Naturwreindorf

Kommendes Wochenende findet die RAW Wine London, eine der renommiertesten Naturweinverkostungen, wenn nicht die renommierteste, statt. Seinerzeit sind Herrn Rudolf die Plakate dafür aufgefallen, in Banyuls bei Le Casot des Mailloles und ein paar Tage später bei der Domaine de Souch im Jurançon. Der Rudl hat damals nicht gewusst, worum es dabei genau geht. Aber dass ihm da etwas entgeht, das hat der Rudl gleich gegnissen.

Fünf Jahre später kredenzt kredenzt Caviste Rudolf Polifka Weine von Winzern, die schon auf der RAW London vertreten waren, heuer aber, zumindest wenn es nach der Ankündigung im Internet geht, dort fehlen.

Gaetano Scirea v Alain Giresse und Marco Materazzi v Zinédine Zidane

Ein bissl hat Monsieur Rudolf bei Durchsicht der diesjährigen Teilnehmerliste den Eindruck, dass die RAW London heuer italienlastig ist. Der Rudl schätzt die Weine von Enzo Pontoni und Josko Gravner überaus, er muss aber gestehen, dass er sich in Italien fast überhaupt nicht auskennt. Vielleicht ist das ein Reflex gegen die oenologische Italienfixiertheit in seiner Heimatstadt Salzburg, vielleicht hat es auch mit Fußball zu tun. Oder es liegt an der Sprache. So wichtig ist das eh nicht. Tatsache ist, dass Rudolf Polifka seit mindestens 1984 nach Frankreich schaut. Beim Fußball wie beim Wein. Beides von Österreich aus.

Diese Woche also glasweise in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, wie immer nicht ausschließlich:

Jurançon sec 2011, Domaine de Souch, AOC Jurançon, Sud Ouest

Gros Manseng, Petit Manseng und Petit Courbu – gerade so wie im Rudl seinem Lieblingswein, vielleicht eine Spur mehr Holz. Die sieben Hektar Weingarten von der Domaine de Souch werden seit 1994 nach den Prinzipien der Biodynamie ohne Pestizide und Herbizide bewirtschaftet. Der warme „Vent Balaguer“ von den Pyrenäen sorgt dafür, dass die Trauben im Herbst langsam am Stock trocknen und trotzdem ihre charakteristische frische Säure behalten. Ton, Kalk und Kieselsteine erledigen den Rest von unten.

Vin Jaune 2007, Domaine Pignier, AOC Côtes du Jura, Jura

Herr Rudolf möchte Sie nicht langweilen.

Teran 2011, Branko und Vasja Čotar, Kras, Slowenien

Autochthone rote Rebsorte aus dem Karst in Istrien. Mit Autochthonizität wird momentan ein Schindluder getrieben, wie mit dem Dialekt. Von Leuten, die das eine nicht einmal richtig schreiben können, das andere nie wirklich gelernt haben und deshalb hilflos irgendwo zwischen Wienerisch, Ö3-Deutsch und Hypokärntnerisch herumrudern.

Andererseits können dafür ja weder Autochthonizität noch Dialekt etwas. Und wo kommt man hin, wenn man sich alles madig machen lässt, was einem gehässigen Wahlplakatdichterfürsten oder einem pfiffigen Lederhosen-Dieter Bohlen gerade als opportun erscheint?

Zurück zum autochthonen Teran: Elf Prozent Alkohol und eine Säure, die manch Weißwein daneben schal dastehen lässt. Wenn sich zu Prosciutto, Beaufort oder Ossau-Iraty ein Rotwein aufdrängt, dann Teran. Das nimmt Herr Rudolf wieder einmal zum Anlass, Sie darauf hinzuweisen, dass es nicht nur gestattet, sondern ausgesprochen erwünscht, um nicht zu sagen „angeraten“ ist, sich eine Jausn in die Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils mitbringen. Das wiederum nimmt Herr Rudolf zum Anlass, Sie darauf aufmerksam zu machen, dass Herr Crupi in der Kleinen Margarethenstraße einen der kompetentesten Prosciutti der Stadt vertreibt, was wiederum dem Rudl ein Anlass ist, sich bei Herrn Toni für den Hinweis auf das Geschäft von Nino Crupi zu bedanken.

Schilcher 2013, Christine und Franz Strohmeier, Sankt Stefan ob Stainz, Weststeiermark

Mit dem Schilcher ist es für den Rudl ein bissl so eine Sache wie mit dem Sauvignon. Geht man im Herbst durch die Salzburger Altstadt, möchte man meinen, dass alleine dort schon so viel Schilchersturm getankt wird, dass gar nichts mehr übrig bleibt, was zu einem Schilcher fertig gären könnte. Da sind die anderen sieben Landeshauptstädte und Wien noch gar nicht mitgerechnet. Und dann gibt es im Frühjahr gefühlt in jedem Dorf mit mehr als tausend Einwohnern ein sogenanntes Steirerfest, wo abgesehen vom steirischen Heinekenoiden vor allem Schilcher und Schilcher-Frizzante hinuntergeschüttet werden. Dass er bezüglich der Schilcher von Strohmeier und Muster keine Zweifel hat, hat Caviste Rudolf an diesem Ort schon das eine oder andere Mal festgehalten. Aber diese beiden Schilcher werden auf den diversen Holodarofesten ja auch nicht getrunken, was angesichts der Tatsache, dass Franz Strohmeier ein Burgunderglas für seinen Schilcher empfiehlt, auch nicht so verwunderlich ist.

Gräfin 2012, Maria und Sepp Muster, Leutschach, Südsteiermark

Hollerblüten, hundertpercent kitschfrei und trotz minimalstem Schwefelzusatz praktisch nicht zum Oxidieren zu bringen.

Sausal 2014, Karl Schnabel, Sausal, Südsteiermark

Josef, Blaufränkisch und Pinot Noir in ein und derselben Flasche. 2014 dürfte der Pinot dominieren. Kein Schwefelzusatz, eh kloa.

Grüner Veltliner Steinleithn 2013, Geyerhof, Kremstal

Ein Grüner Veltliner, für den Herr Rudolf weit geht, vor allem wenn er dort reifere Exemplare davon vorfindet. Und eine Lage, die geologisch und optisch alle Stückln spielt. Quarz, Feldspat und Glimmer – die kennt man aus der Schule, plus Granat und Disthen.

Apremont 2013, David und Frédérik Giachino, AOC Vin de Savoie

Des Rudls Wissens haben die Giachinos noch nie auf der RAW ausgestellt. Aber sie haben voriges Jahr das Weingut von Michel Grisard übernommen. Der genießt jetzt seinen wohlverdienten Ruhestand, obwohl er das Mindestantrittsalter schon um den einen oder anderen Jahreswechsel überschritten hat. 2012 hat man die diversen Mondeusen und die Altesse von Michel Grisards Prieuré Saint Christophe auf der RAW London verkosten können. Bald gibt es diese Weine, dann aus dem Hause Giachino, beim Rudl. Diese Woche schon den Apremont von Giachino.

Unter anderem folgende Weine

  • Jurançon sec 2011, Domaine de Souch, AOC Jurançon, Sud Ouest

  • Vin Jaune 2007, Domaine Pignier, AOC Côtes du Jura, Jura
  • Teran 2011, Branko und Vasja Čotar, Kras, Slowenien
  • Schilcher 2013, Christine und Franz Strohmeier, Sankt Stefan ob Stainz, Weststeiermark
  • Gräfin 2012, Maria und Sepp Muster, Leutschach, Südsteiermark
  • Sausal 2014, Karl Schnabel, Sausal, Südsteiermark
  • Grüner Veltliner Steinleithn 2013, Geyerhof, Kremstal
  • Apremont 2013, David und Frédérik Giachino, AOC Vin de Savoie

au verre am Donnerstag, den 12. Mai und am Freitag, den 13. Mai

von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Herr Rudolf grüßt nach London. Cheers!