, Gumpoldskirchen, Thermenregion(2,50/4)
  • Zierfandler 2015, Weingut Friedrich Kuczera, Gumpoldskirchen, Thermenregion (2,50/4)
  • Zierfandler Mandel-Höh 2015, Weingut Johann Stadlmann, Traiskirchen (6,50/10)
  • Zierfandler 2013, Weingut Friedrich Kuczera, Gumpoldskirchen, Thermenregion (3/5)
  • Zierfandler Igeln 2013, Weingut Johann Stadlmann, Traiskirchen (4,50/7)
  • Pala Edes Cirfandli 2015, Uwe Schiefer, Ungarn (5/8)
  • Welschriesling Auslese „Schrammel“, Josef Lentsch, Dankbarkeit (4/6) Wer einen Verdacht hat, warum der Rudl diesen Wein da dazu reiht, der kann diesen Verdacht dem Herrn Rudolf per Mail oder wie zukommen lassen. Und wenn der Verdacht richtig ist, gibt es für die Betreffende, respektive den Betreffenden das Achtel „Schrammel“ auf Haus, solange der Vorrat reicht.

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

 

nicht nur diese Weine gibt es glasweise

 

am Dienstag, den 1. Oktober und am Donnerstag, den 3. Oktober

von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

 

 

Vorschau auf die Lehrveranstaltung vom 8. und 10. Oktober

Der Rudl sinniert noch.

 

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag der Menschenwürde erklärt!

 

Herr Rudolf grüßt alle, die das Haus wieder aufbauen, ohne es zu verschandeln!

 

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57

Altesse! Hoheit in einer Zeit fokussierter Tiefheit

Vergangene Woche hat Oberoenologierat Rudolf Wein von der höchsten Erhebung des Seewinkels zum Gegenstand der wissenschaftlichen Auseinandersetzung gemacht. Der Eindruck, den die Höhe der Riede Hallebühl auf die wahlwerbenden Parteien, Bewegungen und Stammtische gemacht hat, dürfte überschaubar gewesen sein. Aber der Rudl ist keiner, der schnell kapituliert. Darum legt er diese Woche nach. Altesse! Und der Rudl, sonst nicht unbedingt ein Freund von Befehlen und Rufzeichen, meint das in diesem Fall ausnahmsweise als Imperativ.

Tiefe

Herr Rudolf ist auch keiner, dem schnell etwas zu tief ist. Einer gewissen Tiefe vermag er durchaus heitere Seiten abzugewinnen. Bemerkbar ist das immer dann, wenn er etwas lustig findet, worüber andere nur den Kopf schütteln. Als Kind und Jugendlicher kann so ein Hang schnell einmal zur Schmach werden. Auf dem Papier erwachsen geworden erachtet es Fils Rudolf nicht mehr als Beleidigung, leicht zu unterhalten zu sein, egal ob Tiefe als Kalauer oder Anzüglichkeit daher kommt. Der Fils kann sich noch gut erinnern, welche Heiterkeitsausbrüche das Duchblättern des Lesebuches bei ihm auslöste. Über Namen wie Oswald von Wolkenstein oder Johannes Schlaf hat er sich trefflichst amüsieren und lachen können. Heute ist das nicht viel anders.

Solange nicht von oben nach und auf Kosten von unten gelacht wird, ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Rudl es lustig findet, tendenziell eher hoch.

Tiefheit

steht auf einem anderen Blatt. Der Inbegriff von Primitivität ist durchaus geeignet, beim Rudl, wie man so sagt, das Geimpfte aufgehen zu lassen. Und dabei ist es ihm, respektive dem Geimpften ganz egal, ob die Tiefheit als üble Musik auf der sogenannten Wiener Wiesn, als Unterhaltung auf Kosten Schwächerer oder als abgeschleckte, kommunikationsgecoachte Angeberei in einem Fernsehstudio daher kommt.

Fragen nicht beantworten, chronisch nicht zu dem stehen, was man gestern gesagt hat, weil im Zweifelsfall alles anders gemeint gewesen ist und permanent dieselben Leerformeln herunter schnattern. Bildung, Entlastung, Aufbruch, Sicherheit, Menschlichkeit, … Die Kanäle machen daraus ein Event, Hinz schleudert drei Sätze gegen Kunz und vice versa, dann die unvermeidliche Analyse der immer selben zwei Politexperten, es folgt das nächste beinharte Duell … Wenn der Rudl einschaltet, glaubt er im ersten Moment immer, sich in einem Programm von Alf Poier zu befinden.

Und in der Schule hat der Kommunikations- und Präsentationsfetischismus inzwischen die Lehrpläne ruiniert. Wenn einer nichts weiß, aber affenartig grinst und penetrant genug – statt der vom Prüfer erteilten – selbst erfundene Arbeitsaufträge erfüllt, heißt es: „Der hat sich aber gut verkauft.“ Und das ist dann etwas Positives.

Aus! Schluss! Basta!

Hoheit

Hoheit weckt vermutlich aristokratische Assoziationen. Und wenn dem Rudl etwas fernliegt, dann der Adel. Der angeborene Adel gerade so wie der Geldadel, der geweihte Adel als Klerus und auch der Trachtenjankeradel.

Vielleicht ist das auch der Grund, warum der Rudl-Bub immer lieber Mühle als Schach gespielt hat und das auch heute noch tut.

Bei Wein schaut es anders aus, zumindest bei der Rebsorte Altesse. Dieser Name verpflichtet. Nicht dass in Savoyen alles, wo „Altesse“ drauf steht, gut schmecken würde. Aber von den gelungenen kennt der Caviste Rudolf inzwischen ein paar und kann von denen schwer genug kriegen.

Höhe

Außerhalb der alpinen Grafschaft Savoyen gibt es keine nennenswerte Altesse. Vielleicht wirft dieser Umstand ein aristokratisches Licht auf Savoyen. Eher hat es mit den Bergen zu tun. Einen Stock Altesse gibt es freilich außerhalb von Savoyen. Der steht in Wien Hasenleiten, macht aus Hasenleiten aber eher kein aristokratisches Pflaster.

Hoheit Altesse

Es ist zum dritten nicht so, dass Monsieur Rudolf nicht schon das eine oder andere über diese Rebsorte geschrieben hätte. Und es ist sicher auch nicht so, dass Ihnen der Rudl bis jetzt verheimlicht hätte, dass es sich bei Altesse und Petit Manseng um seine ziemlich unangefochtenen Lieblingsrebsorten handelt. Aber alles ist deshalb noch lange nicht über diese Rebsorte geschrieben.

Dass Michel Grisard, der savoyardische Biodynamiepionier und Mitstreiter von Nicolas Joly, bei der Wiederbepflanzung des Weinbergs von Cevins dort an den begünstigtesten Lagen Altesse gesetzt hat, obwohl rein theoretisch alles möglich gewesen wäre, ist ein kleiner Hinweis auf das Potential dieser Rebsorte. Caviste Rudolf hat heuer so lange wie noch nie zuvor beim früheren Compagnon und jetzigen Nachfolger von Michel Grisard, Brice Omont, zugehört, gefragt und verkostet. Im Zuge dessen ist dem Rudl noch klarer geworden, wie hoch die ganz kompetenten Weinbaumeister in Savoyen Altesse schätzen.

Dass Altesse mit der Appellation Roussette de Savoie die einzige Rebsortenappellation in der Weinbauregion Savoyen gewidmet ist, deutet in dieselbe Richtung.

Altesse 2013, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOC Roussette de Savoie

Wein vom ersten savoyardischen Weingut, das der Rudl bewusst angesteuert und nicht zufällig besucht hat. Aktuell verkauft das Weingut den Jahrgang 2014 und 2015 dieses Weines. Und ab Ende Oktober werden diese auch beim Rudl zu erwerben sein.

Wenn man einer Rebsorte nicht ein bestimmtes Potential zutraut, wird man den Wein eher nicht erst nach vier oder fünf Jahren in Verkauf bringen.

Altesse 2017, Domaine Giachino, Chapareillan, AOP Roussette de Savoie

Demeterzertifizierter Naturwein in einer Präzision und kristallinen Klarheit, wie man sie in diesem Genre nicht so leicht trifft.

Son Altesse 2017, Les Vignes de Paradis, Ballaison, IGP Vin des Allobroges

Auch im Nachbardepartement Haute-Savoie wächst Altesse, wenn sie auch dort oben beim Genfer See nicht mehr für die Appellation zugelassen ist. Aber das ist Dominique Lucas sowieso Powidl, weil er mit „Les Vignes de Paradis“ aus der Appellation ausgestiegen ist.

Solar 2016, Domaine de l’Aitonnement, Aiton, IGP Vin des Allobroges

Dass ein „Bua“ wie Maxime Dancoine von einem Weinbauernrentner wie Jacques Maillet derart geschätzt wird, ist in den Augen vom Rudl eine Auszeichnung für beide.

Altesse 2015, Jacques Maillet, Motz, Chautagne, AOP Roussette de Savoie

Als Jacques vor gut zwei Jahren seinen Knien zuliebe in die Rente gegangen ist, war das eine gute Nachricht für seine Knie, aber eine hundsmiserable für alle Weinbegeisterten.

Der Rudl hat heuer im Sommer etwas ausführlicher mit dem Cavisten-Kollegen von der Rhônalia-Filiale in Aix-les-Bains gesprochen. Der ist ein bissl neidisch geworden, als ihn Herr Rudolf wissen lassen hat, dass er noch eine ganz passable Quantität von Jacques letztem Jahrgang 2015 im Sortiment hat.

Prieuré Saint Christophe Blanc 2016, Domaine Giachino, Chapareillan, AOP Roussette de Savoie

Als Basis der seit gut dreißig Jahren biodynamisch kultivierte Weingarten von Michel Grisard in Fréterive, als Überbau der Giachino Fils. Auch wieder ein Indiz dafür, dass das Beste aus dem konstruktiven Zusammenwirken von jungen und alten Menschen resultiert.

Marestel 2012, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOC Roussette de Savoie

Wein benannt nach dem Oberkellner und Grafenberater Claude de Mareste, darüber hinaus vom steilsten und felsigsten Weingarten, in dem der Rudl jemals herum gekraxelt ist

Fleur d’Altesse 2009, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOC Roussette de Savoie

Viele Weinbauern sind es nicht, die die gesündesten Trauben aus dem steilsten Teil der Lage Marestel hängen lassen. Und jedes Jahr macht das David Dupasquier auch nicht. Manchmal aber schon. Caviste Rudolf trinkt das nicht alle Tage.Wenn so ein Wein dann zehn Jahre alt ist, könnte es gerade passen.

  • Altesse 2013, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOC Roussette de Savoie (3/5)
  • Altesse 2017, Domaine Giachino, Chapareillan, AOP Roussette de Savoie (4/6)
  • Son Altesse 2017, Les Vignes de Paradis, Ballaison, IGP Vin des Allobroges (5/8)
  • Solar 2016, Domaine de l’Aitonnement, Aiton, IGP Vin des Allobroges (6/9)
  • Altesse 2015, Jacques Maillet, Motz, Chautagne, AOP Roussette de Savoie (5/8)
  • Prieuré Saint Christophe Blanc 2016, Domaine Giachino, Chapareillan, AOP Roussette de Savoie (6,50/10)
  • Marestel 2012, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOC Roussette de Savoie (4/6)
  • Fleur d’Altesse 2009, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOC Roussette de Savoie (6/-)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

nicht nur diese Weine gibt es glasweise

am Dienstag, den 24. September und am Donnerstag, den 26. September

von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Vorschau auf die Lehrveranstaltung vom 1. und 3. Oktober

eher Zierfandler als Roter Veltliner

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag der Menschenwürde erklärt!

Herr Rudolf grüßt hundert Percent ungecoacht, aber hoheitlich und egalitär. Möge es etwas helfen!

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57

Quarz, Holler und auch noch etliche alte Rebsorten und neue Weine aus der Vorwoche

Zeit x Ort = Bedeutung

Um etwas als besonders wichtig zu kennzeichnen, werden gerne Tradition oder zentrale Lage ins Treffen geführt. Auf den Pinot Gris von Josef Umathum trifft beides zu.

Zeit

Die Rebsorte Pinot Gris, alias Grauburgunder, alias Ruländer, alias Grauer Mönch, alias Oststeirischer Traminer, alias Malvoisie, … ist alt. Und auch im Seewinkel ist sie schon lange daheim. Seit dem Mittelalter auf jeden Fall. Ob es damals überhaupt den Seewinkel schon gegeben hat?

Ort

Der Pinot Gris von Josef Umathum ist quasi das Herz des Seewinkels. Zumindest insofern, als er in der Riede Hallebühl wächst. Die befindet sich mehr oder weniger in der Mitte des Seewinkels, dort, wo man auf der Straße von Frauenkirchen nach Podersdorf durch diese fast z-artige Kurve fährt. Und links von der Verbindung der beiden Querbalken des Z liegt, wächst und ruht die Riede Hallebühl. Der Rotburger von dort ist ziemlich berühmt. Was manche möglicherweise nicht wissen werden, ist, dass der Rotburger rund um einen Grauburgunder-Weingarten wächst. Man könnte den Pinot Gris mitten in der Riede Hallebühl quasi als Herz der Riede Hallebühl und damit des Seewinkels bezeichnen. Claude Bourgignon, ein nicht ganz unwesentlicher Bodenforscher aus Frankreich, hat übrigens seinerzeit schon auf den Ausnahmecharakter der Lage Hallebühl hingewiesen, auch als Weißweinlage.

Ried Hallebühl – ein heiliger Hügel, hundertachtundzwanzig Meter über dem Meer, und andere Gebirge

 

Es ist, als wäre es gestern gewesen, aber der Rudl kann sich noch gut erinnern, als er im Alter von vierzehn Jahren zum ersten Mal ostösterreichischen Boden betreten hat. Der elterlichen Erklärung bei der Überquerung des Leithagebirges konnte er damals nicht viel mehr als ein ungläubiges Kopfschütteln abgewinnen. Dieser Hügel – ein Gebirge?

Analog dazu hat man früher im Seewinkel das, was heute als Weingarten neben der Z-Querbalkenverbindung in der Kurve zwischen Frauenkirchen und Podersdorf wächst, als Hügel, genauer als „heiliger Hügel“ oder „Hollerhügel“ bezeichnet. Seinerzeit, unter den Kelten, ist dort kein Wein, sondern Holler gewachsen. Der war den Kelten heilig. Herr Rudolf hat nichts gegen Holler, noch weniger gegen Hollerblüten, aber getränketechnisch stehen ihm die Römer wahrscheinlich näher als die Kelten.

Später hat man den Holler Hügel dann „Hallebühl“ genannt und Wein gepflanzt. Die Wasserbruchlinie darunter ist älter, circa fünf bis zehn Millionen Jahre.

128 Meter über dem Meer ist Hallebühl die höchste Erhebung im Seewinkel und damit fast so etwas wie das Gegenstück zur Riede Tiglat, die sich in der Nähe des tiefsten Punktes Österreichs befindet.

 

Pinot Gris aus der Riede Hallebühl

 

Der Herr Kurt hat dem Pinot Gris auf der „Trost & Rat“ ein Denkmal gesetzt.

Wie er, der Pinot Gris, das macht, dass er rabiat hohen Temperaturen trotzt und dabei formidable Weine statt müdes, brandiges Gschloder zusammenbringt, das müssen Sie, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, schon den Ruländer selber fragen. Dem Rudl ist es auf alle Fälle ein Rätsel.

Wäre die Pinot Gris Reserve von Josef Umathum ein Tonträger, würde man im Abspann dem vielen Quarz und dem hohen Eisenanteil für die rauchigen Aromen danken, dem großen Holzfass für die harmonische Reife und dem Gansl oder der Ente für die charmante Begleitung.

Aufe und owe

Monsieur Rudolf fühlt sich jung. Meistens. Aber ein direkter Teenager ist er keiner mehr. Das muss er schon zugeben. Und mit jeder zusätzlichen Dekade der Entfernung vom Teenageralter wird der Zahl der Dinge, über die er sich wundert, kleiner. Ein paar Verwunderlichkeiten scheinen sich indes hartnäckig zu halten. So alt und grau kann der Rudl gar nicht werden.

Warum?

Warum werden bestimmte Männer heilig gesprochen? Von der katholischen Kirche. Warum andere nicht? Warum werden bestimmte Männer mit viel zu engen Anzügen, einem penetranten Dauergrinser und der ewig selben Häuslrhetorik zu politischen Genies erklärt? Von Blättern und Kanälen? Und warum wird diesen Blättern und Kanälen Förderungswürigkeit bescheinigt? Warum werden manche Weinproduzentinnen oder Weinproduzenten zu Popstars hochstilisiert? Von Wichtigtuern, die das, was ihnen an Wortschatz fehlt, durch Geltungsbedürfnis und Zeitgeist kompensieren.

Der Herr Kurt hat sich da seinerzeit auf der „A blede Gschicht … oba uns is Wuascht!“ Gedanken gemacht. Über Angesagt- oder Nichtangesagtsein entscheiden sehr oft die Experten. Und die können es sich offenbar auch ganz schnell wieder anders überlegen.

Manchmal kann die Klassifizierung ziemlich abrupt und für den Rudl überhaupt nicht nachvollziehbar umschlagen. Das denkt sich der Rudl ganz besonders immer dann, wenn er sich nach ein paar Jahren wieder einen Weinguide kauft. Da kann es vorkommen, dass eine „Découverte de l’année“ zwei Jahren später hinunter geschrieben wird, dass es nur so kracht.

Josef Umathum

Eigenständige, präzise und saubere Weine. Ökologisches und soziales Gewissen, das nicht bei der Kellertür oder an der Weingartengrenze endet. Und die Bereitschaft, sich nötigenfalls auch mit den Mächtigen anzulegen.

Das imponiert dem Rudl.

Josefe

Es gibt überhaupt auffallend viele Winzer, die Josef heißen, authentische Weine machen und sich dem aufgeregten Gezwitschere und Gegackere der Influenza entziehen. „Reschpekt!“ würde der Herr Kurt vermutlich sagen.

Sozialmedizinischer Exkurs: Influenza

Der Rudl kriegt ja vieles sehr spät mit. Dass Influenzer heute keine Krankheit mehr sein soll, zum Beispiel. Kann man bitte geschäftstüchtige, aber sozial schwer gestörte Schulabbrecher, die meinen, sie müssten einem erklären, wie man legospielt, jemanden anbrät oder sich die Schuhbandl bindet, wieder zum Psychologen oder vom Rudl aus zum praktischen Arzt schicken, anstatt sie zu einer Berufsgruppe, einem Geschäftsmodell und einem Vorbild zu erklären!

2017

Viel zu milder Winter und Spätfrost Ende April, beziehungsweise Anfang Mai sind in den letzten Jahren sowieso schon beinahe Geschwister geworden.

Fünf Hitzewellen im Sommer. Mitte August kommt das Wetter zumindest insofern zur Raison, als die Nächte kühler werden.

 

  • Pinot Gris Reserve 2017, Josef Umathum, Frauenkirchen, Seewinkel (4/6)
  • Grauburgunder Reserve 2016, Herrenhof Lamprecht, Pöllau bei Markt Hartmannsdorf, Oststeiermark (6/9)
  • Pinot Gris Reserve 2015, Josef Umathum, Frauenkirchen, Seewinkel (4,50/7)
  • Ruländer 2014, Weingut Dieter Dorner, Mureck (3/5)
  • Pinot Gris 2013, Josef Umathum, Frauenkirchen, Seewinkel (5/8)
  • Pinot Gris 2012, Josef Umathum, Frauenkirchen, Seewinkel (5/8)
  • Pinot Gris 2010, Josef Lentsch, Dankbarkeit, Neusiedlersee (5/8)
  • Pinot Gris 2008, Josef Umathum, Frauenkirchen, Seewinkel (6/9)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

nicht nur diese Weine, sondern auch noch etliche alte Rebsorten aus Savoyen und neue Weine aus Frankreich gibt es glasweise

diese Woche am Dienstag, den 17. September und am Donnerstag, den 19. September

von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Vorschau auf die Lehrveranstaltung vom 24. und 26. September

Hoheit (Altesse) als Gegenmittel zur Tiefheit

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag der Menschenwürde erklärt!

Herr Rudolf grüßt die Influenzafreien und wünscht allen anderen gute Besserung!

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57

Alte Rebsorten, neue Weine und doppelte ECTS

Und dann. Freitag, 26. Juli 2019, 19. Etappe, Verdesse

Als der Rudl im Verlauf seiner Forschungsreise heuer zum ersten Mal französischen Boden betreten hat, ist seine Tschäsn auf dem Parkplatz vor einer veritablen Koryphäe seiner Branche gestanden. Nicht aus purem Zufall. Das Quecksilber vor der Hütte von Bruno Bozzer in Annecy hat ungefähr vierzig Grad indiziert. Bruno Bozzer war Chef-Sommelier bei Marc Veyrat und ist 2014 zum besten Cavisten Frankreichs gewählt worden.

Wenn der Schiste 2015 von der Domaine des Ardoisières glasweise angeboten wird, weiß man, dass man nicht in irgendeiner Weinbar ist. Ein Beginn, accompagniert von einem Brettl Rohschinken und Käse.

Und dann ist etwas geschehen, worauf der Rudl ohne falsche Bescheidenheit schon ein bissl stolz gewesen ist.

Er wollte etwas ihm Unbekanntes aus der Region trinken. Weiß, trocken und gut. Immerhin hat er sich im „La Java des Flaçons“ befunden. Das ist nicht direkt auf der Strecke nach Val Thorens gelegen.

Nach ungefähr zwölf bis fünfzehn Versuchen ist das Projekt abgebrochen worden. Die Vorschläge waren alle zusammen weiß, trocken und gut. Nur dem Rudl unbekannt waren sie nicht. Ein bissl Eindruck hat das schon gemacht.

Und dann hat sich der Rudl für eine Verdesse aus Chignin entschieden, moelleux. Kein Wein, von dem man bei vierzig Grad Celsius viel verlangen darf. Auch nicht direkt dem Rudl sein Goût. Darum hat sich Caviste Rudolf die Rebsorte gemerkt und den Namen des Weinbauern wieder vergessen.

Und dann hat der Schneepflug die Hagel- und Geröllmassen von der Straße von Val d’Isère nach Bourg-Saint-Maurice geräumt.

Verdesse

soll mit Savagnin verwandt sein, nur deutlich älter. Gegeben hat es sie lange Zeit so gut wie nicht mehr. Die Giachino-Brüder haben vor ein paar Jahren auf ihrer Suche nach dem alten Rebbestand Savoyens wieder ein paar Stöcke ausgepflanzt. Die Trauben davon kommen in die Monfarina. Solange ihr Anteil unter zehn Prozent liegt, ratzt das nicht einmal die gestrengen Hüter der Appellation. Im Nachbardepartement von Savoyen, Isère, wo Weinbau sowieso so gut wie erledigt gewesen ist, haben in den letzten zehn Jahren ein paar Unentwegte alte Pläne studiert, Weingärten revitalisiert, da und dort auch Verdesse ausgepflanzt.

Kleinbeerig, dickschalig, Kalk nicht abgeneigt. Nicht die allerschlechtesten Voraussetzung für die französischen Alpen, wo das Wetter in den letzten vier Jahren ziemlich alles gemacht hat, wozu es theoretisch in der Lage ist, und noch das eine oder andere Stückl mehr.

Verdesse 2018, Domaine des Rutissons, Le Touvet, IGP Isère

Cugnette und Galoppine. Keine Radlfahrerinnen

M. Leblanc ist eine Assemblage aus Cugnette und Galoppine. Doch was nach sehr seltenen Rebsorten klingt, ist zumindest für ostfranzösiche Verhältnisse eher gewöhnlich. Bei Cugnette handelt es sich um ein Synonym für Jacquère bei Galoppine um eines für Viognier.

M. Leblanc 2018, Domaine des Rutissons, Le Touvet, IGP Isère

G’mischter Satz

Zum G’mischten Satz hat der Rudl im Vorwort zu seiner letzten Lehrveranstaltung vor der vorlesungsfreien Zeit das eine oder andere angemerkt. In Savoyen ist der G’mischte Satz nicht ganz so populär wie in Wien. Geben tut es ihn aber. Zumindest hat der Rudl das so verstanden, auch wenn auf der Homepage etwas von Assemblage steht. „La Bête“, ganz alter Rebbestand von Gamay, Étraire de la d’Huy, Persan, Servanin, Joubertin und noch ein paar anderen.

G’mischter Satz „La Bête“, Domaine des Rutissons, Le Touvet, Vin de France

Douce noire

Auf die Weisheit, dass Douce noire, vulgo Bonarda, ursprünglich eine italienische Rebsorte ist, könnte man verzichten, zumindest insofern, als bis ins neunzehnte Jahrhundert auch savoyardische Erdäpfelschäler und Zustenzuckerl italienisch gewesen sind.

Die Etrusker haben Douce noire gepflanzt. Ende des neunzehnten Jahrhunderts ist sie dann die verbreitetste rote Rebsorte in Savoyen gewesen. Heute scheint sie in Argentinien eine größere Rolle zu spielen, die zweitgrößte nach Malbec. Italienische Einwanderer haben sie mitgebracht.

Übersetzen könnte man Douce noire mit „süße Schwarze“ oder „zarte Schwarze“. Sie reift spät und ist dickschalig. Damit ist der Rudl beim Kompetenzportfolie von Douce noire: Aufgrund ihrer Zartheit hat man sie gerne mit dem rustikalen, der Säure und dem Gerbstoff nicht immer abgeneigten Persan verschnitten, teilweise auch gemischt ausgesetzt. Persan ist dann immer mehr ausgestorben und Douce noire auch.

Irgendwann haben sich dann vor allem ein paar Pétavins des Persans angenommen und ihn wieder ausgepflanzt. Von daher ist es nicht so abwegig, dass man jetzt auch wieder öfter über Douce noire stolpert.

Angeblich gilt Douce noire in Californien als Kultwein, wobei Monsieur Rudolf eingesteht, dass er um alles mit der Vorsilbe Kult- tendenziell eher einen Bogen macht, allein schon um den Gleichschritt zu stören.

Douce noire „Cuvèe Sanguette“, Adrien Berlioz – ein Pétavin, Chignin, IGP Vin des Allobroges

Und weil der aus historischen Gründen da irgendwie dazu gehört …

Persan 2017, Domaine Giachino – ein anderer Pétavin, Chapareillan, AOP Vin de Savoie

Étraire de la Dhui

blickt auf ein ähnliches Schicksal zurück. Nur hat ihr die Reblaus noch ein Stückl mehr zugesetzt. Wirklich ganz kleine Bestände gibt es noch an der südlichen Rhône und in Savoyen.

Étraire de la Dhui 2018, Domaine des Rutissons, Le Touvet, IGP Isère

Die bisher beschriebenen Weine glänzen durch Rarheit. Die folgenden könnte man zumindest rebsortentechnisch zu drei Viertel als Gassenhauer unter den Rebsorten bezeichnen.

Trousseau „Les Gauthières“ 2017, Domaine Pignier, Montaigu, AOP Côtes du Jura

Sélection massale vom Trousseau „À la Dame“, zwölf Monate in Amphoren ausgebaut, ohne Schwefelzusatz, auch nicht bei der Füllung. Unfiltriert sowieso. Ein Pfefferl der anderen Art und noch ein paar andere Gewürze.

Chardonnay „Cellier des Chartreux“ 2015, Domaine Pignier, Montaigu, Jura

Das Griss um die Weine aus dem Jura ist auch so etwas, wofür der Rudl die nötige Nachvollziehung nicht und nicht aufzubringen vermag. Charakteristisch für das Jura sind oxydative Weine. Nur herrscht um die gar kein so großes Griss. Angesagt scheinen vor allem Weine von dort zu sein, die der Rudl blind verkostet hoffentlich eher auf der anderen Seite des Saône-Grabens lokalisieren würde, und alkoholhältige Kracherl.

Die Domaine Pignier ist ungefähr so fortschrittlich wie ihr Karthäuser-Keller, in dem man sich eher in einer Kathedrale als auf einem Weingut vorkommt. Nur die Devotionalien-Standln fehlen halt.

Der Chardonnay „Cellier des Chartreux“ aus der Lage „En Boivin“ ist drei Jahre oxydativ im Eichenfass ausgebaut. Jura.

Riesling Clos Liebenberg Monopole 2013, Domaine Valtentin Zusslin, Orschwhir, AOP Alsace

Monopole steht auf dem Etikett. Ausschließlich die Domaine Valentin Zusslin bewirtschaftet den Clos Liebenberg. Für einen seit zweiundzwanzig Jahren biodynamisch bewirtschafteten Weingarten ist das nicht ganz unwesentlich, weil sich sein Bewirtschafter dadurch die Giftspritzer auf Distanz halten kann. Seit der Rudl heuer beim Laufen durch die Weingärten von Apremont wieder den Unterschied zwischen gesunden und floureszierenden Weingärten gesehen und vor allem auch gerochen hat, ist ihm derlei doch wichtiger als früher.

Riesling Grand Cru Pfingstberg 2014, Domaine Valentin Zusslin, Orschwhir, AOP Alsace Grand Cru

Quasi fast der Gegenhang zum Bollenberg, eh gar nicht so weit weg vom Clos Liebenberg, Süd- und Südostausrichtung, steil, Mergel und Sandstein. Dass das eine Ausnahmelage ist, hat nicht vorgestern irgendwer herausgefunden, sondern bereits im dreizehnten Jahrhundert, fast so früh wie das beim Rangen in Thann der Fall gewesen ist.

  • M. Leblanc 2018, Domaine des Rutissons, Le Touvet, IGP Isère (2,50/4)
  • Verdesse 2018, Domaine des Rutissons, Le Touvet, IGP Isère (4,50/7)
  • G’mischter Satz „La Bête“, Domaine des Rutissons, Le Touvet, Vin de France (3/5)
  • Douce noire „Cuvèe Sanguette“, Adrien Berlioz – ein Pétavin, Chignin, IGP Vin des Allobroges (4,50/7)
  • Persan 2017, Domaine Giachino – ein anderer Pétavin, Chapareillan, AOP Vin de Savoie (4,50/7)
  • Étraire de la Dhui 2018, Domaine des Rutissons, Le Touvet, IGP Isère (4/6)
  • Trousseau „Les Gauthières“ 2017, Domaine Pignier, Montaigu, AOP Côtes du Jura (6/9)
  • Chardonnay „Cellier des Chartreux“ 2015, Domaine Pignier, Montaigu, Jura (6/9)
  • Riesling Clos Liebenberg Monopole 2013, Domaine Valtentin Zusslin, Orschwhir, AOP Alsace (6/9)
  • Riesling Grand Cru Pfingstberg 2014, Domaine Valentin Zusslin, Orschwhir, AOP Alsace Grand Cru (6,50/10)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

, nicht einmal in der ersten Arbeitswoche ausschließlich diese Weine gibt es glasweise

am Dienstag, den 10. September und am Donnerstag, den 12. September

jeweils von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Vorschau auf das Thema am 17. und 19. September:

Pinot Gris (Reserve) Umathum 2008 – 2012 – 2013 – 2015 – 2017

Caviste Rudolf grüßt dermaßen erleichtert und freut sich auf produktive Forschungen!

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag erklären sollte!

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Mittwoch und Freitag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57 Euro