Sieben Rosés. Vom Baskenland über das Schilcherland bis Ziersdorf. Ein Beitrag zur politoenologischen Farbenlehre

Eigentlich = nicht

 

Eigentlich“ ist ein unanständiges Wort. Wenn irgendwer oder irgendwas „eigentlich“ irgendwie ist, dann kann man in der Regel davon ausgehen, dass er eben gerade genau nicht so „irgendwie“ ist. Wenn in einem Staat „eigentlich“ die Regierung regiert, dann hat dieser Staat ziemlich sicher mindestens ein Problem.

 

Roséweinkompetenzzentrum Rudolf Polifka et Fils a.D.

 

Aber immer stimmt es auch nicht.Der Rudl hat ursprünglich eigentlich vorgehabt, seinen Weinkaufsladen als Kompetenzzentrum für Roséwein zu eröffnen. Und das hat er wirklich vorgehabt. Darum waren in den ersten Monaten, in denen Herr Rudolf sein Geschäft nicht aus Umbauarbeits- und Einrichtungsgründen aufgesperrt hat, 22 von 120 Weinen, die er sein Sortiment genannt hat, Rosés, darunter neun biologische Schilcher.

Irgendwann hat sich Caviste Rudolf dann gedacht, dass er selber schon immer wieder gern einen Rosé trinkt, aber so oft auch wieder nicht. Und das ist es dann gewesen mit dem Roséweinkompetenzzentrum, zumindest fast ziemlich sicher eher.

 

Es muss im Leben weniger als alles geben.

 

Ganz unreizvoll findet Herr Rudolf die Idee immer noch nicht. Aber man kann nicht alles machen. Und spurlos ist das damalige Ansinnen am Keller vom Rudl eh nicht vorbei gegangen. Da findet sich schon noch der eine oder andere Eckpunkt des Projektes Roséweinkompetenzzentrum. Denen wird Herr Polifka diese Woche auf den Grund gehen.

 

Macharten für Rosé gibt es ja mehrere:

 

Man kann blaue Weintrauben früher oder später, auf alle Fälle aber früher als man es für eine Rotwein machen würde, pressen und dann fertig vergären. Je später man presst und die Maische entfernt, desto dunkler wird der Rosé. Je weniger farbintensiv die Rebsorte, desto länger darf die Konferenz zwischen Wein und Maische dauern, ohne dass gleich „Rotwein“ im Konferenzprotokoll steht.

 

Saignée

 

Oder man macht Rotwein und zieht aus dem Gärbehälter mit dem blauen Gatsch nach spätestens zwei Tagen Traubensaft ab. Dann ist der Rosé quasi ein Kollateralnutzen der Rotweinkelterung, sofern es sich um gutes Traubenmaterial handelt. Und der Rotwein konzentrierter, weil der besonders flexible Teil des Mosts, der überhaupt nicht lange nachdenken muss, bevor er sich aus dem Gärbehälter verdünnisiert, eben nicht allzu extraktreich ist. Der Franzose heißt das dann Saignée. Andere sagen: „Ich kann mich nicht erinnern.“

 

Beide Varianten haben ihre Befürworter und Kritiker. Von denen führen beide ihre begründeten und nicht so gut begründeten Argumente und Gegenargumente ins Treffen.

 

Kohle

 

Die unerfreulichere Tour ist es, Rotwein rabiat durch Aktivkohle aufzuhellen.

 

Verschnitte

 

Und dann kann man natürlich hergehen und einen Richebourg 1985 mit einem Silex 1986 mischen. Das ergibt dann ziemlich sicher auch einen Rosé. Geschäftstüchtige Kreise wollten vor ein paar Jahren erreichen, dass dieses Verfahren zur Roséerzeugung in der Europäischen Union zugelassen wird. Aber da haben die Franzosen nicht mitgespielt.

 

Österreichische Staatskunst

 

Rudolf Polifka ist froh, dass es damals nicht auf die gegenwärtige österreichische Staatskunst angekommen ist. Gemäß dem Motto „Ich füttere mit Steuerinseraten Hetzblätter, aber mit einer Hetzer-Partei werde ich ganz sicher nie koalieren, zumindest fast ziemlich sicher eher nie oder so!“ hätte die sich im Boulevard vermutlich zuerst vollmundig ganz besonders „So“ gegen jegliche „EU-Pantscherei“ verwehrt und wäre dreimal umgefallen gewesen, bevor die kunterbunte Edelfederei in die U-Bahn-Stationen ausgeliefert gewesen wäre. Vielleicht auch eine Form von rosé. Oder von broncé? Und wenn das ganze zu braun wird, verhilft Aktivkohle zur Tarnung. Und wenn die Broncierten wieder einmal irgendwo an der Macht waren, alles verschustert haben und es nachher nicht gewesen sind, dann hilft die Passivkohle aus der Gegenfinanzierung einer sogenannten Steuerreform.

 

Subjektive oenologische Erfahrungen

 

Vor ein paar Jahren hat der Rudl vor einer Übersiedlung auf die Hasenleiten mit seinen beiden Kollegen W. und Z. eine Studie an Altweinen durchgeführt, seinerzeit noch am alten Institut in der Diefenbachgasse. Diese Studie hat einige Indizien dafür ans Tageslicht befördert, dass manch ein Rosaroter im Alter leicht braun wird. Das könnte mit dem Extrakt zusammen hängen.

 

Schilcher

 

Dann gibt es Schilcher. Der war einmal dafür bekannt, „resch“ zu sein, ähnlich wie das der „Brünnerstraßler“ seinerzeit war. Heute können beide resch sein, sie können aber auch wie ein Wasserl, in dem man ein Zuckerl aufgelöst hat, schmecken. Oder nach irgendetwas zwischen „resch“ und „Zuckerlwasser“.

 

Gründe genug, ein paar Rosés auf den Zahn zu fühlen und zu zeigen, dass sie Biss haben und dass auch sie nicht gleich braun werden, wenn der Wind aus einer anderen Richtung weht. Darum mit einer perlenden Ausnahme alle aus nicht aktuellen Roséjahrgängen:

 

Domaine Arretxea, Irouléguy Rosé 2011, Sud Ouest

80 Percent Tannat, 20 Cabernet Franc, auf sehr eisenhältigen Sandsteinböden und auf Kalk gewachsen. Zwölf heiße Maischestunden für den tanninreichen Tannat, keine Säureabbau, auf der Feinhefe ausgebaut. Haltbarkeit: sieben bis fünfzehn Jahre. „Winterrosé“ tituliert.

 

Domaine Dupasquier, Rosé 2011, Savoie

Dem Rudl sein Lieblingsrosé aus Savoyen

 

Weingut Kainz, Schilcher Ried Gundersdorf 1991, Schilcherland

Chroenologist Rudolf hat mit der heute populären Phrase „Das geht gar nicht!“ noch gar nie etwas anfangen können. Vielmehr hält er es mit 1 Thess 5,21.

 

Maria und Sepp Muster, Schilcher 2010, Südsteiermark

Karger Opok-Boden, alte Rebstöcke. Nicht aus dem Ursprungsgebiet des Schilchers: eine Referenz und die weingewordene Verifizierung der These, dass man nicht bleiben muss, wo man immer war, aber dass man sich daran erinnern soll, wie das ein guter Bekannter vom Herrn Kurt einmal formuliert hat.

 

Franz und Christine Strohmeier, Schilcher N° 25, 2013, Franz und Christine Strohmeier, Schilcherland

Schon aus dem Ursprungsgebiet des Schilchers: auch eine Referenz

 

Karl Schnabel, Rosé 2013, Südsteiermark

Herrn Karls Rosé-Premiere

 

Weinhof Uibel, Grand Rosé Brut, Pinot Noir, Weinviertel

Herrn Leos Pinot-Schaumweinpremiere

 

Diese Rosés, aber nicht ausschließlich Rosés kredenzt Monsieur Polifka

 

am Donnerstag, den 18. Juni und am Freitag, den 19. Juni

von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils, Reindorfgasse 22

 

Nachrichten aus dem Flaschensortiment

 

Den Grand Rosé Brut von Leo Uibel gibt es ab sofort auch im Flaschensortiment der Weinhandlung Rudolf Polifka et Fils.

 

Citoyen Rudolf grüßt diese Woche ganz besonders jene, die das, was sie vorgeben zu tun, auch wirklich tun und auch noch tun, wenn der Wind dreht.

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