Warten auf Opok

Auf manche Dinge im Leben muss man warten, manchmal lange warten. Die Sauvignon Opok-Vertikale von Maria und Sepp Muster hat Monsieur Polifka im Juli 2013 für Anfang September 2013 angekündigt. Aufgemacht er sie bis jetzt nicht. Höchste Zeit!

Der Sauvignon Opok ist, wenn es nach den telefonischen Anfragen beim Rudl seinem Kaufmannsladen geht, nicht der bekannteste Wein von Maria und Sepp Muster, trotzdem aber sein Lieblingswein von ihnen.

Erstens weil er ein Sauvignon ist. Und der Sauvignon blanc ist eine recht bemerkenswerte Rebsorte. Geben tut es ihn fast auf der ganzen Welt. Sogar innerhalb der möglicherweise berühmtesten Weinbauregion Burgund, wo denen so schnell kein neumoderner Rebsortenparvenue hinein kommt, gibt es in der Nähe von Chablis die kleine Appellation Saint Bris, für die nur Sauvignon blanc und Sauvignon gris zugelassen sind. In der sogenannten neuen Welt ist er genauso zuhause wie in Sulztal, nur dass er dort früher Muskat Sylvaner geheißen hat. Vor wenigen Jahren hat es einen ziemlichen Zirkus rund um den Sauvignon gegeben, aber der ist auch schon wieder vorbei. Der weltweit berühmteste Sauvignon ist möglicherweise der Pouilly Fumé aus Zentralfrankreich. Legendär im zeitlichen Sinn ist der aber auch nicht. Ursprünglich hat die Gegend um Pouilly-sur-Loire den Großraum Paris mit Tafeltrauben der Rebsorte Chasselas versorgt. Dann wurde auch in Italien und Spanien die Exportförderung eingeführt und danach getrachtet, dass der Landweg nicht aufgrund von Nichtinanspruchnahme wieder zuwächst. Die Pariserinnen und Pariser haben Weintrauben aus Italien und Spanien gegessen und in Pouilly ist jede Menge Land für die Auspflanzung von Sauvignon blanc- Reben frei geworden. Ob die Pouilly fumés und Sancerres wirklich alle so gut sind, das müssen Sie, gewogene Oenologin und geneigter Bacchant selber herausfinden. Der Silex von Didier Dagueneau schmeckt dem Rudl schon wahnsinnig gut, wenn er nicht zu früh getrunken und aus einem guten Jahr – beispielsweise 1999 – ist. Der teuerste Sauvignon blanc kommt vermutlich auch aus Pouilly und auch von der Domaine Didier Dagueneau: Asteroide heißt er und wächst in einem Weingarten mit wurzelechten Sauvignon-Rebstöcken. Aber den hat der Rudl noch nicht gekostet.

Der Vollständigkeit halber möchte Monsieur Polifka schon auch dazu sagen, dass die grausligsten Weine, die er bis jetzt getrunken hat, wahrscheinlich auch Sauvignons waren. Wenn das Reinzuchtheferl allzu eifrig seinen Dienst tut und die Rebsortencharakteristik doppelt- und dreifach unterstreicht, dann möchte man bei manchen Sauvignons meinen, man sei in ein Sackerl mit diesen bunten Gummizuckerln gefallen. Das braucht Herr Rudolf in seinem Alter nicht mehr.

Der Sauvignon Opok von Maria und Sepp Muster ist das natürlich nicht, womit wir bei zweitens sind. Ganz im Gegenteil: Opok ist die versteinerte Form von kalkhaltigem Mergel und lehmigen Schluffen. Und egal ob grau, blau oder braun, er schaut schon ziemlich vielschichtig aus. Die kesselartig angeordneten Weingärten vom Weingut Muster weisen bis zu 70 Prozent Neigung auf. Heiße Tage und kühle Nächte sorgen für frische, lebendige Weine. Die werden schonend verarbeitet, ohne Reinzuchthefen vergoren und lange im Fass gelagert. Ihr Aroma ändert sich im Lauf ihres Lebens immer wieder, vorausgesetzt man trinkt sie nicht zu früh. Aber wie gesagt: Manchmal muss man warten. Und darum gibt es die Sauvignon Opok Vertikal erst diese Woche

am Donnerstag und am Freitag, von 16 bis 22 Uhr
in der „Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils“, Reindorfgasse 22.

Der jüngste Wein der Vertikale wird übrigens der 2011er sein. Die ältesten sind 2007er. Davon gibt es einen in der konventionellen Glasflasche und einen in einer Tonflasche, an der man sonst die „Erde“ von Maria und Sepp Muster erkennt. Auf den Vergleich ist der Rudl selber schon neugierig. Insgesamt also sechs Sauvignon Opok aus fünf Jahrgängen, freilich nicht ausschließlich.

Den 2009er und 2010er Sauvignon Opok gibt es darüber hinaus auch im Flaschensortiment zu erstehen. Da könnte man sich theoretisch zuhause dann, quasi zur Festigung des Lerninhalts, selber eine ganz kleine Vertikale aufmachen und die gewonnenen Erkenntnisse verifizieren, beziehungsweise ergänzen. Morillon und Rosé von Karl Schnabel sind übrigens auch wieder verfügbar.

Der Rudl erlaubt sich, Sie an die geänderten Öffnungszeiten (Donnerstag und Freitag) und an das Selbermitbringen von im Geschäft zu verzehrenden Speisen zu erinnern, vorausgesetzt natürlich, Sie haben einen Hunger.

Opokt is!
Monsieur Rudolf

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