„Schmeckate Weine“ und „schmeckate Weine in disguise“

Auf seiner Studienreise über die südsteirische Weinstraße kam Herrn Rudolf im sehr zu empfehlenden Buschenschank Firmenich in Berghausen folgender Dialog zu Gehör:

Wirtin: An Muskatöller kann i Ihnen a anbieten.

Gast: Na! Mia san ausm Wäviadl, mia megn kane schmeckatn Wäne.

Gestatten Sie dem Herrn Rudolf dazu einen kurzen Traktat: Unter „schmeckaten Weinen“ versteht man landläufig Weine, die aus besonders aromatischen Rebsorten vinifiziert werden. Als solche gelten in Österreich vor allem die diversen Spielarten des Traminers und des Muskatellers, der Muskat Ottonel, sowie Sämling 88, Müller Thurgau und vielleicht auch der frühreife Bouvier, manche zählen auch den Sauvignon Blanc dazu: Rebsorten, deren Trauben besonders aromatische Geschmacksbilder bieten, vielleicht im Gegensatz zum Melon de Bourgogne, aus dem am Unterlauf der Loire der für manche verwirrend benannte Muscadet Sèvre et Maine, zum Beispiel der von Monsieur Brégeon, gekeltert wird. Melone de Bourgogne gilt als eine besonders geschmacksneutrale Rebsorte, von der man sagt, dass sie den Bodencharakter besonders gut zum Ausdruck bringt.

Aber zurück zum Weinviertler Gast mit der Aversion gegen „schmeckate Wäne“: Seit 2003 gibt es den Weinviertel DAC (Districtus Austriae Controllatus), einen gebietstypische Grünen Veltliner aus dem Weinviertel mit pfeffrig-würzigem Geschmack, sagt man. Der kommt offenbar ganz gut an und darum erblicken in fast allen niederösterreichischen und burgenländischen Weinbaugebieten DAC-Weine das Licht der Welt. Der Rudl hat etliche Weinviertel DAC getestet. Darunter  war der eine oder andere pfeffrig-würzige, die Mehrzahl weckte in ihm aber Erinnerungen an die Zeit, als er statt des Mittagessens lieber ein Sackerl Gummiteddybeeren, Gummierdbeeren oder Gummiwasweißich gegessen hätte. Diese Weinviertler Veltliner zeichneten sich durch alle möglichen und ziemlich intensiven Aromen aus, waren also durchaus als „schmeckat“ zu bezeichnen – „leider“, möchte man fast sagen.

Der eingangs erwähnte Gast mag „schmeckatn Wänen“ aus dem Weg gehen, diese Abneigung aber quasi mit dem Hinweis auf seine Herkunft, das Weinviertel, zu begründen, wird dem Weinviertel nicht gerecht und hat den Rudl auch nicht überzeugt. Dem gefällt es zum Beispiel, dass die Falkensteiner Winzer Heinrich und Josef Salomon darauf verzichten, einen DAC zu keltern, weil ein gebietstypischer Veltliner Zeit zur Entwicklung braucht.

Auf alle Fälle gibt es diese Woche „schmeckate“ Weine, die Zeit gehabt haben, sich zu entwickeln, glasweise in der „Weinhandlung Rudolf Polifka“. Ihre „schmeckate“ Aromatik ist auf die Traubensorte und nicht auf die Reinzuchthefen zurückzuführen: zum Beispiel den Muskateller von Sepp Muster, den Muskat Ottonel von Günther Schönberger, einen Weinviertler Traminer von Josef Salomon, vermutlich auch einen Sämling und einen äußerst seltenen Blauen Muskateller, eine Variante des Muskatellers als Rotwein.

Weine, die Kinder und Erwachsene oder Thomas Gottschalk ebenso froh machen, werden keine dabei sein. Und der Grüne Veltliner Rosenberg 2009 von Josef Salomon wird zeigen, dass ein Weinviertler Veltliner, der schmeckt, nicht „schmeckat“, sondern reif sein soll, 

am Mittwoch und am Freitag

von 16 bis 22 Uhr

in der Weinhandlung Rudolf Polifka, Reindorfgasse 22

Neu im Flaschensortiment der „Weinhandlung Rudolf Polifka“ sind übrigens der Gemischte Satz Buchertberg Weiß sowie der Pinot Noir vom Herrenhof Lamprecht aus Pöllau in der Oststeiermark.

Aus dem Kurzurlaub zurück meldet sich und grüßt Sie

Rudolf der Schulmeister

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