Alte Rebsorten, neue Weine und doppelte ECTS

Und dann. Freitag, 26. Juli 2019, 19. Etappe, Verdesse

Als der Rudl im Verlauf seiner Forschungsreise heuer zum ersten Mal französischen Boden betreten hat, ist seine Tschäsn auf dem Parkplatz vor einer veritablen Koryphäe seiner Branche gestanden. Nicht aus purem Zufall. Das Quecksilber vor der Hütte von Bruno Bozzer in Annecy hat ungefähr vierzig Grad indiziert. Bruno Bozzer war Chef-Sommelier bei Marc Veyrat und ist 2014 zum besten Cavisten Frankreichs gewählt worden.

Wenn der Schiste 2015 von der Domaine des Ardoisières glasweise angeboten wird, weiß man, dass man nicht in irgendeiner Weinbar ist. Ein Beginn, accompagniert von einem Brettl Rohschinken und Käse.

Und dann ist etwas geschehen, worauf der Rudl ohne falsche Bescheidenheit schon ein bissl stolz gewesen ist.

Er wollte etwas ihm Unbekanntes aus der Region trinken. Weiß, trocken und gut. Immerhin hat er sich im „La Java des Flaçons“ befunden. Das ist nicht direkt auf der Strecke nach Val Thorens gelegen.

Nach ungefähr zwölf bis fünfzehn Versuchen ist das Projekt abgebrochen worden. Die Vorschläge waren alle zusammen weiß, trocken und gut. Nur dem Rudl unbekannt waren sie nicht. Ein bissl Eindruck hat das schon gemacht.

Und dann hat sich der Rudl für eine Verdesse aus Chignin entschieden, moelleux. Kein Wein, von dem man bei vierzig Grad Celsius viel verlangen darf. Auch nicht direkt dem Rudl sein Goût. Darum hat sich Caviste Rudolf die Rebsorte gemerkt und den Namen des Weinbauern wieder vergessen.

Und dann hat der Schneepflug die Hagel- und Geröllmassen von der Straße von Val d’Isère nach Bourg-Saint-Maurice geräumt.

Verdesse

soll mit Savagnin verwandt sein, nur deutlich älter. Gegeben hat es sie lange Zeit so gut wie nicht mehr. Die Giachino-Brüder haben vor ein paar Jahren auf ihrer Suche nach dem alten Rebbestand Savoyens wieder ein paar Stöcke ausgepflanzt. Die Trauben davon kommen in die Monfarina. Solange ihr Anteil unter zehn Prozent liegt, ratzt das nicht einmal die gestrengen Hüter der Appellation. Im Nachbardepartement von Savoyen, Isère, wo Weinbau sowieso so gut wie erledigt gewesen ist, haben in den letzten zehn Jahren ein paar Unentwegte alte Pläne studiert, Weingärten revitalisiert, da und dort auch Verdesse ausgepflanzt.

Kleinbeerig, dickschalig, Kalk nicht abgeneigt. Nicht die allerschlechtesten Voraussetzung für die französischen Alpen, wo das Wetter in den letzten vier Jahren ziemlich alles gemacht hat, wozu es theoretisch in der Lage ist, und noch das eine oder andere Stückl mehr.

Verdesse 2018, Domaine des Rutissons, Le Touvet, IGP Isère

Cugnette und Galoppine. Keine Radlfahrerinnen

M. Leblanc ist eine Assemblage aus Cugnette und Galoppine. Doch was nach sehr seltenen Rebsorten klingt, ist zumindest für ostfranzösiche Verhältnisse eher gewöhnlich. Bei Cugnette handelt es sich um ein Synonym für Jacquère bei Galoppine um eines für Viognier.

M. Leblanc 2018, Domaine des Rutissons, Le Touvet, IGP Isère

G’mischter Satz

Zum G’mischten Satz hat der Rudl im Vorwort zu seiner letzten Lehrveranstaltung vor der vorlesungsfreien Zeit das eine oder andere angemerkt. In Savoyen ist der G’mischte Satz nicht ganz so populär wie in Wien. Geben tut es ihn aber. Zumindest hat der Rudl das so verstanden, auch wenn auf der Homepage etwas von Assemblage steht. „La Bête“, ganz alter Rebbestand von Gamay, Étraire de la d’Huy, Persan, Servanin, Joubertin und noch ein paar anderen.

G’mischter Satz „La Bête“, Domaine des Rutissons, Le Touvet, Vin de France

Douce noire

Auf die Weisheit, dass Douce noire, vulgo Bonarda, ursprünglich eine italienische Rebsorte ist, könnte man verzichten, zumindest insofern, als bis ins neunzehnte Jahrhundert auch savoyardische Erdäpfelschäler und Zustenzuckerl italienisch gewesen sind.

Die Etrusker haben Douce noire gepflanzt. Ende des neunzehnten Jahrhunderts ist sie dann die verbreitetste rote Rebsorte in Savoyen gewesen. Heute scheint sie in Argentinien eine größere Rolle zu spielen, die zweitgrößte nach Malbec. Italienische Einwanderer haben sie mitgebracht.

Übersetzen könnte man Douce noire mit „süße Schwarze“ oder „zarte Schwarze“. Sie reift spät und ist dickschalig. Damit ist der Rudl beim Kompetenzportfolie von Douce noire: Aufgrund ihrer Zartheit hat man sie gerne mit dem rustikalen, der Säure und dem Gerbstoff nicht immer abgeneigten Persan verschnitten, teilweise auch gemischt ausgesetzt. Persan ist dann immer mehr ausgestorben und Douce noire auch.

Irgendwann haben sich dann vor allem ein paar Pétavins des Persans angenommen und ihn wieder ausgepflanzt. Von daher ist es nicht so abwegig, dass man jetzt auch wieder öfter über Douce noire stolpert.

Angeblich gilt Douce noire in Californien als Kultwein, wobei Monsieur Rudolf eingesteht, dass er um alles mit der Vorsilbe Kult- tendenziell eher einen Bogen macht, allein schon um den Gleichschritt zu stören.

Douce noire „Cuvèe Sanguette“, Adrien Berlioz – ein Pétavin, Chignin, IGP Vin des Allobroges

Und weil der aus historischen Gründen da irgendwie dazu gehört …

Persan 2017, Domaine Giachino – ein anderer Pétavin, Chapareillan, AOP Vin de Savoie

Étraire de la Dhui

blickt auf ein ähnliches Schicksal zurück. Nur hat ihr die Reblaus noch ein Stückl mehr zugesetzt. Wirklich ganz kleine Bestände gibt es noch an der südlichen Rhône und in Savoyen.

Étraire de la Dhui 2018, Domaine des Rutissons, Le Touvet, IGP Isère

Die bisher beschriebenen Weine glänzen durch Rarheit. Die folgenden könnte man zumindest rebsortentechnisch zu drei Viertel als Gassenhauer unter den Rebsorten bezeichnen.

Trousseau „Les Gauthières“ 2017, Domaine Pignier, Montaigu, AOP Côtes du Jura

Sélection massale vom Trousseau „À la Dame“, zwölf Monate in Amphoren ausgebaut, ohne Schwefelzusatz, auch nicht bei der Füllung. Unfiltriert sowieso. Ein Pfefferl der anderen Art und noch ein paar andere Gewürze.

Chardonnay „Cellier des Chartreux“ 2015, Domaine Pignier, Montaigu, Jura

Das Griss um die Weine aus dem Jura ist auch so etwas, wofür der Rudl die nötige Nachvollziehung nicht und nicht aufzubringen vermag. Charakteristisch für das Jura sind oxydative Weine. Nur herrscht um die gar kein so großes Griss. Angesagt scheinen vor allem Weine von dort zu sein, die der Rudl blind verkostet hoffentlich eher auf der anderen Seite des Saône-Grabens lokalisieren würde, und alkoholhältige Kracherl.

Die Domaine Pignier ist ungefähr so fortschrittlich wie ihr Karthäuser-Keller, in dem man sich eher in einer Kathedrale als auf einem Weingut vorkommt. Nur die Devotionalien-Standln fehlen halt.

Der Chardonnay „Cellier des Chartreux“ aus der Lage „En Boivin“ ist drei Jahre oxydativ im Eichenfass ausgebaut. Jura.

Riesling Clos Liebenberg Monopole 2013, Domaine Valtentin Zusslin, Orschwhir, AOP Alsace

Monopole steht auf dem Etikett. Ausschließlich die Domaine Valentin Zusslin bewirtschaftet den Clos Liebenberg. Für einen seit zweiundzwanzig Jahren biodynamisch bewirtschafteten Weingarten ist das nicht ganz unwesentlich, weil sich sein Bewirtschafter dadurch die Giftspritzer auf Distanz halten kann. Seit der Rudl heuer beim Laufen durch die Weingärten von Apremont wieder den Unterschied zwischen gesunden und floureszierenden Weingärten gesehen und vor allem auch gerochen hat, ist ihm derlei doch wichtiger als früher.

Riesling Grand Cru Pfingstberg 2014, Domaine Valentin Zusslin, Orschwhir, AOP Alsace Grand Cru

Quasi fast der Gegenhang zum Bollenberg, eh gar nicht so weit weg vom Clos Liebenberg, Süd- und Südostausrichtung, steil, Mergel und Sandstein. Dass das eine Ausnahmelage ist, hat nicht vorgestern irgendwer herausgefunden, sondern bereits im dreizehnten Jahrhundert, fast so früh wie das beim Rangen in Thann der Fall gewesen ist.

  • M. Leblanc 2018, Domaine des Rutissons, Le Touvet, IGP Isère (2,50/4)
  • Verdesse 2018, Domaine des Rutissons, Le Touvet, IGP Isère (4,50/7)
  • G’mischter Satz „La Bête“, Domaine des Rutissons, Le Touvet, Vin de France (3/5)
  • Douce noire „Cuvèe Sanguette“, Adrien Berlioz – ein Pétavin, Chignin, IGP Vin des Allobroges (4,50/7)
  • Persan 2017, Domaine Giachino – ein anderer Pétavin, Chapareillan, AOP Vin de Savoie (4,50/7)
  • Étraire de la Dhui 2018, Domaine des Rutissons, Le Touvet, IGP Isère (4/6)
  • Trousseau „Les Gauthières“ 2017, Domaine Pignier, Montaigu, AOP Côtes du Jura (6/9)
  • Chardonnay „Cellier des Chartreux“ 2015, Domaine Pignier, Montaigu, Jura (6/9)
  • Riesling Clos Liebenberg Monopole 2013, Domaine Valtentin Zusslin, Orschwhir, AOP Alsace (6/9)
  • Riesling Grand Cru Pfingstberg 2014, Domaine Valentin Zusslin, Orschwhir, AOP Alsace Grand Cru (6,50/10)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

, nicht einmal in der ersten Arbeitswoche ausschließlich diese Weine gibt es glasweise

am Dienstag, den 10. September und am Donnerstag, den 12. September

jeweils von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Vorschau auf das Thema am 17. und 19. September:

Pinot Gris (Reserve) Umathum 2008 – 2012 – 2013 – 2015 – 2017

Caviste Rudolf grüßt dermaßen erleichtert und freut sich auf produktive Forschungen!

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag erklären sollte!

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Mittwoch und Freitag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57 Euro

während der Sommerferien, 1. Juli bis 5. September, geschlossen

Caviste Rudolf sperrt die Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils jetzt zu. Es ist heiß, er ist hundsmüde und er will aus der Stadt hinaus.
Nächste reguläre Öffnung: Reindorfgassenfest am 6. und 7. September
Danke!, einen schönen Sommer und auf ein Wiederschauen auf der Kaiserwiese!
Bis etwa 24. Juli und ab etwa 19. August stellt Caviste Rudolf gerne Wein zu, in Wien, in Savoyen und nach Maßgabe der zeitlichen Ressourcen sogar in der Umgebung von Wien.

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag der Menschenwürde erklärt!

Très cordialement, Monsieur Rudolf!

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien
Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen
kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57 Euro kostenlos

NOS OMNES IN VARIETATE CONCORDIA. Vor den Sommerferien noch schnell etwas über das wirkliche Leben … und den G’mischten Satz

 

Was den Rudl am Wein begeistert, ist Thema für sein Weinkaufsgeschäft. Und umgekehrt. Und was den Rudl am Wein nicht begeistert, das kommt ihm auch nicht ins Geschäft. In den letzten beiden Wochen vor den Sommerferien praktiziert Caviste Rudolf das noch ein bissl konsequenter und persönlicher.

Darum hat er letzte Woche das Reifen von Wein zum Thema gemacht. Diese Woche bezieht sich die persönliche Note weniger auf das Thema als auf Gesellschaftspolitisches sowie ein Erlebnis, das den Rudl im vergangenen Schul- und Studienjahr besonders gefreut hat und ihm wichtig gewesen ist.

Und dann sind sowieso Sommerferien. Weitergehen tut es mit den Forschungsarbeiten in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils dann in der ersten Septemberwoche.

G’mischter Satz

An und für sich macht man um den vor allem in Wien gerade ein Mordstrum Trara. Und an und für sich ist so ein Trara dem Rudl kein Motiv zu außerordentlicher Aktivität, ja nicht einmal zu ordentlicher Aktivität. Aber der G’mischte Satz ist schon ein schönes Symbol.

NOS OMNES IN VARIETATE CONCORDIA. Gott pflanzen?

Darum hat Weinschulrat Rudolf heuer geladen, vor einer seiner Dienststätten einen G’mischten Satz zu pflanzen. Als Symbol für Vielfalt, Lebendigkeit, Begeisterung und vor allem als eine Absage an die Grundrechnungsunart des Auseinanderdividierens. Die Doppeldeutigkeit des Operators pflanzen im Titel der Aktion möchte Rudolf Polifka als Hinweis auf die Notwendigkeit von Humor, Witz, Ironie und Selbstironie als Vorbeugung gegen fundamentalistische Verkrampfungen in jedweder Religion und Weltanschauung verstanden wissen. Ganz besonders fett möchte der Rudl das heute den Neoliberalisten ins digitale Stammbuch klopfen, weil die ihr Selbstironiedefizit ganz gern durch ein Übermaß an Spaß kaschieren.

Floridsdorfer G’mischter Satz

So haben Zubildende vor ein paar Wochen gemeinsam mit Prominenz aus Kultur, Politik und Weinbau sieben unterschiedliche Weinreben als Symbol für ein zivilisiertes Miteinander in Vielfalt eingesetzt. Sogar ein Bekannter vom Herrn Kurt ist dabei gewesen. Und als das alles gut hingehaut hat, ist der Herr Rudolf extraordinairement erleichtert und froh gewesen.

Der G’mischte Satz und das wirkliche Leben

Das wirkliche Leben besteht aus unterschiedlichen Menschen, so ähnlich wie ein „G’mischter Satz“ aus Trauben von unterschiedlichen Rebsorten.

Im wirklichen Leben ist man immer wieder aufeinander angewiesen. Miteinander geht es tendenziell eher besser als gegeneinander. Die Trauben für einen „G’mischten Satz“ werden auch miteinander gelesen.

Das wirkliche Leben muss mit einer Welt auskommen. Das würde des Rudls Erachtens Unzeitgemäßes wie Verantwortungsbewusstsein und gegebenenfalls auch Verzichtsbereitschaft nahelegen. Die diversen Rebstöcke des „G’mischten Satzes“ wachsen auf einer Parzelle. Deplacierung spielt es da nicht.

Im wirklichen Leben auf der analogen Welt sind die Menschen verschieden, schauen verschieden aus und auch ihre Begabungen sind verschieden. An Änderungen dieser Grundgegebenheiten wird heftigst und mit viel Einsatz von Steuergeld gearbeitet. Der Erfolg hält sich derweil in Grenzen. Da können sich die virtuellen Netzwerke, Alexa und die diversen Kerzlschlucker und Weihrauchfresser der artifiziellen – sogenannten – Intelligenz noch so auf den Kopf stellen.

Die Weintrauben der Rebstöcke von einem „G’mischten Satz“ schauen auf alle Fälle verschieden aus, schmecken verschieden und sind zum Zeitpunkt der Lese verschieden reif. Trotzdem ergeben diese Weintrauben einen Wein.

Sind in einem Jahr die Wetterbedingungen für eine Rebsorte besonders schlecht, dann kann eine andere Rebsorte, die zu einem anderen Zeitpunkt reift und für die die Wetterbedingungen deshalb günstiger waren, aushelfen.

Im wirklichen Leben kann jeder Mensch aufgrund seiner unterschiedlichen Begabungen, Eigenschaften und Begeisterungen einen anderen Beitrag zu einer besseren Welt leisten, nicht immer jede und jeder den gleichen, nicht immer jeder und jede gleich viel. Aber hinhauen tut es dann, wenn alle etwas beitragen und niemand sich auf die anderen verlässt, es sei denn, es geht nicht anders.

Das wirkliche Leben ist auch wie der „G’mischte Satz“ nicht berechenbar. Das auszuhalten erscheint dem Rudl als eine der Schlüsselqualifikationen des Lebens. Weinforscher können bei einem „G’mischten Satz“ vor dem Trinken kaum abschätzen, wie sich die Wetterbedingungen eines Jahres auf die diversen Rebsorten ausgewirkt haben.

Im wirklichen Leben ist es verlockend, nach dem äußeren Auftreten zu gehen. Aber man kann sich dadurch um Schönes, Interessantes und Gutes bringen. Auch beim „G’mischten Satz“ kann man böse enttäuscht werden, wenn man nach dem Titel geht. Dort steht in der Regel ja nicht am Etikett oder auf der Weinkarte, welche Rebsorten im entsprechenden Weingarten wachsen.

Und will man ein mit einem „G’mischten Satz“ gemachtes Geschmackserlebnis ein Jahr später wieder erzwingen, kann es einen ordentlich auf den Sprechapparat hauen, weil man ja kaum weiß, wie sich das Wetter in einem anderen Jahr auf die verschiedenen Rebsorten im entsprechenden Weingarten ausgewirkt hat.

  • Gemischter Satz 2018, Zahel, Mauer, Wien (2/3)

  • Altsteirischer Mischsatz 2014, Himbeerhof Renner, Glanz, Steirerland (2,50/4)

  • G’mischter Satz 2017, Josef Salomon, Falkenstein, Veltlinerland (2,50/4)

  • G’mischter Satz 2008, Josef Salomon, Falkenstein, Veltinerland (3/5)

  • Buchertberg Weiß 2014, Herrenhof Lamprecht, Markt Hartmannsdorf, Oststeiermark (4,50/7)

  • Schrammelberg 2013, Herrenhof Lamprecht, Markt Hartmannsdorf, Oststeiermark (6/9) – Wein aus dem möglicherweise ältesten Weingarten des österreichischen Teils der Steiermark

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

nicht nur diese Weine gibt es glasweise

am Dienstag, den 25. Juni und am Donnerstag, den 27. Juni

jeweils von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag der Menschenwürde erklärt!

Herr Rudolf dankt herzlich und wünscht einen schönen Sommer!

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57 Euro kostenlos

Last ascent, Haute-Savoie. Dominique Belluard, Dominique Lucas und ein Dreiländereck. Ein bissl etwas auch über die dramaturgische Verlaufskurve eines Schuljahres. DIENSTAG, den 11. Juni, GEÖFFNET

Bevor die Radlfahrer am letzten Tag durch Paris gurken, müssen sie am 27. Juli nach Val Thorens hinauf. Unter der Voraussetzung, dass die zuständigen Damen und Herrn von den Offices de Tourisme in Les Menuieres und Val Thorens irgendwann kommunizieren, welche Straße hinauf nach Val Thorens, wann, wie weit und für wen gesperrt ist, wird der Rudl den Radläufern knapp vor dem Ziel der vorletzten Etappe beeindruckt zuschauen und sprachlos zujubeln.

Hochsavoyen

Weinbauregionen und politische Verwaltungseinheiten heißen manchmal gleich, müssen in diesem Fall aber geographisch nicht deckungsgleich sein. Im Fall von Savoyen handelt es sich politisch betrachtet um ein Departement südlich des Departements Haute-Savoie. Oenologisch umfasst die Weinbauregion Savoie die Weinbaugebiete der beiden vorher genannten Departements und relative kleine Teile der Departements Ain und Isère.

Von Savoie nach Haute-Savoie

Nach seiner Reverenz an den Cru Apremont fährt Caviste Rudolf mit seinem geistigen Radl circa hundert Kilometer nach Norden in das Departement Haute-Savoie. Dort ist nicht nur der Mont Blanc, sondern auch ein Dreiländereck, an dem Italien, Frankreich und die Schweiz aneinander grenzen. Auch drei Weinbaugebiete grenzen dort aneinander. Das Aostatal, das Wallis und Dominique Belluard.

In dieser internationalen Gegend beendet Caviste Rudolf quasi seine Rundreise, die Sie, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, vom Jura und den Trousseaus von Jacques Puffeney, über Burgund, Michel Brégeon im Muscadet, von Westen nach Osten die Pyrenäen entlang nach Savoyen und schlussendlich beinahe den Kreis schließend nach Hochsavoyen geführt hat.

Und dann ist Notenschluss.

Nach diesem können Sie Ihre Noten nicht mehr verbessern, zumindest nicht auf dem Prüfungsweg. Am Rechtsweg schaut es anders aus. Ob Ihnen die Bildungsdirektion für Wien einen vom Rudl ausgestellten Bescheid aufhebt, müssten Sie ausprobieren. Mit einem Klischée betreffend die Zeit zwischen Notenschluss und Zeugnistag möchte Herr Rudolf in diesem Zusammenhang ganz gerne einmal abfahren.

eh nix mehr“

Immer wieder ist zu vernehmen, dass in diesen erwähnten zwei Wochen zwischen Notenschluss und Zeugnistag an Bildungseinrichtungen „eh nix mehr getan“ werde. Das Gegenteil ist der Fall. Das können Sie dem Rudl gerne glauben. Schulmeister Rudolf zum Beispiel verwendet gerade einen ganzen Haufen Zeit für das Herumtelefonieren und Accordieren mit den Österreichischen Bundesbahnen, der Gedenkstätte Schloss Hartheim, einem Biobauernhof und circa hundertzwanzig Schülerinnen und Schüler, die eine Teilnahme an allfälligen Aktivitäten nach Prüfungsschluss von circa hundertfünfundzwanzig gebratenen Extrawürste abhängig machen. Darüber ersucht bis verlangt der Dienstgeber jedes Jahr noch ein paar Berichterl mehr. Schlussendlich sind die Lehrausgänge dann auch durchzuführen, im Idealfall. Sich angestrengt wird in den erwähnten zwei Wochen sehr wohl, eher sogar über die Maßen, Sinnvolles getan auch, nur schaut halt oft nicht so viel wie erhofft dabei heraus, weil alles noch unverbindlicher als während des übrigen Schuljahres ist. Nicht so selten findet man sich nach umfangreichen Organisationstätigkeiten mit ein paar – verzeihen Sie dem Rudl diesen Ausdruck, der rein quantitativ zu verstehen ist – Hanseln und Hanselinnen am Dislocus des Unterrichts. Jucken tut das fast niemanden, abgesehen vom zuständigen Lehrer und manchmal den Betreibern des Objekts, dem „zwanzig Jugendliche im Alter zwischen fünfzehn und siebzehn Jahren“ angekündigt waren, der deren schlussendlich aber nur etwa fünf gewahr wird.

ändern

Zu ändern wäre das alles gar nicht so schwierig. Man könnte gesetzlich das eine oder andere anders regeln. Man könnte klarstellen, dass das Ziel eines Lehrausgangs in einer zumindest erahnbaren Verbindung zu den klassischen Aufgaben einer Bildungseinrichtung stehen sollte und dass das bei Zielen wie dem Designer Outlet in Parndorf, dem Monopolbetreiber des Printmediensektors oder einer Paintball-Funfactory eher nicht der Fall ist. Nur liefe man dadurch Gefahr, sich bei der einen Kundin oder beim anderen Kunden unbeliebt machen. Da ist es doch gleich viel smarter ein bissl ganz allgemein, ohne sich lange mit Differenzierungen aufzuhalten, auf den konfessionellen Religionsunterricht hinzuhauen, diesem die Legitimation abzusprechen und alles Unmögliche anzudichten.

Kundinnen- und Kundenzufriedenheit

Die neoliberalistischen Deregulierer haben in einem ersten Schritt Anfang der Neunziger Jahre einmal Bildung durch Ausbildung als Ziel der österreichischen Schule ersetzt. Nicht unbeträchtliche Teile der jetzt angetretenen Politikerinnen- und Politikergeneration sind das erste Resultat dieses ideologischen Umbaus. Spurenelemente von humanistischer Bildung? Fehlanzeige. Historisches Bewusstsein? Detto. Kulturelle Grundlagen. Zar wos? Dafür jede Menge Gewieftheit, Gewitztheit und Schein. Man könnte es auf die Kurzformel bringen: Heiligenschein statt Caritas.

 

Zurück zu den Bildungsexperten und zum Notenschluss

 

 

Immer noch wird von Bildungsexperten die Angst der Schülerinnen und Schüler „vor so manchem Lehrer“ beschworen. So eine Angst würde sich dem Rudl seiner Auffassung nach, nicht mit dem Tag des Notenschlusses terminieren, wäre sie eine Angst vor dem Lehrer und nicht eine vor dem Fünfer, respektive vor einem Leben ohne Maturazeugnis. Der Rudl meint sich an Angst vor einem Lehrer erinnern zu können. Die ist am Tag des Notenschlusses nicht schlagartig eine Wolke gewesen.

Nach dem Notenschluss ist vor dem Notenschluss, zumindest in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils

Dort wird nach der oenologischen Reise durch Hochsavoyen, Wallis und Aosta-Tal nicht das Owezahn Platz greifen, sondern gerade umso ambitionierter weiter geforscht, geprüft und getrunken, hundert Percent angst-, aber umso weniger ambitionsfrei. Da gibt es weder ein Erholungs-, noch ein Ausklingenlassen- und auch kein Schönwetterprogramm. Vielmehr wird Oenologierat Rudolf Polifka die wirklich entscheidenden Weinfragen stellen. Was ist es, was einen Wein im Innersten zusammenhält, schreib: ausschlaggebend dafür ist, ob ein Wein reift oder hin wird? Noch zwei volle Studienwochen. Dann sind sowieso Ferien, Dienstreisen und hochsubstanzielle enelpegesteuerte Sommergespräche, Duelle und Elefantenrunden.

  • Petite Arvine 2010, Maison Agricole D&D, Aostatal, Italien (3/5)
  • Marin „Clos de Pont“ 2009, Samuel Delalex, Marin, AOC Vin de Savoie (2,50/4)
  • Fendant Coteaux de Plamont 2015, Marie-Thérèse Chappaz, Fully, AOC Valais, Schweiz (7/11)
  • Marignan „Futs de Chêne“ 2003, Château d Tour de Marignan (4,50/7)
  • Marignan 1515 2016, Les Vignes de Paradis, Ballaison, IGP Vin des Allobroges (5/8)
  • Sauvignon Blanc 2017, Les Vignes de Paradis, Ballaison, IGP Vin des Allobroges (5/8)
  • Pinot Gris 2017, Les Vignes de Paradis, Ballaison, IGP Vin des Allobroges (5/8)
  • Le Feu 2017, Dominique Belluard, Ayse (6,50/10)
  • Mondeuse 2016, Dominique Belluard, Ayse (6,50/10)
  • Mont Blanc Brut zéro 2015, Dominique Belluard, Ayse (6,50/10)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

nicht nur diese Weine gibt es glasweise

diese Woche am Dienstag, den 11. Juni und am Donnerstag, den 13. Juni

von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Vorschau auf die Lehrveranstaltung vom 18. und 19. Juni

Aktuelle Weine und ihre zehn- und zwanzig Jahre alten Vorgänger

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag der Menschenwürde erklärt!

Herr Rudolf grüßt klassisch herzlich und nlp-frei!

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57 Euro kostenlos

Apremont, Grüner Veltliner aus dem Weinviertel und klassischer Sauvignon aus dem Steierinnen- und Steirerland

Apremont. Vorletzte Station vom Rudl seiner Weinreise durch Frankreich

Immer wieder liest man von den Crus Abymes und Apremont als Herz des savoyardischen Weins. Geographisch stimmt das nicht, weil südlich von Apremont die Weinbauregion Savoyen endet, also könnte man anatomieanalog bestenfalls von den Füßen, vielleicht von der Achillesferse des savoyardischen Weins sprechen. Quantitativ stellt Jacquère mit den Cru-Bezeichnungen Abymes und Apremont den Hauptanteil des Weines aus der Region Savoyen. Qualitativ stellt sich die Sachlage dem Rudl differenziert dar.

Apremont als solcher

Dem Apremont lassen sie gerne die Feinhefe. Dafür füllen sie ihn früher ab. Ganz dezentes Prickeln, Frische und ein blassgrüner Ton sind das Ziel. Alpenblumenaromen, Kräuter und eine appetitanregende Steinigkeit als Paradekombination mit allen Nahrungsmitteln, die aus dem Wasser kommen.
So hat André Combaz in seinem 1992 erschienenen Standardwerk über die Weine Savoyens Apremont beschrieben. Im Idealfall stimmt das auch heute. Sie treffen diesen Idealfall heute jedoch nicht so leicht. Wie sich das 1992 dargestellt hat, das weiß der Rudl nicht. Damals hat er sich schon für Wein aus Frankreich interessiert, die Weinbauregion Savoyen aber erst vier Jahre später für sich entdeckt.

lokaler Wein

Wenn Sie, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, heute in Savoyen irgendwo einfach nur einen lokalen Wein bestellen, dann haben Sie gute Chancen, dass man Ihnen Apremont bringt. Und wenn man Ihnen Apremont bringt, dann haben Sie wiederum gute Chancen, dass der an Sauvignon Blanc Steirische Klassik oder Grüner Veltliner Weinviertel DAC erinnert, nur halt ein bissl mehr Säure und weniger Alkohol, weil Jacquère viel später reift und viele Winzer auch ganz ordentlich etwas oben hängen lassen.

aber

Dafür können natürlich weder die Rebsorte Jacquère noch die Lage Apremont etwas, gerade genauso wie es ja auch formidabelste Grüne Veltliner aus dem Weinviertel und extraordinaire klassische Sauvignons aus der Steiermark gibt.

Aromareinzuchthefen

Wir leben ja in einer Zeit, wo gerade in der sogenannten Nahrungsmittelindustrie mehr oder weniger fast alles explizit irgendwo auf die Verpackung gepinselt wird, nur damit der Angeschmierte nicht im Nachhinein irgendetwas einklagen kann; bei Zigaretten, dass im angezündeten Zustand Rauch heraus kommt; bei Bier, dass Alkohol drinnen ist; bei Wein, dass Sulfite nicht ausgeschlossen werden könne und bei Eis, dass man nicht erschrecken sollte, wenn es kalt ist.
Warum eigentlich nicht auf einem Weinetikett vermerken, wenn ein Wein mit einer ganz wilden Zuckerlhefe vergoren worden ist? Marketing- und Kommunikatonsexperten könnten das ja gerne euphemistisch behübschen, mit Slogans wie „Wie die sauren Drops von der Omama!“ oder „Trinkfreude mit den Aromen des Kindersielplatzes!“
Aber erstens verwenden Marketing- und Kommunikationsprofis keinen Genetiv und zweitens würden das die Heferlzüchter genauso wenig tolerieren wie die Vereinigte Internationale von Neoliberalisten ein ernsthaftes Parteispendengesetz.

So oder so

Der Apremont kann nichts dafür, die Jacquère auch nicht. Das nachzuweisen wird die Aufgabe von Caviste Rudolf auf seiner vorletzten Station durch Frankreich sein, hundertpercent gummibären- und brausepulverfrei.

Apremont 2013, Domaine Giachino, Chapareillan, AOC Vin de Savoie

Über die beiden Giachino Brüder hat der Rudl schon ziemlich oft geschrieben. Er setzt das als bekannt voraus. So direkt und resolut die mit den administrativen Agenden am Weingut betraute Frau Giachino agiert, so präzise und lebendig sind die Weine der Giachinos. Monsieur Rudolf freut sich zu zeigen, dass ein gelungener Apremont die auf seine Lese folgende Skisaison locker überlebt.

Matthieu Goury

Seine Rebläche verteilt sich auf eisenhältige Gletschermoränen am rechten Ufer der Isère um Saint Pierre d’Albigny und braunen Kalk am linken Ufer. Dort wächst sein Apremont, dem der Rudl eine Woche in den letzten Ferien fast jeden Abend beim Rennen den Servus herunter gerissen hat.
Herbicide sind Goury sowieso noch nie in den Weingarten gekommen. Das hat Herr Rudolf beim Laufen nicht nur optisch, sondern auch olofaktorisch rezipiert. Den Unterschied zwischen biologisch gepflegten Weingärten und solchen, in denen Turbomassenwein wächst, den kann man in Apremont ziemlich frappant anschauen und -riechen, sogar beim Vorbeilaufen.
Der Ausbau erfolgt sehr traditionell und endet, wenn in Savoyen ein Großteil der Ernte des Folgejahrgangs bereits verkauft ist. Seinem Credo nach muss ein Wein Abbild seines Platzes zu einer bestimmten Zeit sein.
Matthieu Goury ist einer der drei jungen Winzer, die der Rudl vergangenen Sommer kennengelernt hat. Der Apremont ist dem sein bester Wein, zumindest hat der Rudl das so beurteilt.

Jean-Claude Masson

Dass es einfachere Dinge im Leben gibt, als bei Jean-Claude Masson einen Termin zu bekommen, hat Ihnen der Rudl schon einmal geschrieben. Und die Nichtbeschilderung des Weges hinauf zu seinem Weingut ist ein dezenter Hinweis, dass Masson den Hauptakzent seines Schaffens auf die Arbeit im Weingarten und im Keller, nicht aber auf Gespräche mit Kunden legt. Wenn man aber einmal bei ihm im Keller sitzt, sollte man unmittelbar und auch mittelbar danach keinen wichtigen Termin haben. Man könnte in Anbetracht der so gut wie nicht gegebenen Beleuchtung kaum die Zeit vom Chronometer ablesen. Das würde sich aber sowieso nicht empfehlen. So unkompliziert Jean-Claude Masson wirkt und vermutlich auch ist, so großen Wert legt er auf Höflichkeit und Umgangsformen. Nicht unstolz erzählt er vom Besuch eines Parisers, auf die Angabe der Herkunft dieses Kunden legt Masson wert. Der sei mit seinem Kübel gerade nicht durch die Kellertür gefahren und habe den Grund seines Besuchs mit „Il me faut du vin!“ – Schulmeister Rudolf erlaubt sich zu übersetzen: „Ich brauche Weine!“ – bekannt gegeben. Daraufhin habe ihm Monsieur Masson erklärt, dass man dort, wo er zu Hause sei, anklopfe, grüße und dann seinen Wunsch, versehen mit der Wendung „s’il vous plaît“ kundtue.
Sitzt man dann auf dem Holzbankerl am nicht betonierten Kellerboden bei Masson, vergisst man sowieso bald einmal, dass es ein Universum außerhalb dieses Kellers gibt.

Apremont „Lisa“ 2017, Jean-Claude Masson, Apremont, AOP Vin de Savoie (3/5)
Apremont 2016, Domaine de Chevillard, Saint-Pierre-d’Albigny, AOP Vin de Savoie (4/6)
Apremont „La Déchirée“ 2017, Jean-Claude Masson, Apremont, AOP Vin de Savoie (4/6)
Apremont 2013, Domaine Giachino, Chapareillan, AOC Vin de Savoie (4/6)
Apremont „La Centenaire“ 2016, Jean-Claude Masson, Apremont, AOP Vin de Savoie (5/8)
Grüner Veltliner Rosenberg 2017, Josef Salomon, Falkenstein, Weinviertel (2,50/4)
Grüner Veltliner Retzer Stein 2017, Weingut Rudolf Fidesser, Platt, Weinviertel (4/6)
Grüner Veltliner Katzensprung 2015, Leo Uibel, Ziersdorf, Weinviertel (4/6)
Sauvignon „Blaue Libelle“ 2017, Andreas und Elisabeth Tscheppe, Glanz, Steiererland (5/8)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

… nicht nur diese Weine, sondern auch noch einen ganzen Haufen Weine aus den Pyrenäen gibt es glasweise

diese Woche am Dienstag, den 4. Juni und am Donnerstag, den 6. Juni
von 16 bis 22 Uhr
in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Vorschau auf die Lehrveranstaltung vom 11. und 13. Juni
Hoch-Savoyen. Letzte Station der diesjährigen Tour

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag der Menschenwürde erklärt!

Herr Rudolf grüßt Heferln, den Hof und die Hofburg!

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien
Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen
kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57

Pyrenäen. West nach Ost. Diese Woche feiertagsbedingt ausnahmsweise Dienstag und MITTWOCH geöffnet

Tour de France

In den letzten Jahren hat der Rudl versucht, die Strecke der jeweiligen Tour de France oenologisch nachzuvollziehen, einmal im Oktober, wenn die Strecke für das folgende Jahr offiziell verlautbart worden ist, und einmal Ende Juni, knapp vor Beginn des Rennens.

Das wird nicht fad, weil die Radläufer jedes Jahr auf anderen Straße durch Frankreich fahren und weil dieses Land sowieso von einem Abwechslungsreichtum an geologischen Formationen, klimatischen Verhältnissen, Weinbautraditionen, Reglementierungen, Freigeistern, die auf Reglementierungen pfeifen, genauso wie Virtuosen, die unter akkurater Einhaltung sämtlicher Reglementierungen extraordinaire Weine keltern oder ihren Wein zur Norm für eine Appellation machen, geprägt ist.

Anders

Trotzdem radelt Caviste Rudolf dieses Mal nicht einzelflascherlweise durch den Hexagone, sondern arbeitet sich wochenthemenmäßig vom Jura beginnend, via Burgund, den Muscadet und die Pyrenäen nach Savoyen sowie Hoch-Savoyen durch. Das hat auch den Vorteil, dass man sich am Exempel von mehreren Weinen ein seriöseres Bild von der entsprechenden Gegend machen kann. Dafür ertrinkt man sich Frankreich halt nicht in einer Stunde. Ob Zeit wirklich Geld ist, das kann der Rudl nicht sagen. Ziemlich gesichert erscheint ihm, dass Wein Zeit ist, zumindest guter Wein.

Diese Woche Pyrenäen, von West nach Ost. Irouléguy

Monsieur Rudolf fängt in seiner Lieblingsappellation Irouléguy an. Ein geologischer Fleckerlteppich, wie das Yves Hérody einmal festgestellt und der Rudl nicht erst einmal zitiert hat. Tendenziell Kalk bei Ilarria, Eisen, Sandstein, Schiefer und Ophite bei Arretxea, Sandstein und Kalk bei Ameztia und eh fast alles bei der Genossenschaft.

Domaine Ameztia

Die Costeras sind Schäfer gewesen, seit Jahr und Tag. Im siebzehnten Jahrhundert ist ihr Bauernhof errichtet worden, eh immer schon Schafe und Wein, nur dass in den letzten Jahren der Wein wichtiger geworden ist. 2001 hat Jean Louis Costera seinen ersten Jahrgang vinifiziert, 2013 an seinen Neffen übergeben. Heute haben sie acht Hektar, drei verschiedene Terroirs, die reinste Handarbeit. Im Herbst übernehmen dann nach der Lese wieder die Schafe, sogar auf den Terrassen. Roter, eisenhältiger Sandstein für Frische und Frucht, Ton und Kalk für die Struktur der Weißen.

Nach händischer Ernte im Oktober spielen zwei Charaktere die Hauptrollen im Ausbau: Geduld und Sanftheit. Wenn die vom Rudl geschätzten Weine einen gemeinsamen Nenner haben, dann den, dass sie das Gegenteil von „Zack-Zack-Zack“ sind. Rudolf Polifka erlaubt sich in diesem Zusammenhang wieder einmal einen Hinweis auf seine Haupt- und Lebensarbeitshypothese, derzufolge es einen eher schwer ergründbaren, aber umso sichereren Zusammenhang zwischen dem, was jemand isst und trinkt, wie er isst und trinkt und dem, was er spricht, denkt und fühlt, gibt.

Ausbau zu achtzig Percent im großen Holz aus französischer Eiche, zu zwanzig in Inoxtanks.

Jurançon

Fährt man von Irouléguy nach Ostnordosten, kommt man bald nach Pau und in die Appellation Jurançon. An sich war das immer eine Süßweinappellation und es gibt dort Menschen, die halten trockenen Jurançon heute noch für ein Sakrileg.

Und dann geht es weiter über Gaillac an das östliche Ende der Pyrenäen bei Banyuls-sur-Mer.

  • Mignaberry 2013, Cave d’Irouléguy, AOC Irouléguy, Sud Ouest (3/5)

Exotik, Zirtrusfrüchte, Blumen. 70 Percent Gros, 30 Petit Manseng

  • Ameztia Blanc 2013, Domaine Ameztia, AOC Irouléguy, Sud Ouest (4,50/7)
  • Irouléguy Blanc 2013, Domaine Ilarria, AOC Irouléguy, Sud Ouest, (5/8)
  • Irouléguy Blanc 2012, Domaine Ilarria, AOC Irouléguy, Sud Ouest, (5/8)
  • Hégoxuri 2014, Domaine Arretxea, AOC Irouléguy, Sud Ouest (6/9)
  • Irouléguy Rosé 2014, Domaine Arretxea, AOC Irouléguy (3/5)
  • Haitza 2012, Domaine Arretxea, AOC Irouléguy (6/9)
  • Jurançon 2010, Domaine Uroulat, AOC Jurançon, Sud Ouest (5/8)
  • Loin de l’Oeil 2010, Domaine Plageoles, AOC Gaillac, Sud Ouest (5/-)

Ton und Kalk, fünftausend Stöcke am Hektar und fünfzehn Hektoliter am Hektar, händisch gelesen, nachdem die Trauben vom Föhn aus den Pyrenäen am Stock eingetrocknet worden sind, spontanvergoren und im demi-muit ausgebaut. Süß.

  • Argile 2010, Domaine de la Rectorie, AOC Collioure Blanc, Banyuls-sur-Mer, Roussillion (6/9)
  • Banyuls Rimage 2004, Domaine du Traginier, AOC Banyuls, Roussillion (6/-) Grenache Noir, Grenache Gris und Carignan auf dem eher schon recht besonderen Schieferhügeln hinter Banyuls, frühzeitig abgestoppte Gärung mit einem geistlichen Getränk, wie der Herr Kurt sagt. Accompagniert Ziegenkäse, frische Feigen, Dessert aus roten Früchten.

Jean-François Deu hat sehr früh im Weinbau begonnen, mit einem der letzten Maultiere von Banyuls. Darum hat er seine Domaine gleich nach diesem benannt: Traginier.

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

nicht nur, aber fast nur diese Weine gibt es glasweise

diese Woche am Dienstag, den 28. Mai und am MITTWOCH, DEN 29. Mai

von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Neues aus dem Flaschensortiment

Ab sofort sind Grüner Veltliner Rosenberg 2018, Gemischter Satz 2008, Gemischter Satz 2017, Grüner Sylvaner Reserve 2017 und ein zehn Jahre im Akazienfass ausgebauter Blaufränkisch 2006 von Josef Salomon jeweils in einer kleinen Menge verfügbar.

Vorschau auf die Lehrveranstaltung vom 4. und 6. Juni

Savoyen. Vorletzte Station der diesjährigen Tour

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag der Menschenwürde erklärt!

Herr Rudolf grüßt so etwas von unzackig (mit) Zeit!

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57

 

Ein Häusl weiter. Muscadet

 

Muscadet

 

Fred Lailler ist mehr oder weniger in einem Weingarten im Muscadet geboren und aufgewachsen. So steht es auf der Homepage der Domaine Michel Brégeon. Danach hat er Weinbau und Oenologie studiert, nicht so wie der Rudl, sondern in richtigen Klassenzimmern und Lehrsälen, später praktiziert, um anschließend wieder zurück zu seinen Wurzeln zu kehren und etwas aus Überzeugung zu machen. André Michel Brégeon wiederum musste vielmehr als er wollte in die Rente gehen. Irgendwann hat sein Rücken nicht mehr mitgespielt. Bei einem so konsequenten Verfechter der Handarbeit im Weingarten und im Keller ist das vermutlich auch gar nicht so verwunderlich. Möglicherweise ist es nicht die Regel, aber es kommt auch vor, dass die Übergabe eines Weingutes außerhalb der Familie hinhaut. Bei André Michel Brégeon und Fred Lailler zum Beispiel.

Fast alles, was Fred Laillers Überzeugungen ihm eingeflüstert haben, hat er in der Domaine Michel Brégeon vorgefunden. Diese zu biozertifizieren wäre in den Augen vom Rudl nicht mehr notwendig gewesen, Schaden war es aber auch keiner.

André Michel Brégeon

hat seit 1968 am elterlichen Weingut mitgearbeitet, 1975 seine ersten eigenen Rebstöcke gepflanzt und 1989 übernommen. Als Quereinsteiger wird man ihn eher nicht bezeichnen können. Mit der Disqualifizierung des Muscadets als billiges Gschloder hat sich Brégeon nie abfinden wollen, wobei sein Kampf eher dem Gschloder als dem Attribut „billig“ gegolten hat. Immer wieder liest man, Michel Brégeon kenne die Nuancen des Bodens. Der Rudl hält das für durchaus möglich.

Fred Laillers

Ziel ist es, die Region in Flaschen abzufüllen. Ab erst nachdem die Region mit dem Winzer alchemisch reagiert hat. 2011 hat er das Weingut Michel Brégeon übernommen, ein Jahr nachdem der Rudl zum ersten Mal dort gewesen war. Michel Brégeon hat ihm, Fred Lailler, sein Wissen über die Arbeit im Keller und vor allem über die ganz detaillierten Beschaffenheiten der Böden nicht vorenthalten.

Muscadet

gilt als frischer Wein, in der Regel, aber nicht um von Michel Brégeon als Regel unhinterfragt befolgt zu werden. Bis zu vinjauneverdächtigen sieben Jahren hat Brégeon Weine von seinen besten Lagen in unterirdischen, keramikverfliesten Tanks reifen lassen. Paradox frischer und weniger paradox tiefer Wein kommt dann aus diesen Tanks herauf.

Gabbro

ist alt, blau-grün, vulkanisch und der Grund, warum die Weine der Domaine Brégeon zumindest Cru-Status verdienen, letztendlich auch bekommen haben.

 

Château du Coing

 

heißt halbwegs favorabel übersetzt „Quittenschloss“. Wissen Sie, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, woher dieses Anwesen seinen Namen hat? Das ist eine dieser Geschichten, die dem Rudl so gut gefallen. Das Anwesen liegt in dem Eck, wo Sèvre und Maine zusammen rinnen, genaugenommen schluckt die Sèvre die Maine einfach. Bei Fusionen ist das ja fast immer so. Der Winkel, in dem die beiden Bäche einander treffen, ist halbwegs spitz, quasi eine Ecke, „coin“, wie der Franzose sagt. Jetzt ist es aber so, dass nicht nur Deutschsprechende die Ambition des Toilettenbesuchs mit „um die Ecke gehen“ synonymisieren, sondern auch Französinnen und Franzosen unter „le coin“ ein „Häusl“, wie das der letzte wirkliche Staatsmann im Bundeskanzleramt einmal am Opernball salopp ausgedrückt hat, verstehen. Darum hieße das Anwesen in dem Eck „Château du Coin“. Direkt vorteilhaft ist so ein Name nicht. Darum haben sie irgendwann einfach ein „g“ angehängt, was dann so viel wie „Quittenanwesen“ bedeutet.

 

  • Muscadet Sèvre-et-Maine sur Lie „Les Laures“ 2013, Bonnet-Huteau, Loire (3/5) – wieder ein Wein vom Granit und vom geschätzten Kollegen am Bacherplatz
  • Muscadet Sèvre-et-Maine „Gorges“ 2013, 28 mois sur lie, Domaine Michel Brégeon, Gorges, Loire (5/8)
  • Muscadet 2005, 65 mois sur lie, Michel Brégeon, Gorges, Loire (6/9)
  • Muscadet 2004, 89 mois sur lie, Michel Brégeon, Gorges, Loire (6/9)
  • Muscadet 2002, Michel Brégeon, Gorges, Loire (6,50/10)
  • Comte de Saint Hubert Vieilles Vignes 1999, Château du Coing (7/11)

 

 

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

nicht nur, aber fast nur diese Weine gibt es glasweise

diese Woche am Dienstag, den 21. Mai und am Donnerstag, den 23. Mai

von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Vorschau auf die Lehrveranstaltung vom 28. und 30. Mai

noch ein Häusl weiter in Richtung Süden: Irouléguy und Jurançon

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag der Menschenwürde erklärt!

Herr Rudolf grüßt völlig unbesoffen, aber mit umso mehr Gschicht!

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57

 

Burgundisch. Rebsorten und Weine aus und in Burgund

Schulmeister Rudolf ist in den letzten Tagen ziemlich angehängt gewesen, darum ist er diese Woche ungewöhnlich kurz im Text.

Burgundisch

Wird versucht, einen Wein mit dem Adjektiv „burgundisch“ auszuzeichnen, wird der Rudl noch vorsichtiger, weil er meistens nicht versteht, was damit gemeint ist.

Und Burgund an sich, no ja, abgesehen von Chablis auch nicht direkt dem Rudl sein Biotop.

In den nächsten Wochen zieht es den Rudl-Fils trotzdem nach Westen, rein oenologisch. Physisch geht das nicht, da ist der Rudl als Bundesbediensteter ziemlich angebunden. Ein Ausflug am Wochenende in die Wachau ist da schon das höchste der Gefühle. Weiter nach Westen geht es als Wochenenddislocierung schon, aber da ist dann kein Wein mehr, zumindest nicht nennenswert, obwohl dem Rudl seiner Meinung die Weinbauregion Bergland zwischen Niederösterreich und Liechtenstein eh mehr Interesse verdienen würde. Dort, wo der Wein dann quantitativ nennenswert wieder anhebt, Graubünden oder so, von dort ist man am Sonntag Abend nicht wieder rechtzeitig in Wien retour. Außer man steigt am Samstag in der Früh in so einen Billigflieger, ist zum Brunch in Bordeaux oder wo, fährt dann zum einen oder anderen Château, geht nett abendessen, am Sonntag schaut man sich noch etwas an, am Abend wieder retour in Wien – alles zum Preis von einem Wurstbrot, wie Major Kottan vielleicht sagen würde. Den Rest bezahlen der Steuerzahler und die nächsten Generationen, auch eine Form von Generationenvertrag, wenn auch ungeschrieben. An dieser Art von staatlicher Protektion scheinen sich die Neoliberalisten nicht zu stoßen. Der Rudl umso mehr.

Reisen mit dem CO2-Fußabdruck einer Reblaus

Quasi mit dem Weinglas auf der Weinlandkarte lassen sich dafür sogar unter der Woche größere Sprünge machen. So zieht es den Rudl von der letzten Woche beim Papst von Arbois im Jura über den Saône-Graben hinüber nach Burgund an die Côte d’Or und ein bissl weiter nordwestlich in die Gegend um Auxerre. Von dort werden dann drei Weine zur glasweisen Kredenzung gebracht. Weißburgunder und Grauburgunder soll es in Burgund auch geben. Gesehen, geschweige denn getrunken hat sie der Monsieur Rudolf (von) dort noch nicht. Weil Grauburgunder in letzter Zeit eh das eine oder andere Mal im Mittelpunkt gestanden ist, darf dieses Mal, der Weiße dran, allerdings österreichischer Provenienz, wie auch etliche Chardonnays und Pinot Noirs.

  • Chardonnay 2013, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOC Vin de Savoie – das letzte Flascherl (2,50/4)
  • Weißburgunder 2015, Herrenhof Lamprecht, Markt Hartmannsdorf, Oststeiermark (3/5)
  • Bourgogne Aligoté 2016, Domaine Goisot, AOP Vin de Bourgogne (3/5) – im Sortiment des Kollegen vom Wienfluss rive droite
  • Saint Bris „Corps de Garde“ 2008, Domaine Goisot, AOC Saint Bris (6/9) – detto. Auch Sauvignon gibt es in Burgund, wenn auch eingeschränkt auf eine Nachbarappellation von Chablis, Saint Bris, und wenn auch in diesem Fall in der Variante Sauvignon gris.
  • Morillon 2015, Weingut Bleyweis, Sausal, Steirerland (3/5)
  • Chardonnay 2014, Leo Uibel, Ziersdorf, Westliches Weinviertel (5/8)
  • Meursault „Les Tessons“ 2007, Buisson-Charles, AOC Meursault, (9/14)
  • Pinot Blanc 2004, Weingut Wonisch, Klöch, Südoststeiermark (3/5)
  • Gamay 2015, Jacques Maillet, Motz, Chautagne, AOP Vin de Savoie (4/6)
  • Blauburgunder 2015, Weingut Dieter Dorner, Mureck, Steirerland (3/5) – vom Weingut eines Arbeitskollegen des Trainers
  • Pinot Noir 2013, Josef Lentsch, Dankbarkeit, Neusiedlersee (4/6)
  • Pinot Noir 2012, Jacques Puffeney, AOC Arbois, Jura (7/11)
  • Blauburgunder 1971, Klosterkeller Siegendorf, Neusiedlersee Hüggelland (4/6, sofern vivant)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

nicht nur, aber fast nur diese Weine gibt es glasweise

diese Woche am Dienstag, den 14. Mai und am Donnerstag, den 16. Mai

von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Vorschau auf die Lehrveranstaltung vom 21. und 23. Mai

noch ein Häusl weiter gen Westen: Muscadet und ziemlich sicher mehr Text

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag der Menschenwürde erklärt!

Rudolf Polifka grüßt mit beiden Beinen auf dem Terroir!

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen möchten.

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57

Einmalig. Trousseau „Les Bérangères“ Vertikale Jacques Puffeney

Einmalig ist vermutlich das Wort, das Rudl le Fils von seinem Vater am eindrücklichsten in Erinnerung hat, und das, obwohl es dieser alles andere als inflationär verwendet hat. Aber wenn der Papa vom Rudl Fils etwas als „einmalig“ klassifiziert hat, dann hat der Rudl Fils gewusst, dass es um etwas ganz besonders Gutes geht. Das ist alleine deshalb schon selten vorgekommen, weil sich der Vater vom Rudl nicht viel aus Essen und Trinken gemacht hat.

Es ist nicht die Art vom Rudl, auf der Exklusivitäts- und Wir-für-Euch-Posaune zu dudeln, aber Trousseau „au verre“ werden Sie in Wien nicht so schnell glasweise bekommen.

Trousseau von Jacques Puffeney wird man Ihnen glasweise nicht so schnell kredenzen, allein schon deshalb, weil es diesen Wein nicht mehr gibt. Mit dem Jahrgang 2014 ist der „Pâpe d’Arbois“, gelegentlich auch als „Pâpe du Vin Jaune“ tituliert, in die Rente gegangen. Das ist schade, aber nach dreiundvierzig Lesen auch nicht ganz unverdient. Und in den quantitativen Dimensionen, in denen so manche Neobiodynamiker ihre Weine auf den Markt bringen, hat es den Trousseau von Puffeney ja sowieso nie nicht gegeben.

Vertikale Trousseau Puffeney

Eine kleine Vertikale des Trouseaus von Jacques Puffeney wird Ihnen, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, zwischen Seiden- und Höhenstraße eher niemand kredenzen, und auch westwärts davon ist das eher unwahrscheinlich. Darum erlaubt sich Monsieur Rudolf das Thema dieser Woche im Sinn seines Vaters als „einmalig“ zu bezeichnen.

Trousseau als solcher

Die Anbaufläche von Trousseau ist rückläufig. Pinot Noir ist populärer. Dabei wären die Beerln vom Trousseau wirklich schwarz. Aber bitte.

Die Rebfläche der Weinbauregion Jura ist sowieso schon nicht sehr groß, ungefähr halb so groß wie die vom Kamptal. Und im Jura sind etwa fünf Percent der Rebflächen mit Trousseau bepflanzt. Als Epizentrum des Trousseau gilt die kleine Siedlung Montigny-les-Arsures. Dort wohnt Jacques Puffeney.

Jetzt ist es nicht so, dass der Rudl mit Natursymbolik so viel anfangen kann. Den Hang, in allem und jedem, was einem in freier Wildbahn begegnet, einen Hinweis auf etwas anderes zu sehen, kommt dem Rudl immer ein bissl respektlos vor, und mittelalterlich auch.

Aber Trousseau könnten Sie vermutlich wirklich als Symbol für die „figure emblématique“ von Arbois, als die Jacques Puffeney immer wieder bezeichnet wird, betrachten. Sein Trousseau „Bérangères“ gilt als Referenz für die Repräsentanten dieser Rebsorte.

Jacques Puffeney kann man nicht so leicht roden wie einen Trousseau Weingarten. 1962 hat seine erste Lese eingebracht. In so vielen Jahren bildet man Wurzeln, gegen die auch ein Harvester keine Chance hat. Aber die Rente. Und so wie Trousseau ganz gerne durch Pinot Noir ersetzt wird, hat der Baron d’Angerville aus Burgund das Weingut des Papstes von Arbois übernommen.

Aber die Übernahmen von Weingütern sind ein eigenes Thema, und kein schönes, wenn Sie den Rudl fragen.

In Portugal und Spanien heißen sie Trousseau „Bastardo“, im spanischen Galicien nennt man ihnMaria Ardoña“. Recht viel gegensätzlicher wird man eine Rebsorte vermutlich nicht bezeichnen können.

Dichte, kleine Traube, ovale Beeren, dunkelblaue bis schwarze Farbe.

Mit der Reife hat es Trousseau nicht eilig. Darum schläft er noch, wenn andere Rebsorten von Spätfrösten belästigt werden. Keine hohen Erträge.

Als Trousseau bezeichnet man auch die Aussteuer beziehungsweise Ausstattung einer Braut.

Trousseau von Jacques Puffeney

Bei den meisten Weißen, die der Rudl zur Ausschank bringt, hat er in der Regel Trinkerfahrung, bei sehr vielen hat er sogar sehr viel Trinkerfahrung.

Bei den Roten ist das anders. Les Bérangères von Monsieur Puffeney hat der Rudl im beeindruckenden Verkostungsraum des Weinguts von Jacques Puffeney getrunken. Dort steht eine Heurigenbank, wobei sich der Rudl schwer vorstellen kann, dass viele Menschen im Keller von Jacques Puffeney sitzen. Wer dort halbwegs bei Sinnen und Trost ist, steht ehrfürchtig. Auch der Meister selber steht. Ein Heurigentisch mit einem Plastiktischtuch und drauf die zwei oder drei angebotenen Flaschen sind auch im Keller. Kein Weinklimaschrank, keine Kühlschrank, auch nicht im August.

Wie er schmeckt

Reife Waldbeeren, Wildkirschen und Würze, vor allem Pfeffer, mit einem markanten Tanninrückgrat, braucht ein Zeitl, bis alles da ist, und dann noch eines, bis alles zusammen passt. Frisch, lebendig und konsistenzmäßig ziemlich weit weg von Marmelade.

Den Zweitausendzehner hat 2014 einer auf lapassionduvin.com mit „sehr schön“ und zweifelsohne „superbe“ in ein paar Jahren beschrieben. Das kann man sich jetzt möglicherweise anschauen.

Wenn man Verkostungsnotizen über diesen Wein sucht, dann wiederholt sich das, mehr oder weniger egal, um welchen Jahrgang es gerade geht. Wenn die nicht alle von einander abgeschrieben haben, dann spricht wirklich einiges dafür, dass an dieser Beschreibung was dran ist.

Achtzehn Monate im großen Holz, heller als viele andere Vertreter dieser Rebsorte und eine schon sehr besondere Kombination von Aromen, reifen Tanninen und Lebendigkeit.

Jacques Puffeney …

… ist keiner, der viel redet. Umso präziser sind seine Vorstellungen vom Wein, den er macht. Und dann dürfte in seinem Fall zu seiner Erfahrung schon ein ziemlicher Batzen Talent und nicht die aller schlechtesten Weingärten kommen. Viel besser können Tradition, Natur und Kultur einander nicht ergänzen.

Finessenreich, präzise, elegant. Aus.

Luft

Viele Kommentare wünschen dem Wein eine ausreichende Belüftung. Wenn Sie den Rudl wissen lassen, dass Sie sicher kommen, welchen Jahrgang Sie gegebenenfalls trinken wollen, und wann Sie etwa kommen, dann öffnet Caviste Rudolf das jeweilige Flascherl eine Stunde vorher.

  • Trousseau „Les Bérangères“ 2010, Jacques Puffeney, Montigny-les-Arsures, AOC Arbois (8/12)
  • Trousseau „Les Bérangères“ 2012, Jacques Puffeney, Montigny-les-Arsures, AOC Arbois (7/11)
  • Trousseau „Les Bérangères“ 2013, Jacques Puffeney, Montigny-les-Arsures, AOC Arbois (6,50/10)
  • Trousseau „Les Bérangères“ 2014, Jacques Puffeney, Montigny-les-Arsures, AOC Arbois (6/9)
  • Dankbarkeit rot 2014, Dankbarkeit, Podersdorf, Neusiedlersee (3/5)

    als Jahrgangsvergleich

  • Pinot Noir 2012, Jacques Puffeney Montigny-les-Arsures, AOC Arbois (7/11)

    als Trousseau – Pinot Noir Vergleich

sowie obwohl nicht mit Trousseau verwandt

  • Himmel auf Erden weiß 2015, Christian Tschida, Illmitz, Neusiedlersee (4,50/7)
  • Scheurebe 1985, Tschermonegg, Glanz, Südsteiermark (4/6)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

nicht nur diese Weine gibt es glasweise

diese Woche am Dienstag, den 7. Mai und am Donnerstag, den 9. Mai

von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag der Menschenwürde erklärt!

Rudolf Polifka grüßt exklusivitäts- und wirfüreuchfrei!

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen oder am Donnerstag zwischen 16 und 22 Uhr beim Rudl eine Knackwurst essen möchten.

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57

Traminer. Eher Schrammel als Reitmayr. Und über den Unterschied zwischen „Platter Traminer“ und plattem Traminer

Zuerst möchte sich der Rudl bedanken. Ein gewisses Maß an Improvisation und Unvorbereitetheit ist der geübte Gast der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils vermutlich gewöhnt. So unvorbereitet wie vergangene Woche am Dienstag hat diese aber vermutlich selten ihre Pforten geöffnet. Für die kommende Woche ist alles zumindest wieder auf das übliche Niveau gebracht.

Vor einer Woche hat Schulmeister Rudolf an dieser Stelle seiner Sorge um die Zukunft des Grünen Veltliners in Anbetracht verantwortungsloser Konsum- und Mobilitätsgewohnheiten Platz gegeben.

Eigentlich …

wäre vergangene Woche der Tag des berühmtesten Drachentöters und Schutzpatrons von Klöch gewesen. Sie wissen, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, das ist der mit dem Kreuz auf den Fahnen im Fußballstadion, wenn die Engländer spielen.

Und eigentlich wäre Klöch das Terroir für Traminer.

Und eigentlich wäre Traminer eine ziemlich interessante Rebsorte mit nicht zu unterschätzendem Reifungspotential. Eigentlich.

Rebsortenopfer

Möglicherweise hat die Erderwärmung ihr erstes Rebsortenopfer bereits gefordert. Auf alle Fälle dürfte es drei oder vier einfachere Sachen, als heute einen passablen Traminer zu keltern, geben.

Aber vielleicht geht es jetzt dann eh viel schneller, als die Gemütsathleten und CO2-Zertifikatshändler glauben. Der Rudl hat viele Pflanzen auf seinem Balkon in Hasenleiten, Altesse, Khaki, Himbeeren, Fichten, Brennesseln, Rosen, Schlüsselblumen und weiß der Kuckuck noch was. Die sind in den letzten Jahren im Juni, Juli und August immer ziemlich trocken gewesen. Darum hat sie der Rudl in diesen drei Monaten mit dem Gartenschlauch bewässern müssen, vorher und nachher haben Gießkandln genügt. Bei Polifkas macht das nicht irgendeine Alexa, die Wassermenge und was weiß der Rudl was sonst noch gleich nach China oder wohin meldet.

Jetzt schließt der Rudl Anfang April schon den Gartenschlauch in der Dusche an.

Paradoxe Neigung

Monsieur Rudolf trinkt besonders gerne Altesse, Petit Manseng und Ruländer, respektive Pinot Gris. Schwer tut er sich mit Riesling, Chenin Blanc oder Roussanne.

Jetzt ist es aber schon in seiner Kindheit keine Kernkompetenz vom Rudl gewesen, sich mit angeblichen oder tatsächlichen Gegebenheiten abzufinden. Darum zieht es ihn heute besonders in die Paradeweinbaugebiete letztgenannter Rebsorten. Findet er dann einen konvenierenden weingewordenen Repräsentanten einer dieser Rebsorten, freut sich Herr Rudolf gerade so wie seinerzeit, wenn er nach stundenlangem Seiner-Mama-ein-Loch-in-den-Bauch-Reden erreicht hat, dass diese sein Lieblingsleiberl mit dem Kopf und der Unterschrift vom Friedl Koncilia darauf um neun Uhr am Abend doch noch gewaschen hat, damit es der Rudl Fils am nächsten Tag wieder anziehen können hat.

Und als Schulmeister ist Monsieur Rudolf naturgemäß entsprechend erfreut aus dem Häusl, wenn eine Lernkraft, die Jahre vor allem durch Äußern von Verständnisstörendem aufgefallen ist, ohne Verletzung des Schutzes geistigen Eigentums etwas Erfreuliches zum Besten gibt. „Soyons réalistes, demandons l’impossible!“ soll einmal einer gefordert haben. Didier Dagueneau hat das dann in seinem Weinkeller an die Wand geschrieben.

Traminer

Nicht ganz so, aber so ähnlich geht es dem Rudl mit Traminer, an und für sich einer seiner Lieblingsrebsorten, einer der ältesten Rebsorten und einer, die früher zweifelsohne ganz grandiose Weine ermöglicht hat. Davon kann man sich in jedem besseren Weinkeller, dessen Inventar bereits die Hacklerregelung in Anspruch nehmen darf, überzeugen.

Über die letzten zehn Jahre ist dem Rudl allerdings aufgefallen, dass ihm weniger und weniger Traminer schmecken. Das hat sicher mit veränderten Geschmacksvorlieben des Rudls zu tun, vermutlich auch damit, dass etliche der Weinbauern, die Caviste Rudolf regelmäßiger frequentiert, keinen Traminer machen. Es wird aber ziemlich sicher auch auf geänderte Wetterverhältnisse zurückzuführen sein.

Denkt Caviste Rudolf heute an Traminer, sind seine Erstassoziationen: integrationsverweigernder Zuckerrest, integrationsverweigernder Alkohol, unentschuldigtes Fernbleiben von Säure. Gegen Ersteres hat der Rudl prinzipiell gar nicht einmal etwas einzuwenden. Das bräuchte halt Zeit. Nur, ohne entsprechende Säure fehlt Herrn Rudolf da ein bissl das Vertrauen auf Améliorisierung.

So oder so ist und bleibt es dem Rudl eine Herausforderung, gerade in der Traminertrostlosigkeit nach erfreulichen Expemplaren dieser Rebsorte zu forschen. Nicht umsonst.

Elsass und Traminer

Der Rudl ist oenologisch nicht im Elsass zuhause. Und es ist eher unwahrscheinlich, dass er das einmal sein wird. Aber ähnlich wie oben in Bezug auf Traminer skizziert, reizt es den Rudl dann umso mehr, sich dieser Unzugänglichkeit zu stellen. Darum musste er vor knapp zwei Jahren einem Besuch im Keller von Jacques Puffeney einen Tag in der Gegend um Colmar folgen lassen. Zu gewinnen ist in dieser Reihenfolge da für den Tag im Elsass nicht viel. Eine Mischung aus Weinbar und Bistro in Colmar hätte von der Beschreibung her zumindest eine würdige Niederlage gegen den Papst von Arbois gewährleisten können. Nur ist sie nicht offen gewesen, als der Rudl sie gefunden hat. Lundi fermé. Nur hat man den 14. August geschrieben, den Tag vor einem Feiertag. Das hat den Rudl nach einer dieser dort ähnlich unvermeidlichen wie meistens ungenießbaren Tarte flambées bewogen, zwei Stunden später noch einmal bei L’un des Sens vorbeizuschauen. Da ist dann offen gewesen. Nur haben Femme und Fils keinen Hunger mehr und noch weniger als keine Lust auf eine Stunde vor, respektive hinter siebzehn Weingläsern gehabt. Darum hat der Rudl die kompetente Weinmeisterin des Lokals gebeten, ihm einen sehr trockenen biologischen Pinot Gris aus ihrem Sortiment zu verkaufen. „Pinot Gris Bollenberg, Domaine Valentin Zusslin“, hat es da knapp, aber eindeutig geheißen. Ein Jahr später hat sich dieses Weingut im Sortiment der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils wieder gefunden.

Und dann …

ist da noch das Weingut Rudolf Fidesser, dessen Wein der Rudl seit Mitte der Neunziger Jahre schätzt. Inzwischen ist das Weingut demeterzertifiziert. Bei Weingütern, die ihren Betrieb in letzter Zeit biologisch umgestellt haben, wundert sich der Rudl manchmal, warum die Weine immer noch so schmecken wie vor der Umstellung. Beim Weingut Rudolf Fidesser schmecken sie auch immer noch so wie vorher. Nur ist es in diesem Fall äußerst begrüßenswert und ein Hinweis, dass man dort mit oder ohne Zertifizierung immer schon eine klare Vorstellung von seriösem Wein gehabt hat.

Einer seiner Lieblingsweine von diesem Weingut ist immer schon der Weiße Traminer gewesen. Und der unterscheidet sich von den anderen Spielarten des Traminers durch seine markante Säure. Trotzdem trifft man in Österreich äußerst selten auf Weißen Traminer. Im Jura ist das anders. Nur nennen sie ihn da Savagnin …

  • Weißer Traminer Sandberg 2017, Weingut Rudolf Fidesser, Platt, Retzer Land (4/6)
  • Weißer Traminer Oberer Höhweingarten 2017, Weingut Rudolf Fidesser, Platt, Retzer Land (4/6)
  • Gewurztraminer „La Chapelle“ 2013, Domaine Valentin Zusslin, Orschwihr, Alsace (5/8)
  • Traminer maischevergoren 2015, Markus Lentsch, Dankbarkeit (4,50/7)
  • Free Solo 2012, Michael Opitz, Apetlon, Neusiedlersee (4,50/7)

    Im Forum der französischen Internetseite lapassionduvin.com hat einer extra erwähnt, dass es sich bei Michael Opitz aus Apetlon nicht um Willi Opitz aus Illmitz handelt.

  • Roter Traminer „H“ 2015, Alice und Roland Tauss, Leutschach, Steirerland (6,50/10)
  • Roter Traminer 2017, Himbeerhof Renner-Vracko, Leutschach, Steirerland (lieblich) (2,50/4)
  • Gewürztraminer Spätlese 2000, Josef Wonisch, Klöch (lieblich) (4/6)
  • Traminer 1993, Karl Lust, Haugsdorf, Weinviertel (Schauma amoi.)

    Einer der allerersten Traminer, die der Rudl in größerer Menge gekauft hat, seinerzeit hat er ihm sehr gut geschmeckt.

  • Savagnin 2013, Domaine Pignier, Montaigu, AOC Côtes du Jura (6,50/10)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

nicht nur diese Weine gibt es glasweise

diese Woche am Dienstag, den 30. April und am Donnerstag, den 2. Mai

von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Nachrichten aus dem Flaschensortiment

Ab sofort sind die beiden Weißen Traminer und der Grüne Veltliner Retzer Stein vom Weingut Rudolf Fidesser im Sortiment der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils erhältlich.

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag der Menschenwürde erklärt!

Rudolf Polifka grüßt Friedrich Reitmayr, Alfred Schrammel, Greta Thunberg sowie alle Menschen, die die Erderwärmung nicht als Naturgesetz betrachten und die entsprechenden Konsequenzen ziehen.

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen oder am Donnerstag zwischen 16 und 22 Uhr beim Rudl eine Knackwurst essen möchten.

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57