Weißburgundern und bierexperimentieren

Letzte Woche hat der Rudl sozusagen dem Hipster unter den Rebsorten gehuldigt. Da verpflichtet ihn das Bekenntnis zur Ausgewogenheit geradezu, diese Woche eine graue Rebsortenmaus in den Mittelpunkt zu stellen. Diese graue Maus wird „Weißer Burgunder“ genannt und ist als Traube grün, als Wein grün, gelb oder bernsteinfarben. Die Beeren sind halt heller als die der anderen Burgunder Sorten. Aus Burgund ist der Weißburgunder eher schon, was aber nicht den Schluss zulässt, dass er dort relevant wäre. Das ist er fast nirgends, höchstens in Baden, aber im deutschen Baden. Ein bissl im Elsass. Gantenbein hat auch einen. Im Champagner wäre er zugelassen, aber das ist eher potenziell relevant. Dabei ist er vom ungleich verbreiteteren Chardonnay und dem Auxerrois eh kaum zu unterscheiden, außer man hat zufällig ein ampelographisches Labor dabei. Ludwig Neumayer aus dem Traisental dürfte einer der ganz wenigen Weinbaumeister sein, dessen Paradewein ein Weißburgunder ist, vielleicht noch Josef Zens aus Mailberg. Dass man graue Mäuse trotzdem nicht unterschätzen darf, das hat aber schon der Trainer gewusst. Und Denk haben daraus ein wunderschönes Lied gemacht.

 

Die Rebsorte „als solches“

 

ist schon eine ganze Weile bekannt, mindestens seit sechshundert Jahren. Sie stammt unmittelbar wahrscheinlich vom Pinot Gris, in weiterer Folge vom Pinot Noir ab. Als rebsortegewordene Robustheit kann man Weißburgunder ziemlich sicher nicht bezeichnen. Dafür sind seine Schalen zu dünn. Die Mehltaue, Chlorose und ein paar andere Maladien haben am Weißburgunder nicht nur einen Narren gefressen, vor allem bei feuchter Witterung. Dort, wo es wiederum heiß und trocken ist, geht der Weißburgunder dann schnell einmal seiner Säure verlustig. Ziemlich kapriziert.

 

Boden der ersten Wahl

 

Möglicherweise ist kaum eine Rebsorte so an einen Boden gebunden wie Weißburgunder. Kalk braucht er.

Dem Rudl sein Zugang

 

Als Herr Rudolf die ersten Bücher über Wein gelesen hat, es muss so am Beginn der Neunziger Jahre gewesen sein, dürfte Weißburgunder noch höher im Kurs gestanden sein. Das war noch vor Ausbruch der Chardomania. Weißburgunder hat man damals sehr oft als elegant-nussig und vor allem lagerfähig charakterisiert. Ganz ohne Eindruck auf den Rudl dürfte das seinerzeit nicht geblieben sein. Heute scheint Weißburgunder in vielen Publikationen nicht viel besser als Welschriesling wegzukommen.

 

Weißburgunder. Der Wein vom Stein 2008, Ludwig Neumayer, Inzersdorf ob der Traisen, Traisental

 

Irgendein mehrfach gesternter Kochlöffel aus Frankreich hat diesen Wein auf der Karte. Das steht in einem Zeitungsartikel, der im Verkostungsraum von Ludwig Neumayer aufgehängt ist. Von dort hat der Rudl noch bei jedem Besuch einen Weißburgunder vom Stein mitgenommen.

 

Laissez-Faire 2012, Christian Tschida, Illmitz

Reinsortiger Weißburgunder, unverzichtbar in diesem Zusammenhang. Ein Weinname als Programm.

 

Weißburgunder 2013, Josef Lentsch. Dankbarkeit, Neusiedlersee

Zum Glück füllt der Wirt und Winzer vom Rudl seinem Vertrauen den Weißburgunder auch reinsortig und nicht ausschließlich als Untermieter in der Dankbarkeit Weiß ab. Zum Essen der unangefochtene Favorit von Monsieur Polifka. Und genau: Beim Wirt und Winzer vom Rudl seinem Vertrauen können Sie essen und trinken gleichzeitig, weil es dort eine Küche mit virtuosen Köchinnen und Köchen gibt und Gott sei Dank einen Wirt, der schaut, dass die nicht auf die Idee kommen, plötzlich Hummersupperl oder Viktoriabarsch zu kochen. Beim Rudl gibt es keine Küche, keinen Koch und keine Köchin. Aber das bedeutet ja nicht, dass Sie beim Rudl den Wein ohne Papperl zu sich nehmen müssen, vorausgesetzt Sie nehmen sich was zum Essen mit. Beim Herrn Crupi zum Beispiel, einen Prosciutto. Oder am Freitag irgendetwas vom Biobauernmarkt auf der Freyung. Dort gibt es einen sensationellen Gruyère. Oder was Sie halt gerne essen. Es muss ja nicht unbedingt ein Viktoriabarsch sein.

 

Weißburgunder 2013, Herrenhof Lamprecht, Pöllau bei Markt Hartmannsdorf in der Oststeiermark

Der wird auch nicht jede Saison reinsortig abgefüllt. Manchmal ist er im Buchertberg Weiß drinnen. 2013 hat es einen reinsortigen gegeben. Und dem Rudl sein letztes Flascherl gibt es diese Woche „au verre“.

 

Trauben, Liebe und Zeit 2013, Franz und Christine Strohmeier, Lestein, Weststeiermark

Nicht reinsortig, sondern in Koalition mit Morillon und einem einzigartigen Terroir. Mehr muss man über einen Wein von Franz Strohmeier nicht schreiben.

 

Weißburgunder 2014, Karl Renner, Leutschach, Südsteiermark

Würde man schrieben, die Weine von Karl Renner seien die besten konventionellen Weine aus der Südsteiermark, wäre es ein Blödsinn, weil Karl Renner keine konventionellen Weine macht. Und würde man schreiben, dass Karl Renner typische steirische Bioweine macht, wäre es auch irreführend, weil man die fünf Mitgliedsbetriebe von Schmecke das Leben mittlerweile wahrscheinlich als Referenz für steirische Bioweine betrachten kann. Da gehört Karl Renner aber nicht dazu. Auf alle Fälle beherrscht Karl Renner die Kunst, vielschichtige Weine mit weniger als zwölf Percent Alkohol zu keltern.

 

Weißburgunder Selektion 2014, Miesbauer, Joching, Wachau

Der ehemalige Kellermeister von der Domaine Wachau führt in Wösendorf ein äußerst sympathisches Microweingut, ziemlich sicher nicht, um davon zu leben. Alte Wachau.

 

Weißburgunder 2015, Weingut Holzschuh, Platt, Weinviertel

Lindenblüten und Birnen

 

Pinot Blanc Klostersatz 2015, Pichler-Krutzler, Oberloiben, Wachau

Wie erwähnt, der Ausgewogenheit verpflichtet: Neue Wachau

 

Trockenbeerenauslese Weißburgunder – Sauvignon Blanc 1995, Franz Heiss, Illmitz, Neusiedlersee

Bekommt schön langsam Trinkreife

 

Rupertikirtag

 

Der war auch. Und der Rudl war wie schon die letzten Jahre dort. An und für sich ist das nichts Verfassenswertes. Und ziemlich sicher würde der Rudl von dem ganzen Rupertikirtag überhaupt gar keine Notiz nehmen, wenn er noch immer in Salzburg wohnen täterte. Aber mit räumlicher und zeitlicher Distanz kann es zu Sentimentalität kommen. Freilich wäre auch das noch kein Grund, davon in einem Elaborat über Wein zu schreiben.

 

Bräustübl Bier aus Salzburg Mülln. Ein Bierversuch

 

Das vermag Herr Rudolf jetzt wieder flaschenweise zu kredenzen, weil er am Rupertikirtag war. Und dort ist ihm dann auch gleich eine Idee gekommen:

Anders als die meisten Industriebiere und so manches Craft Beer hält das Augustiner Bräustübl Bier aus Salzburg überhaupt nicht lange, etwa zwei Monate. Denn anders als viele Industriebiere wird das Augustiner Bräustübl Bier aus Salzburg kaum konserviert, durch Zugabe von Konservierungsmitteln nicht und thermisch auch kaum. Und wie so ein kaum konserviertes Bier reift, das können Sie diese Woche in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils empirisch nachvollziehen.

Herr Rudolf ist, wie ausgeführt, ab sofort in der Lage, ganz frisches Bräustübl Bier mit Ablauf Ende November 2016 zu offerieren. Dazu sind noch ein paar Flascherl eingekühlt, die am elften Oktober 2016 ablaufen. Und wer es genau wissen will, der oder dem schenkt Biermeister Rudolf einen Schluck von der Charge, die Anfang August abgelaufen ist, ein. Dieses Bier beeinträchtigt Ihre Gesundheit nicht. Das hat Herr Rudolf im Selbstversuch ermittelt. Aber es ist, wie man sagt, „abgelaufen“, darum auch unbezahlbar.

Wenn Sie das möchten, können Sie diese Woche, Augustiner Bräustübl Bier aus Salzburg Mülln in drei Reifestadien vergleichen, synchron oder diachron, im Weinglas oder Flaschenglas, zumindest so lange der Vorrat reicht.

Ein Experiment und folgende weißburgunderhältigen Weine, aber nicht ausschließlich diese, glasweise

  • Pinot Blanc Klostersatz 2015, Pichler-Krutzler, Oberloiben, Wachau
  • Weißburgunder 2015, Holzschuh, Platt, Weinviertel
  • Weißburgunder Selektion 2014, Miesbauer, Joching, Wachau
  • Weißburgunder 2014, Karl Renner, Leutschach
  • Weißburgunder 2013, Herrenhof Lamprecht, Pöllau bei Markt Hartmannsdorf in der Oststeiermark
  • Weißburgunder 2013, Josef Lentsch. Dankbarkeit, Neusiedlersee
  • Trauben, Liebe und Zeit 2013, Franz und Christine Strohmeier, Lestein, Weststeiermark
  • Laissez Faire 2012, Christian Tschida, Illmitz
  • Weißburgunder. Der Wein vom Stein 2008, Ludwig Neumayer, Inzersdorf ob der Traisen, Traisental
  • Trockenbeerenauslese Weißburgunder – Sauvignon Blanc 1995, Franz Heiss, Illmitz, Neusiedlersee

 

am Donnerstag, den 29. Oktober und am Freitag, den 30. Oktober,

jeweils von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

 

Nachrichten aus dem Flaschensortiment

 

Ab sofort ist der Ziefandler 2015 von Friedrich Kuczera aus Gumpoldkirchen wieder verfügbar.

 

Herr Rudolf grüßt graue Mäuse und Eminenzen, freilich nicht exclusiv diese.

 

 

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