Burgundisch. Rebsorten und Weine aus und in Burgund

Schulmeister Rudolf ist in den letzten Tagen ziemlich angehängt gewesen, darum ist er diese Woche ungewöhnlich kurz im Text.

Burgundisch

Wird versucht, einen Wein mit dem Adjektiv „burgundisch“ auszuzeichnen, wird der Rudl noch vorsichtiger, weil er meistens nicht versteht, was damit gemeint ist.

Und Burgund an sich, no ja, abgesehen von Chablis auch nicht direkt dem Rudl sein Biotop.

In den nächsten Wochen zieht es den Rudl-Fils trotzdem nach Westen, rein oenologisch. Physisch geht das nicht, da ist der Rudl als Bundesbediensteter ziemlich angebunden. Ein Ausflug am Wochenende in die Wachau ist da schon das höchste der Gefühle. Weiter nach Westen geht es als Wochenenddislocierung schon, aber da ist dann kein Wein mehr, zumindest nicht nennenswert, obwohl dem Rudl seiner Meinung die Weinbauregion Bergland zwischen Niederösterreich und Liechtenstein eh mehr Interesse verdienen würde. Dort, wo der Wein dann quantitativ nennenswert wieder anhebt, Graubünden oder so, von dort ist man am Sonntag Abend nicht wieder rechtzeitig in Wien retour. Außer man steigt am Samstag in der Früh in so einen Billigflieger, ist zum Brunch in Bordeaux oder wo, fährt dann zum einen oder anderen Château, geht nett abendessen, am Sonntag schaut man sich noch etwas an, am Abend wieder retour in Wien – alles zum Preis von einem Wurstbrot, wie Major Kottan vielleicht sagen würde. Den Rest bezahlen der Steuerzahler und die nächsten Generationen, auch eine Form von Generationenvertrag, wenn auch ungeschrieben. An dieser Art von staatlicher Protektion scheinen sich die Neoliberalisten nicht zu stoßen. Der Rudl umso mehr.

Reisen mit dem CO2-Fußabdruck einer Reblaus

Quasi mit dem Weinglas auf der Weinlandkarte lassen sich dafür sogar unter der Woche größere Sprünge machen. So zieht es den Rudl von der letzten Woche beim Papst von Arbois im Jura über den Saône-Graben hinüber nach Burgund an die Côte d’Or und ein bissl weiter nordwestlich in die Gegend um Auxerre. Von dort werden dann drei Weine zur glasweisen Kredenzung gebracht. Weißburgunder und Grauburgunder soll es in Burgund auch geben. Gesehen, geschweige denn getrunken hat sie der Monsieur Rudolf (von) dort noch nicht. Weil Grauburgunder in letzter Zeit eh das eine oder andere Mal im Mittelpunkt gestanden ist, darf dieses Mal, der Weiße dran, allerdings österreichischer Provenienz, wie auch etliche Chardonnays und Pinot Noirs.

  • Chardonnay 2013, Domaine Dupasquier, Aimavigne, AOC Vin de Savoie – das letzte Flascherl (2,50/4)
  • Weißburgunder 2015, Herrenhof Lamprecht, Markt Hartmannsdorf, Oststeiermark (3/5)
  • Bourgogne Aligoté 2016, Domaine Goisot, AOP Vin de Bourgogne (3/5) – im Sortiment des Kollegen vom Wienfluss rive droite
  • Saint Bris „Corps de Garde“ 2008, Domaine Goisot, AOC Saint Bris (6/9) – detto. Auch Sauvignon gibt es in Burgund, wenn auch eingeschränkt auf eine Nachbarappellation von Chablis, Saint Bris, und wenn auch in diesem Fall in der Variante Sauvignon gris.
  • Morillon 2015, Weingut Bleyweis, Sausal, Steirerland (3/5)
  • Chardonnay 2014, Leo Uibel, Ziersdorf, Westliches Weinviertel (5/8)
  • Meursault „Les Tessons“ 2007, Buisson-Charles, AOC Meursault, (9/14)
  • Pinot Blanc 2004, Weingut Wonisch, Klöch, Südoststeiermark (3/5)
  • Gamay 2015, Jacques Maillet, Motz, Chautagne, AOP Vin de Savoie (4/6)
  • Blauburgunder 2015, Weingut Dieter Dorner, Mureck, Steirerland (3/5) – vom Weingut eines Arbeitskollegen des Trainers
  • Pinot Noir 2013, Josef Lentsch, Dankbarkeit, Neusiedlersee (4/6)
  • Pinot Noir 2012, Jacques Puffeney, AOC Arbois, Jura (7/11)
  • Blauburgunder 1971, Klosterkeller Siegendorf, Neusiedlersee Hüggelland (4/6, sofern vivant)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

nicht nur, aber fast nur diese Weine gibt es glasweise

diese Woche am Dienstag, den 14. Mai und am Donnerstag, den 16. Mai

von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Vorschau auf die Lehrveranstaltung vom 21. und 23. Mai

noch ein Häusl weiter gen Westen: Muscadet und ziemlich sicher mehr Text

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag der Menschenwürde erklärt!

Rudolf Polifka grüßt mit beiden Beinen auf dem Terroir!

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57

Einmalig. Trousseau „Les Bérangères“ Vertikale Jacques Puffeney

Einmalig ist vermutlich das Wort, das Rudl le Fils von seinem Vater am eindrücklichsten in Erinnerung hat, und das, obwohl es dieser alles andere als inflationär verwendet hat. Aber wenn der Papa vom Rudl Fils etwas als „einmalig“ klassifiziert hat, dann hat der Rudl Fils gewusst, dass es um etwas ganz besonders Gutes geht. Das ist alleine deshalb schon selten vorgekommen, weil sich der Vater vom Rudl nicht viel aus Essen und Trinken gemacht hat.

Es ist nicht die Art vom Rudl, auf der Exklusivitäts- und Wir-für-Euch-Posaune zu dudeln, aber Trousseau „au verre“ werden Sie in Wien nicht so schnell glasweise bekommen.

Trousseau von Jacques Puffeney wird man Ihnen glasweise nicht so schnell kredenzen, allein schon deshalb, weil es diesen Wein nicht mehr gibt. Mit dem Jahrgang 2014 ist der „Pâpe d’Arbois“, gelegentlich auch als „Pâpe du Vin Jaune“ tituliert, in die Rente gegangen. Das ist schade, aber nach dreiundvierzig Lesen auch nicht ganz unverdient. Und in den quantitativen Dimensionen, in denen so manche Neobiodynamiker ihre Weine auf den Markt bringen, hat es den Trousseau von Puffeney ja sowieso nie nicht gegeben.

Vertikale Trousseau Puffeney

Eine kleine Vertikale des Trouseaus von Jacques Puffeney wird Ihnen, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, zwischen Seiden- und Höhenstraße eher niemand kredenzen, und auch westwärts davon ist das eher unwahrscheinlich. Darum erlaubt sich Monsieur Rudolf das Thema dieser Woche im Sinn seines Vaters als „einmalig“ zu bezeichnen.

Trousseau als solcher

Die Anbaufläche von Trousseau ist rückläufig. Pinot Noir ist populärer. Dabei wären die Beerln vom Trousseau wirklich schwarz. Aber bitte.

Die Rebfläche der Weinbauregion Jura ist sowieso schon nicht sehr groß, ungefähr halb so groß wie die vom Kamptal. Und im Jura sind etwa fünf Percent der Rebflächen mit Trousseau bepflanzt. Als Epizentrum des Trousseau gilt die kleine Siedlung Montigny-les-Arsures. Dort wohnt Jacques Puffeney.

Jetzt ist es nicht so, dass der Rudl mit Natursymbolik so viel anfangen kann. Den Hang, in allem und jedem, was einem in freier Wildbahn begegnet, einen Hinweis auf etwas anderes zu sehen, kommt dem Rudl immer ein bissl respektlos vor, und mittelalterlich auch.

Aber Trousseau könnten Sie vermutlich wirklich als Symbol für die „figure emblématique“ von Arbois, als die Jacques Puffeney immer wieder bezeichnet wird, betrachten. Sein Trousseau „Bérangères“ gilt als Referenz für die Repräsentanten dieser Rebsorte.

Jacques Puffeney kann man nicht so leicht roden wie einen Trousseau Weingarten. 1962 hat seine erste Lese eingebracht. In so vielen Jahren bildet man Wurzeln, gegen die auch ein Harvester keine Chance hat. Aber die Rente. Und so wie Trousseau ganz gerne durch Pinot Noir ersetzt wird, hat der Baron d’Angerville aus Burgund das Weingut des Papstes von Arbois übernommen.

Aber die Übernahmen von Weingütern sind ein eigenes Thema, und kein schönes, wenn Sie den Rudl fragen.

In Portugal und Spanien heißen sie Trousseau „Bastardo“, im spanischen Galicien nennt man ihnMaria Ardoña“. Recht viel gegensätzlicher wird man eine Rebsorte vermutlich nicht bezeichnen können.

Dichte, kleine Traube, ovale Beeren, dunkelblaue bis schwarze Farbe.

Mit der Reife hat es Trousseau nicht eilig. Darum schläft er noch, wenn andere Rebsorten von Spätfrösten belästigt werden. Keine hohen Erträge.

Als Trousseau bezeichnet man auch die Aussteuer beziehungsweise Ausstattung einer Braut.

Trousseau von Jacques Puffeney

Bei den meisten Weißen, die der Rudl zur Ausschank bringt, hat er in der Regel Trinkerfahrung, bei sehr vielen hat er sogar sehr viel Trinkerfahrung.

Bei den Roten ist das anders. Les Bérangères von Monsieur Puffeney hat der Rudl im beeindruckenden Verkostungsraum des Weinguts von Jacques Puffeney getrunken. Dort steht eine Heurigenbank, wobei sich der Rudl schwer vorstellen kann, dass viele Menschen im Keller von Jacques Puffeney sitzen. Wer dort halbwegs bei Sinnen und Trost ist, steht ehrfürchtig. Auch der Meister selber steht. Ein Heurigentisch mit einem Plastiktischtuch und drauf die zwei oder drei angebotenen Flaschen sind auch im Keller. Kein Weinklimaschrank, keine Kühlschrank, auch nicht im August.

Wie er schmeckt

Reife Waldbeeren, Wildkirschen und Würze, vor allem Pfeffer, mit einem markanten Tanninrückgrat, braucht ein Zeitl, bis alles da ist, und dann noch eines, bis alles zusammen passt. Frisch, lebendig und konsistenzmäßig ziemlich weit weg von Marmelade.

Den Zweitausendzehner hat 2014 einer auf lapassionduvin.com mit „sehr schön“ und zweifelsohne „superbe“ in ein paar Jahren beschrieben. Das kann man sich jetzt möglicherweise anschauen.

Wenn man Verkostungsnotizen über diesen Wein sucht, dann wiederholt sich das, mehr oder weniger egal, um welchen Jahrgang es gerade geht. Wenn die nicht alle von einander abgeschrieben haben, dann spricht wirklich einiges dafür, dass an dieser Beschreibung was dran ist.

Achtzehn Monate im großen Holz, heller als viele andere Vertreter dieser Rebsorte und eine schon sehr besondere Kombination von Aromen, reifen Tanninen und Lebendigkeit.

Jacques Puffeney …

… ist keiner, der viel redet. Umso präziser sind seine Vorstellungen vom Wein, den er macht. Und dann dürfte in seinem Fall zu seiner Erfahrung schon ein ziemlicher Batzen Talent und nicht die aller schlechtesten Weingärten kommen. Viel besser können Tradition, Natur und Kultur einander nicht ergänzen.

Finessenreich, präzise, elegant. Aus.

Luft

Viele Kommentare wünschen dem Wein eine ausreichende Belüftung. Wenn Sie den Rudl wissen lassen, dass Sie sicher kommen, welchen Jahrgang Sie gegebenenfalls trinken wollen, und wann Sie etwa kommen, dann öffnet Caviste Rudolf das jeweilige Flascherl eine Stunde vorher.

  • Trousseau „Les Bérangères“ 2010, Jacques Puffeney, Montigny-les-Arsures, AOC Arbois (8/12)
  • Trousseau „Les Bérangères“ 2012, Jacques Puffeney, Montigny-les-Arsures, AOC Arbois (7/11)
  • Trousseau „Les Bérangères“ 2013, Jacques Puffeney, Montigny-les-Arsures, AOC Arbois (6,50/10)
  • Trousseau „Les Bérangères“ 2014, Jacques Puffeney, Montigny-les-Arsures, AOC Arbois (6/9)
  • Dankbarkeit rot 2014, Dankbarkeit, Podersdorf, Neusiedlersee (3/5)

    als Jahrgangsvergleich

  • Pinot Noir 2012, Jacques Puffeney Montigny-les-Arsures, AOC Arbois (7/11)

    als Trousseau – Pinot Noir Vergleich

sowie obwohl nicht mit Trousseau verwandt

  • Himmel auf Erden weiß 2015, Christian Tschida, Illmitz, Neusiedlersee (4,50/7)
  • Scheurebe 1985, Tschermonegg, Glanz, Südsteiermark (4/6)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

nicht nur diese Weine gibt es glasweise

diese Woche am Dienstag, den 7. Mai und am Donnerstag, den 9. Mai

von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag der Menschenwürde erklärt!

Rudolf Polifka grüßt exklusivitäts- und wirfüreuchfrei!

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57