Terroirs und Täler. Bisher in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils nicht kredenzte Altesses – Freitag, 22. September geschlossen

Eines der liebsten Spielzeuge waren dem Rudl seinerzeit als Kind Pfeil und Bogen. Er hat nämlich gerne gebastelt. Dabei ist er weder durch ein Übermaß an Geduld und also Genauigkeit, noch durch besonderes Geschick aufgefallen. Ein Maipfeiferl, mit dem man pfeifen kann, hat Monsieur Rudolf bis heute nicht zusammen gebracht. Darum hat er seine handwerklichen Ambitionen in Gestalt weniger komplexer Werkstücke ausgelebt. Pfeil und Bogen zum Beispiel. Das war nicht gar so schwierig, ein Erfolgserlebnis quasi angesagt. Mit einem zweiten konnte gerechnet werden, weil das Gerät nicht so selten auch seiner Bestimmung nachgekommen ist. Im Pappendeckel sind die Pfeile sogar stecken geblieben. Eine allzu lange Funktionstüchtigkeit war den Bögen aber selten beschieden. Der Rudl hat dazu geneigt, den Bogen zu überspannen. Und das tut er heute noch. Aber das ist wurscht. Meistens.

So legt Caviste Rudolf in seiner Begeisterung für die Weine Savoyens jetzt noch einmal nach und lässt die sieben prinzipiellen Terroirs der Weinbauregion Savoyen sprechen. Alle mit hoheitlicher Stimme. Altesse! Dann wird ein Zeitl eine Ruhe sein, mit Savoyen.

Ein Gutteil der zu kredenzenden Altesses stammt aus dem Jahrgang 2014, ein Jahrgang, der in Österreich womöglich zu Unrecht einen nicht so guten Ruf genießt. In Savoyen war das Wetter 2014 so ähnlich wie in Österreich. In Unterschied zu Österreich gilt Zweitausendvierzehn dort als Jahrgang besonders vielversprechender Weine. Das kann an der Robustheit der Rebsorten Savoyens liegen. Es kann an unterschiedlichen Trinkgewohnheiten liegen. Auch an beidem kann es liegen.

Die sieben Flascherl Altesse stammen aus sieben der acht Weinecken Savoyens. Eine Herausforderung ist dem Rudl nicht so schnell zu groß. Drum repräsentieren sieben Altesses, die der Rudl noch überhaupt gar nicht oder zumindest nicht im entsprechenden Jahrgang offeriert hat, die sieben Täler, präziser sieben Talseiten. Ein sinnvolles Terroir ist in Savoyen fast immer ein Hang. Und ein Hang ist ein Tal. Das hat mit dieser Erosion zu tun.

 

Vallée de l’Arve – Terroir du Mont Blanc

 

Fährt man zum Mont Blanc Tunnel, biegt man in Annemasse in das Tal der Arve ab. Die südlich ausgerichteten Hänge des Chablais bestehen aus Kalkgeröll. Das ist in Savoyen für ein Terroir nicht ganz extravagant. Eine geologische Besonderheit stellt die Lage „Le Feu“ in Ayse dar. Dort ist der Eisengehalt im Boden äußerst hoch. Drum sind die Steine dort auch sehr rot. In ampelographischer Hinsicht fällt das Tal der Arve aus dem Rahmen. Gringet, zu dem sie im Jura „Savagnin“ sagen, ist in Savoyen nur hier als Traube für Weine der Appellation AOP Vin de Savoie genehmigt. Neben Gringet gibt es auch Mondeuse und Altesse. Letzterer heißt bei Dominique Belluard „Grandes Jorasses“. Von dem macht Meister Belluard nicht viel. Drum hat ihn Herr Rudolf auch nicht im Sortiment. Eine Flasche vom Vierzehner macht er diese Woche aber auf.

Altesse Grandes Jorasses“ 2014, Dominique Belluard, Ayse, AOP Roussette de Savoie

 

 

Vallée de l’Isère, oberhalb von Albertville, Beaufortain

 

Monsieur Belluard bezeichnet den von Michel Grisard und Brice Omont Ende der Neunziger Jahre wieder angelegten Weinberg von Cevins als „peut-être le terroir le plus magnifique de Savoie“. Über die Schiefer Terrassen dort hat Ihnen der Rudl schon das eine oder andere erzählt. Der Quartz, reinsortige Altesse, ist auch schon offen gewesen, aber der 2015er Quartz noch nicht.

Quartz 2015, Domaine des Ardoisières, Cevins, IGP Vin des Allobroges

 

Combe de Savoie, linkes Isère Ufer, Abhang der Chartreuse

 

Dort arbeiten die Giachino Brüder. Von deren Altesse hat es beim Rudl sogar schon eine Vertikale gegeben. Es gibt dort aber auch noch Herrn Masson. Der arbeitet auch auf Kalkgeröll. Das hat der Rudl schon gekannt. Monsieur lui-même hat er erst heuer kennengelernt.

Altesse 2016, Jean-Claude Masson, Apremont, AOP Roussette de Savoie

 

Combe de Savoie, rechtes Isère Ufer, Abhang der Bauges

 

Gilles Berlioz bildet gerne Frauen auf seinen Weinetiketten ab. Das ist heute nicht so besonders. Aber nur einen nackerten Frauenpopo oder ein Höschen auf das Flascherl zu picken, ist Monsieur Berlioz zu billig. Die Etiketten seines „Les Filles“ sind Kunstwerke. Auch seine Altesse „El Hem“ wird als Hoheit noch einmal gehoben durch eine Frauendarstellung, vielleicht der Unterschied zwischen Naturwein und Kulturwein. Zum ersten Mal glasweise beim Rudl.

Altesse El Hem“ 2015, Domaine Partagé (Gilles Berlioz), Chignin, AOP Roussette de Savoie

 

Montagne du Chat, ganz, ganz oberes Rhône-Tal

 

Der Lieblingsberg von Richie Porte wird der Dent du Chat möglicherweise nicht mehr werden. Vielleicht aber schon, weil man sich bei so einem Sturz auch mehr wehtun kann.

Der Rudl hat heuer dort in der Einschicht eine Woche Urlaub gemacht und zum ersten Mal eine Kirchenglocke, die auch in der Nacht jede volle Stunde zweimal die Stunde annonciert, gehört. Das war die Kirche von Jongieux, wo die Dupasquiers wohnen. Deren Weine schätzt Caviste Rudolf überaus. Darum hat er sie auch immer wieder offen, zuhause gerade so als wie im Geschäft. Diese Woche möchte Herr Rudolf trotzdem den kleineren Bruder des Crus Marestel in den Vordergrund stellen. Roussette de Savoie, Cru Monthoux

Altesse Reserve Confidentielle Cru Monthoux 2014, Million Rousseau, Monthoux, AOP Roussette de Savoie

 

Chautagne, noch viel obereres Rhône-Tal

 

Wenn Sie dem Rudl im Uhrzeigersinn folgen möchten – Sie können das auf der Landkarte vor dem geistigen Auge oder im Boot auf dem Canal de Savières von der Rhône in den Lac du Bourget tun – kommen Sie jetzt zu Monsieur Moustache. Über den hat der Rudl auch schon viel geschrieben. Längst noch nicht alles, aber jetzt ist gerade nicht genug Zeit.

Geologische Besonderheit der Chautagne ist der Sandstein, aber kein Loess, sondern angeschwemmter Sand, außen weich, innen pickelhart. Auch sehr hoher Kalkanteil.

Altesse Cellier des Pauvres 2015, Jacques Maillet, Chautagne, AOP Roussette de Savoie

 

Seyssel, und noch weiter die Rhône hinauf

 

Eine der beiden Ortsappellationen der Weinbauregion Savoyen. Abgesehen George Siegenthalers Domaine de Vens-le-Haut dürfte die ähnlich wie die andere, Crépy, vorwiegend von ihrer Vergangenheit leben.

Altesse 2013, Domaine de Vens-le-Haut, Seyssel, AOP Seyssel

 

Frangy – Vallée des Usses

 

Altesse Cuvée du Pépé Vieilles Vignes, Cru Frangy 2014, Bruno Lupin, Frangy, AOP Roussette de Savoie

 

Noch weiter die Rhône hinauf kommen Sie dann in den Genfer See. Darum ist das Südufer desselben gewissermaßen auch ein Tal. Man wäre hier jetzt wieder beim Chablais Gebirge, nur halt an der nördlichen Seite davon. Der Genfer See ist im Prinzip ja so etwas wie das von einer Schlange verschlungene, aber nicht verdaute Kaninchen, von der Form her. Aber das ist in diesem Zusammenhang eh irrelevant, weil es dort keine Altesse gibt.

 

  • Altesse „Grandes Jorasses“ 2014, Dominique Belluard, Ayse, AOP Roussette de Savvoie (6/9)
  • Quartz 2015, Domaine des Ardoisières, Cevins, IGP Vin des Allobroges (11/17)
  • Altesse 2016, Jean-Claude Masson, Apremont, AOP Roussette de Savoie (4,50/7)
  • Altesse „El Hem“ 2015, Domaine Partagé (Gilles Berlioz), Chignin, AOP Roussette de Savoie (6/9)
  • Altesse Reserve Confidentielle Cru Monthoux, Rousseau, Monthoux, AOP Roussette de Savoie (3/5)
  • Altesse 2015, Jacques Maillet, Chautagne, AOP Roussette de Savoie (5/8)
  • Altesse Cuvée du Pépé Vieilles Vignes, Cru Frangy 2014, Bruno Lupin, Frangy, AOP Roussette de Savoie (3/5)
  • Altesse 2013, Domaine de Vens-le-Haut, Seyssel, AOP Seyssel (3/5)

(in Klammern die Preise für das Sechzehntel und das Achtel)

 

… diese Weine, aber nicht ausschließlich diese kredenzt Caviste Rudolf glasweise

am Mittwoch, den 20. September

von 16 bis 22 Uhr

Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

 

Im Übrigen ist Rudolf Polifka der Meinung, dass man den 27. Jänner, den Tag der Befreiung der Überlebenden aus dem Vernichtungslager Auschwitz zu einem europäischen Feiertag erklären sollte!

 

… und noch eine Deklaration in eigener Sache

 

Der Rudl fühlt sich betrogen. Er hat seinerzeit vor mittlerweile exact zwanzig Jahren dem Bundesland Salzburg den Rücken gekehrt, um in Wien als Schulmeister tätig zu sein. Er hat also damals im Vergleich zu Schulmeistern in Wien eine Woche später mit den Ferien begonnen und diese dann gleichzeitig mit letzteren beendet. Manchmal kommt dem Rudl heute, nach zwanzig Jahren noch vor, dass das nachwirkt. Das Ende des Schuljahres erwischt ihn regelmäßig auf dem falschen Fuß, das Ende der Ferien detto.

Das Ganze ließe sich freilich einfach ausgleichen, indem der Rudl den Mittelpunkt seiner Lebensinteressen wieder nach Salzburg zurück verlegen würde. Daran denkt er nicht. Er wird der geschilderten Problematik jedoch dahingehend Rechnung tragen, dass er heuer zum Tag des Salzburger Landespatrons nach Salzburg fahren und dort nicht nur auf den Ruperti Kirtag gehen, sondern auch die Zuge des Reindorfgassenfestes epuisierten Kisten Bräustübl Märzen aus Salzburg Mülln wieder auffüllen wird. Darum bleibt sein Weinkaufsgeschäft am Freitag, den 22. September ausnahmsweise geschlossen.

Dafür wird Monsieur Rudolf heuer am sogenannten Leopolditag, am Mittwoch, den 15. November im Unterschied zu den anderen Bildungseinrichtungen der Stadt Wien offen halten.

Herr Rudolf hat die Ehre!

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