Von Weinen, die es nicht gibt, von Weinen, die es nicht mehr gibt, und von Weinen. Eine Sauvignon-Vertikale von Branko Čotar als keine Antwort auf die Frage nach dem Sinn

Es gibt Weine.

Und es gibt Weine, die es nicht mehr gibt. Was es nicht gibt, sind Weine, die es nicht gibt, wobei da auch Arbeitshypothesen, die in eine andere Richtung gehen, in Umlauf sind, etwa dahingehend, dass es keinen guten Blauen Portugieser, keinen guten Chasselas oder keinen guten Wachauer vom rechten Donauufer gibt. Herr Rudolf steht solchen Ansichten mit der Gelassenheit eines stoischen Bootsverleihers gegenüber, aber er verspürt dabei die Herausforderung zur Falsifizierung.

Weine, die es nicht mehr gibt

Bei den Weinen, die es nicht mehr gibt, schaut es anders aus. Bei manchen davon tut es dem Rudl leid, dass es sie nicht mehr gibt, beim Riesling Hackelsberg von Josef Umathum zum Beispiel, beim Urknall Sekt von Rudolf Beilschmidt aus Rust und ganz besonders bei den Weinen von Jacques Maillet. Das Gegenstück zu diesen sind zum einen Weine, deren Nichtmehrproduziertwerden Monsieur Rudolf zumindest verkraftet, wenn nicht begrüßt. Zum anderen sind es Weine, die es gibt, deren Produktion Caviste Rudolf aber nicht unbedingt von sich aus offensiv einfordern würde. Numerisch dürften letztere in der Überzahl sein, aber auch das hat nicht nur Nachteile.

Virtual Reality

Manchmal fragt sich der Rudl, ob es nicht gscheiter wäre, Weine nicht auszuschenken, Weine, die es gibt, nicht auszuschenken. So etwas könnte er sich durchaus als seinen Beitrag zur virtuellen Realität vlg. Digitalisierung vorstellen. Und irgendein geschäftstüchtiger Schlaumeier aus dem Silicon Valley programmiert dann eine App dazu, wo man über das Mobiltelefon schlecken und dabei den Geschmack von einem solchen nicht ausgeschenkten Wein wahrnehmen kann. Für etwas Avanciertere tröpfelt der Wein aus dem Dreidädrucker. Und im Handumdrehen könnte das fünfhundert Nachrennern gefallen, ohne dass irgendwo ein Weinglas fotografiert und hochgeladen werden müsste. Und das ewige Dilemma der Semiotik, die Diskrepanz zwischen Bezeichnendem und Bezeichnetem wäre fast überwunden. Wahrscheinlich sollte man über so etwas keine Witze machen, denn ziemlich sicher sitzt längst einer im Silicon Valley und ist knapp vor der Entäußerung.

So oder so, vor drastischen Schritten hat Herr Rudolf Scheu, wenn nicht sogar ein bissl Angst. Und vor dem Entwederoder auch. Darum hat er sich zu einem Kompromiss entschlossen.

Weine, die es nicht mehr gibt

Herr Rudolf wird diese Woche Weine, die es nicht mehr gibt, schon ausschenken.

Sauvignon von Vasja und Branko Čotar

Über Branko Čotar muss der Rudl nicht mehr viel schreiben. Über die eisenhältigen Karstböden rund um Gorjansko auch nicht. Und dass Monsieur Branko beim Weinausbauen nicht hudelt, das erkennt man an den Jahreszahlen auf den Flaschen, die gerade im Verkauf sind.

Über den Sauvignon von Čotar ist vorrangig zu erwähnen, dass es den nicht mehr gibt, nicht weil er gerade ausverkauft wäre. Branko Čotar scheint ihn nicht mehr zu machen. Im Internetz, wie es der Herr Kurt nennt, steht der Sauvignon zwar noch drinnen, aber vor Ort war er die letzten Jahre nicht zu haben. Augenzeugen haben dem Rudl berichtet, dass Branko Čotar den Sauvignon mirnixdirnix ausgerissen habe. Er beschränke sich zumindest in oranger Hinsicht seit 2011 auf autochthone Rebsorten. Das findet Caviste Rudolf grundsätzlich in Ordnung, in dem Fall genaugenommen aber nicht. Zu gut schmeckt ihm der Sauvignon von Čotar. Aber bitte, wenn Herr Branko anders will, nutzt des goa nix. Und es ist ja nicht so, dass das, was er anstatt des Sauvignons machen würde, ungenießbar wäre. Ganz im Gegenteil.

Diese Woche kredenzt der Rudl seine erste und letzte Sauvignon Vertikale von Čotar. Vom Sechser und vom Elfer ist über die Vertikale hinaus jeweils noch eine Flasche zum Kauf verfügbar. Und das war es dann, zumindest mit dem Sauvignon von Čotar beim Rudl.

  • Sauvignon 2002, Branko und Vasja Čotar, Komen, Kras, Slowenien (6,50/10)
  • Sauvignon 2003, Branko und Vasja Čotar, Komen, Kras, Slowenien (6,50/10)
  • Sauvignon 2004, Branko und Vasja Čotar, Komen, Kras, Slowenien (6,50/10)
  • Sauvignon 2005, Branko und Vasja Čotar, Komen, Kras, Slowenien (6/9)
  • Sauvignon 2006, Branko und Vasja Čotar, Komen, Kras, Slowenien (6/9)
  • Sauvignon 2011, Branko und Vasja Čotar, Komen, Kras, Slowenien (6/9)

sowie zum nichtmazerierten Vergleich von einem ähnlich kompromisslosen Weinmeister, aber auf Schiefer, Quarz und Feuerstein

  • Sauvignon Blanc 2011, Josef Umathum, Frauenkirchen, Neusiedler See (4/6)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

selbstverständlich nicht ausschließlich diese sieben Weine gibt es glasweise

am Mittwoch, den 26. und am Freitag, den 28. September

von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Vorschau auf 3. und 5. Oktober

Riesling de vite Jähe Lissen, beziehungsweise Lange Lissen

vom Weingut Roland Minkowitsch 1979 bis 2016, mit Lücken

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag erklären sollte!

Weit entfernt von Wischfläche und von Silicon Valley grüßt Sie Herr Rudolf!

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Mittwoch und Freitag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57 Euro

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