Altesse Vertikale Giachino. Immer noch ein bissl neue Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag von 16 bis 22 Uhr

Die Öffnungszeiten des Herrn Rudolf scheinen sich äußerster Beliebtheit zu erfreuen, vor allem bei manchen Betreibern anderer Weinlokalitäten. Herr Rudolf hat trotzdem keine andere Wahl, als an ihnen festzuhalten.

Altesse als solche

Über Wesen und Herkunft dieser Rebsorte, deren Übersetzung ins Deutsche dezent aus der Zeit zu sein scheint und eine weibliche Hoheit bezeichnet, hat der Rudl schon das eine oder andere geschrieben. Dass reinsortige Vertreterinnen dieser Rebsorte wie Quartz oder Marestel zu den allerliebsten Weinen von Caviste Rudolf überhaupt gehören, detto. Und dass gelungene Exemplare dieser Rebsorte ganz formidabel reifen, auch.

Altesse von Giachino im Speziellen

Gletschermoränen als Boden, Quitte, Annanas und Mandel als Geschmack, eine erstaunlich Bandbreite an Papperln, mit denen es diese Altesse aufnehmen kann, von Kuchen bis Meeresviecher, da frischer als manch andere Altesse, soweit der Stil des Hauses. Oder anders ausgedrückt: vermutlich die jacquèreartigste Altesse, aber ohne das leiseste Gramm Sorbinsäure vlg. E 200. Fünfzehn Milligramm freier Schwefel pro Liter. Das ist nichts, wenn Sie den Rudl fragen.

Der Rudl assoziiert mit Giachino immer auch Jacques Maillet

Fünf bis zehn Jahre lautet der Konservierungsrahmen. An dem dürfte der Zehner schon kratzen, wenn’s wahr ist. An dessen Beschaffung hat der Rudl noch ziemlich präzise Erinnerungen. Im Elfer Jahr ist das gewesen. Die oenologische Geduld der Begleitung vom Rudl war nach fast drei Wochen in Frankreich eher schon epuisiert. Der Rudl wiederum wollte unbedingt Jacques Maillet und die Giachino Brüder besuchen. Von beiden Weingütern hatte er bis dahin lediglich gelesen und nie etwas getrunken. Darum hat er sich alleine auf den Weg nach Chapareillan gemacht. Nur ist er damals von dort nach mehrmaligem Läuten an der Klingel und Hinterlassen einer Botschaft auf dem Anrufbeantworter unverrichteter Dinge weg gefahren. Weil der Rudl hartnäckig ist, hat er nach dem ersten vergeblichen Anläuten eine Runde um die Ortschaft gedreht, auch um sich ein Bild von der Lage zu machen. Allein, auch eine halbe Stunde später hat bei den Giachinos niemand aufgemacht. Die Tageszeit ist schon mehr als fortgeschritten gewesen. Trotzdem hat Jacques Maillet eine telefonische Anfrage, ob ein Weinkauf noch möglich sei, mit Ja quittiert. Monsieur Rudolf hat sich auf den Weg nach Motz gemacht, nicht ohne von Jacques noch über die richtige Abzweigung in Kenntnis gesetzt worden zu sein. Der Rudl ist trotzdem nicht in der Lage gewesen, den späten Termin einzuhalten. Es ist das damals eine der wenigen Fahrten des Rudls mit einem Navigationsgerät gewesen. Wenn Sie den Rudl fragen, rät Ihnen der, mit Navigationsgerät nur zu fahren, wenn Sie sehr viel Zeit haben oder den Weg auch im Schlaf finden täterten, zumindest wenn es um Überlandfahrten geht. Im gegenständlichen Fall hat das praktische Orientierungshilfsmittel die grenzgeniale Idee gehabt, den Rudl via einspuriger Bergstraße über die Chambotte von Aix-les-Bains nach Motz zu Jacques Maillet zu leiten. Das hat auch nicht dazu beigetragen, dass Herr Rudolf zum vereinbarten Zeitpunkt bei Monsieur Jacques aufgekreuzt ist. Der Rudl befindet sich in einem Alter, in dem er ungern Dinge verschiebt. Auch ist er nicht mehr in der Lage, Verspätungen mit dem Ausmaß an Stoizität zu begegnen, wie er das vor fünfundzwanzig Jahren gewesen ist. Entsprechend unangenehm ist es ihm in der Folge gewesen, bei Jacques Maillet aus dem motorisierten Kübel zu steigen.

Vorurteile

Rudolf der Fils ist im sogenannten Florenz des Nordens aufgewachsen. Dort hat Italienisches als lebensfroh, weltoffen und sympathisch gegolten, wohingegen man mehr oder weniger unisono die Auffassung vertreten hat, in Frankreich sei man hochnäsig, unilingual und nationalistisch.

Das hat der Rudl schon vor vierzig Jahren für einen Topfen gehalten. Dass man sich in Frankreich auf Englisch nicht verständigen kann, mag vor dreißig Jahren gestimmt haben. In Italien scheint das gelegentlich heute noch vorzukommen.

Der Weinbauer Jacques Maillet hat seinerzeit auf alle Fälle von einer Schelte in Anbetracht der Retardierung Abstand genommen, sondern hat den Rudl mit einer seltenen Mischung aus Herzlichkeit und Geradlinigkeit begrüßt. Auf Englisch. Gespickt mit ein paar Brocken Deutsch. Und dann hat Herr Jacques dem Rudl geduldig alle seine Weine erklärt, teilweise mit Demonstration der Auswirkung unterschiedlicher Belüftungsintensitäten auf den Geschmack der Weine. Wie lange der erste Besuch des Rudls bei Jacques Maillet gedauert hat, das entzieht sich der genauen Erinnerung von Herrn Rudolf, nicht aber der Umstand, dass der Rudl etliche Male versucht hat, den Besuch aufgrund der vorgerückten Stunde zu beenden.

Beim Zahlen hat Monsieur Rudolf dann etwas beiläufig erwähnt, dass er zuvor schon vergeblich probiert hatte, bei Giachino Wein zu kaufen. Darauf erwidert ihm Monsieur Jacques, dass man fast alle Weine der Gebrüder Giachino auch bei ihm kaufen könne, weil er im Rahmen von Vins des Copains etliche Weine der savoyardischen Biowinzervereinigung Petavins anbiete. Drüber hinaus arbeite er mit den Giachinos sowieso eng zusammen. So erfolge die Vinifizierung seiner Trauben im Keller von David und Fred Giachino. Aus diesem Besuch bei Jacques Maillet resultiert die hoheitliche Zweitausendzehnerin, die Caviste Rudolf diese Woche glasweise offeriert. Es ist dem Rudl seine letzte Flasche.

Und was die Weine des Herrn Jacques betrifft, so finden Sie in ganz Frankreich ziemlich sicher keine Vinothek, in der Sie noch so viele davon kaufen können wie beim Rudl. Zumindest ergibt sich bei eine Recherche auf wine-searcher dieses Bild.

  • Roussette de Savoie 2017, David et Fred Giachino, Chapareillan, AOP Vin de Savoie (4/6)
  • Roussette de Savoie 2016, David et Fred Giachino, Chapareillan, AOP Vin de Savoie (4/6)
  • Eine Piratin aus dem Jahr 2015 (5/8)
  • Roussette de Savoie 2014, David et Fred Giachino, Chapareillan, AOP Vin de Savoie (4,50/7)
  • Roussette de Savoie 2011, David et Fred Giachino, Chapareillan, AOP Vin de Savoie (5/8)
  • Roussette de Savoie 2010, David et Fred Giachino, Chapareillan, AOP Vin de Savoie (6/9)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

nicht nur diese Weine gibt es glasweise

diese Woche am Dienstag, den 26. Februar und am Donnerstag, den 28. Februar

von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man statt über den Karfreitag lieber über den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz als einen europäischen Feiertag nachdenken sollte!

Herr Rudolf grüßt hartnäckig!

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57

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