Traminer. Eher Schrammel als Reitmayr. Und über den Unterschied zwischen „Platter Traminer“ und plattem Traminer

Zuerst möchte sich der Rudl bedanken. Ein gewisses Maß an Improvisation und Unvorbereitetheit ist der geübte Gast der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils vermutlich gewöhnt. So unvorbereitet wie vergangene Woche am Dienstag hat diese aber vermutlich selten ihre Pforten geöffnet. Für die kommende Woche ist alles zumindest wieder auf das übliche Niveau gebracht.

Vor einer Woche hat Schulmeister Rudolf an dieser Stelle seiner Sorge um die Zukunft des Grünen Veltliners in Anbetracht verantwortungsloser Konsum- und Mobilitätsgewohnheiten Platz gegeben.

Eigentlich …

wäre vergangene Woche der Tag des berühmtesten Drachentöters und Schutzpatrons von Klöch gewesen. Sie wissen, geneigte Oenologin, gewogener Oenologe, das ist der mit dem Kreuz auf den Fahnen im Fußballstadion, wenn die Engländer spielen.

Und eigentlich wäre Klöch das Terroir für Traminer.

Und eigentlich wäre Traminer eine ziemlich interessante Rebsorte mit nicht zu unterschätzendem Reifungspotential. Eigentlich.

Rebsortenopfer

Möglicherweise hat die Erderwärmung ihr erstes Rebsortenopfer bereits gefordert. Auf alle Fälle dürfte es drei oder vier einfachere Sachen, als heute einen passablen Traminer zu keltern, geben.

Aber vielleicht geht es jetzt dann eh viel schneller, als die Gemütsathleten und CO2-Zertifikatshändler glauben. Der Rudl hat viele Pflanzen auf seinem Balkon in Hasenleiten, Altesse, Khaki, Himbeeren, Fichten, Brennesseln, Rosen, Schlüsselblumen und weiß der Kuckuck noch was. Die sind in den letzten Jahren im Juni, Juli und August immer ziemlich trocken gewesen. Darum hat sie der Rudl in diesen drei Monaten mit dem Gartenschlauch bewässern müssen, vorher und nachher haben Gießkandln genügt. Bei Polifkas macht das nicht irgendeine Alexa, die Wassermenge und was weiß der Rudl was sonst noch gleich nach China oder wohin meldet.

Jetzt schließt der Rudl Anfang April schon den Gartenschlauch in der Dusche an.

Paradoxe Neigung

Monsieur Rudolf trinkt besonders gerne Altesse, Petit Manseng und Ruländer, respektive Pinot Gris. Schwer tut er sich mit Riesling, Chenin Blanc oder Roussanne.

Jetzt ist es aber schon in seiner Kindheit keine Kernkompetenz vom Rudl gewesen, sich mit angeblichen oder tatsächlichen Gegebenheiten abzufinden. Darum zieht es ihn heute besonders in die Paradeweinbaugebiete letztgenannter Rebsorten. Findet er dann einen konvenierenden weingewordenen Repräsentanten einer dieser Rebsorten, freut sich Herr Rudolf gerade so wie seinerzeit, wenn er nach stundenlangem Seiner-Mama-ein-Loch-in-den-Bauch-Reden erreicht hat, dass diese sein Lieblingsleiberl mit dem Kopf und der Unterschrift vom Friedl Koncilia darauf um neun Uhr am Abend doch noch gewaschen hat, damit es der Rudl Fils am nächsten Tag wieder anziehen können hat.

Und als Schulmeister ist Monsieur Rudolf naturgemäß entsprechend erfreut aus dem Häusl, wenn eine Lernkraft, die Jahre vor allem durch Äußern von Verständnisstörendem aufgefallen ist, ohne Verletzung des Schutzes geistigen Eigentums etwas Erfreuliches zum Besten gibt. „Soyons réalistes, demandons l’impossible!“ soll einmal einer gefordert haben. Didier Dagueneau hat das dann in seinem Weinkeller an die Wand geschrieben.

Traminer

Nicht ganz so, aber so ähnlich geht es dem Rudl mit Traminer, an und für sich einer seiner Lieblingsrebsorten, einer der ältesten Rebsorten und einer, die früher zweifelsohne ganz grandiose Weine ermöglicht hat. Davon kann man sich in jedem besseren Weinkeller, dessen Inventar bereits die Hacklerregelung in Anspruch nehmen darf, überzeugen.

Über die letzten zehn Jahre ist dem Rudl allerdings aufgefallen, dass ihm weniger und weniger Traminer schmecken. Das hat sicher mit veränderten Geschmacksvorlieben des Rudls zu tun, vermutlich auch damit, dass etliche der Weinbauern, die Caviste Rudolf regelmäßiger frequentiert, keinen Traminer machen. Es wird aber ziemlich sicher auch auf geänderte Wetterverhältnisse zurückzuführen sein.

Denkt Caviste Rudolf heute an Traminer, sind seine Erstassoziationen: integrationsverweigernder Zuckerrest, integrationsverweigernder Alkohol, unentschuldigtes Fernbleiben von Säure. Gegen Ersteres hat der Rudl prinzipiell gar nicht einmal etwas einzuwenden. Das bräuchte halt Zeit. Nur, ohne entsprechende Säure fehlt Herrn Rudolf da ein bissl das Vertrauen auf Améliorisierung.

So oder so ist und bleibt es dem Rudl eine Herausforderung, gerade in der Traminertrostlosigkeit nach erfreulichen Expemplaren dieser Rebsorte zu forschen. Nicht umsonst.

Elsass und Traminer

Der Rudl ist oenologisch nicht im Elsass zuhause. Und es ist eher unwahrscheinlich, dass er das einmal sein wird. Aber ähnlich wie oben in Bezug auf Traminer skizziert, reizt es den Rudl dann umso mehr, sich dieser Unzugänglichkeit zu stellen. Darum musste er vor knapp zwei Jahren einem Besuch im Keller von Jacques Puffeney einen Tag in der Gegend um Colmar folgen lassen. Zu gewinnen ist in dieser Reihenfolge da für den Tag im Elsass nicht viel. Eine Mischung aus Weinbar und Bistro in Colmar hätte von der Beschreibung her zumindest eine würdige Niederlage gegen den Papst von Arbois gewährleisten können. Nur ist sie nicht offen gewesen, als der Rudl sie gefunden hat. Lundi fermé. Nur hat man den 14. August geschrieben, den Tag vor einem Feiertag. Das hat den Rudl nach einer dieser dort ähnlich unvermeidlichen wie meistens ungenießbaren Tarte flambées bewogen, zwei Stunden später noch einmal bei L’un des Sens vorbeizuschauen. Da ist dann offen gewesen. Nur haben Femme und Fils keinen Hunger mehr und noch weniger als keine Lust auf eine Stunde vor, respektive hinter siebzehn Weingläsern gehabt. Darum hat der Rudl die kompetente Weinmeisterin des Lokals gebeten, ihm einen sehr trockenen biologischen Pinot Gris aus ihrem Sortiment zu verkaufen. „Pinot Gris Bollenberg, Domaine Valentin Zusslin“, hat es da knapp, aber eindeutig geheißen. Ein Jahr später hat sich dieses Weingut im Sortiment der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils wieder gefunden.

Und dann …

ist da noch das Weingut Rudolf Fidesser, dessen Wein der Rudl seit Mitte der Neunziger Jahre schätzt. Inzwischen ist das Weingut demeterzertifiziert. Bei Weingütern, die ihren Betrieb in letzter Zeit biologisch umgestellt haben, wundert sich der Rudl manchmal, warum die Weine immer noch so schmecken wie vor der Umstellung. Beim Weingut Rudolf Fidesser schmecken sie auch immer noch so wie vorher. Nur ist es in diesem Fall äußerst begrüßenswert und ein Hinweis, dass man dort mit oder ohne Zertifizierung immer schon eine klare Vorstellung von seriösem Wein gehabt hat.

Einer seiner Lieblingsweine von diesem Weingut ist immer schon der Weiße Traminer gewesen. Und der unterscheidet sich von den anderen Spielarten des Traminers durch seine markante Säure. Trotzdem trifft man in Österreich äußerst selten auf Weißen Traminer. Im Jura ist das anders. Nur nennen sie ihn da Savagnin …

  • Weißer Traminer Sandberg 2017, Weingut Rudolf Fidesser, Platt, Retzer Land (4/6)
  • Weißer Traminer Oberer Höhweingarten 2017, Weingut Rudolf Fidesser, Platt, Retzer Land (4/6)
  • Gewurztraminer „La Chapelle“ 2013, Domaine Valentin Zusslin, Orschwihr, Alsace (5/8)
  • Traminer maischevergoren 2015, Markus Lentsch, Dankbarkeit (4,50/7)
  • Free Solo 2012, Michael Opitz, Apetlon, Neusiedlersee (4,50/7)

    Im Forum der französischen Internetseite lapassionduvin.com hat einer extra erwähnt, dass es sich bei Michael Opitz aus Apetlon nicht um Willi Opitz aus Illmitz handelt.

  • Roter Traminer „H“ 2015, Alice und Roland Tauss, Leutschach, Steirerland (6,50/10)
  • Roter Traminer 2017, Himbeerhof Renner-Vracko, Leutschach, Steirerland (lieblich) (2,50/4)
  • Gewürztraminer Spätlese 2000, Josef Wonisch, Klöch (lieblich) (4/6)
  • Traminer 1993, Karl Lust, Haugsdorf, Weinviertel (Schauma amoi.)

    Einer der allerersten Traminer, die der Rudl in größerer Menge gekauft hat, seinerzeit hat er ihm sehr gut geschmeckt.

  • Savagnin 2013, Domaine Pignier, Montaigu, AOC Côtes du Jura (6,50/10)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

nicht nur diese Weine gibt es glasweise

diese Woche am Dienstag, den 30. April und am Donnerstag, den 2. Mai

von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

Nachrichten aus dem Flaschensortiment

Ab sofort sind die beiden Weißen Traminer und der Grüne Veltliner Retzer Stein vom Weingut Rudolf Fidesser im Sortiment der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils erhältlich.

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag der Menschenwürde erklärt!

Rudolf Polifka grüßt Friedrich Reitmayr, Alfred Schrammel, Greta Thunberg sowie alle Menschen, die die Erderwärmung nicht als Naturgesetz betrachten und die entsprechenden Konsequenzen ziehen.

Schicken Sie ein entsprechendes E-Mail, wenn Sie keine Nachrichten der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils bekommen oder am Donnerstag zwischen 16 und 22 Uhr beim Rudl eine Knackwurst essen möchten.

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22, 1150 Wien

Öffnungszeiten: Dienstag und Donnerstag, 16 bis 22 Uhr, an Schultagen

kostenlose und CO2-minimierte Zustellung innerhalb von Wien ab einem Bestellwert von 57

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