Weingewordene Osternester. Neun Sauvingon Blancs aus dem Alten Europa und ein Pirat

Ein Osterjausenwein

Das ist Sauvignon Blanc für den Rudl. Fragen Sie ihn nicht warum. Dort, wo der Rudl herkommt, und zu der Zeit, als er dort ein Kind gewesen ist, hat die Natur im Jahr eines späten Ostertermins erst in der Karwoche wieder Anstalten zum Dienstantritt gemacht. Frühe Ostertermine haben es sowieso ziemlich regelmäßig verunmöglicht, die Osternester im Freien zu suchen, weil dort beträchtliche Schneemassen einer kindgerechten Osternestsuche abträglich gewesen sind und diese auch verunmöglicht haben.

Ein paar Jahre später hat der Rudl dann einmal einen Sauvignon Blanc vom Weingut Pichler-Schober im Sausal und einen von Josef Puschnig aus Glanz zur Osterjause getrunken. Die haben dem Rudl damals wirklich gut geschmeckt, und ein Hauch von Etikettentrinken wird wohl auch dabei gewesen sein. Am einen Etikett ist unten die Kontur von einem Hasen herausgeschnitten gewesen, am anderen war ein Holzschnitt mit dem charakteristischen Relief südsteirischer Weinberge.

Darum fährt der Rudl zu Ostern noch lieber als sonst in die Steiermark, darum trinkt er zu Ostern noch lieber als sonst Sauvignon Blanc, wenn auch eher nicht mehr die gleichen wie früher, und darum kredenzt der Rudl vor Ostern gerne ein paar Sauvignons glasweise in seinem Weinkaufsgeschäft, das er äußerst ungern als „Shop“ oder „Weinbar“ genannt hört.

Vergangenes Jahr hat der Rudl mit dieser Tradition halb gebrochen, weil ihm vom Geschmacksbild Jacquère vielleicht noch besser geeignet erscheint, den Frühling und das Anheben der Vegetation zu repräsentieren.

Dieses Jahr nimmt er die Ostersauvignontradition wieder auf. Nächstes Jahr wird er vielleicht wieder einmal als Zugeständnis an die Zerkompetitivizierung aller Lebensbereiche Jacquères gegen Sauvignons ins Rennen schicken. Oder auch nicht. Fair wäre so ein Duell auf gar keinen Fall. Sauvignon Blanc wächst auf deutlich über hunderttausend Hektar Rebfläche und ist hinter Chardonnay die zweitbedeutendste Weißweinrebsorte, weltweit, Jacquère wächst etwa auf tausend Hektar und ist damit die bedeutendste Weißweinrebsorte, savoyenweit.

Für den Fall, dass Sie, geneigte Oenolgin, gewogener Oenologe, jetzt einen Gusto auf einen Osterjausensauvignon oder eventuell auch eine Osterjausnjacquère entwickelt hätten, ohne die eine oder den anderen zuhause zu haben, müssten Sie fast diese Woche zum Rudl ins Geschäft kommen oder einen entsprechenden Zustellungswunsch deponieren. Denn am Palmsonntag ist der Rudl Fils dann eine Wolke, auf Studienreise und was weiß der Kuckuck was. Auf alle Fälle ist dann zu und erst am Dienstag, den 23. April wieder offen.

Ursprung

Irgendwann müssen einander irgendwo an der Loire Traminer und Chenin Blanc kennengelernt haben. Und was ist dabei herausgekommen? Der Sauvignon ist dabei herausgekommen. Kleine Beeren, dicke Schalen und späte Reife.

In Bordeaux ist es noch gar nicht so lange her, dass sich Sauvignon gegenüber

Ugni Blanc als meistangebaute Weißweinrebe etablieren können hat. In der Steiermark ist das deutlich früher klar gewesen. Vielleicht ist das ein Grund, warum der Rudl steirische Sauvignons viel lieber trinkt als solche aus Pessac-Leognan oder Graves. Vielleicht liegt das aber auch am Holz.

Sauvignons von der Loire hat der Rudl schon ein paar ziemlich gute getrunken. Edmond Vatan und Didier Dagueneau, beziehungsweise dessen Sohn Louis-Benjamin sind und bleiben für ihn die Referenz. Alphonse Mellot, Vacheron, Alexandre Bain, Sebastien Riffault und die beiden Cotats sind des Rudls Erachtens die besten Sauvignon Winzer nach den beiden erstgenannten.

Altes Europa

Auf die Gefahr hin, dass Sie das dem Rudl als eurozentristische Ignoranz auslegen: Sauvignon Blanc aus Neuseeland, Südafrika oder Südamerika ist unter dem Rudl seinem Radar unterwegs. Nicht dass der Rudl ansprechende Vertreter dieser Rebsorte aus anderen Kontinenten nicht für möglich halten würde. Nur schaffen die es möglicherweise nicht über das große Wasser. Von denen, die es ja schaffen, hat Caviste Rudolf etliche gekostet. Und die haben ihm nicht geschmeckt. Die folgenden aus dem alten Europa dafür umso mehr.

  • Sauvignon Blanc 2017, Josef Umathum, Burgenland (3/5)
  • Sauvignon Blanc vom Opok 2016, Alice und Roland Tauss, Leutschach (3/5)
  • Sauvignon vom Opok 2013, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Steirerland (4/6)
  • Graf Sauvignon 2015, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Steiererland (5/8)
  • ein Pirat 2015 (4/6)
  • Sauvignon Blanc 2017, Les Vignes de Paradis, Ballaison, Haute-Savoie, IGP Vin des Allobroges (5/8)
  • Sauvignon Blanc 2007, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Steirerland (4,50/7)
  • Sauvignon Blanc Welles 2007, Lackner-Tinnacher, Gamlitz, Südsteiermark (6,50/10)
  • Sancerre „Edmond“ 2008, Alphonse Mellot, AOC Sancerre, Loire (11/17) (ohne Kosten im Voraus)Immer wieder liest man, die Domaine Alphonse Mellot aus Sancerre sei gleichzeitig Pendant und Rivalin der Domaine Didier Dagueneau aus Pouilly. Monsieur Rudolf Fils kann das nur sehr bedingt nachvollziehen. Schmecken tun ihm die Weine von Alphonse Mellot aber extraordinairement sehr gut.
  • Sauvignon Blanc Grassnitzberg 2001, Weingut Schneckenkogler (Prünte), Südsteiermark (6/9)

Qualitätspionier in der Südsteiermark. Caviste Rudolf ist für den Schutz oenologischen Erbes.

  • Sauvignon Blanc Kräften 2007, Schönberger, Mörbisch, Neusiedlersee Hügelland (6/9)

sehr steinige Quarz- und Schieferlage

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

nicht nur diese Weine gibt es glasweise

diese Woche am Dienstag, den 9. April und am Donnerstag, den 11. April

jeweils von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

In der Karwoche bleibt die Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils geschlossen.

Vorschau auf 23. und 25. April

vielleicht Traminer, hängt aber auch ein bissl vom Verlauf der Dienstreise des Rudl Fils ab

Neues aus dem Sortiment

Ab sofort ist Zierfandler 2018 vom Weingut Kuczera in Gumpoldskirchen verfügbar.

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man statt über den Karfreitag lieber über den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz als einen europäischen Feiertag nachdenken sollte!

Herr Rudolf grüßt vorösterlich!

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57

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