Europa, nix aber … Sauvignons von Andreas Tscheppe und aus fast halb Europa, Dienstag, 4. Juni, 16 bis 20 Uhr

Nix aber! Die Erste

Vorigen Dienstag hat der Rudl fünf Jahrgänge Hégoxuri von der Domaine Arretxea glasweise kredenzt. Wenn Sie, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, den Rudl fragen, werden Sie bei ihm keine viel bessere Serie als diese trinken. Und über dem Niveau des 2009ers wird oenologisch sowieso nicht mehr viel stattfinden können, ganz sicher nicht in den Kategorien Struktur, Frische und Vielschichtigkeit. Wäre Caviste Rudolf Polifka mit Marketingwassern gewaschen, dann würde er jetzt weiterschreiben: „ABER der Rudl wird sich auch weiterhin bemühen, Ihnen die besten Weine …“ Nix aber. Über die Hégoxuri-Serie wird nicht viel gehen. Vielleicht gibt es wieder einmal eine, mit anderen Jahrgängen.

Nix aber! Die Zweite

Citoyen Rudolf Polifka hält sich für einen glühenden Westeuropäer, allerdings nicht für einen mit Blindheit geschlagenen Euphoriker. Er hat quasi als junger Bub am 12. Juni 1994 gegen den Beitritt Österreichs zu EU gestimmt, war damals in Salzburg sogar in der einen oder anderen Form öffentlichkeitswirksam unterwegs, aber nicht weil er gegen eine Mitgliedschaft Österreichs in der EU, respektive damals EG war. Damals hat die EU Österreich als Mitglied mindestens so gebraucht wie Österreich eine Mitgliedschaft in der EU. Heute schaut die Geschichte bedauerlicherweise anders aus.

Wenn es 1994 nach dem Rudl gegangen wäre, hätte Österreich vor einem Beitritt von der EU zweierlei verlangen müssen: ein Ende der Förderungen von Agrarindustriebetrieben und ein Parlament mit legislativer Kompetenz, die über Budgetagenden hinaus geht. Letzteres hat sich zum Glück erübrigt. Das EU-Parlament ist heute viel mehr Parlament als 1994. Damals war der nicht direkt wählbare Rat die gesetzgebende Körperschaft, was für einen Citoyen nur ein Affront sein konnte. An der irregeleiteten Landwirtschaftspolitik hat sich bedauerlicherweise weniger geändert.

Jetzt ist Österreich Mitglied in der Europäischen Union. Und so wie sich diese und jenes entwickelt haben, sollte Österreich froh darüber sein. Sehr froh sogar und nix aber!

 

Seltsam

Keine Frage, der Rudl hat schon weniger seltsame Lehrveranstaltungsthemen als dieses formuliert. Es sind ein paar Faktoren zusammen gekommen. Erstens hat Caviste Rudolf Polifka vor einigen Wochen wie erwähnt seine Zuteilung des neuen Jahrgangs von Elisabeth und Andreas Tscheppe abgeholt und beschlossen, alle Weine zuerst einmal etappenweise im Geschäft anzubieten, ehe sie auf seine Homepage zu stellen und dann der Post und sich selber unnötig Arbeit zu bereiten. Dann ist ihm aufgefallen, dass er von dieser Rebsorte studierenswerte Exemplare aus halb Europa hat. Diese sind noch dazu so derartig verschieden zubereitet und reif, dass damit – ausgenommen Sauvignons aus der Fabrik, wie sie leider immer noch subventioniert werden – eine ziemliche Bandbreite von Stilen dieser Rebsorte repräsentiert ist. Und dann hat der Rudl noch ein Buch gelesen. Neuauflage der Publikationen von Jules Chauvet, seines Zeichens Physiknobelpreisaspirant, Weinhändler, Weinbauer, Pate, Erforscher und Verfechter von Biowein. Monsieur Chauvet hat vor allem an Fragen der Weinbereitung, Verkostung und Glasentwicklung geforscht. In den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts hatte Jules Chauvet Versuche angestellt, wie man ohne Schwefelzusatz Wein produzieren kann. Später hat er sein Wissen nicht nur bei seinen eigenen Weinen angewandt, sondern auch Weinmeister wie Marcel Lapierre, Jean Foillard, Jean-Claude Chanudet oder Jean-Paul Thévenet im Beaujolais und Pierre Overnoy im Jura dabei unterstützt, auf das Schwefeln zu verzichten und trotzdem blitzsaubere Weine zu machen. Geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, verstehen Sie den Rudl bitte nicht falsch! Er hat kein grundsätzliches Problem mit Schwefel bei der Weinproduktion, zumal es sich dabei um eine natürliche Substanz handelt. Aber zu viel Schwefel ist der Lebendigkeit eines Weines nicht zuträglich. Das kann man ziemlich leicht erforschen. Zu viel Schwefel macht den Wein aber auch unverträglich und kann Kopfweh verursachen. Das muss man nicht unbedingt im Selbstversuch erforschen. Wein von Jules Chauvet wird es nicht mehr geben, zumindest nicht zu erwerben. Beim Lesen eines Interviews von Hans-Ulrich Kesselring mit Jules Chauvet aus dem Jahr 1981 hat der Rudl aber die Idee gehabt, sich nach dem Interviewenden zu fragen und dann noch ihm zu forschen. Wenn Herr Kesselring in den achtziger Jahren oenologische Gespräche mit Professeur Chauvet geführt und dabei über seinen eigenen Wein gesprochen hat, könnte es einen Sinn haben, diesen Weinen auf den Grund zu gehen.

Hans-Ulrich Kesselring. Wegbegleiter von Jules Chauvet

Weinmeister auf Schloss Bachtobel im Schweizer Thurgau. Hans-Ulrich Kesselring war ein gebildeter, bescheidener Mann, in Sachen Wein kompromisslos, hat viel nachgedacht und dabei offensichtlich die richtige Gesellschaft gehabt, Jules Chauvet zum Beispiel. Heute führt sein Neffe das Weingut. Der Rudl verdankt diesem, den ersten und bis jetzt einzigen vielschichtigen Müller-Thurgau seines Lebens getrunken zu haben.

  • Sauvignon blanc 2023, Schloss Bachtobel, AOC Thurgau, Schweiz (6/9)
  • Sauvignon blanc 2023, Sternat-Lenz, Remschnigg, Südsteiermark (3/5)
  • Sauvignon blanc « Grüne Libelle » plus 2022, Elisabeth und Andreas Tscheppe, Glanz an der Weinstraße (8/12)
  • Néphèle 2020, Laroque d’Antan, Laroque des Arcs, Cahors, IGP Côte du Lot, Sud Ouest (8/12)

Sauvignon blanc, Sauvignon gris, Verdanelle, Mauzac vert und Mauzac rose in Sélection massale aus fast ganz Frankreich, ein altes Terroir nache Cahors, das 140 Jahre brach gelegen ist und die vielleicht namhafteste Bodenforscherfamilie Frankreichs, Lydia und Claude Bourguignon samt Fils, als Weinbäuerin und Weinbauern.

  • Hirschkäfer 2022, Elisabeth und Andreas Tscheppe, Glanz an der Weinstraße (9/14)

60 bis 70 % Sauvignon blanc etwa drei Wochen auf der Maische mit Kämmen und Stielen von einem Terroir „hors norme“

  • Erde 2017, Maria und Sepp Muster, Schlossberg, Opok (8/12)
  • Sauvignon blanc 2005, Cotar, Komen, Kras, Slowenien (9/14)

Dienstag, den 4. Juni von 16 bis 20 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils,

Reindorfgasse 22

Im Übrigen ist der Rudl der Meinung, dass der 27. Jänner, der Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Konzentrationslager Auschwitz, zu einem gesamteuropäischen Feiertag erklärt werden muss.

 

Europäisch und aberfrei grüßt Citoyen Rudolf Polifka!

 

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien