Winter!weine. Präskriptiver Antizyklismus II

Es muss irgendwann im letzten Juni gewesen sein: Es war kühl, regnerisch, „für die Jahreszeit zu irgendwas“ auf alle Fälle. Das brachte den Diplomoenometeorologen Professor Polifka auf die Idee, so lange antizyklisch Sommerweine zur Ausschank zu bringen, bis das Wetter einsehen musste, dass es am Holzweg war. Der Rest ist Geschichte. Zum ersten Mal, seit Einführung des Wetterberichts wurden in der Folge in Österreich 40 Grad Celsius gemessen.Jetzt ist auch wieder so ein Fürdiejahrezeitzuwetter. Der Rudl ist zwar nicht das, was Professor Schröcksnadel als „Schickhanonä“ bezeichnen würde, hat aber beim Schulskivergleichskampf der Volksschulen Ebenau und Siezenheim den einen oder anderen Erfolg vorzuweisen. Trotzdem kann er mittlerweile einen Winter auch in Distanz zu mechanischen Aufstiegshilfen und Jagatee genießen, solange das Ganze halt ein Winter ist. Aber davon sind wir momentan ziemlich weit entfernt.Eine der vielen schönen Facetten von gutem Wein ist ja, dass er orts- und zeitgebunden ist. Anders als Industriegetränke (und Industrieweine) sollen Böden, Wachstumsphasen, Reifung, die Kunst des Winzers, Klima und nicht zuletzt das Wetter im Glasl schmeckbar sein. Wer weiß, ob sich überhaupt noch irgendjemand um das Wetter scheren würde, wenn alle Menschen Getränke aus Blechdosen oder trendige orangene Kohlensäuremischgetränke zu sich nehmen würden. Und darum ist Herr Rudolf durchaus der Meinung, dass man vom Wetter auch etwas verlangen kann. Und wenn es nur ein Blick auf den Kalender ist.

Sollte das Wetter aber gerade schlafen oder dringend die letzten Neuigkeiten auf Facebook austauschen, dann ist der passionierte Aufklärer Polifka bereit nachzuhelfen. Darum öffnet er, dem Antizyklismus verpflichtet, kommende Woche Winterweine. Und dann werden wir ja sehen, wie lange der Föhn etwas dagegen halten kann. Wobei … der Föhn als solcher ist ja nicht per se ein Unguter. Die Lieblingsappellationen von Monsieur Polifka leben davon, dass der Wind auf der Südseite der Pyrenäen hinaufkraxelt, um anschließend als warmer Fallwind die Weintrauben der an und für sich ja alles andere als niederxlagsarmen baskischen Appellationen Irouléguy und Jurançon zu trocknen. Aber nicht hier in Reindorf und nicht jetzt im Jänner.

Winterweine – freilich nicht ausschließlich solche -, substanziell geprägt von Sonne, die weiß, wann sie einen Auftrag hat,  unverwechselbaren Böden und Röstaromen aus dem Barriquefass
– der Jahre 1997 (Darscho, Velich),
– 2006 (Chardonnay Reserve Uibel),
– 2007 (Chassagne-Montrachet von Bernard Moreau) und
– 2011 (Chardonnay Reserve Uibel) werden den Plusgraden jetzt ordentlich einheizen. Die können sich schon einmal warm anziehen.

Nebenbei wird sich auch ermitteln lassen, wie sich fünf Jahre Flaschenreife auf die Integrationsbereitschaft von Barriquetönen in Leo Uibels Chardonnay Reserve auswirken.

Mittwoch, den 15. Jänner und Freitag, den 17. Jänner
16 bis 22 Uhr in der „Weinhandlung Rudolf Polifka“
Reindorfgasse 22, Wien XV.

Herr Rudolf holt Anorak und Waldviertler aus dem Kasten und empfiehlt, seinem Beispiel zu folgen.
Ain’t no sunshine nor foehn if we drink enough winterwine! Rudolf Polifka

ps Am Mittwoch, den 22. Jänner wird – wie im Jahr zuvor am 22. Jänner die „Weinhandlung Rudolf Polifka“ geschlossen sein. Grund wird der Geburtstag des Herrn Fils sein. Am Freitag, den 24. Jänner gibt es dann dafür Weine, auf die sich Herr Rudolf schon länger besonders freut, als Reverenz an den Herrn Fils.

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