Über den nonverbalen Umgang mit Herausforderungen und eine Sauvignon Blanc Vertikale von Josef Umathum

Nicht die allerunvorteilhafteste geologische Basis für Sauvignon Blanc: Schiefer und Quarz am Joiser Hackelsberg und Feuerstein in Neusiedl.

Und nicht die allerunvorteilhafteste Basis als Weinbauer: Hirn und die Bereitschaft, was getan werden muss, nicht nur wortreich zu analysieren, sondern zu tun.

Josef Umathum ist einer, der nicht „Terroir“ sagt und Zeitgeist meint. Vielleicht manifestiert sich sein Verständnis von Terroir deshalb weniger in halblustigen Etiketten und flüchtiger Säure, als in einem ökologischen, sozialen und ethischen Engagement für die Region und darüber hinaus. Respekt!

Der Rudl hat Angst.

Und er meint damit weder das Coronavirus noch tagespolitische oder gar parteipolitische Angelegenheit. Die Angst vor Letzteren ist schon einmal viel größer gewesen. Herr Rudolf hat Angst vor dem Zeitgeist und der Stimmung. Dass so viel vom Miteinander und vom Zusammenhalt geredet wird, ist für den Rudl schon ein gutes Zeichen, insofern als offenbar viele merken, dass der Zug in die andere Richtung fährt. Aber genügt das?

Noch mehr sorgt sich der Rudl, dass Schüren und Ausleben von Rivalitäten bis in die allerlächerlichsten Lebensbereiche das Leben vergiften. Wundern tut sich Herr Rudolf darüber nicht. Wenn er den Neoliberalismus richtig versteht, dann ist es dessen ureigenster Wesenskern, die gesamte Existenz zu einem Fressen und Gefressenwerden zu banalisieren. Aber dass man diesem totalitären Opfern von allem und jedem zugunsten irgendeines Profites 75 Jahre nach dem 27. Jänner 1945 so lethargisch zuschaut, das geht dem Rudl nicht ein.

Respekt

Rudolf Polifka hat großen Respekt vor Menschen, die gescheit sind, sich dabei aber nicht zurück lehnen, sondern etwas Konkretes tun, um Menschen zu helfen und so die Welt in ganz biederer Gutmenschenmanier ein bissl besser zu machen.

Ariane und Josef Umathum

sind zweifelsohne solche Menschen. Auf sie ist auch dann Verlass, wenn es nicht um Wein im engeren Sinn geht. Diesbezüglich erinnern sie den Rudl glatt an einen guten Bekannten vom Herrn Kurt.

Sauvignon Blanc

Dass der Rudl diese Rebsorte an sich wie wenig andere mag, aber gleichermaßen die meisten Vertreter von ihr nicht riechen kann, hat er schon etliche Male geschrieben. Den Sauvignon von Umathum mag der Rudl, seit er ihn kennt, obwohl sich in diesem Zeitraum der Geschmack vom Rudl ziemlich sicher verändert hat.

Extra trocken, frisch und eher Stachelbeeren als Gummibären.

2009

In Bordeaux ist 2009 hochgejubelt worden. Der Rudl ist in diesem Jahr sogar in Bordeaux gewesen, zum ersten Mal seit 1991. Mit den hohen Bewertungen für diesen Jahrgang hat das ziemlich sicher nichts zu tun. Darauf lässt allein der Umstand, dass der Rudl damals in der Appellation Irouléguy viermal so viele Tage verbracht hat wie in der Weinbauregion Bordeaux, schließen. Und in Irouléguy haben sie dem Jahrgang 2009 deswegen nicht gleich ein besseres Zeugnis ausgestellt. Vom Hégoxuri schmecken dem Rudl, Reisetätigkeit hin oder her, 2007 und 2008 auf alle Fälle besser als 2009.

In Österreich hat man die Serie an „legendären“ Jahrgängen auf 9 besungen.

Den Jahrgang Neunundfünfzig kennt Caviste Rudolf nicht. Er hat aber ein paar ziemlich extraordinaire Neunundsechziger Süßweine getrunken. Auch an den einen oder anderen trockenen Neunundsiebziger kann sich der Rudl erinnern. Das ist allerdings schon ein Zeitl her. Mit Neunundachzig verbindet er keine besonderen oenologischen Erinnerungen, mit Neunundneunzig schon ein paar, auch wenn er diese nicht als „legendär“ bezeichnen würde. Zweitausendneun hat Herr Rudolf aber schon recht systematisch erforscht. Viele Weine aus diesem Jahr sind ihm mehr in ihrer Breite als in ihrer Höhe in Erinnerung.

Viel Niederschlag im März, umso weniger im April, kühler Mai und dann vor allem viel Arbeit für die Feuerwehren und die Hagelversicherungssachverständigen. Der Herbst ist dann ganz passabel gewesen.

2012

Extrem kalter Februar, warmer Frühling, Spätfrost im Mai, achtunddreißig Grad schon Ende Juni, Niederschläge im Juli, Hitze im August und schönes, trockenes Wetter während der Lese. Im Unterschied zu 2011 wenigstens kühlere Nächte im September. Für Süßweine sehr erfreulicher Herbst, für Eiswein noch viel erfreulichere Kälte um den 8. Dezember.

2013

Ein Winter, der sich Zeit lässt, ehe er einen Abgang macht. Dafür kommt dann im Juni gleich einmal die erste Hitzewelle daher, gefolgt von ein paar Überschwemmungen und einer veritablen Affenhitze im Juli und im August. Anders als Herr Rudolf, der Anfang August 2013 Portal und Schaufenster seines Weinkaufmannsladens abschleift und streicht, stellen die Reben zu dieser Zeit die Arbeit ein. Hitzefrei! Zum Glück hat sich das Wasser vom schneereichen Winter und von den Niederschlägen in der ersten Jahreshälfte noch nicht zur Gänze über die Häuser gehaut, bis dann im September wohldosiert wieder etwas kommt. Dazu schienen die Temperaturen im Hochsommer ihr Pulver verschossen zu haben, was vor allem in kühleren Nächten resultiert hat.

2014

Sommer und Herbst 2014 werden nicht aufgrund von Hitzewellen in die Geschichtsbücher eingehen. Deswegen prognostiziert nicht nur der Rudl den Vierzehnern mehr Ausdauer als den Weinen vieler anderer Jahrgänge, freilich nur sofern gesunde Beeren verarbeitet worden sind. Von denen dürfte es halt nicht so viele gegeben haben. Mit den Zweitausendvierzehnern, die noch da sind und leben, hat Monsieur Rudolf größtenteils ziemlich gute Erfahrungen gemacht.

Der Winter hat mild begonnen, aber Mai ist die Sonne dann nicht gerade extrovertiert, ganz anders als der Regen. Im August 2014 verbringt Caviste Rudolf fünfzehn Tage in Savoyen. Nicht einer davon kommt ganz ohne Regen aus. So oder so empfiehlt Caviste Rudolf immer noch, die guten Weißen aus 2014 gegebenenfalls nach den Fünfzehnern zu trinken. Monsieurs Riouspeyrous und Belluard sehen das übrigens auch so. Das österreichische Zentralamt für Wein hingegen bedauert, dass keine „höheren Mostgewichte“ möglich gewesen sind. Dem Rudl seines Erachtens werden die hohen Mostgewichte überbewertet. Er zieht die raffinierteren und frischeren Jahrgänge vor, auch wenn diese vielleicht manchmal länger im Keller reposieren müssen.

Geschrieben wird ja fast jeden November von einem „Winzerjahrgang“. Für 2014 dürfte das gestimmt haben. Ohne Botrytisverzögerer und Schwefelkeule sind viele elegante Weine mit sehr hoher Lagerfähigkeit entstanden.

2016

 

Zu warm und zu trocken im Winter. Früher Austrieb und dann der Spätfrost Ende April. Verhältnismäßig viel Niederschlag, leider auch in Form von Hagel, bis zur letzten Augustwoche. Erst dann kommt das Wetter zur Raison.

Einer von drei nicht sauheißen Jahrgänge in der Dekade.“

Das hat der Rudl relativ knapp und nüchtern nach dem Jahr Zweitausendsechzehn geschrieben. Was er seither mit den wenigen Vertreterinnen und Vertretern dieses Jahrgangs erlebt hat, vermag er überhaupt nicht knapp und nüchtern auszudrücken. Leider sind es halt nur äußerst wenige Beeren gewesen, die den Spätfrösten und Hagelschlägen gesund entkommen sind. Die wenigen, bei denen das der Fall war, scheinen einen ganzen Batzen Kraft mitbekommen zu haben. Caviste Ruzdolf würde sich nicht wundern, wenn 2016 als der Jahrgang des Jahrzehnts in die Weingeschichte eingehen würde.

2017

Kalter Jänner, warmer Februar und warmer März, kühler April, der in Österreich mehr die Äpfel und auch die Hefen im Weingarten als die Trauben im Visier gehabt zu haben scheint. Dann heiß und viel zu trocken. Auffallend viele Siebzehner haben auffallend lange gegärt, beziehungsweise tun das immer noch, was kein Nachteil sein muss. Monsieur Rudolf ist neugierig und freut sich, wenn es Grund zur Neugierde gibt.

2018

Viel Wein und viel Wein, der sehr früh gelesen worden ist. Neugierig ist der Rudl auf ein paar Zweitausendachzehner aus der Weinbauregion Bergland. Zum Glück war es 2019 nicht ganz so heiß. Aber wenn es eines Beweises bedurft hätte, dass es eine Klimakatastrophe gibt, dann hätte der Weinjahrgang 2018 diesen geliefert. Dabei wäre es im Februar und im März ganz passabel kalt gewesen. Alles andere war für den Rudl seinen Wettergeschmack zu vergessen. In Österreich wurden auf der Westautobahn zwei Teststrecken, auf denen man mit hundertvierzig Stundenkilometern fahren darf, eingerichtet. Was der Rudl daran nicht verstanden hat: Warum am 1. August 2018 und nicht am 1. April 2018?

Rudolf Polifka bedankt sich an dieser Stelle für verantwortungsbewusstes Handeln von Weinbäuerinnen und Weinbauern!

 

  • Sauvignon Blanc 2018, Josef Umathum, Frauenkirchen, Neusiedler See (3/5)
  • Sauvignon Blanc 2017, Josef Umathum, Frauenkirchen, Neusiedler See (3/5)
  • Sauvignon Blanc 2016 Josef Umathum, Frauenkirchen, Neusiedler See (4/6)
  • Sauvignon Blanc 2014, Josef Umathum, Frauenkirchen, Neusiedler See (4/6)
  • Sauvignon Blanc 2013, Josef Umathum, Frauenkirchen, Neusiedler See (4,50/7)
  • Sauvignon Blanc 2012, Josef Umathum, Frauenkirchen, Neusiedler See (4,50/7)
  • Sauvignon Blanc 2009, Josef Umathum, Frauenkirchen, Neusiedler See (4,50/7)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

nicht nur diese Weine gibt es glasweise

am Dienstag, den 11. Februar und am Donnerstag, den 13. Februar

jeweils von 16 bis 21 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Vorschau auf die Lehrveranstaltung der kommenden Woche:

voraussichtlich der ultimative Vergleich um den Lieblingsveltliner von Caviste Rudolf: Steinleithn Geyerhof v Spiegel Mantlerhof warm – kühl und gereift: 2017, 2016 und 2008

Herr Rudolf grüßt alle, die wissen, was zu tun ist und das auch tun, obwohl bekanntlich niemand von uns alleine die Welt retten kann!

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Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 16 bis 21 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57

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